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Full text of "Die Gartenwelt"

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DIE 


GARTENWEkT 


ILLUSTRIERTES  WOCHENBLATT 
FÜR  DEN  GESAMTEN  GARTENBAU 


HERAUSGEGEBEN 
VON 


MAX  HESDÖRFFER,  BERLIN 


UBRAIH 

7.  JAHRGANG      «ew  v«.** 

■OTAMCAL 

(1902  — 1903)  «UKUHfV 


MIT  9  FARBIGEN  TAFELN,  ZWEI  TONDRUCKTAFELN 
EINEM  FARBIGEN  WANDKALENDER  UND  MIT  486  ABBILDUNGEN  IM  TEXT 


LEIPZIG 

VERLAG  VON  RICHARD  CARL  SCHMIDT  &  Co. 

1903 


ALLE  RECHTE  VORBEHALTEN. 


f.* 


DRUCK:  ANHALT.  BUCHDR.  GUTENBERG,  E.  G.  M.  B.  H.,  IN  DESSAU. 


UM. 
■*>TAN,CA, 


Inhalt  des  siebenten  Jahrganges. 


(Die  illustrierten  Artikel  sind  mit  einem  *  versehen  ) 


8 


Aus  deutschen  Gärten. 

Altmann,  Kgl.  Oberhofgärtner. 

'Ein    alter    herrschaftlicher    Garten.     Dei 

königliche  Hofgarten  in  Ansbach  193. 
Hesdörffer,  Max. 

*Die  städtischen    Anlagen  Wandsbeks  565. 

—     *Aus     dem     botanischen     Garten     zu 

Göttingen  613. 
Trenkner,  B. 

*Park  und  Gärtnerei  der  Villa  Hügel  313, 

325,  337. 
Wehrhahn,  R., 

'Architektonischer   Sehmuck    in    den    kgl. 

Gärten  zu  Herrenhausen  469. 

Aus  deutschen  Handelsgärtnereien. 

Jacobs,  0. 

Aus  einer  Handelsgärtuerei  Mecklenburgs  92. 
Moritz,  W. 

Kulturen   der  Firma  Kleiuwächter  &  Co., 

Hamburg-Barmbeck  268.   —  'Wandsbeker 

Kulturen  217. 

Ausstellungsberichte. 

Beuss,  Heinrich. 

Die  Obst-Sonderausstelluug  in  Düsseldorf 
1902  58. 

Dänhardt,  W. 

Von  der  Londoner  Chrysanthemum  -  Aus- 
stellung vom  4. — 6.  November  1902  112. 

Grote,  H. 

Erste  deutsche  Obstausstellung  in  Brunn 
in  Mähren  131. 

Hesdörffer,  Max. 

Die  allgemeine  deutsche  Obst -Ausstellung 
in  Stettin  34.  —  *Die  Provinzial- Garten- 
bau-Ausstellung in  Hannover  vom  26.  bis 
28.  September  23,  '57.  —  *Das  Rosarium 
und  die  Rosen  -  Ausstellung  des  Vereins 
deutscher  Rosenfreunde  in  Sangerhausen 
502,  *505.  —  *Die  Ausstellung  der  Ver- 
einigung Wandsbeker  Handelsgärtner  vom 
25.-28.  August  1903  584,  *615. 

Kohlmannslehner,  Heinrich. 

Die  Ausstellung  des  Vereine  Hamburger 
Chrysanthemum-Freunde  und  des  Garten- 
bau-Vereins  für  Hamburg  und  Umgebung. 
Vom  18.  — 23  November  1902  130.  — 
II.  Neues  und  einiges  Alte  von  der  Ham- 
burger Ausstellung  153.  —  'Die  grosse 
Londoner  Frühjahrsausstellung  *484,  510, 
*525. 

Mahling,  Johannes. 

*Gemüse  -  Neuheiten  auf  der  Erfurter 
Gartenbau-Ausstellung  44. 

Thiem,  Georg. 

Lokal-Gartenbau-Ausstelluug  der  Bayerisch. 
Gartenbau-Gesellschaft  in  München  24.  — 


*Die    Ausstellung   der   k.  k.  Gartenbau-Ge- 
sellschaft in  "Wien  416. 

Blumenbindekunst. 
Tod,  Max. 

Tafelarrangements    gelegentlich     der     Ab- 
haltung fürstlicher  Hofjagden  474. 

Blumenhandel. 

Hesdörffer  Max.    i 

Blumenhandel  in  Berlin  231. 

Blumentreiberei. 

Balke.   W. 

Wohlfeile  Art  Flieder  zu  treiben  266. 
Fischer,  Josef. 

'Rosentreiberei  in  England  2S2. 
Rimann,  Carl. 

'Glycine  chinensis  als  Treibstrauch  49. 
Schmeiss,  Oskar. 

Das  Treiben  der  Schneeglöckchen  224. 

Chrysanthemum. 

Türpe,  Max. 

'Chrysanthemum   „Prinzesse   Bassaitiba  de 

Brancovan"  266. 
Ziskoven,  Carl. 

Gute,  bewährte,  neuere  und  neueste,  reich- 

und  frühblühende  Chrysanthemum  200. 

Dahlien. 

Adam,  R. 

Die  Vermehrung  der  Edeldahlie  durch  Ver- 
edeln 245. 

Berthold,  Paul. 

'„Britannia",  eine  herrliche  Kaktusdahlie 
für  Bindezwecke  86. 

Blau,  Georg. 
'Das  Veredeln  der  Dahlien  244. 

Daniel,  Georg. 

Englische  Dahlien-Neuheiten  52. 

Kohlmannslehner,  Heinrich. 
Deutsche  Dahlien-Neuzüchtungen,  a)  Die 
diesjährigen  Neuheiten  30,  —  b)  Die  be- 
merkenswertesten Neuheiten  für  1903  63. — 
'„Serpentina",  meine  diesjährige  Edel- 
dahlien-Ein  füll  rang  320. 

Moritz,  W. 
•Ahrensburger  Edeldahlien-Neuheiteu  85, 

Ortmann,  A. 

Vortrag,  gehalten  am  9.  September  in  der 
Dahlienausstelluug  in  Erfurt  19. 

Rudel,  E.  R. 

'Edeldahlie  ..Königin  Carola"  393. 

Türpe,  Max. 

Dahlie  „Countess  of  Lonsdale"  244. 

Werner,  Paul. 

Veredlung  der  Dahlien  308. 


Wvss,  Emil. 
'Dahlia  „Helvetia"  21. 


Deutsche  Mustergärtnereien. 

Hesdörffer  Max. 

'Die  Orchideengärtnerei  des  Herrn  Otto 
Beyrodt  in  Marienfelde  bei  Berlin  385. 

Keim,  J. 

'Clematis,  Rosen  und  Flieder  in  der  Handels- 
gärtnerei  von  Franz  A.  Kreis.  Nieder- 
Walluf  37. 

Farne. 
Beetz,  L. 

Gymnogramme      schizophylla      ..Etatsrätin 

Donner"  und  Cheilanthes  elegans  225. 
Hein,  K. 

Die    Lyeopodiaceen,     speziell    Lycopodium 

uud  Selaginella  82. 
Herrmann,  Rob. 

'Polypodium  Reinwardtii  463. 
Jacobs,  O. 

'Anspruchslose  Farne  493. 
Krone.  K. 

Farnfiguren,   ein  Pflanzenmissbrauch    392. 
Metzner,  Reinhold. 

Selaginellen  160. 
0 1  h  m  e  r ,  Beruh. 

'Die  schönsten  Farnpflanzen  des  Freilandes 

und    der    Glashäuser.      3.    Gymnogramme 

schizophylla  Bak.  123.  —  4.  Pteris  flabellata 

Thbg.,  arguta  Ait.  und  tremula  R.  Br.  343. 
Sandhack,  Herrn.  A. 

'Adiantum  farleyense  133. 
Wehrhahn,  R. 

'Seolopendrinmofficinarum  var.daedaliim93. 

Gärten  des  Auslandes. 

Berger,  Alwin. 

Ein  Sommerbrief  aus  La  Mortola  555. 
Meyer,  F.  W. 

"Aus  englichen  Gärten.     IV.  Friar  Park  zu 

Henley-on-Thames.     589. 
Rade,  Karl. 

'Der  Park  „Buttes  Chaumout"  iu  Paris  361. 
Rimann,  C. 

*Der  Garten   des  Herrn  J.  R.  Hai<i 
Sprenger,  C. 

Die  Gärten  des  Alkäzar  in  Sevilla 

Gärtnerische  Reiseskizzen. 

Bierbach,  Oskar. 

Temesvarer  Handelsgartnereien  304. 
Hesdörffer,  Max. 

Momentbilder  von  den    Inseln    Rüg.-: 

Bornholm 
Kohlmannslehner,  Heinrich. 

Ein  Besuch    bei  Lemoine    in    S 

—  IL  218. 


IV 


Die  Gartenwelt. 


VII 


Po  lim  er,  F. 

*Etwas  vom  Zsckopautale  65. 

Ryssel,  Eduard. 
Meine  Reise  von  Pjatigorsk   nach  Buchara 
L".i4.    —    Reisen    im    Thian-scban    und    in 
chinesisch  Turkestan  459,  476, 489, 498, 513. 

Sprenger,  C. 

*Der  Palmenwald  von  Elche  438. 

Gehölze. 

Beuss,  H. 

Ein  weiterer  Beitrag  zur  Gefährlichkeit,  der 
Weissdornhecken  als  Brutstätte  und  Unter- 
schlupf von  Ungeziefer  317. 

Büttner,  Max. 

»Eine  Trauer-Espe  447,  *448. 

Brand,  0. 

Hedysarum  multijugum  574. 

Engelmann,  H. 

"Ein  merkwürdiger  Walnussbaum  498. 

G  r  a  m  s. 
Ueber  das  Pflanzen  der  Weidenstecklinge  86. 

Hambster,  G. 

Hochstämmchen  der  Glycine  chinensis  173. 

Jahr,  Oskar. 
.  Ein   Prachtexemplar   einer   Blutbuche  619. 

Jurass,  Paul. 

Die  Hainbuche  und  ihre  Abarten  114.  — 
Gehölze  mit  monströsen  Zweigen  319.  — 
Unsere  Sorbus-Arteu  und  Abarten  448.  — 
Park-,  Zier-  und  Alleebäume,  die  ohne 
Schnitt  eine  schöne,  kugelförmige  Krone 
bilden  583. 

Keim,  J. 

"Strassenbäume  89. 

Lrdien,  F. 

Ueber  den  Schutz  immergrüner  winterharter 
Gehölze  nach  dem  Verpflanzen  147. 

Lessei',  E. 

Weissdorn  und  kein  Ende  370. 

Olbrich,  St. 

*Eine  starke  Blutbuche  und  die  ältesten 
oder  Stammpflanzen  der  Blutbuchen  über- 
haupt 618. 

Muth,  L.  A. 
"Hervorragende    Cydonia    japonica-  Sorten 
113.   —  *Einige  schöne  Berberitzen  413. 

Purpus,  A. 

"Hamamelis  japonica  S.  et  Z.  405;  — 
"Rhododendron  dahuricum  413. 

Rehnelt,  F. 

"Leyeesteria  formosa  Wall.  355. 

Schneider,  Camillo  Karl. 
"DerTrompetenbaum  und  seine  Verwandten ; 
88;  —  Seltene  Gehölze  im  Wiener  Rat- 
hausparke 115.  —  *Die  Arten  der  Gattung 
Aesculus  145.  —  Dendrologische  Plaudereien. 
I.  Im  Vorfrühling  318.  —  *Einige  Arten 
der  Gattung  Prunus  496.  —  "Ein  Beitrag 
zur  Bestimmung  der  in  unseren  Gärten 
angepflanzten  Eichen-Arten  nach  den 
Blättern  544,  570. 

Schulze,  G. 

Monis  nigra  114.  —  Zwei  Pflanzen,  welche 
gleichzeitig  Zier-  und  Nutzpflanzen  sind  141. 

Tuipe  ,  Max. 

Rationelle  Aufzucht  einer  Weissdornhecke 
268.   —  Nochmals  der  Weissdorn  440. 

Wocke,  E. 

Polygala  Chainaebuxus  128.  —  "Winter- 
harte  Rhododendron  in  Oliva  161. 

Gemüsebau. 

Bi  i'ibach,  Oskar. 

Neueinführungen  aus  dem  Orient  255. 
Crem  er,  Fried r. 

Gegen   das  Durchtreiben   der  Frühkohlrabi 

211;  —  Frühjahrsgemüse  257. 


Freiberg,  Fr. 

"Die  Freilandkultur  der  Tomaten  in  Eng- 
land 254.  —  "Champignon-Treiberei  in  der 
Kgl.  Hofgärtnerei  zu  Sanssouci  301. 

Hegar,  Karl. 

Die  Treiberei  der  Gurken  in  Häusern  224. 

Heinricy,  Bruno. 

Die  Kultur  der  Artischocken  und  Cardy  210. 

Jacobs,  0. 

"Versuchsanbau  von  Paulsens  Kartoffel- 
neuheiten  253. 

Katzer,  C.  H. 

"Lieber  Verwendung  zeitweise  leerstehender 
Gewächshäuser  256. 

Lindner,  H. 

Gegen  das  Durchtreiben  der  Frühkohlrabi  257. 

Pabst,  Carl. 

"Wirsing  „Erfurter  roter  Delikatess"  47. 

Prach,  F. 

"Etwas  zur  Chainpignonkultur  254. 

Seulen,  A. 

"Salatblättriger  Feldsalat  256. 

Spranger,  A. 

Melone  „Jenny  Lind"  211. —  Pfitzers  Unver- 
gleichlicher Liebesapfel  212. 

Stahl,  Hermann. 

Das  Aufbewahren  der  Endivien  im  Winter  80. 

Tscheuke,  W. 

Weisskraut    „Ruhm   von    Enkhuizen"    und 

Rotkraut  „Zenitlr'  112, 

*  * 

Rosenkohl  „Erfurter  Dreienbrunnen"   211. 

Gerätschaften. 
Adam,  R. 

"Schilf  rohrschutzwände  212. 
Krämer,  Richard. 

"Selbstspritzer  „Fontain"  489. 
Thiem,  Georg. 

'Ein  praktischer  Dekorationspflanzenwagen 

212. 

Heizungsanlagen. 

Lemke,  Hans. 

Ein  neues  Heizsystem  381. 

Runge,  Bruno. 
"Neue  Heizungskessel  379. 

Wallroth,  Otto. 
"Vorbildliches  an  englischen  Warmwasser- 
heizungen 208. 

Kakteen  und  Sukkulenten. 

Goeze,  E. 

Nützliche  Kakteen  305.  f  3  / 
Graebener,  L. 

Die  gärtnerische  Kultur  der  Kakteen  4. 
Laet,  Frantz  de. 

"Eine  Lanze  für  die  Kakteen  277,  289. 

Koniferen. 

Marquardt,  Km  t. 

"Die  Arve  oder  Zürbelkiefer  19. 
Meyer,  F.  W. 

'Kino  merkwürdige  Arancaria  imbricata  79. 

Kultureinrichtungen. 

Ernst,  Fr. 

Was  ist  bei  Anlage  und  Einrichtung  von 
Mistbeetkästen  zu  beachten?     532. 

Landschaftsgärtnerei. 

Boll,  Max. 

"Agaven  als  Garteuschmuckpflanzen  530. 
Brei tschwerdt,  Herrn. 

"Teppichbeet  am   Eingang    zur  Gartenbau- 


schule „Elisabethinum"  in  Mödling  hei 
Wien  390. 

Grote,  H. 

"Ausschmückung  kleiner  Vorgärten  344. 

Hinze,  Karl. 

"Dachgärten  42.  —  Herbstfärbung  53.  — 
Die  Verwendung  von  Obstbäumen  im  Park 
617. 

Jung,  H.  R. 

"DerStadtwaldGremberg  bei  Köln  a.  Rh.  18L 
—  "Gartenanlagen  an  den  Torstrassen 
Kölns  305. 

Klinker,  Chr. 

"Eine  empfehlenswerte  Garten -Aus- 
schmückung 30. 

Krone,  K. 

Bildwerke  im  Garten  343.  —  'Maskierte 
Bauten  440. 

Kühn,  V. 

"Ergebnis  des  Wettbewerbes  zur  Erlangung 
von  Entwürfen  zu  einem  Stadtpark  für  die 
Stadt  Plauen  i.  V.  354,  "366.  —  "Ueber 
die  Konstruktion  von  Horizontalkurven  163, 

Lange,  Willy. 

"Bilder   aus    der    Gebirgslandschaft  8. 
*Gesteinstrümmer    76.    —    9.    Felsen    am 
Wasser.  246.  —  "Die  Mittellandschaft  397. 
-  Landschaftsbilder    derj  Ebene    445.   - 
"Wälder  der  Ebene  529. 

Mohr,  Stadtgärtner. 
Die  Bedeutung  und  Anwendung  der  Garten- 
kunst im  Städtebau    175. 

Rimann,  C. 

Ziele  und  Fortschritte  der  heutigen  Garten- 
kunst. Eine  kritische  Beleuchtung  des 
Vortrages,  gehalten  von  Gartenarchitekt 
Pietzner  in  der  Jahresversammlung  des 
Vereines  Deutscher  Gartenkünstler  in 
Breslau,  am  25.  August  1902  21.  —  Hyper- 
super-Pleonasmus  321.  —  "Das  zusammen- 
setzbare, transportable  Teppichbeet  463. 

Schulze,  G. 

Ein  praktisches  Hilfsmittel  beim  Rasenaus- 
bessern 488. 

Seebohm,  Hugo. 

Die  Anlage  von  Wasserläufen  und  Teichen 
in  der  Landschaftsgärtnerei  102. 

Tscheuke,  W. 
Gartenstädte  353. 

Tutenberg,  F. 

"Das  Krematorium  in  Mainz  und  seine 
Gartenanlagen  und  Begräbnisplätze  163.  — 
Garteneinfriedigungen  352.  —  "Vier  Blumen- 
beete aus  den  städt.  Gartenanlagen  in 
Mainz  375. 

Wolff,  L. 
*Vorpflanzungen     vor     Gehölzpartien     im 
Fürstlichen  Hofgarteu  zu  Margarethen,  Nied.- 

Oest.   397. 
*  * 
* 
"Teppichbeete   im  Palmengarten  zu  Frank- 
furt a.  M.  364. 


Neue  Pflanzen. 

Altdörfer,  Gottlieb. 

Begonia  semperflorens  „Lubeca"  7;  — 
Kritische  Betrachtung  zweier  Begonien- 
Neuheiten  272. 

Bluth,  Franz. 
"Azalea  indica  „Frau  Meta  Bluth"  33. 

Dammann,  E. 

Nochmals  Medicago  arborea  431. 

Dorner,  Albert. 

„Goldfisch",  eine  wertvolle  neue  Remontant- 
nelke  395. 

Grashoff,  Martin. 

"Die  neue  Apollo- Aster  7. 


VII 


Die  Gartenwelt. 


V 


Haage,  Franz  Anton. 

*Calliopsis  hybrida  superba  183. 
Hesdörffer,  Max. 

♦Hydrangea  hortensis  rosea  582. 
Kohlmannslehner,  Heinrich. 

*Nephrolepis  exaltata  gigantea  441. 
Löbner,  Max. 

Smetanas  Rex  Begonien  50;  —  Aster  hori- 

zontalis  atropnrpureus  51. 
Metzner,  Reinhold. 

Eine  neue  Iresine  8. 
Mütze,  Wilhelm. 

*Eiu  neuer    rem.  Mohn,  Papaver  hybridum 

„Santa  Lucia"  62. 
Rimann,  C. 

*Neue  Smetanasehe  Blattbegonien  271. 
Rudioff,  A. 

♦Neueste  Bürgersche  Pelargonien  223. 
Schmeis,  Oskar. 

Nochmals  Smetanasehe  Begonien  99. 
Schweizer,  Theodor. 

Asparagus  plumosus  robustus  242. 
Spittel,  F.  &  0. 

*Papaver  hybridum  fl.  pl.  fol.  aureis  „Gold- 
mohn" 17. 
Spittel,  Felix. 

Drei  wertvolle  Neuzüchtungvii  261. 
Trenkner,  B. 

*Marguerite  „Saharet"  6. 
Tscheuke,  W. 

Medieago  arborea  362. 

Obstbau. 

Beuss,  H. 

Die  Aufbewahrung  des  Obstes  39.  —  Einiges 
über  das  Ernten  und  die  Aufbewahrung  der 
Gemüse  53.  —  Zwei  „nützliche-'  Schäd- 
linge unseres  Obstbaues  615. 

ß  i  e  r  b  a  c  h  ,  0. 
*Ein   Birnbaum    als   lebender   Blumentisch 
im  Parke  521. 

Ernst,  Friedrich. 

Die  Wasserschosse  und  ihre  Behandlung  437. 

Frank,  Paul. 
♦Nochmals  das  Veredeln  alter  Rebstöcke  18. 
—  Veredlung  amerikanischer  Reben  341. 

Geucke,  Willi. 

Nochmals  die  Bordelaiser  Brühe  und 
Kupfervitriol-Sodabrühe  257. 

Grote,  H. 
Ist    die    winterliche     Bodenlockerung    für 
die  Obstbäume  von  Vorteil'?  249.  —    Was 
unserem  Obstbau  auch  not  tut!     376. 

Gebhardt,  Gurt. 

Die  Weinberge  mit  forcierten  Erträgen 
im  südlichen  Frankreich  378. 

Hain  dl,  A. 

Die  Aufbewahrung  des  Obstes  142.  — 
♦Schiefe  Obstbäume  474.  —  *Obstplantagen 
mit  Unterkultur  von  Gemüsen  und  Hack- 
früchten  520. 

Hannig,  Emil. 
Weintreiberei  259. 

H  egar,  Karl. 

Der  Obstbau  in  Steiermark  547. 

Held,  Ph. 

Winke  für  Obstbaumschnitt  und  Obstbaum- 
pflege 154.  —  ♦Das  Ausschneiden  von 
Kerben  an  Obstbaumzweigen  250.  —  *Wie 
wird   der    Zweigschnitt    ausgeführt?     287. 

Hesdörffer,  Max. 

'Bilder  aus  der  Baumschule  von  Fr.  Grune- 
wald in  Zossen  53.  —  Buschobst  517. 

Hönings,  Juli  us. 

♦Birne  „Triumph  von  Jodoigne"  425,  *427. 

Jurass,  Paul. 

Das  Verpflanzen  älterer  Obstbäume  41. 

Nollenberg,  W. 

♦Peasgoods  Goldreinette  61. 


Re singer,   Joh. 

Die  Obstbaumpflanzungen  auf  dem  Gebiete 

der  Grossherz.  Landes-IrrenanstaltSaehsen- 

berg  i.  Mecklbg.  83. 
Rimann,  C. 

„Was  unserem  Obstbau  not  tut!''     438. 
T  h  i  e  m ,  Georg. 

Die  Ernte  des  Kernobstes  33. 
Tscheuke,  W. 

♦Der  Gummifluss  des  Steinobstes   521.  — 

Kalken   oder  Gipsen   der  Obstbaumstämme 

561. 
Zilliken,  A. 

""Eine  schöne  Flügelpyramide  in  Blüte  259. 

Orchideen. 

C  r  e  m  e  r ,  Fried  r. 

Phalaenopsis  amabilis  rimestadtiana  225.  — 
Trockenes  Laub  als  Pflanzmaterial  für 
Orchideen  236.  —  In  einem  Jahr  zweimal 
blühende  Orchideen  236.  —  Zur  Kultur 
der  Phalaenopsis  283.  —  Odontoglossum 
pulchellum  Batem.  404. 

Graebener,  L. 
♦Zur  Orchideen-Kultur  157. 

Jacobs,  0. 

♦Ueber  Verwendung  und  Kreuzung  einiger 
wertvoller  Freiland-Orchideen  409. 

Kexel,  Dr.  H. 
Nitrite  Bakterien  der  Orchideen  340. 

Nicolai,  Woldemar. 

♦Die  empfehlenswertesten  Orchideen  fin- 
den Schnitt  und  den  Topfverkauf  ^13,  26. 

Othmer,  B. 

♦Stanhopea  inodora  Ldl.  29.  —  ♦Angraecum 
sanderiauum  Rchb.  f.  41.  —  ♦Ooelogyne 
dayana  118.  -—  ♦Saccolabium  giganteuni 
Lindl   235. 

Sandhack,  Herrn.  A. 

♦Vanda  amesiana  Rchb.  f.  25. 

We i dl  i c h ,  Garteuinspektor. 
Die  Vermehrung  der  Freilandorchideen  aus 

Samen  234. 

*  * 
* 
Behandlung      importierter     Odontoglossum 

crispum  558. 

Palmen. 

Kohlmannslehner,  Heinrich. 

♦Phoenix  Roebeleni  O'Brien  265. 
Schulze,  G. 

Palmen  im  Freien  544. 
Tutenberg,  Ferd. 

♦Das    neue   Palmenhaus    im   Stadtpark   zu 

Mainz  73. 

Pflanzendekoration. 

Krone,  K. 
Bildsäule    und    rflanzenschmuck    579.    — 
*Gärtnerische  Strasseuschmüekung  593. 

Kuhn,  F. 

Vom  Gesangswettstreit  in  Frankfurt  a.  M.  455. 

Tutenberg,  F. 

Die  Farben  in  der  Landschaftsgärtnerei  und 
Binderei  und  ihre  Bedeutung  in  der  Blumen- 
sprache  595. 

Pflanzendüngung. 

Schulze,  G. 

Missgriffe  beim  Düngen  129. 

Pflanzenkrankheiten. 

Gebhardt,  Curt. 

Die  Apfelmotte  341.  —  Die  Blutlaus  auf 
den  Wurzeln  des  Apfelbaumes  342.  — 
Ueber  die  Möglichkeit  die  Bekämpfung  des 


falschen  Mehltaus  und  des  Oidium  am 
Weinstock  in  einer  Behandlung  zu  ver- 
einigen 430.  —  Unsere  unsichtbaren  Feinde 
532.  —  Der  Vermehruugspilz  und  seine 
Bekämpfung  560.  —  Zur  Vertilgung  der 
Blutlaus  560. 

Geucke,  Wilh. 
Betrachtungen  über  Entstehung  und  Ver- 
hütung   der    Gelbsucht     unserer     Kultur- 
pflanzen 134. 

Rimann.  C. 

Petroleum  alslnsekten  vertreibangsmittel  331. 

Schulze,  G. 
Noch   einige  Worte   zu   den  Glossen    zur 
Bordelaiser  Brühe  etc.  127. 

Ton,  Max. 

Ein  neues  erfolgreiches  Verfahren  zur 
Bekämpfung   des    Vermehrungspilzes    467. 

Der  Blasenrost  der  Weymouthskiefer  137. 

Harmlose  Plauderei  über  die  Blutlaus- 
plage 329. 

Pflanzenkunde. 

Gebhardt,  Curt. 

Die  Keimungsverhältnisse  derLegumiuosen- 
samen  und  ihre  Beeinflussung  durch 
Organismenwirkung  151. 

Katzer,  C.  H. 
Wasser  und  Leben  451. 

Mysliwski,  Paul. 

♦Ueber  einen  interessanten  Fall  von  Hexen- 
besen 426. 

Ton,  Max. 

Botanisch-wissenschaftliche  Vorlesungen  an 
deutschen  Universitäten  und  ihre  Bedeutung 
für  den  Gärtnerberuf  591. 

Weidmüller,  Johannes. 

Manua  und  Manna-Pflanzen  524. 

*  * 

Internationale  Pflanzenzüchter-Konferenz  in 
New- York  128. 

Ueber  die  Keimfähigkeit  von  Samen  152. 

Rosen. 

Hinner,  W. 

*Teehybridrose  „Ruhm  der  Gartenwelt"  424. 
Jacobs,  0. 

♦Einige  hervorragende  Rosenneuheiten  577. 
Keim,    J. 

♦Teehybrid-Rose  „Madame  Edmee  Metz"  102. 

Olbrich,  St. 

♦Winterharte  Strauchrosen  116,  *124,  *137, 
♦147,    199. 

Ruschpier,  Paul. 

Die  neuen  Rosen   „Clio"   und   „Frau  Karl 
Druschki"  161.— Teerosen  „Manian  Cochet" 
und  „White  Maman  Cochet"  161. 
'  Schulze,  G. 

Der  Rosen-Obelisk  und  der  Rosen-Ballon  4 14. 

Wink ler,  Joseph. 
Die  Rose  „Conrad  Ferd.  Meyer"  283. 

Schlingpflanzen. 

Besoke,  Gustav. 

Tropaeolum  als  zierliehe  Kalthaus-Schling- 
pflanzen 472. 

Cremer,  Fr. 

Ceropegia  Woodii  414. 

Jahn,  E. 

♦Ceropegia  Woodii  Schltr.   127. 

Muth,  L.  A. 

♦Die  Kletterrose  „Pauls  Carmine  Pilku 

Peters,  E.  J. 

♦Eine  reichblühende  Riesen-Kletterrose  619. 


VI 


Die  Gartenwelt. 


VII 


Spranger,  A. 

Die  Passifloren  423. 

Sprenger,  C. 

Hedera  sevillana  244. 

Schulze,  G. 

Die    rankenden     Lonieeren    51.    —    Vitis 
Veitchii  243.  —  Clematis   und  Mäuse  473. 

Schultz,  Benno. 

Mikania  scandens  AVilld.  28G.  —  Lathyrus 
odoratus  L.  356. 

Tscheuke,  W. 

Jasminum  primulinum  414.  —    Die   besten 
Lathyrus  odoratus-Hybriden  496. 

Vögler-Scherf,  W. 

Seltene  staudige   und  holzige  Sehlinger  80. 
Interessante  einjährige  Schlinggewächse  230. 

Winkler,  Joseph. 
Das  Polygonura  baldschuanicuni  als  Schnitt- 
blume 287. 

Sommerblumen. 

Besoke,  Gustav. 

Arctotis  breviscapa  Thunb.   593.  —  Nota- 
basis syriaoa  593. 

Mütze,  Wilhelm. 

"Einjährige  Staticeu  229. 

Rade,  Karl. 

"Nicotiana  silvestris  230. 

Trenkner,  B. 

*Für  die  moderne  Binderei  geeignete  neuere 
Astersorten  525. 

Stauden. 

Besoke,  Gustav. 

Niedrige  Glockenblumen,  deren  Verwendung 

und  Kultur  392. 
Correvon,  H. 

Einfluss  des  Kalksteins  und  Granits  auf  die 

Alpenpflanzen  270. 
Dix,  J. 

Zwei    schöne    Eremurns    (E.    Bunge i    und 

Olgae)  611. 
Geier,  P. 

Oxalis  grandiflora  271. 
Hesdörffer,  M. 

*Onopordon  424. 
Jacobs,  0. 

*Die  Sockelblumen  616. 
Karstadt,  Carl. 

"Veronica,  der  Ehrenpreis  436. 
Keim,  J. 

"Asclepias  svriaca  98. 
Klenert,  W.  C. 

*Campanula  pyramidal is  97. 
Köhler,  Franz. 

Deutsche    Stauden  -  Neuheiten    in    England 

405.  —  Haben   die   deutschen  Maiblunien- 

Kultnren  eine  ausländische  Konkurrenz  zu 

fürchten?     524.     —     t'entaurea     montana 

rubra  542. 
Kohlmannslehner.  11  einrieb. 

"Francoa  ramosa  hybrida  230.  — "Primula 

veris,  neue  riesenblumige  Kärgersche  Hyb- 
riden 543. 
Krauss,  Otto. 

*Etwas  über  Staudenastern  174. 
Liese,  Aug. 

*Die  Kultur  der  Maiblume  247. 
Metzner,  R. 

Phlox  decussata- Varietäten  249. 
Oertel,  Gottfr. 

Eine  neue  Bellis  332. 
Olbrich,  St. 

"Morina  longifolia  (Morina  elegans)  5. 
Othmer,  B. 

Gypsophila  cerastioides  271.  —  "Heracleum- 

Arten  357.  —  *Linaria  pallida  Tenoiv  151. 


Peters,  E.  J. 

Die  Kugelblumen  (Trollius)  173.  —  "Helenium 
autumnale  450. 

Pollmer,  F. 

"Helianthus  gigauteus  451. 

Purpus,  A. 
*Frühbl übende  Steinbrecharten  433. 

Rehnelt,  F. 

*Gerardia  hybrida  hört  98.  —  Francoa 
ramosa  231.  —  *Boltonia  latisquama  Asa 
Gray  293.  —  *Lobelia  Gerardi  und  ihre 
Verwandten  541.  —  *Primula  japonica  als 
Gruppenpflanze  558. 

Rudel.  E.  K. 

♦Empfehlenswerte  Stauden  und  Knollen- 
gewächse für  Blumenschnitt  und  Garten- 
ausschmückung 457. 

Schulz,  Benno. 
Trollius  europaeus,  die  Trollblume  332. 

Türpe,  M. 

Lobelia  hybrida  611. 

Wocke,  E. 

*Symphytum  grandiflorum  DC.  293.  — 
■Tolemoninm  confertum  A.  Gray  356. 

*     :i: 

Freilandprinieln  als  Sumpfpflanzen   127. 

Topfpflanzen. 

Besoke,  Gustav. 

Solanum  Capsicastrnm  Hendersoni  122.  — 
Jardinierenbepflanzung  und  einige  weniger 
bekannte,  zum  Teil  seltene  Pflanzen  für 
diesen  Zweck  446.  —  Pflanzen  für  Schnitt- 
grüukulturen  494.  —  Delphinium  nudicaule 
und  Tropaeolum  majus  nauum  (Ton  Thumbl 
als  Gruppenpflanzen  569.  —  Verbena 
venosa  Gill.  592.  —  Neue  bessere  Topf- 
pflanzen 012. 

Bornemann,  Georg. 

*Spigelia  splendens  H.  Wendl.  363. 

Brand,  Otto. 

Pentas  carnea  Benth.  569.  —  Die  Kultur 
der  englischen  Pelargonien  582. 

Büttner,  Max. 

Pflanzen  an  der  Korkwand  109 

Cremer,  Friedr. 
Begonia  nitida  coccinea  292. 

Crusius,  C. 
Buntblättrige  Gruppen-Pelargonien  101.  — 
Lantana  hybrida  111.  —  Begonia  „President 
de  Bourenille"  172.  —  "Begonia  semper- 
florens  „Corbeille  de  feu"  172.  —  Begonia 
„Gloire  de  Sceaux"  352.  —  "Lasiandra 
macrantba  floribuuda  hört.  Syn.  Pleroma 
macranthum  Hook.  390. 

Diedler,  M. 

Margareten-Nelken  63. 

Flunker,  Adolph.'. 
Leonotis  Leonurus  225. 

Geier,  Peter. 

Anzucht  und  Kultur  «1er  Poinsettia  pulcher- 
rima  206.  —  Die  Kultur  der  Gardenia  302. 

Goeze,  E. 
Die  Gesneriaceen  unserer  Gärten  5.S0. 

(iraebener,  L. 
*Von  den  Cycadeen  421. 

Ilambster,  G. 

Empfehlenswerte  Bouvardien  zum  Schnitt, 
deren  Kultur  und  Vermehrung  331. 

Hartmann,  Heinrich. 

Einige  empfehlenswerte  Salvia  splendens- 
Sorten  90. 

Henze,  E. 
*Cycas  Thouarsii  R.  Br.  373. 

Herrmann,  Robert. 

Schöue,  neuholländische  Akazien  111. 

Hesdörffer,  M. 

Saintpaulia  iunantha  3.  —  *Musa  Basjoo  64. 


—  *Begonia  „Perle  Lorraine"  331.  — 
*Bonapartea  juncea  548.  —  "Calceolarieu- 
kulturen  in  der  Gärtnerei  von  Heinr.  Mette, 
Quedlinburg  553. 

Hopf,  H. 

Zur  Vermehrung  der  Poinsettia  pulcher- 
rima  569. 

Köhler,  Franz. 
Nochmals  Musa  Basjoo  64. 

Kohlmannslehner,  Heinrich. 

*Begonia  „Gloire  de  Sceaux"  351.  —  'Das 
neue  halbgefüllte  Pelargonium  „Mahre  Lieb- 
ling" 534. 

Krupka,  Josef. 

*Zwei  schöne  Begonien  205. 

Metzner,  Reinhold. 

Ueber  Epheu-Zonal-Pelargonien  3.  —  Die 
Kultur  der  Knollen-Begonien  375. 

Oertel,  Gottfr. 

Die  Gardenien  207.  —  Begonia  wel- 
toniensis  208.  —  Alte,  schöne,  leicht  zu 
kultivierende  Marktpflanzen  387.  —  Citrus 
chinensis  (Zwerg-Orange)  567. 

Othmer,  Bernh. 

*Die  Gattung  Eriostemon  Sm.  1.  —  *Pip- 
turus  aigenteus  Wedd.  111  —  *Pte»os- 
permum  acerifolium  Wight  121.  —  *Cine- 
raria  Lynchii  Wats.  293. 

Peters,  E.  J. 
Justitia  carnea  522.  —  Jacaranda  lnimosae- 
folia  523.  —  Fuchsia  microphylla  534. 

Rade,  Carl. 
*Leouotis  Leonurus  100. 

Rehnelt,  F. 

*Musa  Basjoo  syn.  japonica,  im  Freien 
überwintert  2.  —  *Acacia  alata  rar. 
platyptera  3,  *4.  —  *Ficus  stipulata  mit 
Früchten  91.  —  "Tradeseantia  iridescens  91. 

—  "Drosera,  der  Sonnentau  169,  184. 
R  i  m  a  n  n ,   C. 

*Pflanzenkulturen    in    Grottensteinen    122. 

Sandhack,  Heim.  A. 

*Saxifraga  sarmentosa  tricolor  374. 

Schelle,  E. 

*Cycas  revoluta  in  Blüte  91.  —  *Fourcroya 
Bedinghauseni  102.  —  *Heliconia  illnstris 
rubricaulis  bort.  389. 

Schmeiss,  Oskar. 

Fourcroya  Bedinghauseni  C.  Koch  267.  — 
*Nochmals  Gruppenpelargonien  267.  — 
*Clivia  miniata  Benth.  389,  *390, 

Schmid,   II. 
Oleander  592. 

Schoene,  Max. 

*Die  Kultur  der  Malmaison-Nellie  303. 

Schulze,  G. 

Zur  Kultur  der  Gardenien  208.  —  „Mast- 
kultur" bei  Reseda  in  Töpfen  23:!. 

Schwenke,  Bruno. 

Ursachen  und  Verhütung  von  Kiaiikhi'itiii 
der  Kübelpflanzen  121. 

Siemann,  Heinrich. 

Die  Kultur  der  Cycadeen  479. 

Sprenger,  C. 

Yucca  filifera  im  botanischen  Garten  vun 
Valencia  225. 

Trenkner,  Berthold. 

*Empfehlenswerte  ältere  und  neuere 
Gruppen-Pelargonien  75.  —  *Fuehsie 
„Adrian  Beiger"  373.  —  Begonia  „Gloire 
de  Lorraine",  die  beste  Topf  pflanze  der 
letzten  zehn  Jahre  401.  —  *Zur  Balkon- 
ansschinückung  geeignete  Pflanzen  und 
deren  empfehlensweiteste  Sorten  402. 

Tscheuke,  W. 

Streptocarpus-Hybriden  521 . 


VII 


Die  Gartenwelt. 


VII 


Vögler-Scherf,  W. 

Die  Kultur  der  Strelitzia  Regiuae  Ait.  und 

Strelitzia  angustifolia  Drvand.  388. 
Wehrhahn,  Rudolf. 

*Die  Kultur  der  Daturen  266. 
Weixlbaunier,  Josef. 

Nochmals  Clivia  rniniata  548. 

Wasserpflanzen. 

Boustedt,  C. 

*Das  tropische  Wasserpflanzenhaus  in 
Göttingen  349. 

Wasserversorgung. 

Reuter  &  Schumann,  Theodur. 
*Windrnotore  9. 

Zwiebel-  und  Knollengewächse. 
Brüggemann,  Ch. 

Calla  devoniensis  411. 
Hambster,  G. 

Calla   „Perle   von    Stuttgart"   als    Winter- 

bltiher  200. 
Körner,  Eugen  S. 

Betrachtungen  über  Aussaat  der  Cyelamen 

und  die  Behandlung  der  Sämlinge  10. 
Mütze,   Wilhelm. 

*Das  „Steckenbleiben1'  der  Schneeglöokohen- 

zwiebeln  105. 
Schulze ,  G. 

Einige     der     kleinsten     Frühlingsblumeu- 

zwiebeln  und  Knollen  534. 
Schulze,  The  odor. 

*Lilium  giganteum  Wall.  411. 
Sprenger,  C. 

Iris  bismarckiana  Regel  10. 
Treukner,  B. 

*Begonia  „Bavaria"  116. 

Mannigfaltiges. 

Breitschwerdt,  H. 

Die  Anstrebung  und  Schaffung  von  Bezirks- 
gärtnerstellen in  Oesterreich  201. 

Cremer,  Fr. 

Ein  praktisches  Sieb  432. 

Ernst,  Fr. 

Die  Impragnierungs -Verfahren-  des  Holzes 
für  gärtnerische  Zwecke  284.  —  Die  Zer- 
störer des  Holzes  467. 

Flunker,  A. 

Erbauliches  und  Unerbauliches  von  einer 
Blumenschlacht  393. 

Hesdörffer,  Max. 

Eine  Erinnerung  an  Ulrich  von  St.  Paul- 
Illaire  444. 

Jowantschewits,  Wladimir. 
Josif  Pancic  394. 

Kohlmannslehner,  Heinrieb. 

*Reminiszenzen  an  meinen  Besuch  bei 
Lemoine  284. 

Krone,  K. 

Der  Friedhof  als  dendrologischer  Versuchs- 
garten 201. 

Maass,    Harry,     Das    Eichhörnchen     als 
Mäusejäger  597. 

Oertel,  Gottfr. 

Die  Hornspänedüiigung  345. 

Rimann,  C. 
Strohdecken  haltbar  zu  machen  345.  — 
Ein  Mittel  zur  Vertreibung  der  Regen- 
würmer 345.  —  Ein  Mittel  gegen  Ratten, 
Mäuse  und  Ameisen  345.  —  Das  Beschreiben 
von  Zink-  und  Celluloidetiketten  346. 

Seulen,  A. 

Samenreinigung  432. 

Wittmütz,  A. 

Ein  neues  Regenzeichen  68.  —  Naturdenk- 
mäler 67. 


Begleitgedicht  zu  einer  Apfelsendung  Sä62. 

*Garteu-Einfiiedigungen  284. 

Cebar    Fälle,    in    denen   Bienen    schädlich 

sein  können  252. 

Amerikanische    Renommier  -  Zeitungsenten 

406. 

Ueber   die   Herkunft   der   Rose   „Crimson 

Rambler"  406. 

VII.  Jahresbericht    des    Kreisobstbautch- 

nikers  für   den  Kreis  Oppenheim   für   das 

Jahr  1902(1903  406. 

Das  Abbrühen  hartschaliger  Samen  516. 


Gärtnerisches  Unterrichtswesen. 

Gartenbauschule  des  Gartenbauverbandes  für 
das  Königr.  Sachsen  zu  Dresden  311. 

Gartenbauschule.  Kgl„  in  Weihenstephan  240. 

Gärtner-Lehranstalt  Ivi-tritz  324,  588. 

Gärtner-Lehranstalt,  Kgl.,  zu  Dahlem  bei 
Steglitz  575. 

Gärtner-Lehranstalt,  Kgl.,    zu  Wildpark  383. 

Lehranstalt.  Kgl.,  für  Wein-,  Obst-  and 
Gartenbau  in  Geisenheim  372. 

Obst-  und  Gartenbauschule  in  Bautzen.  Unter- 
richtskurse in  Obst-  und  Gemüsebau  262; 
—  Vierundzwanzigster   Jahresbericht    335. 

Wein-,  Obst-  und  Gartenbauschule,  Kgl., 
Veitshöchheim  i.  B.  203. 


Zeit-  und  Streitfragen. 

Breitschwerdt,  Hermann. 
Stellenausschreibung    —    SteltenvergebtLug 
455. 

Henin,  Gabriel. 

Was  ist  Kunst?  237.  —  Zwei  Hinweise  587. 

Hesdörffer,   Max. 

Wie  man  angepumpt  und  —  betrogen  wird 
118.  —  Die  soziale  Stellung  der  öelr- 
schaftsgärtner  197.  —  Gehilfenzeugnis.se 
202.  —  Arbeits-  und  Geschäftsordnung 
214.  —  Stellenbewerbung  226.  —  Handels- 
gärtnerische Konkurse  272.  —  Die  lieben 
Titel  und  Orden  322.  —  Gärtner  und 
Chauffeur  408.  —  Landschaftsgärtnerische 
Konkurrenzen  427. 

Keim,  I. 

Gartenkunst  und  Gartenkünstler  395. 

Krone,  K. 

Ausstellungsmedaillen  95. 

Reisel,  Fr. 

Die  soziale  Stellung  der  Herrschaftsgärtner 
261. 

Schulz,  E. 

Landsehaftsgärtnerische  Konkurrenzen  466. 

Tutenberg,  Ferd. 

Blumenspenden  sind  im  Sinne  des  Ver- 
storbenen verbeten  311.  —  Die  Kritik  im 
Dienste  der  Gartenkunst  418.  —  Befolgens- 
werte  Vorschläge  aus  den  Erläuterungs- 
berichten des  Düsseldorfer  Preisaus- 
schreibens für  Ausgestaltung  des  Aus- 
stellungsterrains der  Gartenbauausstellung 
1904  504. 

Wie  mau  angepumpt  und  betrogen  wird  156. 
Die  soziale  Stellung  des  Herrschaftsgärtners 
238. 

Die  soziale  Stellung  der  Herrschaftsgärtner 
274. 

Der  deutsche  Gärtner  in  Deutsch-Südwest- 
afrika 369. 

Lohnbewegung. 

Lohnbewegung  323,  335,  360. 


Rechtspflege. 

Rechtspflege  59.  214,  251,299.  300,  311, 
359,  382.  430,  468,  551. 

Schutzzoll. 

Schutzzoll  335. 

Vogelschutz. 

Vogelschutz  372. 

Verkehrswesen. 

Verkehrswesen  72,  132,  213,335,492,  51«, 562. 
*  * 
* 
Erwärmte  Güterwagen  599. 

Aus  den  Vereinen. 

Bayerische  Gartenbau-Gesellschaft  in  München, 
Jahresbericht  334. 

Bienenzüchterverein  in   Wiesbaden  371. 

Deutsche  Dahlien-Gesellschaft  228,  240,  563, 
Jahresversammlung  263,  Das  Kuckucksei 
der  d.  D.-G.  323. 

Deutscher  Gärtnerverein  London.  Halbjahres- 
berichte 155,  396. 

Deutscher  Pomologenverein  492. 

Gartenbaugesellschaft  zu  Frankfurt  a.  M., 
Jahresbericht  der,  über  deren  Tätigkeit  im 
Jahre  1902  347. 

Gärtner -Vereinigung  zu  Oberrad  bei  Frank- 
furt a.  M.  240. 

Mainzer  Verschönerungsverein  430. 

Metzer  Gartenbau-Verein  168. 

Provinzialverband  Schlesischer  Gartenbau- 
vereine.   Delegiertenversammlung  1902  155. 

Schlesische  Gartenbaugeselisehaft  Breslau  263. 

Verein  deutscher  Gartenkünstler  420. 

Verein  zum  Schutze  und  zur  Pflege  von 
Alpenpflanzen  371. 

Verein  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  35. 
106,  154,  275,  334,  395,  528,  563. 

Vereinigung  der  Vertreter  der  angewandten 
Botanik  348. 

Vereinigung  Ehemaliger  Dresdener  Gartenbau- 
schüler 263. 

Vereinigung  Ehem.  Geisenheimer  588. 

Württembergischer  Gartenbauverein  384. 

Kongresse,  Versammlungen. 

Sächsischer  Gärtnertag  in  Dresden  538. 
Deutscher  Weinbaukongress  539. 
Gesellschaft    für   Gartenbau -Wissenschaft   in 
den  Vereinigten  Staaten  539. 

Aus  der  Fachpresse. 

Der  schweizerische  Gartenbau  216. 

Bücherschau. 

Adressbuch,  Lehmanns  internationales  Haudels- 
gärtner-.  Deutscher  Teil  1902  03.  Bearbeitet 
von  Robert  de  Terra.  48,  216.  —  Aus- 
lands-Teil 1902/03  275. 

Apfelbaum,  Der,  seine  Feinde  und  Krank- 
heiten. Farbig  dargestellt  von  Heinrich 
Klitzing.     420. 

Beerenobst  und  Beerenwein.  Von  Hofgärtner 
Lebl  564. 

Bericht  über  die  Provinzial-Obst-Ausstelhißg 
Potsdam  1901  und  über  die  Verhami: 
des   Obstbaukongresses    daselbst.      1! 
gegeben  von  der  Geschäftsführung.  48. 

Bewässerung     und     Düngung     für     Gärten, 
Wiesen    und    Felder,      Die    autom;: 
Von  Arthur  Wichulla  216. 


VIII 


Die  Gartenwelt. 


VI 


Blumenbinderei,  Die.     Von  Willy  Lange  274. 

Champignonzucht,  Die.  Von  Hofgärtner  Lebl 
564. 

Dendrologische  Winterstudien.  Von  Camillo 
Karl  Schneider  454. 

Deutsche  Flora,  Hermann  Wagners.  Bearbeitet 
von  Dr.  August  Garcke  620. 

G  a  r  e  k  e ,  1 11  ustrierte  Flora  von  Deutsch!  and  2 1 6. 

hinten,  Deutsche,  in  Wort  und  Bild.  I,  Die 
kgl.  Gärten  Oberbayerns.  Herausgegeben 
vom  Verein  deutscher  Gartenkünstler  563. 

Gärten,  125   kleine.     Von  Carl   Harnpel  251. 

Gärten.     Von    Paul  Schultze-Naumburg   274. 

Garten-Kalender, Deutscher,  für  1903.  Heraus- 
gegeben von  Max  Hesdörffer  47. 

Gartenkulturen,  die  Geld  einbringen.  Von 
Johannes  Böttner  288. 

Gartenkunst.  Die  Technik  der,  Von  Max 
Bertram  107. 

Gartenkunst,  Klassiker  der,  I.  Andeutungen 
über  Landschaftsgärtnerei.  Vom  Fürsten 
von  Pückler-Muskau.     599. 

Gärtnerkalender,  Allgemeiner  deutscher,  für 
1903  216. 

Gärtnerische  Vermessungskunde.  Von  C.  K. 
Schneider  264. 

Geschäftskorrespondenz  für  Gärtner.  Von 
Max  Jubisch  216. 

Handbuch  der  Laubholz-Benennung.  Im  Auf- 
trage der  deutschen  dendrologischen  Gesell- 
schaft bearbeitet  von  L.  Beissner,  E.  Schelle 
und  H.  Zabel  492. 

Haselnuss,  Die,  ihre  Kultur  und  wirtschaft- 
liche Bedeutung.    Von  Emanuel  Gross  358. 

Holzarten,  Die  Einführung  ausländischer.  Von 
John  Booth  564. 

Kalidüngung,  Erfolge  der,  Von  E.  Lierke, 
Leopoldshall  239. 

Kirschen,  Aprikosen,  Pfirsiche,  Pflaumen,  Die 
besten,  nach  Aquarellen  von  Felix  Kunze 
mit  beschreibendem  Text  von  C.  Mathieu, 
Kgl.  Gartenbaudirektor,  275. 

Kohls  Taschenwörterbuch  der  botanischen 
Kunstausdrücke  für  Gärtner.  Bearbeitet 
von  W.  Mönkemeyer.     287. 

Konservierung,  Die,  von  Traubenmost  und 
Fruchtsäften.    Von  Antonio   dal  Piaz.   44:;. 

Küchen-  und  Blumengarten,  Henriette  Davidis 
illustrierter.     19.  Auflage.     48. 

Kultureinrichtungen,  Die,  praktischen  der  Neu- 
zeit.    Von  Otto  Schnurbusch.     144. 

Kunene-Sambesi-Expedition,  H.  Baum.  Her- 
ausgegeben von  Prof.  Dr.  Warburg.     442. 

Levy,  Neue  Entwürfe  zu  Teppich-Gärten, 
deren  Anlage  und  Bepflauzung.  Bearbeitet 
von  0.  Halbritter  443. 

Obstbau,  Der.  Anleitung  zur  Pflanzung  und 
Pflege  des  Obstbaumes,  nebst  Verzeichnis 
der  für  das  nordwestliche  Deutschland 
empfehlenswerten  Obstsorten.  Von  Prof. 
Dr.  Götting  358. 

Obstbau,  Landwirtschaftlicher.  Vorschläge 
zur  Reorganisation.     Von  A.  Hupertz  443. 

Obstbau,  Praktischer.  Von  Nicolas  Gaucher 
492. 

Obstbau -Vortragskursus  der  Landwirtschafts- 
kammer für  die  Prov.  Brandenburg,  Bericht 
über  die  Verhandlungen  des  1..  564. 

Obstmarkt,  Wegweiser  auf  dem,  239. 

Obstkultur,  Handbuch  der.  Von  Nicolas 
Gaucher.     3.  Auflage.     48. 

Obstsortiment,  Landes-,  für  das  Königreich 
Sachsen.  Von  Gartenbauinspektor  C.  Braun- 
bart 358. 


Pflanzenkrankheiten,  Jahresbericht  über  die 
Neuerungen  und  Leistungen  auf  dem  Ge- 
biete der,  Vierter  Band.  Das  Jahr  1901. 
Herausgeg.  von  Prof.  Dr.  M.  Hollrung  359. 

Planzeichnen,  Das,  für  den  angehenden  Land- 
schaftsgärtner 288. 

Recht.  Wie  verfolgt  der  Gärtner  sein.  Von 
Hermann  Pilz  228. 

Rechtsverhältnisse,    Die,  im  Gärtnergewerbe. 

Referate  von  F.  von  Schulz  und  Franz 
Behrens  239. 

Rose,  Zucht  und  Pflege  der.  Von  Stephan 
Olbrich  503. 

Rose,  Die,  ihre  Anzucht  und  Pflege.  Von 
R.  Betten  443. 

Rosenschädlinge,  Die,  aus  dem  Tierreiche. 
Im  Auftrage  des  Vereins  deutscher  Rosen- 
freunde bearbeitet  von  Friedrich  Richter 
von  Binnenthal  443. 

Salomons  Wörterbuch  der  deutschen  Pflanzeu- 
namen.    Bearbeitet  von  Andreas  Voss.    503. 

Sanssouci  zur  Zeit  Friedrichs  des  Grossen  und 
heute.     Von  Dr.  P.  Höckendorf  564. 

Springwurmwickler  und  Obstwickler,  farbige 
Tafeln  im  Verlag  von  Paul  Parey  407. 

Ungeziefer-Kalender,  Praktischer.  Von  Hein- 
rich Freiherr  von  Schilling  275. 

Veredlungen,  Die,  von  Obstbäumen  und 
Fruchtgehölzen.     Von  Ph.  Held  228. 


Verdiente  Fachgenossen. 

Hesdörffer,  Max. 

*R.  Goethe  333.  —  *August  Siebert.  Zur 
Feier  seiner  fünfundzwanzigjährigen  Tätig- 
keit im  Palmengarten  zu  Frankfurt  a.  M.  601. 

K  o  o  p  m  a  n  n  ,  Chr. 

*Die  Senioren  der  Harn  bürg- Altonaer  Han- 
delsgärtner 186. 

K  r  a  u  s  s  ,  Otto. 
*Königlicher      Gartenbaudirektor      August 
Siebert  und  sein  Wirken  im  Palmengarten 
zu  Frankfurt  a.  M.     608. 

W  a  u  n  i  e  k  ,  R. 
Luther  Barbank,  der  bedeutendste  Pflauzen- 
züchter  der  Gegenwart  366. 

Nachrufe. 
Beissner,  L. 

Ulrich  von  Saint-Paul-IUaire  f  M. 
B  r  e  i  t  s  c  h  w  e  r  d  t ,  H. 

Friedrich  Abel  f  538. 

Unsere  Mitarbeiter. 

Hesdörffer,  Max. 

*Frantz  de  Laet  309.  —  Eduard  Ryssel  537. 

Fragen  und  Antworten. 

Araucaria  excelsa,  Ursachen  des  Schlaff-  und 
Schlechtwerdens  der  unteren  Zweige  bei, 
11,  59.  —  Aspidistra,  Ursachen  der  gelb- 
grünen Farbe  der  Blätter  von,  69.  —  Chry- 
santhemum, Bewährte  Schnitt-  und  Schau- 
blumen-,  in  reinen  Farben  441.  —  Cyclamen, 
Knollenfäule  und  Ursachen  derselben  bei, 
70.  —  Cytisus  Adami,  Ist,  samenbeständig? 
442.  —  Douciu,  Paradiesapfel  und  Quitte, 
sowie  St.  Julien  als  Unterlage  für  Ilaus- 
veredlung  im  Winter  93.  —  Dünger  für  Mai- 
blumen, Chemischer,  432.  —  Dünger,  Künst- 


licher, für  Gemüse  und  Baumschulartikel  i 
Sandboden  68.  —  Düngung  mit  Schwefel 
saurem  Ammoniak  94.  —  Engerlinge.  Ver 
tilgung  der,  69.  --  Fraueiscea,  Kultur  dei 
310.  —  *Qartenwege  in  abschüssigem  Terrai: 
178.  —  Gummibaumes,  Vermehrung  un 
Kultur  des,  im  kleineu  561.  —  Konifere 
als  Schutzpflanzung  442.  —  Koniferen,  Widei 
standsfällige  gegen  Rauchgase  358.  —  Mai 
blumenkeimen,  Preise  für  das  Sortieren  voi 
178.  —  Maiblumenkultur,  Bester  Boden  zui 
598.  —  Maiblumenpflanzkeime,  Preise  pr 
100000  und  Quantum  für  einen  zu  bepflanzen 
den  Morgen  598.  —  Nymphäea  ortgisiau 
rubra  und  N.  gigantea,  Winterhärte  voi 
299.  —  Nymphaeensamen,  Bezugsquellen  un 
Anzucht  von,  299.  —  Obst-  und  Gemüst 
Verwertung.  Empfehlenswerte  Werke  über,  7] 
—  Porzellauetiketten  zum  Anhängen  m 
eingebrannter  Schrift  432.  —  Papierfenste 
in  der  Praxis  70.  —  Picea  puugeus  argente; 
Vermehrung  von,  69.  —  Quittenuuterlage  fü 
Birnenzwergobst  310.  —  Rebenschnitt  fü 
Weintreiberei  70.  —  Rosen,  Unterschied 
zwischen  Remontant-  und  Teerosen  598.  - 
Schnittblume,  Die  beste  der  letzten  zeh 
Jahre  357.  —  Schnittblumengärtnerei,  Ral 
schlage  zur  Gründung  einer  kleinen,  598.  - 
Spargelkultur  in  kaltgründigem  Moorbode 
299.  —  Spinnende  Schnecken  (Limax-Artei 

346.  —  Standetiketten  in  Baumschulei 
Apparat  zum  Beschreiben  von,  442.  —  Teiche 
und  Gewässern,  Reinigung  von,  299.  —  Thuj 
occ.  Hoveyi,  Krankheit  von,  432.  —  Tomater 
Sorten  zur  Kultur  unter  Glas  177.  —  Tonkir 
stäbe,  Haltbarkeit  der,  im  Freien  167.  - 
Topfpflanze,   die  beste  der  letzten   10  Jahr 

347.  —  Verpflanzwagen  167;  —  für  gross 
Bäume  70.  —  Wärmeabgabe  bei  Pflanze 
167.  —  Wintergärten  und  Gewächshäuser  au 
Glasbausteinen  59.  —  Ziergehölze,  Di 
schönsten  der  letzten  10  Jahre  347. 

Briefkasten  der  Redaktion. 

Bestimmuug  des  Gerbstoffgehaltes  von  Pflanze 
72.  —  Campanula  isophylla  372.  —  Gärtne 
oder  Kunstgärtner  324.  —  Gärtner  ode 
Instmaun  156.  —  Kohlhernie  oder  Kropl 
krankheit  432.  —  Preisausschreiben  der  Zeit 
schrift  „Deutsche  Kunst  und  Dekoration 
396.  —  Offertenblätter  für  offene  Stelle 
in  Frankreich  576.  —  Spezialwerk  über  Samen 
bau  336. 

Tafeln. 

(Neun  farbige  und  zwei  Tondrucktafeln.) 

Papaver  hybridum   fl.  pl.   fol.   aureis  „Gold 

mohn"  17. 
Herbstliche  Parklandschaft  53. 
Hervorragende  Cydonia  japonica-Sorten   113 
Pelargonium    hybridum    grandiflorum   „Ball 

königin''  und  „Konsul  Lauteren"  223. 
Smetanasche    Blattbegonien.     Neuheiten    fü 

1903  271. 
Edel-Dahlie,  „Serpentina".    Neuheit  flu-  190; 

320. 
Spigelia  splendens  H.  Wendl.  363. 
Neue    Reinontautrose    „Ruhm    der    Garten 

weit"  424. 
Eremitage  im  Welfengarteu  zu  Hannover  471 
Neuere  Astern   zur  Sohnittblumenge'winnunj 

525. 
Hydrangea  hortensis  rosea  582. 


Alphabetisches  Sachregister. 

(Die  illustrierten  Artikel  sind  mit  einem  *  versehen.) 


Abel,  Friedrich  f  538. 

Abutilon.  Winterbarte,  225. 

*Acacia  alata  var.  platyptera  3. 

Actinidia  Kolomikta  81;  —  polygama  81. 

*Adiantum  farleyense  133;  —  und  Pteris- 
Arten  für  Schnittgrünkulturen  495, 

•Aesculus.  Die  Arten  der  Gattung,  145;  * — 
oetandra  (lutea)  145. 

*Agaven  als  Gartenschmuckpflanzen  530,  *  533. 

Akazien,  schöne  neuholländische,  111. 

Alkäzar,  Die  Gärten  des,  in  Sevilla  308. 

Alocasia  indica  var.  metallicä  612. 

Alpenpflanzen,  Einfluss  des  Kalksteins  und 
Granits  auf  die,  270. 

Aluminium-Etiketten  202. 

Amerikanische  Renommier-Zeitungsenten  406. 

Ammoniakdüngung  93. 

Anemonen  536;  —  Anzucht  von,  a.  Samen  593. 

*Angraecum  sanderianum  41. 

•Anlagen,    Die  städtischen,    "Waudsbeks    565. 

*Ansbach,  Der  königliche  Hofgarten  in,   193. 

Apfelbaumes,  Die  Blutlaus  auf  den  Wurzeln 
des,  342. 

Apfelmotte,  Die,  341. 

Apfel,  Parfümierte  259. 

•Apfel  ..Peasgoods  Goldreinette"  61. 

Apfelsendung,    Begleitgedicht   zu  einer,   262. 

Apios  tuberosa  80. 

•Araucaria  imbricata,  Eine  merkwürdige,   79. 

"Araukarien-Haus  der  Handelsgärtnerei  von 
W.  Runde.  Wandsbek  217,  218. 

Arbeits-  und  Geschäftsordnung  der  Frank- 
furter Handelsgärtner  214. 

•Architektonischer  Schmuck  in  den  kgl. 
Gärten  zu  Herrenhausen  469. 

Arctotis  breviscapa  593. 

Artischocken  und  Cardy.  Die  Kultur  der,  210. 

Arve,  Die,  oder  ZürbelMefer  18. 

*Asclepias  syriaca  98. 

Asparagus-Arten  für  Schnittgrünkulturen  495; 
—  Duchesnei  222;  —  phvmosus  robustus 
242 ;  —  sieberianus  612 ;  * —  und  Medeola  in 
der  Handelsgärtnerei  von  C.  Nupnau, 
Wandsbek  220. 

*Asplenium  Ruta  muraria  493,  495;  * — 
Trichomanes  494. 

Aster,  Bellisblütige  261 ;  * — ,  Die  neue  Apollo-, 
7;  —  horizontalis  atropurpureus  50;  * — 
punetatus  174;  — ,  „Waldersee"-,  8. 

*Astersorten,  Für  die  moderne  Binderei 
geeignete  neuere,  525. 

Aufbewahrung,  Die,  des  Obstes  142. 

•Ausstellung,  Das  Rosarium  und  die  Rosen-, 
des  Vereins  deutscher  Rosenfreunde  in 
Sangerhausen  502,  *505 ;  — ,  Die  Allgemeine 
deutsche  Obst-,  in  Stettin  34;  — ,  Die,  des 
Vereins  Hamburger  Chrysanthemum- 
Freunde    und    des    Gartenbau- Vereins    für 


Hamburg  und  Umgebung.  Vom  18.  bis 
23.  November  130,  153;  *— ,  Die,  der  k.  k. 
Gartenbau-Gesellschaft  in  Wien  416;  * — , 
Die,  der  Vereinigung  Wandsbeker  Handels- 
gärtner vom  25.— 28.  VHI.  1903  584,  *615; 
— ,  Die  grosse  Londoner  Frühjahrs-,  *484, 
510,  *525;  — ,  Die  Obst-Sonder-,  in  Düssel- 
dorf 1902  58;  * — ,  Die  Provinzial-Gartenbau-, 
in  Hannover  vom  26. — 28.  September  23, 
*57;  — ,  Erste  deutsche  Obst-,  in  Brunn  31; 
* — ,  Gemüse-Neuheiten  auf  der  Erfurter 
Gartenbau-,  44;  — ,  Lokale  Gartenbau-,  der 
Bayerischen  Gartenbau  -  Gesellschaft  in 
München  vom  25. — 27.  September  24;  — , 
Von  der  Londoner  Chrvsanthemum-,  vom 
4.-6.  November  1902  112. 

Ausstellungsmedaillen  95. 

•Azalea  indica  „Frau  Meta  Bluth"  33. 

•Azaleen,  Gewächshaus  mit  blühenden,  in  der 
Handelsgärtnerei  von  Kleinwächter  &  Co., 
Hamburg-Barmbeck  269. 

Bakterien,  Nitrite,  der  Orchideen  340. 

•Balkonausschmückung,  Zur,  geeignete  Pf  lanzen 
und  deren   empfehlenswerteste  Sorten  402. 

•Bambusa  spinosa  33. 

Bäume,  Park-,  Zier-  und  Allee-,  die  ohne 
Schnitt  eine  schöne,  kugelförmige  Krone 
bilden  583. 

•Baumfussgitter  aus  Eisenstäben  89. 

Baumpfähle,  Dauerhafte,  213. 

•Baumschule  von  Fr.  Grunewald  in  Zossen, 
Bilder  aus  der,  53. 

Bauten,  Maskierte  440. 

•Begonia  „Bavaria"  116;  —  ..Gloire  de  Lor- 
raine", Behandlung  der,  nach  der  Blüte  374 ;  — 

—  die  beste Topfpflanzederletztenzehn  Jahre 
401;*—  „Gloire  de  Sceaux"  *351,352;  *— 
„President  de  Bourenille"  172;  —  — 
Nochmals,  234;  —  nitida  coccinea  292;  — 
•„Perle  Lorraine"  331;  * —   semperflorens 

„Corbeille  de  feu"  172; „Feuerball" 

612; magnifica   612;   *—  „Goliath" 

und  „Mastodonte"    205;    —    „Lubeca"  7; 

—  weltoniensis  208. 

Begonien.  Lemoines  166,  218;  * — .  Gruppe 
gefüllter,  auf  der  „Temple  Show"  in 
London  487;  —  Kultur  der  Knollen-,  374; 

Neuheiten,  Kritische  Betrachtung  zweier, 

272;  — ,  Smetanas  Rex-,  50;  — ,  Nochmals 
Smetanasche,  99;  * — ,  Neue  Smetanasche 
Blatt-,  271;  *— .  Zwei  schöne,  205. 

Bellis,  Eine  neue,  332;  —  perennis  fl.  albo 
pl.  maxima  „Non  plus  ultra"  332; 

•Berberis  amurensis  413;  * —  buxifolia414;  * — 
microphylla  serrata  414;  * —  stenophylla 
414;  "vulgaris  fol.  atropurpureis  413. 

•Berberitzen,  Einige  schöne,  413. 


Bezirksgärtnerstellen,  Die  Anstrebung  und 
Schaffung  von.  in  Oesterreich  201. 

Bienen,  Ueber  Fälle  in  denen,  schädlich  sein 
können  252. 

Bienenzucht  und  Obstbau  376. 

Bignonia  radicans  81 ;  — ■  roezliana  u.  a„ 
Pflanzen  für  Schnittgrünkulturen  495. 

Bildsäule  und  Pflanzenschmuck  579. 

Bildwerke  im  Garten  343. 

•Binderei,  Für  die  moderne,  geeignete  neuere 
Astersorten  525. 

^Birnbaum,  Ein,  als  lebender  Blumentisch  im 
Parke  521. 

•Birne  „Triumph  von  Jodoigne"  425. 

Blasenrost,  der,  der  Weymouthskiefer  137. 

Blattläuse,  Mittel  gegen,  154. 

'Blumenarrangements  von  Georges  Ch.  Cova, 
Smyrna  476. 

•Blumenbeete,  Vier,  aus  den  städt.  Garten- 
anlagen in  Mainz  375 

Blumenhandel  in  Berlin  231. 

Blumenschlacht,  Erbauliches  und  TJnerbau- 
liches  von  einer,  393. 

Blumenspenden  sind  im  Sinne  des  Verstorbenen 
verbeten  311. 

Blumensprache,  Die  Bedeutung  der  Farben 
in  der  Landschaftsgärtnerei,  Binderei  und 
in  der,  595. 

•Blumentisch,  Ein  Birnbaum  als  lebender,  im 
Parke  521. 

Blumen-  und  Pflanzenpreise  in  Brüssel  202. 

•Blutbuche ,  Eine  starke,  und  die  ältesten 
oder  Stammpflanzen  der  Blutbuchen  über- 
haupt 618;  —  Ein  Prachtexemplar  einer, 
619. 

Blutlausplage,  Harmlose  Plauderei  über  die,  329. 

Blutlaus,  Die.  auf  den  Wurzeln  des  Apfel- 
baumes  342;   —  Zur  Vertilgung  der,  560. 

Bodenlockerung,  Ist  winterliche,  für  die  Obst- 
bäume von  Vorteil?   249. 

Bohnenwinde  236. 

•Boltonia  latisrruama-  Asa  Gray  239,  *295. 

•Bonapartea  juncea,  548. 

Bordelaiser  Brühe,  Noch  einige  Worte  zu  den 

„Glossen",  zur,  127 ; .  Nochmals,  und 

Kupfervitriol-Sodabrühe  257. 

Boussingaultia  basselloides  SO. 

Bouvardien,  Empfehlenswerte,  zuni  Schnitt, 
deren  Kultur  und  Vermehrung  331. 

Brüssel,  Blumen-  und  Pflanzenpreise  in,  202. 

Burbank,  Luther,  der  bedeutendste  Pflanzen- 
züchter der  Gegenwart  366. 

Buschobst  517. 

Caesalpinia  Gilliesii  558. 
Calceolaria  rugosa  387. 
•Calceolarienkulturen   in    der  Gärtnerei 
Heinr.  Mette,  Quedlinburg  553. 


X 


Die  Gartenwelt. 


VII 


Calla  als  Schnittblume  357 ;  —  devoniensis  411 ; 
—  „Perle  v.  Stuttgart"  als  WinterHühei  200. 

*Calliopsis  hybrida  superha  183. 

Calodendron  eapense  557. 

Campanula  fragilis,  gargauica,  isophylla, 
rnuralis,  portenschlagiana,  pulla,  pusilla  392 ; 
* —  pyramidalis  97. 

Capsicum  annuum  388. 

Cardy,  Die  Kultur  der  Artischocken  und,  210. 

Carpinus  Betulus  und  ihre  Abarten  114. 

Carpocapsa  pomonana.  die  Apfelmotte  341. 

♦Catalpa  bignonioides  88. 

♦Cattleya  labiata  Varietäten  17. 

Centaurea  montana  rubra  542. 

*Ceropegia  Woodii  Schltr.  *127,  414. 

'Champignon-Kultur,  Etwas  zur,  254;  * — 
-Treiberei  in  der  Kgl.  Hofgärtnerei  zu 
Sanssouci  301. 

Cheilauthes  elegans  225. 

Chionodoxa  Luciliae  536. 

Chrysanthemum,  Bewährte  Schnitt-  und  Schau- 
blumen-, in  reinen  Farben  441 ;  * —  frutescens 

„Saharet"  6;  * alba  maxirna    7;    *— 

„Prinzesse  Bassaraba  de  Brancovan"  266; 
— ,  Gute,  bewährte,  neuere  und  neueste, 
reich-  und  frühblühende,  200;  *— ,  Halb- 
stämmige,  in  der  Handelsgärtnerei  von 
Klein  wächter  &  Co.,  Hamburg-Barmbeck  268. 

*Cineraria  Lynchü  Wats.  293. 

Citrus  chinensis  (Zwerg-Orange,)  567. 

*Clematis,  Rosen  und  Flieder  in  der  Handels- 
gärtnerei von  Franz  A.  Kreis,  Nieder- 
Walluf  37;  — viticella-Züchtungen,  Lemoines, 
223;  —  und  Mäuse  473. 

*Clivia  miniata  389;  —  — ,  Nochmals,  548. 

Clitoria  Ternatea  236. 

Cobaea  scaudens  237. 

♦Coelogyne  dayana  Rchb.  f.  118. 

Convolvulus  tricolor  237. 

Cuphea  platycentra  387. 

Cycadeen,  Die  Kultur  der,  479;  * — ,  Von 
den,  421. 

*Cycas  revoluta  in  Blüte  91;  *—  Thouarsii 
R.  Br.  373,  421. 

Cyclamen,  Betrachtungen  über  Aussaat  der, 
und  die  Behandlung  der  Sämlinge  10;  — 
europaeum  536;  * —  -Kulturen  in  der 
Handelsgärtnerei  von  Kleinwächter  &  Co., 
Hamburg-Barmbeck  268,  269. 

♦Cydouia  japoniea-Sorten,  Hervorragende,  113. 

*Cypripedium  Calceolus  409 ;  * —  parviflorum 
410;  *—  spectabile  411. 

*I>achgärten  42. 

*Dahlia  „Helvetia"  21 ;  —  „Serpentina"  320;  — 
„Soleurois"  21. 

*Dahlie,  Britannia,  eine  herrliche  Kaktus-  — , 
für  Bindezwecke  86;  — ,  Die,  „Countess  of 
Lonsdale"  244;  — ,  Die  Vermehrung  der 
Edel-,  durch  Veredeln  245;  —  *Edel-, 
„Königin  Carola"  393;  —  ♦,,Lenau"85;  *— 
„Perle  du  parc  de  la  tete  d'or  457;  * — 
„Victor  v.  Scheffel"  85. 

♦Dahlien,  Ahrensburger  Edel Neuheiten  85; 

* Einführung,  „Serpentina",  meine  dies- 
jährige Edel-,  320;  — Gesellschaft,  Das 
Kuckucksei  der  deutschen  323;  * — ,  Das 
Veredeln  der,  *244,  245,  308; Neu- 
heiten, Englische  52;  —  -Neuzüchtungen, 
Deutsche,  a)  Die  diesjährigen  Neuheiten 
30;  —  b)  Die  bemerkenswertesten  Neu- 
heiten für  1903  62;  — ,  Veredlung  der, 
308;  * — Vorpflanzung,  Gehölzegruppe  mit, 
399. 

*Datura  chlorantha  267. 

♦Daturen,  Die  Kultur  der,  266. 

Davidia  involucrata  Baill.  362. 

*Dekorationspflanzeuwagen,  Ein  praktischer, 
212. 


Delphinium  uudicaule  und  Tropaeolum  majus 
nanum  (Tom  Thnmb)  als  Gruppenpflanzen 
569. 

Dendrologische  Plaudereien.  I.  Im  Vor- 
frühliug  318. 

Dendrologiseher  Versuchsgarten,  Der  Fried- 
hof als,  201. 

Dioscorea  Batatas  81. 

Dolichos  Lablab  236. 

♦Drosera  auriculata  185;  * —  binata  und 
dichotoma  187;  * —  capensis  186;  *— 
cistiflora  var.  multiflora  171;  * — ,  der 
Sonnentau  169,  184;  * —  erythrorhiza  170; 
*—  filiformis  171;  *—  indica  187;  *— 
lunata  169;  *—  pallida  169;  *—  peltata 
187;  *—  prorecta  170;  *—  rosularis  170; 
* —  spathulata  185;  * —  stolonifera  170. 

Düngemittel,  Ein  sehr  geeignetes,  213. 

Düngen,  Missgriffe  beim,  129. 

Düngung,  Die  Hornspäne-,  345. 

♦Ebene,  Landschaftsbilder  der,  445. 

Eccremocarpus  scaber  236. 

Echinacea-  und  Rudbeckia-Hybriden  357. 

*Echinocactus  de  Laetü  279;  * —  Grusonii, 
ingeus  und  pilosus  277;  * —  in  verschiedenen 
Arten,  während  des  Sommers  ausgepflanzt 
281 ;  * — microspermus  281 ;  * —  saglionis  279. 

*Echinocereus  dasyacanthus  290. 

*Echiuopsis  gemmata  289. 

Eohitea  Melaleuca,  eine  Pflanze  für  Schnitt- 
grünkulturen 495. 

*Eichen-Arten,  Ein  Beitrag  zur  Bestimmung 
der  in  unseren  Gärten  angepflanzten,  nach 
den  Blättern  544,  570. 

Eichhörnchen,  Das,  als  Mäusejäger  597. 

♦Einfriedigungen,  Garten-,  *284.  352. 

Eudivien,  Das  Aufbewahren  der,  im  Winter  80. 

*Epimedium  616. 

Eremurus  Bungei  611;  —  Olgae  611;  — , 
Zwei  schöne,  611. 

*Eriostemon,  Die  Gattung,  *1,  2;  —  cuspida- 
tus  2;  —  neriifolius  1. 

Ernte,  Die,  des  Kernobstes  33. 

Erythrina  Corallodendron  557. 

Ei'vtlirouium  dens  canis  536. 

*Espe,  Eine  Trauer,  447,  *448. 

Etiketten,  Aluminium-,  202;  — ,  Das  Be- 
schreiben von  Zink-  und  Celluloid-,  346. 

Eurya  latifolia  221. 

Exacum  affine  447. 

Exoascus  Cerasi  426. 

Farben,  Die  Bedeutimg  der,  in  der  Land- 
schaftsgärtnerei, Binderei  und  in  der 
Blumensprache  595. 

Farfugium  giganteum  612. 

*Farne,  Anspruchslose,  493;  —  für  Jardinieren- 
bepflanzung  447;  —  für  Schuittgrün- 
kulturen  495. 

Farn -Figuren,    ein  Pf  lanzenm  issbrauch   391; 

* Haus  der  Handelsgärtnerei  von  F.  Jank, 

Wandsbek  218;  * Pflanzen,  Die  schönsten, 

des  Freilaudes  und  der  Glashäuser.  3.  Gymno- 
gramme  sehizophylla  Bak.  *123,  4.  Pteris 
flabellata  Thbg.,  arguta  Ait.  und  tremula 
R.  Br.  *343. 

Feinde,  Unsere  unsichtbaren,  532. 

♦Feldsalat,  Salatblättriger,  256. 

♦Felsen  am  "Wasser  246. 

Fious  nitida  447 ;  *—  stipulata  mit  Früchten  91 . 

♦Flieder,  Clematis  und  Rosen  in  der  Handels- 
gärtnerei von  Franz  A.  -  Kreis,  Nieder- 
Walluf  37 ;  —  zu  treiben,  Wohlfeile  Art,  266. 

♦Flügelpyramide,  Eiue  schöne,  in  Blüte  259. 

Forfieula  auricularia,  gemeiner  Ohrwurm  616, 

Forsythia  suspensa  81. 

♦Fourcroya  Bedinghauseni  102,  267. 

Franuiscea,  Kultur  der,  310. 


Francoa  ramosa  231;  * —  —  hybrida  230. 

*Friar  Park  zu  Henley-on-Thames  589. 

Friedhof,  Der,  als  dendrologiseher  Versuchs- 
garten 201. 

Frühkohlrabi,  Gegen  das  Durchtreiben  der,  257. 

Frühlingsblumenzwiebeln  und  Knollen,  Einige 
der  kleinsten,  535. 

Fuchsia  microphylla  543. 

♦Fuchsie  „Adrian  Berger'1  373,  *374. 

*Galanthus  -  Zwiebeln,  Das  „Steckenbleiben" 
der,  105. 

Gardenia,  Die  Kultur  der,  302. 

Gardenien,  Die,  207 ;  — ,  Zur  Kultur  der,  208. 

♦Garten-Ausschmückung,  Eine  empfehlens- 
werte, 30;  — ,  Bildwerke  im,  343;  * — . 
Der,  des  Herrn  J.  R.  Hardy,  481;  * Ein- 
friedigungen ^284,  352. 

♦Gartenanlagen  an  den  Torstrassen  Kölns  305. 

Gärten,  Aus  englischen  Gärten.  IV.  Friar 
Park  zu  Heuley-on-Thames  589;  —  Die, 
der  Alhambra  231. 

Gartenkunst,  Die  Bedeutung  und  Anwendung 
der,  im  Städtebau  175;  — ,  Die,  der  Japaner 
269;  — ,  Die  Kritik  im  Dienste  der,  418; 
— ,  Ziele  und  Fortschritte  der  heutigen. 
Eine  kritische  Beleuchtung  des  Vortrages, 
gehalten  von  Gartenarchitekt  Pietzner  in 
der  .lahresversammlung  des  Vereins  Deut- 
scher Gartenkünstler  in  Breslau  21;  —  und 
Gartenkünstler  395. 

Gärtner,  Der  deutsche,  in  Deutsch-Südwest- 
afrika 369;  —  und  Chauffeur  40S. 

♦Gärtnerische  Strassenschmückung  593. 

Gartenstädte  353. 

Gartenstadt-Gesellschaft  in  Berlin  204. 

Gazania  splendens  388. 

♦Gebirgslandschaft,  Bilder  aus  der,  8.  Gesteins- 
trümmer ♦76;  9.  Felsen  am  Wasser  *246. 

Gehilfenzeugnisse  202. 

Gehölze  mit  monströsen  Zweigen  319;  — , 
Seltene,  im  Wiener  Rathausparke  115;  — , 
Ueber  den  Schutz  immergrüner,  winter- 
harter, nach  dem  Verpflanzen  147. 

Gelbsucht,  Betrachtung  über  Eutstehung  und 
Verhütung  der,  unserer  Kulturpflanzen  134 

Gemüse,  Einiges  über  das  Ernten  und  die 
Aufbewahrung  der,  53;  — ,  Frühjahrs-,  256; 

♦ Neuheiten  auf  der  Erfurter  Gartenbau- 

-Ausstellung  44. 

*Gerardia  hybrida  hrt.  98. 

Gesangswettstreit,  Vom,  in  Frankfurt  a.  M. 
455. 

Gesneriaceen,  Die.  unserer  Gärten  580. 

♦Gewächshäuser,  Ueber  Verwendung  zeitweise 
leerstehender,  256. 

Glycine  frutescens  82;  —  chinensis  81 ;  *— 
—  als  Treibstrauch  49 ; ,  Hochstämm- 
chen der,  173. 

Glockenblumen,  niedrige,  deren  Verwendung 
und  Kultur  392. 

Gladiolen,  Lemoines,  220. 

♦Gladiolus  Childsi  und  naneeianus  457,  *458, 
♦459. 

♦Goethe,  R.,  333. 

♦Goldmohn  17. 

*Göttingen,  Aus  dem  botanischen  Garten  zu,613- 

Grammatocarpus  volubilis  237. 

Grevillea  robusta  558. 

♦Grottensteineu,  Pflanzenkulturen  in,  422. 

♦Gruppenpelargonien,  Empfehlenswerte  ältere 
und  neuere,  75;  * ,  Nochmals.  267. 

Gummibaumes,  Die  .Vermehrung  des,  im 
kleinen  561. 

Gummifluss,  Der,  des  Steinobstes  521. 

♦Gurke,  „Indische  Riesen-Netz-'-  44. 

Gurken,  Die  Treiberei  der,  in   Häusern  224. 

Gurkenkrankheit,  Die  Ursache  der,  346. 


VII 


Die  Gartenwelt. 


XI 


Güterwagen,  Erwärmte  599. 

♦Gymnogranime  sckizophytla  Bak.  123 ; 

„Etatsrätin  Donner"   und   Cheilanthes  ele- 


Gypsophila  eerastioides  271. 

Hablitzia  tamuoides  81. 

Hainbuche,  Die,  und  ihre  Abarten  114. 

Haloxylon  Ammodendron  297. 

Haemanthus  diadema  612;  —  fascinator  612; 

—  mirabilis  612. 
*Hamanielis  japonica  S.  et  Z.  405. 
♦Handelsgärtner,  Die  Senioren  der  Haniburg- 

Altonaer,  186. 
Handelsgärtnerei,  Aus  einer,  Mecklenburgs  92. 
Hecke,    Rationelle    Aufzucht    einer    Weiss- 
dorn-, 268. 
Hedera  sevillana  244. 
Hedysarum  inultijugum  574. 
Heizsystem,  Ein  neues,  381. 
■"Heizungen,  Vorbildliches  an  englischen  Warm- 

wasser-,  208. 
*Heizungskessel,  Neue,  379. 
*Helenium  autiunnale  450. 
"Helianthus  giganteus  451. 
*Heliconia  illustris  mbricaulis  389. 
*Heracleum-Arten  357. 
♦Herbstfärbung  53. 
♦Herrenhausen,     Architektonischer     Schmuck 

in  den  kgl.  Gärten  zu,  469. 
Herrschaftsgärtner,   Die  soziale  Stellung  der, 

179,  261,  274. 
Herrschaftsgärtners ,    ■  Die     soziale    Stellung 

des,  238. 
"Heuchera  grandiflora  hybrida  243. 
*  Hexenbesen,  Ueber  einen  interessanten  Fall 

von,  426. 
Holzes,  Die  Zerstörer  des,  467. 
Horizontalkurven,    Ueber    die    Konstruktion 

von,  463,  *464. 
Hornspänedüngung,  Die,  345. 
Humulus  japonicus  237. 
*Hydrangea  hortensis  rosea  582. 
Hyper-super-Pleonasmus  321 . 

Impatieus  Sultani  447. 
Imprägnierungs-Verfahren,    Die,    des   Holzes 

für  gärtnerische  Zwecke  284. 
Iresine,  Eine  neue,  8. 
Iris  bisraarckiana  Eegel  10;  —  hispanica  536; 

—  Sari  nazarena  Foster  11. 

Jacaranda  mimosaefolia  523 ;  —  ovalifolia  558. 
Jacobinia  pauciflora  387. 
Jardinierenbepflanzung   und    einige    weniger 

bekannte,   zum  Teil  seltene  Pflanzen  für 

diesen  Zweck  446. 
Jahresbericht,  VII.,  des  Kreisobstbautechnikers 

für  den  Kreis  Oppenheim  406. 
Jasminum  officinale  81;  —  primulinum  414. 
Justitia  carnea  522.  » 

Kali-Thomasmehl,  Ein  sehr  geeignetes  Dünge- 
mittel, 213. 

Kakteen,  Die  gärtnerische  Kultur  der,  4;  * — , 
Eine  Lanze  für  die,  277,  289;  — ,  Nütz- 
liche, 531. 

Kalken  oder  Gipsen  der  Obstbaumstämme  561. 

Kalksteins,  Einfluss  des,  und  Granits  auf  die 
Alpenpflanzen  270. 

♦Kartoffel  ,,De  Wet"  253;  —  „Don  Carlos" 
254;  —  „Ohm  Paul"  253;  —  „Paulsens 
Galathea"  254;  * Neuheiten,  Versuchs- 
anbau von  Paulsens,  253. 

♦Kasten,  Musterhaft  bepflanzter,  zur  Balkon- 
aussehmückung  403. 

Keimfähigkeit  der  Samen,  Ueber  die,  152. 

Keimuügsverhältnisse  der  Leguminosensamen, 


Die,  und  ihre  Beeinflussung  durch  Organis- 
menwirkung 151. 

♦Kerben,  Das  Ausschneiden  von,  an  Obst- 
baumzweigen 250. 

♦Kessel,  Caloria  -  Patent  -  Gegenstrom  -  Glieder-, 

.    379. 

Kirschbäume,  Krankheit  der,  am  Mittel- 
rhein  375. 

♦Kleiuwächter  &  Co.,  Hamburg  -  Barmbeck, 
Kulturen  der  Firma,  268. 

Kohl,  Ewiger,  257. 

Kohlrabi,  Gegen  das  Durchtreiben  der 
Früh-,  211. 

Kölns,  Gartenanlagen  an  den  Torstrassen,  305. 

Kongress,  Internationaler  botanischer,  in  Wien 
1905  346. 

Koniferen,  widerstandsfähige,  gegen  Rauch- 
gase 358 

Konkurrenzen,  Landschaftsgärtnerische,  427, 
466. 

Konkurse,  Handelsgärtnerische,  272. 

♦Korkwand,  Pflanzen  an  der,  109. 

Krankheit  der  Kirschbäume  am  Mittelrhein  375. 

Krankheiten  der  Kübelpflanzen,  Ursachen 
und  Verhütimg  von,  121. 

♦Krematorium,  Das,  zu  Mainz  und  seine 
Gartenaulagen  und  Begräbnisplätze  163. 

Kritik,  Die,  im  Dienste  der  Gartenkunst  418. 

Kübelpflanzen,  Ursachen  und  Verhütung  von 
Krankheiten  der,  121. 

Kugelblumen,  Die,  173. 

"Kultur,  Die,  der  Maiblume  247;  — ,  Die 
gärtnerische,  der  Kakteen  4. 

♦Kulturen,  Waudsbeker,  217. 

Kunst,  Was  ist,?  237. 

Kupfervitriol-Sodabrühe  257. 

Liaelia  digbyana  Benth.  363. 

*Laet,  Frantz  de,  309. 

♦Latidsckaftsbilder  der  Ebene  445. 

Landschaftsgärtnerei,  Die  Anlage  von  'Wasser- 
läufen und  Teichen  in  der,  102;  —  Gehört 
die,  zu  den  Gewerben  im  Sinne  der  Ge- 
werbeordnung?    215. 

Landschaftsgärtnerische    Konkurrenzen   427. 

♦Lasiandra  macrantha  floribunda  390. 

♦Lathyrus  latifolius  albus  458,  ^459;  —  odo- 

ratus  L.  237,   356; --Hybriden,   Die 

besten,  496;  —  rotundifolius  81. 

Laub,  Trockenes,  als  Pflanzmaterial  für  Orchi- 
deen 236. 

Leguminosensamen,  Die  Keimungsverhältnisse 
der,  und  ihre  Beeinflussung  durch  Organis- 
menwirkung 151. 

Lemoine  in  Nancy,  Ein  Besuch  bei  164,  218; 
* —  —  — ,  Reminiszenzen  an  meinen 
Besuch  bei,  284. 

♦Leonotis  Leonunis  R.  Br.  *100,  225. 

♦Leycesteria  formosa  Wall.  355. 

Libonia  floribunda  387. 

Liebesapfel  „Pfitzers  Unvergleichlicher"  212. 

♦Lilium  giganteum  411;  * —  longiflorum  in 
der  Handelsgärtnerei  von  C.  Nupnau,  Wands- 
bek  221. 

♦Linaria  palüda  451. 

Loasa  lateritia  236. 

Lobelia  Erinus  388;  —  hybrida  611;  ♦ — 
Gerardi   und   ihre  Verwandten  541. 

Lohnbewegung  312,  323. 

♦Lomaria  Gibba  macrophylla  219;  *—  —  — 
elegans  219. 

Lonicera  Caprifolium  81;  —  grata  81;  — 
Periclymenum  81. 

Loniceren,  Die  rankenden  51. 

Lophospermum  scandens  237. 

Lüfter  „Sanitas",  Behrmanns  574. 

Lycopodiaceen,  Die,  speziell  Lycopodium  und 
Selaginella  82. 

Lycopodium  und  Selaginella  82. 


Maiblume,  Die  Kultur  der,  247. 

*Maiblumen,  Eis-,  in  der  Handelsgärtnerei 
von  C.  Nupnau,  Wandsbek  221;  —  -Keime, 

Preise  und  Boden  für,  598; Kulturen, 

Haben  die  deutschen,  eine  ausländische 
Konkurrenz  zu  fürchten  524. 

♦Mainz,  Vier  Blumenbeete  aus  den  städt. 
Gartenanlagen  in,  375. 

Malvastrum  capense  363;  —  —  var.  Linde- 
muthii  612. 

Manettia  bicolor,  eine  Pflanze  für  Schnitt- 
grünkulturen  495. 

Manna  und  Manna-Pflanzen  524. 

Maranta  picta  612. 

♦Marguerite  „Saharet"  6. 

Marktpflanzen,  Alte,  schöne,  leicht  zu  kulti- 
vierende, 387. 

Matricaria  eximia  grandiflora  388. 

Maurandia  scandens  237. 

Medicago  arborea  362; ,  Nochmals,  431. 

Mehltaus,  Ueber  die  Möglichkeit,  die  Be- 
kämpfung des  falschen,  und  des  Oidium 
am  Weinstock  in  einer  Behandlung  zu 
vereinigen  430. 

Melone  „Jenny  Lind"  211. 

Mesembrianthemurn  tricolor  388. 

Mikania  scandens  Willd.  286. 

Mimulus  moschatus  compactus  388. 

Miua  lobata  237. 

Mistbeetkästen,  Was  ist  bei  Anlage  und  Her- 
stellung von,  zu  beachten?  532. 

'Mittel] andschaft,  Die,  397. 

*Mohn,  Ein  neuer,  rem.,  Papaver  hybr. 
„Santa  Lucia"  62. 

Momentbilder  von  den  Inseln  Rügen  und 
Bornholm  548. 

Monströsen  Zweigen,  Gehölze  mit,  319. 

♦Morina  longifolia  (Morina  elegans)  5. 

Monis  nigra  114. 

*Musa  Basjoo  64; ,  Nochmals,  64;  *— 

—  syn.  japonica,  im  Freien  überwintert  2.  3. 


Naegelia-Arten  580. 
Naturdenkmäler  67. 
Nelke,  Die  Kultur  der  Malmaison-,  303;   — , 

„Goldfisch4',  eine  wertvolle  neueRemontant-, 

395. 
Nelken,  Margareten-,  63. 
Nephrolepis-Arten     für     Schnittgrünkulturen 

495 ;  ♦ —  exaltata  gigantea  (bostoniensis)  241. 
Neueinführungen  aus  dem  Orient  255. 
♦Neuheiten,     Gemüse-,     auf    der     Erfurter 

Gartenbau-Ausstellung  44. 
Neuzüchtungen,  Drei  wertvolle,  261. 
♦Nicotiana  silvestris  230. 
Notabasis  syriaca  593. 
Nymphaeensamen,  Anzucht  von,  299. 

Obstbau,  Der,  in  Steiermark  547;  — ,  Was 
unserem,  auch  not  tut!  376;  — , 
„Was  unserem,  not  tut!"  438. 

Obstbaues,  Zwei  „nützliche"  Schädlinge 
unseres,  615. 

Obstbäume,  Ist  winterliche  Bodenlockerung 
für  die,  von  Vorteil?  249;  *— ,  Schiefe, 
474;  — ,  das  Verpflanzen  älterer,  41. 

Obstbäumen,  Die  Verwendung  von,  im  Park  617. 

Obstbaum- Pflanzungen,  Die,  im  Gebiete  der 
Grossherz.  Landes -Irrenanstalt  Sachsenberg 
i.  M.  83;  —  Schnitt  und  —  -Pflege,  Winke 

für-,  154; Stämme,  Kalken  oder  Gipsen 

der,  561;  * — Zweigen,  Das  Ausschneiden 
von  Kerben  an,  250. 

Obstes,  die  Aufbewahrung  des,  39,  142;  — , 
Die  Ernte  des  Kern-,  33. 

♦Obstplantagen  mit  Unterkultur  von  Gemüsen 
und  Hackfrüchten  520. 


XII 


Die  Gartenwelt. 


V] 


Odontoglossum  crispurn,  Behandlung  impor- 
tierter, 558;  —  pulchellum  Batem.  404. 

Oenothera  grandiflora  388. 

Ohrwurm,  gemeiner,  016. 

Oidium,  Über  die  Möglichkeit,  die  Bekämpfung 
des  falschen  Mehltaus  und  des,  am  'Wein- 
stock in  e  i  n  e  r  Behandlung  zu  vereinigen  430. 

Oleander  592. 

*Onopordon  424,  425. 

Orange,  Citrus  chinensis  (Zwerg-)  567. 

»Orchideen,  Die  empfehlenswertesten,  für  den 
Schnitt  und  den  Topfverkauf  *13,  26;  — 
Die  Vermehrung  der  Freiland-,  aus  Samen 

234 :   * Gärtnerei,  Die,   des  Herrn  Otto 

Beyrodt  in  Marienfelde  bei  Berlin  385;  — , 
In  einem  Jahr  zweimal  blühende,  236;  * — 
-Kultur,  Zur,  157;  — ,  Nitrite  Bakterien 
der,  340;  — ,  Trockenes  Laub  als  Pflanz- 
material für,  236;  * — ,  Über  Verwendung 
und  Kreuzung  einiger  wertvoller  Freiland-, 
409;  — ,  Versand  von,  nach  England  29. 

Oxalis  grandiflora  271. 

Palmen  im  Freien  544;  * Haus,  Das  neue, 

im  Stadtpark  zu  Mainz  73;  * "Wald,  Der 

von, Elche  438. 

Pancic,  Josif  394. 

Pandanus  Butoyei  612. 

*Papaver  hybridum  fl.  pl.  fo).  aureis  „Gold- 
mohn" *17,  261;  * „Santa  Lucia"  62; 

—  Orientale  357. 

»Park  „Buttes  Chaumont",  Der,  in  Paris  362; 

—  die  Verwendung  von  Obstbäumen  im,  617 ; 
* —     und     Gärtnerei     der     Villa     Hügel, 

313,  325,  337; ,Zier-  und  Alleebäume, 

die  ohne  Schnitt  ein  schöne,  kugelförmige 
Krone  bilden  583. 

Parkinsonia  aculeata  558. 

Passifloren,  Die,  423. 

Pavonien  219. 

*Peasgoods  Goldreinette  61. 

»Pelargonie  „Dekorateur"  75;  * — ,  Neue, 
„Mains  Liebling"  534;  —  „Rhodens  Rosa- 
königin"  267;  *—  „Sattler  und  Bethge" 
76;   "—  „Zwergkönig"  268. 

Pelargonien.    Buntblättrige    Gruppen-,     101 ; 

—  Die  Kultur  der  englischen,  582;  * — 
Empfehlenswerte  ältere  und  neuereGruppen-, 
75;  *—  Neueste  Bürgersche  223;  —  Uebei 
Epheu-Zonal-  3. 

*Pelargonium  hybridum  grandiflorum  „Ball- 
königin'1 und  „Konsul  Lauteren"  223;  — 
„Josef  Adolf  Töpfer"  224;  — ,  Epheu- 
Zonal-,  „Gruss  von  Pforzheim".  „Flam- 
boyant-  3;  * —  scarlet  „Mahrs  Liebling", 
Das  neue,  534. 

Pensee  Cassier  „Rote  Phantasiefarbeu"   261. 

Pentas  carnea  Benth.  569. 

Periploca  graeca  81. 

Petroleum  als  Insektenvertreibungsmittel  331. 

*Pflanzen  an  der  Korkwand  109;  —  für 
Schnittgrünkulturen  494;  * —  -Kulturen  in 
Grottensteihen  422;  —  -Missbrauch,  Farn- 
figuren, ein,   392; Schmuck,  Bildsäule 

und,  579;  * —  -Stilleben,  Gehölzegruppe 
mit,  399;  —  Zwei,  welche  gleichzeitige 
Zier-  und  Nutzpflanzen  sind  141. 

Pflanzen-Züchter-Konferenz.  Internationale  in 
New-York  128. 

Pflanzungsgesellschaft  ..Viktoria"  419. 

Phalaenopsis  amabilis  rimestadtiana  16,  160, 
225;  *—  schilleriana  Rchb.  f.  235;  —  Zur 
Kultur  der,  28.3. 

Philodendron  devanseyeanum  612. 

Phlox  decussata- Varietäten  249. 

»Phönix  Roebeleni  205. 

*Phyllocactus-Hyliriden  „Alice  de  Laet", 
„Belgica"  und  „Seraphita"  291,  292. 


*Physostegia  virginiana  alba  458. 

*Pilöcereus  Houlletii  290,  291. 

*Pinus  Cembra  18. 

»Pipturus  argenteus  "Wedd.  111. 

»Pleroma  macranthum  390. 

Plauderei,  Harmlose,  über  die  Blutlausplage  329. 

Poinsettia,    Anzucht   und   Kultur   der,    206; 

—  pulcherrirna,  Zur  Vermehrung  der,  569. 
*Polemonium  coniertum  A.  Gray  356. 
Polygala  Chamaebuxus  128. 

Polygonum  baldschuanicum  81 ;  —  Das,  als 
Schnittblume  287. 

*Polypodium  Reinwardtii  463. 

*Populus  tremula  pendula  447,  »448. 

Porree,  Bulgarischer  langschaftiger  Riesen 
255,  257. 

Primeln,  Freiland-,  als  Sumpfpflanzen  127. 

*PrimuIa  elatior  gigantea-Hybriden  von  Köhler 
und  Rudel  *542,  543. 

Primula  elatior- Varietäten,  Grossblumige,  333; 
* —  japonica  alba  559;  * als  Gruppen- 
pflanze 558;  * —  veris,  neue  Kärgersche 
riesenblumige  Hybriden  543. 

*Prunus,  Einige  Arten  der  Gattung,  496. 

*Pteris  flabellata  Thbg..  arguta  Ait.  und  tremula 
R.  Br.  343. 

*Pterospermum  acerifolium  "Wight  121. 

Pyrethrum  Parthenium  388. 

*  Quercus- Arten,  Ein  Beitrag  zur  Bestimmung 
der  in  unseren  Gärten  einheimischen,  nach 
den  Blättern  544,  570. 

*Radies  „Blutrotes  Cardinal"  45. 

Ranunkeln  536. 

Rasenausbessern.  Ein  praktisches  Hilfsmittel 
beim.  488. 

Ratten,  Mäuse  und  Ameisen,  Ein  Mittel  gegen, 
345. 

Reben,  Veredlung  amerikanischer,  341. 

»Rebstöcke.  Nochmals  das  Veredeln  alter,  18. 

Reise,  Meine,  von  Pjatigorsk  nach  Buchara  2'J4. 

Reisen  im  Thian-schan  und  in  chinesisch 
Turkestan  459,  476,  489,  498,  513. 

Regenzeichen,  Ein  neues,  68. 

Regenwürmer,  Ein  Mittel  zur  Vertreibung 
der,  345. 

Reseda.  Mastkultur  bei,  in  Töpfen  233. 

»Rhododendron  dahuricum  413;  * — ,  Winter- 
harte, in  Oliva  161. 

»Roridula  dentata  171. 
Rosa   „Beauty    of   the   Prairies"  150,  »151; 
* —  Chaberti  148,  *152;  * —  centifolia  nius- 
cosa  125;  * —  dawsoniana  125;  * —  gallica 

„Mme  Plantier"  1 26 ;  * „Kazanlik"  126 ; 

* —  „Helene"  149;  * —  hybrida  „Mme 
Gustave  Bonnet"  140,  *141;  * —  multiflora 
Thunbg.  149;  * —  muscosa  cristata  125; 
* —  nitita  138;    * —  pimpinellifolia  fl.  albo 

pleno    138,     *139;     * „Vierge    de 

Clery"  138,  *142;  *—  rubrifolia  139; 
* —  rugosa  „Conrad  Ferd.  Mever"  139, 
»140,  283;  *—  setigera  149,  150;"—  villosa 
und  Rubus  laciniatus,  zwei  gleichzeitige 
Zier-  und  Nutzpflanzen  141;  * —  „W.  A. 
Richardson"  X  --Duo  de  Cazes"  141,   -142. 

*Rosarium,  Das,  und  die  Rosen  -  Ausstellung 
des  Vereins  deutscher  Rosenfreunde  in 
Sangerhausen  502,  *505. 

Rose  „Crimsou  Rambler",  Ueber  die  Herkunft 
der,  406;  — .  Die,  „Conrad  Ferd.  Meyer" 
283;  *— ,  Die  Kletter-,  „Pauls  Carmine 
Pillar"  52;  —  „Frau  Karl  Drusehki"  577; 

—  „Frau  P.  Lambert"  579;  —  „Friedrich 
Harms"  577;  —  ..Helene  Guillot"  579;  — 
„Mildred  Grant"  578;  —  „Mrs.  Theodor 
Roosevelt"  578 ;  *—  Noisette-,  „Gruss  an 
Friedberg"  509,  *511;  *— ..Pharisäer"  508, 


*509,  579;  — ,  Rosenroter  Sämling  vo 
„Kaiserin  Auguste  Victoria"  508;  * — ,  San 
iing  von  „Mme  Caroline  Testout"  und  „Fra 
Lila  Rautenstrauch"  507 ;  *— ,  Tee-,  „Souven 
de  Pierre  Notting"  *577,  578;* — ,Teehybrid 
1901  (Züchter   Franz  Deegen)   509,   *51! 

* — , ,    „Franz    Deegen"    578;    * — , — 

„Frau  Lila  Rautenstrauch"  *507,  578,  *58( 

*—,—  -,  „Jacobs  Perle"  578,  »579;  * 

„Madame  Edmee  Metz"  102;  *— , ,  „Ma 

Hesdörffer"  *507,  508;  *— , — ,  „Obe: 
bürgermeister    Dr.    Tröndlin"    508,    »50! 

* — , ,     „Ruhm     der    Gartenwelt"    42' 

*— ,—  -,  „Robert  Baessler"  578,  »581 ;  - 
„ündine"  577;  * —  „"Williams  Evergreen 
eine    reich  blühende   Riesen -KJetter-,    31i 

*Rosen,  Clematis  und  Flieder  in  der  Handel: 
gärtnerei  von  Franz  A.  Kreis,  Nieder- Walli 
37;  — ,  Die  neuen,  „Clio"  und  „Frau  Ka 
Drusehki"  161;  —  mit  zierenden  Früchte 

199; Obelisk,    Der,    und    der    Rosei 

Ballon  414;  * Neuheiten,  Einige  hervo: 

ragende,  577;  *— ,  Tee-,  „Maman  Cochet 
und  „White  Maman  Cochet"  161;  — 
Treiberei  in  England  282;  — ,  Unterschie 
zwischen  Remontant-  und  Tee-,  598;  *- 
"tt  interharteStrauch-,  116,  »124.  *137,*14' 
199. 

Rosenkohl,  „Erfurter  Dreienbrunnen"  2L 
* — ,  „Verbesserter  Dreienbrunnen"  44. 

Rotkraut  „Zenith"  112. 

Roupala  corcovadensis  221. 

Rubus  moluccanus  431. 

Rügen  und  Bornholm,  Momentbilder  von  de 
Inseln  548. 

*Ryssel,  Eduard  537. 

*Saccolabium  giganteum  Lindl  235. 

*Saint-Paul-Ulaire,  Ulrich  von,  f  84. 

Saintpaulia  ionantha  3. 

Salvia    splendens  387;   — Sorten,  Einig 

empfehlenswerte  90. 

Samen,  Das  Abbrühen  hartschaliger,  m 
heissem    Wasser   516; Reinigung    43 

Saxaulsträucher  297. 

*Saxif  raga  apiculata434 ;  * — burseriana433 ;  *- 
Kotschyi  435;  * —  oppositifolia  436;  *- 
rocheliana  435;  * —  Salomoni  434;  *- 
saneta  436;  *—   sarmentosa   tricolor  37' 

Scabiosa  caucasica  357. 

Schädlinge,  Zwei  „nützliche",  unseres  Obs 
baues  615. 

*Schilfrohrschutzwände  212. 

Schlinger,  Seltene  staudige   und  holzige,  8' 

Schlinggewächse,  Interessante,  Einjährige  23' 

Schnecken,  Spinnende.  346. 

Schneeglöckchen,  Das  Treiben  der,  244;  *- 
-Zwiebeln,    Das  „Steckenbleiben"  der,  10 

Schnittblume,  Die  beste,  der  letzten  zeh 
Jahre  357. 

Schnittblumengärtnerei  ,  Ratschläge  zi 
Gründung  einer  kleinen,  598. 

Schorfpilze,  Mittel  gegen,  154. 

*Scolopendrium  officinarum  var.  daedalum  9i 

Scyphanthus  elegans  237. 

Selaginella  82;  —  apoda  minor  160;  —  ca< 
sia  160;  —  denticulata  160;  —  emelliar 
161;  —  Martensii  161;  —  Ouvrardi  161 
—  stolonifera  161. 

Selaginellen  160. 

»Selbstspritzer  „Fontain"  489. 

»Senioren,  Die,  der  Harn  bürg- Altonaer  Handel 
gärtner  186. 

Sieb,  Ein  praktisches  432. 

*Siehert,  August.  Zur  Feier  seiner  fünfunc 
zwanzigjährigen  Tätigkeit  im  Palmengarte 
zu  Frankfurt  a.  M.  601;  —  — ,  Kg 
Gartenbaudirektor,  und  sein  Wirken  ii 
Palmengarten   zu    Frankfurt    a.    M.      60! 


VII 


Die  Gartenwelt. 


XIII 


Sinningien  580. 
situationsplan     des     Kgl.     bot.    Gartens    in 

Gottingen  613. 
*Sockelblumeu,  Die,  lEpimedium)  616. 
Solanum    Capsieastmm    He'ndersoni   122;    — 

Melongena  38S. 
Sommerbrief,  Ein,  aus  La  Mortola  555. 
Sorbus-Arten  und  Abarten,  Unsere,  448. 
Spigelia  splendens  363. 
Stadtwald  Gremberg,  Der,   bei    Köln   a.    Rh. 

181. 
Stanhopea  inodora  Ldl.  29. 
Staticen.  Einjährige  229, 
Statice  Bonduelli  229;  *—  sinuata  229. 
*Staudenastern,  Etwas  über,  1 .  1. 
*Stauden,     Empfehlenswerte,     und     Knollen- 
.  gewächse   für   Blumenschnitt  und    Garten- 
aussohmüokong     457 ;       —  -Vorpflanzung'. 

Gehölzegruppe    mit,    398; Neuheiten, 

Deutsehe,  in  England  405. 
*Steinbrecharten,  Frühblühende  433. 
Stellenausschreibung  —  Stellenvergebung  155; 

Bewerbung  226. 

Stevia  serrata  albo-marginata  447. 
Strassenbäume  89. 

*Strassenschmückung,  Gärtnerische,  59  I 
Strauchrosen,   Winterbarte  116,     124,     137. 

*147,  199. 
'Sträuchern,  Stauden   und    Topfpflanzen,  Ge- 
hölzegruppe     mit      Vorpflanzungen      von 
Blüten-,  398. 
Strelitzia  angustifolia  und  Strelitzia  Reginae, 

Die  Kultur  der,  388. 
Streptocarpus-Hybriden  521. 
Strohdecken  haltbar  zu  machen  345. 
Symphytum  grandiflorum  DC.  293,  294. 

Tafelarrangements  gelegentlich  der  Abhaltung 
fürstlicher  Hofjagden  474. 

Tecoma  stans  558. 

Teichen,   Die  Anlage  von  Wasserläufen    und, 
in  der  Landschaftsgärtnerei  102. 

Temesvarer  Handelsgärtnereien  304. 

'"Teppich  beet  am  Eingang  zur  Gartenbauschule 
„Elisauethinum"  in  Mödling  bei  Wien  390; 
* — ,  Das  zusammensetzbare,  transportable, 
463,  *465. 
Teppichbeete  im  Palmengarten  zu  Frank- 
furt a.  M.  364. 

Tetranema  mexicauum  447. 

Thunbergia  fragrans  237. 

Titel  und  Orden,  Die  lieben  322. 

Topfpflanze,  Beste  347. 

Topfpflanzen,  Neue,  bessere  612. 


Tomate,  „Pfitzers  Unvergleichliche^  212. 

"Tomaten,  Die  Freilandkultur  der.  in  England 
254. 

"Tradescantia  iridescens  91. 

"Treiberei,  Champignon-,  in  Sanssouci  301; 
*— ,  Rosen-,  in  England  282. 

Trichosanthes  Anguina  237;  —  japonica  237. 

Trollius  17.3;  —  europaeus,  die  Trollblume  332. 

*Trompetenbaum,  Der,  und  seine  Verwandten 
88. 

Tropaeolum  als  zierliehe  Kalthaus-Schling- 
pflanzen 472;  —  majus  236; nanum 

(Tom  Thumli)  und  Delphinium  nudicaule  als 
ßruppenpflanzen  509;  —  peregrinum  236 

Tulpenzwiebeln,  Die  verschwundenen,  252. 

'Vanda  amesiana  Rchb.  f.  25. 

Verbena  venosa  Gill.  592. 

Veredeln,  Die  Vermehrung  der  Edeldahlie 
durch,  245;  * — ,  Nochmals  das,  alter  Reb- 
stöcke  18. 

Veredlung  amerikanischer  Reben  341. 

Veredlungen,  Haus-,  im  Winter  93. 

"Veredlungs verfahren,  Ein  zu\  .   für 

Dahlien  308. 

Verpackung,  Solide,   von  Exportartikeln  346 

Verpflichtung  zum  Besuche  der  Fortbildungs- 
schule für  Lehrlinge  von  Kunst-  und 
Handelsgärtriereien  251. 

Vermehrung,  Die,  der  Freilandorchideen  aus 
Samen  234 

Vermehrungspilz,  Der,  und  seine  Bekämpfung 
51  0. 

Vermehrungspilzes,  Ein  neues,  erfolgreiches 
Verfahren  zur  Bekämpfung  des,  467. 

"  Veronica,  der  Ehrenpreis  436 ;  *—  spuria  437. 

Vespa  vulgaris,   gemeine  Wespe.  * >  1 » - 

*Victoria  regia  in  Güttingen  350. 

»Villa  Hügel,  Park  und  Gärtnerei  der.  313, 
325.  337 

Vitis  Veitchii  243. 

Vorlesungen,  Botanisch-wissenschaftliche,  an 

deutschen  Universitäten  und  ihre  Bedeutung 

für  den  Gärtnerberuf  591. 

Vorgärten,  Ausschmückung  kleiner,  344;   — 

und   Balkonausschmückung   in   llainz   419. 

*  Vorpflanzungen  vor  Gehölzpartien  im  Fürst- 
lichen Hofgarten  zu  Margarethen,  Nieder- 
Oest.  397. 

Vorschläge,  Befolgenswerte,  aus  den  Erläuter- 
ungsberichten des  Düsseldorfer  Preisaus- 
schreibens für  Ausgestaltung  des  Aus- 
stellungsterrains der  Gartenbau-Ausstellum; 
1904    504. 


Vortrag,   gehalten    am    9.   ; 
Dahiienausstellung    in   Erfurt   von    ! 
mann.  Nürnberg  1!'. 

*Wagen,  Ein  praktischer  Dekorationspflanzen-, 

213. 
*  Walnussbaum.  Ein  merkwürdiger  498. 
Wälder  der  Ebene  529. 
Wandsbeks,  Die  städtischen  Anlagen,  565. 
"Warmwasserheizungen ,     Vorbildliches       an 

englischen,  208. 
Wasserpflanzenhaus,   Das  tropische,  in  Göi 

fingen  349. 
Wasserschosse,  Die,  und  ihre  Behandlung   I::." 
Wasser  und  Leben  451. 
*Wogeanlage  178. 

Weidenstecklinge,  Ueber  das  Pflanzen  der,  86. 
Weinberge,  Die.  mit   forcierten  Erträgen    im 

südlichen  Frankreich  378. 
Weintreiberei  259. 
Weissdornhecke,   Rationelle    Aufzucht    einer, 

268. 
Weissdornhecken,   Ein   weiterer   Beitrag   zur 

Gefährlichkeit    der,     als    Brutstätten     and 

Unterschlupf  von  Ungeziefer  317. 
Weissdorn,  Nochmals  der,  440;  —  und  kein 

Ende  370. 
Weisskraut  ,.Ruhm  von  Enkhuizeir'  und  leit- 
kraut „Zenith"  112. 
Wespe,  gemeine,  616. 
1  Wettbewerbes,  Ergebnis  des,  zur  Erlangung 

von  Entwürfen  zu  einem  Stadtpark  für  die 

Stadt  Plauen  i.  V.  354,  *366. 
Weymouthskiefer,  Der  Blasenrost,   der,    137. 
Wie  man  angepumpt  und  betrogen  wird.   1 18, 

156. 
Windmotore  3. 
Wirsing"  Erfurter  roter  Delikatess"  46. 


Yucca  t'ilamentosa  459,  *460;  —  filifera  im 
botanischen  Garten  von  Valencia  225. 


Zerstörer,  Die  des  Holzes  467. 
Zeugnisse,  Gehilfen-,  202. 
Ziergehölze,  Schönblühende  347. 
Zolltarif-Entwurf,    Der   neue    österreichische. 
251;  — ,  Oesterreichischer,  228;  —    Vom 
italienischen,  251. 
•Zschopautale,  Etwas  vom,  65. 

Zui'uelkiefer,  Die  Arve  oder,  18. 

Zweigschnitt,  Wie  wird  der,  ausgeführt  ?  287. 
Zygopetalum  Makaii   13. 


Illustriertes  Wochenblatt  für  den  gesamten  Gartenbau. 


Jahrgang  VII. 


4.  Oktober  1902. 


No.  1. 


Nachdruck  und  Nachbildung  aus  dem  Inhalt  dieser  Zeitschrift  wird  strafrechtlich  verfolgt. 


Topfpflanzen. 


Die  Gattung  Eriostemon  Sm. 


Von  Bernh.   Othmer,  kgl.   Garteninspektor,  München. 
(Hierzu  zwei  Abbildungen.) 

LJle  Gattung  Eriostemon  Sm.  gehört  auch  zu  jenen 
schönen  Repräsentanten  der  Rutaceen,  die  früher  so  häufig 
in  den  Sammlungen  anzutreffen  waren,  allmählich  aber  ver- 
schwanden und  erst  jetzt  wieder  gesucht  werden.  In  der 
That  verdienen  diese  herrlichen  und  so  dankbaren  Pflanzen 
die  weiteste  Berücksichtigung,  denn  sie  sind  im  Gegensatze 
zu  so  vielen  Familienverwandten  nicht  schwierig  zu 
halten. 

Die  Eriostemon  sind  immergrüne  Sträucher  Neu-Hol- 
lands  mit  kurzgestielten  oder  sitzenden,  festen,  haltbaren, 
beinahe  wachsartigen  Blüten.  Kelch-  und  Blumenkrone 
sind  fünfteilig,  wie  auch  die  aufspringende  Fruchtkapsel 
fünfteilig  ist.  Die  Blätter  sind  dichtgestellt,  spiralig  an- 
geordnet, einfach,  dick,  fleischig-lederig,  mit  Drüsen  voll 
ätherischen  Öls  bedeckt. 

Von  den  etwa  16  bekannten  Arten  sind  nachstehende 
gelegentlich    in    Kultur : 

E.  salicifolius  Sm.  (syn :  E.  lanceolatus  K.  F.  Gaertn.), 
N.-S.  Wales,  mit  schmalen,  ganzrandigen  Blättern,  lang- 
gestielten, von  vielen  Brakteen  gestützten,  weissen  Blüten. 

E.  myoporoides  DC,  O.  Austral,  mit  etwas  blaugrünen, 
breiteren  und  weicheren  Blättern  und  kurzgestielten,  zu 
mehreren  vereinten  Blüten.  Etwa  um  das  Jahr  1825  durch 
Allan   Cunningham   eingeführt. 

E.  neriifolius  Sieb.,  S.-W.  Austral.  (Abb.  nebenstehend), 
mit  ebenfalls  etwas  blaugrünen  und  ein  wenig  schopfig  ge- 
stellten Blättern,  zwischen  denen  die  dichtgedrängten,  kurz- 
gestielten,  weissen   Blüten   stehen. 

E.  scaber  Faxt.,  N.-S.  Wales,  mit  scharf gerandeten, 
schmalen   Blättern. 

E.  cuspidatus  Lodd.,  S.-W.  Austral.  (Abb.  Seite  2). 
Blätter  dunkelgrün,  eiförmig,  schlank  zugespitzt,  derb. 
Blüten  reinweiss,  kurzgestielt,  zu  mehreren  in  den  Blatt- 
winkeln.   Etwa   1830   eingeführt. 

E.  intermedius  Hook.,  S.-W.  Austral.  Blätter  der 
vorigen  ähnlich,  die  weissen  Blüten  stehen  einzeln  in  den 
Blattwinkeln. 

Die  Gartenwelt. 


E.  buxifolius  Sm.,  N.-S.  Wales.  Zweige  sind  schlank, 
die  Blätter  kurz,  elliptisch,  stachelspitzig,  mit  an  der  Spitze 
der  Zweige  einzeln  in  den  Blattwinkeln  stehenden  rosa 
Blüten. 

E.  obovalis  flor.  plural.  ist  eine  s.  Zeit  von  Baron  F.  von 
Muller    eingeführte    Form   mit   gefüllten    Blumen.    Es 


Eriostemon  neriifolius. 
botanischen    Garten    zu    München    vom    Verfasser    für    die  „Gartenwelt" 
photogr.  aufgenommen. 

I 


Die    Gartenwelt. 


Vir, 


wäre  recht   interessant   zu   erfahren,   ob   sich   diese   Form 
irgendwo   in    den    Gärten   erhalten    hat. 

Die  Kultur  der  Eriostemon  weicht  nicht  ab  von  der 
allgemeinen  für  australische  Pflanzen.  —  Eine  lockere 
torfige  Heideerde,  mit  sandigem,  mildem  Lehm  zu 
einem  guten  Dritteil  vermischt,  ist  der  beste  Pflanzstoff. 
Im  Sommer,  während  der  Entwicklung  der  jungen  Triebe, 
haben  diese  zum  guten  Wachsen  gerne  einen  lichten  son- 
nigen Platz,  sowie  reichliche  Wasser-  und  Dunggaben  (Auf- 
gelösten Kuhdung  und  vornehmlich  stickstoffhaltige  Nähr- 
salzlösungen), im  Winter  ebenfalls  hellen  Standort  bei  vor- 
sichtiger massiger  Be- 
wässerung. Die  Blüten 
erscheinen  nach  solcher 
Pflege  mit  dem  Beginn 
des  Frühjahrs  in  reicher 
Menge.  Bald  nach  dem 
Verblühen  ist  der  rich- 
tige Zeitpunkt   für   das 

Verpflanzen  und 
Stutzen  der  längeren 
Zweige.  Man  schneide 
im  übrigen  nicht  viel, 
da  schon  natürlicher- 
weise die  Pflanzen  ge- 
drungene Büsche  bilden. 
Die  Anzucht  ge- 
schieht am  besten  durch 
Samen.  In  der  Kul- 
tur setzen  ältere  Pflan- 
zen solchen  in  ziem- 
licher Menge  an,  auch 
dürfte  derselbe  nicht 
schwer  aus  der  Heimat 
zu      importieren     sein. 

Stecklinge     wachsen 
schlecht,    und  die  sol- 
cher     Art      erzogenen 
Pflanzen    zeigen    stets 

geringe   Wachstums- 
energie. Besser  ist  es,  die 
Zweige  auf  junge  kräftige 
Pflanzen    von    Correa 
alba  zu  ablaktieren. 


Eriostemon  euspidatus. 

botanischen  Garten  zu  Müuchen  vom  Verfasser  für  die  ..Gartenwelt" 


M.  Ensete  leicht  verwechseln  können.  Von  der  bekannten 
deutschen  Firma  U.  Hillebrand  in  Pallanza  wurde  also 
ein  Exemplar  bezogen  und  nachdem  genügend  Ver- 
mehrung vorhanden  war,  letzten  Herbst  eine  der 
stärksten  ihrem  Schicksal  im  Freien  überlassen.  Nachdem 
die  Blätter  abgefroren,  blieb  der  Strunk  noch  bis  Ende 
November  ohne  jeden  Schutz,  um  das  Wachstum  möglichst 
zum  Stillstand  zu  bringen.  Alsdann  kam  um  den  Fuss 
eine  tüchtige  Decke  von  Fichtennadelstreu,  darüber 
ward  ein  grosser  Wasserbottich  gestülpt,  der  des  besseren 
Aussehens    wegen    eine    grüne    Verkleidung   von   Tannen- 

reissig  erhielt.  Unten 
herum  kam  später  noch 
eine  Laubschicht.  Als 
im  März  aufgedeckt 
ward,  hatte  meine 
Musa  sich  prächtig 
gehalten.  Nicht  ein- 
mal der  Strunk  war 
gefault  und  es  dauerte 
nicht  lange,  so  begann 
sich  das  erste  Blatt 
herauszuwinden,  was 
bei  dem  ungünstigen 
Frühjahrswetter  natür- 
lich wieder  erfror.  Dem 
ersten  folgte  ein  zwei- 
tes und  der  Ansatz 
zu  einem  dritten,  die 
am  15.  Mai  dem  star- 
ken Frostwetter  zum 
Opfer  fielen.  Dann 
aber  setzte  das  Wachs- 
tum ein  und  bis  An- 
fang September  hatte 
die  auf  Seite  3  abgebil- 
dete Pflanze  32  Blätter 
und  drei  kräftige  Neben- 
schosse getrieben.  Sie  ist 
2  m  hoch  und  würde 
ohne  Zweifel  noch  üppi- 
ger geworden  sein,hätten 
wir  nicht  einen  so  son- 
nenarmen kalten  Som- 
mer hinter  uns,    wie  es 


photogr.  aufgenommen. 


Musa  Basjoo  syn.  japonica,  im  Freien  überwintert 

Von  K.  Rehnelt,  Grossherzogl.  Garteninspektor,   Giessen. 
{Hierzu  eine  Abbildung.) 

V  or  nunmehr  fünf  Jahren  wurde  mir  überall  in  italie- 
nischen Baumschulen  und  Privatgärten  als  etwas  ganz 
neues  Musa  japonica  gezeigt  und  gesagt,  sie  sei  dort  voll- 
kommen hart,  und  habe  in  Mailand  sogar  18°  Kälte  gut 
überdauert.  Die  Pflanzen  waren  —  es  war  im  Spät- 
herbst —  überall  prachtvoll  entwickelt  und  bei  Freund 
Berger  in   La   Mortola  (Riviera)  hätte  man   sie  mit   einer 


der  letztverflossene  war. 
Musa  Basjoo  ist  also  die  erste  Banane,  die  sich  bei 
uns  im  Freien  durchwintern  lässt.  Der  letzte  Winter  ge- 
hörte zwar  zu  den  milden,  ich  glaube  aber,  sie  erträgt 
auch  tiefere  Temperaturen,  wenn  man  sie  in  der  ange- 
gebenen Weise  schützt,  was  jedem  Gartenfreund  mit  ge- 
geringer Mühe  möglich  ist.  Man  spart  dadurch  nicht  bloss 
an  Raum  im  Gewächshause,  was  bei  grösseren  Pflanzen 
und  kleinen  Glashäusern  ganz  wesentlich  ist,  sowie  die 
Pflege  über  Winter,  sondern  es  scheint  auch,  als  ob  die 
ungestört  im  Freien  verbleibenden  Pflanzen  zeitiger  und 
kräftiger   sich   entwickelten. 


VII,   i 


Die    Gartenwelt. 


Im  nächsten   Winter  soll   der   Versuch  an   mehreren 
Exemplaren   wiederholt   werden. 


Über  Epheu-Zonal-Pelargonien.  Eine  neue  Wendung  in  der 
Pelargonien-Kultur  brachte  das  vor  einigen  Jahren  von  Reid- 
London  gezüchtete  Epheu-Zonal-Pc/an^orciuro  ,  Aehievement"  her- 
vor, welches  bei  seinem  ersten  Erscheinen  grosse  Bewunderung 
und  Anerkennung  erzielte.  Es  ist  dies  Pelargonlum  eine 
Kreuzung  von  peltatum  X  zonale,  welche  Eigenschaften  beider 
in  sich  vereinigt.  Die  Blattformen  gehören  der  peltatwm-K\asse, 
die  Blütenformen  und  der  aufrechte  Stand  der  Dolden  der 
eonale-Klasse  an.  Die  einzelnen  Dolden  —  von  rosenroter 
Färbung  —  sind  extra  gross  und  erscheinen  in  fortwährender 
Aufeinanderfolge  in  reicher  Fülle.  Nun  ist  es  wiederum  dieses 
Jahr  Reid,  welcher  mit  zwei  neuen  derartigen  Pflanzen  in  die 
Öffentlichkeit  tritt  und  wahrlich  finden  auch  diese  beiden  den 
ungeteilten  Beifall  aller  derer,  welche  sie  in  ihrer  ganzen  Schön- 
heit zu  bewundern  Gelegenheit  haben.  Vor  allem  das  herr- 
liche „Gniss  von  Pforzlwim"  ist  einschmeichelnd  in  seiner  Er- 
scheinung. Die  überaus  zahlreich  erscheinenden  Blütendolden 
sind  von  hellrosa  karminer  (Reid  beschreibt  sie  als  leuchtend 
orangerot)  Farbe,  die  Pflanze  selbst  bleibt  niedrig  und  breitet 
sich  teppichartig  aus.  Aber  auch  „Flamooyant"  —  leuchtend 
scharlachrot  —  verdient  Anerkennung,  die  halbgefüllten  Blüten- 
dolden lassen  in  Be- 
zug auf  Blühwillig- 
ktit  auch  nichts  zu 
wünschen  übrig. 
Möge  es  dem  ver- 
dienstvollen Züchter 
Reid  auch  gelingen, 
im  Laufe  der  Zeit 
uns  Ephcu  -  Zonal  - 
Pelargonien  zu  be- 
scheren, deren  Far- 
ben denjenigen  der 
bis  jetzt  existieren- 
den Pelargonien 
g'eichkommen. 
Reinhold  Metzner, 
Mainz. 

Acacia     alata 

var.  platyptera. 
Von  den  nei  h  Uän- 
c'isch  n  Aka.ien  ist 
die  seltene  Aeac 
alata  eine  der  merk- 
würdigsten. Anstatt 
der  PhjllodLn  trägt 
diese  Art  an  beiden 
Seiten  der  Zweige 
breite  Flügel,  wel- 
che c'ie  Arbeit  der 
Blätttr  verrichten. 
Sie  bildet  einen 
hübschen  aufrech- 
ten Busch  von  l  m 
Höhe,  blüht  in 
kleinen  Köpfchen 
hellschwefelgelb  im 
März  und  April  und 
verlangt  während 
der  Wachstumszeit 
ungemein  viel  Was- 
ser.  Dem  weniger 
erfahrenen    Gärtner 

wird  Ü2  c'eshalb 

häufig      ballcn- 


trocken  und  geht  alsdann  an  Trockenheit  zu  Grunde.  Gegen 
ein  Übermass  von  Feuchtigkeit  zur  unrechten  Zeit  aber  ist 
sie    ebenso    empfindlich   wie    die    meisten    feinen    Neuholländer. 

Ähnlich  und  in  der  Kultur  ihr  gleich  ist  die  Seite  4  abgebildete 
Acacia  alata  rar.  ■platyptera.  Von  der  Stammart  unterscheidet 
sie  sich  hauptsächlich  durch  mehr  aufrechten,  raschen  Wuchs  und 
sehr  reichen  Blütenflor.  Die  Blüten  sind  auch  nicht  so  blass, 
sondern  leuchtend  goldgelb.  Sie  blüht  von  Dezember  bis  Fe- 
bruar und  ist  deshalb  eine  Schmuckpflanze  ersten  Ranges  für 
kleine  Kalthäuser.  Da  ihre  Kultur,  abgesehen  von  der  Ver- 
mehrung aus  Stecklingen,  die  nicht  immer  wachsen,  keine  Schwie- 
rigkeiten bietet,  sei  ganz  besonders  auf  sie  aufmerksam  gemacht. 

Eine  sehr  feine  Pflanze  ist  auch  Acacia  hästulata  mit  drei- 
eckigen Phyllodien  und  kleinen  weissgelben  Blüten,  welche  dicht- 
gedrängt   die    zierlichen    Zweige    umgeben. 

F.   Rehnelt,    Grossh.    Garteninspektor    Giessen. 


Mu*a  Basjoo,  welche  im  Winter   1901/02    im  botanischen  Garten    in  Giessen  unter  Decke  im 

Freien  ausgehalten  hat. 
Originalaufnalime  für  die  „Gartenwelt". 


Saintpaulia  ionantha.  Als  anfangs  der  neunziger  Jahre  die 
reizende  Saintpaulia,  dem  Hofmarschall  von  St.  Paul-Illaire  zu 
Ehren  benannt,  aus  den  Usambarabergen  in  Ostafrika  einge- 
führt wurde,  erregte  sie  allenthalben,  in  gärtnerischen  und  Lieb- 
haberkreisen als  zierlichste  Vertreterin  der  in  Kultur  befindlichen 
Gesneraceen  berechtigtes  Aufsehen.  Man  gab  dem  Pflänzchen 
den  treffenden  Namen  „Usambaraveilchen"  weil  es  bei  flüch- 
tiger Betrachtung  lebhaft  an  ein  voll  blühendes  Veilchen  er- 
innert. Man  hätte 
meinen  sollen  die 
Saintpaulia  würde 
eine  in  Massen  ku'- 
tivierte        Hande'.s- 

pf lanze  werden ; 
statt  dessen  findet 
man  sie  nur  se'.ten 
in  Handelsgärtner- 
eien und  dann  fast 
immer  in  einem  Zu- 
stande der  auf  mehr 
als  stiefmütterliche, 
meist  viel  zu  warme 
Behandlung  schlies 
suilässt.  Ich  möch- 
te erneut  cie  Auf- 
merksamkeit han- 
delsgärtnerischer 
Kreise  auf  diese  un- 
ermüdliche Blüherin 
lenken.  Die  Züch- 
tungen Ernst  Be- 
narys  haben  auf  der 
Erfurter  Ausstel- 
lung allenthalben 
Anerkennung  ge- 
funden und  sehr 
deutlich  gezeigt,  dass 
sich  aus  dieser 
Pflanze  etwas  ma- 
chen lässt.  Wun- 
derbar schön  ist  die 
Sorte  mit  violetten 
Blüten,  sehr  interes- 
sant c'ie  weissblüh- 
ende  Sorte,  welche 
gewiss  noch  soweit 

vc  rbessert  wird, 
dass  ihre  Blüten  an 
Grösse  denjenigen 
dir  anderen  Far- 
benvarietäten nicht 
mehr    nachsteh 


Die  Gartenwelt. 


VII,    I 


Kakteen. 
Die  gärtnerische  Kultur  der  Kakteen. 

Von  Li.  Graebener,  Grossherzogl.  Hofgartendirektor,  Karlsruhe  i.  B. 

tLs  ist  mir  bekannt,  dass  Kakteen  in  den  Gärten, 
besonders  in  botanischen  Gärten,  auf  ganz  verschiedene 
Weise  kultiviert  und  zum  Teil  Kulturmethoden  ein- 
geschlagen werden,  die  entschieden  unrichtig  und  für 
das  Gedeihen  dieser  Pflanzen  schädlich  sind.  In  frühe- 
ren Zeiten  hatte  man  darin  noch  grössere  Fehler 
gemacht,  man  behandelte  all- 
gemein —  teilweise  auch 
jetzt  noch  —  die  Kakteen 
als  ausgesprochene  Wüsten- 
und  Steppenpflanzen,  welche 
in  steinigem,  sterilem  Boden 
wachsen,  recht  von  der 
Sonne  verbrannt  werden  und 
deshalb  in  leichter,  sandiger 
Erde  kultiviert  werden  müss- 
ten,  bei  wenig  Wasserzufuhr. 
Man  glaubte,  das  Beste  für 
das  Gedeihen  dieser  eigen- 
artigen Pflanzen  gethan  zu 
haben,  wenn  man  die  hei- 
matlichen Verhältnisse  mög- 
lichst nachahmte.  Die  Zeit 
hat  uns  indessen  eines  ande- 
ren belehrt.  Wir  haben  bei 
der  Kultur  exotischer  Pflan- 
zen überhaupt  gefunden,  dass 
es  nicht  immer  gut  ist,  die- 
selben unter  den  gleichen 
Verhältnissen  hier  pflegen 
zu  wollen,  welche  den  hei- 
matlichen Bedingungen  un- 
gefähr entsprechen,  weil  wir 
weder  die  besonderen  Eigen- 
schaften der  Luft,  noch  Licht 
und  Wärme  der  Sonne  und 
vieles  andere  nachahmen 
können.  Es  ist  daher  nichts 
seltenes,  dass  wir  Pflanzen, 
welche  daheim  der  vollen 
Sonne  ausgesetzt  sind,  hier 
mit  Vorteil  im  Halbschatten 
kultivieren,  was  dort  in  stei- 
nigem Erdreich,  in  scheinbar 
sterilem  Boden  gedeiht,  hier 
in  nahrhaftere  Erde  setzen, 
hier  spritzen,  was  in  der 
Heimat  trocken  steht.  So 
machen  wir  es  mit  vielen 
Orchideen ,  mit  tropischen 
Arznei-     und     Nutzpflanzen,  Acada  a]a(a 

so    auch    mit    den    Kakteen.  Origlnaiaufpahme  für  die 


Lange  Zeit  habe  auch  ich  mich  mit  den  Kakteen 
herumgequält,  habe  sie,  alten  Gebräuchen  folgend, 
in  sandig  lehmige  Erde  gepflanzt,  bei  manchen  Sorten 
Steinchen  darunter  gemischt,  sie  im  Sommer  in  trockene 
Sonnenglut  gestellt  und  im  Winter  fast  austrock- 
nen lassen.  Die  Resultate  waren  auch  darnach :  mini- 
males Wachstum,  Absterben  besserer  Arten,  struppiges, 
fahles  Aussehen  und  sehr  geringer  Blütenansatz.  Es 
giebt  Gärten,  wo  auch  heute  noch  auf  diese  Weise 
kultiviert  wird,  so  dass  niemals  Erfolge  erzielt  werden; 
hinzukommt,     dass     auch      in      anderer     Hinsicht     gefehlt 

wird,  indem  man  die  Pflan- 
zen beschattet,  sie  im  Som- 
mer und  Winter  verweich- 
licht und  dadurch  gegen  das 
Frühjahr  hin  grosse  Verluste 
hat.  Kakteen  brauchen  eine 
recht  nahrhafte  Erde,  wenn 
sie  in  Töpfen  kultiviert  wer- 
den und  eine  ebensolche, 
wenn  man  sie  auspflanzt. 
Ich  nehme  eine  recht  kräf- 
tige, mit  Sand  vermischte 
Komposterde,  der  imOpuntia, 
Mamillaria,  Cereus,  Echi- 
nopsis  und  Echinocadus 
noch  etwas  Lehmerde  für 
die  Phyllocactus  und  RJiip- 
salis  Heideerde  zugemischt 
wird. 

Kranke,schlecht  bewurzelte 
und  schwächliche  Pflanzen 
pflanze  ich  anfangs  Mai  in 
einen  Kasten  mit  Boden- 
wärme aus,  erzeugt  durch 
eine  60  cm  hohe  Pferde- 
mistlage.  Beim  Auspflanzen 
wird  die  alte  Erde  möglichst 
entfernt,  die  Pflanze  gründ- 
lich am  Fuss  gereinigt  und 
etwaige  Wollläuse  werden 
durch  Bepinseln  mit  Q4°/0 
Alkohol,  dem  eine  Kleinig- 
keit Koloquintenextrakt  zu- 
gesetzt ist,  getötet.  Dieses 
probate  Mittel  schadet  den 
Pflanzen  durchaus  nicht. 
Die  Pflanzen  kommen  mög- 
lichst dicht  unter  Glas  und 
die  Fenster  bleiben  Tag  und 
Nacht  liegen,  Luft  wird 
abends  abgenommen,  Schat= 
ten  wird  nie  gegeben,  auch 
wenn  die  Sonne  im  Sommer 
noch  so  heiss  scheint  und  im 
Kasten  die  Temperatur  50°  er- 
reicht.   Nur  die  Rhipsalideen 


var.  platyptera. 

„Gartenwelt".      (Texl  Seite   j). 


VII, 


Die  Garten  weit. 


und  Phyllokakteen  werden  über  Mittag  beschattet.  Es  wird 
fleissig  gegossen  und  gespritzt,  auch  ein  schwacher  Dung- 
guss  einmal  in  der  Woche  ist  von  guter  Wirkung,  wobei 
ich  Hornspähnewasser  nehme.  Ähnlich  werden  auch  die- 
jenigen Pflanzen  kultiviert,  welche  in  Töpfen  bleiben;  das 
Versetzen  geschieht  im  April  oder  Mai,  ein  etwa  nötiges 


etwas  mehr  Wärme  liebenden  Phyllocactus  u.  dergl.  Es 
werde  wenig  begossen,  womit  ich  aber  nicht  einem  völligen 
Eintrocknenlassen  der  Pflanzen  das  Wort  reden  möchte; 
nur  die  sonst  wie  Kakteen  zu  behandelnden  Stapelia 
können  das  Giessen  nicht  vertragen,  sie  überwintern 
im  trockenen  Zustande  am  besten.    Wer  auf  das  Blühen 


Morina  longifolia. 
In  der  Staudeügärtnerei  von  Otto  Froebel,   Zürich,  für  die  ,, Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen. 


wiederholtes  Verpflanzen  im  August.  Das  Wiedereinpflan- 
zen der  ausgesetzten  Kakteen  hat  schon  im  August  zu  ge- 
schehen, damit  die  Pflanzen  sich  noch  gut  einwurzeln 
können.  Für  hohe  Pflanzen  habe  ich  einen  Kasten  kon- 
struiert, dessen  Seitenteile  ebenfalls  Stehfenster  sind,  so 
dass  die  Pflanzen  von  allen  Seiten  Licht  haben.  Auch  die 
Topfpflanzen  bekommen  einen  warmen  Fuss,  wie  der  Gärt- 
nerausdruck lautet,  d.  h.  es  wird  der  Kasten  warm  angelegt 
und  die  Töpfe  werden  zunächst  auf  die  Erde  gestellt,  und 
erst,  wenn  dieselbe  genügend  abgekühlt  ist,  werden  sie 
dann  eingesenkt.  Ist  die  Erde  kalt  geworden,  so  schadet 
dies  den  jetzt  kräftig  treibenden  Pflanzen  nichts,  da  dann 
bereits  die  Sonne  von  oben  erwärmt;  ja  ein  zweites  Warm- 
Anlegen  des  Kastens  möchte  ich  gar  nicht  empfehlen,  wir 
wollen  doch  die  Kakteen  nicht  treiben  wie  die  Salatköpfe. 
Der  Standort  im  Winter  sei  hell  und  möglichst 
trocken.  Bei  einer  Temperatur  von  9 — 12°  C  überwin- 
tern alle  Arten  gleich  gut,  die  kalten  ebenso  gut  wie  die 


der  Kakteen  den  Hauptwert  legt,  lasse  sie  im  Dezember 
recht  trocken  werden  und  giesse  dann  langsam  wieder 
an;  ich  sage  dies  deshalb,  weil  für  mich  der  Haupt- 
wert der  Kakteen  in  erster  Linie  in  gesunden  und  schön 
bestachelten  Pflanzen  liegt. 


Stauden. 


Morina  longifolia  (Morina  elegans). 

Von  Obergärtner  St.   Olbrich,  Zürich. 
(Hierzu  eine  Abbildung.) 

V  on  allen  Kardengewächsen  ist  die  Genannte  die 
schönste  und  effektvollste  perennierende  Pflanze,  welche 
noch  viel  zu  wenig  in  unseren  Staudensammlungen  oder 
gar  in  öffentlichen  oder  Privatgärten  anzutreffen  ist.  Wie 
die  photographische  Aufnahme  eines  Beetteiles  von  Mo- 
rina longifolia  in  dem  Staudenquartier  der  Froebelschen 
Baumschule  auf  dem  obenstehenden  Bilde  erkennen  lässt. 


Die    GaMenwelt. 


VII. 


haben  wir  es  hier  mit  einer  höchst  wertvollen  Dekora- 
tionsstaude zu  thun.  welche  mehr  in  Einzelstellung  bezw. 
zu  3 — 5  Stück  vereint  als  Solitär  im  Rasen  anzuwenden 
ist,   als   in   Gruppen   mit   anderen   Perennen   zusammen. 

Die  Pflanze  hat  im  ganzen  ein  distelartiges  Aussehen. 
Aus  einem  dichten  stacheligen  Blätterschopf  erhebt  sich 
Anfang  Juli  ein  kräftiger  80—100  cm  hoher,  sehr  steifer 
Blütenstengel,  welcher  ringsum,  in  Abständen  von  5 — 7  cm, 
mit  quirlartig  verteilten  Blumen  besetzt  ist,  welche  wieder- 
um mit  stengelumfassenden,  kurzen,  stachelspitzigen  Laub- 
blättern umgeben  sind.    Die  einzelne  Blume  ibt  eine  kleine, 


Morina  longifolia  ist  eine  äusserst  widerstandsfähige 
harte  Staude,  die  gar  keine  besonderen  Kulturansprüche 
macht,  und  in  jedem  Boden  fortkommt,  jedoch  ein  tiefge- 
lockertes Erdreich  verlangt,  damit  die  langen  fleischigen 
'Wurzeln   auch   genügend   einzudringen   vermögen. 


Neue  Pflanzen. 


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Chrysanthemum  frutescens  ,,Saharet". 
In  der  Handelsgärtnerei  von  Sattler  8:  B-thge,  A.-G  ,   (Quedlinburg,  für  die  ,, Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen 


lang  geröhrte  Rachenblüte  von  anfangs  fast  weisser,  später 
rosa  und  zuletzt  karminroter  Farbe.  Es  sitzen  immer  eine 
ganze  Anzahl  Blüten  quirlartig  an  einem  Stengel,  so  dass 
der  ganze  Blütenstand  einer  grosser  Blütenkerze  ähnlich 
ist.  Die  Blütezeit  dauert  mehrere  Wochen,  worauf  den 
Stengel  auch  noch  wochenlang  die  mit  langen  Hüllkelchen 
versehenen  Samenstände  schmücken.  Auch  ohne  Blüte 
ist  die  Pflanze  mit  ihrem  ornamentalen  Blätterschmuck 
noch  effektvoll.  Die  einzelnen,  schmal  lanzettlichen,  bis 
40  cm  langen  Blätter  sind  dunkelgrün,  am  Rande  etwas 
wollig  und  dort  mit  vielen  spitzen  silberfarbenen  Stacheln 
versehen. 


Marguerite  „Saharet". 

Von   B.  Trenkner,  Obergärtner  der  Firma  Sattler  &  Bethge, 
Aktiengesellschaft,   Quedlinburg. 

(Hierzu   zwei  Abbildungen.) 

Oaharet,  wer  kennt  sie  nicht, 
wenigstens  im  Bilde  oder  dem 
Namen  nach,  sie,  deren  eigen- 
artige Schönheit  und  Grazie  selbst 
einen  Meister  wie  Prof.  Lenbach 
so  entzückte,  dass  sie  sein  Pinsel 
auf  der  Leinwand  festhielt!  Na- 
türlich nicht  unsere  Einführung, 
die  neue  Marguerite  „Saharet", 
sondern  die  graziöse  Tänzerin, 
deren  Namen  wir  entlehnten,  um 
anzudeuten,  dass  die  neue  Mar- 
guerite sich  vor  allen  anderen 
Sorten  durch  Schönheit  und  Grazie 
auszeichnet.  Betrachtet  man  die 
älteren  Margueriten-Sorten ,  so 
bieten  sie  meist  einen  etwas  steifen 
Anblick,  einesteils  hervorgerufen 
durch  den  mastigen  Wuchs,  ande- 
rerseits durch  die  geraden  steifen 
Blütenstiele,  die  die  Blumen  dem 
Auge  schlecht  präsentieren.  Anders 
bei  der  „Saharetfl\  Die  ganze 
Pflanze  mit  dem  zierlichen,  ge- 
schlitzten Laube,  von  aparter  sil- 
bergrüner Farbe,  aus  dem  sich  die 
Blüten  von  zarter  Elfenbeinfarbe 
auf  dünnen,  langen,  schmiegsamen 
und  dabei  doch  festen  Stielen  frei 
erheben,  bietet  ein  Bild  der  Grazie 
und  Eleganz.  Man  kann,  von  gut 
in  Kultur  stehenden  Pflanzen 
meist  30 — 40  cm  lange  Blütenstiele  ohne  viel  Laub  schnei- 
den, was  die  Sorte  für  Vasendekoration  und  Sträusse  be- 
sonders wertvoll  macht.  Die  Blumen  sind  sehr  gross, 
ca.  6 — 8  cm  Durchmesser.  Der  Blütenreichtum  ist  ein 
geradezu  erstaunlicher,  wie  die  obenstehend  abgebildete 
Pflanze,  ein  Steckling  vom  Winter,  im  August  Photogra- 
phien, zeigt.  Sie  blüht,  wenn  geschnitten  und  bewässert 
und  vor  allen  Dingen  gut  gedüngt,  ohne  Unterbrechung 
das  ganze  Jahr  hindurch. 

„Saharet"  eignet  sich  zu  jedem  Zweck.  Als  Topfpflanze 
wegen  ihres  vorzüglichen  Wuchses  und  der  Blütenfüllc ; 
vorzüglich  als  Pflanze  für  den  Balkon-  und  Fensterkasten, 


VII,    i 


Die    Gartenwelt. 


da  sie  bei  bescheidenem  Wüchse  eine  Unmenge  Blüten 
bringt;  einzig  zur  Binderei  wegen  der  aparten  Färbung 
und   der   graziösen    Haltung   der    Blumen. 

Die  Kultur  gleicht  der  anderer  Margueriten :  Eine 
kräftige  sandige  Mistbeeterde  mit  Kompost  vermischt,  viel 
Wasser  und  recht  oft  einen  Dungguss. 

Die  abgebildete  Pflanze,  die  150  offene  Blüten  und 
noch  doppelt  so  viel  Knospen  zeigt,  wurde  in  wöchent- 
lichen Abständen  mit  Sattler  &  Bethges  Spezialdünger  Nr.  3 
für  Topfpflanzen,  auf  100  Liter  Wasser  300  Gramm 
Dünger,  gegossen  und  die  überaus  üppige  Entwickelung 
ist  zum  Teil  dieser  Düngung  zuzuschreiben,  obgleich  eine 
Pflanze,  in  der  von  Hause  aus  kein  Wuchs  und  keine 
Blüh  Willigkeit  steckt  auch  durch  die  intensiveste  Düng- 
ung nicht  zur  Vollkommenheit  gebracht  werden  kann. 
Dies  beweist  die  nebenstehend  abgebildete  alte  Mar- 
guerite  „alba  maxima",  die  zu  gleicher  Zeit  gesteckt 
und  verpflanzt  wurde,  die  gleiche  Erdmischung  und 
Düngung  erhielt  und  doch  in  jeder  Hinsicht  wie  Tag 
und  Nacht  von  „Saliaret"  absticht. 


An  Blütenreichtum  steht  die  „Apollo-Aster"  der  „Wal- 
dersee-Aster" nur  ganz  wenig  nach;  die  Anzahl  der  Blumen 
erreicht  an  einer  in  voller  Blüte  stehenden  Pflanze  100—125 
und  darüber,  eine  Anzahl,  die  von  der  „Waldersee-Aster" 
abgesehen,  von  keiner  der  bis  jetzt  existierenden  Aster- 
sorten  erreicht   wird. 

Die  Blumen  sind  von  lebhaft  hellblauer  Farbe,  ein- 
zelne Petalen  mit  kleinen  weissen  Flecken  und  Streifen 
gezeichnet.  Sie  sind  gut  gefüllt,  sehr  zierlich  und  nach 
der  Mitte  zu  ganz  leicht  geröhrt.  In  der  Form  gleichen 
sie  der  „Waldersee-Aster",  sind  jedoch  etwas  grösser.  Der 
Durchmesser  einer  einzelnen  Blume  beträgt  3—4  cm,  gegen 
2 — 27;  cm  bei  jener. 


Die  neue  Apollo-Aster. 

Von  Martin  Grashoff,  Samenkulturen,  Quedlinburg. 
(Hierzu  zwei  Abbildungen.) 

Im  vorigen  Jahre  glaubte  ich  diese  Neuheit  unter 
dem  Namen  „Waldersee- A-^ter  blau"  im  Herbst  1902 
dem  Handel  übergeben  zu  können.  Es  hat  sich  aber 
in  diesem  Sommer  gezeigt,  dass  der  Bau  derselben 
von  dem  der  „Waldersee- Aster  rosa11  bedeutend  ab- 
weicht, und  so  habe  ich  mich  entschlossen,  diese  wert- 
volle Aster  unter  obigem  Namen  besonders  einzuführen. 

Beide  Neuzüchtungen  bilden  zwei  ganz  neue,  sehr 
empfehlenswerte  Sorten  unter  den  Astern.  Ich  habe 
in  diesem  Jahre  von  beiden  Sorten  grosse  Flächen 
angebaut,  welche,  als  sie  in  voller  Blüte  standen, 
einen  prachtvollen  Anblick  gewährten.  Jeder  Be- 
sucher meiner  Kulturen  hat  sich  im  höchsten  Grade 
anerkennend  und  lobend  darüber  geäussert. 

Im  Habitus  sind  beide  Neuheiten  ganz  verschieden, 
was  man  beim  Vergleichen  der  beiden  Abbildungen 
Seite  8  unschwer  herausfinden  wird,  dagegen  gleichen  sie 
einander  fast  vollständig  in  der  Form  der  Blumen,  von 
der  Grösse  derselben  abgesehen.  Der  Bau  der  „Waldersee- 
Aster"  ist  dichtgedrängt,  die  Pflanze  20 — 25  cm  hoch, 
der  der  „Apollo-Aster"  kandelaberartig,  rund  flachgewölbt 
und    etwas    lockerer   gefügt.*) 

Die  „Apollo-Aster"  bildet  bei  gleicher  Höhe  zierliche, 
fast  runde,  flachgewölbte  geschlossene  Büsche  von  20  bis 
25  cm  Durchmesser  und  macht,  wenn  in  voller  Blüte 
stehend,  einen  äusserst  eleganten  Eindruck.  Die  Ver- 
zweigung ist  ziemlich  dicht  und  regelmässig,  an  jedem  der 
Hauptzweige  bilden  sich  noch  4 — 6   Nebenzweige. 


Chrysanthemum    frutescens  alba  maxima    als  Gegenstück  zu  „Sabaref 
Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 


Mit  vollem  Recht  kann  man  diese  Neuheit  in  die 
Klasse  der  Frühblüher  einreihen,  ein  Vorzug,  der  noch 
besonders  hervorgehoben  zu  werden  verdient.  Bereits  Mitte 
Juli  zeigen  sich  die  ersten  Blumen,  welche  sich  sämtlich 
auf  verhältnismässig  langen,  kräftigen  Stielen  frei  über 
der  frischen,  dunkelgrünen  Belaubung  präsentieren. 

Dem  Landschaftsgärtner  wird  mit  diesen  beiden 
Neuzüchtungen  ein  ganz  besonders  wertvolles  Material  zur 
Bepflanzung  von  Gruppen,  Beeten,  Einfassungen  etc.  ge- 
boten, aber  auch  als  Topfpflanze  und  Schnittblume  dürfte 
die  „Apollo- Aster",  sehr  bald  und  gern  Aufnahme  finden.*) 


Begonia   semperflorens    „Lubeca".    Bg  nia  Lubcci  wurde  als 
Neuheit   dieses   Jahr  von   der   Firma    Philipp   Paulig   in    Lübeck 


*)  Anm.  d.  Redaktion.  Uns  erscheinen  die  Unterschiede  bei  den 
Astern  in  Bau  und  in  der  Blüte  so  minimaler  Natur,  dass  sie  die  Auf- 
stellung zwei  verschiedener  Klassen  kaum  rechtfertigen. 


*)  Anm.  d.  Redaktion.  Man  vergleiche  auch  Artikel  und 
Abbildungen  in  Nr.  5  und  Farbentafel  der  „Watäefsee- Aster"  in 
Nr.    10  des  VI.  Jahrganges  dieser  Zeitschrift. 


Die    Garrenwelt. 


VII,   i 


Wasserversorgung. 


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Neue  Apollo-Aster. 
Originalaufuahme  für  die  „ Gartenwelt''. 

in  den  Handel  gegeben.    Sie  erreicht  eine  Höhe  von  20 — 25  cm 
und    besitzt    regelmässige,    lebhaft    grüne    Blätter. 

Die  aus  allen  Blattachsen  hervorbrechenden  Blüten  stehen 
in  Rispen  und  sind  gross  und  von  leuchtend  rosaer  Farbe. 
Begonia  „Lubeca"  bildet  ein  vorzügliches  Material  für  Beet- 
bepflanzung  und  als  Topfpflanze,  welche  jedermann  durch  ihren 
Blütenreichtum  in  Erstaunen  setzt.  Im  Topf  gleicht  sie  einer 
rosaroten  Kugel,  so  über  und  über  ist  sie  mit  Blüten  bedeckt. 
Besonders  effektvoll  ist  diese  Begonie  auf  der  Tafel  und  am 
Fenster  und  als  Werkstoff  der  Binderei.  Die  Blütezeit  fällt 
in  die  Monate  Dezember  und  Januar,  wo  bekanntermassen  wenig 
Auswahl   in  blühenden  Pflanzen  ist. 

Gottlieb  Altdörfer,   Trier. 


Eine  neue  Iresine.  Wenn  bis  jetzt  von  Iresinen  die  Rede 
war,  so  verstand  man  darunter:  J.  Lindenii,  Hoveyi  und  Wallisii. 
Nun  ist  dieses  Jahr  eine  neue  Iresine  in  den  Handel  gebracht 
worden,  welche  eine  Varietät  der  J.  Lindenii  zu  sein  scheint. 
Ich  meine  „Ruhm  von  Mühlhausen".  Wenn  dieselbe  im  Win- 
ter fast  keinen  Unterschied  von  ihrer  Stammmutterform  aufzuwei- 
sen hat,  so  entwickelt  sich  dieselbe  aber  im  Laufe  des  Sommers 
zu  einer  charakteristischen  Erscheinung.  Die  einzelnen  Blätter 
sind  schmäler,  von  einer  weniger  intensiven  dunkelroten  Fär- 
bung als  die  der  Lindenii  und  besitzen  als  Mittelnerv  einen 
dunkelrosenroten  Streifen.  Dadurch,  dass  die  Blätter  meist 
steif  aufrecht  gerichtet  sind  und  die  Pflanze  sich  gleichmässig 
nach  oben  stark  verzweigt,  erscheint  sie  fast  als  eine  Rosette. 
Von  grossem  Wert  ist  noch  der  niedrige  Wuchs,  welcher  — 
in  der  Nähe  von  Lindenii  —  auffallend  in  die  Erscheinung 
tritt.  Doch  auch  einen  Nachteil  möchte  ich  nicht  verschweigen, 
welcher  dieser  Neuheit  anhaftet,  es  ist  dies  die  Empfindlichkeit 
gegen  glühende  Sonnenstrahlen.  Wird  dadurch  die  Färbung 
der  J.  Lindenii  nur  noch  dunkler,  so  verbrennen  leicht  die 
Blätter  der  Iresine  „Rahm  von  Mühlhausen" .  Hoffentlich  verliert 
sich  dieser  Übelstand  im  Laufe  der  Jahre  durch  Kultur  und 
Abhärtung.  Reinhold   Metzner    Mainz. 


Windmotore. 

Von  Theodor  Reuter  &  Schumann,  Kiel. 

(Hierzu  vier  Abbildungen) . 

ü/s  giebt  heutzutage  sehr  wenige  gewerbliche  Betriebe, 
die  durch  irgendwelche  glücklichen  Umstände  —  etwa 
die  Konkurrenzlosigkeit  ihrer  Erzeugnisse  —  so  gestellt 
sind,  dass  sie  nicht  genötigt  wären,  unablässig  auf  eine 
Verbilligung  ihrer  Produktion  bedacht  zu  sein.  Andererseits 
ist  es  in  einer  wohlorganisierten  Unternehmung,  wie  sich 
von  selbst  versteht,  äusserst  schwierig,  das  Bessere  zu 
finden,  das  an  Stelle  des  Guten  und  Bewährten  treten 
könnte. 

Etwas  indessen,  das  bei  uns  in  Deutschland  im  Gegen- 
satz zu  den  Vereinigten  Staaten  und  dem  kleinen,  aber 
in  hoher  Kultur  stehenden  Dänemark  noch  viel  zu  wenig 
Beachtung  und  Ausnutzung  findet,  ist  der  Wind  als 
Arbeitskraft,  wie  sie  durch  besondere  Motoren,  die  soge- 
nannten Windmotoren,  Abbildungen  Seite  9,  10,  11,  ge- 
wonnen wird.  Der  eminente  Vorteil,  den  dieses  Be- 
triebsmittel bietet,  ist  der,  dass  die  laufende  Kraftabgabe 
keine  Kosten  verursacht,  dass  also  Arbeit  umsonst  geleistet 
wird,  deren  Wert,  zusammengestellt,  sehr  bald  die  An- 
schaffungskosten des  Motors  deckt.  Der  Einwurf,  es 
herrsche    nicht    andauernd    Wind     und    dementsprechend 


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Neue  Waldersee-Aster. 
Originalaufnahme  für  die  „Gartenwclt" 


VII,    i 


Die    Gartenwelt. 


müsse  ein  Windmotor  lange  Zeit  im  Jahre  still  stehen,  ist 
eine  Folge  mangelnder  Beobachtung  und  Erfahrung.  Es 
herrscht  fast  unausgesetzt  Wind,  den  man  häufig  aller- 
dings  nur   in   freier    Lage,    etwa   auf   dem    Dache,    wahr- 


Kegel Windmotor,   betriebsfertig. 
Originalaufnahme  für  die  „Gaitenwelt". 

nimmt,  und  umfangreiche  landwirtschaftliche  Betriebe  z.  B. 
sehen  sich  durch  geeignet  gross  gewählte  Windmotoren 
in  die  Lage  versetzt,  ihren  gesamten  Bedarf  an  Kraft  wäh- 
rend des  ganzen  Jahres  allein  von  der  bewegten  Luft 
zu  beziehen.  Das  will  gewiss  viel  sagen.  —  So  berichtet 
ein  ostpreussischer  Rittergutsbesitzer  über  seinen  aus 
unseren  Werken  stammenden  — ■  4V2  HP  —  Kegelwind- 
motor, der  dieser  Besprechung  im  besonderen  zu  Grunde 
liegt,   folgendes : 

„Der  Motor  treibt  eine  Häckselmaschine  und  eine 
Schrotmühle  „Rapid"  (Nr.  2)  mit  Quetschvorrichtung. 
Ich  habe  in  den  verflossenen  dreiviertel  Jahren  nicht  nur 
den  gesamten  Häcksel  für  22  Pferde  geschnitten,  son- 
dern auch  den  gesamten  Hafer  gequetscht,  und  ausser- 
dem hat  die  Mühle  noch  den  Bedarf  an  grobem  Brotmehl 
geliefert,  auch  habe  ich  noch  Häcksel  und  Quetsch- 
hafer verkaufen  können.  Der  Motor  hat  sich  in  jeder  Be- 
ziehung bewährt  und  ist  der  Zweck  seiner  Aufstellung,  Er- 
sparnis an  Arbeitskräften,  voll  erreicht,  da  ich  sowohl 
zum  Häckseln  wie  zum  Schroten  und  Quetschen  nur 
eine    Person    —    Mann    oder    Frau    —    brauche." 

Ein  anderer  Landwirt  erklärt  von  seinem  6  HP  Kegel- 
windmotor : 

„Er  treibt  eine  Schrotmühle,  eine  grosse  Häcksel- 
maschine, Kreissäge,  Pumpe,  Rübenschneider,  Ölkuchen- 
brecher. Da  ich  weder  Göpel  noch  Dampfmaschine  habe, 
so  muss  er  alle  Arbeit  leisten,  und  hat  ein  Mangel 
an  Häcksel  oder  Schrot  für  meinen  Viehstand  von  50 
Kühen  und  10  Pferden  bisher  nie  stattgefunden." 
Wie  haltlos  der  Einwurf  vom  Mangel  an  Wind  ist,  be- 


lehrt übrigens  ein  Blick  auf  die  von  neuem  emporblühende 
Segelschifffahrt  auf  See,  die  doch  einzig  und  allein  auf 
Wind,  und  zwar  anhaltenden,  angewiesen  ist. 

Bei  Gärtnereien  wird  ein  Windmotor  in  den  meisten 
Fällen  für  die  Wasserversorgung  in  Frage  kommen.  Ge- 
rade derartige  Anlagen  arbeiten  schon  bei  ganz  leichtem 
Winde.  In  vielen  Gärtnereien  ohne  Anschluss  an  Wasser- 
leitung wird  aber  heute  noch  das  Wasser  mittelst  Hand- 
pumpen beschafft,  ein  ausserordentlich  kostspieliges  Ver- 
fahren. In  anderen  Gärtnereien  pumpen  die  billiger  und 
rascher  arbeitenden  Petroleummotore.  Wer  die  Arbeit 
eines  guten  Windmotors  kennt,  wird  aber  mit  dem  Hand- 
pumpenbetrieb bald  aufräumen.  Zweckmässig  verbindet 
man  mit  dem  Windmotor  ein  Hochreservoir,  wie  das  die 
Zeichnungen  auf  Seite  10  und  11  in  verschiedener  Kon- 
struktion veranschaulichen,  in  das  der  Motor  auf  Vor- 
rat pumpt,  was  schon  in  Anbetracht  des  Umstandes, 
dass  man  zum  Giessen  der  Pflanzen  nur  abgestandenes 
Wasser  nehmen  darf,  nötig  ist.  Ist  das  Bassin  gefüllt,  so 
öffnet  eine  vom  Wasserstande  beeinflusste  Schwimmvor- 
richtung selbstthätig  die  Flügelklappen,  und  der  Motor 
steht  still.  Sobald  der  Wasserspiegel  sinkt,  werden  die 
Klappen  von  den  Schwimmern  —  je  nach  der  Ergänzungs- 
bedürftigkeit des  Vorrats  —  zugezogen,  und  der  Motor 
nimmt  seine  Thätigkeit  wieder  auf.  Mit  einem  6  HP  Motor 
werden  schon  bei  leichtem  Winde  (bei  dem  sich  etwa  dünne 
Äste  leicht  bewegen)  26 100  Liter,  stündlich  11  m  hoch 
gepumpt. 

Der  Kegelwindmotor,  Patent  Sörensen,  besteht  aus 
Eisen  und  Stahl.    Seine  Kegel-(gewölbte)Form  verleiht  ihm 


Kegelwindmotor,  ausgerückt. 
Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 

eine  ausserordentliche  Sturmsicherheit.   Er  reguliert  selbst- 
thätig  nach    Gang   und   Richtung. 

Fabriziert   werden    Kegelwindmotore   in    Grössen   von 
0,10 — 50    Maschinenpferdestärken. 


10 


Die    Gartenwelt. 


VII. 


Betrachtungen  über  Aussaat  der 

Cyclamen  und  die  Behandlung 

der  Sämlinge. 

Von  Eugen  S.  Körner,  Handelsgärtner, 
Spandau-Radeland. 

Cyclamen  sind  in  den  letzten  anderthalb 
Dezennien   ein   ganz   bedeutender  Handels- 


artikel geworden.  Geht  man  die  Fach- 
blätter durch,  so  findet  man  jetzt 
spaltenweis  „Cyclamen -Samen!  Cy- 
clamen-Samen  !"  angeboten.  Ist  doch 
die  Zeit  der  Aussaat  gekommen,  und 
daiüber  möchte  ich  einige  Worte 
schreiben. 

Die    Fachleute    sind    über    den 
Zeitpunkt    der    Aussaat    nicht    ganz 
einig.     Wie  bei  allen  Kulturen  hat 
jeder  Züchter   seine   eigene  erprobte 
Methode.   Der  eine  säet  bereits  Ende 
Juli  aus,  während  der  andere  damit 
bis  Ende  November,  ja  Anfang  De- 
zember wartet;  beide  aber  sind  von 
der    unfehlbaren    Richtigkeit    ihres 
Verfahrens    überzeugt.     —     Ich    für 
meine    Person     wähle     zur   Aussaat 
Mitte  bis  Ende  August.  Ich  vermeide 
eine  zu  späte  Aussaat,  denn  was  man 
hat,  hat  man !   Der  Sämling,  der 
bereits    stark    im    Dezember 
ist,  giebt  bei  vernünftiger 
rationeller      Weiter- 
behandlung   eine 
entschieden 
stärkere 


Nur  zu  gern  werden  die  jungen  Cyclamen  von  Läusen  befallen ; 
durch  Räuchern  u.  s.  w.  sucht  man  diese  zu  vertreiben.  Ich  halte  von 
der  Räucherei  gar  nichts  bei  jungen  Cyclamen,  welche  sich  in  voller 
Vegetation  befinden,  denn  ich  habe  bemerkt,  dass  sich  durch  das 
Räuchern  solcher  jungen  Pflanzen  die  Knollen  härten;  durch  letzteres 
aber  ist  der  ganze  Erfolg  der  Kultur  in  Frage  gestellt.  Ich  meine  — 
und  bei  meinen  Cyclamen-Kulturen  wird  dies  seit  Jahren  so  gehandhabt 
—  das  Ungeziefer  muss  hier  durch  Spritzen,  lediglich  mit  Wasser,  aus- 
gerottet werden.  Mitte  März  bringe  man  die  Sämlinge  auf  einen  warmen 
Kasten  und  wähle  bei  Frühaussaat  und  starker  Bewurzelung  nicht  zu 
kleine  Töpfe;  das  Wachstumsvermögen  wird  dadurch  behindert  und  es 
kann  ebenfalls  ein   Verhärten  der  Knolle  eintreten ! 

Die  Aussaat  selbst  geschehe  in  folgender  Weise: 

Als  Erde  verwende  man  Torfmull  mit  vielem  Sand,  der  sauber  ge- 
waschen sein  sollte,  und  etwas  Mistbeeterde  vermischt  und  bringe  diese 
lose  in  die  zur  Aussaat  bestimmten  Gefässe  (Schalen  oder  Kästen), 
doch  bleibe  man  von  dem  Rande  dieser  einen  Centimeter  ab.  Alsdann 
wird  diese  Erde  leicht  angedrückt,  um  eine  glatte  Ebene  des  Aussaat- 
feldes herzustellen.  Nun  wird  darauf  ausgesäet  und  zwar  so,  dass  die 
Körner  nicht  zu  dicht  bei  einander  liegen.  Den  Samen  überdeckt  man 
mit  reinem  Sand  und  giesst  vorsichtig  an,  damit  der  Sand  nicht  ver- 
schwemmt wird.  Jetzt  kommt  die  Aussaat  auf  einen  warmen  Kasten ; 
die  Gefässe  werden  mit  Glas  überdeckt.  Es  darf  dieses  aber  nicht 
dicht  nebeneinander  liegen,  weü  sonst  ein  Grünen  der  Sandschicht  ein- 
tritt, welches  bei  Aufgang  der  Saat  arge  Fäulnis  veranlassen  würde. 
Über  das  Glas  lege  man  Papier  und  überdecke  den  ganzen  Aussaatplatz 
mit  Brettern,  da  durch  Dunkelheit  der  Keimirngsprozess  schneller  von 
statten  geht.  Eine  massige  Feuchtigkeit  soll  vorherrschend  sein  und 
jedes   Trockenwerden  der  Aussaat  vermieden  werden. 

Nach  zwei  bis  drei  Wochen  wird  sich  ein  Keimen  des  Samens 
zeigen. 


-J/rTwe  a fieser  wi 


Kegelwindmotor 

zum  Betriebe 
einer  Rotations- 
pirmpe    für    Be- 
riesehrngsanlage. 

( Iriginalzeichnmig 

für  die 

„Gartenwelt". 


aus  noch  eine  gute,  tadellose 
knospen   durch   das   üppige 


Ver- 
kaufs- 
pflanze     als 
der,    welcher     diese 
Stärke   erst    im   Februar, 
März  haben  wird.      Die  Be- 
handlung   der  Sämlinge    muss   in 
sorgsamster  Weise  vor  sich  gehen. 
Es  darf  weder   eine   zu  hohe  noch 
—  und   das   ist  bei  weitem   schädlicher 
—     eine     zu     niedrige     Temperatur     vor 
herrschen.   Man  nehme  als  Durchschnitts- 
wärme   12  — 150  Celsius.    Ein  Zuviel   oder 
Zuwenig     ist     ungesund!      Die    Sämlinge 
neigen  sehr  zum  Knospenansetzen,  welche 
Neigung    ich    auf   die    Wärmebemessung 
zurückführen   möchte.     Ein   mit  Kncspen- 
ansatz   versehener    SämÜDg    verlangt    eine 
unendlich  sorgsame  Pflege.    Will  man  dar- 
Kultur  pflanze  ziehen,  so  müssen  die  Sämlings- 
VVachstum   der  Pflanzen  unterdrückt  weiden. 


'^Ws)))sWs^^WWlS09^S7^ff^i 


Iris  bismarekiana  Regel.  In  der  „Revue 
Horticole"  vom  I.  September  d.  J.  erschien  ein  sehr 
interessanter  Artikel  von  dem  als  Gartenbauschriftsteller 
wohlbekannten  Herrn  Jules  Rudolph,  über  die  immer  noch 
viel  zu  seltenen  Iris  des  heiligen  Landes  1.  Lorteti  Barbe;/  und 
/.  bismarekiana  Segel.  In  diesem  Artikel  sind  einige  Unrichtig- 
keiten über  die  sehr  schöne  I.  bismarekiana  publiziert,  die  offenbar 
dem  Verfasser  ohne  besseres  Wissen  von  Neapel  aus  in  tendenziöser 
Weise  gegeben  wurden.  Nun  wäre  es  vielleicht  richtiger,  die  folgende 
Richtigstellung  an  dieselbe  Revue  Horticole  zu  senden,  allein  als 
Deutscher  widerstrebt  es  mir  aus  leicht  begreiflichen  Gründen,  den 
grossen  Namen  Bismarck,  dessen  Angedenken  die  wunderbare  Iris  ge- 
weiht sein  sollte,  eben  dort  zu  nennen  und  so  bitte  ich  die  Redaktion 
der  freundlichen  „Gartenwelt"  um  Raum  für  dieselbe. 

Iris  bismarekiana  Begel  (acta  Petropolitana  1860;  Baker  in 
Gardeners  Chronicle  1893,  VIII.  pag.  506;  Baker  in  Irideae  London 
1892,  Bot.  Magazine  tab.  6960)  wurde  von  dem  von  mir  zum  Pflanzen- 
sammler  in  Palästina  erzogenen  Herrn  Egger  im  Jahre  1888  meiner 
damaligen  Firma  Dammann  &  Co.,  in  San  Giovanni  a  Teduccio  bei 
Neapel,  geschickt  und  blühte  unter  meiner  Pflege  im  Sommer  1889 
zum  ersten  Male  in  Europa.  Sie  wurde  blühend  meinem  Freunde,  dem 
verstorbenen  Prof.  Dr.  E.  Regel,  gegeben,  welcher  sie  als  vollkommen 
neu  erkannte  und  —  nach  meinem  Vorschlage  —  dem  grössten  damals 
1.  benden  Staatsmanne,  dem  Fürsten  Bismarck  weihte!  Sie  wurde  von 
meinem  damaligem  Hause  im  Jahre  1890  dem  Handel  übergeben  .und 
auch  abgebildet  und  figuriert  seitdem  in  allen  besseren  Katalogen  als 
das  was  sie  ist,  natürlich  als  1.  bitoiiiirckiiiiia.  — 

Da  tauchte  im  Jahre  1892  plötzlich  eine  neue  deutsche  Firma  irr 
Neapel   auf,  deren   zweiter  Inhaber  H.Wulle   bis  dahin  im  Lager  meiner 


VII.    I 


Die    Gartenwelt. 


11 


damaligen  Firma  beschäftigt  gewesen  war.  Diese 
neue  Firma  betrachtete  es  als  ihre  würdigste  Aufgabe, 
sich  unserer  neuen  Einführungen  mit  besonderer 
Sorgfalt  anzunehmen,  dieselben  zu  verbessern  oder  zu 
verschlechtern  (?)  eventl.  selbst  in  mächtig  gehobener 
Stimmung  mit  eigenem  Namen  zu  belegen  !  Die  Firma 
hatte  es  inzwischen  auch  verstanden,  Herrn  Egger  in 
Jaffa  für  sich  allein  zu  gewinnen,  mit  ihm  ein  ewiges 
Bündnis  geschlossen  und  somit  auch  die  Iris  bis- 
marckiana  von  demselben  erhalten.  Sie  taufte  diese 
Iris  eigenmächtig  in  Iris  Sari  nazarena  um,  bildete 
sie  sehr  hübsch  ab  und  machte  Geschäfte  in  ihrer 
"Weise.  Nun  steht  es  zwar  jedermann  frei,  die  eigene 
Ware  unter  jedwedem  beliebten  Namen  zu  verkaufen 
und  es  fiel  mir  nicht  ein  und  es  fällt  mir  auch  heute 
nicht  ein,  der  berühmten  Firma  Herb  &  Wulle  das 
rügen  zu  wollen,  allein  da  nunmehr  ihre  Eigen- 
mächtigkeiten auch  geschichtlich  sanktioniert  werden 
und  dazu,  was  besonders  markant  ist,  ausländische 
Gartenbauschriften  indirekt  benutzt  werden,  so  sehe 
ich  mich  veranlasst,  aus  meiner  bisher  bewahrten 
Reserve  herauszutreten  und  der  Wahrheit  zu  ihrem 
Rechte  zu  verhelfen!   — 

Herr  Jules  Rudolph  schreibt:  „Indroduite  de  la 
Palestine  en  1893  par  M.  Herb,  de  Naples,  cette 
espece  a  ete  decrite  un  peu  plus  tard  ä  tort  sous  le 
nom,  d'lris  bismarckiana  qui  lui  fut  donne  par 
Regel."  Diese  Angaben  können  nur  aus  der  Neapeler 
Quelle  stammen  und  bleibt  ihr  Urheber  die  Firma 
Herb  &  Wulle,  ausschliesslich  für  die  absichtlichen 
Unrichtigkeiten  verantwortlich,  1893  etablierte  sich 
obige  Firma  und  auch  in  demselben  Jahre  bringt  sie 
ihre  7.  Sari  nazarena  Foster  in  den  Handel !  Es 
wurden  mir  die  Listen  dieser  Leute  durch  Freunde 
gesendet  und  ich  sah  mich  infolge  derartiger  Publika- 
tionen genötigt,  mich  eines  besseren  zu  belehren  und 
schrieb  sofort  an  Professor  Sir  M.  Foster  in  Cambridge, 
der  mir  unverzüglich,  wie  immer  in  seiner  ihm  eigenen 
herzlichen  Weise,  Auskunft  gab,  und  von  dieser  Aus- 
kunft lege  ich  der  Redaktion  genaue  Abschrift  bei, 
von  der  ich  dieselbe  bitte,  falls  es.  ihr  beliebt,  öffent- 
lich Gebrauch  zu  machen!*) 

Professor  Foster  hat  niemals  eine  Iris  Sari 
nazarena  beschrieben !  —  Weshalb  also  soll  die  sehr 
schöne  Iris  nicht  dem  Andenken  unseres  Bismarck 
geweiht  bleiben?  Im  übrigen  ist  diese  Iris  sowie 
auch  I.  Lorteti  in  der  Heimat  fast  verschwunden  und 
wird  von  gewissenlosen  und  verständnislosen  Sammlern 
wohl  völlig  vernichtet  werden ! 

C.  Sprenger,  Vomero-Neapel. 


*)  Anmerkung  der  Redaktion.  Aus  diesem 
des  Sir  Fosters,  datiert  vom  25.  Juli  1893, 
geht  hervor,  dass  er  niemals  ein  Exemplar 
dieser  Iris  Sari  nazarena  von  der  Firma 
Herb  &  Wulle  erhalten  hat,  sondern  dass 
ein  Exemplar  von  einem  Freunde  des  Herrn 
Foster  in  Nazareth  stammt.  Diese  Pflanze 
stellte  Herr  Foster,  wie  er  schreibt  aller- 
dings unter  dem  provisorischen  Namen 
Iris  Sari  nazarena  1884  oder  1885  in  der 
R.  H.  S.  aus,  aber  er  veröffentlichte  davon 
keine  Beschreibung,  weil  er  die  Pflanze  erst 
wiederholt  in  seinem  Garten  blühen  sehen 
wollte.  Dieselbe  ging  aber  ein  und  so  unter- 
blieb jede  Veröffentlichung.  Inzwischen,  also 
im  Jahre  1888,  brachte  Herr  Sprenger  seine 
Neuheit,  die  der  alte  gute  Regel  als  Iris 
bismarckiana  beschrieben  hatte  und  die  das- 
selbe  war   wie   das   von  Prof.    Foster   provi- 


sorisch Iris  Sari  nazarena  genannte  Exemplar.  Prof.  Foster 
schrieb  wörtlich  an  Herrn  Sprenger :  „This  (Iris  bismarckiana) 
has   the   priority  and   my   name  falls  to  the  ground". 


Briefe 


Fragen  und  Antworten. 


Beantwortung  der  Frage  No.  2t3. 
Woran  liegt  es,  dass  bei  Araucaria  ex- 
celsa  die  unteren  und  mittleren  Etagen  oft 
schlaff  und  schlecht  werden,  trotz  guter 
Behandlung? 

Wenn  Araucarien  richtig  behandelt 
werden,  so  ist  es  so  gut  wie  ausgeschlossen,  dass  die 
unteren  und  mittelsten  Zweige  leiden  bezw.  absterben, 
es  sei  denn,  dass  es  sich  um  ganz  grosse,  2  m  und 
höhere  Exemplare  handelt.  Eine  gute  Araucarie  in 
normaler  Grösse,  also  etwa  bis  2  m,  darf  unten  nicht 
schlecht  werden,  wenn  sie  in  Bezug  auf  Raum,  Licht 
Nahrung  und  Feuchtigkeit  ihr  Recht  bekommt.  Na- 
mentlich beim  Begiessen  wird  viel  gesündigt  und 
daran  liegt  es  durchweg,  dass  unten  die  Zweige  ab- 
fallen. Eine  Araucarie  wird,  wie  viele  Koniferen 
sehr  leicht  ballentrocken  und  in  diesem  Falle  dauert 
es  nicht  lange,  bis  sich  die  in  der  Frage  erwähnten 
Missstände  einstellen.  Es  soll  hiermit  aber  auch  nicht 
gesagt  sein,  dass  die  Araucarien  in  Wasser  schwimmen 
sollen,  im  Gegenteil,  ein  allzu  reichliches  Giessen, 
namentlich  im  Winter  und  kurz  nach  dem  Verpflanzen, 
lässt  die  Wurzeln  absterben  und  dann  tritt  dieselbe 
Erscheinung  ein,  die  unteren  Wedel  welken  und  fallen 
ab.  Aus  diesen  Ausführungen  mag  der  Fragesteller 
den  Schluss  ziehen,  dass  namentlich  durch  vorsich- 
tiges, sachgemässes  Giessen  die  in  seiner  Anfrage  er- 
wähnten Übelstände  leicht  vermieden  werden  können. 
Zum  Schluss  möchte  ich  noch  erwähnen,  dass  es  sich 
empfiehlt,  eine  Araucarie,  die  einmal  recht  trocken  gewor- 
den ist,  mit  dem  Topf  bezw.  Kübel  eine  Nacht  über  Was- 
ser zu  stellen.  W.  Runde,  Handelsgärtner,  Wandsbek. 

Neue  Frage  No.  228.  Welche  Tomatensorten 
eignen  sich  am  besten  zur  Kultur  unter  Glas  und  wie 
sind  dieselben  erfolgreich  zu  behandeln? 

Neue   Frage   No.   229.     Welche   Preise    werden 
für  das  Putzen  und  Sortieren  der  Maiblumenkeime  im 
Akkord  gezahlt   und  wieviel  leistet  ein  tüchtiger  Sor- 
tierer und  Putzer  pro  Tag  und  Stunde? 
(Beantwortungen  aus  dem  Leserkreise  freundlichst 
erbeten.) 


Tagesgeschichte. 


3/4  pf.  Kegel- 
windmotor 
mit    selbsttätiger 
Schwimmeraus- 
rückungsvorrich- 

tung  für 
Pumpenbetrieb. 

Originalzeichnung 
für  die|  . 
„Gartenwelt". 


Bonn.  Die  Generalversammlung  des  land- 
wirtschaftlichen Vereins  für  Rheinpreussen  in 
Bonn  am  19.  und  20.  Oktober  wird  u.  a.  auch 
zu  beschliessen  haben  über  die  Herabsetzung 
des  bisher  geltenden  Obst -Normalsortiments 
von  28  Apfel-  und  16  Birnensorten,  worüber 
Wanderlehrer  Kerp  Bericht  erstatten  wird.  A.  W. 

Frankfurt  a.  M.  Die  Lohnverhältnisse  der  Gehilfen  in 
der  hiesigen  Stadtgärtnerei  wurden  durch  Aufrücken  eines 
grossen  Teiles  derselberr  in  eine  höhere  Lohnklasse  geregelt. 
Köln.  Für  das  laufende  Rechnungsjahr  hat  der  Minister 
für  Landwirtschaft,  Domänen  und  Forsten  der  Landwirt- 
schaftskammer für  die  Rheinprovinz  eine  Beihilfe  von  1500 
Mark  zur  Hebung  des  Obstbaues  überwiesen,  ausserdem  stehen 
aus  Mitteln  der  Landwirtschaftskammer  für  den  gleichen  Zweck 
20CO  Mark  zur  Verfügimg.    Diese  Mittel  sollen  zur  vermehrten 


12 


Die    Gartenwelt. 


VII,    i 


Anpflanzung  van  Obstbäumen  des  neuen  rheinischen  Anbausor- 
timents benutzt  werden  und  können  Zuschüsse  bis  zur  Höhe 
von  50  Prozent  des  Anschaffungswertes  der  Jungstämme  für  die 
Herbst-  und  Frühjahrspflanzung  gewährt  werden.  Dahingehende 
Anträge  von  Obst-  und  Gartenbauvereinen,  Gemeinden  u.  s.  w. 
sipd  bis  zum  15.  Oktober  an  die  zuständige  Lokalabteilung  bei 
der  Landwirtschaftskammer  für  die  Rheinprovinz  in  Bonn  ein- 
zureichen. A.  W. 

Hannover.  Begünstigt  vom  herrlichsten  Wetter  nahm  die 
Provinzial-Gartenbauausstellung  vom  26. — 29.  September  einen 
guten  Verlauf;  sie  war  reich  mit  prächtigen  Handelspflanzen 
und   Schnittblumen  beschickt.     Bericht   folgt   im   nächsten   Heft. 

Stralsund.  Die  Stadtverordneten  bewilligten  60000  Mark 
zur    Anlage    eines    Stadtparkes. 


Personal-Nachrichten. 


Biersack,  Josef,  Handelsgärtner  in  München,  starb  am 
12.    September   nach   langem,   schwerem   Leiden. 

Endrichs  bisher  Obergärtner  des  Schlosses  Katharinenhof, 
kaufte   die   Jägersche   Gärtnerei  in   Tübingen   für  42   000   Mark, 

Heiler,  J.,  Direktor  der  Münchener  Stadtgärtnerei,  wurde 
zum  korrespondierenden  Mitgliede  des  Vereins  Deutscher 
Gartenkünstler  ernannt. 

Heldreich,  Theodor  von,  früherer  Direktor  des  bot. 
Gartens  in  Athen,  geboren  am  3.  März  1822  in  Dresden,  starb 
am  7.  September  in  Athen.  Kurz  vor  seinem  Tode  war  es  ihm 
noch  vergönnt  sein  letztes  in  griechischer  Sprache  verfasstcs 
Werk  zum  Abschluss  zu  bringen.  Die  botanische  Wissenschaft 
verdankt  ihm  die  Kenntnis  von  700  neuen  Spezies  und  sieben 
neuer   Genera. 

Marsch,  Traugott,  Inhaber  des  alten  renommierten  Blumen- 
geschäfts unter  gleicher  Firma  in  Hamburg  hat  dasselbe  an 
seine  Söhne  Adolph  und  Ernst  übergeben. 

Seeligmüller,  Eugen ,  Verwaltungs  -  Direktor  zu  Schloss 
Friedrichshof  im  Obertaunuskreise  wurde  der  Rote  Adler-Ofdui 
vierter  Klasse  verliehen. 

Semler,  C,  Gärtnereibesitzer  in  Segeberg  wurde  zum  Stadt- 
rat gewählt.  , 

Stavenhagen,  Richard,  bisher  Fachredakteur  am  „Handels- 
gärtner" übernahm  eine  Stellung  in  der  Handelsgärtnerei  von 
Chr.  Bertram,  Stendal. 

Waveren  &  Co.,  L.  van,  Gartenbau-Etablissement,  Hille- 
gom  b.  Haarlem,  wurden  zum  Hoflieferanten  der  Königin  Wil- 
helmina ernannt. 


Schutzzoll. 


In  der  104.  Sitzung  der  Zolltarifkommission  des.  Reichs- 
tages v.  23.  v.  M.  wurden  auch  einige  gärtnerische  Positionen 
durchberaten. 

Pos.  37  wurde  einem  redaktionellen  Vorschlag  der  Sub- 
kommission  entsprechend,  wie  folgt  abgeändert : 

Bäume,  Reben,  Stauden,  Sträucher,  Schösslinge  zum  Ver- 
pflanzen und  sonstige  lebende  Gewächse,  ohne  oder  mit  Erd- 
ballen, auch  in  Töpfen  oder  Kübeln,  Pfropfreiser,  Pflanzen  in 
Töpfen  30  M.,  Pflanzen  ohne  Erdballen  20  M.,  Rosen  40  M., 
Cycasstämme  ohne  Wurzeln  und  Wedel  frei,  andere  15  M. 

In  Pos.  42  (Cycaswedel)  wird  der  Beschluss  erster  Lesung 
ohne  Debatte  aufrecht  erhalten,  wonach  der  Satz  der  Regierungs- 
vorlage von  20  auf  250  M.  erhöht  worden  ist. 

Pos.  46  lautet  nach  den  Beschlüssen  erster  Lesung : 

Antrag 
Wangen- 
Äpfel,   Birnen,  Quitten:  heim 
unverpackt    in    Schiffs-    oder    Wagenladungen 

vom    1.  Oktober  bis   15.  November.     .     .  frei  M.     I. — 

vom   16.  November  bis  30.  September     .     .     M.     2.50        „       2.50 


Antrag 
Apfel,   Birnen,  Quitten:  Wangenheim 

verpackt ,,     10. —        „     10. — 

Aprikosen,   Pfirsiche „       8. —        „       8. — 

Pflaumen    aller    Art,     Kirschen,     Weichsein, 

Mispeln „       6. —        ,,       6. — 

Hagebutten ,  Schlehen ,  sowie  anderes  vor- 
stehend nicht  genanntes  Kern-  oder  Steinobst  frei  „      — 

Erdbeeren ,,    20. — ■        ,,     20. — 

Himbeeren,  Johannisbeeren,  Stachelbeeren, 
Brombeeren,  Heidelbeeren,  Hollunderbeeren, 
Preisseibeeren,      Wachholderbeeren ,      und 

sonstige  Beeren  zum  Genuss ,,      5. —        ,,       5. — 

Abg.  Antrick  (Soz.)  empfiehlt  Aufhebung  der  Obstzölle. 
Württembergischer  Ministerialdirektor  v.  Schneider  bittet, 
den  sozialdemokratischen  Antrag  anzunehmen,  soweit  er  für 
unverpackt  eingehende  Äpfel  und  Birnen  Zollfreiheit  verlange. 
Mindestens  sei  eine  Verlängerung  der  zollfreien  Einfuhrfrist 
für  unverpacktes  Mostobst  unbedingt  notwendig  auf  die  Dauer 
vom  15.  September  bis  zum  30.  November. 

Angenommen  wurde  ein  Antrag  Wallenborn,  der  die  Zeit- 
bestimmung1 für  unverpacktes  Obst  wie  folgt  ändert :  Vom 
25.  September  bis  25.  November  frei,  vom  26.  November  bis 
24.  September  2,50  M.  Im  Übrigen  wurden  die  Beschlüsse  erster 
Lesung  genehmigt. 

Unter  Zustimmung  des  Grafen  Posadowsky  wird  auf  An- 
trag Dr.  Paasche  (nl.)  im  Interesse  der  deutschen  Kolonien,  die 
Bananen  getrocknet  ausführen  können,  mit  grosser  Mehrheit 
beschlossen :  „Bananen,  frisch  getrocknet,  einfach  zubereitet, 
frei."  1 


An  unsere  Leser. 

Mit  dem  vorliegenden  Hefte  tritt  die  Gartenwelt  in  ihren 
siebenten  Jahrgang  ein.  Wir  glauben  im  abgeschlossenen  Jahr- 
gange das  geboten  zu  haben,  was  wir  versprochen  hatten :  Eine 
interessante  auf  der  Höhe  des  Gartenbaues  stehende  Zeitschrift, 
welche  mit  Erfolg  bestrebt  war,  den  Lesern  ein  an  Reichhaltig- 
keit unerreicht  dastehender,  über  alles  Neue  rasch  und  zuver- 
lässig berichtender  Berater  zu  sein.  Für  den  jetzt  begonnenen 
neuen  Jahrgang  liegt  eine  reiche  Fülle  interessanten  Text-  und 
Illustrationsmaterials  vor.  Noch  nie  zuvor  sind  wir  so  gut 
gerüstet  in  einen  neuen  Jahrgang  eingetreten  I  Wie  sich  die 
Zahl  der  Abonnenten,  unter  welchen  bisher  nur  eine  Stimme 
des  Lobes  über  das  von  der  Gartenwelt  Gebotene  geherrscht 
hat,  von  Jahr  «u  Jahr  in  rasch  aufsteigender  Richtung  bewegt, 
so  hat  sich  auch  der  Kreis  unserer  Mitarbeiter  ständiger 
Erweiterung  zu  erfreuen  gehabt.  Die  besten  Vertreter  des 
deutschen  Gartenbaues  gehören  zu  den  ständigen  Mitarbeitern 
unserer  Zeitschrift,  deren  Leserkreis  sich  auch  fast  ausschliess- 
lich aus  den  gebildeten  und  vorwärts  strebenden  Berufsgenossen 
zusammensetzt. 

Wie  in  früheren  Jahren,  so  sehen  wir  auch  jetzt  davon 
ab  ein  bestimmtes  Programm  für  den  neuen  Jahrgang  festzu- 
setzen. Wir  wollen  wie  bisher  der  Zeit  dienen  und  uns  deshalb 
nicht  auf  den  langen  Zeitraum  eines  Jahres  auf  ein  bestimmtes 
Programm  verpflichten.  Wir  bitten  unsere  Leser  und  Mit- 
arbeiter uns  auch  fernerhin  durch  Empfehlung  der  Gartenwelt 
in  Bekanntenkreisen  und  durch  treue  Mitarbeit  nach  Möglichkeit 
in  unseren,  ausschliesslich  dem  Gartenbau  und  seinen  Interessen 
gewidmeten   Bestrebungen   zu   unterstützen. 

Das  vorliegende  Heft  ist  als  Probeheft  in  einer  Auflage 
von  15000  Exemplaren  gedruckt  worden,  weshalb  die  monat- 
liche Farbentafel  erst  mit  dem  nächsten  Hefte  zur  Versendung 
gelangt.  Probehefte  zum  Verteilen  an  Freunde  und  Bekannt*- 
stehen  unseren  Abonnenten  in  gewünschter  Zahl  gern  zur  Ver- 
fügimg, wie  wir  auch  Adressen  zur  direkten  Versendung  von 
Probeheften   stets   mit    Dank   entgegennehmen. 

Die   Redaktion  der  Gartenwelt. 


Verantwortl.  Redakteur:    Max  Hesdörffer,  Berlin.  —  Verlag  von  Richard   Carl  Schmidt  &  Co.,    Leipzig.  —  Druck  von  C.  Grumbach    in  Leipzig. 


Illustriertes  Wochenblatt  für  den  gesamten  Gartenbau. 


Jahrgang  VII. 


ii.  Oktober  1902. 


No.  2. 


Nachdruck  und  Nachbildung  aus  dem  Inhalt  dieser  Zeitschrift  wird  strafrechtlich  verfolgt. 


Orchideen. 


Die  empfehlenswertesten  Orchideen  für  den  Schnitt 
und  den  Topf  verkauf. 

Praktische  Winke  für  Handelsgärtner. 

Von  Woldemar  Nicolai,  Orchideenrlniport-Geschäft,   Coswig  i.  S. 

(Hierzu  vier  Abbildungen.) 

VV  as  ist  lohnend,  welche  Orchideen  muss  ich  kulti- 
vieren, um  Gewinn  zu  erzielen?  so  denkt  wohl  mancher 
Kollege  bei  sich.     All  seine  Kulturobjekte  ziehen  im  Geiste 


vorüber,  es  werden  Bücher  aufgeschlagen,  um  etwas  zu 
finden,  was  für  seine  Verhältnisse  sich  eignen  möchte,  was 
der  neuen  Richtung  (Mode)  Rechnung  trägt  und  vor  allen 
Dingen  etwas  einbringt,  kurz  gesagt,  diejenigen  Orchideen 
zur  Kultur  zu  bringen,  deren  Blumen  nie  wieder  vom 
Markte  verschwinden  und  die  Sorten  zu  wählen,  deren 
Blumen  ihn  voraussichtlich  beherrschen  werden.  Jeder  Kulti- 
vateur,  ich  will  nicht  Gärtner  sagen  —  denn  viele  Gärtner 
sind  leider  nur  massige  oder  gar  keine  Kultivateure,  — 
muss   sich    über    folgende  Fragen    im    klaren    sein:    i.  Wer 


Zygopedalum  Maltaii  in  der  Hnndelsgärlnerei  von  "Woldemar  Nicolai,  Coswig  i.  S. 
Origiualallfnahine  für  die  „Garleuwelt-'.'. 


Die  Garlenwelt. 


14 


Die    Gartenwelt. 


VII,   2 


Odontoglossum  Rossii,  Cattleya  Harrisonae,  Coelogyne  Chatsworthii,  Cattleya 

MeDdeli  und  Oncidium  tigrinum  in  der  Handelsgärtnerei  von  Woldemar  Nicolai, 

Coswig   i,  S.      Originalaufuahme  für  die  „Gartenwelt". 


kommt  als  Abnehmer  in  Betracht?  Habe  ich  in  der  Haupt- 
sache nur  Bindegeschäfte  mit  abgeschnittenen  Blüten  zu  ver- 
sorgen, oder  ist  2.  ein  reiches  Publikum  am  Orte  vorhanden, 
welches  Interesse  an  schönen  neuen  Blüten  und  Pflanzen  hat? 
3.  Wie  erhalte  ich  die  zur  Kultur  notwendigen  Objekte? 
Diese  drei  Punkte  sollen  mein  heutiges  Thema  bilden. 

Demjenigen,  welcher  mit  Blumengeschäften  resp. 
mit  deren  Inhabern  in  regem  Geschäftsverkehre  steht, 
und  bereits  mit  Orchideenblüten  seit  langer  Zeit  Handel 
treibt,  werde  ich  mit  meiner  Niederschrift  wenig  Neues 
bieten,  höchstens  kommt  ihm  die  eine  oder  andere  Sorte 
wieder  in  Erinnerung,  welche  sich  als  neueinzuführende 
Schnittblume  eignen  könnte.  Jedoch  das  ist  auch  nicht 
meine  Absicht,  denn  ich  wünsche  vor  allem  demjenigen 
Kultivateur  zu  helfen,  welcher  noch  wenig  Kenntnis  von 
Orchideen  und  deren  besten  Schnittsorten  hat,  aber  einen 
Versuch  gern  unternehmen  möchte.  Der  Bindekünstler 
unserer  Tage  arbeitet  am  liebsten  mit  Blüten  von  zartesten, 
eigenartigen  Farbentönen,  besonderer  Formenschönheit,  'ge- 
tragen von  langen  Stielen.  Aber  wie  finden  wir  die  Sorten 
heraus,  welche  diese  Bedingungen  erfüllen?  Die  Litteratur 
kann  in  dieser  Hinsicht  herzlich  wenig  Aufschluss  geben, 
denn  meistens  wird  rrten  nur  die  Blüte  beschrieben  und  die 
Heimat  der  Orchideen  angegeben  finden  und  nur  selten 
wird  der  blumistische  Wert  in  Betracht  gezogen.  Verwerflich 
ist  es  auch,  wenn  in  Fachzeitschriften  für  Sorten  Propaganda 
gemacht    wird,    welche    die    ihnen    nachgerühmten    Vorzüge 


wie  „für  Bindezwecke  besonders  wertvoll"  u.  dg]., 
nicht  aufweisen.*)  Denn  mancher  in  bescheidenen 
Verhältnissen  lebende  Kollege,  welcher  vorwärts  strebt, 
schafft  sich  vielleicht  daraufhin  eine  solche  Sorte  an, 
in  welchem  Falle  sein  Geld  vergebens  ausgegeben  ist 
und  in  den  meisten  Fällen  wird  er  diese  verkannten 
Pfleglinge  auch  nicht  wieder  verkaufen  können,  wenig- 
stens nicht  mit  gutem  Gewissen.  Deshalb  möchte 
ich  alle  Kollegen  auffordern,  bei  Beschreibungen  von 
Orchideen  gewissenhaft  und  ehrlich  zu  sein  und  be- 
sonders vorsichtig  mit  den  Angaben:  „Wertvoll  für 
Binderei"  u.  a.  Der  Botaniker  findet  alle  Blüten  schön 
und  ganz  mit  Recht,  denn  alle  Werke  der  Schöpfung 
sind  schön  und  die  kleinste  Blüte  hat  ihren  Reiz. 
Aber  der  Bindekünstler  kann  sich  daran  nicht  halten, 
seine  Blumen  müssen  bestimmte  Bedingungen  erfüllen: 
das  Publikum  muss  sie  lieben,  sie  müssen  sich  vorteil- 
hafter werten  lassen,  und  wenn  von  auswärts  bezogen, 
den"  Transport  gut  vertragen  und  dann  noch  einige 
Tage  in  tadellosem  Zustande  verbleiben.  Es  können 
für  den  Versand  nur  haltbare,  schön  bleibende  Sorten 
massgebend  sein.  Vor  nicht  langer  Zeit  erst  wurde 
eine  Bifrenaria  Harrisonae  Rcltb.  f.,  für  Binderei  in 
einer  Fachschrift  empfohlen  und  fälschlich  als  Lycaste 
Deppei  Lindl.  beschrieben.  Eine  solche  Sorte  sollte 
nicht  als  für  Binderei  wertvoll  empfohlen  werden; 
dieselbe  hält  sich  nicht  und  der  ihr  eigentümliche 
Wohlgeruch  geht  schon  nach  kurzer  Zeit  in  Gestank 
über.  Wenn  eine  Orchidee  unter  falschem  Namen 
beschrieben  wird,  so  thut  das  wenig  zur  Sache,  denn 
das  kann  berichtigt  werden,  aber  dass  die  Kultivateure, 
welche  den  richtigen  Namen  bekannt  geben,  die  Blüten  als 
für  Binderei  wertvoll  bezeichnen,  ist  zum  Schaden  der 
Kollegen,  für  welche  ich  die  Feder  in  die  Hand  genommen. 
Diese  Bifrenaria  gehört  unter  No.  2  meines  Artikels,  für 
den  Kultivateur,  welcher  Pflanzen  mit  Blüten  verkauft,  da 
die  Blüte  an  der  Pflanze  belassen,  sich  länger  schön  hält 
und  nicht  so.  schnell  das  schmutzige  Gelb  annimmt.  Von 
den  für  den  Schnittblumcnkultivateur  wertvoll  zu  nennenden 
Sorten  ist  es  unmöglich,  alle  Varietäten,  deren  viele  ich 
persönlich  selbst  nicht  kenne,  anzugeben,  sondern  es  genügt,  die 
Grundtypen  aufzustellen;  trotzdem  sollen  mitunter  auch  charak- 
teristische Varietäten  mit  aufgeführt  werden.  Dadurch  werden 
übersichtlich  die  Gattungen  geeint;  es  sind  die  besten  Arten 
und  Abarten  ausserdem  noch  gesperrt  gedruckt,  sodass  eine 
Eliteauswahl  getroffen  werden  kann,  zu  welcher  man  unbe- 
dingtes Vertrauen  in  Hinsicht  ihrer  Verwendbarkeit  in  der 
Praxis  haben  darf. 

Ich    stelle   als    für    den  Versand   sich    eignende    erste 
Hauptgruppe  Oäontoglossum  auf: 


*)  Anmerkung  der  Redaktion.  Es  ist  selbstverständlich  falsch, 
Sorten  für  Bindezwecke  zu  empfehlen,  die  für  dieselben  nicht  geeignet 
sind.  Abgesehen  hiervon  hat  freilich  die  Fachpresse  nicht  nur  die  Aufgabe, 
für  Schnittorchideen  Propaganda  zu  machen,  denn  neben  diesen  giebt  es 
doch  noch  hunderte  von  Orchideenarten  und  Varietäten,  welche  an  Stelle 
des  mangelnden  Schnittblumenwertes  einen  grossen  Liebhaberwert  haben 


VII,    2 


Die    Garten  weit. 


15 


Odontoglossum  crispum  Lindl.  (Alexandrae  Batem.),  var.  dowiana,  g.igas  (labiata  var.  Warsceiuiczii),  gra- 
luteo-purpureum .  Brandtii,  Pescatorei  Lindl.,  cirr-  nulosa,  guttata,  labiata,  labiata  var.  Trianae, .labiata 
hosum,  constrictum,  cordatum,  Edwardii,  elegans,  var.  lueddemänniana,  labiata  var:  Eldorado,  labiata 
exeellens,  gloriosum,  Hallii,  harryanum,  anceps,  ma-  rar.  Mendeli,  labiata  var.  Mossiae,  labiata  var. 
drense,  vexillarium,  naevium,  nebulosum,  Roezlii  percivaliana,  labiata  rar.  Warner/,  lawrenceana, 
Rchb.  f.  (Miltonia  Roezlii  Nichols),  wilkeanum,  Uro-  maoäma,  Skinneri,  superba,  schilleriana,  walkeriana  var. 
Skinneri,  ramosissimum,   triumphans,  grande,  Insleayi,      dolosa,  labiata  var.  Scliroederae. 

schlieperianum.      Verwandt    mit    Odontoglossum    und    nur  Von  den  Cattleya  unterschieden  durch  acht  Pollenmassen, 

durch  die  Stellung  des  Säulengrundes  und   der  Pollen    ver-      aber    als    Nebengattung    zu    betrachten    und    in    der    For- 
schieden, ist  die  Gattung  Oncidium:  mation    der    Blüte   den   Cattleya   gleichend   ist   die  Gattung 

Oncidium  ampliatum  var.  majus,  aUissimum,  bar-  Laelia  anzuführen:  Hiervon  sind  folgende  Arten  und  Ab- 
batum,  brunleesianum,  cavendishianum  Croesus,  cris-  arten  wertvoll:  autumnalis,  cinnabarina,  erispa%elegans~, 
pum,  curtum,  cucullatum,  excavatunt,  flexuosam,  Gard-  gouldiana,  grandisXtenebrosa,  harpophylla,  jong- 
neri,  incurvum,  lanceanum,  leucochüum,  luridum,  heana,  majalis,  Perrinii,pumilavar.dayana,purpiCrata, 
macranthum,  marsJiallianum,  monachicum,  nrnithor-  Veitehii,  digbyana,  letztere  zu  den  Brassavola,  ebenfalls 
rhynchutn, phymatochilum,  pulvinatum,  ßarcodes,  sphace-  eine  Nebengattung  der  Cattleya.,  gehörig.  Als  zweite  zu 
lalnm,  superbiens,  varicosum  rar.  Rogersii.  den  Cattleya    zu   rechnende  Gattung   ist  Epidendfum    zu 

Zu  den  Odontoglossum  als  Nebengattung  ist  die  Miltonia  nennen.  Hier  treten  wieder  wie  bei  Cattleya  vier  Pollen- 
zu  zählen,  zeitweise  auch  und  nicht  mit  Unrecht  direkt  massen  auf  und  bei  manchen  Arten  stehen  die  Blüten  in 
Odontoglossum  genannt;  ich  erinnere  nur  an  Miltonia  Rispen.  Die  Lippenform  ist  starken  Änderungen  unterworfen, 
vexillaria.  Hier  ist  besonders  der  Wuchs  der  Pflanze  den  bald  genagelt,  bald  ungenagelt,  bei  jener  Art  verwachsen, 
Odontoglossen  ähnlich.  Die  Miltonien  werfen  nach  zwei-  bei  der  anderen  wieder  nicht.  Unzählige  Abarten  und 
jährigem  Tragen  ihre  Blätter  von  den  Bulben  ab.  Die  Spielarten  treten  auf,  trotzdem  ist  Epidcutlram  unter  den 
schönsten  Arten  sind:  zu  den  Cattleya  gehörigen  Gattungen  für  Schnittzwecke  die 

Miltonia.  Phalaenopsis,  Roezlii,  speetabilis  rar.  schlechteste,  und  nur  wenige  Sorten  seien  angeführt: 
moreliana,  vexillaria,   Warscewiczii.  nemorale,  prismatocarpum •■,    sceptrum,  Skinneri,  Stam- 

Ferner  ist  zu  den  Odontoglossen  die  Brassia  einzu-  fordi,  vitellinum  majus.  Zu  den  Cattleya  gehörig 
reihen,  eine  wenig  Arten  aufweisende  Gattung.  Säulenstand  ist  noch  Schomburgkia  und  Sophronitis  zu  nennen, 
und  Lippe  sind  hier  verkürzt,  letztere  wie  bei  <).  Pescatorei  Erstere  hat  eine  schätzenswerte  Art  aufzuweisen,  es  ist 
geschwungen,  jedoch  ohne  Lippenflügel.  Alle  Odontoglossum  Seh.  tibicinis,  letztere  dagegen  hat  durch  die  Kurz- 
und  deren  Verwandte  haben,  es  ist  dies  zu  beachten,  keine  stieligkeit  der  Blüten  wenig  blumistischen  Wert,  weshalb 
eigentliche  Ruheperiode  und  ein  gänz- 
liches Trockenhalten  bringt  ihnen  den 
Tod.  Die  Aufstellung  geschieht  des- 
halb in  dieser  Reihenfolge,  sq  dass  der 
Kultivateur  sofort  weiss,  zu  welcher 
Hauptgattung  die  Nebengattungen  ge- 
hören ,  was  für  die  eigentliche  Kultur 
von  grossem  Nutzen  ist.  Brassia  cau- 
data,  Sanderae,  verrucosa  sind  als 
beste  zu  nennen. 

Die  zweite  Hauptgruppe,  welche 
aufgestellt  werden  soll,  ist  Cattleya.  Die 
Charakteristik  der  Blüte  ist  folgende: 
3  Sepalen  schmal,  2  Petalen  breit, 
einzeln  oder  in  aufsteigender  Traube, 
Blütenstiel  ist  stets  endständig,  die  Lippe 
der  Blüte  umschliesst  das  Staminod  und 
breitet  sich  fächerartig  aus.  Letztere 
Ausbreitung  meist  durch  Farbe  hervor- 
tretend, um  befruchtende  Insekten  an- 
zulocken. Das  Staminodium  enthält 
vier,  zwei  zu  zwei,  durch  Konnektiv 
verbundene  Pollenmassen.      Die   besten 

Arten     sind:     amethystogloSSÜ     (guttata  Lycaste  Skinneri  und  Deppei,    Cattleya  Mosiiae  und  neue  Phyllocactus-Hybriden  in  der 

Var.     Prinzii),     liOlVringiana,     citrilia,  Handelsgärtnerei  von  Woldemar  Nicolai,   Coswig  i.  S. 

labiata       Var.      gaskelHana,       labiata  Originalaufnahme  für  die  „Gartenwek". 


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16 


Die    Gartenwelt. 


VII,   2 


die  Abweichungen  der  Blütenformation  hier  unerwähnt 
bleiben. 

Die  dritte  auptgruppe  mit  Nebengliedern  ist 
Aerides.  Die  P'  jn  sind  wachsartig  und  stehen  meist  in 
langen  wohlriec  den  cylindrischen  Trauben,  welche  aus 
den  Blattachseln  a  s  vorjährig  oder  jährig  entwickelten  Triebes 
hervorspriessen.  Die  Lippe  ist  eigentümlich  gekrümmt  oder 
auch  offen.  Die  Aerides  mögen  in  zwei  Teile  geteilt  werden 
nach  der  Bildung  ihrer  Blüten:  I.  die  Lippe  ist  teils  in  3  teils 
in  5  Flügel  oder  Läppchen  geteilt,  und  2.  die  Lippe  ist  unge- 
teilt oder  hat  höchstens  ein  paar  Öhrchen  (Aerides  macu- 
losum).  In  der  ersten  Reihe  sind  die  3  oder  5  Flügel  fast 
gleich  lang.  Die  Farbe  ist  äusserst  zart:  weiss,  rosa,  lila 
oder  gesprenkelt.  Die  Blätter  sind  zum  Teil  flach,  zum  Teil 
stielrund,  alle  aber  fleischig.  Echte  Luftbewohner,  welche 
im  Korb  am  besten  gedeihen.  Ich  nenne  folgende  Aerides: 
Fieldingii,  crispum,  Leoniae,  Lawrenceae,  affine, 
odoratum,  quinquevulnerum,  savageanum,  virens 
u.  a.  Zu  den  Aerides  als  Nebengattung  gehört  die  Königin 
dieser  Gruppe,  die  Phalaenopsis. 

Nach  der  Blüte  der  Phalaenopsis  teile  man  auch  diese 
Gattung  in  zwei  Teile:  1.  Sepalen  und  Petalen  gleich  gross, 
die  Lippe  ungeteilt  (lueddemanniana,  violacea)  und  2.  Petalen 
viel  grösser  und  breiter;  die  Spitze  der  Lippe  trennt  sich 
in  zwei  vom  Mittel  abseits  liegende  Hörner,  einige  davon 
nehmen  darin  merkwürdige  Formation  an  (J'lil.  srltilleriiinn). 
Der  Blütenstiel  entspringt  wie  bei  den  Airides  aus  den 
Blattachseln.  Sie  ist  die  herrlichste,  kulturwürdigste  Gattung 
mit  zarten,  prächtigen  Blüten  von  langer  Haltbarkeit.  Der 
Blütenstand  ist  rispenartig,  meist  stark  verzweigt.  Da  die 
Phalaenopsis  keine  Bulben  oder  Stammverdickungen  bildet, 
so  ist  angezeigt,  dass  die  Pflanze  ständiger  Feuchtigkeit  und 
fast  keiner  trockenen  Ruheperiode  bedarf.  Die  schönsten  Arten 
sind :  Apltrodite  (amabilis), rimestadiana  (wohl die  schönste 
aller  Pli.)  grandiflora,  schilleriana  (reichblütig  pracht- 
voll) intermedia,  rosea,  Sanderae,  stuartiana  und 
Veitchii  Mannii,  sumatrana,  Reichenbächi. 

Als  zu  den  Aerides  gehörig  ist  Yanäa  mit  deren  Unter- 
gattung Renanthera  zu  nennen.  Yanda  ist  wie  Phalae- 
nopsis eine  herrliche  Vertreterin  der  Orchideen.  Die  Blüten 
sind  gespornt,  entspringen  entweder  in  den  Blattachseln  oder 
auf  dem  entgegengesetzten  Teil  des  Stammes.  Die  Lippe, 
welche  mit  der  Kolumne  verbunden  ist,  breitet  sich  fächerartig 
aus,  die  Kolumne  ist  hervortretend,  dick,  fleischig.  Die 
Seitenläppchen  sind  aufrechtstehend,  mit  Ausnahme  von 
Yanda  Batemannii  (Stauropeis  lissochiloides)  und  gigantea 
(Stauropsis  gigantea),  welche  aus  diesem  Grunde  eine 
Gattung  für  sich  unter  dem  Namen  Fieildia  oder  Stauropsis 
bilden.  Die  Blumen  der  letzteren  Gattung  (Stauropsis)  sind 
weniger  schön  zu  nennen.  Die  Petalen  und  Sepalen  sind  bei 
Vi nida  von  nahezu  gleicher  Grösse  und  breiten  sich  in  schöner 
Stellung  flach  aus,  nach  der  Basis  zu  sich  zerschmälernd.  Die 
Blätter  sitzen  gegenseitig  am  aufrecht  kriechenden,  sich  mit 
Luftwurzeln  haltenden  Stamm,  meist  flach  gedrückt,  riemen- 
förmig  oder  drehrund.  Das  Blatt  selbst  zum  Teil  gestutzt 
oder  in  stumpfer  Spitze  endigend.  Die  schönsten  Va nä 'a  sind: 
coeralea,  coerulescens,   insigne,   kimballiana,    Lowi 


(Rhenanthera),  tricolor,  suavis,  teres.  Von  vorstehend  ge- 
nannten unterscheiden  sich  einige  Sorten  ohne  Sporn  und 
ohne  das  Verwachsensein  der  Kolumne  mit  der  Lippe;  die- 
selbe ist  charnierartig  gewachsen,  weshalb  sie  sich  bei  Bewe- 
gung auf-  und  abwärts  hebt  und  senkt.  Die  Sorten  sind 
wenigblumig,  aber  schön,  gross  und  prachtvoll  gefärbt.  Diese 
Blüten  bilden  eine  kurze  aufrechte  Traube.  Vandu  Cutli- 
curtii  und  sanderiana  sind  prachtvoll  und  sowohl  im 
Handel  als  auch  botanisch  unter  eine  Nebengattung 
(Esmeralda.  oder  Arachnanthe)  gestellt. 

Als  vierte  Hauptgruppe,  reichlich  mit  Neben- 
gliedern gesegnet,  ist  Qongora  zu  nennen.  Diese  ist 
sehr  wenig  empfehlenswert,  wohl  sind  es  'aber  ihre  Ver- 
wandten: Houletti« ,  Acropera,  Peristeria,  Stanhopea,  und 
Coryanthes.  Für  die  beste  Art,  um  mich  genau  an  mein 
Thema  zu  halten,  dieser  Nebengattungen  gilt  Hoidettia 
broclclehiirst  in  na,  alle  anderen  gehören  unter  No.  2 
meines  Artikels. 

Fünfte  Hauptgruppe:  Catasetam  mit  Verwandten 
Cycnoches  und  Mormodes.  Es  ist  Catasetum  wohl  mit- 
unter wertvoll  für  Binderei ,  jedoch  werden  die  hierher- 
gehörigen  Arten  im  zweiten  Teile  Aufzählung  finden. 

Sechste  Hauptgruppe  Dendrobium  mit  der  Unter- 
gattung Eria  ist  für  Binderei  höchst  wertvoll.  Die  Blüten- 
formation ist  ungemein  reich  und  abwechselnd.  Sepalen 
und  Petalen  sind  gewöhnlich  gleichgross  in  der  Längs- 
richtung, die  zwei  seitlichen  Sepalen  sind  am  Grunde  ver- 
bunden und  formen  einen  spornähnlichen  Ansatz  oder  einen 
Sack  oder  zeigen  sich  kinnartig  ausgebuchtet.  Die  Kolumne 
ist  nur  in  der  Mitte  angefügt  und  trägt  vier  wachsartige  Pollen. 
Die  Blumen  stehen  zum  Teil  einzeln  oder  in  langen  hängen- 
den oder  aufrecht  stehenden  Trauben,  welche  an  dem  (durch 
die  Blätter  verdickten  Knoten)  Stamm  bis  zur  Hälfte  der 
bambusartig  geformten  Bulbe,  in  einzelnen  Fällen  auch  nur 
an  der  Spitze  erscheinen.  Das  Blatt  ist  meist  kurz,  leder- 
artig und  fällt  während  der  Trockenperiode,  deren  Ein- 
haltung unbedingte  Notwendigkeit  ist,  ab.  Wertvolle 
Dendrobium  sind:  bigibbum,  chrysotoxum,  crassinode, 
clavatum,  crepidatum,  cretaceum,  pulchetlum  (dalhouse- 
Union).  Deärei,  densiflorum,  thyrsiflorum  (beste  der 
Gattung),  devonianum,  Falconeri,  Farmeri,  findlayanum, 
formosinn,  giganteum,  gratiosissimum,  Hooheri,  jame- 
sianum,  infundibulum,  Mac  Chartiae,  Mac  Farlanei, 
nobile,  Phalaenopsis,  Pierardi,  stratiotes,  stia- 
vissi  in  11  in .  superbiens,  transparens,  (prima  Topfpflanze), 
ivard  in  11  a  in  x  Lowii.  Als  schönste  Eria  sei  E. 
biucheana,  zu  Ehren  des  Direktor  W.  Lauche- Eisgrub 
genannt,  angegeben. 

Siebente  Hauptgruppe:  Huntleya  mit  Neben- 
gattung Pescutorea  und  Warscewicsella  sind  blümistisch 
schön,  gehören  aber  anderer  Eigenschaften  wegen  in  den 
zweiten  Teil. 

Achte  Hauptgruppe:  Angraeeum,  gehört  wohl  zu 
den  Aerides,  soll  aber  hier  als  Hauptgattung  allein  ange- 
führt werden.  Der  Sporn  der  Blüte  ist  so  stark  entwickelt 
und  eine  besondere  Eigentümlichkeit,  dass  die  wohlgespornten 
Aerides  in  früherer  Zeit  von  den  Angraeeum  diese  Forma- 


Die   (jartenwelt' 

JAHRGAXO    VII. 


Papaver  hybridum 
flore  pleno  foliis 

AUREIS 

.GOLDMOHN" 

Züchtung  von  F.  &  O.  Spittel, 
Erfurt. 


Druck  von  Otto  Henning  (Inh.  Dp.  G.   Henning),   Greiz. 


Verlag  von  Richard  Carl  Schmidt  &  Co., 


VII,    2 


Die    Gartenwelt. 


17 


tionen  angenommen  haben  mögen,  aber  nicht  umgekehrt. 
Es  unterscheiden  sich  die  Angraecum  durch  spitze  und 
abgestumpfte  Antheren,  bei  der  einen  Sorte  ist  die  Lippe 
nach  oben  stehend,  während  bei  der  anderen  dieselbe  nach 
unten  gerichtet  ist.  Der  blumistische  Wert  ist  bedeutend 
und  ist  sesquipedale  das  schönste  Angraecum,  reinweiss 
und  grossblütig.  Hier  soll  noch  Ellisii  und  leonis  (Hum- 
blotii)  genannt  sein. 

Neunte  Hauptgruppe:  Lycaste  mit  Nebengattungen 
Anguloa,  Bifrenaria  und  Paphinia.  Die  Blüte  der  Lycaste 
ist  etwas  steif  in  der  Haltung,  wertvoll  für  Binderei,  aber 
leicht  zerbrechlich  beim  Versand.  Die  Sepalen  sind  auf- 
recht stehend  während  die  Petalen  nach  vorwärts  gestreckt 
mehr  oder  weniger  die  Kolumne  umhüllen.  Die  Lippe  hat 
drei  Lappen  deren  mittelste  Partie  mit  einer  fleischartigen, 
erhöhten  und  gefransten  Erhebung  geschmückt  ist.  Wert- 
volle Arten  sind:  cruenta,  ■ 
gigantea,  lanipes,  schille- 
riana,  Skinneri  und  vir- 
ginalis.  Von  den  Verwand- 
ten kommt  nur  noch  Anguloa 
in  Betracht  und  zwar  Anguloa 
Clowesii,  welche  durch  die 
Eigentümlichkeit,  dass  die  Lippe 
von  einer  Röhrenschnur  ge- 
halten wird  und  bei  Bewegung 
auf-  und  niederklappt,  wohl 
sehr  bekannt  ist  und  eine 
schöne  wochenlang  haltbare 
Blume  liefert,  ebenso  sind 
eburneu  und  liucJteri  em- 
pfehlenswert. Batemanniavfdhl 
oft  zu  Lycaste  gerechnet, 
soll  unter  Zygopetalum  Er- 
wähnung finden. 

Zehnte  Hauptgruppe: 
Coelogyne  mit  Nebengattung 
Pleinne.  Die  Blüte  der  Coe- 
logyne   ist    wertvoll.      Sepalen 

und  Petalen  fast  gleich  gross  und  breit  (speciosa  macht 
durch  schmale  Fetalen  eine  Ausnahme),  Lippe  dreiteilig,  die 
Seitenlappen  nach  oben  gebogen  und  so  die  Kolumne  umgebend, 
der  mittlere  sich  ausbreitende  Lappen  ist  meist  mit  farbigen 
Längsstreifen  geziert.  Blumen,  je  nach  der  Sorte,  einzeln 
oder  in  Traubenform  aufsteigend  oder  elegant  überhängend. 
Die  sympodiale  Stammbildung  entwickelt  Knollen  als  Reserve- 
stoffbehälter, welche  daher  auf  starke  Trockenperiode  schliessen 
lassen.  Als  gute  Arten  sind:  Coelogyne  asperata,  bar- 
Liittt,  corrugata,  corymbosa,  cristata,  äayana  (lang- 
hängend), Foerstermanni,  Goiveri  (herrliche  ocellata  Type), 
massangeana  (dayana- Gruppe),  pandurata,  sande- 
riana,  mayeriana ,  aufzuführen.  Von  Pleionc  sind  hier 
keine  Sorten  aufzuzählen,  vielmehr  nur  für  den  zweiten  Teil 
des  Aufsatzes  in  Betracht  zu  ziehen.  Die  Abbildungen  lassen 
erkennen,  dass  der  Cultivateur  im  Stande  ist  durch  Ver- 
längerung resp.  Verschiebung  der  Trocken-  und  Triebperiode 
die  Zeit  der  Blüte  zu  beeinflussen.  (Schluss  folgt.) 


Neue  Pflanzen. 


Papaver  hybridum  flore  pleno  foliis  aiireis 
„Goldmolm". 

Von  F.  &  O.  Spittel,  Samenkulturen,   Erfurt. 
(Hierzii  die  Farbentafel.) 

Unter  den  zahlreichen  bis  jetzt  existierenden  Papaver- 
Varietäten  giebt  es  bereits  eine  stattliche  Anzahl  Sorten, 
welche  sowohl  durch  ihre  Farbenpracht,  als  auch  durch 
die  Mannigfaltigkeit  des  Farbenspiels  ganz  entzückend 
schön    zu    nennen    sind. 

Das  schneeigste  Weiss,  sowie  tiefdunkeles  Schwarz- 
purpur, vom  zartesten  Rosa  in  allen  Abstufungen  bis  zum 
leuchtendsten  Dunkelscharlach  und  Karmoisin,  ja  sogar  die 
Bezeichnung   Schwarz   ist   vertreten.     In   den  drei    Haupt- 


Cattleya  labiata  var.  Mossiae,  percivaliana,  Schroederae  und  Trianae  in  der  Handelsgärtnerei  von 
Woldemar    Nicolai,    Coswig   i.  S.      Originalaufuahme  für  die  ,, Garteuwelt". 

klassen  Papaver  päeoniflorum,  Papaver  somniferum,  Papaver 
Bhoeas  ist  ein  Farbenreichtum  enthalten,  wie  er  bei  einer 
anderen  Pflanzengattung  so  leicht  nicht  wieder  anzu- 
treffen ist. 

Wer  Gelegenheit  gehabt  hat,  in  Erfurt  ein  blühendes 
Mohnfeld  mit  all  den  verschiedenen  Klassen  und  Gat- 
tungen zu  besichtigen,  wird  sich  lange  des  überwältigenden 
Eindrucks  erinnern.  —  Die  auf  der  Farbentafel  naturgetreu 
abgebildete  neue  Varietät  Papaver  hybridum  flore  pleno 
foliis  aureis  „Goldmohn"  veranschaulicht  auf  den  ersten 
Blick,  dass  wir  es  hier  mit  etwas  Aussergewöhnlichem 
zu  thun  haben.  —  Die  prächtig  goldgelbe  Belaubung, 
der  buschige,  ganz  niedrige  kompakte  Wuchs,  die  dicht- 
gefüllten, fast  nur  in  leuchtend  roten  Farben  erscheinenden 
Blumen  sind  Eigenschaften,  welche  wir  bei  keiner  der 
bis  jetzt  vorhandenen  Varietäten  antreffen.  Die  Farbe  der 
Blätter  ist  ein  intensiv  leuchtendes  Goldgelb,  wodurch 
dieser  Mohn  schon  lange  vor  der  Blüte  von  höchst  deko- 


18 


Die  Garten  weit. 


VII,  2 


rativer  Wirkung  ist.  Die  Höhe  der  Pflanze  beträgt  ca. 
30  cm.  Die  kleinen  Pflanzen  bestocken  sich,  nachdem 
dieselben  eine  gewisse  Höhe  erreicht  haben,  von  unten 
herauf,  und  erreichen  dadurch  eine  äusserst  gefällige  und 
anmutige  Form.  Aus  dem  Haupttriebe  entwickeln  sich 
dann  fortwährend  neue  Seitentriebe,  wodurch  die  Dauer 
der  Blütezeit  ungemein  verlängert  wird.  Eine  mit  „Gold- 
mohn"  bepflanzte  Gruppe  bleibt  ca.  6 — 8  Wochen  im  Flor, 
nachdem  dieselbe  schon  ungefähr  ebenso  lange  vorher  das 
Auge  des  Beschauers  durch  die  lebhaft  gelbe  Färbung 
entzückt  hat.  Schon  die  ganz  kleinen  Pflänzchen  sind  ganz 
reizend;  infolge  ihrer  zierlichen  Blättchen  sind  dieselben 
nur  bei  genauem  Hinsehen  von  Pyrethrum  partkenifolium 
aureum  zu  unterscheiden.  Sobald  jedoch  die  Pflanzen 
grösser  werden  und  die  Blüten  erscheinen,  welche  sich 
auf  kurzen  Stengeln,  frei  über 
der  Belaubung  erheben,  zeigt 
der  „Goldmohn"  ein  total  ver- 
ändertes Aussehen.  Die  dicht- 
gefüllten, malvenähnlichen  Blu- 
men variieren  fast  nur  in 
den  Farben  hochrot,  Scharlach, 
karmoisin  und  purpur  sowie 
Scharlach  mit  weissem  Rand, 
und  purpur  mit  weissem 
Rand.  Man  denke  sich  nun 
diese  brennenden  Farben  im 
Verein  mit  den  leuchtend  gold- 
gelben Blättern  und  man  hat 
einen  Kontrast,  wie  er  gross- 
artiger und  wirkungsvoller  gar 
nicht  gedacht  werden  kann. 
Die  sehr  kräftig  und  ge- 
drungen wachsenden  Pflan- 
zen haben  durchaus  nichts 
krankhaftes  an  sich,  wie  man 
das  häufig  bei  gelb-  oder 
buntlaubigen  Pflanzen  findet, 
n  Reihen  mit  32  cm  Ab- 
stand gepflanzt,  füllten  die  Pflanzen  den  ihnen  zur  Ver- 
fügung stehenden  Raum  vollkommen  aus  und  bildeten  ein 
dichtgeschlossenes  Ganzes. 

Eine  weitere  schätzenswerte  Eigenschaft  des  „Gold- 
mohn" besteht  darin,  dass  derselbe  im  Herbst  gesäet  und 
später  in  kleine  Töpfe  gepflanzt,  sich  mit  Leichtigkeit 
im  Kalthause  überwintern  lässt.  Die  Pflanzen  wachsen  den 
ganzen  Winter  hindurch  freudig  fort  und  blühen,  gegen 
Mitte  April  ausgepflanzt,  schon  im  zeitigen  Frühjahr. 
Die  in  diesem  Jahre  zu  der  angegebenen  Zeit  ins 
Freie  gebrachten  Pflanzen  blühten  trotz  der  em- 
pfindlich kalten  Nächte  (Anfang  Mai  5—7°  C.  unter  Null) 
gegen  den  20.  Mai;  ein  Beweis,  dass  ihnen  der  Frost  im 
Frühjahr  nichts  schadet. 

In  der  Aussaat  vorjähriger  Ernte  zeigten  sich  unter 
den  Sämlingen  noch  ca.  10°/o  grüne  Pflanzen,  jedoch 
die    diesjährige     Ernte    kann    als    durchaus   konstant    be- 


zeichnet werden,  da  sich  bis  jetzt  noch  nicht  eine  einzige 
grüne   Pflanze  gezeigt  hat. 

Wir  glauben,  dass  die  guten  Eigenschaften  des  Papaver 
hybridwm  flore  pleno  foliis  aureis  „Goldmohn"  oder  richtiger 
„Zwerg-Goldmohn11  ihm  zu  weitester  Verbreitung  und  grosser 
Beliebtheit    verhelfen    werden. 


Obstbau. 


Nochmals  das  Veredeln  alter  Rebstöcke, 

Von  Paul  Frank,  Gardone,   Italien. 
(Hierzu  eine  Abbildung). 

In   Nr.  36  des  vorigen  Jahrganges  der   „Garten- 
weit"  machte  ich  die  geehrten  Leser  auf  eine  in  Gardone 

häufig  ausgeführte  Rebenver- 
edelungsmethode  aufmerksam, 
deren  Hauptwert  in  dem 
raschen  Erfolge  besteht. 

Heute  möchte  ich  eine 
solche  Veredelung  im  Bilde 
vorführen,  welche  ich  im  Mai 
ausführte.  Um  die  Verede- 
lungsstelle besser  hervortreten 
zu  lassen,  wurde  bei  der  pho- 
tographischen Aufnahme  hin- 
ter die  alte  Rebe  ein  Brett 
gestellt.  Es  entwickelten  sich 
aus  den  beiden  eingesetzten 
Reisern  2  Triebe  von  2,50  m 
Länge,  eine  Rebe,  welche  ich 
leider  nicht  im  Bilde  vorführen 
kann,  entwickelte  sogar  an 
einem  Reise  4  Triebe  von 
derselben  Länge.  Die  Auf- 
nahme geschah  im  August 
dieses  Jahres. 

Da  bald  nach  dem  Ver- 
edeln anhaltender  Regen  ein- 
tr.it,  so  trieben  sehr  \  iele  Veredelungen  schon  nach  8 'Tagen 
schwach  aus  und  vertrockneten,  fingen  aber  nach  vier 
Wb(  hen  aus  den  tiefer  sitzenden  Augen  von  neuem  an  zu 
treiben.  Einige  Veredelungen  trieben  sogar  erst  im 
August,  wonach  die  Verbände  sämtlich  gelöst  wurden. 
Sehr  leicht  werden  diese  üppigen  Triebe  vom  Oidiüm  be- 
fallen und  man  hat  darum  besondere  Vorkehrungen  da- 
gegen zu  treffen. 

Amerikanische  Reben  veredelt  man  meistens  ein  Jahr 
nach  der  Pflanzung  durch  Kopulieren,  jedoch  auch  im 
Winter    als    Blindrebe. 


Im   Mai  veredelte   Rebe. 
August  für  die  „Gartenwelt"'  photogr.'aufgenommcn. 


Koniferen. 


Die  Arve  oder  Zürbelkiefer.  Es  ist  gewiss  sehr  sonderbar. 
dass  der  schönen  und  dazu  in  jeder  Baumschule  leicht  zu 
erhaltenden  Zürbelkiefer,  Pinus  Cembra  /,.,  Doch  so  wenig  He. uh- 


VII,    2 


Die  Gartenwelt. 


19 


tung  geschenkt  wird,  denn  immer  noch 
scheint  dieser  Baum  in  den  gärtnerischen 
.Anlagen  zu  den  selteneren  Gehölzen  zu  ge- 
hören, obwohl  er  zu  den  besten  der  in 
Deutschland  winterharten  Koniferen  zu 
rechnen  ist.  Die  Arve  ist  zur  Einzel- 
pflanzung wie  geschaffen,  denn  nur  als 
solche  wird  sie  sich  von  ihrer  besten  Seite 
zeigen,  und  was  für  eine  herrliche  Wirkung 
der  vom  Erdboden  bis  zur  Spitze  mit  zahl- 
reichen dichten  Asten  bekleidete  Stamm 
eines  älteren  Exemplares  hervorzurufen  im- 
stande ist,  das  beweist  wohl  am  besten  der 
Baum,  den  nebenstehende  Photographie 
wiedergiebt.  Wie  aus  der  Abbildung  wohl 
zur  Genüge  zu  ersehen  ist,  hat  diese  Arve 
von  Jugend  auf  einen  vollständig  freien 
Standort  gehabt ;  hier  war  sie  im  Wachstum 
unbeengt,  hier  konnte  sie  sich  nach  allen 
Seiten  gleich  gut  entwickeln  und  so  präsen- 
tiert sie  sich  uns  heute  als  ein  stattlicher, 
die  ganze  Szenerie  angenehm  beeinflussen- 
der Baum,  dessen  Stammumfang,  i  m  über 
dem  Boden  gemessen,  1,6  m  und  dessen 
Höhe  20,5  m  beträgt.  Ausser  diesem  Exem- 
plar besitzt  der  Kgl.  Auegarten  zu  Cassel 
noch  mehrere  recht  schöne  Zürbelkiefern, 
die  sich  aber  mit  der  abgebildeten  wohl  an 
Grösse,  nicht  aber  an  Schönheit  messen 
können;  eine  Anzahl  Stämme  auf  der  in 
diesem  Park  gelegenen  Insel  Siebenberg, 
die  alljährlich  Zapfen  trugen,  hat  vor  mehre- 
ren Jahren  der  Sturm  gebrochen. 

Die  Arve  ist  hauptsächlich  in  den  mittel- 
europäischen    Gebirgen     einheimisch     und 
bewohnt   von   diesen   vor  allen   Dingen   die 
Alpen,   in   denen   wir   ihr   in   grösseren   Be- 
ständen begegnen,  doch  stets   erst  in  einer 
Hohe  von  1500  m  über  dem  Meeresspiegel, 
von  wo  ab  sie  aber  bis  2500  m  hoch  hinauf- 
steigt  und  so   den   letzten   in  ganzen   Kom- 
plexen auftretenden  Waldbaum  bildet.  Wei- 
ter  treffen   wir    sie    in    den    Karpathen    an, 
in  welchen  ihre  Region  bereits  bei  1300  m 
Seehöhe     beginnt,     wo    sie    aber    nie    in 
grösseren    Mengen   vorhanden   ist.      Auch 
im  Ural  und  im  nördlichen  Sibirien  sowie 
in   den   höheren    Gebieten    der    mittelasia- 
tischen  Gebirge   ist   sie  verbreitet;   nimmt 
sie    im    Himalaya    die    Stellung    unserer 
Krummholzkiefer  ein,   so  bestehen   ander- 
seits ganze  Waldungen  der  nordsibirischen 
Ebenen     eigentümlicher     Weise    nur    aus 
Arven.     Die  Zürbelkiefer  erreicht  gewöhn- 
lich eine   Höhe  von  20  bis  22   m,  besitzt 
dabei  aber  nicht  selten  einen  Stammdurch- 
messer   von     1,5    m.      Der    Wuchs     des 
Baumes    ist    bei    freiem    Standort    in    der 
Jugend    schön    pyramidal,    wird    aber    bei 
zunehmendem  Alter  nach  und  nach  spar- 
rig,    meist    sogar    unregelmässig,    in    Aus- 
nahmefällen   wohl    auch    schirmartig.      In 
gedrängter    Pflanzung    schiesst    die    Arve 
rasch   in    die    Höhe    und    wird    dann    wie 
unsere  Fichten,  wenn  sie  auch  langsamer 
wächst    als    diese,     zu    Stangenholz,     wo- 
durch  sie   ihre   ganze   Schönheit   einbüsst. 
Alte    Bäume  treiben    oft   zahlreiche,    senk- 
recht    aufsteigende     Äste,      wodurch     sie 
wunderbare,  von  jungen  Exemplaren  der- 


Pinus  Cembra. 

Im  Kgl.  Auepark  zu  Cassel  für  die  „Gartemvelt' 

photogr.  aufgenommen. 


selben  Art  ganz  abweichende  Formen  er- 
halten. Diese  Eigentümlichkeit  des  Wachs- 
tums ist  ein  durchaus  sicheres  Zeichen, 
dass  der  Baum  auf  Erden  seine  Schuldig- 
keit gethan  hat,  doch  vergeht  bis  zum  voll- 
ständigen Absterben  desselben,  welches  stets 
mit  der  Spitze  beginnt,  nicht  selten  noch 
lange  Zeit.  Der  über  dem  Erdboden  meist 
beträchtlich  starke  Stamm  der  Arve  verjüngt 
sich  nach  der  Spitze  zu  sehr  stark.  Auch 
die  Rinde  macht  im  Laufe  der  Zeit  eine  Ver- 
wandlung durch;  sie  ist  bei  jungen  Pflanzen 
glatt  und  rötlichgrau,  wird  aber  bald  grau 
und  ist  schliesslich  an  alten  Pflanzen  grau- 
braun und  sehr  rissig.  Die  Aste  stehen 
wagerecht  vom  Stamm  ab,  krümmen  sich 
aber  an  ihrer  Spitze  nach  oben.  Die 
Nadeln,  von  denen  immer  fünf  zusammen 
ein  Bündel  bilden,  sind  stumpf  zugespitzt, 
auf  der  äusseren  Fläche  dunkelgrün,  auf 
der  inneren  etwas  heller,  mattglänzend  und 
etwa  5  bis  8  cm  lang.  Die  männlichen 
Blüten  sind  gelb,  die  weiblichen  violett. 
Der  kurzgestielte  Zapfen  ist  eiförmig,  an 
der  Spitze  stumpf  abgerundet,  anfangs  mit 
bläulichem  Reif  überzogen,  in  der  Vollreife 
hellbraun  und  sehr  harzreich.  Seine  Länge 
beträgt  6 — 8  cm,  sein  Durchmesser  etwa 
5  cm.  Die  hartschaügen  Samen  sind  etwas 
über  1  cm  lang  und  enthalten  einen  öl- 
reichen  ,  nussartigen  Kern,  doch  ist  die 
Keimfähigkeit  bei  uns  geernteter  Samen 
äusserst  gering.  In  den  Heimatsländern 
des  Baumes  kommen  die  Samen  unter  dem 
Namen  ,,Zimbernüsse"  oder  „Piniolen"  auf 
den  Markt  und  werden  gegessen,  bei  uns 
dienen  sie  hauptsächlich  als  Papageifutter. 
Das  Holz  der  Arve  zeichnet  sich  durch  vor- 
zügliche Glätte  aus  und  findet  vorzüglich 
zu  feinen  Schnitzarbeiten  Verwendung,  es 
ist  sehr  gesucht  und  wird  daher  auch  ziem- 
lich gut  bezahlt. 

In  der  Kultur  macht  die  Arve  recht  gc- 
,  ringe  Ansprüche.  Sie  liebt  lehmigen, 
nährstoffreichen,  tiefgründigen  Boden  und 
ausreichende  Feuchtigkeit  sowohl  im 
Boden  als  auch  in  der  Luft;  daher  wird  sie 
an  den  LTfern  von  Wasseranlagen  sowie 
an  nördlichen  Abhängen  am  besten  ge- 
deihen. Ihre  Anzucht  hat  durch  Aus- 
saat zu  erfolgen,  ist  aber  sehr  langwierig 
und  daher  wohl  nur  für  grössere  Baum- 
schulen zweckmässig. 
Kurt  Marquardt,  Obergättner,  Badersleben. 


Dahlien. 


Pinus  Cembra-Zapfen  aus  dem  Schlosspark  zu 

Wörlitz. 

Originalaufnahme  für  die  „GartenweU". 


Vortrag,  gehalten  am  9.  September 
in  der  Dahlienausstellung  in  Erfurt. 

Von  A.  Ortmann, 

Landschafts-  und  Handelsgartner,  Nürnberg. 

VV  ie  es  oft  Menschen  giebt,  welche 
sich,  dank  ihrer  starken  Individuali- 
tät einen  guten  Platz  im  Leben 
ringen,  dauernder  und  sicherer 
manche,    denen    die  Anwartschaft 


er- 

als 

da- 


20 


Die    Gartonwelt. 


VII,   2 


rauf  gewissermassen  schon  in  die  Wiege  gelegt  wurde, 
so  giebt  es  auch  unter  der  andrängenden  Menge  der  Neu- 
heiten verbesserter,  alter  und  der  Vergessenheit  entrissener 
guter  Pflanzen  einzelne  von  so  starker  Ellenbogenkraft, 
dass  sie  schnell  einen  hervorragenden  Platz  einnehmen. 
Hier  im  Glänze  ihrer  Schönheit  werden  sie  Gegenstand 
der  Aufmerksamkeit  weiter  Kreise,  erregen  lebhaftes  neues 
Interesse  für  die  Erzeugnisse  unserer  Kunst,  wecken  un- 
endliche Freuden  in  Millionen  Herzen  und  belohnen 
schliesslich  den  Verständigen  für  seine  Mühen  und  Opfer 
niit  klingendem  Erfolg.  Zu  diesen  Pflanzen  gehört  auch 
die  Dahlie.  Als  sie  in  ihren  für  uns  nun  alten  Formen,  in 
den  ersten  Jahrzehnten  des  vorigen  Jahrhunderts  bei  unse- 
ren Grossvätern  erschien,  wurde  sie  schnell  eine  überall 
mit  Freuden  aufgenommene  Gartenschmuckpflanze  und  fand 
wegen  ihrer  Anspruchslosigkeit  und  Dankbarkeit  bald  die 
weiteste  Verbreitung  und  wegen  ihrer  erstaunlichen  Ver- 
änderungslust zahlreiche  Liebhaber,  die  sich  umfangreii  he 
Sortimente  oft  eigener  Zucht  hielten:  in  den  Gärtnereien 
schätzte  man  sie  als  eine  wertvolle  Bereicherung  der  für 
die  Blumenbinderei  Material  liefernden  Pflanzen.  Die  in 
der  zweiten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts  eintretenden 
gewaltigen  Veränderungen,  die  hohe  Entwickelung  des  poli- 
tischen, wirtschaftlichen,  kommerziellen  und  industriellen 
Lebens  veränderten  alle  Verhältnisse  von  Grund  aus  und 
spornten  auch  die  Gärtner  an,  die  steigende  Kauflust  und 
Kaufkraft  des  Publikums  auszunutzen  und  zu  fördern,  und 
durch  Neueinführung  schöner  Pflanzen  aus  fremden  Län- 
dern und  Verbesserung  der  vorhandenen,  durch  Strenge 
Zuchtwahl  und  Kreuzungen  ihre  Pflanzenbestände  zu  ver- 
grössern   und  zu   verbessern. 

Auch  den  Dahlien  wurde  die  lebhafteste  Aufmerk- 
samkeit zugewendet,  man  zog  sie  in  grosser  Sortenzah 
in  getrennten  Klassen,  und  als  die  angeblich  aus  Mexiko 
stammende  Form  Juarczi  auftauchte,  wurde  auch  diese 
sofort  zu  Kreuzungen  benutzt.  Nach  vieljährigen  Mühen, 
trotz  aller  Misserfolgc  mit  Beharrlichkeit  fortgesetzter  Ar- 
beit blicken  wir  endlich  heute  auf  glänzende  Erfolge, 
denn  die  hier  in  allen  Farben  prangenden  herrlich  ge- 
formten, schönen  Edeldahlien  sind  die  Resultate  all  dieses 
langjährigen  Strebens.  Was  aber  die  Georgine  einst  so 
leicht  wurde,  eine  überall  gern  angepflanzte  Garten- 
schmuck- und  Zierpflanze,  das  wird  sie  heute  gar  schwer, 
denn  die  Gärten  unsrer  Grossväter  mit  ihren  vielen  Beeten 
und  Rabatten,  welche  vornehmlich  mit  ausdauernden  Ge- 
wächsen bepflanzt  waren  und  der  Georgine  überall  Platz 
gewährten,  sind  verschwunden,  sie  sind  verbaut.  Die  heu- 
tigen Privat-  und  Villengärten  aber  tragen  einen  durch- 
aus veränderten  Charakter,  es  sind  vielfach  sehr  schön 
angelegte,  schöne  Naturbilder  darstellende  Rasen-  und 
Gebüschgärten  mit  regelmässigen  Blumenbeeten.  Da  aber 
die  Dahlie  sich  nicht  in  die  Blumenbeete  zwängen  lässt  und 
ihre  spröde  Eigenart  den  Händen  der  Gartenpfleger  nicht 
gleich  geläufig  ist,  gewinnt  sie  hier  nur  langsam  Boden. 
Sie  bürgert  sich  aber  doch  ein,  wenn  auch  nur  langsam. 
Schon  sah  ich  sie  im  Villengarten  an  einem  kleinen 
Weiher    unweit    silberglänzender   Trauerweiden    in    einem 


alten  Park  mit  hochgewölbten  Baumkronen  auf  sonnigem 
Rasenfleck  in  lockerer  grösserer  Gruppe  in  der  Nähe  eines 
Gartenhauses.  Ich  sah  sie  als  leichte  Vorpflanzung  vor 
dunklen  Koniferen,  als  Ausläufer  einer  Deckpflanzung  einer 
Hausmauer  in  Verbindung  mit  Canna,  Montbretien  und 
niedrigen  buntblätterigen  Abutilon  im  Rasen ;  ich  sah  sie 
ferner  in  einer  Terrassenrabatte  einer  herrschaftlichen  Villa 
vor  einer  Balustrade  in  strenger  Reihe  mit  niedriger 
Fuchsienrandpflanzung,  überall  hatte  hier  des  Gärtners 
Blick  und  Gefühl  für  stolze  Schönheit,  Ergänzungen  und 
Kontraste  das   Richtige  gefunden. 

Auch  die  Leiter  der  grossen  öffentlichen  Anlagen 
scheinen  ihr  noch  wenig  Vertrauen  zu  schenken,  man 
fürchtete  wohl,  dass  sie  auf  die  grosse  Menge  der  ober- 
flächlichen Beschauer,  welche  die  starken  Reize  der  leuch- 
tenden  Geranium-,  Begonien-  und  buntfarbigen  Kräuter- 
beete gewöhnt  sind,  nicht  genügend  wirke.  Sobald  man 
sie  aber  hier  nur  ihrer  Eigenart  entsprechend  als  Einzel- 
oder kleine  Trup'ppflanze,  welche  entweder  dominieren  oder 
durch  Kontraste  wirken  will,  verwendet  wird,  ihr  auch  hier 
Aufmerksamkeit    und   lebhaftes    Interesse   geschenkt 

In  die  Schnittblumenkulturen  aber,  diesem  jünsten 
Zweig  unseres  Berufes,  welcher  sich  mächtig  entwickelte, 
nachdem  die  Blumenbinderei  sich  vom  Hauptbetrieb  ab- 
gelöst hatte,  in  die  vornehmsten  Geschäftsstrassen  der 
Städte  gezogen  war  und  durch  ihre  steigernden  Bedürf- 
nisse die  intensivere  Produktion  abgeschnittenen  Blumen- 
und  Bindematerials  erforderlich  machte,  zo.n"  die  Dahlie 
leii  ht  und  siegrjeich  ein.  Hier  erkannte  man  sofort  ihren 
Wert  und  pflanzte  sie  in  Mengen  an.  Obgleich  sie  nun  der 
allem  Blumenmaterial  gestellten  ersten  Bedingung  der 
Langstieligkeit  nicht  entspricht,  nehmen  die  Bindekünstler, 
welche  sich  aus  der  anfänglichen,  bequemen  und  vielleicht 
auch  naheliegenden  Pflasterei  bald  zu  formenschöner  Ver- 
arbeitung hindurchfanden,  sie  gern  als  ein  'Material,  welches 
das  an  den  üblichen  Sommerschnittblumen  satte  Auge 
neu  anregt,  und  welches  als  Tafelschmuck,  im  Phantasie- 
und  Ausstellungsstück,  kurz  in  jeder  Verarbeitung  be- 
strickend wirkt.   — 

Es  gab  einmal  eine  Zeit,  wo  deutsche  Erzeugnisse  auf 
dem  Weltmarkt  mit  der  Bezeichnung  „billig  und  schlecht',' 
charakterisiert  wurden,  und  es  gab  Leute,  die  da  glaubten, 
diese  Produkte  durch  das  für  jedes  einzelne  Stück  vor- 
geschriebene Kennwort  „Made  in  Germany"  völlig  aus- 
schliesscn  zu  können.  Aber  dieses  Wort  ist  zum  Losungs- 
wort eines  unerhörten  Triumphzuges  deutscher  Waren 
durch    alle    Länder    fremder    Zungen    geworden. 

Einer  ebenso  grossen  Geringschätzung  erfreute  sich 
die  deutsche  Gärtnerei,  und  deutsche  Neuheiten  oder 
deutsche  Einführungen  waren  auf  dem  gärtnerischen  Welt- 
markt ein  Ding  der  blanken  Unmöglichkeit.  Erst  wenn 
englische  oder  belgische  Gärtner  sich  der  Sache  annahmen, 
sie  dreist  umtauften  und  ohne  Angabe  des  Ursprungs 
in  den  Handel  brachten,  machten  jene  Herren  ein  Ge- 
schäft damit.  Es  soll  aber  auch  nicht  verschwiegen  werden, 
dass    es    bei    uns    selbst    sehr    viele    Leute    gab,    welchen 


VII. 


Die    Garten  weit. 


21 


Neuheiten  nur  anschaffungs- 
würdig  erschienen ,  wenn  sie 
aus  dem  Auslande  kamen. 

Doch  rastlose  Arbeit, 
wachsender  Scharfblick  und 
geschäftliches  Geschick  haben 
auch  hier  gründlich  Wandel 
geschaffen. 

In  den  verschiedensten 
Spezialzweigen  sind  die  deut- 
schen Züchter  mit  ihren  Er- 
zeugnissen in  erfolgreichen 
Wettbewerb  mit  dem  Ausland 
getreten;  sie  haben  für  ihre 
Züchtungen  einen  festen  Platz 
in  den  Kulturen  aller  Welt 
errungen,  und,  was  nicht  die 
leichteste  Aufgabe  war,  sie 
haben  den  einheimischen 
Markt  erobert.  Von  hier  ferner- 
liegenden Zweigen  der  Gärt- 
nerei ganz  abgesehen,  wie  z.B. 
vom  deutschen  Samenbau, 
dem  bahnbrechenden  Pionier 
und  Pfadfinder ,  der  dem 
deutschen  Gärtner  die  Wege 
rund  um  den  Erdball  ebnete, 
erinnere  ich  nur  an  die 
Züchtungen  in  Azaleen,  Rosen, 
Pelargonien,  Canna,  Nelken 

etc.  Auf  die  gleichen  Erfolge  blicken  auch  die  deutschen 
Dahlienzüchter.  Sie  haben  uns  eine  Anzahl  der  schönsten 
Schnitt-  und  Dekorationssorten  in  vollkommener  Schön- 
heit und  Eigenart  herausgebracht,  welche  den  auslän- 
dischen Züchtungen  ebenbürtig  zur  Seite  stehen  und  in 
aller  Welt  zu  finden  sind.  Darum  bedeutet  uns  die  Edel- 
dahlie  ein  neuer  Beweis  deutschen  gärtnerischen  Könnens, 
eine  Stärkung  des  Vertrauens  auf  unsere  eigene  Kraft  und 
eine  Verheissung,  dass  unsere  Wege  aufwärts  führen,  Zielen 
entgegen,    die    uns    niemand   entreissen    kann!    — 


Dahlia  „Helvetia"  und  „Soleurois'1 
Originalaufnahme  für  die  „Gartenvvelt" 


brechen  Blumen  hervor,  welche 
ganz  rot  sind  und  die  Spiral- 
form d  t  Blumenblätter  ver- 
loren haben.  Glückliche 
kommt  das  aber  selten  und 
nicht  bei  allen  Pflanzen  vor  und 
dann  sind  diese  roten  Blumen 
aber  gleichwohl  sehr  interes- 
sant, weil  sie  sehr  gross  und 
von    prachtvoller    Farbe    sind. 

Die  nebenstehende  Abbil- 
dung zeigt  uns  im  Umkreise 
l  i   ..//■  Ivt  tia  '  :  die  zwei  im 

Kr,  ise    stehenden    obern    Blu- 
men sowie  die  links  ganz  obere 
stellen   Dakliä   .  S      u  ois"  dar, 
einen   Sämling  von   „Helvi 
Diese     Blumen     haben     gleich 
hübsche  Fcrm  und  unterschei- 
den   sich    von    „'Helvetia"    nur 
dadurch,     dass     das    Rot    viel 
dunkler  is:  und  um  die  Schei- 
be herum  ein  wenig  ins  weisse 
überfüesst,    was    man    auf    der 
Abbildung         deutlich        sieht. 
Im     übrigen     hat     die    „Sol 
rois"    alle     die     guten     Eigen- 
schaften von  Dahlia  „Helvetia" 
und  ist  ganz  konstant. 
Emil  Wyss, 
Solothurn  (Schweiz). 

Anm.  d.  Red.  Die  Firma 
F.  C.  Heinemann,  Erfurt,  hat 
zahlreiche,  vorstehend  beschrie- 
benen Sorten  sehr  ähnliche  schon 
vor    vielen    Jahren    gezüchtet. 


Ziele 


und 


Landschaftsgärtnerei. 
Fortschritte  der  heutigen  Gartenkunst. 


I  Dahlia  „Helvetia''.  „Dahlia  Helvetia"  i<t  gewiss  eine  der 
schönsten,  wenn  nicht  die  schönste  der  einfachblühenden  Dahlien. 
Sie  ist  hier  in  der  Schweiz  eine  ältere  Sorte,  ich  zweifle  aber, 
dass  sie  in  Deutschland  bekannt  und  verbreitet  ist.  Auf  der 
Erfurter  Gartenbau-Ausstellung  sah  man  keine  ähnliche  Sorte, 
auch    nicht    in    der    Halle    der    Dahlien-Gesellschaft. 

Die  Form  der  ganz  offenen  Blumen  ist  besonders  reizend, 
da  dann  die  Blumenblätter  elegant  gedreht  sind.  Was  aber 
den  eigentlichen  Wert  der  Blumen  ausmacht,  sind  die  pracht- 
volle Farben  der  Blumenblätter,  rt inweiss  mit  feurigrotem  Saum. 
Die  beiden  Farben  sind  deutlich  voneinander  getrennt.  Zu 
Bindereizwecken  ist  Dahlia  „Helvetia"  eine  Blume  ersten  Ranges, 
da  dieselbe  von  langen  dünnen  Stengeln  getragen  wird  und 
sich  in  Sträussen  überaus  gut  macht. 

In  Gartenanlagen  zeichnet  sie  sieh  durch  ihr  frühes  und 
sehr  reichliches  Blühen  aus.  Die  Blumen  sind  von  weitem 
sichtbar,  da  sie  hoch  über  das  Laubwerk  herausragen.  Bei 
all  diesen  guten  Eigenschaften  hat  sie  aber  doch  eine  kleine 
Untugend.       Manchmal     und     besonders     gegen     Ende     Herbst 


Eine  kritische  Beleuchtung  des  Yo  rtrages 
gehalten  von  Gartenarchitekt  Pietzner  in 
der  Jahresversammlung  des  Vereines  Deut- 
scher Gartenkünstler  in  Breslau, 
a  m  25.  August  1902. 
Von  den  Vorträgen,  welche  während  der  Jahresversammlung 
Deutscher  Gartenkünstler  in  Breslau  gehalten  wurden,  war  der 
unter  obigem  Titel  bezeichnete  Vortrag  des  Herrn  Pietzner- 
Breslau  insofern  'der  interessanteste,  als  derselbe  erst  e  n  s 
in  seinem  Inhalte  die  merkwürdigsten  Widersprüche  enthielt, 
zweitens  weil  derselbe  —  milde  ausgedrückt  —  die  ungerecht- 
fertigsten  Äusserungen  gegenüber  allen  königlichen  Gärtnerlehr- 
an*talten  — ■  Wildpark  natürlich  ausgenommen  —  öffentlich 
aussprach  und  drittens,  weil  der  Vortrag  so  recht  die  Ein- 
bildung und  den  Dünkel,  wie  auch  besonders  die  Unkenntnis 
so  mancher  junger  ehemaliger  Wildparker  klarlegte,  welche 
sich  erhaben  dünken  über  alles,  was  nicht  dort  Schule  gemacht 
hat.  Vorausgeschickt  darf  werden,  dass  der  Vortragende  selbst 
wünschte,  dass  jegliche  Diskussion  über  seine  Worte  unterblieb, 
und  der  Vorstand  der  Jahresversammlung  wurde  dadurch  der  Un- 
annehmlichkeit enthoben,  eine  erregte  Debatte  über  diesen  Punkt 
zu .  leiten.  Dass  sich  alle  besonnenen  anwesenden 
Gartenkünstler  mit  dem  Vortrage  nicht  solidarisch 
erklärten,  zeigten  die  auf  dem  sich  der  Versammlung  anschliessen- 
den Ausfluge  privatim  geübten  Kritiken  über  den  Vortrag  des 
Herrn  Pietzner,  und  gewiss  wird  in  nächster  Zeit  in  dieser  oder 
jener   Zeitschrift,    in   dieser   oder   jener   Versammlung   einer   der 


22 


Die  Gartenwelt. 


VII,  2 


in  Breslau  gewesenen  Gartenkünstler  das  Wort  ergreifen,  um 
die  Richtigstellung  der  Thatsachen  anzubahnen  oder  die  Zurück- 
weisung unrichtiger  Behauptungen  öffentlich  zu  veranlassen.  — 
Der  Vergleich  der  Gartenkunst  mit  den  übrigen  freien 
Künsten  ist  ein  beliebtes,  allbekanntes  Thema,  das  natürlich 
auch  Herr  Pietzner,  der  sich  als  vollendeter  Künstler  fühlt, 
berührte.  Dass  die  freien  Künste  aber  jeden  Befähigten, 
jedes  Genie,  einerlei  ob  es  Schule  besucht  hat,  das 
Einjährigen-  Zeugnis  aufweisst,  oder  die  Kunstakademie  ab- 
solviert hat,  anerkennt  und  zu  den  Seinen  zählt,  ist  durch  un- 
endlich viele  Beispiele  bewiesen.  Herr  Pietzner,  freier  Gartenkunst 
Beflissener,  jedoch  giebt  nur  dem  gewesenen  Wildparker  das 
Gartenkünstlerdiplom,  widerspricht  sich  zunächst  also  in  diesem 
Punkte.  Die  freie  Kunst  gestattet  jedem  die  Beschäftigung 
mit  derselben,  sie  zieht  keine  Grenzen  für  ihre  Ausübung,  benennt 
höchstens  minderwertige  Kunstprodukte  ,, Dilettantenarbeit",  freut 
sich  aber  auch  derselben,  weil  diese  ja  ein  Zeichen  freundlicher 
Anteilnahme  an  der  Kunst  im  allgemeinen  sind,  in  denen  sich  das 
Bestreben   äussert,    den    Meisterwerken   nachzuahmen,    ohne    sie 

'freilich  zu  erreichen.  Herr  Pietzner  jedoch  missgönnt  diese 
Thätigkeit  auf  seinem  Kunstgebiete  jedem,  der  bereits  als  Be- 
amter sein  Brot  verdient,  bringt  vor  die  Ohren  der  Versammel- 
ten höchst  unliebsame,  da  keine  Namennennung  stattfindet, 
höchst  unzweckmässige  und  uninteressante  Anklagen.  Er 
stellt  sich  dadurch  unbewusst  nicht  auf  den  Standpunkt  des 
Künstlers,  sondern  des  Handwerkers,  der  nach  Broterwerb  geht 
und  missgünstig  auf  den  andern  sieht,  welcher  nebenbei  auch 
noch  in  seiner  Branche  thätig  ist.  In  dieser  Beziehung  hat 
Herr  Pietzner  absolut  kein  künstlerisches  Empfinden,  und  seine 
weiteren  Ausführungen  über  die  hohe  erzieherische  Bedeutung 
der  Gartenkunst  werden  dadurch  zur  Farce,  zur  Lächerlichkeit.  — 
Betrachten  wir  doch  einmal,  was  eigentlich  freie  Kunst 
bedeutet.  Der  freie  Künstler,  wenn  er  ein  Genie  ist, 
schafft  ein  Kunstwerk,  sagen  wir  ein  Gemälde,  eine  Statue,  ein 
Musikwerk  oder  eine  Dichtung,  ohne  Abhängigkeit  von  einer 
zweiten  Person.  Er  schafft  nach  seinem  eigenen  künst- 
lerischen Empfinden,  ohne  sich  oft  an  die  strikten  Regeln  der 
Technik  zu  halten,  ohne  dass  er,  so  lange  er  daran  arbeitet,  an 
den  Broterwerb  denkt.  Sein  fertiges  Werk  übergiebt  er  dann 
der  Öffentlichkeit,  bietet  es  Kunstkennern  und  -liebhabern  an 
—  und  sofern  es  dem  allgemeinen  Geschmack  entspricht,  oder 
je  nachdem  der  Künstler  durch  vorhergehende  Werke  einen 
Namen  besitzt,  findet  sich  früher  oder  später  oder  auch  garnicht 
ein  Käufer,  der  den  Preis  für  das  Kunstwerk  bezahlt.  — 

Wie  steht  es  mit  der  freien  Gartenkunst?  Ja,  da  ist  es  ein 
ganz  anderes  Ding.  Da  wartet  der  Gartenkünstler,  -architekt, 
-ingenieur,  oder  wie  er  sich  nennt,  bis  ein  „Mäcen"  kommt, 
der  ihm  den  Auftrag  giebt,  ein  gartenkünstlerisches  Werk  zu 
schaffen,  oder  er  bewirbt  sich  um  einen  solchen.  Dabei  giebt  der 
Auftraggeber  dem  Fachmann  eine  Menge  Punkte  eigener  An- 
schauungen, eigene  Gedanken,  eigene  Wünsche,  welche  der 
Gartenkünstler  in  den  meisten  Fällen  berücksichtigen  muss, 
genau  so  wie  der  bildende  Künstler,  bei  dem  ein  Monument 
o.  dergl.  bestellt  wird,  den  Wünschen  des  Auftraggebers  gerecht 
werden  muss,  will  er  des  Auftrages  nicht  verlustig  gehen.  Der 
ausführende  Gartenkünstler  berechnet  vor  der  Ausführung  »des 
Objektes  die  Kosten,  feilscht  oft  wie  ein  Handelsmann  um  die 
Groschen  und  darf  in  vielen  Fällen  sein  künstlerisches  Em- 
pfinden gar  nicht  zum  Ausdruck  bringen,  weil  eben  sein  Auftrag- 
geber die  Anlage   s  o   und   s  o   und   nach  seinem   Geschmack 

1 ausgeführt  haben  will  und  den  Beauftragten  ja  dafür  bezahlt  I  — 
Wo  bleibt  da  die  freie  Kunst,  die  Kunst  überhaupt  ?  Solche 
lässt  sich  dann  nur  auch  auf  die  Gartenkunst  anwenden,  wenn, 
was  in  seltenen  Fällen  geschieht,  der  Gartenkünstler  ganz  freie 
Hand  hat,  oder  aber,  was  noch  seltener  geschieht,  wenn  er 
den  Grund  und  Boden  für  sein  Kunstwerk  selbst  erwirbt, 
dasselbe  nach  seinem  künstlerischen  Empfinden 
ausarbeitet  und  dann  erst  zum  Verkauf  anbietet.  Nur 
in  diesem  letzteren  Falle  ist  die  Ausübung  der  Gartenkunst 
den    übrigen    freien    Künsten    ebenbürtig;     in    jedem    anderen 


Falle  schafft,  wie  oben  dargelegt,  der  Gartenkünster  nicht 
gänzlich  unabhängig  und  frei  nach  seinem  künstlerischen 
Ermessen  und  Empfinden.  Herrn  Pietzner,  der  sich  hocherhaben 
und  so  sehr  als  Künstler  fühlt,  möchten  wir  diese  letztere 
freie  Ausübung  seiner  Kunst  anempfehlen,  damit  er  be- 
weisen kann,  dass  sein  Genie,  sein  Geschmack,  sein 
Empfinden  derart  ist.  dass  er  jederzeit  zahlungsfähige  Lieb- 
haber für  seine  fertigen  Kunstobjekte  findet.  Nach  solchen 
Beweisen  wollen  wir  ihm  gern  seine  Verachtung  nachsehen,  mit 
welcher  er  neulich  die  übrigen  aus  anderen  Gärtnerlehranstalten 
hervorgegangenen  Gartenkünstler  beehrte.  —  Wenn  wir  aber 
auf  dieses  Thema  näher  eingehen,  so  geschieht  es,  einmal, 
um  den  Beteiligten  an  der  Versammlung  in  Breslau  über  den 
Wert  der  Pietznerschen  Darbietungen  die  Augen  zu  öffnen  und 
dem  Herrn  Pietzner  selbst  einiges  zu  erzählen,  was  er  jeden- 
falls nicht  wusste,  als  er  die  Proskauer  Lehranstalt  und 
deren   Lehrkräfte   verunglimpfte. 

Zunächst  sei  erwähnt,  dass  Herr  Pietzner  die  Proskauer 
Gärtnerlehranstalt  gar  nicht  kennt,  also  auch  keine  Ahnung 
hat,  in  weh  her  Weise  dort  der  Lehrkörper  unterrichtet  und 
was  daselbst  auch  in  Bezug  auf  die  Gartenkunst 
geleistet  wird.  Selbst  als  gelegentlich  in  Breslau  die  freund- 
liche Einladung  an  die  Versammelten  ging,  sich  an  einer  Ex- 
kursion nach  Proskau  zu  beteiligen,  um  die  Gartenbauschule 
in  Augenschein  zu  nehmen,  war  weder  Herr  Pietzner,  noch 
irgend  ein  anderer  Herr,  Wildparker  Schulung,  mit  bei  der 
Partie. 

Es  sei  daher  am  dieser  Stelle  klar  und  deutlich  ausgesprochen, 
dass,  als  die  königlichen  Gärtnerlehranstalten  reorganisiert  wer- 
den sollten,  die  Gartenbauschule  in  Proskau  nicht 
nur  nicht  reorganisiert  wurde,  sondern  die 
Gartenbauschulen  in.  Wildpark  und  Geisen- 
heim  nach  dem  Programm  und  nach  dem  Muster 
der  Proskauer  Schule  neugestaltet  wurden.  Der 
damalige  Kurator  der  Anstalten  äusserte  sich  dahin,  dass 
die  Proskauer  Schule  in  allen  ihren  Einrich- 
tungen den  neuen  Anforderungen  entspräche 
und  daher  keiner  Reorganisation  bedürfe,  wohin- 
gegen die  beiden  anderen  Schulen  nicht  auf  der  Höhe  der 
Anforderungen  ständen.  An  ihnen  wurde  dann  unter  Zugrunde- 
legung der  Proskauer  Einrichtungen  die  Neugestaltung  vor- 
genommen !  —  Dieser  meiner  obigen  Behauptung  liegen  d  i  e 
vor  Zeugen  ausgesprochenen  Worte  eines  mit 
dieser  Sache  wohlvertrauten  hervorragenden 
Fachmannes  zu  Grunde!  — 
Was  sagt  Herr  Pietzner  dazu  ? 

Wie  bereits  oben  betont,  waren  eine  grosse  Anzahl  Garten- 
künstler und  Anstaltskameraden  des  Herrn  Pietzner  mit  seinen 
Worten  nicht  einverstanden  und  alle  besonnenen  Fachgenossen 
werden  den  Standpunkt  jenes  Herrn  nicht  anerkennen  — 
und  seinem  Werte  nach  bemessen.  Dagegen  dürften  solche 
W'urte,  wie  sie  Herr  Pietzner  öffentlich  aussprach,  zu  falsi  den 
Deutungen  beim  Publikum  und  bei  jüngeren  Gärtnern,  nament- 
lich bei  denen  der  Wildparker  Lehranstalt,  Anlass  geben.  So 
kamen  selbstverständlich  Auszüge  des  Pietznerschen  Vortrages 
in  die  Tagesblätter  und  erregten  Befremdung  bei  den  Unbe- 
fangenen, dagegen  berechtigte  Entrüstung  bei  allen,  die  einen 
Einblick  und  eine  Kenntnis  von  den  Erfolgen  der  Proskauer 
Gärtnerlehranstalt  haben.  Auch  in  die  Fachkreise  wird  der 
Extrakt  des  Vortrages  gelangen  und  verschiedentlich  ausgelegt 
werden.  Mögen  die  Wildparker  stolz  auf  ihre  Anstalt  sein,  die 
Proskauer,  die  Gcisenheimer,  die  Dresdner,  die  Köstritzer  etc. 
sind  es  ebenso  und  weisen  unberechtigte  Verunglimpfungen 
und  unrichtige  Auslassungen  über  die  betreffenden  Anstalten 
und    ihn-    Lehrkräfte   auf   das    Entschiedenste    zurück.    — 

C.  Rimann,     Obergärtner,    Wien. 

Nachschrift.  Herr  Hans  Pietzner,  Gartenarchitekt  in  Bres- 
lau, mit  dessen  Vortrag  sich  die  vorstehende  Abhandlung  be- 
schäftigt, wünscht  in  dem  Bericht  des  Garteningenieurs  Fritz 
Hanisch,   Kattowitz,  in  No.   51,  berichtigt  zu  haben,  dass  nicht 


VII, 


Die  Garten  weit. 


23 


der  Vorstand  jede  Diskussion  über  seinen  Vortrag  abgelehnt 
habe,  sondern,  dass  er  vielmehr  selbst  eine  solche  verhinderte, 
weil  mit  Rücksicht  auf  die  anwesenden  Gäste,  Konflikte  ernster 
Vuur,  die  unvermeidlich  gewesen  wären,  vermieden  werden 
sollten.  Zuvorkommend  wie  wir  sind,  geben  wir  dieser  höchst 
nebensächlichen  Berichtigung  Raum.  Vielleicht  hat  Herr 
Pietzner  noch  die  Liebenswürdigkeit  uns  darüber  aufzuklären, 
wie  es  kam,  dass  der  Breslauer  General-Anzeiger  seinen  „mit 
vielem  Beifall  "aufgenommenen"  Vortrag  schon  veröffentlichen 
kennte,  noch  bevor  dieser  so  „beifällig"  aufgenommene  Vor- 
trag überhaupt  gehalten  war.  Diese  Aufklärung  scheint  uns 
von  Wichtigkeit  zu  sein,  da  es.  eine  nicht  vornehme  Reklame 
giebt,  gegen  weit  he   man   Front  machen   muss. 

Die  Redaktion  der  Gartenwelt. 


Ausstellungsberichte. 


Die  Provinzial-Gartenbau-Aiiststellimg  in  Hannover 
vom  2(3.— 28.  September. 

Vom  Herausgeber. 

Das  gegenwärtige  Jahr  ist  arm  an  Gartenbau- Ausstellungen;  der 
Ausstellungsflut  der  vorangegangenen  Jahre  ist  eine  wohlthätige  Ebbe 
gefolgt.  Die  sogenannten  internationalen  und  grossen  allgemeinen 
Gartenbau-Ausstellungen  fehlten  in  diesem  Jahre  vollständig.  An  ihre 
Stelle  traten  die  eher  angebrachten  Provinzial-  und  Lokal-Ausstellungen. 
Die  Stellung,  welche  die  Erfurter  Ausstellung  unter  den  lokalen  Ver- 
anstaltungen eingenommen  hat,  gebührt  wohl  der  Hannoverschen  unter 
den  l'rovinzial-Ausstellungen. 

Die  Ausstellung  in  Hannover  war  als  provinzielle  Veranstaltung 
eine  in  allen  Teilen  wohlgelungene.  „Bella  Vista",  ein  städtisches 
Grundstück  mit  diversen  geeigneten  Baulichkeilen,  hatte  sich  mit  seinen 
Anlagen  fast  über  Nacht  in  ein  prächtiges  Blumenparadies  verwandelt, 
welches  eigenartig  abstach  von  der  Herbsstimmung  seiner  UmgebuDg. 
Hier  walteten  Garlendirektor  Trip,  der  Vorsitzende  des  Ausstellungs- 
komitees und  Stadtobergärtner  Zeininger,  sein  Geschäftsführer,  mit  be- 
wunderungswerter Ruhe  und  Zuvorkommenheit  ihres  Amtes.  Über  das 
liebenswürdige  Entgegenkommen  beider  Herien  herrschte  unter  den 
uaswärtigen  Fachgenossen  nur  eine  Stimme  der  Anerkennung. 

Die  Ausstellung  war  eine  vorwiegend  haDdelsgärtnensche,  die  in 
der  Hauptsache  Handelspflanzen  und  zwar  in  fast  durchweg  muster- 
hafter Kultur  bot.  Den  Mittel-  und  Glanzpunkt  bildete  eine  grosse 
Rotunde  als  Haupthalle.  Sie  zeigte  im  Inneren  eine  äusserst  ge- 
schmackvolle Dekoration  und  stattliche  Kulturen  von  Palmen,  Farnen 
und  anderen  Topfgewächsen,  sowie  die  recht  reichhaltig  vertretenen  Bin- 
dereien. Hier  konnte  man  eine  der  Glanzleistungen  der  Ausstellung, 
das  grosse  Farnsortiment  von  Handelsgärtner  E.  Binnewies  in  Ahl- 
feld a.  L.  bewundern.  Es  umfasste  gegen  vierzig  für  Topfkultut  und 
Schnitt  geeigneter  Sorten,  jede  Sorte  in  musterhafter  Kultur.  Eine  ganz 
vorzügliche  Kulturleistung  stellten  auch  die  grossen  und  sortenreichen 
Begonia  .Rea'-Giuppen  von  Hdg.  Wasen  &  Lobermeier,  Ahlemer  Turm 
bei  Hannover  und  Fritz  Heine,  Hannover-List,  dar.  Von  gegenwärtig 
leider  nur  selten  kultivierten  schönen  Warmhauspflanzeu  fielen  auf: 
Begonia  mettalica  und  iceltoniensis,  Maranta  zebrina,  Aletris  Lin- 
detlii  und  Gardenien. 

Die  Bindeieien  waren,  wie  bereits  erwähnt,  in  der  Rotunde  durch 
Hannoversche  Firmen  würdig  vertreten.  Der  Bindekünstler  fand  hier 
manch  schönes  Vorbild.  Uns  persönlich  gefiel  besonders  die  Verwen- 
dung tadellos  belaubter  Fruchtranken  von  Brombeeren  zur  Tafelaus- 
schmückung, wenn  auch  bei  dieser  Verwendungsart  eine  gelegentliche 
Beschmutzimg  der  Tischdecke  durch  reife  Früchte  nicht  ganz  zu  ver- 
meiden ist. 

An  einer  äusseren  Galerie  der  Rotunde  hatten  kleinere  Obstsor- 
timente Aufstellung'  gefunden,  deren  Früchte  teilweise  eine  nur  massige, 
auf  die  Ungunst  des  Jahres  zurückzuführende  Entwicklung  hatten.  So 
zeigten  allenthalben  die  Früchte  des  Apfels  „Kaiser  Alexander"  noch 
nicht  die  Grösse  eines  mittleren  „Gravensteiners". 


In  einer  langgestreckten  Halle  waren  in  übersichtlicher  Weise  die 
überaus  reichhaltigen  Cyclamenkulturen  vereint.  In  dieser  Kultur  wird 
in  Hannover  ganz  Hervorragendes  geleistet.  Von  vereinzelten  Aus- 
nahmen abgesehen,  wurden  nur  Cijdamen  mit  formvollendeten  grosseil 
Blüten  und  frischen  reinen  Farben  in  wirklich  tadelloser  Kultur  vor- 
geführt. 

Sehr  reichhaltig  war  ferner  die  Abteilung  der  abgeschnittenen 
Blumen.  Rosensortimente  sahen  wir  nur  in  massiger  Grösse,  die  Blu- 
men aber  in  Rücksicht  auf  die  Jahreszeit  durchaus  tadellos.  Das  reich- 
haltigste Staudensortiment  hatte  H.  Junge,  Hameln,  vorgeführt,  dann 
folgten  Nonne  &  Hoepker,  Ahrensburg.  Ausschliesslich  Dahlien  führte 
Georg  Bornemann,  Blankenburg  a.  H.,  vor,  und  zwar  neben  seinen 
eigenen  Züchtungen  auch  die  besten  neuen  englischen.  Mit  langstielig 
geschnittenen  Dahlien  war  die  Firma  Chr.  Küster  &  Söhne,  Döhren, 
vertreten,  mit  sehr  langstielig  geschnittenen  amerikanischen  Buschastern, 
welche  sich  vorzüglich  zu  modernen  Bindereien  eignen,  Wilhelm  Meyer, 
Hannover-Kirchrode.  Ein  schönes  Fiofa-Sortiment  führte  Chr.  Bruns,  Elze, 
vor,  darunter  befand  sich  auch  bereits  die  Sorte  „Kaiser  Wilhelm  LL" 
in  wohlentwickelten  Blüten.  Tadellos  wie  immer  waren  die  Viola  tricolor 
von  H.  Wrede,  Lüneburg. 

Die  Anlagen  von  „Bella  Vista",  die  bis  vor  kurzem  wüst  und 
verunkrautet  dalagen,  hatte  Gartendirektor  Trip  in  wirklich  geschmack- 
voller Weise  umgestaltet,  wobei  ihm  Hannoversche  Samenfirmen  durch 
Gratislieferung  der  Grassaat  in  dankenswerter  Weise  entgegenkamen. 
Auf  den  frischen  Rasenflächen  prangten  zahllose  Gruppen  meist  gut 
kultivierter  Handelspflanzen.  Wie  unter  den  Warmhauspflanzen  Orchi- 
deen fast  völlig  fehlten ,  so  waren  unter  den  gewöhnlichen  Handels- 
pflanzen  Bouvardien,  Erica,  Azaleen  und  Camellien  nur  ganz  ver- 
einzelt vertreten.  Sonst  war  aber  alles,  was  der  Herbst  an  guten  Han- 
delspflanzen bietet,  in  reichhaltiger  Weise  vorhanden.  Ganz  besondere 
Erwähnung  verdienen  die  vorzüglichen  Kulturpflanzen  der  Primula 
obeonica  von  H.  W.  Bartels,  Sarstedt,  und  Wilhelm  Meyer,  Hannover, 
die  Topfdahlien,  besonders  erwähnenswerte  Sorten:  „Progenitor'  und 
„Countess  of  Losdale",  von  Chr.  Küster  &  Söhne,  sowie  die  hoch- 
stämmigen Fuchsien  der  Tuteschen  Gärtnerei  (Obergärtner  O.  Brandt), 
Hannover.  Prächtig  wirkte  auch  ein  aus  Dahlienblüten  zusammengestelltes 
Teppichbeet  von  Küster  &  Söhne  durch  die  Leuchtkraft  und  Harmonie 
seiner  Farben.  H.  Junge,  Hameln,  hatte  auch  im  Freien  zwischen  den 
Gruppen  blühender  Topfpflanzen  eine  reiche  Kollektion  herbstblühender 
Stauden  in  geschmackvoller  Weise  angepflanzt. 

Die  Etikettierung  der  Sortimentspflanzen  war  sehr  mangelhaft. 

Für  die  Vorführung  der  Erzeugnisse  des  Gemüsebaues  waren  zwei 
hallenartige  Bauten  hergerichtet  worden.  Leider  war  der  Gemüsebau 
nur  massig  vertreten,  um  so  grossartiger  dagegen  der  Baumschulenbetrieb. 
Musterhaft  waren  die  von  ersten  Firmen  vorgeführten  Koniferen  und 
die  Kollektionen  hochstämmiger  und  Formobstbäume  gehörten  zu  den 
Glanzleistungen  der  ganzen  Ausstellung.  Der  beschränkte  Raum  ver- 
bietet  es  hier  auf  Einzelheiten  einzugehen. 

Auch  der  Liebhaberei  hatte  man  mit  Recht  ein  Plätzchen  einge- 
räumt. Die  beiden  hannoverschen  Vereine  für  Aquarien-  und  Ter- 
rariensport hatten  in  uneigennützigster  Weise  eine  sehenswerte  Kollek- 
tion von  Aquarien  und  Terrarien  zusammengebracht,  welch  erstens 
vielfach  durch  die  wirklich  tadellose  Kultur  der  Wasserflora  auch 
das  Interesse  der  Berufsgärtner  erregten.  Abgesehen  von  dieser 
Separatschau  waren  auch  von  Liebhabern  kultivierte  Zimmerpllanzeu 
zugelassen  worden.  Da  bekam  man  Palmen  und  andere  Pflanzen  zu 
sehen,  die  bereits  seit  io — 15  Jahren  im  Zimmer  gepflegt  wurden. 
Leider  zeigte  das  Aussehen  dieser  Pflanzen,  dass  diese  jahrelange 
Zimmerpflege  keine  sachgemässe  gewesen  ist.  Besondere  Anerkennung 
verdient  von  den  Liebhabergruppen  eigentlich  nur  ein  hübsches,  gut  auf- 
gestelltes Kakteensortiment. 

Zu  erwähnen  ist  noch  die  mit  der  Ausstellung  verbundene  Pflan- 
zenbörse, die  aber  nicht  besonders  reichhaltig  beschickt  war.  Alles  in 
allem  war  die  Ausstellung  eine  in  jeder  Hinsicht  wohlgelungene  Ver- 
anstaltung, welche  wieder  den  Beweis  lieferte,  dass  die  Residenzstadt 
Hannover  auch  eine  Gartenstadt  ersten  Ranges  ist.  Sie  dokumentiert 
dies  schon  äusscrlich  durch  ihre  ausgedehnten  städtischen  Anlagen  in 
welchen  eine  wahrhaft  mustergiltige  Sauberkeit  herrscht  und  durch  die 
prächtigen   Blumengeschäfte  der  Hauptstrassen, 


24 


Die  Gartenwelt. 


VII, 


München.  Vom  25. — 27.  September  veranstaltete  die  Bayrische 
Gartenbau-Gesellschaft  in  den  prachtvollen  Sälen  des  Hotels  „Bayrischer 
Hof"  eine  Lokal-Gartenbau-Ausstellung.  Erzeugnisse  aus  dem  Gesamt- 
gebiet der  Gärtnerei  waren  vertreten  und  ist  besonderer  Wert  auf 
gangbare  Handelsware  gelegt  worden.  Topfpflanzen  aller  Art,  abge- 
schnittene Blumen  von  Rosen,  Nelken,  Begonien,  Astern,  Dahlien  in 
Sortimenten,  Zweige  von"neueren  und  seltenen  Sträuchern,  Bäumen  und 
Koniferen  waren  zur  Schau  gestellt.  Eine  reiche  Kollektion  der  gegen- 
wärtig so  beliebten  Stauden,  langstielig  geschnitten,  deutete  auf  ihre 
Verwendung  in  der  modernen  Binderei  hin.  Aber  auch  Neuheiten, 
namentlich  in  Dahlien  und  Begonien,  ferner  Hybriden  von  Anthurium 
andreanum,  diverse  Sorten  Lilien  waren  in  reicher  Anzahl  und  Schön- 
heit  vorhandeD. 

Die  Münchner  Gemüsegärtner  hatten,  trotzdem  sie  mit  ungünstigen 
klimatischen  Verhältnissen  zu  rechnen  haben,  sehr  schönes  Gemüse  aus- 
gestellt. 

Verhältnismässig  reichlich  war  auch  der  Obstbau  vertreten,  wobei 
sich  besonders  Privatleute  beteiligten.  Die  ausgestellten  Früchte  wann 
meistens  rein  von  Fusicladium  und  konnten  durchweg  als  schön  be- 
zeichnet werden. 

Von  ganz  besonderem  Interesse  war  eine  Zusammenstellung  aller, 
in  der  Umgegend  von  München  aufzufindenden  essbaren  Pilze,  welche 
genau  der  Natur  entsprechend  in  kleinen  Häufchen,  die  jungen 
Fruchtträger  hervorbrechend ,  in  Moos  gebettet  waren.  Jeder  Art  war 
die  genaue  deutsche  und  botanische  Bezeichnung  beigegeben.  Wie  sehr 
die  Bayrische  Gartenbau-Gesellschaft  bemüht  ist,  die  Interessen  des 
Gartenbaues  in  jeder  Weise  zu  fördern,  ersieht  man  aus  erwähnter  Ver- 
anstaltung, deren  Kosten  die  Gesellschaft  trug,  da  ein  Eintrittsgeld  nicht 
erhoben  wurde.  Georg  Thiem. 


Tagesgeschichte. 


Aschersleben.  Die  am  I.Juli  dieses  Jahres  abgeschlossene  Bilanz 
der  hiesigen  Aktiengesellschaft  für  Samenzucht,  Gustav  Jaensch  &  Co., 
schliesst  ab  mit  einem  Verlust  von  45  467  M.  und  66  Pfg.  Gedeckt 
werden  hiervon  durch  Heranziehung  des  Reservefonds  10734  M.  88  Pfg. 
Der  Aufsichtsrat  erhält  die  garantierte  Minimaltantieme  von  6000  M. 
Das  gesamte  Aktienkapital  der  Gesellschaft  beträgt  1  100  000  M.  Die 
auf  den  Grundstücken  der  Gesellschaft  lastenden  Hypotheken  betragen 
179000  M.  H. 

Aus  dem  Riesengebirge.  Reichsgraf  Harrach  lässt  gegenwärtig 
eine  private  botanische  Versuchsstation  auf  eigene  Kosten  unweit  der 
Elbquelle  anlegen.  Der  Graf  beabsichtigt,  dort  Versuche  mit  der  An- 
pflanzung von  Gewächsen  aus  den  Alpen  und  dem  Norden  zu  unter- 
nehmen,  welche  bisher  in  den  Sudeten  noch  nicht  heimisch  sind. 

Bad  Ems.  Die  Unterhaltung  der  hiesigen  Kuranlagen  wurde  auf 
weitere  zehn  Jahre  der  Firma  Gebr.  Siesmayer,  Frankfurt  a.  M. — Bocken- 
heim übertragen.  M. 

Berlin.  Das  schon  in  No.  39,  Jahrgang  VI,  erwähnte  Nordpark- 
projekt steht  wieder  auf  der  Tagesordnung.  Es  ist  Aussicht  vorhanden, 
dass  wenigstens  dieses  kleine  Projekt  zur  Ausführung  kommt,  denn 
mehrere  der  Anlieger,  an  deren  Widerstände  das  Projekt  bisher  schei- 
terte, haben  ihie  ursprünglichen  Forderungen  erheblich  ermässigt  und 
das  Gleiche  wird  nunmehr  auch  von  den  wenigen,  noch  übrig  bleibenden 
Grundbesitzern  erwartet .  welche  ihre  Forderungen  schon  einmal  er- 
mässigt hatten.  Über  die  Ergebnisse  der  Beratungen  wird  noch  be- 
richtet werden. 

Christiania.  In  der  Kommunalverwaltung  kam  ein  Vorschlag 
wegen  Errichtung  eines  grossen  Parks  bei  dem  allen  Fremden  bekannten 
Frognersäteren  zur  Verhandlung.  Der  Plan  zu  dieser  Parkanlage  ist  vdt 
dem  Chef  der  kommunalen  Parks  in  Glasgow,  James  Whitton,  ausge- 
arbeitet. Der  Kostenanschlag  lautet  auf  600,000  Kr.,  worin  die  nötigen 
Gebäude  mitgerechnet  sind.  Die  Anlage  welche  eine  Reihe  von  Sport- 
plätzen   mit    umfassen  soll,    wird  eine  Grösse  von   190,34  ha   erhalten. 


Godesberg.  Der  Kurpark  soll  durch  den  Ankauf  verschiedener 
Parzellen  bedeutend  vergrössert  werden.  H.   B. 

Köln  a.  Rh.  Die  Obsternte  fällt  an  der  Mosel  und  in  ihren  Seiten- 
thälern  befriedigend  aus.  Aus  diesem  Grunde  wird  auch  im  Herbst  der 
Provinzial-Obstmarkt  in  Trier  abgehalten  und  nicht,  wie  sonst  üblich,  in 
Köln,  da  am  Rhein  die  Ernte  viel  zu  wünschen  übrig  lässt.  Trotzdem 
sind  die  Preise  nicht  übermässig  hoch,  so  kosten  z.  B.  Mostbirnen 
2.50 — 3.20  M.  pro  50  kg,  desgl.  Äpfel  3.00 — 4.20,  während  Koch-  und 
Tafelobst  je  nach  Güte  mit  5  — 12  M.  bezahlt  wird.  A.  W. 

Leipzig.  Für  die  Verschönerung  der  hiesigen  Falk-  und  Promc- 
nadenanlagen  sind  reichliche  Mittel  in  den  Haushaltplan  für  1903  ein- 
gestellt worden.  So  ist  für  die  Vollendung  der  Arbeiten  im  König 
Albert-Park  (einschl.  der  Regulierung  der  grossen  Fläche  am  Scheibcu- 
holze)  ein  Gesamtbetrag  von  90000  M.  vorgesehen,  davon  30000  M. 
als  erste  Rate  im  kommenden  Jahre.  Für  kleinere  Anlagen,  Strassen- 
bepflanzungen    etc.  sind  insgesamt  noch    5 1  500  M.   im  Etat  eingestellt. 

Reichenbach.  (Schlcs.)  Der  hiesige  Gartenbau-Verein  hat  be- 
schlossen, im  Jahr  1903  hier  eine  Allgemeine  Gartenbau-  und  Obst- 
Ausstellung  zu  veranstalten. 

Stettin.  Die  Allgemeine  Obst-Ausstellung,  welche  hierselbst  vom 
2. — 5.  Oktober  stattfand,  ist  seit  der  grossen  Hamburger  Obst-Aus- 
stellung im  Jahre  1897  die  glänzendste  Veranstaltung  dieser  Art.  Am 
hervorragendsten  war  das  Grossherzogtum  Hessen  beteiligt,  dann  die 
Landwirtschaftskammern  Pommern,  Brandenburg,  Westpreussen.  Die 
Beteiligung  grosser  Baumschulen  hätte  eine  regere  sein  können.  Bericht 
folgt  im   nächsten   Heft.  H. 


Personal-Nachrichten. 


Encke,  Fritz,  Kgl.  Gartenbaudirektor  und  Lehrer  für  Gartenkunst 
an  der  Kgl.  Gärtnerlehranstalt  zu  Wildpark  wurde  am  2.  ds.  Monats 
in  geheimer  Stadtverordnetensitzung  zum  städtischen  Gartendirektor  in 
Köln  gewählt.  Damit  ist  die  monatelang  verwaiste  Stelle  endlich  be- 
setzt und  zwar  mit  einer  ersten  Kraft.  Encke  stammt  aus  der  Nähe 
von  Frankfurt  a.  M.  Er  wurde  am  5.  April  1861  zu  Oberstedten,  Ober- 
taunuskreis, geboren  und  besuchte  von  1880 — 1882  die  Wildparker 
Anstalt.  Nach  mehrjähriger  Gehilfenthäligkeit  im  In-  und  Auslande 
war  er  von  1886 — 1890  Geschäftsführer  der  Landschaftsgärtnerei  von 
J.  Hack  in  Berlin  und  vom  April  1890  bis  jetzt  Lehrer  an  der  Kgl. 
Gärtnerlehranstalt.  1897  wurde  Encke  zum  Kgl.  Garteninspektor  und 
1899,  gelegentlich  des  75  jährigen  Bestehens  der  Wildparker  Anstalt, 
zum  Kgl.  Gartenbaudirektor  ernannt. 

Die  Anstalt  in  Wildpark,  die  noch  immer  ihren  Lehrern  keine 
Pensionsberechtigung  bietet,  steht  jetzt  vor  der  schwieligen  Aufgabe, 
für  den  abgehenden  und  sich  allseitig  grösster  Beliebtheit  erfreuenden 
Lehrer  eine  gleichwertige  Kraft  zu  gewinnen.  Von  der  befriedigenden 
Lösung  dieser  Aufgabe  wird  es  abhängen,  ob  sich  Wildpark  auch 
fernerhin  den  Ruf  bewahren  kann,  eine  hervorragende  Pflegestätte  der 
Gartenkunst  zu  sein. 

Goeze,  Dr.,  Garteninspektor  am  botanischen  Garten  der  Univer- 
sität Greifswald  wurde  bei  seinem  Übertritte  in  den  Ruhestand  der 
Rote  Adlerorden  vierter  Klasse  verliehen. 

Guttzeit,  Gustav,  Obergärtner  der  Vermehrungs-Abteilung  in 
L.  Späths  Baumschule,  feierte  am  I.  Oktober  d.  J.  das  Jubiläum  seiner 
25  jährigen  Thätigkcit  bei  genannter  Firma.  Wir  wünschen  dem  tüch- 
tigen Praktiker  und  ausgezeichneten  Kollegen,  der  sich  durch  Eifer  und 
Pflichttreue  nicht  nur  die  Achtung  des  Hauses  Späth,  sondern  auch  die 
Wertschätzung  seiner  zahlreichen  Freunde  und  Kollegen  erworben  hat, 
dass  es  ihm  vergönnt  sein  möge,  noch  viele  Jahre  in  voller  Rüstigkeit 
seinem  Berufe  zu  leben. 

Havekost,  Hofgärtner  in  Rastede,  feierte  das  Jubiläum  seiner 
25  jähr.  Thätigkeit  in  grossh.  Diensten. 

Keller,  Karl,  erhielt  die  Stelle  des  botanischen  Gärtners  in  Grcifs- 
wald. 


Verantwortl.  Redakteur:   Max  Heidörffer,  Uerlin.  —  Verlag  von  Richard  Carl  Schmidt  &  Co.,    Leipzig.  —  Druck  vou  C.  (irumbach  in  Leipzig. 


Illustriertes  Wochenblatt  für  den  gesamten  Gartenbau. 


Jahrgang  VII. 


18.  Oktober  1902. 


No.  3. 


Nachdruck  und  Nachbildung  aus  dem  Inhalt  dieser  Zeitschrift  wird  strafrechtlich  verfolgt. 


Orchideen. 


Vanda  amesiana  Rclib.  f. 

Von  Herrn.   A.   Sandhack,  Obergärtner.  Dugino,  Russland. 
(Hierzu  eine  Abbildung.) 

Vanda  amesiana  aus  Indien  dürfte  als  dankbarer 
Winterblüher  einen  der  ersten  Plätze  unter  den  Vandeen 
beanspruchen  können  und  man  muss  sich  wundern,  dass  diese 
Orchidee  noch  verhältnissruässig  wenig  kultiviert  wird. 

Schon  der  sonderbare  Bau,  die  dicken  fleischigen 
Blätter  und  besonders  die  dicken  Luftwurzeln  machen 
diese  Vandee  interessant.  Der  Hauptflor  fällt,  wie  gesagt, 
in  den  Winter,  bei  guter  Kultur  und  kräftigen  Pflanzen  er- 
zielt man  auch  nicht  selten  einen  zweiten 
Flor  im  Jahr.  Die  aufrecht  stehenden 
starken  Blütenstiele  —  in  der  Regel 
40 — 80  cm  hoch  - — ■  tragen  10 — 30  an- 
genehm duftende  Blüten  von-  schön  weis- 
ser Farbe  mit  zart  rosa  Anflug.  Selten 
ist  die  reinweisse  V.  amesiana  alba.  Die 
schöne  zarte  Farbe  der  V.  amesiana- 
Blumen  macht  dieselben  für  jede  Binderei 
und  Dekoration  höchst  wertvoll,  sei  es 
für  ein  Brautbouquet,-  einen  Trauerkranz 
oder  einen  Vasenstrauss,  immer  wirken  sie 
höchst  anmutig.  Ein  weiterer  Umstand, 
der  diese  Orchidee  so  wertvoll  macht,  ist, 
dass  die  Blüten  sich  längere  Zeit  schön 
frisch  erhalten. 

In  der  Kultur  ist  V.  amesiana, 
wenn  auch  etwas  eigen,  so  doch  eine 
der  dankbarsten  Vandeen.  Während  der 
Wachstumszeit  verlangt  sie  viel  Licht  und 
Wasser,  nicht  allzuviel  Wärme  und  gute 
Ventilation,  weil  sonst  die  Triebe  lang 
und  schwach  werden  und  die  Blütentriebe 
sehr  spärlich  und  schwach  kommen. 

Bei  Eintritt  der  Ruhezeit  genügt  eine 
Temperatur  von  61  2 — io°  C,  auch 
wird  sehr   wenig   gegossen   und   nicht   ge- 


spritzt; sobald  sich  aber  die  Blütentriebe  zeigen,  gebe  man 
nach  und  nach  etwas  mehr  Feuchtigkeit  und  erhöhe  die 
Temperatur  um  ca.  6°  C. 

Von  grosser  Wichtigkeit  ist  für  Vanda  amesiana  die 
kühle  Temperatur  während  der  Ruhezeit,  weil  sie  einen 
reichen  Blütenflor  sichert,  das  Gelbwerden  der  Knos- 
pen und  das  Überhandnehmen  von  Ungeziefer  verhindert. 
Im  übrigen  stimmt  diese  Vanda,  ebenso  wie  ihre  Art- 
genossen mit  den  Aerides  überein;  namentlich  liebt  sie  wie 
diese  die  volle  Sonne;  je  mehr  sie  derselben  ausgesetzt 
wird,  um  so  reicher  blüht  sie. 


Vanda  amesiana. 

Vom  Verfasser  in  der  fürstlich  Metscherskyschen  Gärtnerei  zu  Dugino  (Russland)  Tür  die  „Gartenweif1 

photogr,  aufgenommen* 


Die  Gartenwelt. 


26 


Die    Gartenwelt. 


VII,  3 


Die  empfehlenswertesten  Orchideen  für  den  Schnitt 
und  den  Topfverkauf. 

Praktische  Winke   für  Handelsgärtner. 
Vo.ii  Woldemar  Nicolai,  Orchideen-Import-Geschäft,  Coswig  i.  S. 

(Schluss.) 

,/\uch  die  elfte  Hauptgruppe  Pleurothdllis,  deren 
Blüten  gar  keinen  Bindevvert  besitzen,  aber  deren  Neben- 
gattung herrliche  blumistisch  wertvolle  Glieder  aufweist,  ge- 
hört in  den  zweiten  Teil  dieser  Arbeit.  Es  ist  die  Masde- 
vattia.  Die  Blüte  der  Masdevällia  hat  fast  gänzlich  die  Petalen 
verloren,  welche  zum  Teil  sack-  oder  tubenartig  mit  der  Lippe 
durchgängig  verwachsen  sind.  Diese  selbst  ist  geschwänzt  und 
meist  brillant  gefärbt.  Die  Sepalen  sind  verschieden  von  denen 
anderer  Orchideen:  gross,  ebenfalls  geschwänzt,  hervorragend 
schön  gefärbt.  Die  Blätter  und  Bulben  (Rhizom  mit  ver- 
dicktem Blattstiel)  bilden  sich  rasenartig.  Die  Blüten  er- 
scheinen meist  auf  langen  Stielen.  Es  seien  der  charak- 
teristischen Form  halber  auch  nicht  langstielige  Sorten  genannt. 
Zur    Kultur  empfehlenswert:   Masdevällia   bella,    CJtimaera, 

coceinea,    Davisii,     ignea,    tovarensis,     Veitchii. 

Die  zwölfte  Hauptgruppe:  Cymbidium  mit  Neben- 
gattung Orammatophyllum.  Bei  Cymbidium  sind  Sepalen 
und  Petalen  fast  gleichartig,  die  Lippe  ist  dreiteilig,  die  zwei 
Seitenlappen  sind  aufrecht  und  umschliessen  zur  Hälfte  die 
Kolumne,  der  Mittellappen,  auf  welchen  zwei  erhabene 
Rückenlinien  sich  gebildet  haben,  ist  zungenartig  geformt. 
Der  Blütenstiel  entspringt  aus  den  Achseln  der  Hüllblätter, 
welche  die  Bulbe  fest  umschliessen.  Die  Gattung  hat  wert- 
volle Arten  für  Binderei,  welche  durch  zielbcwusste  Hybridi- 
sation einst  zu  Zukunftsblumen  ersten  Ranges  herangezüchtet 
werden  können,  da  der  Blütenstiel  aufrecht,  graziös  über- 
hängend ist  und  sich  durch  seine  Länge  auszeichnet.  ( '.  g  igan- 
teum,  loirin  11  ti in,  eburneum,  hookeriamim,  Mastersi 
und  Parishi  sind  empfehlenswert. 

Die  dreizehnte  Hauptgruppe  bilden  die Oypripedien. 
Hier  verweise  ich  auf  meinen  Artikel  in  der  Gartenwelt  No.  40, 
Jahrgang  VI,  und  gebe,  da  dort  die  Sorten  nicht  genannt  sind, 
hier  die  besten  an:  C.  callosum,  ciliolare,  dayanum,  har- 
risianum  (billige  Hybride),  hirsutissimum,  insigne, 
läwrehceanum,  Lowi,  Mastersi,  oenanthum  super- 
bum (Hybride),  rotJischildianum,  spicerianum,  Charles- 
worthii,  Sinne/,  Veitchii,  venustum,  villossum, Boxallii. 

Als  vierzehnte  Hauptgruppe  erscheint  Phajus  mit 
Verwandten  Calanthe  und  Chysis,  ausserdem  möge  hier 
Thunia  mit  hinzugezogen  sein,  trotzdem  es  botanisch  nicht 
richtig  ist.  Der  Blütenstand  der  Phajus  ist  meist  gerade, 
aufrecht.  Die  Sepalen  und  Petalen  sind  gross  und  aus- 
gespreizt; die  Lippe  ist  dreiteilig,  zwei  Lappen  umgeben  die 
weit  hervorragende  Kolumne  in  verschiedener  Gestaltung. 
Die  Kolumne  selbst  ist  verschieden  geformt,  teils  gerade, 
teils  stark  gekrümmt.  Der  Mittellappen  der  Lippe  steht 
frei  und  gerade,  breitet  sich  nach  vorn  aus.  Die  Kolumne 
bildet  mit  dem  Fruchtboden  einen  Bauch,  zuweilen  spornig. 
Phajus  selbst  und  Chysis  gehören  unter  den  zweiten  Teil  der 
Aufsatzes,  nur  Calanthe  als  Phajinee  gehört  unter  den 
ersten  Teil,  da  sie  besonders  wertvoll  für  Schnitt  und  Binderei 


ist  wie  die  Thunia.  Bei  Calanthe  ist  die  gespornte  Lippe 
mit  der  Kolumne  verwachsen  und  der  Mittellappen  geteilt. 
Beste  Arten:  Phajus  veratrifolia,  Veitchii,  Eegnieri.  Von 
den  Thunia,  welche  ihre  Blüten  oben  am  jung  gereiften 
Schoss  entwickeln  und  in  hängender  breiter  Traube  herab- 
fallen lassen,  sind  alba,  Bensoniae,  Marskalliae und  Veitcliii 
zu  nennen,  doch  ist  keine  hervorragend  schön.  Die  Halt- 
barkeit der  Blumen  hält  nicht  mit  der  Schönheit  derselben 
gleichen  Schritt.  Die  fünfzehnte,  sechzehnte  und  siebzehnte 
Hauptgruppe  sei  vereint,  da  hier  nur  wenig  passende  Ver- 
treter als  für  Binderei  wertvoll  vorhanden  sind.  Ich  nenne 
daher  die  Hauptgruppen  gleich  mit  den  Arten  zusammen: 
Gattung  15  Ada  mit  Art  aurantiaca,  Gattung  16  Zygo- 
petalu/m  mit  Arten  crinitum  und  Mackaii,  Gattung  17 
Maxiilaria  mit  der  schönen  sanderiana. 

Diese  1 7  Hauptgruppen  umfassen  das  für  Binderei  und 
Schnittblumenversand  wertvollste  Material  und  mögen  Anhalts- 
punkte für  den  Kultivateur  sein.  Dieser  Aufstellung  kann 
derselbe  Vertrauen  entgegenbringen,  da  alles  Botanische  weg- 
gelassen ist;  alles  für  den  zweiten  Teil  passende  und  nicht  fin- 
den Versand  sich  eignende  ist  auch  nicht  genannt.  Möge  auch 
manche  Sorte  noch  vorhanden  sein,  welche  hier  der  Erwäh- 
nung wert  ist,  so  sei  mir  deren  Nichtaufführung  verziehen.  Ich 
glaube,  es  schadet  dies  auch  wenig,  gilt  doch  v<>r  allen  Dingen 
mein  Aufsatz  demjenigen,  welcher  durch  Schnittblumen- 
kultur sich  unbedingt  seinen    Lebensunterhalt   sichern  muss. 

Der  zweite  Teil  meines  Aufsatzes  soll  Orchideen  für 
den  Liebhaber  und  zum  Verkaufe  an  Ort  und  Stelle  als 
Blüte  oder  als  Topfpflanze  behandeln. 

Heil  ihm!  möchte  man  ausrufen,  welche  dankbare 
Aufgabe,  die  Kultur  so  betreiben  zu  können.  Seine  Mühe 
und  Fürsorge  zeitigt  Genuss  und  pekuniär  mehr  sichtlichen 
Erfolg.  Welche  Reichtümer  wahrhaft  brillanter,  form-  und 
farbenschöner  Orchideen  erschliessen  sich  hier  dem  Kulti- 
vateur,  und  schon  sehe    ich  im  Geiste  Sobrdlia.  Stanhopea, 

Laelia,  Huntleya,  Warscewiczella  etc.  etc.  blühen.  Wie 
herrlich  sieh.t  auch  eine,  aus  sorgfältig  gepflegten  Pflanz- 
material emporstrebende  Orchidee  in  ihrem  Blütenschmucke 
aus!  Mit  wie  ganz  anderen  Augen  schaut  der  für  den  Lieb- 
haber schaffende  Gärtner  die  Blüten  an,  gegenüber  dem 
gehetzten  Schnittblumenkultivateur,  welcher  nur  zu  oft  Ent- 
täuschungen und  Verluste  erlebt  und  dem  dadurch  der  Ge- 
nuss am  Erzeugten  zu  schwinden  droht.  Das  Privatpublikum 
ist  dankbarer,  es  freut  sich  mit  dem  Freuenden,  der  Kulti- 
vateur, das  Publikum  resp.  der  Besitzer  erblickt  die  eben 
erblühte  Orchidee  mit  Wonne,  das  Ideal  des  Kultivateurs 
ist  erreicht  durch  die  Freude  an  der  Allmacht  der  Natur, 
der  Schöpfung  Gottes.  Leider  werden  die  eifrigen  Liebhaber 
der  Orchideen  seltener  und  seltener.  Der  Sinn  für  Sport 
aller  Art,  für  Vergnügungen,  welche  eigentlich  keine  sind 
und  für  andere  reale  Dinge  breitet  sich  immer  mehr  in  den 
Kreisen  der  vermögenden  Liebhaber  aus  und  immer  mehr  ver- 
schwinden die  schönen  Sammlungen  in  den  Privatgärtnereien, 
die,  ohne  dem  Verkauf  zu  dienen  nur  zur  Freude  für  den  Be- 
sitzer und  seiner  Familie  unterhalten  werden.  Ein  trauriges 
Zeichen  unserer  nach  Ausserlichkeiten  strebenden  Zeit.  Sämt- 
liche für  den  Schnittblumcnkuliivateur  als  Topfverkaufspflanzen 


VII,  3 


Die    Gartenwelt. 


27 


geeignete  Orchideen  gehören  natürlich  auch  in 
den  zweiten  Teil  meines  Themas  und  seien  hier 
deshalb  nur  noch  diejenigen  Haupt-  und  Neben- 
gattungen genannt,  welche  hierfür  in  Betracht 
kommen.  Acineta,  zur  Hauptgattung  Gongorage- 
hörig,  weist  Barkeri,  Warscewicsi  uadsupefba 
als  schönste  Vertreter  auf.  Aganisia  ebenfalls 
mit  den  Gongoren  verwandt,  besitzt  die  Spezies 
tricolor,  deren  Farbenspiel  von  .hellblau,  gelb 
und  rot  auffallend  ist.  Die  aus  Afrika  und  Ma- 
dagaskar stammenden  Angraecnm  weisen  für 
diesen  Teil  noch  eburneum,  superbuwi,  Ellisii, 
Grantii  und  scottianum  auf.  Anguloa  (Haupt- 
gattung: Lycaste)  weist  noch  die  seltene,  pracht- 
volle, aber  teuere  virginalis  auf.  Buntblättrige 
Anectorhihis  mögen  erwähnt  sein,  die  Blüten 
derselben  sind  leider  wertlos. 

Ansellia  africana  und  yigantea sind  schön; 
erstere  sah  ich  blühen,  scheint  aber  schwierig 
in  der  Kultur  zu  sein,  da  der  Kulturzustand,  in 
welchen  ich  die  Ansellien  traf,  meist  recht  traurig 
anzusehen  war.  Arpopihyllnm  sind  sämtlich 
schön  und  leichte  Blüher.  Die  Arten  giganieitm, 
la.r'tflorum,  cardinale,  spicatum  wirken  auch  dekorativ  durch 
das  Blattwerk. 

Batemannia    (Zygopetabtni  -  HunÜega)     sind     durch 
Bivrtii  und  Meleagris,  beide  reizende  schöne  Blüher,  vertreten. 


Stanhopea  inodora  (Text  Seite  29). 
Vom  Verfasser  für  die   „Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen. 

Hadwenii-betta,  pardalina  und  Harrisonne.  Bletia  zur 
Hauptgattung  Fhajus  gehörend,  hat  in  hyacinthina,  pa- 
tula,  Shepherdi  und  verecunda  weniger  schöne  Vertreter. 
Die  herrlichen  Brassien  (Hauptgattung:  Odontoglossnin) 
Bifrenaria     (Hauptgattung:    Lycaste)     hat     als    Vertreter      haben    als    hier    zu    nennende    Vertreter    noch  antherotes, 

lairrenceana,  lanceana  und  die  prachtvolle  laivrenceana 
longissima,  ferner  macnlata  mit  den  vier  braunen  Flecken 
auf  den  Petalen  und  Varietät  major  mit  reinweisser  Lippe. 
Von  BulbophyUum  möge  nur  Lohbi  Erwähnung  finden.  Von 
Burlingtonia  (Hauptgattung:  Jonopsis)  zä\hlen  Candida,  decora, 
fragrans  und  venusta  zu  den  schönsten  ihrer  Gattung.  Cata- 
setum  Bangerothii  und  die  neuen  von  Linden  (Horticole  coloniale, 
Brüssel)  eingeführten  sind  wahre  Prachtstücke  in  neuer  und  schöner 
Färbung,  dagegen  ist  den  älteren  importierten  Sorten  wenig  Ge- 
schmack abzugewinnen.  Von  Cattleya  möge  die  seltene  und 
teuere  C.  Bex.  angeführt  sein,  sowie  C.  Aclandiae.  Chysis, 
eine  Verwandte  von  Phajus,  besitzt  in  CTi.  bractescens,  Chelsoni 
und  Limminghei  Arten,  für  welche  mancher  Kultivateur  schwärmt; 
ich  nicht.  Coelogyne  asperata  mit  den  fusslangen,  hängenden 
Blütenstielen  ist  schön,  ferner  sind  barbata,  ocellata,  speciosa  (pracht- 
voll) äusserst  wertvoll.  Colax  jngosns  (Lycaste  j.)  ist  wohl  selten 
schön  in  der  Kultur  zu  finden,  da  er  ein  Thripsfänger  erster 
Klasse  ist.  Colax  gehört  zur  Hauptgattung  Zygopetalum.  Die 
Blüte  ist  durch  weisse,  purpurne  sowie  violette  Zeichnung  effekt- 
voll. Ihrer  Hauptgattung  Gongora  bedeutend  an  Schönheit  über- 
legen sind  Coryanthes  (Gongora)  macrantlia ,  macnlata  und  spe- 
ciosa. Die  Form  der  Blüte  ist  einer  Walfischschnauze  nicht 
unähnlich.  Von  Cymbidien,  Cypripedien  und  Dendrobien  sind 
alle  bekannten  Arten  und  Sorten  schön  und  erschöpfend  im  ersten 
Teil  bearbeitet  worden.  Bisa,  eine  schöne  haltbare  Blüte,  zehn 
Wochen  in  Schönheit  aber  sehr  schwierig  in  der  Kultur,  daher  nur 
wenig  verbreitet.  Wo  der  Standort  ihr  zusagt,  wächst  sie  aber  üppig 
Stanbopea  inodora  (Text  Seite  29).  und  blüht  dankbar.     Disa   grandiflora  und  racemosa  sind  schön 

Vom  Verfasser  für  die  „Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen.  Und     empfehlenswert.        Epidendrnm,   ZUr   Hauptgattung    Cütti 


;    XYJ 

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m^^lii 

28 


Die    Gartenwelt. 


VIT, 


hörig,  ist  nur  in  wenig  guten,  bereits  im  ersten  Teil  aufgeführten 
Arten  vertreten.  E.  nemorale,  prismatocarpum,  Stamfordi. 
und vitellinum,  sowie Skinneri  (eher  zu  Barkeria  zurechnen) 
seien  erwähnt.  Meiner  Meinung  nach  befinden  sich  die 
langstieligen  Epidendren  erst  im  Entwickelungsstadium  und 
ich  glaube,  dass  durch  Kreuzung  mit  Verwandten  schöne 
Blüten,  ja  Zukunftsblumen  entstehen  werden.  Grammato- 
plxyllum  (Hauptgruppe  12:  Cymbidium)  im  ersten  Teil 
schon  erwähnt,  besitzt  an  measuresianum  und  seegerianum 
(rumpllianum)  schöne  Vertreter.  Schwierige  Kultur!  — 
Gongora  galcata,  quinquenervis  und  die  hellfarbige  trun- 
cata  haben  wenig  blumistischen  Wert.  Prachtvoll  dagegen 
wirkt  Houlletia  als  Verwandte  der  Gongoren  in  den  Arten 
brorMehurstiana,  chrysantha  und  picta.  Laelia  (Haupt- 
gattung: Caitleya)  ist  eine  phänomenale  Gattung  für  den 
Kultivateur,  deren  Arten  und  Abarten  fast  alle  empfehlens- 
wert sind,  z.  B. :  albida,  anceps,  autumnalis,  purpurata, 
Jiarpopliylla,  rubescens,  xanthina  und  die  schon  im  ersten 
Teil  erwähnten.  —  Man  übersehe  nicht  die  herrlichen 
Laelia  X  Cattleya,  deren  Formen  und  Farben  berückend 
wirken  und  selbst  dem  Blumenfeind,  wenn  es  solchen 
geben  sollte,  Bewunderung  abnötigen.  Von  Li/i-aste  sind 
nur  noch  aromatiea  und  Deppei  zu  nennen,  im  übrigen 
vergleiche  man  den  ersten  Teil,  Hauptgruppe  9.  Mas- 
devallia  ist  in  dieser  Abteilung  in  jeder  Beziehung  und 
in  jeder  Art  voll  und  ganz  am  Platze.  Elegante  Belaubung 
und  brillante  Blüte  auf  hohem  Stiel  und  wo  dieser  fehlt, 
ersetzt  ein  niedriger  Stiel  mit  den  merkwürdigsten  Blüten- 
formationen diesen  Verlust.  MasdevaUia  Chimaera,  Chim- 
var.  Roezlii  und  caudata  (Shutthworthii)  sind  wohl  die 
kurzstieligsten  von  gelber,  roter,  n isaer  Farbe  mit  purpurnen 
Spritzern,  ausserdem  bizarren  Formen.  Maxittaria,  meist 
weniger  schrm,  stellt  nur  grandiflora,  pieta,  uenusta  (grdflorß. 
rar.)  und  die  Königin  der  Maxillarien  M.  sanderiana  als 
schöne  Vertreter.  MÜtonia  [OdontogloSSUm)  sind  im  ersten 
Teil  angeführt,  ebenso  die  OdontogloSSUm  selbst,  deren 
kleinblumige  Sorten  immerhin  schön  wirken,  also  empfehlens- 
wert für  Sammlungen  sind.    Mormodes  (Hauptgattung:   Cafa- 

setum)  Colossus,  luxata,  Ocannae  und  pardina  gehören  hier- 
her. Weil  zu  den  Catas~etum  gehörig  seien  Cycnoches  chlo- 
rochilon,  aureum,  maculatum  und  ventricosum  angeführt. 

Von  Odontoglossum  möchte  ich  nur  vexittarium 
besonders  hervorheben,  weil  es  so  wenig  kultiviert  wird  und 
es  doch  in  hohem  Masse  die  Kultur  verdient.  Onddium 
zu  der  Hauptgattung  Odontoglossum  gehörend,  stellt  als 
kulturwürdige  Vertreter  candidlim,  cheirophorum,  concolor, 
cnrnigmini,  droesus  (dankbar  und  schön),  macrochilum, 
dasystyle,  Forbesi,  haematochilum,  jonesianwm  ?  (nur  wenig 
Jahre  hier  fortkommend),  hians,  kramerianum,  Mantini, 
luridum,  martianum,  Papilio,  Phalaenopsis ,  pubes, 
praetextum,  serratum  (eine  interessante  Form)  splendidum, 
superbiens  (macrantha-Klzsse)  tigrinum  und  die  im  ersten 
Teil  genannten  Arten. 

Von  Paphinia  (Synonym  Lycaste)  ist  grandis  und 
cristata  nennenswert.  Peristeria  (Hauptgattung:  Gongora) 
ist  interessant,  leider  ist  der  Blütenstiel  zu  kompakt,  kerzen- 
gerade aufrecht  stehend,  so  dass  die  Blumen  an   so   steifem 


Stiele  verlieren.  P.  cerina,  pendula  und  vor  allem  t  lata 
sind  die  schönsten  der  Gattung.  Pescatorea  (Hauptgruppe  7 : 
Huntlei/a)  ist  eine  Prachtgattung  ersten  Ranges  mit  dayuna, 
Klabochorum  als  schönste;  Lehmann}  hat  eine  mit  pur- 
purnen Härchen  besetzte  Lippe  und  Wdllisi  ist  auch 
sehr  zu  empfehlen.  Phajus  ist  im  Salon  sehr  dekorativ  und 
zum  Topfverkauf  sehr  geeignet;  wenn  auch  der  Stiel  etwas 
steif  ist,  so  wirken  doch  die  vielen  Blumen  imposant, 
welche  rings  um  denselben,  sitzen.  Vertreter  der  Gattung: 
Blumei,  grandifolius ,  sanderiana  (Var.)  prachtvoll,  Wal- 
lichii  (buntblättrig),  bicolor,  tuberculosus  (schwierig  in  der 
Kultur).  Auf  das  angelegentlichste  empfehle  ich  Phalaenopsis, 
welche  in  jeder  Beziehung  unübertroffen  ist  und  wahre  Per- 
len unter  den  Königinnen  der  Orchideen  aufweist.  Zierliche 
Gestalt,  herrliche  Farbe,  elegante  Haltung  und  Grösse  der  Blu- 
men, bei  ausserordentlicher  Blühwilligkeit,  das  sind  ihre  Vorzüge. 

Die  Pleione  (Hauptgruppe  10:  Coeloggne),  ohne  Blätter 
blühend,  kurzstielig,  aber  interessant  in  der  Blüte,  sollen 
dennoch  hier  Aufnahme  finden.  PI.  hookeriana,  Lagenaria, 
maculata,  insigne  andpraecox.  Promenaea(Suntleya'Zygo- 
petdlum)  ist  kleinblumig  und  trägt  meist  nur  eine  Blüte  am 
Stiel.     Schöne  Arten   sind:    citrina,  graii/inea ,   Rollissoni. 

Ausser  Renantliera  Loivl  möge  hier  noch  ImshoöiM 
erwähnt  sein  ( liraaulhera  ist  bekanntlich  Ai'-ridee).  Saccö- 
Idbium  (vergleiche  Aerides)  sind  meist  herrliche  Blüher; 
beste  Vertreter  sind:  ampullüceivm ,  bellintim,  Blumei 
(prächtig),  coeleste  1  Ehynchostylis),  giganteimn,  Hendersoni; 
eine  der  schönsten,  Türneri  =  guttatum  (Rhynchoslylis 
retusa)  violäceum  var.  Tiärissohiariüni.  —  Scuticaria 
(Hauptgruppe  17:  Mu.r/llariu),  Steelii  und  keyseriana  sind 
prachtvoll.  Soliralia  ist  ein  dankbarer  und  schöner  Blüher, 
leider  sind  nur  wenig  Arten  haltbar  in  der  Blüte  wie 
macrantha,  leticoxantha,  xantholeuca,  sanderiana^  (letztere 

wird  aber  von  leUCOXanfha  übertroffen).  Von  Stanliopca, 
mit   die   bekannteste  Orchidee,    sind    devoniensis ?    ebumea, 

alba    violacea,   insignis,   martiana,   oeulata,  lindlayana, 

tigrina,  Wardii  etc.  sämtlich  Prachtblüher  ohne  Ansprüche 
an  Kultur.  Thunia,  vergleiche  erster  Teil.  Die  Trichopilia, 
sind  dankbare  Blüher  mit  interessanten  Blüten,  aber  meist 
kurzstielig.  T.rr/sjia.  /'rat/raus,  gdleottiana,  stiar/s  (pracht- 
voll), tortüis.  Trichosma  Suavis  ist  eine  hübsche  zu  den 
Thunien  gehörige  Art,  leider  fast  nicht  in  Kultur.  Yamlu 
bitte  im  ersten  Teil  (Hauptgruppe  3:  Aerides)  nachzusehen, 
jedoch  seien  hier  mich  amesiana  (Abb.  Titelseite),  Bade* 
Hiainii.  Bensoni,  denisoniana,  Hookeri, Parishi,  Roxburghi, 
tricolor  und  var.  Patersoni  genannt.  Warscewiczella  (Zygo- 
petalum-Huntleya)  hat  discolor,  marginata,  velata  und 
Wendlandii  als  schönste  Vertreter.  Zygopetalum  sind  schön- 
blütige  aber  leider  steifstielige  Orchideen,  besitzen  aber  die 
bei  Orchideen  seltene  Farbe  blau  in  verschiedenen  Nuancen. 
Z.  rniutaiii,  intermedium,  Mackaii  (schönste),  maxülare 
und  rostratum  sind  schön.  Noch  giebt  es  eine  grosse  An- 
zahl Gattungen,  welche  aber  ausserhalb  der  mir  gestellten 
Aufgabe  liegen  und  meist  nur  botanischen  Wert  besitzen. 
Ich  glaube  aber,  dass  das  zusammengestellte  Material  ge- 
nügen wird,  wenn  es  auch  hier  und  da  noch  die  eine  oder 
andere  schöne   Pflanze  giebt.     Auf  meinen   Reisen  habe   ich 


VII. 


Die    C.incnwcl  t. 


29 


stets  Beobachtungen  angestellt  und  durch  die  Güte  meines  frü- 
heren Chefs  waren  mir  viele,  sonst  unzugängliche  Sammlungen 
geöffnet.  Diese  herrlichen  ausländischen  Sammlungen  weisen 
ja  Schätze  von  ungeheurem  Wert  auf,  für  Summen  erworben, 
die  selbst  der  reichste  Deutsche  nicht  ein  einziges  mal  ausgeben 
würde,  um  in  den  Besitz  einer  kostbaren  Pflanze  zu  gelangen. 

Dritter  Teil.  Wie  erhalte  ich  die  zur  Kultur  notwen- 
digen  Objekte? 

Diese  Frage  mag  wohl  manchen  verehrten  Leser  unnütz 
klingen,  jedoch  ich  stelle  mich  auf  Seite  des  Kaufenden 
ohne  die  Kniffe  genau  dabei  zu  kennen.  Sämtliche  Im- 
porten, das  sind  eben  die  vom  Auslande  eingebrachten 
(  Irchideen,  müssen  mit  schlafenden  Augen  erworben  werden. 
Die  Anregung  darf  beim  Käufer  erst  vor  sich  gehen.  Ein 
Zeitverlust  von  einem  Jahr  wäre  die  Folge,  wenn  dieser 
Umstand  nicht  beachtet  wird.  Das  Einpflanzen  geschehe, 
wenn  die  Wurzelbildung  sichtbar  wird,  auf  keinen  Fall  aber 
zu  spät.  Die  Pflanze  würde  auch  mit  zerdrückten  frischen 
Wurzeln  einen  leidlichen  Trieb  hervorbringen,  aber  das 
nächste  Jahr  zeigt  dann  das  Fiasko  vom  vorhergehenden  an. 
Der  Kultivateur  sei  bemüht,  aus  den  Reservestoffbehältern 
(Bulben)  das  Mindestmass  an  Nahrungssaft  für  den  Trieb  ent- 
nehmen zu  lassen.  Ist  auch  der  erste  Trieb  gleich  nicht  so 
stark,  so  bringt  doch  das  nächste  Jahr  alles  ein.  Ein  zweiter 
nicht  zu  unterschätzender  Vorteil  sind  aus  der  Heimat  mit- 
gebrachte und  in  der  Kultur  erhaltene  Blätter.  Die  impor- 
tierten Pflanzen  müssen  sorgfältig  gereinigt  werden.  Die 
Atmungsorgane  für  die  Pflanze,  die  Blätter,  welche  in  gierigem 
Bestreben  den  Wasserdunst  nach  solch  langer  Trockenzeit 
(Reise)  in  sich  aufnehmen,  sind  von  grossem  Werte.  Wie 
fördernd  der  Dunst,  nicht  das  Wasser  selbst,  auf  die  Pflanzen 
wirkt,  lässt  sich  an  den  in  Kultur  befindlichen  Objekten  wahr- 
nehmen. Kommt  der  Leser  in  ein  Haus,  in  welchem  die 
<  irehideen  langgestreckte  Wurzelspitzen  zeigen  oder  gar  der  in 
der  Heimat  zur  Stütze  dienende,  sonst  weiss  gefärbte  trockene 
Teil  grünlich  erscheint,  so  hat  er  ein  für  Orchideen  vorzüglich 
passendes  Haus  vor  sich,  und  sind  die  Pflanzen  mit  vielen 
reinen  Blättern  und  schönen  stark  entwickelten  Bulben  ver- 
sehen, so  waltet  ausserdem  ein  tüchtiger  Kultivateur  darin. 
Warum  sind  die  sonst  weiss  erscheinenden  Wurzelpartien, 
wenn  dieselben  grünlich  oder  wie  behaart  aussehen,  wert- 
voll? Weil  dieselben  Assimilationskraft  besitzen.  Die  in 
den  Wurzelspitzen  vorhandenen  Säfte  gehen  mit  den  im 
Wasserdunst  enthaltenen  ammoniakalischen  Substanzen  Ver- 
bindungen ein  und  werden  in  dem  grünen,  sonst  weiss  und 
hart  erscheinenden  Wurzelteilen  zum  Teil  schon  assimiliert. 
Dadurch  wird  die  Pflanze  bewogen  mehr  Wurzeln  zu  treiben, 
um  den  Blättern  dennoch  das  für  dieselben  bestimmte 
zur  Assimilation  zu  bringende  Quantum  Nahrungsstoff  zu 
schaffen.  Dadurch  wird  erhöhte  Nahrungszufuhr  ermöglicht 
und  ein  dementsprechend  starker  Trieb  wird  durch  die 
Pflanze  hervorgebracht.  Hieraus  wird  ersichtlich,  wie  ein 
Kultivateur  etablierte  Orchideen  einzukaufen  hat.  Dass  durch 
den  Import  hervorragende  Typen  aber  eingeführt  werden 
können,  sei  nebenbei  nur  erwähnt,  aber  man  hüte  sich, 
schlechte  Varietäten,  die  in  den  grossen  Geschäften  zu 
billigen  Preisen  abgegeben  werden  und  womit  früher  Ramsch- 


auktionen angestellt  wurden,  zu  kaufen.  —  Wie  erhalte  ich 
die  zur  Kultur  notwendigen  Objekte?  dieser  Frage  sei  bei 
meinem  Schlusswort  noch  auf  einer  anderen  Weise  gedacht, 
nämlich  in  bezug  auf  die  „Erhaltung  der  Orchideen  in 
gesundheitlicher  Beziehung".  Der  Leser  beachte,  dass  ein 
regerer  Stoffwechsel  grosseres  Gedeihen  zur  Folge  hat,  also: 
je  öfter  man  giessen  kann  und  je  schneller  die  Pflanze  ab- 
trocknet bei  richtiger  Kultureinhaltung,  desto  nutzbringender 
ist  es.  Man  halte  genau  die  Trockenperiode,  falls  die 
Pflanze  einer  solchen  bedarf,  ein,  sodass  ein  gehöriges  Aus- 
reifen des  neu  entwickelten  Triebes  stattfindet.  Man  stelle 
keine  Orchidee  in  dumpfen  Schatten,  sie  heisse  wie  sie 
wolle,  unsere  Sonnenstrahlen  sind  in  dem  grössten  Teil  des 
Jahres  knapp  genug  und  man  bedenke,  dass  die  Sonne 
allein  die  Assimilation  ermöglicht  und  den  Trieb  zur  Reife 
bringen  kann.  Die  Orchideenhäuser  müssen  am  Boden  des 
Hauses  wie  am  Firste  Lüftungsvorrichtungen  haben,  sodass 
die  stagnierende  schlechte  Luft  gehoben  und  entfernt  werden 
kann.  Man  gestatte  aber  nie  Zugluft.  Die  Leute,  welche 
Orchideen  verpflanzen,  müssen  denkende  Gärtner  sein,  welche 
Lust  und  Liebe  zur  Sache  haben  und  nicht  nur  des  Geldes 
halber  arbeitende  Leute,  denen  es  gleich  ist,  wie  die  Orchidee 
sich  nach  dem  Verpflanzen  fühlt  und  wie  dieselbe  verpflanzt 
ist.  Mögen  diese  Zeilen  und  die  auf  die  Arbeit  verwendete 
grosse  Mühe  meinen  Kollegen  nutzbringend  sein,  damit  sie 
das  Ziel,  in  der  Kultur  der  Orchideen  mindestens  mit  dem 
Auslände  auf  gleicher  Höhe  zu  stehen,  leichter  erreichen 
und  ihnen  auch  in  pekuniärer   Hinsicht  Vorteile  erwachsen. 


Stanhopea  inodora  Ldl.  aus  Mexico  (Abb.  Seite  27),  ist  eine 
recht  alte  Pflanze,  die  schon  um  die  Mitte  des  vorigen  Jahrhun- 
derts durch  Loddiger  eingeführt  wurde;  sie  findet  sich  gelegent- 
lich in  den  Gärten  und  verdient  infolge  ihres  willigen  Blühens  und 
ihrer  zarten  Blüten  wohl  besondere  Obacht.  Freilich  duftet  sie 
nicht,  was   ja   noch   schliesslich   zu   verschmerzen   ist. 

Charakterisiert  ist  die  Pflanze  durch  länglich  eiförmige,  ge- 
furchte Scheinknollen  und  kurz  gestielte,  breite,  zugespitzte  Blät- 
ter, sowie  durch  grosse,  geruchlose,  hellgelbe  Blüten  an  fein 
schwärzlichbraun  jiunktierten  Spindeln.  Die  Kelch-  und  paa- 
rigen Blumenblätter  sind  ein  wenig  schmal,  zurückgeschlagen. 
Die  Farbe  derselben  ist  ein  helles  Gelb  mit  grünlichem  Schein 
und  braunen  Punkten.  Die  Lippe  ist  dunkler  gelb  mit  bräun- 
licher Färbung  des  inneren  Teiles,  zart  elfenbeinweisser  Färbung 
des  Vorderlappens  und  der  beiden  seitlichen,  hörnchenartigen 
Anhängsel.  Punkte  und  Flecken  der  Lippe  sind  dunkelbraun. 
Die  Säule  ist  schlank  und  weisslich. 

Die  Stanhopeen  sind  leider  zur  Zeit  wenig  modern;  ein 
Verhältnis,  welches  diese  Art  eben  so  wenig  verdient  wie  ihre 
Artgenossen.  Warum  ist  es  so?  Dankbar  sind  sie  bei  nur  ge- 
ringer Pflege,  schön  und  interessant  ihre  Blüten,  jedenfalls 
ebenso  interessant  wie  Cypripedien  etwa.  Freilich  sind  sie  weder 
langstielig  noch  zum  Schnitt  geeignet  und  diese  Punkte  sind  yj 
leider  die  einzigen,  nach  denen  in  unserer  Zeit  Blumen  bewertet 
werden.  B.  Othmer,  kgl.   Garteninspektor,    München. 


Versand  von  Orchideen  nach  England.  Es  ist  bekannte  That- 
sache,  dass  England  nicht  allein  Orchideen  nach  dem  Kontinent  expor- 
tiert, sondern  auch  Massen  von  dieser  Pflanzengattung  von  Deutschland 
und  Belgien  importiert;  aber  weniger  bekannt  und  darum  bemerkens- 
wert dürfte  es  sein,  dass  England  in  neuester  Zeit  Orchideen  aus  russischen 
Gärtnereien  bezieht.  Es  handelt  sich  in  erster  Linie  um  alte,  fast  ver- 
gessene Arten,  die  in  manchen  russischen  Gärten  in  grösseren  i 
und  guten   Kulturen  zu  finden  sind.  Cosmos. 


30 


Die    Garrenwelt. 


VII,  3 


Landschaftsgärtnerei. 
Eine  empfehlenswerte  Garten-A nsschm ückung. 

Von   Chr.   Klinker,  Handelsgärtner,  Schleswig. 
(Hierzu  eine  Abbildung.) 

\*j&  ist  nicht  allein  Hauptsache  eines  jeden  Gärtners,  Ware 
zum  Verkauf  heranzuziehen,  sondern  auch  dafür  zu  sorgen,  sie 
an  den  Mann  zu  bringen.  Um  das  Absatzgebiet  so  gross  wie 
möglich  zu  machen,  muss  man  in  erster  Linie  darauf  bedacht 
sein,  der  Kundschaft  ständig  etwas  Verschiedenes  oder  Neues 
zu  zeigen,  sei  es  in  Neuheiten  der  Pflanzen  selbst,  oder  in  der 


Dahlien. 


Mit  Kork  dekorierte,  mit  Florblumen,  Schling-  und  Hängegewächsen  bepflanzte  Wand. 

Origiualaufuahmc  für  die  ,, Gartenwelt". 


verschiedenartigen  Anwendung  derselben,  wie  Dekoration  etc. 
In  jedem  Falle  muss  aber  das  Interesse  für  die  Verwendung 
der  Florblumen   bei  dem   Laien   möglichst   gefördert  werden. 

Diverse  Dekorationen  meiner  Gärtnerei  haben  schon 
vielfach  Nachahmung  gefunden,  so  auch  die  hier  abge- 
bildete, mit  Florblumen  und  HängepUanzen  bepflanzte  Planke. 

Mancher  Blumenliebhaber,  der  über  keinen  Garten 
verfügt,  kann  sich  auf  seinem  Hofraum,  wo  der  Platz 
auch  noch  so  beschränkt  ist,  eine  ähnliche  Dekoration 
auf   eine   billige  Art   und   Weise  herrichten. 

Lange  schmale  Kästen,  zu  diesem  Zweck  hergestellt, 
werden  mit  Zierkork  benagelt  und  an  der  Planke  be- 
festigt. Der  übrige  Platz  der  Planke  wird  noch  entsprechend 
mit  Zierkork  dekoriert  und  nachdem  die  Kästen  bepflanzt, 
hat  man  für  den  ganzen  Sommer  einen  immerblühenden 
Garten    und  ein  Dekorationstück   ersten  Ranges   geschaffen. 


Deutsche  Dahlien-Neuzüchtungen.  a)  Die  diesjährigen 
Neuheiten. 

Von   Heinrich    Kohlmannslehner,   Handelsgärtner,   Britz-Berlin. 

LJass  der  Prophet  nichts  in  seinem  Vaterlande  gilt, 
haben  die  deutschen  Dahlienzüchter  jahrelang  so  recht  erfahren 
müssen.  Und  doch  scheint  sich  eine  Wandlung  zum  Erkennen 
des  im  Innern  erzeugten  Guten  langsam  Bahn  zu  brechen.  Ge- 
rade die  eben  verflossene,  in  Gemeinschaft  mit  der  grossen 

Erfurter     Blumen- 


schau     stattgefun- 
dene fünfte    deut- 
sche Dahlien-Aus- 
stellung    gab    uns 
Gelegenheit  zu  be- 
obachten,   dass 
endlich  einmal  der 
Klang      englischer 
Namen  gegen    die 
wirklich  wertvolle- 
ren    deutschen 
Züchtungen  zu  ver- 
hallen    beginnt. 
Auch    die    Schön- 
heitskonkurrenz, 
deren     Resultat 
wir      an      anderer 
Stelle  lesen,  wenn 
sie    wirklich    nicht 
ernster  zu  nehmen 
sein  sollte,  hat  uns 
gezeigt,    dass    das 
grosse   Publikum 
die  Züchtungen 
mit    heimischen 
Namen    über  jene 

des     Auslandes 

stellt,     und     wenn 

das     wirklich    un- 

damit  zufrieden  sein, 

ein     überwundener 


gerecht    wäre,    so    könnte   man  doch 
dass    das    Abhängigsein    vom    Auslande 
Standpunkt  zu  werden  —   beginnt! 

Kein  Jahr  im  Verlaufe  eines  Dezenniums  war  wohl  für 
die  Dahlienkultur  unglücklicher  als  das  heurige.  Dazu  ein 
etwas  gewagt  früher  Termin  für  die  Ausstellung,  so  dass 
das  Urteil  über  das  sich  darbietende  Gute  vielleicht  etwas 
hart,  dafür  aber  wohl  gerechter  und  zum  Heile  der  deutschen 
Kulturarbeit  im  Dahliengebiete  auch  strenger  ausfallen  muss. 

Unter  Weglassung  von  Züchternamen,  möglichst  nach 
der  Farbenklasse  geordnet,  interessieren  uns  mit  am  meisten 
rosa   Farbtone. 

In  „Herzogin  Agnes"  mit  ihrem  als  fliederfarbig  oder 
richtiger  noch  nelkenrosa  zu  bezeichnenden  Farbtone  haben 
wir  eine  wirklich    wertvolle  Neuheit    zu    registrieren,    welche 


VII,   3 


Die    Gartenwelt. 


31 


äusserst  vollkommene  lang  und  spitz  ausstrahlende  Blüten  hervor- 
bringt, und  wenn  mich  der  Züchter  richtig  informierte,  auch  zu  den 
dankbarsten  Blühern  gehören  soll. 

„Bosea  swperba."  Wie  man  mit  einem  solchen  klangvollen 
Namen  einen  rosenroten  Sport  von  „Keijnes  White"  in  den  Handel 
geben  kann,  welcher,  stets  globige,  plumpe  und  hässliche  Blüten 
bringend,  darin  in  nichts  an  die  Muttersorte  erinnert,  ist  mir  unver- 
ständlich. Die  gesamten  Dahlienkenner  haben  sich  auf  der  Erfurter 
Ausstellung  den  Kopf  darüber  zerbrochen,  und  ein  glückliches 
Schicksal  möge  meine  Kollegen  von  einer  Massenvermehrung  dieser 
Neuheit  bewahrt  haben. 

„Herder",  ein  zartes  Rosenrot  nach  der  Mitte  zu  in  creme 
übergehend,  hat  sich  '  als  ziemlich  früher  Blüher  erwiesen,  nur 
scheint  diese  Sorte  als  nordisches  Kind,  im  besten  Boden  geboren, 
auch  ziemlich  hohe  Bodenansprüche  zu  stellen.  Das  Gleiche  dürfte 
von  „Graf  Waldersee" ,  zart  lilarosa,  zu  behaupten  sein.  „Krimhilde" 
erwarb  sich  wieder  viele  neue  Bewunderer.  Die  Form  ist  wirklich 
tadellos,  prächtig  in  feine  Spitzen  ausstrahlend  auf  feinem  Stiel.  Gegen 
das  etwas  harte,  zu  bläulich  schimmernde  Rosa,  weil  diese  Tönung 
immer  eine  Lichtfarbe  ist,  wäre  nichts  einzuwenden,  nur  die  creme 
Mitte  der  Blüte  sollte  etwas  sanfter  verlaufen;  wenigstens  der  Blumen- 
binder bevorzugt  Blumen  in  zweierlei  Färbung  gerade  nicht.  Wenn 
dieser  Züchtung  der  „Siegfried'sche"  Fehler,  ein  mangelhafter  Blüher 
zu  sein,  nicht  eigen  ist,  wahrt  sich  dieses  Rheingauer  Kind  auf 
Jahre  hinaus  eine  Bevorzugung.  „Sgringa",  ein  hartes  Flieder- 
rosa, mag  in  der  Färbung  wohl  gefallen;  sie  Hess  aber  bei 
den  ausgepflanzten  Exemplaren  Feinheit  in  der  Form  ver- 
missen, auch  war  sie  nicht  ganz  einwandfrei  in  der  Beständig- 
keit ihrer  Blüten. 

..Hildegard  Weimar"  hat,  was  Reichblütigkeit  anbelangt, 
voll  und  ganz  das  gehalten,  was  sie  im  vorigen  Jahre  ver- 
sprach. Die  Blume,  die  deswegen,  weil  sie  zierlich  klein 
und  nicht  allzu  langstrahlig  ist,  besonders  wertvoll  bleiben 
wird    für    die    Blumenbinderei,    besitzt    ein    zartes    silbriges 


Bambusa    spinosa  (Zweig  mit  Blüten). 
Vom  Vertasser  für  die  „Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen  (Text  Seite  33). 


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Bambusa  spinosa  (Sämlingspflanze). 
Vom  Verfasser  für  die    „Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen  (Text  Seite  33). 


Lilarosa,  welches  nach  der  Mitte  zu  verblasst.     „Ngmpliu<ti" 
in   ihrer   ganz   abweichenden  Wasserrosenform,    darin    etwas 
ähnlich,  aber  doch  vollkommener,  als  die  alte  deutsche  Züch- 
tung   „Germania",    wird    in    ihrem    zarten    lachsigen    Rosa, 
welches    einen   eigenartig  metallischen  Schimmer  besitzt,   für 
den  wirklichen  Blumenkünstler  immer  ein  willkommener  Werk- 
stoff sein,  dabei  ist  sie  gedrungen    in   der  Form    und    recht 
dankbar   im    Flor.      „Elektra"    hat   ein   etwas    ins    bläuliche 
gehendes    rosiges    Lila.      Bei    Tag    dürfte    der    Ton 
etwas    hart   erscheinen,     bei    Beleuchtung    wirkt   die 
Farbe  jedoch  köstlich.     Sie  wird  bei  ihrer  guten  Ver- 
mehrungsfähigkeit, ihrem  frühen  und  reichen  Blühen 
eine    gern     gekaufte    Massensorte    für    Bindezwecke 
bleiben.     Das  „Märchen",  in  der  Farbe  köstlich  rosa 
mit     grünlich     gelbem    Centrum,     ist     in   der    That 
märchenhaft  schön;  es  will  früh  in  Stecklingen  oder 
möglichst    in   Knollen   gepflanzt  sein,    und    ist   auch 
keineswegs  allzu  reichblühend.      Wer   aber  die  ziem- 
lich grosse,  in  der  Färbung  einer  „Delilcata"   nahe- 
stehende Blüte  mal  gesehen  hat,  wird  stets  ein  Ver- 
ehrer dieser  Züchtung  bleiben. 

In  roten  Färbungen  befleissigen  sich  jetzt  schon 
die  deutschen  Züchter  grosser  Mässigung,  und  es  ist 
nicht  leicht  die  schon  vorhandenen  guten  Sorten 
durch  etwas  Besseres  zu  übertreffen.  „Eroprinzessin 
Reuss"  mit  tief  sammetenem  Blutrot  dürfte  in  Form 
und  auch  ihres  guten  Blühens  wegen  wohl  aufzuneh- 
men sein.  „Sühneprinz",  rein  dunkelpurpur,  ist  in 
der  Form  ein  Ideal,  dagegen  im  Blühen  und  im  Stiel 
nicht  befriedigend.  „Dekoration"  gehört  in  dem 
Orangescharlach    ihrer  Blüten  nicht    zu   den  feinsten 


32 


Die    Garten  weit. 


VII,  3 


Binde-Dahlien,  doch  zählt  sie, 
das  ist  sie  schon  ihrem  Namen 
schuldig,  zu  den  immer  noch 
wenigen  Dahlien,  die  mit  Vor- 
teil als  Gartenschmuck  zu  ver- 
wenden sind.  „Sezession"  dürfte 
ihrer  riesigen  Blüten  wegen  als 
scharfer  Konkurrent  der  engli- 
schen Züchtung  „Red  Rover" 
Anerkennung  verdienen.  Die  Blu- 
men sind  ähnlich  einem  japa- 
nischen Chrysanthemum  geordnet 
und  die  Farbe,  hellscharlach. 
Wuchs,  Stellung  und  Haltung  sind 
gut.  Mit  der  vorjährigen  deutschen 
Neuheit  „Rakete"  dürften  wir, 
was  Reichblütigkeit,  prächtigen 
Stiel,  brennende  reine  Farbe  ihrer 
Blüten  anbelangt,  w.  >hl  auf  Jahre 
hinaus  zufrieden  gestellt  sein. 
Auch  die  dekorative  Wirkung  die- 
ser Züchtung  wäre  hervorzuheben. 

Die  begehrteste  Farbe  aller  Blumen  bleibt  weiss.  Wir 
haben  auch  hierin  mit  deutschen  Züchtungen  wesentliche 
Fortschritte  gemacht,  aber  man  muss,  will  man  gerecht  sein, 
zugeben,  dass  das  Ideal  der  Vollkommenheit  noch  lange 
nicht  erreicht  ist.  ...Jugend",  welche  etwas  hohe  Ansprüche 
an  ihren  Standort  und  Boden  stellt,  ist  viel  gelobt  worden. 
In  unserem  märkischen  Schnee  vermissen  wir  an  dieser 
edlen  Züchtung  den  üppigen  Wuchs,  doch  werden  die 
Blüten  auf  jedem  Boden  von  prächtigster  verworrener 
Bauart  und  gemahnen  in  ihrer  Architektur  an  die  bekannte 
ältere  Züchtung  „Agir".  Die  Stengel  der  Blüten  lassen 
nichts  zu  wünschen  übrig;  die  Blütenfarbe  hat  oft  einen 
etwas  bläulichen  Schimmer,  wäre  also  als  Milchweiss  zu 
bezeichnen,  sie  wird  aber  reiner  und  schöner,  je  kühler 
die  Herbstnächte  sich  einstellen.  Was  ich  an  „Lotte 
Kohlmannslehner"  besonders  hoch  schätze,  ist  ein  früher 
Flor.  Schon  die  kleinste  Pflanze  bringt  langgestielte,  leider 
etwas  hängende  Blüten  von  grosser  Vollkommenheit  in 
schön  ausgestrahlter  Form.  Wäre  die  Blüte  noch  etwas 
mehr  im  Bau  gewölbt,  so  dürfte  der  Eindruck  ein  noch 
weit  schönerer  sein.  Ich  habe  diese  Züchtung  von  jeher 
als  die  höchste  Verbesserung  von  „Mrs.  Peart"  bezeichnet, 
dabei  ist  die  Färbung  reiner  und  zarter  als  bei  jener.  Der 
höchste  Wert  von  ..Lotte  Kohlmannslehner"  liegt  darin, 
dass  unschöne  und  knopfige  Blumen  selbst  bei  heissem 
Wetter  Unmöglichkeiten  sind;  Blütenreichtum  und  gesunder 
Wuchs  lässt  nichts  zu  wünschen  übrig  und  für  guten  Stand- 
ort zeigt  sich  diese  Neuheit  durch  ein  reiches  Blühen  bis 
zum  Herbst  dankbar.  Wenn  ..Lord  Roberts",  die  ich  hier 
gerechter  Weise  mit  anführen  möchte,  etwas  reicher  blühen 
würde,  dann  bedeutele  diese  englische  Neuheit  eine  Kon- 
kurrenzzüchtung zur  vorgenannten.  Sie  ist  in  den  dünnen 
Blütenstielen  noch  mangelhafter,  dafür  aber  in  der  Form 
als  feiner  zu  bezeichnen.  Die  Vermehrungsfähigkeit  von 
„Lord    Roberts"     steht     ebenfalls     weit    hinter     derjenigen 


Neue  Azalea  „Frau'Meta  Bluth". 

Origiualaufnahme  für  die  ,, Gartenwelt"     (Text  Seite  33) 


der    „Lotte     Kohlmannslehner" 
zurück. 

Grössere  Konkurrenz  im 
weissen  Farbgebiete  werden  die 
Züchtungen  für  1903  bringen, 
auf  die  ich  in  einer  zweiten 
Betrachtung  noch  näher  eingehen 
werde. 

Zu  den  gelben  und  ver- 
wandten Färbungen  übergehend, 
hat  ,.  Volker'"1  nicht  enttäuscht, 
sie  formt  sich  stets  tadellos  in 
ihren  Blüten  in  mattgoldgelber 
Färbung,  blüht  ziemlich  früh 
und    auch  befriedigend  reich. 

..Freund  Hesdörffer"  wird 
stets  eine  gute  Dekorations- 
dahlie für  unsere  Gärten  blei- 
ben ,  weil  sie  früh  und  reich 
blüht,  gut  gestielt  ist  und  in  ihrem 
Bernsteinton  auch  eine  leuchtende 
Farbe  bedeutet. 
„Professor  l>r.  Zacharias"  war  in  schönen  Blüten 
auf  der  Erfurter  Ausstellung  vertreten.  Das  klare  Kanarien- 
gelb und  auch  die  edle  Form  hat  mir  gefallen ;  wie  sie  im 
freien  Lande  blüht,  vermag  ich  nicht  aus  eigner  Kenntnis 
zu  berichten.  Unbestritten  noch  die  besten  gelben  Dahlien 
bleiben  die  früheren  Züchtungen  „Sohnenstralllen",  bei 
welcher  besonders  eine  enorme  Haltbarkeit  der  Blüten 
hervorzuheben  ist  und  „Mrs.  J.  J.  Crowe",  die  eine  der 
feinsten  englischen  Dahlienzüchtungen  sein  und  bleiben  wird. 
Hierbei  sei,  hervorragend  in  ihrem  Garten-Ausschmückungs- 
wert, die  ebenfalls  gelbblühende  mit  rosigen  Spitzen  schimmernde 
J'ujit.  Lansu,   eine    1901er  Einführung,  mit  genannt. 

In  dem  Gebiete  der  unbestimmten  Farbtöne  erfreute 
sich  in  Erfurt  der  „Deutsche  Sieger",  ich  glaube  besonders 
seines  schönen  Namens  wegen,  grosser  Anerkennung.  In 
der  Färbung  ähnlich  wie  „  Westfalia",  die  ich  in  ihrem 
tiefen  Kastanienbraun  und  in  ihrer  edlen,  vornehmen  Form 
sehr  hoch  schätze,  die  aber  etwas  spät  blüht  —  über- 
rascht uns  die  erstgenannte  Sorte,  die  ich  während  der 
Erfurter  Ausstellungstage  an  ihrer  Geburtsstätte  in  Gotha 
gesehen,  durch  einen  wirklich  reichen  Flor.  „Brunhilde"', 
mit  einem  eigenartigen  Pllaumenblau,  bleibt  stets  gedrungen 
und  kann  zu  den  reich-  und  frühblühendsten  Edeldahlien, 
zumal  sie  besonders  dekorativ  wirkt,  gezählt  werden.  An 
dekorativem  Wert  dieser  Züchtung  gleichkommend,  ist  noch 
„Gartenbaudirektor  Geitner",  mit  sehr  regelmässig  und 
immer  vollkommen  geformten  Blumen  von  rosiglachsorange 
Färbung,  hervorzuheben.  Auch  diese  Züchtung  dürfte  mit 
Recht  zu  den  besten  des  heurigen  Jahrganges  zu  zählen  sein. 
Im  Folge-Artikel  wollen  wir  uns  mit  den  Züchtungen, 
die  uns  der  Handel  im  nächsten  Jahre  zugänglich  macht, 
beschäftigen. 


VIT. 


Die    Garten  weit. 


33 


Neue  Pflanzen. 

Azalea  indica  ..Frau  Meta  Bluth'-.  In  dem  Bestreben  eine 
neue  reich  und  in  jungen  Pflanzen  schon  blühende,  besonders 
als  Marktpflanze  geeignete  Azalee  zu  züchten  habe  ich  jahre- 
lange Versuche  angestellt  und  endlich  eine  Neuzüchtung  erzielt, 
die  den  Anforderungen  an  eine  gute  Marktpflanze  genügt. 
„Frau  Meta  Bluth"  ging  aus  den  bekannten  Sorten  „Louise  Bluth" 
und  „Borsig"  hervor.  Ihre  Eigenschaften  sind  gute  Füllung 
und  zarte  rosae  Färbung  bei  massiger  Grösse  der  Blumen. 
Sie  wächst  und  blüht  sehr  dankbar.  „Frau  Meta  Bluth"  erhielt 
das  Wertzeugnis  des  Verbandes  der  Handelsgärtner  und  die 
grosse  silberne  Medaille  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Garten- 
baues. Die  Abbildung  Seite  32  zeigt  eine  dreijährige  Pflanze. 
Franz   Bluth,  Gärtnereibesitzer,  Gross  Lichterfelde-Berlin. 


Topfpflanzen. 

Bambusa  spinosa.  Wer  längere  Zeit  an  der  Riviera,  oder 
überhaupt,  wo  Agaven  wachsen,  lebt,  lässt  sich  nichts  mehr 
von  der  hundertjährigen  Aloe,  wie  die  Agave  fälschlich  ge- 
nannt wird,  aufbinden.  Ihre  armleuchterartigen  Blütenschäfte 
sind  etwas  gewöhnliches  und  gehören  quasi  mit  zum  Charakter 
der  Landschaft.  Ein  seltenes  Ereignis  dagegen  ist  das  Blühen 
eines  Bambus.  Hier  wäre  das  Attribut  100  jährig  schon  zu- 
treffender, ist  doch  für  einige  Arten  genau  nachgewiesen  worden, 
dass  sie  in  hundert  Jahren  nur  dreimal  blühen.  Ich  war  daher 
überrascht,  die  in  unserem  Kalthause  stehende  Bambusa  spi- 
nosa  Boxb.  im  vergangenen  Herbste  sich  mit  Blütenästchen 
Schmücken  zu  sehen.  Von  zwei  Exemplaren  entblätterte  sich 
eins  vollständig  und  scheint  eingehen  zu  wollen.  Das  andere 
erschöpfte  sich  weniger  im  Blühen  und  treibt  jetzt  neue  Blatt- 
ästchen,  deren  Spitzen  immer  noch  einige  Blüten  tragen.  Die 
Hauptblüte  dagegen  ist  an  den  Quirlen  entblätterter  Schosse. 
Von  den  ohnehin  in  geringer  Zahl  ausgebildeten  Körnern  (eine 
grannenlose,  weizenkorngrosse  Schalfrucht)  konnte  ich  leider 
nur  einen  Bruchteil  vor  den  Mäusen  bergen.  Auch  in  der  Hei- 
mat stellen  diese  Nager  der,  Bambusernte  nach  und  auf  die 
Bambusenblüte  folgt  gewöhnlich  eine  Mäuseplage.  Der  Leset 
sieht  auf  der  Abbildung  Seite  31,  welch'  zierliche  Büsche  aus 
diesen  Samen  erwachsen  sind.  Auch  als  alte  Pflanze  ist 
Bambusa  spinosa  zierlich,  ihre  Sprosse  sind  nicht  viel  über 
fingerdick  und  bis  6  m  lang,  die  äusseren  elegant  überge- 
neigt. Doch  nähere  man  sich  nicht  zu  sehr  diesen  Ruten, 
sie  sind  mit  kräftigen  Stacheln  bewehrt.  Die  andere  Abbil- 
dung lässt  rechts  neben  der  Blüte  diese  erkennen.  An  allen 
Knuten  sind  sie,  aus  Zweigen  ihren  Ursprung  nehmend,  aus- 
gebildet. Bis  S  cm  lang,  spitz  und  hakenförmig  nach  abwärts 
gekrümmt,  sind  sie  wirklich  gefährlich.  In  Ostindien,  woher 
die  Pflanze  stammt,  bildet  man  daher  mit  ihnen  Hecken  und 
lebendige  Zäune.  Leider  ist  es  aussichtslos,  Bambusa  spinosa  im 
deutschen  Klima  zu  akklimatisieren,  sie  muss  dort  sogar  tem- 
periert   gehalten    werden. 

Jahn.   1  'bergärtner,  Genua. 


Obstbau. 


Die  Ernte  des  Kernobstes. 

Von   Georg  Thiem,   München. 

H,ine  Apfel-  oder  Birnfrucht,  zur  richtigen  Zeit  ge- 
pflückt und  zur  richtigen  Zeit  genossen,  kann  auch  nach  Güte 
und   Wert  richtig  beurteilt   werden. 


Im  Nachstehenden  möchte  ich  zu  dieser  äusserst  wich- 
tigen Arbeit  einige  Punkte  erwähnen,  die  bei  der  Einerntung 
von  wesentlicher  Bedeutung  sind. 

Bei  der  Ernte  unseres  Kernobstes  ist  zweierlei  zu 
berücksichtigen,  einmal  der  richtige  Zeitpunkt  des  Einerntens 
und  anderseits  die  vorteilhafteste  Art  und  Weise  desselben. 
Als  Hauptregel  gilt,  dass  alles  abzuerntende  Obst  baumreif 
sei,  d.  h.  es  sollen  sich  bei  den  Früchten  die  Gefässbündel 
des  Stieles  von-  dem  sie  zunächst  ernährenden  Fruchtkuchen, 
ohne  besonderen  Zwang  abtrennen  lassen.  Ferner  ernte 
man  die  Früchte  stets  bei  guter  trockener  Witterung,  niemals 
aber,  wenn  ersteren  starke  Feuchtigkeit  anhaftet.  Auch 
müssen  die  Früchte  ihre  vollkommene  normale  Grösse  erreicht 
haben  und  tritt  in  diesem  Stadium  auch  die  Kernreife  ein, 
wobei  sich  die  Kerne  des  Apfels  braun,  die  der  Birne  aber 
schwarz  färben. 

Kernreife  und  Zeitigung  oder  der  Zustand  der  völligen 
Reife  des  Fruchtfleisches  fällt  bei  frühreifenden  Obstsorten 
stets  zusammen,  bei  allen  Herbst-  und  Winterfrüchten  tritt 
die  Zeitigung  dagegen  erst  später  ein  und  ist  diese  bei  ver- 
schiedenen Sorten  wiederum  äusserst  verschieden.  Aber 
noch  weitere  Punkte,  wie  lokale  Witterungsverhältnisse,  Stand, 
Boden,  Klima,  Unterlage  und  der  Gesundheitszustand  des 
Baumes  selbst,  "kommen  hierbei  in  Betracht.  In  Bezug 
auf  den  Einfluss  lokaler  Boden-  und  Witterungsverhält- 
nisse auf  die  Güte  der  Früchte  kann  man  z.  B.  beobachten, 
dass  in  Gegenden  mit  anhaltend  feuchtem  Boden,  in  Ver- 
bindung mit  starken  Niederschlägen  während  der  Baumreife, 
das  Fruchtfleisch  des  Obstes  lange  nicht  die  Konsistenz  be- 
sitzt und  dieses  infolgedessen  zum  Lagern  sich  weniger 
gut  eignet,  als  Früchte,  die  in  normalen  Verhältnissen  ge- 
wachsen sind.  Über  diese  Punkte  daher  eine  bestimmte 
Norm  aufzustellen,  ist  nicht  gut  möglich;  hier  kann  nur 
Selbstbeobachtung  und .  Erfahrung  dem  Obstzüchter  einen 
sicheren  Anhalt  über  den  Zeitpunkt  der  Einerntung  der 
einzelnen -Sorten  geben. 

Entschieden  wichtiger  ist  die  Einteilung  des  Kernobstes 
in  Si  immer-,   Herbst-  und  Winterfrüchte. 

Bei  den  Sommerfrüchten  fallen,  wie  schon  erwähnt, 
die  Kernreife  und  Zeitigung  ziemlich  zusammen,  doch  ist 
es  vorteilhafter,  die  Früchte  schon  vor  ihrer  vollständigen 
Fleischreife  einzuernten,  es  halten  sich  diese  dann  länger, 
ja  so  manche  erhalten  durch  das  Lagern  und  sei  dieses 
nur  von  kurzer  Dauer,  einen  weit  edleren  Geschmack.  Doch 
muss  auch  hier  vor  einem  zu  frühen  Pflücken  gewarnt 
werden,  da  diese  Früchte  oft  welken  und  geschmacklos 
bleiben. 

Die  Zeitigung  bei  den  Sommerfrüchten,  namentlich  bei 
Birnen,  geht  sehr  schnell  vor  sich  und  halten  sich  diese  in 
dem  Zustand  vollkommener  Brauchbarkeit  gewöhnlich 
8 — 14  Tage  bis  3  Wochen,  je  nach  den  Sorten.  Hier 
möchte  ich,  namentlich  für  den  Privatgebrauch,  das  allmähliche 
Auspflücken  ganz  besonders  empfehlen.  Die  reifsten  Früchte, 
die  ihre  vollkommene  Grösse  erreicht  haben,  auch  die  zu 
dicht  hängenden  werden  zuerst  ausgebrochen,  dann  solche, 
welche  der  Sonne  am  meisten  ausgesetzt  sind.      Dieses  all- 


34 


Die  Gartenwelt. 


VII,  3 


mähliche  Abernten  wird  in  Zeiträumen  von  6 — 8  Tagen 
wiederholt,    bis    die   vollständige  Ernte    vorgenommen    wird. 

Aber  auch  das  Kolorit  zeigt  den  richtigen  Zeitpunkt 
zum  Pflücken  an.  Bei  allen  einfarbigen  Früchten  ist  der 
richtige  Moment  eingetreten,  wenn  die  grüne  Grundfarbe 
ins  Gelbliche  übergeht,  bei  kolorierten  dagegen,  wenn  das 
Rot  lebhafter,  leuchtender  wird.  Erntet  man  Sommerfrüchte 
zum  direkten  Genuss  für  die  Tafel,  so  muss  dies,  ausser  an 
trüben  Tagen,  stets  des  Morgens  geschehen,  da  es,  bei  voller 
Tageshitze  gepflückt,  bekanntlich  weitaus  nicht  den  feinen 
Wohlgeschmack  und  das  Aroma  besitzt,  als  wenn  es  des 
Morgens  abgenommen  wird. 

Die  Ernte  der  Herbst  fruchte  kann  vorgenommen 
werden,  sobald  die  Kernreife  vollkommen  eingetreten  ist 
und  die  Früchte  sich  leicht  vom  Fruchtkuchen  ablösen  lassen. 
Sie  müssen  sämtlich,  ohne  Ausnahme,  eine  Nachreife  auf 
dem  Lager  bis  zum  Gebrauch  durchmachen. 

Unter  den  Herbstfrüchten  besitzen  wir  die  edelsten  und 
köstlichsten  Sorten,  die  schon  wegen  ihrer  Güte  besondere 
Sorgfalt  beim  Pflücken  beanspruchen  und  wird  diese  mühe- 
volle Arbeit,  später  durch  den  Genuss  köstlicher  Früchte 
tausendfach  aufgewogen. 

Viel  zur  Haltbarkeit  der  Herbstfrüchte  auf  dem  Lager 
trägt  ein  vorheriges  Ausbreiten  derselben  in  einem  kühlen 
Raum  bei.  Hier  werden  sie  flach  ausgebreitet,  damit  das 
Schwitzen,  das  ist  ein  teilweises  Verdunsten  von  etwas 
Feuchtigkeit,  ungehindert  vor  sich  gehen  kann. 

Gerade  dieses  Schwitzen  der  Früchte  fördert,  wenn 
diese  gleich  nach  der  Ernte  in  den  Obstkeller  aufgeschichtet 
werden,  das  Faulen  in  bedeutendem  Masse.  Ganz  besonders 
kann  man  dies  bei  Herbstfrüchten  mit  feiner,  zarter  Schale 
beobachten,  wie  unsere  wertvollen  Calville,  die  weichfleischigen 
Rosenäpfel,  von  Birnen  namentlich  die  weisse  „Herbsthtith  r- 
birne",  „Colomas  HerbstbuMerbirne"  und  viele  andere. 

Umgekehrt  sollten  dagegen  wieder  alle  jene  Früchte, 
deren  Schale  mit  Rostüberzug  versehen  ist,  möglichst  bald 
nach  der  Ernte  in  den  Obstkeller  gelangen,  da  sie,  vermöge 
ihrer  porösen  Schale,  leicht  dem  Welken  unterwi  >rfen  sind 
und  dies  um  so  stärker,  je  mehr  sie  der  trocknen  Luft 
ausgesetzt  werden. 

Das  Winterobst,  sowie  alle  diejenigen  Obstsorten,  die 
zwar  ihre  Kernreife  bis  Anfang  oder  Mitte  Oktober  erlangen, 
deren  Genussreife  aber  erst  nach  längerem  Lagern  und  nicht 
vor  Ende  November  eintritt,  sollte  solange  es  die  Witterungs- 
verhältnisse gestatten,  am  Baume  hängen  bleiben.  Es  ist 
ganz  auffallend,  was  sowohl  die  älteren  Apfel-  wie  Bimsorten, 
an  Vollkommenheit,  Güte  und  Haltbarkeit,  gerade  in  den 
letzten  Tagen  der  Baumreife  gewinnen.  Zu  früh  geerntetes 
Dauerobst  schrumpft  zusammen  und  vergeht,  ohne  Süssigkeit 
und  Aroma  zu  entwickeln.  Anderseits  werden  bei  zu  frühem 
Pflücken  auch  die  Bäume  selbst  sehr  beschädigt,  indem 
dabei  eine  Menge  kleiner  Fruchtzweige  mit  abgebrochen 
werden,  da  die  Früchte,  infolge  ihrer  noch  nicht  erlangten 
Baumreife,  sich  schwer  von  dem  Fruchtkuchen  lösen  lassen. 
Ist  die  Witterung  andauernd  günstig,  so  sollte  man  sich 
aber  doch  nicht  verleiten  lassen,  das  Obst  wieder  recht  lange 
am  Baume  hängen  zu  lassen,  da  sonst  die  Fleischzellen  der 


Früchte  verholzen,  letztere  daher  hart  bleiben  und  nie 
schmelzend  werden. 

Alles  Winterobst,  sofern  es  zur  Aufbewahrung  gelangt, 
sollte  sorgfältig  mit  der  Hand  gepflückt  werden,  denn  jeder 
Druck  oder  Schlag  erzeugt  Fäulnis,  was,  durch  Fäulnispilze 
wesentlich  unterstützt,  oft  grossen  Schaden  verursacht. 
Empfehlenswert  ist  es,  das  Winterobst  bald  nach  dem  Ein- 
ernten in  den  Obstkeller  zu  bringen,  damit  seine,  ihm  von 
Natur  gegebene  Feuchtigkeit  möglichst  langsam  verdunstet 
und    es  dadurch  seinen  Wohlgeschmack  recht  lange    behält. 

Einen  anderen  Unterschied  hat  man  ferner  zwischen 
Tafel-,  Wirtschafts-  und  Kelterobst  zu  machen.  Ersteres 
beansprucht  die  sorgfältigste  Pflückung  und  muss  diese 
durchweg  mit  der  Hand  geschehen.  Das  Wirtschaftsobst, 
das  meistens  auch  zum  Lagern  kommt,  um  zu  verschiedenen 
Zeiten  für  wirtschaftliche  Zwecke  verwendet  zu  werden,  er- 
fordert gleichfalls  Sorgfalt  beim  Einernten. 

Alles  andere  geringwertige  Obst  dient  zu  Kelterzwecken 
und  kann  geschüttelt  werden.  Ebenso  wird  das,  durch  die 
Herbststürme  reichlich  vorhandene  Fallobst,  zur  Obstwein- 
bereitung, in  kleineren  Mengen  dagegen  zur  Geleefabrikation 
verwendet. 


Ausstellungsberichte. 
Die  Allgemeine  deutsche  Obst-Ausstellung  in  Stettin. 

Vom  Herausgeber. 

Diese  am  2.  Oktober  eröffnete,  von  der  Landwirtschafts- 
kammer  für  die  Provinz  Pommern  veranstaltete  Obstausstel- 
lung ist  die  einzige  grössere  Veranstaltung  dieser  Art  des 
laufenden  Jahres.  Die  Ausstellung  fand  in  der  städtischen 
Turnhalle  statt,  welche  sich  in  der  links  von  der  Oder  gelegenen 
prächtigen  Stadtgegend  befindet.  Neben  dieser  Turnhalle  und 
verschiedenen  Räumlichkeiten  in  der  ersten  Etage  war  auch  ein 
im  Freien  aufgestelltes  grosses  Zelt  der  Ausstellung  dienstbar 
gemacht. 

Die  ganze  Anordnung  dieser  Obstschau  war  eine  muster- 
hafte. Die  Früchte  befanden  sich  meist  in  Körbchen  oder 
grösseren  Pappschachteln  auf  treppenförmig  aufgebauten,  sauber 
mit  weissem  Papier  überzogenen  Tischreihen  angeordnet.  Bei 
den  Konkurrenzen  um  die  einzelnen  Sorten  konnte  man  oft 
zwanzig  bis  dreissig  Obstkörbchen  mit  der  gleichen  Sorte  gelullt. 
aus  verschiedenen  Gegenden  stammend,  interessanten  Ver- 
gleichen unterziehen.  Ein  Fehler,  an  welchem  alle  Obstaus- 
stellungen der  letzten  Jahre  mit  Ausnahme  derjenigen  von 
Hamburg  und  Bremen  krankten,  haftete  auch  der  Stettincr 
Ausstellung  an :  es  hatte  sich  nicht  ein  einziger  Züchter  mit 
grösseren  Quantitäten  einzelner  Obstsorten  eingefunden,  durch 
welche  er  den  Beweis  seiner  Leistungsfähigkeit  hätte  erbringen 
können.  So  stellten  in  Stettin  die  vorgeführten  Sorten  eine 
häufig  aus  mehreren  Zentnern  von  Früchten  getroffene  Elite- 
atiswahl  dar,  bei  welcher  sich  selbstverständlich  auf  die  Leistungs- 
fähigkeit des  Ausstellers  und  auf  das  gute  Gedeihen  der  Sorten 
in  der  Gegend,  aus  welcher  sie  stammen,  keine  bündigen  Schlüsse 
ziehen  lassen. 

Die  Ausstellung  hätte  nur  etwa  den  halben  Umfang 
gehabt,  würde  sich  nicht  das  Grossherzogtum  Hessen  (Hessi- 
scher  Landwirtschaftsrat),  an  welches' auch  der  höchste  Preis, 
die  goldene  Staatsmedaille,  fiel,  in  wirklich  ganz  hervorragen- 
der Weise  beteiligt  haben.  Die  Kollektionen  aus  Hessen  füll- 
ten nicht  nur  in  der  Hauptsache  die  grosse  Zelthalle  im 
Freien,   sondern    auch    einen    beträi  htlichen    Teil    ehr   Turnhalle 


VII,  3 


Die  Gartenwelt. 


35 


und  der  oberen  Räume.  Abgesehen  davon,  dass  diverse 
der  ausgestellten  Sorten  mit  falschen  Etiketten  versehen 
waren,  präsentierte  sich  diese  Spezialausstellung  in  glänzen- 
der Weise.  Die  hessischen  Früchte  waren,  die  schönsten  der  . 
ganzen  Ausstellung,  fast  durchweg  frei  von  pilzlichen  Er- 
krankungen, wie  denn  überhaupt  mit  Schorf  bedeckte  Früchte 
auf  der  ganzen  Ausstellung  nur  vereinzelt  vorkamen,  jedenfalls 
als  Folge  des  nassen  Sommers.  Von  Äpfeln  fielen  unter  den 
hessischen  Früchten  durch  Schönheit  besonders  auf:  Harbcrts 
Ullr.,  Gelber  Edelapfel,  Geflammter  Cardinal,  Winterkronenapfel, 
Prinzenapfel,  Canada  litte.,  Winter  Goldparmaine,  Baumanns  Btte., 
Graue  Herbst  Btte.,  Ananas  Btte.,  Gold  Btte.  von  Blenhevm, 
Gravensteiner  und  roter  Stettiner;  von  Birnen:  Herzogin  von 
Angouleme,  Hardenponts  B.  B.,  Pastoren  B.,  hochfeine  B.  B., 
Liegeis  B.  B.,  holzfarbige  B.  B.,  Gellerts  B.  B.  und  die  abscheu- 
lich aussehende,  unförmige  Riesenbirne  König  Karl  von  Württem- 
berg. 

Sehr  interessant  waren  in  der  hessischen  Kollektion  diverse 
Tabellen.  Eine  Tabelle  über  den  Umfang  der  mit  Obstbäumen 
bepflanzten  Kreisstrassen  gab  den  Aufschluss  über  die  Kilo- 
meterlänge und  Obstbäumezahl  der  mit  Obstbäumen  bepflanzten 
Strassen  in  den  einzelnen  Kreisen.  Danach  besitzt  die  ausge- 
dehntesten mit  Obstbäumen  bepflanzten  Strassen  der  Kreis 
Heppenheim,  die  grösste  Obstbaumzahl  der  Kreis  Giessen,  die 
geringste  Obstbaumzahl  und  Kilometerstrecken  der  Kreis  Mainz. 
Sehr  gering  sind  ferner  die  Obstbaumstrassenpflanzungen  in 
den  Kreisen  Worms,  Alzey,  Bingen,  Friedberg  und  Oppenheim, 
also  auch  da,  wo  sich  Obstbaumschulen  befinden,  wie  in  den 
beiden  letztgenannten  Orten.  Lehrreich  waren  auch  die  Karten 
des  Grossherzogtums,  auf  welchen  durch  Farben  die  Kilometer- 
zahlen der  mit  Obstbäumen  bepflanzten  Strecken  markiert  waren. 

Mit  grossen  Kollektivausstellungen  waren  ferner  verschie- 
dene Landwirtschaftskammern  vertreten,  so  die  Landwirtschafts- 
kammern für  Pommern,  Westpreusen  und  Brandenburg  ,  und 
dann  hatte  sich  auch  der  Regierungsbezirk  Cassel  mit  grösserer 
Kollektion  beteiligt.  Die  Sammelausstellung  der  Landwirtschafts- 
kammer  der  Provinz  Brandenburg  zeigte  die  einzelnen  Obstsorten 
in  stattlicherer  Zahl,  hübsch  in  grossen,  höchgefüllten  Körben 
vereinigt.  Es  waren  alle  jene  Sorten  in  guter  Entwickelung 
vertreten,  welche  die  Landwirtschaftskammer  zum  allgemeinen 
Anbau  in  der  Provinz  empfiehlt,  mit  Ausnahme  derjenigen, 
deren  Zeit  bereits  abgelaufen.  Es  fielen  hier  besonders  auf 
von  Äpfeln:  Geflammter  Cardinal,  Winterlßoldparmaine,  Schöner 
von  Boskoop,  Boter  Eiserapfel,  Gravensteiner,  Grosser  rheinischer 
Bohnapfel,  Landsberger  Btte.,  Prinzenapfel,  Charlamowsky ;  von 
Birnen:  Gute  Louise  von  Avranches,  Köstliche  von  Charneu,  Pas- 
torenbirne, Boscs  Flaschenbirne. 

In  der  Kollektion  der  Provinz  Pommern  standen  die  Früchte 
an  Schönheit  meist  hinter  denjenigen  Brandenburgs  zurück; 
auch  in  der  Entwickelung  waren  viele  Sorten  noch  zurück. 
So  zeigten  sich  hier  die  Winter-Goldparmainen,  aus  allen  Gegenden 
Pommerns  stammend,  noch  völlig  grün,  aber  die  Kollektion 
dieser  Kammer  war  ausserordentlich  reichhaltig,  bescheidener 
diejenigen  von  Westpreussen  und  aus  dem  Regierungsbezirke 
Cassel. 

In  umfangreicher  Weise  hatten  sich  auch  verschiedene 
gärtnerische  Lehranstalten  beteiligt.  Von  den  preussischen 
staatlichen  Anstalten  fehlte  Wildpark,  während  Proskau  und 
Geisenheim  sich  in  ganz  hervorragender  Weise  um  diese  Aus- 
stellung verdient  gemacht  hatten.  Besonders  gefiel  uns,  von 
den  Obstsortinienten  abgesehen,  das  von  Proskau  vorgeführte 
Lehrmaterial.  Ausserordentlich  lehrreich  waren  die  auf  einzelne 
Kartons  aufgeklebten  Tabellen,  welche  die  Erträge  je  einer 
wichtigen  Apfelsorte  vom  Jahre  1875  b's  in  die  Gegenwart 
veranschaulichen.  Aus  diesen  Tabellen  ging  hervor,  dass  fast 
sämtliche  Obstsorten,  über  die  in  solcher  Weise  tabellarisch 
.Rechenschaft  abgelegt  wurde,  seit  dem  Jahre  1875  den  grössten 
Ertrag  in  dem  gesegneten  Wcinjahrc  1893  geliefert  haben. 
Das  Obstsortiment  Proskaus  befand  sich  nicht  in  Körben, 
sondern    war    auf    flacher    Tischfläche    hübsch    angeordnet,    die 


Früchte  jeder  Sorte  in  a  form  auf  gelber  Papierunterlage  aus- 
gelegt, was  sich  recht  gut  ausnahm.  Die  Anstalt  hatte  auch 
eine  reiche  Kollektion  von  Trockenfrüchten  und  Konserven 
ausgestellt.  Solche  Produkte  waren  auch  neben  Marmelade 
und  Weinen  in  der  Ausstellung  der  Geisenheimer  Anstalt  in 
musterhafter  Weise  zu  finden.  Beide  Staatsanstalten  hatten  ausser 
Konkurrenz  ausgestellt.  Von  den  kleineren  Gartenbauschulen 
hatten  sich  die  hessischen  Anstalten  in  Friedberg  und  Oppenhtim, 
sowie  die  Obst-  und  Weinbauschule  zu  Crossen  an  der  Oder 
beteiligt. 

Sehr  reich  war  die  Beteiligung  von  Privatzüchtern,  die 
teils  selbständig,  teils  innerhalb  der  Landwirtschaftskammern 
ausgestellt    hatten. 

Eine  entschieden  reichhaltigere  Beteiligung  hätten  wir 
seitens  der  Baumschulenbesitzer  gewünscht.  Alles,  was  von 
denselben  gebracht  war,  konnte  in  der  Hauptsache  in  einem 
grösseren  Zimmer  vereinigt  werden.  Unter  allen  Baumschulen- 
ausstellern hat  die  allbekannte  L.  Späth'sche  Baumschule,  Baum 
schulenweg  bei  Berlin  entschieden  weitaus  das  Beste  geleistet. 
Die  von  ihr  vorgeführten  Früchte  waren  nicht  nur  von  bestechen- 
der Schönheit,  sondern  auch  die  ganze  Anordnung  derselben 
war  eigenartig  und  imponierend.  Schon  die  Etikettierung  ver- 
dient Nachahmung.  Auf  jedem  Etikette  befanden  sich  die 
wünschenswerten  Angaben  über  Reifezeit,  wirtschaftlichen  Wert, 
Tragbarkeit  und  Wuchs  der  betreffenden  Sorte  und  dann  ein 
Hinweis  auf  die  Nummer,  unter  welcher  sie  im  Katalog  der 
Firma  aufgeführt  wird.  Die  Späth'sche  Baumschule 
hatte  besondere  Kollektionen  zusammengestellt,  so  Sorten 
für  Obstplantagen,  gegen  Fusicladium  unempfindliche  Sorten, 
Sorten,  welche  sich  durch  Farbe  und  Grösse  ihrer  Früchte 
besonders  auszeichnen,  sowie  die  vom  deutschen  Pomologen- 
verein  empfohlenen  Sorten.  Auch  Steinobst,  speziell  Pflaumen, 
fanden  wir  in  den  besten  Sorten  in  der  Späth'schen  Kollek- 
tion, femer  ein  Sortiment  der  kleinfrüchtigen  Kirschäpfel  sowie 
Cydonia-Früchte.  Besondere  Erwähnung  verdient  noch  das  aus 
vierzig  Sorten  bestehende  Haselnusssortiment  der  Radtkeschen 
Baumschule  in  Paust. 

Die  Abteilung  für  Maschinen  und  Geräte  bot,  von  den 
für  die  Obstbaumzucht  notwendigen  Geräten  abgesehen,  haupt- 
sächlich Kartoffelschälmaschinen,  Kohlschneidcr,  Rübenschnitzer 
und  ähnlichen  Jahrmarktskram,  den  man  besser  ferngehalten 
hätte.  Unter  der  Bezeichnung  „Sac  de  France"  waren  breite, 
unten  mehrfach  durchlöcherte  Papiertüten  ausgestellt.  Wer  Zeit 
und  Geld  übrig  hat,  der  kaufe  sich  diese  Tüten  und  stecke  im 
Juli — August  am  Baume  jede  Birne  und  jeden  Apfel  in  eine 
solche  Tüte  hinein.  Der  Fabrikant  verspricht  ihm  dann,  dass 
die  Früchte  grösser,  edler  und  wohlschmeckender  werden. 
Jedenfalls  finden  sich  Leichtgläubige,  die  sich  für  die  Sache 
erwärmen  und  schliesslich  auch  glauben,  dass  sich  alles  das 
eingestellt   hat,   was   der    Herr   Fabrikant   voraussagt. 

Leider  fehlt  es  uns  durchaus  an  Raum,  auf  weitere  Einzel- 
heiten einzugehen ;  es  sei  nur  noch  als  charakteristisch  er- 
wähnt, dass  die  Rubrik  über  die  abgebbare  Menge  der  ausge- 
stellten Obstsorten  auf  allen  Etiketten,  welche  wir  daraufhin 
musterten,  unausgefüllt  geblieben  ist,  woraus  wohl  hervorgeht, 
dass  die  meisten  Aussteller  die  ausgestellten  Sorten  in  grösseren 
Quantitäten    nicht    abzugeben    haben.    — 


Aus  den  Vereinen. 


Verein  zur  Beförderung  des  Gartenbaues,  Septemberversammlung. 
Herr  Handelsgärtner  Wienholtz  führte  zum  ersten  Male  eine  Asternneuheit 
vor,  welche  entschieden  Beachtung  verdient.  Es  ist  eine  kräftig  rosa- 
blühende Abart  der  Aster  Amellus  grandiflorus,  welche  bei  ge- 
nanntem Herrn  aus  Samen  gefallen  ist.  Die  grossen  Blumen  machten 
sich  selbst  bei  der  Gasglühlichtbeleuchtung  wirklich  sehr  schön. 

Interessant  und  lehrreich  war  auch  ein  Obstsortiment  wirklich  her- 
vorragend schöner  Früchte  des  Kommerzienrates  Bolle  in  Marienhain, 
Inspektor  Herr  Grcinig,    welches    die   grosse  silberne   Medaille   erhielt. 


36 


Die    Gartenwelt. 


VIT,  3 


An  diese  Obstschau  knüpften  sich  Betrachtungen  über  das  Obstjahr  im 
allgemeinen.  In  einem  Falle  soll  der  „Weisse  Winteren! vill",  welcher 
als  empfindlicher  Apfel  bekannt  ist,  trotz  des  regnerischen  Sommers 
ausnehmend  schöne,  gesundhäutige  Früchte  gebracht  haben.  Von 
anderer  Seite  wurde  die  Beobachtung  gemacht,  dass  die  unteren  Früchte 
an  Pyramiden  heuer  besonders  zu  wünschen  übrig  Hessen.  Über  die 
Wirksamkeit  der  Bordelaiser  Brühe  ist  man  sich  einig;  betont  wird 
nur,  dass  es  auf  den  richtigen  Zeitpunkt  der  Anwendung  ankäme.  Die 
Gartenwelt  hat  eingehend  diese  wichtige  Sache  schon  wiederholt  be- 
handelt, sodass  weitere  Bemerkungen  nebensächlicher  Art  an  dieser 
Stelle  überflüssig  sind. 

Herr  Georg  Bornemann,  Blankenburg,  hatte  einige  Dahlienblumen 
gesandt,  darunter  eigene  Züchtungen.  Die  Blumen  waren  aber  infolge 
des  Transportes  in  keinem  guten  Zustande.  Malvastrum  eapense  mit 
panachierten  Blättern,  veredelt  auf  Abituhm  Thompsoni  stellte  Herr 
Garteninspektor  Lindemuth  der  Versammlung  vor.  Die  Unterlage  hat 
diese  Eigenschaft  thatsächlich  auf  das  Reis  übertragen.  Aus  Samen, 
welche  Ma/rastrum  willig  ansetzt,  erzielte  Herr  Lindemuth  aber,  wie 
zu  erwarten  stand,  wieder  die  typische  grüne  Form.  <  >b  Malvastrum 
wirklich  eine  Handelspflanze  ist ,  wie  Herr  Lindemuth  meinte ,  müsste 
erst  einmal  von  handelsgärtnerischer  Seite  festgestellt  werden;  jedenfalls 
waren  die  grösseren  der  vorgeführten  Pflanzen  bereits  mehrere  Jähre  in 
Kultur,  was  sich  für  die  doch  etwas  unscheinbare  Pflanze  wohl  kaum 
lohnen  würde. 

Herr  Hofgärtner  Hoflmann  berichtete  dann  über  die  Erfurter  Aus- 
stellung. Im  grossen  und  ganzen  hat  Redner  dieselben  Pflanzen  er- 
wähnt, deren  auch  wir  in  unseren  Berichten  gedacht  haben.  Dass  er 
den  Schmuckwert  der  Aralia  amboinensis  auf  die  Blüte  verlegt,  wäh- 
rend doch  die  Pflanze  als  Blattpflanze  von  ganz  hervorragender  Schön- 
heit ist,  scheint  wohl  ein  Versehen  zu  sein.  Herr  Dietze  berichtete 
sodann  über  eine  Ausstellung,  welche  der  Gartenbauverein  zu  Steglitz 
am  gleichnamigen  Orte  veranstaltet  hat.  Hier  wurde  Dicht  nur  prä- 
miiert, sondern  es  wurde  auch  kein  Eintrittsgeld  erhoben,  man  ging 
also  noch  einen  Schritt  weiter  als  in  Erfurt.  Auf  dieser  kleinen  Aus- 
stellung hatten  auch  Liebhaber  ausgestellt. 

Dann  berichtete  Herr  Gartenbaudirektor  Lackner  über  die  Lieb- 
haber-Ausstellung in  Frankfurt  a.  M„  um  die  sich  Herr  Dir.  Siebert 
und  Herr  Konsul  Lauteren  besonders  verdient  gemacht  haben.  Hervor- 
ragend waren  die  Darbietungen  des  Hofgärtner  Dittmann,  Darmstadt, 
in  Nelumbien  und  die  Wasserpflanzen  der  Firma  Heinrich  Henkel  in 
Darmstadt.  Die  Gartenwelt  ist  schon  vor  Jahren  für  die  herrlichen, 
gar  nicht  so  schwer  zu  kultivierenden  Nelumbien  mit  grosser  Wärme 
eingetreten.  Bahn  müssen  sich  die  Nelumbien  brechen,  wenn's  auch 
langsam,  geht. 

Diverse  Liebhabermätzchen,  welche  Herr  Lackner  anführte,  stillen 
hier  unerwähnt  bleiben.  Jeder  nach  seinem  Geschmack.  Halt!  Ein 
Experiment  einer  Dame  sei  erwähnt.  Diese  hatte  in  Gläser  kleine 
Pflanzen  gesetzt  und  dann  die  Gläser  hermetisch  verschlossen.  Die 
Lebensenergie  der  Pflanzen  und  ihre  Bedürfnislosigkeit  ging  soweit,  dass 
dieselben  in  ihren  Gefängnissen  gewachsen  sind,  obwohl  etwas  spärlich. 
Interessant  war  dieser  nicht  neue  Versuch  entschieden,  wenn  auch  etwas 
grausam. 

Der  Vortrag  des  Herrn  Garteninspektor  Perring  wurde  auf  dessen 
Antrag,   wegen  des  zu  grossen  Programmes  vertagt. 

W.  Tscheuke,  Berlin. 


Verkehrswesen. 


Das  Postblatt  No.  4  veröffentlicht  folgende  eingetretene 
Neuerungen: 

1.  Im  Verkehr  zwischen  Deutschland  und  Luxemburg  gelten 
fortan  für  Briefsendungen  aller  Art  die  Portosätzc  und  Gewichts- 
stufen des  inneren  deutschen  Verkehrs.  Ferner  sind  im  deutsch- 
luxemburgischen  Verkehre  Postkarten  mit  Bilderschmuck  und 
Aufklebungen  auf  der  Rückseite  unter  denselben  Bedingungen 
wie  innerhalb  Deutschlands  zugelassen;  auch  können  bei  Bücher- 
zettcln  nacli  Luxemburg  handschriftliche  Vermerke  in  demselben 
Umfange  wie  im  inneren  deutschen  Verkehre  angebracht  werden. 


2.  Für  Postfrachtstücke  nach  Dänemark,  Schweden  und 
Finnland  ist  ein  neuer  Tarif  eingeführt  worden;  im  Tarif  für 
Postfrachtstücke  nach  überseeischen  Ländern  sowie  nach  Malta 
und  Spanien  (über  Bremen  oder  Hamburg)  sind  mehrfache 
Änderungen   und-  Taxermässigungen   eingetreten. 

3.  Im  Verkehre  mit  der  Türkei  sind  jetzt  nach  anderen 
als  den  durch  Vermittelung  deutscher  und  österreichischer 
Postanstalten  am  Postanweisungsdienste  teilnehmenden  türkischen 
Orten  Postanweisungen  bis  22  Pfund  Türk.  (Gold)  durch  Ver- 
mittelung  der  türkischen   Post   zugelassen. 

4.  Auf  Paketen  nach  Serbien  sind  Nachnahmen  bis  400  M. 
zulässig. 


Tagesgeschichte. 


Düsseldorf.  Die  hiesige  Flora  ist  schon  lange  ein  Schmer- 
zenskind unserer  Stadt.  Verschiedentlich  unterhandelte  die 
Stadtverwaltung  mit  den  Aktionären  um  Überlassung  der  Aktien, 
aber  jedesmal  zerschlugen  sich  die  Verhandlungen.  In  der 
letzten  Sitzung  der  Stadtverordneten  kam  endlich  der  Ankauf 
zu  170  M.  (Nennwert  300  M.)  pro  Stück  zu  stände.  Die  Stadt 
übernimmt  aber  auch  mit  dem  Ankauf  der  Aktien  eine  auf 
der  Flora  lastende  Hypothek  von  100000  M.  und  Schulden 
von  etwa  30000  M.  Die  Flora  soll  als  öffentliche  Anlage  be- 
stehen bleiben  und  die  gleiche  Behandlung  wie  der  Hofgarten 
erfahren.  H.  B. 

—  In  dieser  Angelegenheit  wird  uns  weiter  mitgeteilt:  „Das 
Vorgehen  der  Stadtverordneten  begegnet  in  der  Bürgerschaft 
recht  gemischten  Empfindungen.  Es  ist  stadtbekannt,  dass  sich 
das  Floraunternehmen  nicht  rentiert  hat  und  dass  die  Aktien  für 
ihre  Besitzer,  meist  reiche  Leute,  nur  noch  Makulaturwert 
besassen,  da  eine  systematische  Bebauung  des  grossen  Terrains 
ausgeschlossen  war."  A.  W. 

Godesberg.  Der  Kurpark  soll  durch  den  Ankauf  verschie- 
dener  Parzellen   bedeutend   vergrössert   werden.  H.  B. 

Trier.  Auch  die  hiesige  Stadt  ist  seit  diesem  Frühjahr 
in  die  Reihe  derjenigen  Städte  getreten,  in  welchen  den  armen 
Schulkindern  Topfpflanzen  zur  häuslichen  Pflege  übergeben 
werden.  Es  wurden  zunächst  über  100  Schulkindern  Pflanzen 
übergeben  und  zwar :  Reseda,  Balsaminen,  Gummibäume, 
Fuchsien,  Begonien  u.  a.,  die  aus  der  Gärtnerei  von  J.  Lambert 
&  Söhne  stammten.  Die  erste  Ausstellung  dieser  von  den 
Kindern  geflegten  Pflanzen  schildert  die  „Tr.  Landes  Ztg." 
als  „Erstes  Blumenfest  der  Trierer  Schulkinder."  Die  Kultur- 
ell nlge  der  Kinder  haben  allgemein  befriedigt.  Sämtliche  Pflan- 
zen hatte  die  Firma  J.  Lambert  &  Söhne  gratis  zur  Verfügung 
gestellt,  von  der  Ansicht  ausgehend,  dass  auch  da,  wo  die  Stadt 
für  si ilche  Zwecke  Mittel  zunächst  nicht  zur  Verfügung  stellt,  die 
Handelsgärtner  einspringen  sollen.  Sie  haben  doch  schliesslich, 
von  der  ethischen  Bedeutung  der  Blumenpflege  abgesehen,  peku- 
niären Nutzen  von  der  Sache,  da  auf  diese  Weise  systematisch 
schon  durch  die  Schule  die  Blumenliebhaberei  grossgezogen 
wird,  welcher  dann  die  Erwachsenen  in  den  meisten  Fällen  treu 
bleiben  werden.  M.   H. 

Personal-Nachrichten. 


Ahrens,  Richard,    Hofgärtner  in  Karlsruhe,  wurde  in  gleicher 
Eigenschaft  nach   Baden-Baden  versetzt. 

Fiehser,  C  H.,    Hofgärtner  in   Baden-Baden,  wurde  in  glei- 
cher Eigenschaft   nach    Karlsruhe   versetzt. 

Hielscher,  Johannes,    Gärtner  in  Glogau,  wurde  die  RettungS 
Medaille  am  Bande  verliehen. 

Kuhn,  Franz,  ehemaliger  Dresdener,  wurde  als  1.  Zeichner 
bei  der  städtischen  Gartendirektion  in  Frankfurt  a.  M.  angestellt. 

Seebohm,  Hugo,  gepr.   Obergärtner,   ehemaliger   Köstritzer, 
wurde   von   der    Hamburger    Behörde   als.  Techniker   für   Carlen 
bau  angestellt. 


Vernutwoitl.   Redakteur:    Max  Hesilörffer,  Lerlin.  —  Verlag  von  Richard  Carl  Schmidt  &  Co.,    Leipzig.  —  Druck  vou  C.  Grumbach  in  Leipz:g. 


Illustriertes  Wochenblatt  für  den  gesamten  Gartenbau. 


Jahrgang  VII. 


25.  Oktober  1902. 


No.  4. 


Nachdruck'  und  Nachbildung  aus  dem  Inhalt  dieser  Zeitschrift  wird  strafrechtlich  verfolgt. 


Deutsche   Mustergärtnereien. 


Olematis,  Rosen  und  Flieder  in  der  Handelsgärtnerei 
von  Franz  A.  Kreis,  Nieder -Walluf. 

Von  J.  Keim,  Mainz. 
(Hierzu   sechs  Abbildungen.) 


geht,     beginnt     der     eigentliche      Rheingau      mit     Nieder- 
Wailuf. 

In  diesem  Orte  hat  sich  in  verhältnismässig  kurzer 
Zeit  u.  a.  eine  Gärtnerei  entwickelt,  die  wirklich  ihrer  tadel- 
losen Kulturen  und  Sauberkeit  wegen    verdient   mit  einigen 


J_Jie  Anziehungskraft  der  Rheingegend  auf  das  reisende      Worten  und  Bildern  den  verehrten  Lesern  dieser  geschätzten 


Publikum  ist  bekannt,  und  man  kann  in  den  Sommermonaten 
auf  den  Rheindampfern  wie  auch  in  den  stark  besuchten 
Städten  und  Dörfern  alle  Sprachen  und  Dialekte  hören. 
Es  ist  aber  auch  eine  Fülle  des  Sehenswerten,  das  dem 
Reisenden  von  Mainz  bis  Koblenz  geboten  wird.  Überall 
Burgen  und  Schlösser  mit  den  verschiedensten  Erinnerungen 
an  längst  vergangene,  frohe  und  ernste  Zeiten.  Grossartige 
Fernsichten  und  Ausblicke  in  fruchtbare,  von  rebeube- 
pflanzten  steilen  Hängen  eingefasste  Thäler.  Aber  auch 
moderne  und  modernisierte  Prachtbauten  mit  hübsch  an- 
gelegten, gut  un- 
terhaltenen Gärten 
sind  keine  Selten- 
heit. Und  so  fin- 
det auch  der  Gärt- 
ner viel  des 
Schönen  und  Lehr- 
reichen in  seinem 
Fache  und  dieses 
besonders     wieder 

tin  dem  obst-  und 
weinreichen  Rhein- 
gau. Kein  Fach- 
mann,   welcher  in 

die  Nähe  von 

Frankfurt,      Mainz 

oder  Wiesbaden 

kommt,     sollte    es 

unterlassen,    einen 

Blick    in    dieses 

Schmuckkästchen 

zu  werfen.     Wenn 

man   stromabwärts 

Die  Gartenwelt. 


Zeitschrift  bekannt  gemacht  zu  werden.  Der  Besitzer,  Herr 
Franz  A.  Kreis,  Porträt  Seite  39,  hat  es  fertig  gebracht,  was 
wenigen  in  heutiger  Zeit  gelingt,  ohne  nennenswerte  Mittel 
in  zehn  Jahren  das  Geschäft  auf  eine  Höhe  zu  bringen,  die 
jedem  Fachmanne  Respekt  abnötigen  muss.  Bezeichnend 
für  die  Kulturen  in  diesem  Geschäft  ist,  dass  dieselben  auf 
zahlreichen  Ausstellungen  bis  jetzt  immer  nur  mit  Ehren- 
und  ersten  Preisen  ausgezeichnet  wurden.  Die  Leser  können 
sich  auch  vielleicht  noch  der  Abbildung  (Clematis),  ge- 
fertigt   im   vorigen    Jahre    auf    der    Mainzer   Ausstellung    in 


Teilansiclu  der  Lokalschau  von  Clematis  und  Rosen  der  Handelsgärtnerei  von  Franz  A.  Kreis,  Nieder- AValluf. 

Originalaufnahme  für  die  ,, Gartenwelt". 

4 


38 


Die  Gartenwelt. 


VII. 


No.  3,  Jahrgang  V[,  dieser  Zeitschrift  erinnern.  Die 
Hauptkulturen  sind:  Rosen,  Clentatis  und  Syringen.  Die 
jährliche  Anzucht  der  Rosen  beträgt  ca.  100,000  Stück 
niedrige  und  20 — 25,000  Stück  hochstämmige.  Die  letzteren 
sind  auf  eine  sehr  praktische  wie  einfache  Art  aufgebunden 
resp.  aufgehängt,  wodurch  von  dem  bunten  Chaos,  das  man 
in  Rosenschulen  mit  Hochstämmen  zu  sehen  gewohnt  ist, 
nichts    zu   merken    ist.     Die    Abbildung    auf   der    Titelseite 


Feld   mit  hochstämmigen   Rosen  in  der  Handelsgärtnerei  von  Franz  A.   Kreis,  Nieder- Walluf. 
Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 


Herr  Kreis,  dass  er  ein  soweit  ausprobiertes  Vorbeugungsmittel 
besässe,  dessen  Bekanntgabe  er  sich  jedoch  einer  späteren 
Zeit  vorbehalten  möchte.  Das  gesunde  Aussehen  der  Pflanzen, 
sowie  die  enorm  grossen  Blumen,  welche  ich  seither  von  Herrn 
Kreis  gesehen,  scheinen  dieses  zu  bestätigen.  Folgende 
Sorten  sind  hauptsächlich  vertreten:  Alexandra,  Gipsg- 
Queen,  samten-karmoisinpurpur,  Jackmanni,  Mad.  Oranger, 
Mad.  Baron   Veiltard,    Rubro  violacea,    Star  of  India, 

Velutina  purpurea, 

alle    Jackmanni- 
Klasse.   Lanuginosa- 
Klasse:    Blae    Gern, 
Henri,  Fairg-Queen, 
Laig  Caroline   JVe- 
vill,    Lanuginosa, 
Mad.    van     Houtte, 
Max  Leichtlin,  Wil- 
liam Kennet.  Patens- 
Klasse:       Duke      of 
Edinbourgh,      Fair 
Rosamond,    Lord 
Londesbourgh ,   Mis- 
ter George  J.  Jack- 
mann,   atlasweiss, 
Sir  Garnet  Wolseleg, 
Xerxes   und   Erecta 
paniculata,    kleinbl., 
weiss,     winterhart, 
wohlriechend.     Auf 
zeigt  einen  Teil  einer  Lokalausstellung  von  Clematis  und  ab-      Abbildung  Seite  39,  Mitte,  sehen  wir  links  Sgringen  in  kern- 
geschnittenen  Rosen,    welche    Herr  Kreis  in   Nieder -Walluf      gesunder,  kräftiger  Ware,  ca.   15,000  Stück,  rechts  daneben 
am   24.  und  25.  August  d.  J.   veranstaltet  hatte;  sie  war  von      ein  Feld  niedriger  Rosen.     Hauptsächlich  sind  es  die  Sgriiiyru- 
Fachleuten     der     Umgegend     stark     besucht.       Es     waren      Sorten:    Charles    X. ,    Marie    Legragr,     Casimir    Perier, 

wirklich  Prachtsachen 
ausgestellt  und  man  hc'irte 
nur  eine  Stimme  des 
Lobes.  Unter  den  Be- 
suchern ist  auch  die 
Handelsgärtner  -Verbin- 
dung Frankfurt  am  Main 
hervorzuheben ,  die  in 
einem  an  den  Veran- 
stalter gerichteten  Schrei- 
ben ihrer  Bewunderung 
über  das  Gesehene  Aus- 
druck verlieh.  Die  oben- 
stehende Abbildung  zeigt 

ein  Feld  Rosenhoch- 
stämme in  ca.  300  Sor- 
ten. Dieselben  hier  an- 
zuführen, würde  zu  weit 
gehen,  und  ich  möchte 
nur  hervorheben,  dass  alle 

bewährten  alten  und  neuen  Sorten  vertreten  sind.  Nebenste- 
hende Abbildung  veranschaulicht  ein  Quartier  Clematis  in  tadel- 
loser Kultur.  Auf  mein  Befragen,  wie  es  käme,  dass  nichts  von 
der  bekannten  Clematiskrankheit  zu  bemerken  sei,  erwiderte 


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Clematis-Quartier   in  der  Hacdelsgärtnerei  von  Franz  A.  Kieis,  Nieder- Walluf. 
Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 

Louis  Späth,  MicJtel  Büchner,.  Schneelavine,  Präsident 
Grevy  u.  s.  w.  Die  untere  Abbildung  auf  Seite  39  zeigt 
das  bescheidene  Wohnhaus  des  Besitzers,  sowie  den  Packraum 
und  ein  an  das  Wohnhaus  anstossendes  Gewächshaus. 


VII,  4 


Die    Gartenwelt. 


39 


Obstbau. 


Die  Aufbewahrung  des  Obstes. 

Von    H.   BeUSS,   Düsseldorf. 

In  Nr.  48,  Jahrgang  VI  der  „Gartenwelt"  wurde  im 
Inseratenteil  unter  ,, Geschäftliches"  auf  die  Bedeutung 
einer  richtigen  und  sachgemäßen  Behandlung  und  Auf- 
bewahrung des  geernteten  Obstes  und  zugleich  auf  eine 
zweckmässige  Stellageneinrichtung  der  Firma  J.  M.  Kiese- 
wetter,   Meilenbach,  hingewiesen. 

Zur  Zeit  der  Obsternte  steht  man  ja  alljährlich  vor 
dieser  so  wichtigen  Arbeit,  so  dass  einige  Erläuterungen 
und  Hinweise  auf  die  richtige  Behandlung  des  geernteten 
Obstes  immer  wieder  angebracht  sind,  wobei  gemachte 
neue  Erfahrungen  mit  in  Erwähnung  gezogen  werden 
können; 


tige,  in  Betracht 
kommt. 

Meistens  handelt 
es  sich  ja  bei  der 
Aufbewahrung  um 
Erlangung  der  La- 
gerreife von  Früch- 
ten, welche  vor  Ein- 
tritt des  Frostes  die 
Baum-  resp.  Genuss- 
reife   nicht    hatten. 

Ich  will  zunächst 
auf  einige  Funkte, 
die  bei  der  Ernte 
immer  noch  nicht 
genügend  beachtet 
werden,    hinweisen, 


Franz  A.   Kreis 


Syringcn-Quartier,  rechts  Feld  mit  niedrigen  Rosen  in  der  Handelsgärtnerei  von  Franz  A.  Kreis,   NieJer-Walluf. 

Originalaufnahme  für  die  ,, Gartenwelt". 


und  dann  einen  zweck- 
mässigen Aufbewah- 
rungsraum, welcher 
allen  Anforderungen 
genügt  und  dessen 
Einrichtung  auch  nicht 
allzu  grosse  Kosten 
verursacht,  eingehend 
schildern. 

Das  Winterobst, 
welches  hier  in  Be- 
tracht kommt,  darf 
durchaus  nicht  zu  früh 
gepflückt  werden.  Man 
lässt  es  so  lange  als 
möglich  hängen;  es 
bekommt  dann  eine 
dünnere     Haut     und 


Die  Aufbewah- 
des  Obstes  ist  im 
allgemeinen  schon 
sehr  wichtig;  und 
nicht      nur,      wenn 

es  ein  reiches 
Obstjahr  war,  des- 
sen Erträge  man 
bis  zu  einer  Zeit 
aufheben  will,  wo 
man  gute  Preise 
dafür  erzielt ,  son- 
dern vor  allem 
auch  dann ,  wenn 
ein  Obstjahr  mit 
minder  günsti- 
gen Erträgen,  wie 
das     gegenwär- 


Gewächshäuser,   Wohnbaus  und  Packraum  in  der  Handelsgärtnerei  von  Franz  A.  Kreis,   Nieder-Walluf. 

Originalaufnahme  für  die  „Garteiiwelt". 


40 


Die    Garten  weit. 


vir,  4 


bessere  Färbung;  selbst  ein  leichter  Frost  kann  dem 
Obst  nichts  schaden.  Nur  darf  es  dann  nicht  sofort 
gepflückt  werden,  man  lasse  es  erst  am  Baume  auftauen, 
sonst  bleiben  an  den  mit  den  Fingern  berührten  Stellen 
braune  Flecken  zurück.  In  zu  früh  gepflücktem  Zustande 
bleibt   das   Obst   meist   rübenartig. 

Es  ist  sehr  schwer,  für  einzelne  Sorten  die  geeignetste 
Zeit  der  Ernte  genau  anzugeben,  dazu  gehört  Sachkennt- 
nis und  langjährige  Beobachtung,  doch  möchte  ich  hier 
Geisenheimer  Erfahrungen  wiedergeben,  welche  als  An- 
haltspunkte   für    Unkundige    gelten    mögen: 

Z.  B.  verhältnismässig  früh  gepflückt  werden  von 
Birnen:  ,,<'i>'<nntis  Herbst- Butter-Birne" ',  „Boscs  Flasshen- 
birne",  „Herzogin  von  Angouleme",  „Regentin",  „General 
Ettleben",  „Clairgeaus  Butterbirne",  „Pastorenbirne" .  Im 
Moment  der  Verfärbung:  „Grüne  Magdalene",  „Giffards 
/.'.  B",  „Runde  Mundnetzbirne",  „Stuttgarter  Gaishirtel", 
„Neue  Poiteau",  „Andenken  an  den  Kongress",  ..i'lopi'* 
Liebling",  „Williams  Winterbirne".  Spät  geerntet  werden: 
„Hardenpönts  />'.  />'.",  „Esperens  Bergamotte",  „Edel  Kras- 
sanne",  „Winter  Dechantsbime" ,  „Olivier  de  Serres", 
„St.   Germain". 

Von  Äpfeln  werden  spät  geerntet:  „Weisser  Winter- 
calvill",    „Grosse   Casseler    Reinette". 

Das  Pflücken  des  Tafelobstes  geschehe  nur  mit 
der  Hand,  ausgenommen  natürlich  diejenigen  Früchte, 
welche  nicht  erreichbar  sind,  mit  dem  Obstpflücker  und 
zwar  ohne  Verletzung  des  Fruchtstieles,  da  solche  Früchte 
mit  halbangebrochenem  Stiel  unansehnlich  und  auch  min- 
di  rwertig   sind. 

Obstpflücker  giebt  es  ja  eine  ganze  Anzahl,  es  würde 
zu  weit  führen,  hier  die  Beschreibung  eines  solchen  folgen 
zu  lassen.  Erwähnt  sei  nur,  dass  die  Firma  Schneider, 
Hachcnburg  i.  Westerwald  einen  sehr  zweckmässigen  Obst- 
pflücker   für   3    Mark   verkauft. 

Als  weitere  Hilfsmittel  sind  natürlich  gute  Leitern 
nicht  zu  entbehren  und  zwar  für  Pyramiden  etc.  eine 
leicht  hantierbare  Stehleiter,  während  für  Hochstämme  ganz 
besonders  die  „Tiroler  Lehne"  zu  empfehlen  ist. 

Auf  Verpackung  und  Versand  will  ich  hier  nicht 
weiter  eingehen,  es  würde  auch  zu  weit  von  meinem  eigent- 
lichen Thema  abführen,  ich  gedenke  hierauf  in  einem  be- 
sonderen Artikel  zurückzukommen. 

Der  Aufbewahrungsort  des  Obstes  muss  nun  vor  allen 
Dingen  eine  möglichst  gleichmässige  Temperatur  auf- 
weisen, die  im  Herbst  8 — 10°  C.  nicht  übersteigt  und  im 
Winter  etwa  2 — 5°  C.  über  Null  beträgt.  Wenn  auch  ein- 
mal ein  vorübergehender  Frost  dem  Lagerobst  nicht  ge- 
rade schadet,  so  ist  es  doch  immerhin  ratsam,  den  Raum 
in  einem  frostfreien  Zustand  zu  erhalten.  Es  ist  eine  leichte 
Heizeinrichtung  sogar  vorzusehen  und  zwar  genügt  ein 
Petroleumofen;  noch  besser  hat  sich  der  Natron-Karbon- 
ofen bewährt,  wel(  her  auch  im  Obsthause  der  kgl.  Lehr-, 
anstalt   zu    Geisenheim   recht   gute    Dienste   leisteie. 

Allerdings  muss  ein  solcher  Raum  eine  Regulierung 
der  Luft  gestatten  und  smd  zu  diesem  Zweck  Luftklappenl 
vorzusehen,  d.  h.  Zuleitungsöffnungcn  dicht  am  Hoden  und 


di2  Öffnungen  für  die  Ableitung  der  warmen  Luft  an  der 
höchsten  Stelle  der  Decke.  Hieraus  ergiebt  sich  auch  die 
Notwendigkeit   des  Thermometers. 

Zur  Erhaltung  des  Obstes  ist  der  Feuchtigkeitsgehalt 
der  Luft  von  wesentlichem  Einfluss.  Es  wird  bekannt 
sein,  dass  bei  zu  feuchtar  Luft  die  Schimmelpilze  über- 
hand nehmen,  auch  wird  die  Fäulnis  (besonders  noch  bei 
zu  hoher  Temperatur)  begünstigt.  In  zu  trockner  Luft  welkt 
das  Obst.  In  Geisenheim  hat  man  die  Erfahrung  gemacht, 
dass  allerdings  itwas  mehr  Feuchtigkeit  weniger  schadet  als 
Trockenheit.  Man  nimmt  an,  dass  sich  das  Obst  bei  ca. 
70"  des  Lambrechtschen  Hygrometers  am  besten  kon- 
serviert. Somit  ist  also  ein  solches  Instrument  auch  nach 
Möglichkeit  und  besonders  in  grösseren  Betrieben  uner- 
lässlich. 

Um  nun  ein  Übermass  von  Feuchtigkeit  in  der  Luft 
zu  verhüten,  wende  man  am  basten  folgendes  Mittel  an: 
Auf  ein  schiefliegendes  Brettgestell  lege  man  Chlorcalcium- 
brocken.  Das  Salz  nimmt  die  Feuchtigkeit  aus  der  Luft 
begierig  auf,  es  zerfliesst ;  das  abfliessende  Wasser  leitet 
man    in   ein   untergestelltes    Gefäss   ab. 

Das  Obst  konservjert  sich  am  besten  in  einem  wenig 
hellen  oder  besser  dunklen  Räume  und  ist  hierauf  eben- 
falls   zu   achten. 

Auch  halte  man  üble  Gerüche  von  den  Aufbewahrungs- 
orten fern;  die  Früchte  nehmen  dieselben  vermöge  ihrer 
Wai  hshaut  gern  an  und  erhalten  dadurch  leicht  einen 
nicht    gerade    angenehmen    Beigeschmack. 

Im  allgemeinen  ist  nun  jeder  Raum,  wenn  er  oben 
angeführte  Vorbedingungen  aufweist,  zur  Obstaufbewah- 
rung geeignet.  Doch  wo  es  gilt,  in  einem  grossen  Be- 
iriebe (Obstbauetablissement  oder  Obstgut)  grosse  Mengen 
Obst  gut  zu  überwintern,  dort  ist  entschieden  für  einen 
eigens   zu    diesem   Zwecke   bestimmten    Raum  ein    so 

genanntes  Obsthaus  —  Sorge  zu  tragen.  Ich  will  nun  im 
Nachstehenden  ein  mustergiltiges  Haus  (oberirdisch),  wie 
es  in  der  Geisenheimer  Lehranstalt  errichtet  ist,  in  kurzen 
Zügen  schildern. 

Es  ist  dieses  ein  ziemlich  grosser  Bau,  dessen 
Kosten  sich  auf  2000  Mark  belaufen.  Bei  den 
grossen  Mengen  Obst,  welche  in  Geisenheim  zu  lagern 
sind,  ist  dieses  oft  noch  kaum  ausreichend.  Die  folgenden 
Masse  mögen  als  Anhaltepunkt  dienen  und  lässt  sich  ja 
darnach  ein  grösserer  oder  kleinerer  Massstab  —  je  mich 
Betrieb  leicht    anwenden,    wonach    der    Kostenpunkt 

dann    ja    ebenfalls    ein    anderer    wird. 

Das  Geisenheimer  Haus  hat  eine  Grundfläche  von 
48,15  qm,  die  Länge  ist  9  m,  die  Breite  5,35  m  und  die 
Hohe  an  den  kicken  3,5  m,  unter  dem  Giebel  gemessen 
4,5    m. 

Die  Wandungen  des  Gebäudes  bestehen  aus  vier 
Bretterwänden,  die  incl.  Zwischenräumen  einen  Durch- 
messer von  40  cm  haben.  Der  äusserste  Zwischenraum 
ist  mit  Stroh  gefüllt,  der  nächste  ist  leer  und  im  dritten  be- 
findet sich  Asche.  Also  alles  schlechte  Wärmeleiter,  welche 
in  Gemeinschaft  mit  dem  doppelten  Bretterdach  (mit  Holz- 
wolle ausgestopft)  eine  ziemlich  gleichmässige  Temperatur 


VII,  4 


Die    Gartenwelt. 


41 


ermöglichen  und  auch  bis  zu  gewissem  Grade  das  Ein- 
dringen des  Frostes  verhindern.  Das  Dach  ist  noch  mit 
Dachpappe  überzogen  und  hat  zwei  bewegliche  Fenster, 
welche    zugleich    die    notwendigen    Luftschachte    ersetzen. 

Das  Dach  muss  75  cm  vorspringen  und  soll  einen 
Neigungswinkel   von   mindestens   4Q    Grad   haben. 

Was  die  innere  Einrichtung  betrifft,  so  ist  zu  er- 
wähnen, dass  die  Tabletten  der  Obstgestelle  70  cm  breit 
(tief)  und  40  cm  von  einander  nach  oben  und  unten  ent- 
fernt sind.  Die  Tabletten  sind  aus  Lättchen  gefertigt, 
welche   2   cm   voneinander   abstehen. 

Die  Wege  sind  70  cm  breit  und  mit  Backsteinen  ge- 
pflastert. Sämtliche  Tabletten  besitzen  zusammen  eine 
Fläche  von  155  qm,  auf  welcher  bei  einfacher  Schich- 
tung ca.  80 — 100  Centner  Kernobst  gelagert  werden 
können. 

Ein  kleiner  Vorraum,  zugleich  Packraum,  bildet  den 
Zugang   zum    Innern   des    Obsthauses. 

Es  lassen  sich  nun  auch  auf  primitivere  Art  und 
Weise  solche  Räume  herstellen,  indem  wir  dieselben  mehr 
unterirdisch  anlegen,  so  dass  gewissermaßen  nur  das  Dach 
aus   dem   Boden   hervorsieht. 

Im  Kleinen  (Haushalt)  behilft  man  sich  ja  auf  die 
verschiedenste  Weise.  Keller,  Kammer,  oder  nur  ein  Obst- 
schrank genügen  da,  und  mag  hier  jeder  seinen  Ver- 
haltnissen   entsprechend    verfahren. 

Nur  sei  noch  darauf  hingewiesen,  dass  vor  dem  Ein- 
wintern des  Obstes  die  betreffenden  Räume  gründlich  ge- 
reinigt und  zwecks  Tötung  der  Sporen  von  Schimmelpilzen 
auch   geschwefelt   werden  müssen. 

Das  Belegen  der  Stellagen  mit  Stroh  ist  sehr  zu  em- 
pfehlen und  sehe  man  peinlich  darauf,  dass  keine  ange- 
faulten   Früchte   mit   in   den    Raum   gelangen. 

Nach  diesen  Ausführungen  will  ich  eine  Überwinte- 
rungsmethode nicht  unerwähnt  lassen.  Es  ist  diejenige 
in  Kisten  mit  Torfmull. 

Das  Torfmull  muss  jedoch  vor  allen  Dingen  geruch- 
los und  trocken  sein ;  letzteres  ist  auch  bei  den  Früchten 
Bedingung. 

Es  sollen  sich  zu  solcher  Überwinterung  besonders 
eignen:  „Ganada-E ntte",  „Graue  franz.  Rntte",  „Königl. 
Kurzstiel",    „Schöner    von   Boshoop",    „Ckampagner-Rntte" . 

Die  Früchte  sind  erst  in  Zeitungspapier  einzeln  einzu- 
wickein und  dann  gut  im  Torfmull  einzufüttern  und  die 
Kisten  luftig  und  trocken  aufzustellen.  Das  Einwickeln 
in  Papier  ist  unbedingt  vonnöten,  weil  sich  sonst  der  feine 
Mull  so  fest  an  die  Schalen  der  Früchte  ansetzt,  dass 
dieselben  nicht  mehr  davon  befreit  werden  können  und 
unansehnlich  werden.  Die  Früchte  halten  sich  tadellos! 
Z.  B.  erregten  die  auf  der  Landwirtschaftlichen  Aus- 
stellung in  Frankfurt  1900  (Juli)  so  überwinterten  Früchte 
berechtigtes  Aufsehen.  Man  glaubte  es  mit  einer  Herbst- 
ausstellung   zu   thun    zu    haben. 

Bei  Birnen  ist  etwas  Vorsicht  zu  üben,  man  lege 
auch  einige  offen  hin,  um  die  Lagerreife  zu  beobachten. 
Nach  Eintritt  derselben  werden  die  Birnen  aus  dem  Torf- 
mull herausgenommen. 


Das  Verpflanzen  älterer  Obstbäume.  Es  kommt  in  Privatgärten, 
an  Chausseen  und  in  Obstplantagen  häufig  vor,  dass  man  Bäume,  welche 
schon  längere  Zeit  am  Platze  gestanden  haben,  verpflanzen  muss,  sei 
es  aus  diesem  oder  jenem  Grunde.  Man  soll  an  solche  Arbeit  durchaus 
nicht  zaghaft  herangehen,  sondern  führe  dieselbe  in  sachkundiger 
Weise  ohne  weiteres  aus.  Es  sind  hierbei  nur  einige  Punkte  in  Be- 
tracht   zu    ziehen,    die    ich    im  Nachstehenden    näher    erläutern  möchte. 

Man  kann  kräftig  wachsende  Kernobstsorten  noch  im  Alter  von 
IS  —  25  Jahren  verpflanzen,  jedoch  muss  man  dann  ein  Jahr  zuvor  im 
Frühjahr  mnd  um  die  Bäume  in  1,8  m  Entfernung  vorsichtig  einen 
Graben  ausheben ,  alle  stärkeren  "Wurzeln  sorgsam  und  glatt  ab- 
schneiden, verharzen ,  und  einige  Längsschnitte  in  die  bleibenden 
Wurzeln  machen.  Alsdann  wird  rundherum  dieser  Graben  um  die 
Wurzeln  mit  Komposterde  gefüllt  und  den  Sommer  über  mit  Spreu 
bedeckt  und  feucht  gehalten.  Dadurch  bildet  sich  ein  dichtgedrängter 
neuer  Wurzelapparat  von  feinen  Wurzelfasern  aus,  welcher  dem  Baum 
bei  der  Verpflanzung  im  nächsten  Jahre  das  Anwachsen  erleichtert. 
Dass  diese  Wurzeln  später  beim  Ausheben  des  Baumes  alle  sorgsam 
geschont  bleiben  müssen,  ist  selbstverständlich,  und  ebenso,  dass  man 
sie  bei  der  Pflanzung  möglichst  regelmässig  flach  ausbreitet  und  mit  der 
feinsten  Erde,   welche  man   beschaffen  kann,  umgiebt. 

Das  vorsichtige  Ausheben  dieser  so  vorbereiteten  Bäume,  sowohl 
wie  aller  Bäume  und  besonders  der  älteren  Exemplare,  geschieht  nur 
richtig,  wenn  man  rund  um  den  Baum  etwa  in  Entfernung  von  2  m 
einen  schmalen  Graben  öffnet.  Alsdann  wird  auf  den  Baum  zu,  mit 
der  Zweihacke  vorsichtig  miniert,  wodurch  man  die  Eide  von  den  feinen 
Wurzeln  ablösen  kann,  ohne  dieselben  zu  zeireissen.  In  dieser  Weise 
arbeitet  man  sich  immer  näher  rund  um  den  Baum  heran  und  wirft  die 
abgelöste  Erde'  aus  der  immer  grösser  werdenden  Grube.  Nur  auf 
diese  Art  gelingt  es,  eine  grössere  Menge  Wurzeln  zu  erhalten  und 
zugleich  erhält  man  eine  hinreichend  grosse  Grube,  um  den  schweren 
Baum  auf  einer  Unterlage  fortschaffen  zu  können. 

Da  die  Wurzeln  der  zu  verpflanzenden  Bäume  immer  —  wie 
schnell  auch  die  Verpflanzung  vorgenommen  werden  mag  —  eine  ge- 
wisse Zeit  hindurch  den  Einflüssen  der  Luft  und  des  Lichts  ausgesetzt 
bleiben,  so  werden  sie  bei  der  Verpflanzung  im  Winter  weniger  schnell 
austrocknen,  weil  in  dieser  Jahreszeit  die  Temperatur  niedriger  und  die 
Luft  weit  feuchter  ist,  als  im  Frühjahre. 

Für  ältere  Obstbäume  mache  ich  besonders  darauf  aufmerksam,  die 
Kronenäste  an  Hochstämmen  nicht  bei  der  Pflanzung  zurückzustutzen, 
sondern  nur  eine  geringe  Zahl  von  Ästen  dicht  am  Stamme  auszu- 
schneiden, wo  sie  am  besten  entbehrlich  sind,  und  erst  ein  Jahr  nach 
der  Pflanzung  so  stark  zurückzuschneiden,  dass  ein  neuer  Holztrieb  er- 
weckt wird.  Dasselbe  gilt  auch  von  seitlichen  Zweigen  der  Pyramiden, 
wenn  dieselben  alt  verpflanzt  werden. 

An  Orten,  wo  felsiges  Gestein  nahe  unter  dem  Boden  liegt,  oder 
wo  Kies  ansteht,  in  welchem  sich  im  Winter  stagnierendes  Wasser 
einfindet  legt  man  40 — 50  cm  unter  den  Wurzeln  flache  Steinplatten 
oder  Brettstücke.  Da  die  Wurzeln  dadurch  verhindert  werden,  tief  zu 
gehen,  so  bilden  sich  umsomehr  seitliche  Haftwurzeln. 

Paul  Jurass,  Baumschulenweg  bei  Berlin. 


Orchideen. 


Angraecum  sanderianum  Rchb.  f.  ist  eine  Einführung  der 
letzten  Jahre  von  den  Comoren.  Es  ist  eine  schöne  und  dank- 
bare Pflanze,  ähnlich  dem  verbreiteten  A.  Ellisi  Williams  von 
Madagaskar. 

Die  Stämmchen  der  Pflanze  stehen  aufrecht,  mit  zwei 
zeilig  angeordneten,  länglichen,  lichtgrünen  Blättern,  von  etwa 
15  cm  Länge  und  3 — 4  cm  Breite.  Der  seitlich  des  Stämivn  hens 
entspringende  Blütenstiel  resp.  die  Spindel  der  Rispe  ist 
bräunlich  grün,  schlaff  herabhängend,  bei  gut  gep 
ten  Exemplaren  etwa  40  cm  lang.  Abwechselnd  sind  an  ihr  zwei- 
zeilig in  der  bei  der  Gattung  Angraecum  charakteristischen  < 


42 


Die  Gartenwelt. 


VII. 


Angraccum  sandeiianum. 
Originalaufnahme  für  die  „GartenweU". 

die  Blüten  angeordnet,  fedes  Blütenstielchen  etwa  2  cm  lang 
ist  gestützt  von  einem  kleinen  dreieckigen,  braunen  Deckblätt- 
1  hen.  Kelch-  und  Blumenblätter  sind  einander  in  der  Form  fast 
gleich,  auch  die  Lippe  nicht  ausgenommen.  Der  Sporn,  in 
uil.  hen  die  Lippe  bei  der  Gattung  Angraecum  ausläuft,  ist  2 — 3 
mal  solang  als  der  Blütenstiel,  vielfach  ist  die  Spitze  elegant 
aufwärts   gelingen. 

Die  Pflanze  gedeiht  am  besten  im  Ostindierhause,  in  Ge- 
sellschaft der  übrigen  kleinen  Artgenossen  und  der  Phalaenopsis 
unter  dem  Glasdache  hängend,  1111  Körbchen  odei  .1111  Hol/ 
klotz.  Nur  nicht  zuviel  Pflanzstoff,  ein  wenig  Faserwurzelerde 
und  frisches   Sumpfmoos  Eine   Ruheperiode   mit   merk- 

licher Wasserentziehung  darl  es  ja  für  diese  Arten  nicht  geben 
—  Für  wenig  Pflege  ist  die  Pflanze  recht  dankbar,  regi  Imässig 
wird  sie   im    Hochsommer   ihre    Blüten    entfalten. 

Die  Pflanze  wurde  von  Humboldt  gesammelt  und  dun  h 
Sander-St.-Albans  verbreitet. 

B.  Othmer,   Kel.   Garteninspektor,   München. 


Landschaftsgärtnerei. 
Dachgärten. 

Von  Karl  Hinze. 

(Hierzu  <in,-  Abbildung  und  ein  Plan.) 

Der    (.arten    wird    in    den    grösseren    Städten    durch 

die  sieh  statig  steigernde  Bauthätigkeil  allinahli.il  mehr 
und  mein  verdrängt  und  findet  man  dort,  abgesehen  von 
den  Vorgärten  und  den  mit  Anlagen  geschmückten  öffent- 


lichen Plätzen,  nur  hier  und  da  einige  Gärten  gleich 
Oasen  in  dem  grossen  Häusermeer,  die  hinter  hohen 
Mauern  oft  ein  kümmerliches  Dasein  fristen.  Manches 
sonst  so  schöne  Fleckchen  Erde  wurde  bebaut  oder 
verfiel  allmählich,  weil  die  dasselbe  immer  mehr  ein- 
engenden Häuser  .jeden  Sonnenstrahl  abhielten.  Die 
Blumen  wurden  dünnstengelig  und  schmächtig,  der 
Rasen  vom  Moose  erstickt,  Baum  und  Strauch  ver- 
loren zeitig,  durch  den  Rauch  geschwächt,  das  Laub 
und  trieben  im  nächsten  Jahre  nur  an  den  dem 
Lichte  am  nächsten  stehenden  Spitzen,  bis  auch  diese, 
lang  und  dünn  geworden,  eingingen.  Feucht  und  kalt 
wurden  solche  Gärten,  der  Aufenthalt  darin  ungemüt- 
lich und  ungesund,  so  dass  man  dieselben  schliesslich 
aufgab  und  ganz  auf  den  Genuss  des  Gartens  ver- 
zichtete. 

In  neuerer  Zeit   hat  man  sich    nun  hier  und  da 
durch    die  Einrichtung    von  Dachgärten   einen  Ersatz 
zu  schaffen   gesucht,    welche  mit    mehr    oder  weniger 
Geschick  auf  dachen  Dächern  angelegt  wurden.  Solche 
Gärten  haben  den  nicht  zu  unterschätzenden  Vorzug, 
dass    sie    nicht   von  Gebäuden    eingeschlossen  werden 
können  und  einen  angenehmen  Aufenthalt  in  einiger- 
massen   frischer  Luft  bieten,  dafür  jedoch  den  Nach- 
teil,    dass    die  Düngung,    Besetzung  und  Pflege,    be- 
sonders   aber    die  Bewässerung    eine    schwierigere  ist, 
aus  welchem  Grunde    die  Bepflanzung  auch  nur  eine 
beschränkte  sein  kann.     Die  Konstruktion  des  Daches 
muss  der  Belastung  entsprechend    angeordnet  und  für 
Feuchtigkeit  völlig  undurchlässig  sein.  Gewöhnlich  bringt 
man  auf  die  genügend  starke  Bretterverschalung  eine 
Abdeckung    von  Zinkblech    und  auf  diese  eine  Verkleidung 
von  Holzcement  und  Pappe,  auf  welche  eine  Schicht  Kies 
kommt,  die  dem  durchsickernden  Wasser  ein  allmähliches 
und   bequemes  Abfliessen   gestattet,   wodurch   ein   Verklei- 
stern des  Erdreiches  vermieden  wird.     Diese  Kiesschicht 
hat   auch   gleichzeitig   den    Zweck,   überschüssiges   Wasser 
aufzuspeichern,  damit  die  dünne  Erdschicht  nicht  so  bald 
austrocknet.     Die  Erde  —  am  besten  nahrhafte  und  lockere 
Gartenerde  wird    etwa    30cm    hoch    aufgetragen,    wobei 

man  die  Wege,  um  Erde  zu  sparen,  frei  lässt.  Für  die 
Wege  ist  ein  Cementplattenbelag  das  Vorteilhafteste.  Sehr 
zweckmässig  und  das  einzig  richtige  ist  es,  wenn  man  die 
zur  Bepflanzung  bestimmten  Teile  muldenförmig  anlegt, 
damit  auch  clor  geringste  RegengUSS  aufgefangen  und  aus- 
genutzt wird,  was  besonders  da  wertvoll  ist,  wo  keine 
Wasserleitung  auf  das  Dach  führt.  Zur  Bepflanzung  eignen 
sich  sämtliche  einjährigen  Pflanzen,  besonders  Blattpflari 
zen,  für  welche  man  jedoch  den  Standort  besonders  (hingen 
muss,  ferner  niedrige,  nicht  zu  tief  wurzelnde  Stauden. 
Wird  die  Eigenart  der  gewählten  Pflanzen,  sowie  deren 
Nahrungsbedürfnis  genügend  berücksichtigt,  dann  lassen 
sich  bei  Anwendung  von  Blattpflanzen,  wie  Ricinus, 
Riesentabak,  Hanf,  Mais,  Sonnenblumen,  Solanum  und  der- 
glei<  hen,  Sträucher  mit  Leichtigkeit  entbehren,  besonders 
>\a  diese  eleu  Boden  sehr  aussaugen  und  bei  der  geringsten 
Vernachlässigung   und   Trockenheit    mit    schlechtem   Aus- 


I,  4 


Die    G  a  r  t  e  ft  w  e-l-t. 


43 


(iruntlplan    zum    Dachgarten.      Vom  Verfasser  für  die    „Gartenwelt"  gezeichnet. 


sehen  und  merklichem  Zurückgehen  quittieren.     Von  der 
Anpflanzung  von  Bäumen  ist  ebenso  abzuraten,  da  diese  in 
späteren  Jahren,  wenn  dieselben  grösser  geworden  sind,  bei 
stürmischem  Wetter  eine  stete  Gefahr  für  Nachbarhäuser 
bilden.      Das    Hauptaugenmerk    richte    man    auf    hübsche 
Blumengruppen  und  auf  geschmackvolle  Bepflanzung  der 
Geländer.    Auch  sorge  man  für  eine  schattige  Laube  oder 
für  einen  Laubengang.    Wo  eine  Fontaine  angebracht  wer- 
den kann,  bietet  diese  auf  dem,  der  Hitze  bedeutend  mehr 
ausgesetzten    Dache    eine    angenehme    Kühle    und    schallt 
gleichzeitig     durch     das    beständig    wechselnde    Spiel    des 
Wasserstrahls  eine  immerwährende  Unterhaltung'.    Grotten 
und  Felsen  lässt  man  fort,  da  diese  hier  nur  den  Eindruck 
unnatürlicher    Spielereien    machen    und    nach    nichts    aus- 
sehen,  ebensowenig  sind   Steine   zu   Einfassungen   zu   ver- 
wenden, die  das  Dach  nur  unnötigerweise  belasten,  ohne 
den  Wert  des  Gartens  auch  nur  im  geringsten  zu  heben. 
Die  Blumen  kann  man  in   Form  von   Beeten  oder,  beson- 
ders in  Stauden,  in  lockeren.  Gruppen  anbringen  und  wer- 
den   diese    in    beiden    Fällen    ihre    angenehme    Wirkung 
nicht  verfehlen,  wenn  ihnen   eine  einigermassen 
gute  Pflege  zu    teil  wird.      Der    beistehend   ab- 
gebildete Garten  wurde  von  mir  im  Jahre    1 8ejo 
auf  dem  Dache  eines  Lagerhauses  angelegt  und 
in    folgender  Weise   bepflanzt.     Die   Lauben  an 
beiden    Enden    der  Anlagen    erhielten  eine   Be- 
rankung mit  wildem  Wein,  die  vor  den  Lauben 
liegenden  Rabatten  eine  Bepflanzung  von  Fuchsien, 
Petunien,    Pelargonien    und    Lobelien    in  bunter 
Anordnung.     Die  schmale  Rabatte  am  Geländer 
wurde    mit   Tropaeolum,    Wicken,   <  hnrolr/this, 
Pelargonien,    Ipomoea,    Tagetes,   Petunien  und 
Levkojen  in  derselben  Weise  bepflanzt  und  von 
einer     schmalen     Epheukante     eingefasst.       Die 
Töpfe   auf  dem  Geländer  waren  teils  mit  Dra- 
caena    indivisa,     teils    mit   Wicken  besetzt   und 
mussten     sehr    häufig     begossen    werden ,     wozu 
zwei      Regentonnen     das     von      einem      hinter 
dem    Garten     liegenden    Trockenschuppen    ab- 
fliessende  Wasser  liefern.      Die  Laubeneingänge 
wurden     durch     je     zwei     Phormium     tenax 


flankiert.  Die  vor  den  Lauben  liegenden  schmalen  Beet- 
chen sind  mit  Pelargonien  besetzt  und  mit  Gnaphalium  ein- 
gefasst. die  kleinen  Rundbeetchen  mit  Begonia  böliviensis 
und  als  Einfassung"  mit  Lobelia  bepflanzt.  Das  grosse 
Mittelbeet  ist  mit  Heliotrop  besetzt  und  mifPyrethrum 
garniert,  eine  Dracaena  indivisa  bildet  den  Mittelpunkt. 
Einige  Cannagruppen  stehen  nach  der  Trockenhalle  zu, 
deren  Geländer  mit  Gladiolen,  Lobelia  cardinalis,  Canna, 
Nicotiana  affinis  etc.  besetzt  ist;  die  davor  liegende  schmale 
Rabatte  ist  mit  Reseda  und  Huris  dünn  übersäet  und 
von  Perillen  und  Pyrethrum  eingefasst.  Die  Ent- 
wickelung  der  Pflanzen  war  auf  dem  Dache  eine 
auffallend  schnelle  und  Üppig«;  wobei  si,h  beson- 
ders die  vertiefte  Anlage  der  Rasenstücke  als  sehr 
vorteilhaft  erwies,  welche  sämtliches  Regenwasser  auf- 
fingen und  so  langsam  durchsickern  Hessen,  dass  man  das- 
selbe  noch  nach  14  Tagen  in  die  Dachrinne  tropfen  sah.  Es 
brauchte  nur  wenig  gegossen  zu  werden  und  reichten  die 
Regentonnen  selbst  in  trockenen  Sommern  von  einem 
Regen    zum    andern.     Ein    grosser    Vorteil   bestand   darin, 


■    ■ 

7 


"IM; 


Vom    Verfasser  für  tue 
„Gartenwelt"     gezeichnet. 


44 


Die  Gartenwelt. 


VII,   4 


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Kn^ 

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tk 

der  Wunsch  vielfach  rege  ist,  diese  besser  und  schöner,  als 
nur  zum  Wäschetrocknen  zu  benutzen,  so  mögen  vorstehende 
Zeilen  ein  Fingerzeig  sein,  wie  solche  Gärten  hübsch  auszu- 
statten sind. 


Ausstellungs  -  Berichte. 


Rosenkohl,  verbesserter  Dreienbrunnen. 
f  Originalaufnahme  für  die  „Garteuwelt". 

dass  der  Garten  im  Osten  und  Westen  um  einige 
von  Nachbarhäusern  überragt  wurde  und  gegen 
durch  die  an  den  Garten 
anschliessende  Trockenhalle 
Schutz  gegen  die  heissen 
Sonnenstrahlen  fand.  Viele, 
die  eine  derartige  Anlage 
noch  nicht  gesehen  hatten, 
waren  erstaunt,  solch  hüb- 
schen Garten  auf  einem 
Dache  zu  finden  und 
glaubten  an  dessen  Exi- 
stenz nicht  eher,  als  bis 
sie  denselben  mit  eigenen 
Augen  gesehen  hatten  und, 
da  ich  weiss,  dass  es  viele 
zur  Anlage  eines  derar- 
tigen Gartens  geeignete 
Dächer     giebt     und     auch 


Gemüse-Neuheiten  auf  der  Erfurter  Gartenbau- 
Ausstellung. 

Von  Johannes  Mahling,  Erfurt. 

(Hierzu  vier  Abbildungen.) 

VV  enn  es  unter  den  rund  50000  Besuchern  der  Erfurter  Garten- 
bau-Ausstellung vor  der  Besichtigung  Zweifler  gegeben  haben  sollte, 
ob  der  Erfurter  Gemüsebau  auch  so  bedeutend  ist,  um  der  mit  Recht 
berühmten  Erfurter  Blumensamenzucht  würdig  zur  Seite  gestellt 
werden  zu  können,  so  sind  dieselben  nach  der  Besichtigung  mit 
der  befriedigenden  Gewissheit  nach  Hause  gegangen,  dass  Ge- 
müse- und  Blumensamenzucht  in  Erfurt  gleichwertig  sind  und 
sich  in  stets  fortschreitender,  schönster  Entwickelung 
befi  nden. 

Es  ist  nicht  Zweck  dieser  Zeilen,  alle  zur  Schau  gestellt  ge- 
wesenen Gemüse  der  Ausstellung  zu  besprechen;  bemerkt  sei  nur, 
dass  das  Gebotene  in  Bezug  auf  Reichhaltigkeit  und  Güte  selbst 
hochgestellten  Anforderungen  bestens  genügte.  Einer  etwas  genaueren 
Betrachtung  sind  die  Gemüse-Neuheiten  der  Ausstellung  wert. 
Unter  den  grossen  Gemüsesortimenten  der  Firmen  Ernst  Benary, 
N.  L.  Chrestensen,  J.  C.  Schmidt  und  Haage  &  Schmidt, 
welche  besondere  Hallen  zur  Schaustellung  ihrer  vorzüglichen  Er- 
zeugnisse errichtet  hatten,  war  es  wegen  des  stets  herrschenden  Ge- 
dränges in  den  schmalen  Gängen  ganz  unmöglich ,  lange  genug  auf 
einem   Platz  stehen  zu  bleiben,    um  jede  Einzelheit  ins  Auge  fassen 

zu  können. 
Meter  In  der  J.  C,  Schmidt'schen  Halle  erregte  eine  mit  dem  Namen 

Süden      „Erfurter  Ansstrlhuit/s-Gurke"  bezeichnete  Neuheit  sicherall- 


Indische   Riesen-Netzgurkc. 
Nach    einer    photogr.    Aufuahme. 


VII, 


Die  G  a  r  t  c  n  w  e  1 1. 


45 


Neues  Radies  „Blutrotes  Cardinal". 
Origioalaufnahme  für  die  „Gartenwell". 


meines  Aufsehen.  Es  waren 
mehrere  Riesenfrüchte  an 
einem  Fruchtstand  dichtbei- 
einander,  welche  eine  sehr 
bedeutende  Ertragsfähigkeit 
dieser  Sorte  erkennen  liessen. 
Man  sah  den  Früchten  aber 
auch  die  Kultur  im  Gewächs- 
hause an.  Dem  Aussehen 
nach  waren  sie  vorzüglich, 
bei  entsprechender  Stärke 
sehr  lang,  wohl  60 — 70  cm, 
dabei  schlank  und  glatt.  Das 
Gewicht  einer  Frucht  soll 
bis  3  Kilo  betragen  und  die 
Samenbildung  sehr  gering 
sein.  Die  vorzüglichste 
Eigenschaft  dieser  Neuheit 
scheint  mir  die  ganz  be- 
deutende Fruchtbarkeit  zu 
sein,  da  an  einem  einzigen 
Fruchtstande  oft  4 — 6  nor- 
mal entwickelte  Früchte 
hängen.  Es  ist  selbstver- 
ständlich, dass  man  Ge- 
wächshausgurken auch  im  Mistbeet  ziehen  kann,  doch  Aus  der  Menge  der  Kohlarten  fiel  mir  ein  neuer  Rosenhohl 
kommen  sie  in  letzterem  nicht  so  vorteilhaft  zur  Geltung.  „verbesserter  Dreienbrunnen'1  auf.  Dieser  auf  Seite  44 
Einen  grossen  Platz  im  Freien  hatte  die  Firma  Franz  abgebildeten  Neuheit  wird  nachgerühmt,  dass  sie  den  vor 
Anton  Ha  age  mit  einem  grossen  und  vorzüglichen  Gemüse-  einigen  Jahren  eingeführten  und  vorzüglichen  Rosenkohl 
Sortiment  besetzt.  Die  Anordnung  "war  sehr  übersichtlich,  „Herkules"  in  vieler  Beziehung  übertreffen  soll.  Ein  ge- 
naues Urteil  darüber  konnte 
ich  in  dieser  Beziehung  noch 
nicht  abgeben,  weil  die  Ent- 
wicklung des  Rosenkohls  An- 
fang September  in  der  Regel 
noch  nicht  abgeschlossen  ist. 
Der  Ansatz  der  „Rosen''  oder 
„Sprossen",  sowie dergedrungene, 
halbhohe  Wuchs  des  verbesserten 

Dreienbrunnen-  Rosenkohls 
Hessen  aber  gleichwohl  erkennen, 
dass  wir  es  hier  mit  einer  sehr 
guten  Züchtung  zu  thun  haben. 
Derselbe  Aussteller  brachte 
auch  eine  „weisse  Noa's  Treib- 
gurke". Wer  die  alte  grüne 
„Noas  TreibgurJce"  kennt,  wird 
auch  zu  dieser  Neuheit  Ver- 
trauen haben.  Das  Aussehen 
der  ausgestellten  Früchte,  welche 
sich  von  der  Stammsorte  nur 
durch  die  weisse  Farbe  unter- 
scheiden, war  vorzüglich.  Nä- 
heres über  besondere  Eigenschaf- 
ten der  Neuheit  habe  ich  nicht 

Kollektion  neuer  Gemüse  von  Chr.  Lorenz  auf  der  Ausstellung  in  Ei  fürt.  erfahren   können. 

Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt".  Die  Firma  Stenger  &  Rotter 


46 


Die    G  .1  r  t  c  n  w  e  1 1. 


VII,  4 


hatte  eine  neue  Radiessorte  mit  dem  bezeichnenden  Namen 
„Cardinal- Radies"  ausgestellt.  Jeder  Gemüsegärtner  weiss  aus 
Erfahrung,  dass  die  schönsten  roten  Radieschen  den  flottesten 
Absatz'  finden.  Bei  diesem  Radies  besticht  aber  nicht  nur 
die  prächtige  blutrote  Farbe,  sondern  auch  die  Qualität  ist 
vorzüglich.  Die  Knollen  erreichen  ein  Durchschnittsgewicht 
von  40  —  50  g,  ohne  dabei  holzig  oder  pelzig  zu 
werden,  sie  bleiben  vielmehr  zart  und  wohlschmeckend.  Die 
Knollen  sind  fest,  rund,  kurzlaubig  und  entwickeln  sich 
schnell.  Die  Neuheit,  welche  übrigens  schon  im  Handel 
ist,  verdient  besonders  als  Treibradies  empfohlen  zu  werden. 
Unsere  Abbildung  Seite  45  zeigt  auf  einem  Teller  eine  An- 
zahl dieser  stattlichen  Radies. 

Eine  Neuheit  von  Carl  Pabst:  Wirsing  Erfurter  roter 
I ),  licatess  komm  diesen  Herbst  in  den  Handel.  Es  waren  davon 
eine  ziemliche  Anzahl  Pflanzen  bezw.  Köpfe  ausgestellt. 
Ohne  das  dabei  angebracht  gewesene  Namenschild  hätte 
man  sie  bei  oberflächlicher  Besichtigung  für  Rotkraut  ge- 
halten. In  der  beschreibenden  Offerte,  welche  über  diese 
Neuheit  bereits  erschienen  ist,  werden  folgende  Hauptvorzüge 
genannt:  „Der  Wirsing,  Erfurter  roter  Delicatess  bringt 
hell  und  dunkelrote  Köpfe,  bildet  die  festesten  Köpfe  aller 
Wirsingsorten,  ist  am  längsten  haltbar  und  im  Geschmack 
wie  der  zarteste  Rosenkohl."  Mehr  kann  man  nicht  ver- 
langen und  deshalb  empfehle  ich  jedem  Interessenten  diese 
interessante   Neuheit   zu   versuchen. 

Die  Firma  Chr.  Lorenz  hatte  sich  mit  grossen  Ge- 
müsesortimenten an  der  Ausstellung  nicht  beteiligt,  sondern 
in  der  unteren  Schnitlblumenhalle  (neben  einigen  Blumen- 
neuheiten) nur  mehrere  Gemüseneuheiten  zur  Schau  ge- 
stellt (siehe  Seite  45,  Bild  nach  photographischer  Auf- 
nahme). Am  meisten  wurde  die  auf  Seite  44  abgebildete 
Indische  RiesenNetzgurke  be- 
wundert. In  Form,  Farbe  und 
Zeichnung  ist  diese  Gurke  von 
allen  anderen  gänzlich  ver- 
schieden. Die  rauhe  Schale 
der  reifen  Frucht  ist  kakao- 
braun mit  schöner,  weisser, 
netzartiger  Zeichnung.  In  grü- 
nem Zustande  liefert  sie  einen 
schmackhaften  Gurkensalat  und 
als  reife  Frucht  sehr  dicke, 
festfleischige  Schalen  zu  Senf 
gurken,  welche  einen  angeneh- 
men wein  säuerlichenGeschmack 
besitzen.  Die  Pflanze  wächst 
wenig  ins  Kraut,  ist  früh  und 
unempfindlich,  obgleich  sie  aus 
der  wannen  Zone  stammt.  Die 
Früchte  hatten  bei  einer  Länge 
v"n  35—4o  cm  je  ca.  3  kg 
Gewicht. 

Das  Gegenstück  zu  dieser 
Riesengurke  bildeten  die  von 
derselben  Firma  daneben  aus- 
gestellt gewesenen  Früchte  der 


Wirsing  „Erfurter  roter  Delikatess" 


CitronengürJce ,  welche  in  Form  und  Farbe  den  schönsten 
Citronen  ähneln.  Ich  habe  diese  wunderhübsche,  kleine 
Gurke  selbst  gegessen  und  dabei  herausgefunden,  dass  sie 
sehr  zart  und  wohlschmeckend,  beinahe  süss  ist.  In  den 
Lorenz'schen  Kulturen  ist  sie  sowohl  im  Freien,  als  auch 
im  Mistbeet  mit  gutem  Erfolg  kultiviert  worden.  Der 
Fruchtansatz  war  reich,  aber  später  als  bei  anderen  Gurken. 
Wo  es  darauf  ankommt,  junge  frische  Gurken  zu  liefern, 
wenn  die  eigentliche  Gurkenzeit  schon  vorüber  ist,  sei  die 
Citronengurke  bestens  empfohlen,  welche  niemals  einen 
bitteren   Geschmack  annimmt. 

Zwei  neue  Melonensortcn  waren  auch  von  Chr. 
Lorenz  ausgestellt.  Die  kleine,  äusserlich  wenig  ansehn- 
liche Melone  trägt  den  vielversprechenden  Namen  , .Heureka". 
Damit  ist  nicht  zuviel  gesagt,  denn  die  süsseste  Me- 
lone ist  gefunden!  Die  Kleinheit  der  Frucht  (ca.  1  kg 
schwer)  wird  durch  die  aussergewöhnliche  Fruchtbarkeit 
reichlich  aufgewogen.  Von  jedem  Quadratfuss  der  be- 
pflanzten Fläche  wurde  im  Durchschnitt  eine  Frucht  ge- 
erntet. Bei  völliger  Reife  ist  die  Schale  fast  ganz  glatt, 
hellorange  mit  graugrünen  Rippen.  Das  Fleisch  ist  sehr 
dick,  von  herrlicher  dunkelorange  Färbung,  schmelzend,  von 
köstlicher,  erfrischender  Süssigkeit  und  lieblichstem  Aroma. 
Die  Pflanze  hat  einen  üppigen  Wuchs,  bildet  lange  Ranken 
und  glänzend  dunkelgrüne  Blätter.  Diese  Melone  eignet 
sieh  auch  vorzüglich  zur  Kultur  im  Gewächshause;  ein 
besonderer  Vorzug  derselben  ist,  dass  sie  sich  im  All- 
gemeinen recht  widerstandsfähig  gezeigt  hat.  —  Die  zweite 
Melonenneuheit  war  mit  „Oold-Cqntaloupe?*  bezeichnet. 
Diese  ist  in  Bezug  auf  Qualität  und  auch  sonst  fast  das- 
selbe   wie    die    vor    zwei   Jahren   von    Chr.   Lorenz    in   den 

Handel   gegebene   vorzügliche  Cantahupe    „Korallenriff^ 

Der  einzige  Unterschied  be- 
steht darin,  dass  die  Hocket; 
der  neueren  „Gold  -  Canta- 
/((»/le"  weniger  spitz,  korallen- 
riffartig, sondern  mehr  abge- 
rundet, warzenartiger  erschei- 
nen. Der  Unterschied  ist  aber 
so  unwesentlich,  dass  nicht 
beabsichtigt  ist,  eine  beson- 
dere Neuheit  daraus  zu  kon- 
struieren. 

Den  Abschlttss  der  Lo- 
renz'schen Neuheiten  -Tafel 
bildeten  einige  Früchte  der 
jetzt  in  deir  Handel  kommen- 
den neuen  Tomate  ..Aller- 
fräheste  Hute".  Dieselbe 
ist  dadurch  für  Tomatenzüch- 
ter von  Bedeutung,  weil  sie 
früher  als  alle  anderen  Sor- 
ten zur  Reife  gelangt.  Die 
Frucht  ist  gross,  wohlgeformt, 
ziemlich  rund,  glatt  und  von 
herrlicher,  leuchtend  schar- 
lachroter    Farbe.       Der     Ge- 


VII,  4 


Die    Garten  weit. 


47 


schmack     ist     dem     der     besten     anderen    Sorten     gleich- 
wertig. — 

„Prüfet  Alles  und  das  Beste  hehaltet!" 


Gemüsebau. 


Wirsing  „Erfurter  roter  Delikatess". 

Von   Carl  Pabst,  Samenkulturen,  Erfurt. 
(Hierzu  eine  Abbildung.) 

E/S  wird  den  geschätzten  Lesern  dieser  Zeitschrift 
willkommen  sein  über  diese  wertvolle  und  interessante 
Neuheit  (Abb.  Seite  46)  einige  Angaben  zu  finden,  da 
ich  die  Sorte  nunmehr  dem  Handel  übergebe.  Die  erste 
Pflanze  mit  rötlichen  Blättern  wurde  bereits  vor  6  Jahren 
unter  der  bekannten  Sorte  des  Ulmer  späten  Wirsings 
gefunden,  dem  die  Neuheit  im  Wuchs  und  in  der  Bil- 
dung des  Kopfes  ähnlich  geblieben  ist.  Es  bedurfte  natür- 
lich jahrelanger  sorgfältigster  Kultur  und  Beobachtung 
um  die  schöne  rote  Farbe  charakteristisch  herauszu- 
züchten. Hierbei  bemerke  ich,  dass  die  Sorte  noch  nicht 
ganz  konstant  ist,  vielmehr  in  verschiedenen  Typen  er- 
scheint, sowohl  im  Wuchs  als  auch  in  der  Kopfbildung, 
welche  die  Möglichkeit  bieten,  im  Verlaufe  weniger  Jahre 
konstante  Sorten  zu  erzielen.  Jetzt  bringt  Wirsing 
„Erfurter  roter  Delikatess",  hell-  und  dunkelrote  Köpfe 
von  ausserordentlicher  Festigkeit,  welcher  Umstand  eine 
grosse  Haltbarkeit  gewährleistet.  Die  Köpfe  werden  sehr 
gross  und,  wie  schon  erwähnt,  im  Bau  ähnlich  dem  Ulmer 
späten  Wirsing,  aber  früher  gebrauchsfähig  als  diese  Sorte, 
bereits  von  Mitte  September  an.  Wird  der  Wirsing  im 
Herbste  im  Freien  so  eingeschlagen,  dass  die  Köpfe  fast 
senkrecht  nach  unten  stehen  und  vollständig  mit  Erde 
bedeckt  sind,  sodass  nur  die  Strünke  hervorragen,  so 
hält  sich  die  Sorte  in  Farbe  und  Geschmack  vorzüglich 
bis  zum  Frühjahr.  Das  eben  angegebene  Verfahren  des 
Einschiagens  ist  dem  allgemein  gebräuchlichen  entschie- 
den vorzuziehen.  Was  den  Geschmack  anlangt,  so  ist  er 
ebenso  fein  wie  der  des  Rosenkohls,  dessen  Zartheit  er 
ebenfalls  erreicht.  Wie  das  Rotkraut  das  Weisskraut  an 
Zartheit  und  Wohlgeschmack  weit  übertrifft,  so  ist  auch 
der  rote  Delikatess-Wirsing  den  grünen  Sorten  in  diesen 
Eigenschaften    weit    überlegen. 

Alles  in  allem  ist  die  Neuheit  entschieden  beachtens- 
wert   und    verdient    weiteste    Verbreitung. 

Anmerkung  der  Redaktion.  Damit  uns  nicht  der 
Vorwurf  gemacht  wird,  dass  wir  für  Neuheiten  eintreten,  welche, 
wie  der  Züchter  selbst  angiebt,  noch  nicht  konstant  sind,  wollen 
wir  einer  allgemeinen  Verbreitung  dieser  Sorte  noch  nicht  das 
Wort  reden.  Wir  halten  es  aber  für  richtig,  dass  die  Firma 
schon  jetzt  an  die  Öffentlichkeit  tritt,  einmal  weil  sie  sich  damit 
das  Prioritätsrecht  wahrt,  andererseits  weil  sie  damit  auch  ande- 
ren Fachleuten  Gelegenheit  giebt,  Versuche  mit  der  Sorte  an- 
zustellen, die,  wenn  sie  günstig  ausfallen,  wohl  am  meisten 
zur  Verbreitung  derselben  beitragen  werden.  Wer  Neuheiten 
kultiviert,  muss  auf  Misserfolge  gefasst  sein,  denn  nicht  in  jeder 
Lage  und  an  jedem  Orte  entfaltet  eine  Sorte  ihre  Vorzüge 
und  —  Nachteile.  Der  vorurteilsfreie  Beobachter  wird  aber  bei 
Kundgebung  seiner  Erfahrung  sehr  gewissenhaft   sein,   während 


es  anderseits  wieder  sehr  viele  giebt,  die  aus  Abneigimg  gegen 
alles   Neue,  dasselbe,   ohne  es  zu  kennen,  verwerfen. 

Im  übrigen  stehen  wir  auf  dem  Standpunkte,  dass  sich 
Züchter  mit  der  Verbreitung  von  Neuheiten  die  grösste  Zurück- 
haltung auferlegen  sollten,  damit  der  Markt  nicht  mit  halb- 
fertigen Bastarden  überschwemmt  wird,  welche  denjenigen,  der 
sie  versucht,  gründlich  hineinlegen  und  ihn  von  der  weiteren  Ver- 
wendung von  Neuheiten,  sehr  zum  Schaden  des  wirklich  Guten, 
ein  für  alle  Mal  abhalten.  Wir  sind  der  Ansicht,  dass  der 
Wirsing  der  Firma  Pabst  eine  wirklich  gute  Neuheit  ist  und 
werden  dieselbe  im  Auge  behalten  und  Erfahrungen  anderer 
Fachleute    im     Laufe    der    Zeit    veröffentlichen. 


Bücherschau. 


Deutscher  Garten- Kalender  1903.  30.  Jahrgang.  Heraus- 
gegeben von  Max  Hesdörffer,  Verlag  von  Paul  Parey,  Berlin. 
Preis  2  Mark.  Mit  einer  Seite  freiem  Papier  pro  Tag,  in  Leder 
gebunden   3  Mark. 

Der  vorliegende  neue  Jahrgang  dieses  allgemein  beliebten 
und  in  den  letzten  Jahren  zu  weitester  Verbreitung  gelangten 
Kalenders  hat  eine  wesentliche  Bereicherung  seines  Inhaltes 
erfahren  ohne  deshalb  an  Handlichkeit  verloren  zu  haben,  denn 
alles  durch  das  Fortschreiten  der  Zeit  entbehrlich  gewordene 
ist  herausgelassen  und  dafür  Neues  eingeschaltet  worden.  Ab- 
gesehen davon,  dass  die  altbewährten,  für  die  tägliche  Praxis 
unentbehrlichen  Tabellen  wo  es  notwendig  war  wieder  einer 
sorgfältigen  Bearbeitung  unterzogen  wurden,  sind  auch  neue 
und  sehr  interessante  Abschnitte  eingereiht  worden.  An  erster 
Stelle,  mit  einer  Einleitung  des  Herausgebers  versehen,  sind 
da  zu  nennen  die  Bestimmungen  für  die  Obergärtnerprüfung 
der  drei  staatlichen  Gärtnerlehranstalten  in  Wildpark,  Proskau 
und  Geisenheim,  sowie  an  der  Privat-Gärtnerlehranstalt  in  Köst- 
ritz.  Für  alle  diejenigen,  welche  einmal  auf  Anstellung  im 
Staatsdienste  reflektieren,  sind  die  sehr  sorgfältig  zusammenge- 
stellten Tabellen,  welche  fast  sämtliche  gärtnerische  .Staatsstellen 
im  deutschen  Reiche  umfassen,  sehr  beachtenswert.  Sie  wurden 
aufgestellt  auf  Grund  der  vom  Herausgeber  bei  den  betreffenden 
Ministerien  eingeholten  Informationen  und  sind  durchaus  zu- 
verlässig. 

Mit  einem  hübschen  landschaftsgärtnerischen  Beitrag  ist 
Willy  Lange  vertreten ;  er  behandelt  Menschenwerke  im  Natur- 
garten. Die  übersichtlichen  Tabellen  über  die  besten  Chrysan- 
themum- und  Edeldahlien-Züchtungen  sind  fachmännisch  revi- 
diert und  um  die  hervorragendsten  Neuheiten  für  1902  ergänzt 
worden.  Vollständig  neu  sind  die  Tabellen  von  Carl  Bech- 
städt,  Cambrai,  einem  im  Gemüsefach  sehr  erfahrenen  Gärtner. 
Die  eine  Tabelle  enthält  eine  Zusammenstellung  der  besten  und 
gebräuchlichsten  Gemüsesorten  für  deutsche  Verhältnisse,  die 
andere  belehrt  über  Gewicht  und  Keimdauer  der  Gemüse- 
samen. Sie  stellt  das  Ergebnis  einer  peinlich  gewissen- 
haften, sehr  mühevollen  Arbeit  dar  und  ist  für  den  Fachmann 
unentbehrlich.  Interessant  und  lehrreich  ist  auch  die  neue, 
interessante  und  übersichtliche  Tabelle  der  schönsten  Farne 
und  Selaginellen  für  Gewächshäuser,  vom  Kgl.  Garteninspektor 
B.  Othmer  in  München  bearbeitet.  Sie  giebt  in  den  Rubriken 
Heimat,  Kultur,  Höbe,  Verwendungsart  die  für  den  Kultivateur 
und    Dekorateur    wichtigen   Anhaltspunkte. 

Es  steht  zu  hoffen,  dass  auch  der  neue,  30.  Jahrgang  dieses 
Kalenders  neben  den  bewährten  alten  auch  zahlreiche  neue 
Freunde  gewinnen  wird,  denn  an  Reichhaltigkeit,  Zuverlässig- 
keit und  an  Wert  für  den  Praktiker  steht  dieser  Kalender  uner- 
reicht da.  Derselbe  ist  gegen  Einsendung  von  2  Mark  20  bezw. 
3  Mark  20  für  die  in  Leder  gebundene  Ausgabe  (auch  in  Brief- 
marken)   vom    Verlag    der    Gartenwelt    zu    bezichen. 

W.  Tscheuke,   Berlin. 


48 


Die    Gartenwelt. 


VIT. 


Gaucher,      Nicolas,      Handbuch      der      Obsikulmr.       Aus    der 
Praxis  für  die  Praxis.    Dritte-,  neubearbeitete  und  vermehrte  Auf- 
mit  609  Original-Holzschnitten  und    i<>  Tafeln.    Verlag  von 
Paul    Parey,    Berlin,     1902.     Preis   20   Mark. 

Dieses  einzig  in  seiner  Art  dastehende  Standardwerk  des 
Obstbaues,  auf  das  wir  wiederholt  hingewiesen  haben,  ist  jetzt 
mit  der  20.  Lieferung  vollständig  erschienen.  Mas  Werk  steht 
nach  Ausstattung  und  Inhalt  auf  der  Höhe  der  Zeit.  Der  text- 
liche Teil  ist  einer  sorgfältigen  Neubearbeitung  unterzogen  und 
wesentlich  bereichert  worden.  Eine  besonders  liebevolle  Sorg- 
fall wurde  dem  illustrativen  Teil  des  Werkes  zuteil,  das  durch 
die  gelungenen  Abbildungen  und  Tafeln,  darunter  zahlre  i<  he 
gute    Autotypien,    sehr    gewinnt. 

Das  Gaucher'sche  Werk  isl  erst  in  zweiter  Linie  für  den 
Liebhaber  und  in  erster  Linie  für  diejenigen  Berufsgärtner  be- 
stimmt, welche  sich  in  eingehender  Weise  mit  dem  Obstbau  be- 
schäftigen wollen  und  den  ernsten  Willen  hallen,  in  alle  Geheim- 
nisse der  Obstkultur  einzudringen.  Für  diese  Fachgenossen  giebt 
es    kein    gleich    gutes    Werk    111    deutsi  her    Sprache.      M.     H. 

Henriette  Davidis'  illustrierter  Küchen-  und  Blumengarten. 
19.  Auflage,  bearbeitet  von  O.  Mohrmann,  Schlossgärtner  aui 
Schloss  Rieneck.  Verlag  von  Julius  Baedeker,  Leipzig  1902. 
Preis   3  Mark. 

Ein  Buch,  welches  seine  neunzehnte  Auflage  erleben  konnte, 
bedarf  keiner  besonderen  Empfehlung  mehr.  Die  vorliegende 
Neuauflage  steht  durch  die  ihr  zuteil  gewordene,  sorgfä 
Neubearbeitung  wieder  aui  der  Höhe  ehr  Zeit.  Leider  hat  d.e. 
Buch  verhältnismässig  wenig  Abbildungen,  von  denen  viel 
Teil  recht  primitiv  ausgeführl  sind.  Der  Bearbeiter,  Herr 
( ).  Mohrmann,  wird  vielen  Kollegen  noch  in  Erinnerung  sein. 
Er  ist  früher  bewährter  Geschäftsführer  di  Verbandes  der 
Handelsgärtner  Deutschlands  gewesen,  der  leider  durch 
geschäftliche  Misserfolge  auf  der  Sächsisch-thüringischen  Ge 
werbe-  und  Industrie-Ausstellung  in  Leipzig  gezwungen  war.  'eine 
Ilandelsg, irinerei  aufzugeben.  Wir  wünschen  und  hoffen,  dass 
die  von  ihm  bearbeitete  Neuauflage  des  beliebten  Werkes  in 
Liebhaberkreisen    weitgehende    Verbreitung    finden    möge. 

M.  H. 

Bericht  über  die  Provinzial-Obst-Ausstellung  Potsdam  1901 
und    über    die    Verhandlungen    des    Obsibaukongresses    daselbst 

Mit    Unterstützung  des   Ministeriums  für   Landwirtschaft,   1 

neu  und  Forsten  herausgegeben  von  der  Geschäftsführung.  Ver- 
lag   von    Gebrüde]     Borntraeger,    Berlin    n;o2. 

Ein  äusserst  sorgfältig,  wohl  von  Gartenbaudirektor  Echter- 
me\cr     bearbeiteter,     umfangreicher    Bericht,     welcher,     abge 
sehen     vom     Programm     und     den     Prämiierupgen,     hübsch   n 
Ausstellungsbildern    usw.    auch    sämtliche    auf    dem    Kongress 

gehaltenen     Reden     enthalt.       Wenn     11!.    1      jede     grossere     Obst- 

Ausstellung  ein  Bericht  in  der  \i,  des  vorlisgenden  erscheinen 
und  man  für  dessen  weitgehende  Verbreitung  in  Interessenten- 
kreisen sorgen  wurde,  so  würde  damit  dem  deutschen  Obstbau 
sehr  gedient   werden.  M.   H. 

Lehmanns  internationales  Handelsgärtner-Adressbuch.    Deut- 
scher  Teil   1902/03,     Bearbeitet    von    Roben    de     ["erra.     Vi 
von    Paul    Lehmann,    Berlin    [9  12. 

Ein  altbewährtes  Adressenbuch,  welches  in  soi  [fältigei  Zu- 
sammenstellung die  Adn  äi  tlicher  deutscher  Handelsgärt- 
ner enthält,  1'  in  jeden  Handelsgärtner,  welcher  Versandgesi  h  Lft  : 
betreibt    und    direkte'    Offerten    oder    Kataloge    verschickt,    für 

Samenh Her  und  für  den  Gartenbau  arbeitende  andere  Erw 

zweige  ist  Lehmanns  Adressenbuch  von  grossem  Werte.  So 
weit  wir  die  Adressenangaben  zu  kontrollieren  vermochten,  sind 
dieselben  zuverlässig  Di  halb  sei  das  Werk  Interessenten  bestens 
empfohlen.  M.  H. 

Tagesgeschichte. 

Erfurt.  Die  altbekannte  gärtnerische  Firma  Chr.  koren/, 
Hoflieferant,   ist   durch    Kaui    an  den    Kaufmann   Max   Schmidt 


übergegangen.  Unserem  Mitarbeiter  Johannes  Mah'i.ig,  der  schon 
seil  einigen  Jahren  Vertrauensstellung  bei  der  Firma  inn'e  hat, 
ist    die    technische    Leitung    derselben   übertragen   worden. 

Rheydt.  Die  .Stadtverordneten  beschlossen  in  geheimer 
Sitzung  die  Aufnahme  einer  Anleihe  von  650000  Mark,  wovon 
u.  a.  50000  Mark  für  die  Erweiterung  des  hiesigen  Kaiserparks 
durch    den    Ankauf    angrenzender    Grundstücke    bestimmt    sind. 

A.  W. 


Preisausschreiben  der  Gartenwelt. 


Unser  Preisausschreiben  in  Nr.  43  Jahrgang  <>  brachte  ins- 
gesamt 1;-'  verschiedene  Einsendungen,  deren  Beurteilung  ge- 
raume Zeit  in  Anspruch  nahm.  Erst  heute  sind  wir  in  der  Lage, 
das  Ergebnis  bekannt  zu  machen.  Die  fünf  Preise  im  Betrage 
von  40  Mark  wurden   zuerkannt  an: 

Franz    De  Laet,    Handelsgärtner   in    Contich  lez-Anvers; 
Hof  gartendirekt  or    L.  Graebener,    Karlsruhe; 
Willy    Liefhold,     Mannheim; 

R.  Rudel.      Handelsgärtner,     Naunhof     bei     Leipzig; 
Hofgärtner    L.  Wolff,     Margargthen    a.    Moos,    Nieder  Öster- 
reich. 

Di<'  tunl    Preise  von   je   10  Mark  wurden  zuerkannt  an: 

Max  Büttner,     Solingi  n  . 

Hofgartehdirektor    L    Graebener,      Karlsruhe: 

Kunstgärtner  Louis  Sasse,     Hof   i.   B.; 

Robert  Herrmann,  <  (bergärtner  der  gräfl.  Thiele  Winkler- 
schen    Schlossgärtnerei    in    Moschen,    Ober-Schlesien^ 

Hofgärtner    C   H.  Schulze,    Altenburg,    S.A. 

Von  nie  hi  prämiierten  Einsendungen  wurden  ganz  oder 
teilweise  gegen  das  bei  der  ('.arienweit  übliche  Honorar  aeeep- 
tiert,  soKhe  von:  I.  B.  Berie,  Heidelberg;  Hofgartendirektor 
L.  Graebener,  Karlsruhe;  Paul  Berthold,  Handelsgärtner, 
Zwickau;  J.  Keim,  Mainz;  Obergärtner  August  Liese,  Lintel  bei 
Norden;  Emil  Koberstein,  Herrschaftsgärtner,  Bommern  a.  Ruhr; 
Max  Buttner,  Solingen;  Hans  Petersen,  Frankfurt  .1.  M.jF.Poll- 
nier.    Stadtgärtner,    Grossenhain;    A.    Zilliken,    Brüssel. 

I)ie-  111.  In  aeeeptierten  Einsendungen  sind  den  Einsendern, 
den  redaktionellen  Grundsätzen  entsprechend,  franko  zurück- 
gesandt   worden.  Die  Redaktion   der  ,,  Garten  weit". 


Personal-Nachrichten. 


Everding.  Fürst!,  Schaumburg-Lippe'scher  Schlossgäritner, 
wurde-    zuni    Hofgärtner    befördert. 

Glatt,  Hofgärtner  in  Potsdam,  wurde  vom  Konige  von 
Italien  das  Kitterkreuz  des  Ordens  der  italienischen  Krone  ver- 
liehen. 

Grote,  Hermann,  leisln  r  am  Pomolog.  Institut  in  Reut- 
lingen thätig,  übernahm  die-  Obergärtnerstelle  der  Oberger- 
spitzer    Filiale   der   Victoriabaumschule    in   Schöllspitz. 

Heyde,  Heinrich,  früherer  Gärtnereibesitzer  in  Brehna  starb 
im   72.    Lebensjahre. 

Heske,  Karl,  Gütsgärtner  in  Gross-Arnsdorf  im  Kreise  Moli 
rungen    wurde   das    allgemeine    Ehrenzeichen   verliehen. 

Jaletzky,  Obergehülfe,  Mitarbeiter  unserer  Zeitschrift,  wurde 
zum   Schaumburg-Lipp.   Schlossgärtner   befördert 

Reimann,  Johann,    Obergärtner,   früher   Leiter  der   Koninai 
/iciii.ii    1  aro  sc  lien    Gärtnerei    zu    Gleiwitz,    verstarb   am   9.    1  »kt. 
zu    Breslau    im    .So.     Lebensjahre. 

Stämmler,  C,  Stadtrat  in  Segeberg  (nicht  Semler,  wie  Fälsch- 
lich in  Nr.  1  angegeben)  hat  seine  Gärtnerei  nebst  Wohnhaus 
kürzlich  für  45000  Mark   an    Handelsgärtner   Remmert   verkauft. 

Vollmer,  Schaumb.-Lipp.  Hofgärtner,  wurde  zum  Oberhof- 
gärtner befördert. 


Verantwortl.  Redakteur:    Max  Hestlörffer,  Berlin.  —  Verlag  von  Richard  Carl  Schmidt  &  Co.,    Leipzig.  —  Druck  von  C.  Grumbach  in  Leipzig. 


Illustriertes  Wochenblatt  für  den  gesamten  Gartenbau. 


Jahrgang  VII. 


i.   November  1902. 


No.  5. 


Nachdruck  und  Nachbildung  aus  dem  Inhalt  dieser  Zeitschrift  wird  strafrechtlich  verfolgt. 


Blumentreiberei. 


Glycine  sinensis  als  Treibstranch. 

Von  Obergärtner  Carl  Rimann.  Wien. 
(Hierzu  drei  Abbildungen.) 

tLs  dürfte  dem  weit  ausgedehnten  Leserkreis  dieser 
Zeitschrift  willkommen  sein ,  wenn  ich  ihn  heute  auf  ein 
Gehölz  aufmerksam  mache,  das  sich  als  Treibstrauch  vorzüglich 
eignet  und  sich  ungemein  dankbar  erweist.  Nicht  nur  für  den 
Liebhaber  und  Privatgärtner,  der  gern  etwas  aussergewöhn- 
liches,  selten  Gesehenes  haben  will ,  sondern  auch  für  den 
Handelsgärtner  ist  Glycine  sinensis  gleich  wertvoll,  sowohl 
als  ganze  Pflanze,  als  Schaustück,  wie  für  den  Schnitt.  Der 
Blumenbinder,  dem  die  Glycine  ein  ebenso  gefälliges  wie 
elegantes,  zartmodefarbenes  Blütenmatertal  liefert,  wird  für 
grössere  Arrangements,  wie  auch  für  kleinere  Sträusse 
Glycinenblüten  gern  verwenden  und  endlich  das  Publikum, 
welches  gern  Neues,  Vornehmes  und  Modernes  auch  in  den 
Blumenbindereien  haben  will,  wird  diese  neue  Darbietung 
gern  annehmen,  zumal  die  verwendeten  Blüten  nicht 
allzu  teures  Material  sind. 

Wenn  ich  meine  bisherigen  Erfahrungen  über  das 
Treiben  von  Glycine  sinensis  hier  veröffentliche ,  so  möchte 
ich  vor  allen  Dingen  betonen,  dass-  sich  dieselbe  leichter, 
mindestens  ebenso  leicht,  wie  Flieder,  Prunus,  Spiraea 
etc.  treiben  lässt.  Sie  braucht  keine  Vorkultur  im  Topfe, 
wie  Rose  oder  auch  Flieder,  bringt  sowohl  Blumen  wie 
Blätter  gleichzeitig  und  gleichmässig  hervor,  erhält  auch  ge- 
trieben die  zarte  lichtblauviolette  Farbe,  hält  sich  im  blü- 
henden Zustande  ziemlich  lange,  duftet  sehr  angenehm,  ent- 
wickelt die  Traube  vollkommen  und  nicht  wie  beim 
Erblühen  im  Freien,  wo  die  zuerst  aufgebrochenen  Blumen  be- 
reits abfallen,  während  die  letzten  erst  kleine  Knospenan- 
sätze sind,  und  ist  als  aufgeblühte  Pflanze  ein  Schaustück 
allerersten  Ranges. 

Ich  gebe  im  folgenden  kurz  einige  Daten  über  die 
Treiberei  von  Glycine  sinensis  an:  Eingestellt  am  12.  Ja- 
nuar 1902,  erblüht  am  23.  Januar,  hielt  die  Blüte  in  voller 
Schönheit  bis  ca.  8.  Februar,  die  Pflanze  hatte  drei  Trauben. 
. —  Eingestellt   am    10.  Februar,    erblüht   am     19.    Februar, 

Die  Gartenwelt. 


hielt  bis  ca.  6.  März ;  die  Pflanze  hatte  32  Trauben,  nachdem 
beim  Austreiben  bereits  8  weitere  Trauben  zu  Gunsten  der 


Vase  mit  getriebenen  Glycinen,  Flieder  und  Rosen. 
Am  25.  Januar  d.  J.  für  die  „Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen. 


50 


Die  Gartenwelt. 


VII,  5 


übrigen  abgeschnitten  waren,  die  jedoch  wahrscheinlich  eben- 
so vollkommen  zur  Ausbildung  gelangt  wären,  als  die  stehen 
gebliebenen  $2  Trauben.     Aus  diesen  Daten  ist  zu  ersehen, 
wie    leicht,    wie    dankbar  sich   Glycine    treiben  lässt.     Eine 
Temperatur  von    18— 23  °  C.  ist  notwendig,  im  dunklen  ge- 
trieben und    feucht  gehalten,    zeigen   die  Knospen  sich  be- 
reits   am     2.    Tage    des  Einstellens.     Die    Blätter    behalten 
auch  beim  Treiben  im 
Dunkeln      die     bräun- 
liche    Naturfarbe     bei 
und   wirken    vorteilhaft 
mit  beim  Aussehen  des 
erblühten        Strauches. 
Die  einzelnen  Blütchen 
der  Traube,  auch  wenn 
sie  abfallen,  halten  sich 
im   Kalthaus    garvz  gut 
und  sind,  wie    Lathy- 
nt.s-blüten    auf     Draht, 
selbst   für   die   feinsten 
Bindereien    zu    verwer- 
ten.     Sie  haben    einen 
Duft,      der      zwischen 
Tuberosen  und  Maiblu- 
men steht  und  wie  bei 
letzteren  äusserst  ange- 
nehm   und   dezent    ist. 
Die      Pflanze     braucht 
vor  dem  Treiben  Frost. 
Für     zeitige    Treiberei 
dürfte       sie       ebenfalls 
gute   Resultate    liefern, 
obwohl  mir  die  Erfah- 
rung noch  darüber  fehlt. 
Ebenso  wird  Ätherisie- 
ren   von    der    gleichen 
Wirkung  sein,    wie  bei 
Flieder.     Da  ich  meine 
abgetriebenen   Pflanzen 
nicht      zurückschneide, 
sondern     im     Kalthaus 
weiter     treiben      lasse, 
werde  ich   weitere  Re- 
sultate    sammeln     (die 
ich     später     hier     zur 
Kenntnis   bringen  wer- 
de), ob  auch  im  näch- 
sten Jahre  sich  die  Glycine  wieder  treiben  lässt.      Es  Hesse 
sich   auf    diese  Weise,    wenn    der  Versuch    von  Erfolg  be- 
gleitet ist,    ein    spezielles  Glycinen\.re\bha\xs  einrichten,  wie 
es    spezielle    Rosenhäuser   giebt  und   dürfte    bei    älteren  im 
freiem  Grunde    gepflanzten   Qlycinm   der   Ertrag  an  Blüten 
ein    von    Jahr    zu    Jahr    zunehmender,     ungemein     reicher 
sein.     Es    wäre    in   solchem  Hause    dann    möglich,    um    es 
auszunützen,  auch  Flieder,  Spiraeen  etc.  gleichzeitig  anzu- 
treiben. 

Nachzutragen   wäre    noch,    dass    ich  die  Glycinen    im 


Herbst  von  Goos    &    Koenemann    bezogen    und    selbige 
erst  kurz  vor  dem  Einstellen  eingetopft  habe. 

Die  verschiedenen  Abbildungen  geben  den  besten 
Beweis  für  das  Aussehen,  den  dekorativen  Wert  der  Glycine 
als  Einzelpflanze,  sowie  die  Verwendung  der  einzelnen 
Trauben  zur  Ausschmückung  von  Vasen  etc. 

Neue  Pflanzen. 


Getriebene  Glycine  sinensis  (Blütendauer  vom   20.  Januar  bis    10.  Februar). 
Originalaufnahme  für  die  ,, Gartenwelt". 


Smetanas  Rex  Bego- 
nien. Im  Anschluss  an 
meinen  Artikel  „Smetanas 
Rex  Begonien"  etc.  in 
Xr.  36.  VI.  Jahrg.  der 
„Gartenwelt"  möchte  ich 
heute  den  Leser  nochmals 
auf  die  wunderbaren  Far- 
bentöne dieser  neuen  Hex 
Begonien-Rasse  hinweisen. 
Herr  Smetana  überliess  mir 
im  vergangenen  Frühjahr 
ein  Sortiment  seiner  Neu- 
züchtungen, die  sich  mitt- 
lerweile zu  ordentlichen 
Pflanzen  entwickelten  und 
mir  mein  heutiges  Urteil 
über  den  Wert  dieser  Be- 
gonien erlauben. 

„Kaiser  Franz  Joseph" 
und  „Kaiserin  Elisabeth" 

wurden  von  Smetana  zuerst 
zur  Taufe  getragen ;  sie 
sind  es,  die  zum  ersten  Mal 
auf  der  österreichischen 
Reichsgartenbauausstellung 
gezeigt,  das  völlig  Neue 
des  Farbentons  bei  Begonien 
dokumentierten.  Leider  sind 
beide  bei  mir  noch  nicht 
so  vollkommen  entwickelt, 
dass  ich  sie  mit  der  folgen- 
den Sorte  in  Parallele  zu 
stellen  vermöchte. 

„Hofyarti'tidirektor  Um- 
lauft". Diese  Sorte  wächst 
recht ,  üppig,  das  Blatt  wird 
gross  und  ist  im  Verhältnis 
zu  seiner  Breite  sehr  lang 
und  schön  gezackt.  Die 
Mitte  des  Blattes  ist  rot  ge- 
färbt, in  einer  Tönung,  wie 
man  sie  nur  bei  Calailinnt 
wiedersieht.  Es  wäre  eine 
ehrliche  Reklame  mit  „Hof- 
gart endirektor  L  'nitatt/'t" 
eine  neue  Klasse  „Caladiumblättriger  Rex  Begonien"  beginnen  zu  lassen. 
Das  Rot  ist  geradezu  ein  Feuerrot,  auf  das  man  zum  Abstumpfen  hie  und 
da  Karmin  aufgetragen  hat.  Dieses  lebensprühende,  feurige  Rot  bedeckt 
zu  3/4  das  Blatt  und  wird  von  einer  Silberzone  umgeben,  in  der  hie 
und  da  rötliche  Flecken  auftreten,  die  sich  nach  dem  Rand  des  Blattes 
zu  zu  einer  Randzeichnung  verdichten.  „Hofgartendirektor  Umlauft" 
wird  in  jeder  Sammlung  Aufsehen  erregen!  Das  Blatt  von  „Bregenz" 
ist  bräunlich-dunkelgrün  gefärbt,  metallisch  glänzend  und  nur  sehr  spärlich 
mit  kleinen  silberiggrünen  Flecken  besetzt.  Es  erinnert  mich  an  die  wunder- 
bare harte  Ncubronnersche  Sorte  „Fräulehl  von  Zingler",  und  ist  wie 
bei  dieser  blasig  aufgetrieben,  aber  am  Rande  durch  den  Einfluss  von 
Rex  diadema-Blul  kräftig  gezähnt  und  gezackt.    Die   Sorte  ist  herrlich 


VII,  5 


Die    Gartenwell. 


51 


geeignet,     um    Kontraste    bei    der    Gruppierung   zu  erreichen  und  wohl 
auch   zum  Blätterschnitt  für  Trauerarrangements  von'  Zukunft. 

,,Austria"  ist  etwas  ganz  Eigenartiges.  Das  starkgezackte,  hell- 
grüne Blatt  ist  über  und  über  mit  perlmutterartigen  Silbeiflecken  be- 
deckt und  auch  die  dasselbe  durchziehenden  Adern  sind  silberfarben. 
In  der  Mitte  zeigt  es  eine  dunkelbraune  Zone,  ähnlich,  aber  doch  viel 
kräftiger  als  bei  ,,Frau  Meto,  Hasack"  der  Schmeiss'schen  Rex  diadema- 
Rasse.  Die  Sorte  scheint  sehr  zart  zu  sein,  sie  ist  aber  häiter,  als 
man  meint. 

Unter  den  anderen  Sorten  Smetanas  können  noch  sehr  schöne 
sein,  die  sich  leicht  von  genannten  unterscheiden  lassen;  mein  Pflanzen- 
material ist  im  übrigen  jedoch  noch  zu  wenig  entwickelt,  um  ein  Urteil 
über  diese  abgeben  zu  können. 

In  welche  Begonienklasse  soll  man  die  Smetana'schen  Züchtungen 
einreihen?  Stark  vorwiegend  bei  ihnen  ist  Bsc-Blut  ( —  das  be- 
trachte ich  als  einen  Vorteil  der  Rasse) ;  die  gezackten  Blätter  könnten 
an  Hex-  X  discolor- Abstammung  erinnern,  und  doch  steckt  gar  kein 
discolor -Blut  in  denselben.  Herr  Smetana  kieuzle  die  prächtige  Sex 
><  diadema  „Kathi  Stadel'1  mit  der  Neubronner'schen  Rex-Sorte 
„Ludwig  Kiissel",  und  aus  dieser  Verbindung  sind  alle  Smetana'schen 
Sorten  entstanden.  Man  hält  es  nicht 
für  möglich,  dass  unter  sich  so  grund- 
verschiedene Typen,  wie  sie  „Hufgar- 
tendirektor  Umlauft",  „Bregenz"  und 
„Austria"  darstellen,  aus  ein  und  der- 
selben Kreuzung  zu  entstehen  ver- 
mochten. Für  den  Gärtner,  der  sich 
in  die  Vererbungsgesetze  einzuarbeiten 
bemüht,  wieder  ein  Beleg  mehr  dafür, 
wie  wenig  durchgezüchtet  die  meisten 
unserer  gärtnerischen  Kultursorten  sind! 
Max   Löbner    Wädensweü. 


Aster  horizontalis  atropurpu- 
reus.  Ich  bin  ein  Freund  der  Stau- 
denastern, und  eine  der  liebsten  ist 
mir  Astir  horizontalis.  Reichblütig 
sind  ja  alle,  aber  Aster  horizontalis 
erscheint  in  auffälliger  Blütenfülle, 
weil  sein';  Zweige  fast  horizontal 
gestellt  sind  und  dadurch  die  Blüten 
besser  zur  Geltung  kommen.  Auch 
wird  er  nicht  so  hoch  als  andere 
Sorten,  wie  etwa  der  einzig  schöne 
Aster  cordifolius  oder  die  Sorten  des 
A.  Novae  Angliae.  Die  60 — 80  cm  und 
noch  höher  werdende  Pflanze 
bedarf  selbst  in  windigen  Lagen 
keiner  Stütze.  Die  Blüte  derselben 
fällt  auf  Ende  September,  noch  früh 
genug,  dass  dieser  Aster  in  den  La- 
gen am  Zürichsee  in  günstigen 
Herbsten  reifen  Samen  hervor- 
bringen  kann. 

Im  Frühjahr  vergangenen  Jah- 
res fand  ich  unter  den  Sämlingen, 
die  neben  unserer  starken  Mutter- 
pflanze emporsprossten,  ein  Exem- 
plar, das  schon  in  der  Jugend  braun- 
rote Blätter  entwickelte,  welche  der 
Pflanze,  im  besonderen  zur  Blüte- 
zeit, ein  auffallendes  Aussehen  ver- 
liehen. Die  kleinen  Blüten  des  Aster 
horizontalis  tragen  bekanntlich 
schmale,  weisse  Strahlen-  und  rötlich 
violette  Scheibenblütchen.  Das  Weiss 
der  Strahlenblütchen  kommt  aber 
bei  ihrer  Kleinheit,  dem  matten  Rot- 


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Getriebene  Glycine  sinensis,  welche  32  Blütentrauben  gebracht  hat. 

Originalaufnahme   für  die  „Gartenwelt". 


violett  der  Scheibenblüten  und  der  Winzigkeit  der  oft  bräunlich- 
grünen Blätter  nicht  recht  zur  Geltung;  über  der  Blütenmasse 
scheint  ein  feiner  Schleier  zu  liegen.  Anders  bei  unserer  Neu- 
heit. Der  rotbraune,  metallisch  glänzende  Ton  der  Blätter  kon- 
trastiert stark  zu  dem  Weiss  der  Strahlenblüten  und  lässt  dieses 
völlig    rein    erscheinen.     Die    Blüte    ist    höchst    wirkungsvoll. 

Ich  meine,  die  neue  Pflanze  wird  zur  Dekoration  im  Garten 
und  Park  wertvolle  Verwendung  finden  und  ihre  Blütenzweige 
wird  man  mit  noch  grösserer  Vorliebe  für  die  Kranzbinderei 
verwenden    als    die   der   gewöhnlichen   Art. 

Einige  Vermehrung  habe  ich  bereits  im  vergangenen  Früh- 
jahr erzogen,  so  dass  die  Vorbedingungen  für  weitere  Ver- 
breitung  der   Pflanze   erfüllt   sind. 

Max  Löbner,  Wädensweü. 

Schlingpflanzen. 

Die  rankenden  Loniceren.  Unwillkürlich  wird  man  beim 
Anblick  gewisser  Schönheiten,  zumal  wenn  sie  uns  nicht  all- 
täglich begegnen,   veranlasst,   denselben  ein  empfehlendes  Wort 

zu  reden.  Ob  neu,  ob  ,.alt",  der 
denkende  Mensch  erkennt  in  dem 
kunstvollen  Bau  auch  des  beschei- 
densten Repräsentanten  aus  Floras 
Zauberreich  denselben  Meister;  er 
weiss,  dass  das  bescheidenste  Blüm- 
chen auf  der  Aue  eine  Reise  der 
Erde  um  die  Sonne,  die  Götter- 
arbeit eines  Jahres  kostet,  und  freut 
sich,  dass  er  es  wieder  sehen  kann ; 
und  wenn  er  den  Frühling  achtzig- 
mal erwachen  sah,  er  erscheint  ihm 
dennoch  wieder  neu.  Das  ist  auch 
der  Fall,  wenn  wir  einmal  alte  Be- 
kannte in  vorteilhaftester  Verfass- 
ung wiedersehen.  Wer  würde  nicht 
entzückt  sein  beim  Anblick  eines 
feinen  Laubenganges,  eines  Bogens, 
einer  Säule  oder  sonstweichen  Bau- 
werks, bekleidet  mit  dem  alten  „Je- 
längerjelieber",  Lonicera  caprifolium 
(Gaisblaf)  in  voller  Blütenpracht 
und  über  dessen  süssen  Duft  ?  Man 
findet  diese  Pflanze  fast  nur  noch 
in  alten  Gärten  auf  dem  Lande  oder 
vernachlässigt  in  irgend  einem  Win- 
kel. Und  doch  verdient  sie  gewiss 
ein   besseres    Los. 

Noch  seltener  wird  man  das 
hochrote  Gaisblatr  mit  orangegel- 
bem Schlünde,  L.  punicea,  finden, 
und  ebenso  das  rein  gelbe,  L.  flava. 
Beide  geben  prächtiges  Beklei- 
dungsmaterial für  die  verschieden- 
sten Zwecke.  In  Bezug  auf  Reich- 
blütigkei*  ist  namentlich  das  rote 
hervorzuheben.  Etwas  kleinlaubiger 
als  das  gelbe,  ist  es  hauptsächlich  als 
ältere  Pflanze  mit  Blütenreichtum 
überschüttet.  Ein  vor  10  Jahren 
damit  bepflanztes  freistehendes  Git- 
ter aus  dünnem  Rundeisen,  welches 
den  Giebäl  nebst  Zugang  zu  einem 
Gewächshause  und  Frühbeetkästen 
verdecken  soll  und  im  Juni  d.  Js. 
durch  seine  rote  Blütenfülle  Jeden 
überraschte,  der  es  sah,  zwingt  den 
Beschauer,  solcher  selten  auftreten- 
den Schönheiten  gebührend  zu  ge- 
denken.     In   der   Färbung    erinnert 


52 


D 


le  Gartenwelt. 


VII,  5 


in  recht  sonniger  Lage,  wo  sie  prächtig  goldbunt  wird.  Sie 
blüht  nicht,  ist  aber  ihrer  Belaubung  wegen  eine  feine  und 
harte  Schmuckpflanze  und  macht  ausser  einiger  Regelung  ihrer 
feinen   Ranken   keinerlei   Ansprüche. 

Ausser    den    genannten    giebt    es    endlich    noch    L.    sinensis 
und    L.    semperflorens,    welches    letztere    prächtig    immerblühend 
und    im    Herbst    und    Winter    mit    zahllosen    glänzend    korallen- 
roten Beeren  besetzt  ist.    Beide  Sorten  sind  mir  bisher  unbekannt 
<     geblieben. 

Nicht  zu  selten  steht  man  neugierig  und  bewundernd  vor 
einigen  Stricheln,  Punkten  oder  Flecken  auf  Blumen  oder 
Blättern,  weil  diese  Erscheinungen  eben  als  neu  auftreten, 
um  manchmal  sehr  bald  wieder  vom  Schauplatz  des  Lebens 
zu  verschwinden,  und  lässt  dabei  grosse,  wertvolle  und  treue 
Schönheiten,  welche  sich  ihrer  wertvollen  Eigenschaften  wegen 
von  selbst  Jedem  auf  das  Nachdrücklichste  empfehlen,  vollkom- 
men unbeachtet.  Wir  sind  aber  moralisch  verpflichtet,  auch 
ihrer   in    Treue    zu    gedenken.  G.  S. 


Blütenzweig  der  Kletterrose 

„Pauls  Carmine  Pillar'-. 


OriginalzeichouDg  für  die 
,,( Jartcnwelt". 


dasselbe  sehr  an  diejenige  der  Mina   löbata.    Weil   betreffendes 

Gitter  in  der  Richtung  Nord-Süd  steht,  ist  es  auf  beiden  Seiten 
gleichmässig  mit  Blüten  bedeckt.  Von  etwas  robusterem  Bau 
in  Blättern  und  Blüten  ist  das  gelbe  Gaisblatt  (L.  fluni),  und  nicht 
ganz  so  reichblühend.  Während  man  nur  mit  dem  roten  alkin 
prächtige  Bekleidungen  und  Pyramiden  herstellen  kann,  geben 
beide  Sorten  gemischt  gepflanzt  ein  ganz  eigenartiges  Farbenspiel, 
welches  lebhaft  an  dasjenige  gemischt  gepflanzter  Aealea  mollis 
erinnert.  Sie  sind  beide  wie  das  altbekannte  „Jelängerjelieber" 
winterhart,  erfordern  wie  die  allermeisten  Rankpflanzen  zunächst 
ein  gutes  Verteilen  und  Anbinden  der  Ranken,  um  ein  gleich- 
massig  geschlossenes  Ganzes  zu  bilden.  Dies  darf  nicht  ver- 
gessen werden,  weil  die  Ranken  sich  an  einmal  ergriffene 
Stützen  emporringeln  und  schwer  oder  doch  mühsam  loszu- 
kriegen sind.  Besondere  Ansprüche  an  das  Erdreich  machen 
diese  Gaisblattarten  nicht,  ein  Dungguss  im  Frühjahr  ist  ihnen 
aber  jedenfalls  willkommen  und   nützlich. 

Von  den  vorstehenden  in  Wachstum  und  Blüte  abweichend 
ist  L.  Hallei.  Ihre  Ranken  werden  länger  und  mehr  fadenartig, 
auch  im  Wuchs  üppiger,  weshalb  sie  sich  zwischen  jene  zu 
pflanzen  weniger  oder  vielmehr  nicht  eignet.  Ihre  Blüten,  zu 
zweien  stehend  —  während  die  übrigen  in  Büscheln  blühen  — 
sind  weiss,  im  Verblühen  goldbelb  werdend,  und  verbreiten  in 
weitem  Umkreise  einen  starken  Orangenblütenduft.  Sie  blüht 
im  August-September  und  ist  mir  in  strengen  Wintern  etwas 
weniger  hart  als  die  obigen  erschienen,  sonst  aber  zu  rascher 
Bekleidung  für  die  verschiedensten  Zwecke  und  Flächen,  welche' 
ziemlich  hoch  sein  können,  ihrer  dunklen  und  satten  Belau- 
bung wie  ihres  starken  Wohlgeruchs  wegen  sehr  zu  empfehlen. 

Mit  ihrer  netzartig  goldgelb  geäderten,  feinen  Belaubung 
ist  die  kleinlaubige  L.  braehypoda  fol.  aureo-retieulata  eine  sehr 
zierliche    Pflanze    zur    dekorativen     Bekleidung    feinerer    Gitter 


Die  Kletterrose  ,,  Pauls  Carmine  Pillar".  Unter  den  vielen 
Kletterrosen  giebt  es  wenige,  die  an  Schönheit  und  Blüten- 
reichtum Paul' s  Carmine  Pillar  gleichkommen.  Selbst  der  viel- 
gerühmten Crimson  Bombier  steht  sie  an  Fülle  und  Pracht  nicht 
nach.  Die  leuchtend  karminroten,  einfachen  Blüten  stehen  auf 
langen,  kräftigen  Stielen  meistens  5 — 10  Stück  zusammen  in 
Büscheln.  Der  Wuchs  ist  kräftig,  Triebe  von  2 — 3  Meter  Länge 
sind  keine  Seltenheit.  Dieselben  sind  von  unten  bis  oben  dicht 
mit  den  grossen,  leicht  geöffneten  Blumen  besetzt,  die  sich 
wirkungsvoll  von  der  glänzenden,  hellgrünen  Bclaubung  ab- 
heben. Zur  Berankung  von  Wänden,  Gittern,  Säulen,  Lauben 
und  Veranden  ist  „Pauls  Carmine  Pillar"  eine  sehr  empfehlens- 
werte,   winter  harte    Sorte. 

Die  nebenstehende  wohlgelungene  Zeichnung  der  bewähr- 
ten .Mahrin  Frl.  Beckmann  aus  Späth's  Rosarium  zeigt  diese 
Rose  in  ihrer  ganzen  Zierlichkeit.  Jeder  Gärtner  und  Garten- 
freund, der  sie  dort  in  Blüte  sah.  war  von  ihrer  Schönheit  be- 
zaubert. L.   A.   Muth.   Baumschulenweg  bei  Berlin. 


Dahlien. 


Englische  Dahlien-Neuheiten. 

(Von    der    letzten  Ausstellung  der  National   Dahlia  Society, 

London.) 

In  Anbetracht  der  anhaltenden  kühlen  und  regnerischen 
Witterung  war  die  diesjährige  Ausstellung  der  National 
Dahlia  Society  als  eine  sehr  gute  zu  bezeichnen,  ja  sie 
soll  nach  der  Äusserung  eines  der  Ausschussmitglieder  die 
beste  der  letzten  Jahre  sein.  Die  Qualität  der  Schaublumen 
mochte  ja  dieses  Jahr  etw-as  zu  wünschen  übrig  lassen,  aber 
solch  eine  Auswahl  feiner  Sorten  wird  man  wohl  selten  die 
Gelegenheit  haben,  beisammen  zu  sehen.  Da  ja  auch  in 
Deutschland  den  Dahlien  ein  reges  Interesse  entgegen- 
gebracht wird,  so  sei  es  mir  vergönnt,  einige  besonders  aus- 
gezeichnete Sorten,  die  hier  zum  ersten  Male  ausgestellt 
waren,  zu  erwähnen.  Den  Hauptteil  der  Schau  bildeten 
natürlich  die  Kaktusdahlien. 

James  Stredwick  and  Son,  St.  Leonards,  brachten  nebst 
einer  Anzahl  anderer,  wenn  auch  schöner,  doch  nicht  auffal- 
lender Sorten,  folgende  zur  Schau:  „  Vesuvius",  (K)*),  Grund- 


*)  (K)  =  Kaktosdahlie. 


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VII, 


Die  Gartenwelt. 


färbe  gelb  mit  hellroten  breiten,  und  schmalen  Streifen  und 
Strichelchen,  Petalen  rund,  Form  schön  regelmässig.  „William 
J.  Baiding",  (K),  Grundfarbe  gleichfalls  gelb  mit  feinen  bronze- 
farbigen Streifen,  die  Petalen  rund,  etwas  gedreht  und  leicht 
einwärts  gebogen.  Diese  beiden  Sorten  bilden  die  Nach- 
folger von  „Alpha"  (1902),  Grundfarbe  weiss  mit  lila  und 
purpur  Streifen,  die  von  demselben  Züchter  als  der  erste 
Vertreter  einer  neuen  Type  in  der  Färbung  vergangenes 
Jahr  zum  ersten  Male  zur  Schau  gebracht  wurde.  „Etna", 
(K),  die  Petalen  helllila  mit  Silberschimmer,  gegen  die  Mitte 
der  Blumen  zu  hellbronzefarbig,  breit,  die  Ränder  etwas 
gewellt.     Sowohl   in   Farbe  als  auch  in  Form  fein. 

„Miss  J.  M.  Stredivick" ,  (K),  feine  rahmweisse  Farbe, 
gegen  das  Centrum  der  Blumen  grünlich,  Petalen  rund,  aber 
breit.  „Eva'',  (K),  reinweiss,  breite,  etwas  gerollte  Petalen, 
feine  Form.  Ich  kann  mir  nicht  versagen,  noch  einige 
Kaktusdahlien  desselben  Züchters  anzuführen,  die  zwar 
schon  vergangenes  Jahr  ausgestellt  waren,  aber  erst  dieses 
Jahr  in  den  Handel  gegeben  wurden  und  deshalb  noch 
nicht  so  bekannt  sein  werden: 

„Clara  G.  Stredivick",  (K),  lachsfarbig,  gegen  die 
Basis  in  gelb  übergehend; 

,,Mrs.  Winstanley",  (K),  Blumenblätter  von  gelbbraun, 
zu  Scharlach  übergehend; 

„Aunt  Chloe",  (K),  von  der  dunkeln  Färbung  der 
„Uncle   Tom",  aber  mit  feineren   Petalen; 

„Khaki",  (K),  grosse  Blumen;  die  Färbung  ist  eine 
Mischung  von  Gelb  und   <  »ränge. 

Hobbies  Ltd.  (John  Green),  Dereham,  brachten  als 
erwähnenswerte  Neuheit: 

,.  Winsome",  (K),  rahmweiss,  mit  einwärts  gebogenen, 
runden  und  gedrehten  Petalen. 

Die  Firma  Burrell  and  Co.,  Cambridge,  brachte: 

„Janthe",  (K),  mit  grossen  Blumen,  kupferfarbig  und 
bronzegelb,  mit  runden,  gedrehten,   feinen  Petalen; 

„Ida",  (K),  einfarbig  grünlich  gelb,  sehr  reine  Farbe. 

Von  Keynes,  Williams  and  Co.,  Salisbury,  war  zu  sehen: 

„Coronation",  (K),  (NB.  Unter  diesem  Taufnamen 
■waren  mehrere  angemeldet)  mit  schöner  Kaktusform  und 
leuchtend  roter  Farbe; 

„Prince  of  Orange",  (K),  braungelb,  Petalen  nach  ein- 
wärts gebogen,  schöne  Form; 

„Peace",  (K),  mittelgrosse  Blumen  mit  breiten  und 
„selbstverständlich"  reinweissen  Petalen,  von  flacher,  regel- 
mässiger Form. 

Von    Charles  Turner    in  Slough    waren   beachtenswert: 

„Meteor",  (K),  grosse  Blumen  von  ziegelroter  Färbung 
und  schöner  Form  und  die  Pompon -Varietäten  „Elsa", 
reinweiss,  „Dainty",  weiss  mit  lila,  „Ariel",  braun  mit 
Silberschein,  „Mephisto",  dunkel-braunrot. 

J.  Cheal  &  Sons,  Crawley,  brachten  eine  schöne  ein- 
fache Neuheit: 

„Single  Snowdrop",  mit  breiten,  reinweissen,  flachen 
Petalen  und  einer  gelben  Scheibe  von  Staubgefässen :  eine 
anemonenartige  Blume. 

Eine    ebenfalls    schöne    Neuheit    war    ausgestellt    von 


einem  Herrn  Shoesmith,  genannt  „F.  A.  Wellesley",  (K). 
Die  Blume  war  sehr  gross,  Petalen  leuchtend  lachsrot  mit 
blasser  Reversseite,  rund  und  einwärts  gebogen. 

Die  Vorstehenden  werden  wohl  das  Beste  gewesen 
sein,  was  an  Neuheiten  ausgestellt  war.  Im  Nachfolgenden 
möchte  ich  noch  einige  Sorten  erwähnen,  die  dieses  Jahr 
in  den  Handel  gegeben  wurden  und  die  eine  Zierde  eines 
Dahliensortiments  bilden: 

„Columbia",  krimson  Grundfarbe,  weisse  Spitzen; 
„Richard  Dean"  Scharlach  mit  weissen  Spitzen;  „Spotless 
Queen"  reinweiss;  „Gabriel",  krimson  mit  reinweissen  Zeich- 
nungen; „Goldfincli",  lederfarbig  mit  rosa  Centrum;  „Ring- 
dove",  ein  falbes  Krimson  (ringel  tauben  farbig);  „Mrs.  J. 
P.  Clark",  lederfarbig  mit  rosaen  Spitzen;  „P.  TP.  Tul- 
loch",  lachsfarbig  mit  Purpurschein;  „Saüor  Prince",  wein- 
rot: „Lottie  Dean",  bernsteinfarbig  mit  rosafarbigem  Rand 
(selbstverständlich  um  die  einzelnen  Petalen);  „Ophir", 
aprikosenfarbig,  Centrum  etwas  blasser,  hochfeine  Färbung; 
„J.  H.  Jackson",  nahezu  schwarz,  jedenfalls  die  dunkelste 
der  Kaktusdahlien  und  zugleich  von  ausgezeichneter  Form; 
„General  Butter",  krimson,  Basis  nahezu  schwarz,  Spitze 
weiss.  .  D 


Landschaftsgärtnerei. 
Herbstfärbung. 

Von  Karl  Hinze. 

(Hierzu   die  Farbentafel.) 

Üin  heiterer  schöner  Oktobertag  —  hell  und  klar. 
Die  Sonne  glüht  vom  tiefblauen  Firmament,  die  weite, 
schöne  Landschaft  fernhin  erglänzen  lassend.  Im  kurzen 
Gras  der  Wiesen  zirpt  eine  einsame  Grille,  hier  und  da 
blühen  noch  am  Rain  Skabiosen  und  Kornflockenblumen, 
an  einzelnen  Stellen  drängt  die  Herbstzeitlose  hervor.  In 
der  flimmernden  Luft  tummeln  sich  Tausende  von  In- 
sekten, einige  '  Sommerfäden  ziehen  dahin  und  Wehmut 
ergreift  uns  an  der  Neige  der  schönen  Jahreszeit.  — 
Der  Herbst  tritt  seine  Herrschaft  an  und  beginnt  in 
Hecken,  Feld  und  Wald  seine  koloristische  Meisterschaft 
zu  zeigen.  Brachte  uns  der  Sommer  auch  tausenderlei 
Blüten  in  tausenderlei  Farben,  so  bietet  uns  der  Herbst 
nur  wenige,  aber  darum  nicht  minder  reizvolle  Blumen, 
deren  Farben  zwar  weniger  leuchten,  aber  trotzdem  ge- 
wiss Anspruch  auf  Harmonie  machen  können.  Beson- 
ders sind  die  Farben  lila,  rosa,  weiss  und  gelb  vertreten. 
Spielen  auch  die  Blumen  eine  mehr  untergeordnete  Rolle, 
so  strahlen  dafür  Laub  und  Früchte  der  Bäume  und  Sträu- 
cher in  bunten  und  lebhaften  Farben.  Feld  und  Wald 
und  Busch  und  Dorn  schmücken  sich,  gleichsam  als  wollte 
der  Sommer,  der  uns  kaum  zum  rechten  Bewusstsein  des 
Geniessens  gekommen  ist,  den  Abschied  so  recht  schwer 
machen.  Mit  den  schönsten  und  leuchtendsten  Farben, 
die  jeden  Blumenschmuck  entbehrlich  machen,  gleisst 
Busch  und  Baum.  Bewundernd  stehen  wir  und  sehen 
diese    Herrlichkeit    und    geniessen    eine    Pracht,    von    der 


54 


Die    Gartenwelt. 


VII,  5 


wir  wissen,  dass  dieselbe  nicht  lange  währen  kann;  dass 
ein  paar  Regentage  oder  ein  Frost  genügen,  um  diese 
Wunderwerke  zu  zerstören  und  nichts  als  die  kahlen  Rei- 
ser zum  Himmel  starren  zu  lassen.  Eine  Farbenglut, 
wie  sie  uns  kein  Sommer  beut,  lässt  alles  weithin  erglän- 
zen und  dort,  wo  sonst  nur  einfarbig  grüne  Wipfel  zu  er- 
blicken waren,  schimmert  es  uns  in  Gelb  und  Braun  und 
Rot  entgegen.  Im  WTalde  sind  es  die  Eichen,  Ahorn, 
Buchen,  Birken,  die  Schneebälle,  Weissdorn,  Hasel,  Feld- 
ahorn, Rosen-  und  Brombeerbüsche  in  den  Hecken,  und 
erst  in  den  Gärten  und  Parks  —  neben  den  tiefen,  dun- 
kelen  Tinten  der  Nadelhölzer  die  unvergleichlichen  Far- 
ben der  Laubbäume.  Kein  Wunder,  dass  mancher  Land- 
schafter versucht  wird,  bei  Anlagen  auf  dieses  Kolorit 
Rücksicht  nehmen  zu  wollen.  Aber  eitles  Bemühen,  denn 
nicht  immer  und  zu  gleicher  Zeit  zeigt  sich  die  Herbst- 
färbung in  derselben  Weise;  sei  es,  dass  der  eine  Baum 
schon  sein  Laub  verlor,  wenn  der  andere  sich  erst  zu 
färben  begann,  oder,  dass  die  Färbung  infolge  anhalten- 
den Regens  ganz  ausbleibt  und  die  Blätter  schon  fallen, 
ehe  sie  Zeit  fanden,  sich  zu  schmücken.  Doch  sollten  des- 
halb nicht  jede  Rücksicht  auf  die  herbstliche  Färbung 
der  Bäume  und  der  Pflanzung  ausser  Acht  gelassen  und 
nicht  solche  Arten  zusammengestellt  werden,  deren  Be- 
laubung sich  ähnlich  färbt,  ohne  zu  harmonieren.  Die 
schönste  Wirkung  werden  Baumpartieen  immer  erzielen, 
wenn  grelle  und  bunte  Kontraste  durch  das  ernste,  ruhige 


Oben  Quartier  mit   2  jährigen   Marly-Flieder-Senkern,  unten  Birnhochstammquartier. 
Aufnahmen  aus  der  Baumschule  von  Friedrich  Grunewald,  Zossen. 


VII. 


Die    Gartenwelt. 


55 


Grün  der  Nadelhölzer  noch  mehr  hervorgehoben  werden, 
wie  solches  unser  heutiges  Bild  zeigt,  wo  das  Goldgelb  der 
Birken  mit  dem  Rot  der  Buchen  und  des  wilden  Weins  gleich 
Feuerflammen  in  der  klaren,  sonnigen  Landschaft  leuchten, 
während  die  dunklen  Fichten  den  wirksamen  Hintergrund 
ergeben,  auf  welchem  die  Farbenpracht  erst  richtig  in 
die  Erscheinung  tritt  und  zur  schönsten  Geltung  kommt. 
Einige  wenige  kontrastreiche  satte  Farben  werden  hier 
mehr  Freude  erregen,  wie  die  so  vielfach  verkehrt  ange- 
brachten buntblättrigen  Gehölze,  von  denen  die  meisten  nur 
kurze  Zeit  eine  wirklich  schöne  Färbung  aufzuweisen  haben, 


Male  auch  Flieder   für  den   Berliner   Markt   getrieben.    Zur  Zeit 
werden    jährlich    etwa     iooooo    Stück    Treibflieder   abgegeben. 

Von  unseren  Abbildungen  veranschaulicht  nur  eine,  Seite 
54  oben,  ein  Quartier  mit  einjährigen  Pflanzen  des  bekannten 
„Jfarfy -Flieders.  Auf  diesem  Bilde  ist  im  Hintergrunde  das 
Grunewald'sche  Wohnhaus,  im  Vordergründe  ein  reich  mit  Früch- 
ten behangener  Sauerkirschbaum  sichtbar.  Die  übrigen  Abbil- 
dungen stellen  Aufnahmen  aus  den  Obstbaumquartieren  dar. 
Seite  54  unten  ein  Quartier  angehender  Birnenhochstämme, 
welche  kräftigen  und  schlanken  Wuchs  erkennen  lassen;  unten- 
stehend ein  Quartier  mit  Sauerkirschbüschen  von  seltener 
Üppigkeit,  bereits  reich  mit  Früchten  beladen,  und  schliess- 
lich auf  Seite  56  ein  Quartier  mit  zweijährigen  Apfelpyramiden, 


Quartier  mit  Schattenmorellerj-Buschbäumerj. 
In  der  Baumschule  von  Friedr.  Grunewald,   Zossen,  photogr.  aufgenommen. 


die  weitaus  längste  Zeit  aber  nur  ein  fahles,  unbestimm- 
tes Aussehen  zeigen. 


Obstbau. 


Bilder  aus  der  Baumschule  von  Fr.  Grunewald  in  Zossen. 
Wir  hatten  schon  früher  Gelegenheit,  auf  diese  Baumschule 
hinzuweisen;  sie  ist  eine  der  jüngsten  und  zugleich  aber  eine 
der  grössten  und  am  besten  geleiteten  in  der  Umgebung  von 
Berlin.  Zossen,  innerhalb  des  Berliner  Vorortverkehrs  gelegen, 
hat  sich  zu  einer  förmlichen  Gärtnerkolonie  ausgebildet  und 
Grunewald  ist  wohl  der  bedeutendste  Vertreter  des  Berufs  am 
dortigen  Platze.  Seine  Baumschulen,  welche  nur  teilweise  dicht 
bei  Zossen  liegen,  umfassen  jetzt  ein  Areal  von  120  preuss. 
Morgen.  Hauptkulturen  sind  Obstbaumzucht,  Kultur  von  Treib- 
flieder und  Champignontreiberei.  In  einem  grossen,  neuerbau- 
ten  Gewächshause   wird   in   der  kommenden   Saison   zum   ersten 


die,  wie  alle  Formbäume  in  dieser  Baumschule,  ausschliesslich 
auf  Zwergunterlage  veredelt  sind.  Denjenigen  Fachgenosgen, 
welche  nach  Berlin  kommen,  empfehle  ich  die  Besichtigung  der 
Grunewald'schen  Baumschule;  sie  stellt  eine  gärtnerisch?  Sehens- 
würdigkeit   dar.  M.   H. 


Gemüsebau. 


Einiges  über  das  Ernten   und  die  Aufbewahrung 
der  Gemüse. 

Von  H.  Beuss,  Düsseldorf. 

.Der  praktische  Gemüsegärtner  legt  auf  richtiges  Ernten 
und  auf  die  Überwinterung  der  Gemüsearten  den  grössten 
Wert,    um    einen  möglichst   hohen  Gewinn    von  seinen  Er- 


56 


Die    Gartenwelt. 


VII,  5 


Zeugnissen  zu  erzielen.  Es  mögen  daher  die  in  Folgendem 
angeführten  Winke  und  Ratschläge  demjenigen  besonders  als 
Wegweiser  dienen,  welcher  den  Gemüsebau,  sei  es  als  Herr- 
schaftsgärtner oder  für  eigenen  Bedarf  im  Haushalt,  neben- 
bei betreibt. 

Bei  der  Ernte  im  allgemeinen  kann  man  nicht  genug 
auf  die  einzelnen  Eigenschaften  der  Gemüsearten  Rücksicht 
nehmen,  um  eben  die  Pflanzen  nicht  frühzeitig  zu  schädigen, 
zu  schwächen,  oder  gar  zu  vernichten,  ehe  man  dieselben 
rentabel  ausgenützt  hat. 

Man  macht  z.  B.  schon  einen  wesentlichen  Unterschied 


ganz  und  auf  einmal  geerntet  werden,  z.  B.  Kohlarten,  lege 
man  besonderes  Gewicht  darauf,  dass  bei  dem  Ernten  die 
Wurzeln  mit  herausgenommen  werden,  da  in  den  alten 
Strünken  viele  Schädlinge  im  Boden  verbleiben.  (Kropf- 
krankheit). Gemüse,  deren  unterirdische  Teile  verwertet 
werden  sollen,  müssen  ohne  Beschädigung  sorgfältig  heraus- 
genommen werden,  damit  die  Fäulnis  im  Winterquartier 
möglichst  vermieden  wird    (z.  B.  Möhren  und  Buben). 

Gemüse,  deren  Früchte  geerntet  werden,  wie  Gurken, 
Bohnen,  Erbsen  etc.  verlangen  besonders  vorsichtiges  Han- 
tieren,   da  die    Pflanzen  auf  Grund   ihrer  flachen   Bewurze- 


Quartier  mit  Apfelpviaimden,   2  jährige  Veredlung  auf  Doucin. 
In  der  Baumschule  von  Friedr.  Grunewald,  Zossen,  photogr.  aufgenommen. 


bei  der  Ernte  zwischen  solchen  Gemüsen,  von  welchen  man 
öfter  und  solchen,  von  denen  man  nur  einmal  erntet. 

Blattgewächse  von  denen  man  öfters  erntet,  wie  z.  B. 
Mangold,  Spinat,'' Kresse,  lasse  man  erst  genügend  er- 
starken, man  ernte  nicht  zu  früh  und  schneide  auch  nicht 
zu  tief,  da  die  weitere  Entwicklung  durch  Verlust  oder  Ab- 
schwächung  der  Assimilation  gestört  wird.  Bei  Rosenkohl 
sei  man,  wenn  zu  kaltes  Wetter  herrscht,  vorsichtig,  da  er 
leicht  schwarz  wird. 

Empfehlenswert  ist  nach  jedem  Schnitt  die  Vor- 
nahme einer  Düngung  mit  Chilisalpeter  oder  Jauche.  Diese 
Angaben  gelten  auch  für  den  Spargel  und  man  darf  die 
Ernte  desselben  nicht  zu  lange  fortsetzen,  höchstens  bis 
Mitte    Juni     (Johanni).     Bei     denjenigen    Gemüsen,    welche 


lung  leicht  ganz  herausgerissen  werden  und  somit  die 
Ernte  resp.  Ausnutzung  derselben  nicht  zur  Genüge  er- 
reicht wird. 

Was  nun  die  Aufbewahrung  der  Wintergemüse 
betrifft,   so  möchte  ich    hierzu   kurz    das  folgende  anführen: 

Als  Vorbedingung  gilt  bei  allen  Gemüsen  eine  gute 
Ausbildung  und  gute  Beschaffenheit  um  widerstandsfähig 
gegen  Fäulnis,  Welken  oder  Erfrieren  zu  sein. 

Der  Aufbewahrungsort  wird  verschieden  und  den  An- 
sprüchen der  einzelnen  Gemüse  entsprechend  gewählt.  Einige 
Sachen,  wie  Grünkohl,  Rosenkohl,  lässt  man  im  Freien  und 
nur  in  kalten  Lagen  wird  man  dieselben  an  einer  ge- 
schützten Stelle  des  Gartens  einschlagen.  Bei  dem  Rosen- 
kohl   entferne   man  jedoch    nicht   die    unteren   Blätter,    was 


VII, 


Die  Garten  weit. 


57 


Gartenpartie  aus  der  Provinzial-Gartenbau-Ausstellung  in  Hannover. 
Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 


Die  Gemüse  schlägt  man 
an  diesen  Orten  in  Sand  ein. 

Die  Überwinterung  des 
Blumenkohls  erfolgt  auch  am 
besten  in  trocknen  Kellern 
bei  21/a— 4°C.  Die  Ernte 
geschehe  bei  trocknem  Wet- 
ter, und  sind  bei  derselben 
die  äussern  Blätter  zu  ent- 
fernen. 

Solche  Pflanzen  jedoch, 
deren  Blütenköpfe  bis  zum 
Frost  nicht  ganz  fertig  gewor- 
den sind,  nehme  man  heraus 
und  schlage  sie  in  einem  mög- 
lichst hellen  Keller  in  feuchten 
Sand  ein  und  entferne  die 
äusseren  Blätter!  Man  kann 
auch  Mistbeetkästen  hierzu 
verwenden,  oder  noch  besser, 
man  bringt  diese  nicht  ferti- 
gen Blumenkohlpflanzen  in 
einen  mit  Sand  angefüllten 
Kübel  und  lasse  ca.  3  cm 
über  die  Wurzelballen  Wasser, 
welches     dann    öfter    nachzu- 


eschieht;      dieselben     schützen     die      füllen  sein  wird.      Standort  ein  heller  Keller. 


leider     noch     immer 
Sprossen  sehr. 

Auch  Wirsing-,  Weiss-  und  Rotkohl  überwintert  man 
ganz  gut  auf  solche  Weise;  man  schlägt  sie  ein  und  deckt 
ev.  noch  mit  Tannenreisig.  Der  Einschlag  darf  aber  nicht 
zu  feucht  liegen  und  bei  gelindem  Wetter  muss  die  Decke 
genügend  gelüftet  werden. 

Wurzelgemüse,  wie  Sellerie,  Möhren,  Rüben,  Rettige, 
überwintert  man  ja  meist  in 
Gräben,  doch  sei  hier  noch 
besonders  darauf  hingewiesen, 
dass  deren  vollkommene  Aus- 
bildung sehr  wesentlich  ist  und 
man  das  Laub  nicht  zu  tief 
entfernen  darf.  Das  Herz  muss 
unverletzt  bleiben,  was  beson- 
ders beim  Sellerie  sehr  in  Be- 
tracht kommt.  Man  bringt  nun 
hierauf  erst  Erde  und  dann 
eine  Laubdecke.  Letztere  ent- 
ferne man  je  nach  Witterung 
ab  und  zu. 

Die  zur  Überwinterung  be- 
stimmten Keller  seien  eben- 
falls nicht  zu  feucht,  aber  auch 
nicht  zu  trocken,  da  im  letzteren 
Falle  ein  Welken  der  Gemüse 
eintritt. 

Öfteres  Putzen  und  Zufuhr 
frischer  Luft  bei  gelindem  Wet- 
ter ist  sehr  wesentlich. 


Ausstellungsberichte. 

Die  Provinzial-Gartenbau-Ausstellung  in  Hannover  haben  wir 
bereits  in  Nr.  2  gebührend  gewürdigt.  Wir  bieten  heute  noch 
nachträglich  drei  wohlgelungene  Aufnahmen  aus  dieser  Aus- 
stellung. Die  Bilder  auf  dieser  Seite  veranschaulichen  Park- 
partien mit  Ausstellungsgruppen  und  zeigen  deutlich,  dass  Stadt- 


Gartenpartie 


aus  der  Provinzial-Gartenbau-Ausstellung  in  Hannover. 
Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 


58 


Die    Gartenwelt. 


VII,   5 


gartendirekt or  Trip  sein  grosses  landschaftsgärtnerisches  Talent 
bei  dieser  Ausstellung  voll  zur  Entfaltung  bringen  konnte.  Die 
untenstehende  Abbildung  zeigt  die  offene  Halle  für  Cyclamen, 
welche  voll  mit  den  herrlichsten  Kulturpflanzen  besetzt  war. 
Mögen  alle  Aussteller  durch  neue  Geschäftsverbindungen  einen 
reichen  Lohn  für  ihre  Beteiligung  an  der  wohlgelungenen  Ver- 
anstaltung  ernten.  M.    H. 

Die  Obst-Sonderausstellung  in  Düsseldorf  1902  (vom 
4.  bis  8.  Oktober).  Obstausstellung  und  Obst  markt 
—  diese  in  Zukunft  wohl  unzertrennlichen  Veranstaltungen  fand 
man  auch  in  Düsseldorf  wieder  einmal  zweckmässig  vereint.  Wenig- 
stens war  dort  den  zahlreich  ausstellenden  Gemeinden  verschie- 
dener grosser  Landkreise  Gelegenheit  geboten,  ihr  tadelloses  Obst  durch 
ihre,  auf  der  Ausstellung  anwesenden  Obstbaulehrer  leicht  und  gewinn- 
bringend an  den  Mann  zu  bringen.  Waren  nun  die  reichen  Kollek- 
tionen (Ausstellungsobjekte)  preiswert  sofort  im  Ganzen  vergriffen  (liefer- 


Cyclamen-Halle  auf  der  Provinzial-Gartenbau-Ausslellunf 
Originalaufnahme  für  die  ,  ,Gartenwelt". 

bar  natürlich  nach  Schluss  der  Obstausstellung),  so  konnte  man  als  Be- 
obachter sich  genug  erfreuen,  wie  der  Verkauf  an  der  Hand  der  aus- 
gestellten Sorten  einen  flotten  Gang  nahm.  Viele  und  die  besten  Sorten 
(besonders  Äpfel)  waren  schon  am  zweiten  Tage  ausverkauft,  obgleich 
die  Preise  im  Allgemeinen  ziemlich  hohe  waren. 

Als  Beispiel    führe    ich    einige    von    mir    notierte    Preise    an;    es 
kosteten  durchschnittlich: 

Apfel  graue  Btte M.     25. —        p.    50  kg. 

Ananas  litte ,,       35. —         , 

Canada  Wie ,,       25.—        „     ,,     „ 

Winter  Goldparmaine  .     .    „       25. —        ,,     „     ,, 

Schöner  r,    Boskoop      .     .    „       24. —         „     ,,     .. 

Birnen:  Clairgeaus  B.  B.      .     .     .    „       25. —        „     ,,     „ 

Hofratsbirne „   18—25. —    ,.     „     „ 

Capiauwionl „  15 — 20. —    „      ,,    „ 

Köstliche  v.  Charneu  .  .  „  16 — 22. —  „  „  „ 
Der  Landkreis  Solingen,  vertreten  durch  Herrn  Kreisobstgärtner 
H.  Schnaarc,  Neukirchen,  brachte  eine  ausserordentlich  reiche  Samm- 
lung der  schönsten  und  gut  empfohlenen  Apfel-  und  Birnensorten  und  ver- 
dient um  so  mehr  Anerkennung,  da  sich  dieselbe  nur  im  Rahmen  eines 
rein  landwirtschaftlichen  Obstbaues  repräsentierte,  die  Früchte  aber 
fast  durchweg  das  Aussehen  und  den  Wert  der  an  Formbäumen  ge- 
zogenen Tafelfrüchte  aufwiesen. 


In  ungezwungener  Weise  hatte  Herr  Schnaare  auf  800  Tellern  die 
Erzeugnisse  seiner  Gemeinden  arrangiert  und  wird  ihm  der  Dank  insbe- 
sondere noch  für  die  reichen  Bestellungen,  welche  er  seinen  Ausstellern 
mitbrachte,  sicher  sein.  Eine  besondere  Leistung  brachte  auch  Herr 
Obstbaulehrer  Hotop  als  Vertreter  des  Kreises  Obertaunus  und  Höchst. 
Im  Taunus  wächst  bekanntlich  gutes  Obst,  zumal  die  günstige  Lage 
und  das  Klima  auf  das  schöne  Äussere  und  Aroma  der  Früchte  einen 
äusserst  guten  Einfluss  ausüben.  Die  ausgestellten  Früchte,  meist  Tafel- 
früchte ersten  Ranges,  nahmen  sich,  vorteilhaft  angeordnet,  sehr  schön 
aus  und  war  auch  hier  der  Andrang  von  Käufern  (besonders  am  Sonn- 
tage) ein  fast  ununterbrochener.  Als  Unikum  seiner  Sammlung  er- 
wähne ich  die  schöne  Birne  „  Williams  Herzogin",  welche  von  einer 
zehnjährigen  Pyramide  geerntet,  zu  5  Stück  das  Gewicht  von  3'/2  kg 
erreicht  hatte.  Im  ganzen  hatte  die  Pyramide  69  Früchte  =  48  kg 
getragen. 

Mit  grossen  Sortimenten  waren  ferner  vertreten  die  Baumschulen- 
besitzer Julius    Hönings-Neuss,    Schlösser-Köln    am    Rhein    und    Lüth 

in  Wesel.  Herr  Hönings  -  Neuss, 
führte  u.  a.  einen  Korb  mit  riesi- 
gen Busc's  Flaschenbirnen  und  von 
den  Apfel-Sorten  „Schöner  v.  Bos- 
koop", Calvill  „Grossherzog  Frie- 
drich von  Baden",  kolossale  Früchte 
vor,  welche  den  guten  Ruf  dieses 
Obstetablissements  nur  rechtfertigen 
können. 

Herr  Schlösser  stellte  neben 
herrlichen  Früchten  auch  Formöbst 
in  Töpfen  (gut  behangen)  aus  und 
ich  möchte  als  Kuriosum  hier  er- 
gänzend die  vom  Jahre  1901  auf- 
gehobenen Apfel  anführen,  welche 
allerdings  sehr  runzlich  und  weniger 
schön  und  wohl  nur  der  Wissenschaft 
halber  ausgestellt  waren.  Ich  glaube 
in  Torfmull  oder  Kleie  verpackt, 
hätten  sich  dieselben  doch  noch 
besser  konserviert. 

Als  hervorragende  Leistung  ist 
seitens  der  privaten  Aussteller  zu- 
nächst die  Kollektivausstellung  des 
Herrn  Kommerzienrath  Leiffmann, 
Düsseldorf,  zu  nennen.  Tadellose, 
in   Hannover.  grosse  Früchte,  sowie  vollbehangenes 

Topfobst,  Tafeltrauben  in  Töpfen 
zeugten  von  der  Tüchtigkeit  ihres 
Züchters,  des  Herrn  Obergärtner  Hebeler.  Es  ist  schon  für  den 
Fachmann  ein  Genuss,  einen  Sonntag  Nachmittag  in  dem  parkartigen 
Obstgarten  der  Leiffmannschen  Besitzung  herumzuwandeln ,  hier  war 
ihm  reiche  Gelegenheit  geboten,  seine  Beobachtungen  zu  machen  und 
diese  zur  Vermehrung  seines  allgemeinen  Wissens  zu  verwerten. 

Ferner  hatte  das  Obstgut  Pittersdorf  bei  Godesberg  sehr  schön 
ausgestellt,  die  Früchte  waren  durchweg  gut  ausgebildet  und  verdienen, 
wie  auch  diejenigen  von  Simons  Erben,  Düsseldorf,  anerkennend  er- 
wähnt zu  werden.  Frau  Amtsgerichtsdirektor  Deveres,  Düsseldorf, 
brachte  einen  mit  herrlichen,  grossen  Früchten  der  „Williams  Victoria- 
birne" gefüllten  Fruchtkorb. 

Als  einen  alten  lieben  Bekannten  von  früheren  Ausstellungen  konnte 
ich  auch  hier  Herrn  C.A.Schmidt,  Schierstein  (Rhein),  mit  seinem  wunder- 
vollen Obst  begrüssen,  dessen  Obstprodukte,  wie  Obstweine,  Säfte  und 
Champagner  von  allen  Obstarten,  zur  Genüge  bekannt  sind.  Seine 
Weine  sind  immer  vorzüglich  und  ist  nur  zu  bedauern,  dass  diese 
Aitikel  hier  nicht  zugelassen  wurden,  bedeutet  doch  ein  recht  reger  Konsum 
dieser  Produkte  eine  indirekte  Hebung  des  Obstbaues.  Alle  einzelnen 
Aussteller  anzuführen,  würde  zu  weit  führen;  es  seien  daher  nur  die 
am  meisten  Beteiligten  erwähnt. 

Noch  ein  prachtvolles  Obstsortiment  der  Firma  Reiter  &  Söhne 
in  Trier  verdient  Erwähnung,  worunter  sich  herrliche  Früchte  von 
Birnen:    „König  Carl  v.   Württemberg",   „Ltiels  Butterbirne",  „Na- 


VII,  5 


Die  Gartenwelt. 


59 


tionalbergamotte"  (verhältaissmässig  gross),  von  Äpfeln:  „Landsb. 
Entte.",  „Winter  G.  P.1',  „Baumanns  Entte.u  u.  a.  befanden. 

Zum  Schluss  sei  noch  der  Schnittblumen-  und  Piianzenausstellung 
der  Firma  J.  Lambert  Söhne,  Trier,  gedacht,  welche  sich  besonders 
durch  die  neuen  wundervollen  Dahlien  und  Rosen,  sowie  Schau- 
pflanzen von  Begonia  „Gloire  de  Lorraine",  Cyclamen  und  Horten- 
sien (der  riesenblumigen  M.  Otaksa  monstrusa)  auszeichnete. 

Orths,  Düsseldorf,  stellte  riesenblumige  Chrysanthemum  (bis  zu 
30  cm  Durchmesser)  aus,   welche  allgemein  bewundert  wurden. 

Im  allgemeinen  war  die  Ausstellung  recht  stark  besucht,  besonders 
an  den  Nachmittagen.  Die  EtikettieruDg  war  hier  eine  so  ausser- 
ordentlich ausführliche  und  genaue,  dass  einem  jeden  zum  Lernen  viel 
geboten  erschien.  Ausser  den  Namen  fand  man  Angaben  über  Wert 
und  Haltbarkeit  des  Obstes.  Heinrich   Beuss,  Düsseldorf. 


Fragen  und  Antworten. 

Beantwortung  der  Frage  212.  Wie  haben  sich  Wintergärten 
und    Gewächshäuser    aus    Glasbausteinen    bewährt? 

Die  plumpen,  krystallförmigen  Glasbausteine  lassen  kein 
helles  Tageslicht  und  auch  das  Sonnenlicht  nur  so  gedämpft 
durch,  dass  es  in  aus  solchen  Steinen  erbauten  Wintergärten 
immer  feucht  und  düster  ist.  Wo  man  beim  Wintergarten  von 
der  Kultur  von  Blütenpflanzen  und  lichtbedürftigen  Gewächsen 
überhaupt  absehen  will  und  lediglich  zur  Ausschmückung  der- 
selben Fame  und  Selaginellen,  Aspidistra,  Philodendron  und 
harte  Palmen  verwenden  will,  mag  man  Seitenwände  und  Glas- 
dach aus  diesen  Bausteinen  herstellen.  Man  erspart  durch  eine 
solche,  in  der  Anlage  natürlich  teuere  Einrichtung,  Reparatur- 
kosten   und    Heizmaterial.  M.  H. 

Beantwortung  der  Frage  213.*)  Woran  liegt  es,  dass  bei 
Araucaria  exeelsa  die  unteren  und  mittleren  Etagen  oft  schlaff 
und   schlecht  werden,  trotz  guter  Behandlung? 

—  Das  Kahlwerden  der  Araucaria  exeelsa  von  unten  her 
ist  unzweifelhaft  auf  eine  fehlerhafte  Behandlung  derselben  zurück- 
zuführen. Gewöhnlich  ist  es  ein  Standort  in  zu  warmer,  trockner 
Luft,  der  dieses  Übel  veranlasst.  Unter  solchen  Verhältnissen  wer- 
den die  Araucarien  sehr  bald  von  Thrips  befallen,  der  nur  zu  oft 
ganz  übersehen  wird  und  zuerst  die  unteren  Etagen  zum  Ab- 
sterben bringt,  da  nach  diesen  die  Stoffzufuhr  stets  geringer  ist, 
als   nach   den   oberen   Etagen   und    der   Triebspitze. 

Aber  auch  ohne  die  Thätigkeit  tierischer  Parasiten  ist  ein 
Kahlwerden  der  Kulturpflanzen  von  unten  her  sehr  leicht  mög- 
lich, sobald  Wärme  und  Belichtung  bezw.  Ernährung  nicht 
in  dem  richtigen  Verhältnis  stehen.  Mit  Erhöhung  der  Tem- 
peratur steigert  sich  auch  stets  bis  zu  einem  gewissen  Grade 
das  Wachstum  jeder  Pflanze.  Ist  nun  dabei  der  Boden  arm  an 
Nährstoffen  oder  die  Belichtung  durch  die  Sonne  im  Verhält- 
nis zur  Wärme  zu  schwach,  so  dass  die  der  Erde  entzogenen 
Nährsalze  und  die  der  Atmosphäre  entnommenen  Gase  im  Assi- 
milationsprozess  nicht  in  genügender  Menge  zu  bauender  Pflan- 
zensubstanz durch  die  grünen  Organe  verarbeitet  werden  können, 
so  bleibt  der  durch  die  Wärme  mit  Gewalt  vorwärts  getriebenen 
Pflanze  nichts  weiter  übrig,  als  die  Baustoffe  für  die  oberen 
hochschiessenden  Partien  den  unteren  Etagen  allmählich  zu  ent- 
ziehen, was  dann  die  völlige  Erschöpfung  und  das  schliessliche 
Absterben  der  letzteren  zur  Folge  hat. 

Darum  sollten  Araucarien  nur  bei  5 — 6  °  C.  möglichst  hell 
und  luftig  überwintert  werden  und  sind  nicht  in  den  wenig 
sonnigen  Jahreszeiten  durch  hohe,  trockene  Temperatur  zum 
Wachstum  zu  reizen.  Von  Mitte  Mai  bis  Herbst  sind  die 
Araucarien  gegen  die  direkten  Sonnenstrahlen  geschützt  im 
Freien,  oder  wo  nicht  angängig,  in  einem  kühlen,  luftigen 
Raum  stets  halbschattig  aufzustellen,  und  zwar  jederzeit  in  einem 
Abstand,  dass  auch  die  unteren  Etagen  volles  Licht  bekommen. 
Zu  dichter  Stand  und  dadurch  bedingter  teilweiser  Lichtmangel 
hat    stets    ein    Verkümmern    bezw.    Absterben    der    unteren    und 


mittleren    Etagen    zur    Folge,    wie    schon    dichte    Fichten-    und 
Kiefernschläge  unsrer  Nadelwälder  unzweifelhaft  beweisen. 

Die  Kulturgefässe  müssen  stets  der  Grösse  des  Wurzelballens 
entsprechen  und  darf  es  nie  zu  dessen  Verfilzung'  kommen, 
wenn  die  unteren  Etagen  nicht  in  erster  Linie  Nahrungsmangel 
leiden  sollen.  Verwendet  man  dann  noch  zur  Kultur  eine  nahr- 
hafte Laub-  oder  Heideerde  mit  etwas  Mistbeeterde  und  Sand, 
verabfolgt  erforderlichen  Falles  einige  Güsse  mit  verdünnter 
Kuhjauche  während  der  vollen  Vegetation  und  bewässert  man 
nur  nach  Erfordernis,  so  wird  man  auch  kräftige,  üppig  dunkel- 
grüne,   schön   garnierte    Pflanzen    besitzen. 

W.  Geucke,    Gartenbaulehrer  in  Reutlingen. 

Neue  Frage  No.  230.  Ist  es  unbedingt  nötig,  dass  in  einer 
Spalieranlage  (Doppelspaliere),  welche  an  einem  Abhänge  ge- 
legen ist  mit  einer  Steigung  von  1  :  7,  das  Profil  der  Wege  hori- 
zontal liegt?  Wenn  beide  Kanten  horizontal  gleich  hoch  liegen, 
entstehen  auf  der  inneren  Seite  unschöne  hohe  Kanten,  was 
vermieden    werden-  soll. 

Neue  Frage  No.  231.  Auf  welche  Weise  werden  Garten- 
wege in  einem  abschüssigen  Terrain  am  praktischsten  angelegt, 
welche  heftigen  Regengüssen,  ohne  aufgewühlt  zu  werden, 
Widerstand  leisten  und  sogleich  nach  dem  Regen  begangen 
werden    können. 

Neue  Frage  No.  232.  Sind,  schon  Versuche  gemacht  worden 
mit  der  Aussaat  von  Freilandorchideen?  Wie  ist  die  Kultur 
und  Behandlung  nach  der  Aussaat  und  wann  und  wie  letztere 
auszuführen? 

Neue  Frage  No.  233.  Woher  bezieht  man  guten  Nym- 
phaeensamen   und   wie  ist   das   Anzuchtverfahren   derselben  ? 

Neue  Frage  No.  234  Ist  Nyntphaea  ortgisiana  rubra  und 
Nymphaea  gigantea  (blau)  in  einem  Teich  mit  -f-  5  °  C.  nied- 
rigster Temperatur   winterhart  ? 

Neue  Frage  No.  235.  Kann  man  mit  Erfolg  in  kaltgrün- 
digetn,  sandigem  Moorboden  in  geschützter  Lage  Spargel  bauen? 
Welche    Sorte   würde  zu  empfehlen   sein  ? 


*)    Man    vergleiche    auch    Heft    1   Seite    II. 


Rechtspflege. 

In  einer  wichtigen  Frage,  in  der  namentlich  auch  in  gärt- 
nerischen Kreisen  viel  gesündigt  wird,  hat  neuerdings  das  König- 
liche Oberverwaltungsgericht  eine  bemerkenswerte  Entschei- 
dung gefällt.  Es  hat  sich  dahin  ausgesprochen,  dass  ein  Lehr- 
herr auf  Grund  des  §  127a  der  Gewerbeordnung  den  Anspruch 
auf  Rückkehr  eines  entlaufenen  Lehrlings  nur  dann  geltend 
machen  kann,  wenn  der  Lehrvertrag  sowohl  vom  Lehrherrn 
oder  seinem  Stellvertreter,  als  auch  vom  Lehrling  selbst  und 
von  dessen  gesetzlichem  Vertreter  unterschrieben  worden  ist. 
Diese  für  viele  Kreise  beachtenswerte  Entscheidung  wird  unter 
anderem  wie  folgt  begründet:  „Nach  §  126b  Absatz  2  der 
Reichsgewerbeordnung  ist  der  Lehrvertrag  von  dem  Gewerbe- 
treibenden oder  seinem  Stellvertreter,  dem  Lehrling  und  dem 
gesetzlichen  Vertreter  desselben  zu  unterschreiben.  §  I27d 
Abs.  1  der  R.-G.-O.  bestimmt  ferner:  Verlässt  der  Lehrling  in 
einem  durch  dies  Gesetz  nicht  vorgesehenen  Fall  ohne  Zu- 
stimmung des  Lehrherrn  die  Lehre,  so  kann  letzterer  den  An- 
spruch auf  Rückkehr  des  Lehrlings  nur  geltend  machen,  wenn 
der  Lehrvertrag  schriftlich  geschlossen  ist.  Nach  dem  §  150 
Ziffer  4a  der  R.-G.-O.  wird  endlich  mit  Geldstrafe  bis  zu  20  Mk. 
und  im  Unvermögensfalle  mit  Haft  bis  zu  drei  Tagen  für  jeden 
Fall  der  Verletzung  des  Gesetzes  bestraft  „der  Lehrherr,  welcher 
den  Vertrag  nicht  ordnungsmässig  abschliesst".  Im  vorliegenden 
Falle  war  der  Lehrvertrag  von  dem  Lehrling  nicht  unterschrieben. 
Das  Gesetz  sieht  aber,  wie  nach  der  Fassung  des  §  126b  Ab- 
satz 2  und  nach  der  Bedeutung,  die  der  Gesetzgeber  durch  die 
Straf bestimmungen  des  §  150  Ziffer  4a  der  ordnungsmäßigen 
Abschliessung  des  Lehrvertrags  unter  ausdrücklicher  Bezug- 
nahme auf  die  Vorschriften  des  §  126b  beigelegt  hat,  nicht 
zweifelhaft  sein  kann,  die  Mitunterzeichnung  des  Lehrvertrags 
seitens   des   Lehrlings   als   ein  wesentliches   Erfordernis  an.    Ein 


60 


Die  Gartenwelt. 


VII, 


schriftlicher  Lehrvertrag  im  Sinne  des  §  127c!  lag  also  nicht 
vor,  da  der  Vertrag  den  gesetzlichen  Anforderungen  nicht  ent- 
sprach, vielmehr  an  einem  wesentlichen  Mangel  litt.  Die  Poli- 
zeibehörde durfte  daher  den  Lehrling  nicht  zur  Rückkehr  in  die 
Lehre   anhalten. 


Tagesgeschichte. 


Berlin.  Die  städtischen  Parkarbeiter  haben  am  13.  d.  M. 
beschlossen,  an  die  städtischen  Behörden  eine  Eingabe  zu  richten, 
worin  für  die  Gärtner  eine  Lohnerhöhung  von  3,50  auf  4,50  M. 
und  für  die  Hilfsarbeiter  von  2,40  M.  auf  3,50  M.  verlangt 
werden    soll. 

Der  Blumenhandel  zur  Nachtzeit  soll  wieder  gestattet  werden 
und  es  soll  die  Aufhebung  des  Verbots  des  Blumenhandels  in 
Restaurationen  und  Tanzlokalen  nach  9  LThr  Abends  bevor- 
stehen. Angeblich  ist  das  Polizeipräsidium  jetzt  dabei,  eine  Denk- 
schrift an  den  Minister  auszuarbeiten,  welche  die  Freigabe  des 
Blumenhandels  mit  gewissen  Einschränkungen  befürwortet.  Das 
Verbot  des  Blumenhandels  hat  viele  kleine  Leute  hart  betroffen. 

Prof.  J.  Barboza  Rodrigues,  der  Direktor  des  Botanischen 
Gartens  zu  Rio  de  Janeiro,  weilt  gegenwärtig  hier,  um  die  be-' 
deutenden  Palmensammlungen  des  Botanischen  Gartens  und 
Museums  zu  studieren.  Prof.  Rodrigues  ist  mit  der  Herausgabe 
eines   Werkes  über  die   Palmen   Brasiliens  beschäftigt. 

Bielefeld.  Eine  eigenartige  Stiftung  hat  Herr  Arnold  Crü- 
well  ins  Leben  gerufen.  Sie  wird  als  „Bielefelder  Waldstiftung'* 
bezeichnet  und  von  ihren  Zinsen  soll  die  Pflege  und  Unterhal- 
tung der  städtischen  Waldungen  bestritten  werden.  Herr  Crü- 
well  selbst  hat  als  ersten  Posten  6000  M.  eingezahlt  und  dabei 
zur  Bedingung  gemacht,  dass  die  Stadt  die  gleiche  Summe  ein- 
zahlt, auch  bei  der  nächsten  Einzahlung  seitens  eines  anderen 
Schenkgebers  soll  der  dessen  Einzahlungssumme  entsprechende 
Betrag  zugegeben  werden  und  so  fort  Ins  ein  Kapital  von  100000 
Mark  erreicht  ist.  Der  Magistrat  hat  bereits  seine  Zustimmung 
gegeben  und  die  Summe  von  6000  M.  als  ersten  Beitrag  der 
Stadt   seinerseits   bewilligt. 

Bremen.  Die  hiesige  Gärtnerinnung  hat  an  die  Bremisi  he 
Bürgerschaft  eine  Eingabe  gelangen  lassen,  welche  sich  be- 
schwerdeführend mit  der  Privatthätigkeit  des  Gartenbauinspek- 
tors befasst.  Auf  Antrag  soll  diese  Eingabe  einer  Kommission 
zur  Prüfung  überwiesen   werden.  T. 

Düsseldorf.  Dir  grosse,  schöne  und  lehrreiche  I  n  d  u  s  t  r  i  e- 
u  n  d  Ge.w  e.r  b  e  -  A  u  s  s  t  e  1 1  u  n g  ist  am  20.  Oktober  in  feier- 
licher Weise  geschlossen  worden.  Diese  interessante  Ausstellung 
ging  bedeutend  über  den  Rahmen  einer  Provinzial-A'usstellung 
hinaus;  sie  übertraf  die  Berliner  Gewerbe-Ausstellung,  und 
in  industrieller  Beziehung  sogar  die  Pariser  Wehausstellung  von 
1900.  Zahlreiche  Besucher  strömten  ihr  nicht  nur  aus  ganz 
Europa,  auch  aus  Amerika  und  Australien  zu.  Die  Zahl  der 
Besucher   betrug   am   Sonntag,    den    19.    Oktober   95685. 

Auch  der  Gartenbau  war  würdig  vertreten,  worüber  ja 
schon  kurz  berichtet  wurde,  und  der  von  den  rheinisch-wesl 
phälischen  und  nassauischen,  einschliesslich  Frankfurter  Garten- 
künstlern errichtete  Bau  für  Gartenarchitektur  erzielte 
mit  seinen  gediegenen  Plänen  und  .Ansichten  grossen  Beifall. 
Bei  der  gestrigen  Preisverteilung  erhielten  Preise :  die  goldene 
Medaille  Jul.  Hönings,  BaumschoK,  Neuss;  Ernst  Finken, 
Gartenkünstler,  Köln.  Die  silberne  Medaille  Jos.  Mock,  Rosen- 
züchter,  Trier;  Peter  Lambert,  Rosenzüchter,  Trier;  C.  Gaas- 
mann  &  Sohn,  Handels-  und  Landschaftsgärtner,  Düsseldorf; 
Karl  Wolff,  Hofkunstgärtnerei,  Trier;  F.  Böhm,  Baums*  hule, 
Oberkassel  bei  Bonn;  Hub.  Wild,  Forstkulturen,  Wassenberg 
bei  Heinsberg;  Gebr.  Siesmayer,  Bockenheim-Frankfurt  a.  M.: 
Goos  &  Koenemann,  Staudengärtnerei,  Nieder-Walluf.  Die  bron- 
zene Medaille:  Nik.  Weher.  Rosenzüchter,  Pallien-Trier ;  Gerh. 
Braun,  Graf  von  Spee'sche  Koniferen  Schule,  Rahm;  Fritz  Orths, 
Gartenkünstirr,  Düsseldorf;  M.  Reinhardt,  Gartenkünstler, 
Düsseldorf ;      Krupp'sche     Gartenverwaltung     in    Hügel    a.     d. 


Ruhr;  Gebr.  Hanses,  Forstkulturen,  Rinsecke ;  Frau  Direktor 
Hiby  in  Cleve;  Karl  Jancke,  Gartenkünstler,  Aachen;  Gerh. 
Rubruck,  Gewächshausbau,  Köln ;  Konr.  Appel,  Samenhändler, 
Darmstadt.  Für  eine  Sonderausstellung  von  Blumen  wurden 
7  silberne  und  10  bronzene  Medaillen  vergeben.  Bei  der  Sonder- 
ausstellung von  Obst  erhielt  Kommerzienrat  Leiffmann  die  gol- 
dene Medaille ;  die  silberne  Medaille  W.  Cossmann,  Frankfurt  am 
Main ;  Gutsverwaltung  Plittersdorfer  Aue  und  Ant.  Schlösser, 
Köln-Ehrenfeld.  Dann  kamen  noch  7  bronzene  Medaillen  zur 
Verteilung.  Grube,  Stadt.  Gartendirektor,  Aachen. 

Nachschrift  der  Redaktion.  Es  ist  noch  darauf  hinzuweisen, 
dass  Medaillen  nicht  ausgehändigt  werden,  nur  Diplome  zur 
Medaille,  ein  Verfahren,  das  wir  recht  unschön  finden  und  das 
unseres  Wissens  bisher  nur  auf  Winkelausstellungen  üblich  war. 

Hannover.  Der  Rechnungsabschluss  von  der  Provinzial- 
Gartenbau-Ausstellung  liegt  nun  vor.  Er  verzeichnet  eine  Ein- 
nahme von  10795  M.  und  eine  Ausgabe  von  10595  M.  Es  braucht 
also  nicht  nur  der  Garantiefonds  nicht  angegriffen  zu  werden, 
sondern  es  bleibt  sogar  ein  L'berschuss  von  200  M'.,  ein  für 
eine  hannoversche  Gartenbau-Ausstellung  unerhörtes  Ergebnis. 
Ein  volles  Drittel  der  Einnahmen  haben  Medaillen  und  Ehren- 
preise verschlungen.  Eintrittsgelder,  Kataloge,  Karten-  und  Blu- 
menverkauf  ergaben   zusammen   6335    M.  Krone. 

Mainz.  Am  17.  Oktober  wurde  das  grosse  Palmenhaus  im 
Stadtpark  durch  Herrn  Oberbürgermeister  Dr.  Gassner,  im  Bei- 
sein vieler  Stadtverordneter  feierlich  eröffnet  und  dem  Publikum 
übergeben. 

Neapel.  Für  die  hiesige  Stadtgärtnerei  ist  für  das  Jahr  1903 
ein  Etat  von  Soooo  L.  festgesetzt  worden.  Derselbe  wurde 
durch  die  Mitarbeit  unseres  Landsmannes  und  Mitarbeiters 
C.  Sprenger  festgestellt.  Es  soll  ein  städtischer  Gartendirektor 
mit  7500 — 8000  Lire  Gehalt  angestellt  werden.  Für  diese  Stelle 
ist   ein   französischer   Fachmann   in   Aussicht  genommen. 

Pommern.  Die  Ernte  von  Obst  und  Gemüse  lässt  sehr  viel 
zu  wünschen  übrig.  Das  Kernobst  wirft  nur  geringen  Ertrag 
ab.  Der  Wein  ist  lWcht  reif  geworden  und  die  Trauben  sind 
erfroren.  Die  Zwiebeln  konnten  nicht  ausreifen  und  der  Weiss- 
kohl ist  nicht  so  fest  wie  im  vorigen  Jahre,  da  die  Wärme  fehlte. 
Die  Bohnen  sind  überhaupt  nicht  reif  geworden,  wie  überhaupt 
der  Samenertrag  von   Blumen   und   Gemüsen  sehr  schwach   ist. 

W.   B. 

Würzburg.  Der  Landschaftsgärtner  Franz  Schiele  in  Würz- 
burg soll  ein  wirksames  Mittel  gegen  die  Reblaus  gefunden  haben. 
Ein  verseuchtes  Gebiet  wurde  ihm  zu  Versuchszwecken  zur  Ver- 
fügung  gestellt.     Wenn    sich    das    Mittel   nur   bewähren    wollte! 


Personal- Nachrichten. 


Bense  &  Mohr.  Samenhandlung,  Kunst-  und  Handelsgärtne- 
rei,  Kelsterbach  a.  M.  Die  Firma  wurde  am  I.  Oktober  er- 
richtet. 

Hess,   Otto,  Gärtnereibesitzer  in  1  »hra  starb  am  13.  Oktober. 

Hillebrecht,  Friedrich,  Stadtgärtner  zu  Düsseldorf  erhielt 
für  seine  Verdienste  um  die  Ausstellung  den  königlichen  Kro- 
nenorden  vierter   Klasse   verliehen. 

Spindler,  Carl,  Geh.  Kommerzienrat  verstarb  im  61.  Lebens- 
jahre zu  Spindlersfeld  bei  Berlin.  In  dem  Verstorbenen  hat 
der  Gartenbau  einen  seiner  begeistertsten  und  opferwilligsten 
Liebhaber  verloren,  welcher  auf  seiner  Besitzung  ganz  ausser- 
ordentlich schöne  und  seltene  Kulturpflanzen,  besonders  Orchi- 
deen und  Bromeliaceen  pflegte.  Der  Spindlcrsche  Garten  ist 
eine  Sehenswürdigkeit  für  Gärtner  und  Gartenfreunde,  welcher 
hoffentlich  im  Sinne  des  Verblichenen  weiter  erhalten  wird. 
Kommerzienrat  Spindler  war  langjähriges  Mitglied  des  Vereins 
zur   Beförderung  des   Gartenbaues   in   Berlin. 

St.  Paul-Illaire,  Ulrich  v.,  Korvettenkapitän  a.  D.,  Hof- 
marschall weiland  des  Prinzen  Adalbert  v.  Preussen,  Vorsitzen- 
der der  Deutschen  dendrolog.  Gesellschaft,  ein  allseitig  be- 
liebter   Pflanzenfreund,    verstarb    im    70.  Lebensjahre. 


Veranlwortl.  Redakteur:    Max  Hesdorffer,  Berlin.  —  Verlag  von  Richard  Carl  Schmidt  &  Co.,    Leipzig.  —  Druck  von  C.  Grumbach   in  Leipzig. 


Illustriertes  Wochenblatt  für  den  gesamten  Gartenbau. 


Jahrgang  VII. 


8.   November  igo2. 


No.  6. 


Nachdruck  und  Nachbildung  aus  dem  Inhalt  dieser  Zeitschrift  wird  strafrechtlich  verfolgt. 


Obstbau. 


Di 


Peasgood's  Goldreinette. 

Von  W.  Nollenberg,  Oberschöneweide. 
(Hierzu  eine  Abbildung). 

'ieser  Apfel  ist  eine  englische  Züchtung,  welche 
von  dem  vielen  Schund,  der  von  den  britischen  Inseln 
auf  dem  Gebiete  der  ,,Sorten-N  euheiten"  nach  unse- 
rem lieben  Deutschland  unter  hochtönenden  Namen  ein- 
geführt wird,  eine  wirklich  rühmliche  Ausnahme  bildet. 
Diese  Reinette  ist  eigentlich  nur  eine  Form  des  „Kaiser 
Alexander",  welcher  ihr  Vater  ist,  den  sie  aber  an  Gleich- 
mässigkeit,  Grösse  und  Bauart,  an  Geschmack  und  Halt- 
barkeit bei  weitem  übertrifft.  Es  ist  der  ansprechendste 
und  verkaufsfähigste  Herbstapfel,  den  ich  kenne,  eine  bei 
sachgemässer  Lagerung  bis  weit  in  den  Januar  hinein 
sicli  haltende  Tafelfrucht  allerersten  Ranges.  Dabei  ist 
der  Baum  anspruchslos  und  gedeiht  hier  in  dem  soviel 
geschmähten  brandenburgischen  ■ —  allerdings  1  m  tief 
rigolten  —  Sand  ganz  vortrefflich.  Die  nebenstehende  Abbil- 
dung eines  Zweiges,  sowie  die  in  Stettin  zur  Schau  gestellten, 
aber  leider  nicht  ausgereiften  Früchte  stammen  von  einem  1 895 
gepflanzten  Hochstamm;  niedere  Formen  habe  ich  erst 
angelegt  und  ich  zweifle  nicht  daran,  dass  deren  Früchte 
die  des  Hochstammes  noch  um  ein  Bedeutendes  über- 
treffen werden. 

In  diesem  Jahre  waren  die  Äpfel  infolge  der  Witterung 
verhältnismässig  klein  —  im  Durchschnitt  nur  ca.  300  gr 
schwer  —  einesteils,  weil  die  Wärme  fehlte,  anderenteils 
weil  der  Baum  überreich  mit  annähernd  100  kg  Äpfeln 
beladen  war.  Auf  der  Märkischen  Provinzial-Ausstellung 
des  Vorjahres  in  Potsdam  gezeigte  Früchte  desselben 
Hochstammes  wären  bei  dem  vorjährigen  herrlichen 
Wetter  schön  gediehen,  ausgereift,  und  erregten  in  ihrer 
gelben  Grundfarbe  mit  dem  wunderbaren  Rot  und  vor 
allem  durch  ihre  Gleichmässigkeit  allgemeine  Bewunde- 
rung.     15   Stück  davon  wogen  81/i  Kilo! 

Die  Sorte  ist  in  Deutschland  noch  nicht  häufig;  in  Stettin 
sah  ich  sie  im  ganzen  dreimal,  in  Potsdam  im  Vorjahre 
hatten    die    praktischen    Obstzüchter    in    Werder,    die    den 

Die  Gartenwelt. 


Verkaufswert  bereits  erkannt  zu  haben  scheinen,  sie  mehr- 
fach ausgestellt. 

Es  wäre  zu  wünschen,  dass  der  „Deutsche  Pomologen- 
Verein"  sich  dieses  Apfels  annähme  und  ihm  einen  Platz  im 
Xormalsortiment  gäbe. 


Ast  von  Peasgood's  Goldreinette. 
Nach  einer  photogr.  Aufnahme  für  die  „Gartenwelt" 


gefertigt. 

6 


62 


Die    Garten  weit. 


VII,   6 


Neue  Pflanzen. 

Ein  neuer  rem.  Mohn,  Papaver  hybridum  ,,Santa  Lucia".  Die 
herrlichen  Farbenspiele  und  Blumenformen  unserer  einjährigen 
Mohnsorten  vermisst  man  immer  mehr  in  unseren  Gärtnereien. 
Der  Grund  ist  allgemein  bekannt :  der  Gärtner,  dem  seine  Pfleg- 
linge auch  etwas  einbringen  müssen,  weiss  nichts  anzufangen 
mit  den  Mohnblumen,  denn  kaum  erblüht,  lassen  sie  schon 
wieder  ihre  Blumenblätter  fallen.  Die  neue,  nebenstehend  abge- 
bildete Mohnsorte  „Santa  Lucia"  übertrifft  alle  anderen  ein- 
jährigen Mohnsorten  an  Haltbarkeit  der  Blumen,  denn  ich 
habe  solche  zwölf  Tage  frisch  und  vollauf  fest  und 
ansehnlich,  in  Wasser  stehend,  erhalten. 
Auch  zu  Bindereien  verarbeitet  welken 
die  Blumen  nicht,  halten  sich  mehrere 
Tage  frisch  und  schön.  Auf  den  Bee- 
ten kann  man  sich  3  Monate  eines  herr- 
lichen Flors  erfreuen,  denn  jede 
Stengelblattachse  entsendet  eine  neue 
Blütenknospe,  deren  Blume  der  ersten 
an  Güte  nicht  nachsteht.  So  sind  oft 
4—5  Blumen  an  einer  Pflanze  zu  sehen, 
alle  auf  festen,  straffen  Stielen.  Die 
ganze  Pflanze  erreicht  mit  Blüte  kaum 
eine  Höhe  von  45—50  cm,  sie  hal 
festes  buschiges  Laub  und  macht  einen 
angenehmer  gesunden  Eindruck.  Die 
Farbe  der  Blumenblätter  ist  ein  tiefes 
Rosa,  etwa  wie  bei  der  Norma-Hya- 
zinthe.  Ein  weiterer  Vorzug  des  Santa 
Zwcia-Mohnes  ist  der,  dass  man  ihn  ins 
Mistbeet  oder  in  Schalen  aussäen  und 
pikieren  und  selbst  noch  als  stärkere 
Pflanze  verpflanzen  kann,  ohne  dass 
dadurch  auch  nur  eine  Pflanze  irgend- 
wie leide  oder  unvollkommene  Blumen 
bringe.  Namentlich  im  Spätherbst, 
wenn  die  Dahlien  schon  vergessen  und 
nur  noch  die  Astern  und  einige  Rese- 
den unsere  Beete  schmücken,  dann 
steht  der  Santa  Lucia-Mohn  in  vollstem 
Flor.  Eine  in  diesem  Jahre  entstandene 
Farbenvarietät  bringt  reinweisse, 
grosse,  dichtgefüllte  Blumen,  die  wie 
Päonienblüten  anzuschauen  sind.  „San- 
ta Lucia"  wird  in  diesem  Jahre  in  den 
Handel  gegeben.  Aus  Samen  kommt 
die  Sorce  stets  echt,  eine  Pflanze  wie 
die  andere,  eine  Blume  gleicht  der  an- 
deren in  der  Farbe  und  der  herrlichen 
Päonienform.  Ich  glaube  sicher,  dass 
sich  dieser  Mohn  bald  einer  allgemei- 
nen Verbreitung  und  grosser  Beliebt- 
heit erfreuen  wird,  denn  er  ist  so 
vollständig  verschieden  von  unseren 
bisher  bekannten  einjährigen  Mohn- 
sorten, dass  selbst  jeder  Laie  sofort 
auf  ihn  aufmerksam  wird  und  alle, 
denen  ich  den  Mohn,  während  der  drei 
Jahre,  während  welcher  ich  denselben 
beobachte  und  ziehe,  zeigte,  begut- 
achteten denselben  als  eine  Neuheit 
allerersten  Ranges  und  waren  voll  des 

Lobes  über  die  herrlichen,  locker  gebauten  und  doch  so  festen 
Blumen.  —  Ich  habe  in  diesem  Jahre  Papaver  paconiflorum,  zart- 
rosa,  daneben  gebaut,  um  beide  Sorten  zu  vergleichen,  Papa- 
ver „Santa  Lucia"  hat  neben  Danehog-  auch  etwas  paconiflorum- 
Blut,  während  aber  die  Blumen  von  P.  paeonifloram  in  3  Tagen 
abblätterten,  standen  die  Vergleichsblumen  der  viel  kompakte- 
ren „Santa  Lucia"  8—10  Tage,  ja  12  Tage  frisch  da. 

Wilhelm   Mütze,  Obergärtner,   Steglitz. 


Dahlien. 


Papaver  hybr. 
Vom  Verfasser  für  die 


Deutsche  Dalilieii-Neuzüchtungen. 
b)  Die  bemerkenswertesten  Neuheiten  für  1903. 

Von  Heinrich  Kohlmannslehner,  Handelsgärtner, 
Britz-Berlin. 

üs  ist  selbstverständlich  immer  gewagt,  über  eine 
Dahlie  eine  Ansicht  zu  äussern,  von  welcher  man  nicht 
die  Pflanze,  sondern  nur  Blumen 
gesehen  hat.  Und  unglücklicher- 
weise schloss  das  laufende  Jahr  so 
früh  ab  mit  dem  ersten  Frost,  dass 
man  manche  beabsichtigte  Prüfung 
von  neuen  Züchtungen  an  Ort  und 
Stelle  aufgeben  musste;  und  in  den 
Annalen  der  „Deutschen  Dahlien- 
Gesellschaft"  wird  kein  Jahr  so  arm 
an  verliehenen  Wertzeugnissen  sein, 
wie  das  Jahr  1902.  Das  hindert 
aber  nicht,  dass  der  deutsche  Garten- 
Michel  schon  bedenklich  anfängt  zu 
schimpfen  über  die  Hochflut  deut- 
scher Dahlien-Züchtungen,  während 
er  noch  vor  wenig  Jahren  30  und 
40  englische  Einführungen,  ohne 
eine  Miene  zu  verziehen,  in  unserem 
Lande  willkommen  geheissen  hat. 
Das  Fremde  hat  eben  auch  im 
Dahliengebiete  —  und  wäre  der 
Name  auch  noch  so  unaussprechlich 
—  die  meiste  Anziehungskraft.  Ver- 
suchen wir  aber  nun  einmal,  uns 
mit  der  Blütenlese  schöner  deutscher 
Namen  und  den  diesen  hoffentlich 
Ehre  machenden  Züchtungen  näher 
zu  beschäftigen. 

„HereHättchen"  scheint  lang- 
stielig zu  sein,  das  zeigt  jede  Blume. 
Farbe  hellziegelrot,  nach  der  Mitte 
zu  lachsrosa,  anmutige  Formen  und 
prima,  so  lauten  meine  Aufzeich- 
nungen über  diese  Sorte.  Grösser 
ist  „Thuringiü",  weit  ausgestrahlt, 
einwärts  gebogen,  eine  feine  orange- 
rote Blüte.  „Erlkönig"  möchte  ich 
lachsorange  mit  orangegelber  Rück- 
seite nennen,  sie  ist  ebenfalls 
einwärts  gekrallt,  als  Blüte  massig 
gross  und  sehr  langstielig.  Ganz 
versteckt  und  nur  dem  aufmerksamen  Beobachter  bemerk- 
bar, waren  die  Neuheiten  des  Züchters  der  schönen  „Wwe. 
Haacke".  Derselbe  scheint  in  weissen  und  rosaen  Farb- 
tönen mit  viel  Glück  gesäet  zu  haben.  Die  Mehrzahl 
der  ausgestellten  Blüten  schien  jedoch  noch  nicht  handels- 
reif,   dagegen   scheint    „Nobel"    mit    ihrem   feinen,    zarten 


„Santa  Lucia". 
„Gartenwelt"  gezeichnet. 


VII,  6 


Ipie    Gartenwelt. 


63 


rosa  Ton  vielversprechend  zu  sein,  „Schön  Else"  nicht 
minder.  Bei  den  anderen  wollen  wir  erst  die  Taufe  ab- 
warten. Unter  den  Neuheiten  der  deutschen  Dichter- 
wald-Neuzüchtungen entdecken  wir  „Hans  Sachs"  in  einem 
dunklen  Rot,  „Heinrich  Heine",  braunrot  mit  hellen  Spitzen, 
nicht  besonders  bemerkenswert,  weil  sie  zweifarbig  ist. 
^Carmen  Sylva"  in  massiger  Blütengrösse,  violett-rosa. 
„Theodor  Körner",  welche  uns  schon  in  einigen  Blüten 
im  vorigen  Jahre   in   Hamburg   vorgeführt   wurde,   dürfte 

—  das   wäre   dieses   edlen    Freiheitsdichters   wohl   würdig 

—  etwas  Besonderes  bedeuten.  Die  Mitte  der  Blüte  ist 
elfenbeinfarbig  und  die  Spitzen  verlaufen  leicht  in  zart 
Lachsrosa,  Das,  was  die  Dichtersorten-Züchter  als  „Schef- 
fej,"  benannt  ausstellten,  glich  auf  ein  Haar  der  Sorte 
„Bornemanns  Liebling",  Das  weiche  Rosa  in  den  Blüten 
hat  jedem  gut  gefallen,  auch  die  Form  beider  Züchtungen 
ist  leicht  und  anmutig.  Welche  —  so  fragen  sich  die 
Dahlienleute  —  mag  nun  aber  die  reichblühendste  und 
sticlbeste    sein  ? 

„Baubgraf" ,  in  einem  leuchtend  roten  Ton  wird  ein- 
mal, weil  sie  eben  rot  blüht,  nichts  Auffälliges  werden 
und  auch  die  hellkarminrote  „Fenella",  welche  in  ziem- 
lich tadellosen  Blumen  ausgestellt  war,  dürfte  mit  den 
schon  existierenden  roten  Züchtungen  eine  schwere  Kon- 
kurrenz zu  bestehen  haben.  Auf  einen  der  strahlenden 
Sterne  am  nächstjährigen  Dahlien-Himmel  machte  schon 
Herr  Bornemann  gelegentlich  eines  Besuches  bei  dem 
Züchter  im  Vorjahre  aukmerksam,  er  heisst:  „Serpentina" . 
Die  Blüte,  welche  in  ihrer  stets  schönen  Färbung  nie  etw.is 
Beständiges  hat,  ist  schwer  zu  beschreiben.  Zuweilen 
jst  sie  auf  zartrosafarbigem  Grunde  frischer  rosa  abge- 
tönt, zuweilen  erblüht  sie  rein  rosa,  dann  mischen  sich 
wieder  Blüten  dazwischen,  einfarbig  werdend,  bis  zum 
tiefsten  Purpur  übergehend.  Ich  habe  diese  Züchtung 
ebenfalls  in  der  Sämlingspfjanze  im  Vorjahre  gesehen  und 
muss  gestehen,  dass  mich,  was  den  Solitärwert  der  Pflanze, 
die  Wirkung,  die  eine  Dahlie  als  Blütenpflanze  überhaupt 
besitzt,  anbelangt,  noch  nie  eine  Neuheit,  so  lange  ich 
Edel-Dahlien  kenne,  in  dem  Masse  entzückt  hat.  Jeder 
Trieb  löst  sich  in  Knospen  auf  und  der  ganze  Pflanzen- 
körper ist  geradezu  besteckt  mit  prächtigen,  genügend  lan; 
stieligen  Blüten  in  feinster  Form. 

„Frau  Hermine  Marx"  ist,  was  eine  rosige  Grund- 
tönung anbelangt,  das  Beste,  was  wir  bis  heute  besitzen. 
Es  ist  ein  Ton,  der  an  die  Rose  „La  France"  erinnert. 
Die  Mitte  tönt  sich,  allmählich  in  Fleischfarben  übergehend, 
zart  ab.  Die  Pflanze  verzweigt  sich  wenig,  ist  schlankwüch- 
sig  und  bevorzugt  kräftigen  Boden,  wofür  sich  die  Blüten 
durch  schönere  Entwicklung  dankbar  zeigen.  Es  mag  interes- 
sant sein  dabei  hinzuzufügen,  dass  die  Mutter,  d.  h.  Stamm- 
sorte der  Sorte  „Frau  Hermine  Marx"  eine  Engländerin 
war  und  „Mrs.  J.  H.  Luseombe"  hiess,  welche,  abgesehen 
von  ihrem  schönen  rosa  Ton,  eine  liederliche  Füllung, 
keine  Vorzüge  besass,  und  heute  nirgends  mehr  zu  den 
Standardsorten  selbst  des  grössten  Sortimentes  gerechnet 
wird.  „Ale. rander  Immer",  ein  Schwesterkind  von  „König 
Hnndjert",  hat  mit  dieser  ähnliche  Form,  aber  viel  mehr 


Tiefe  in  der  schwarzbraunen  Färbung.  Sie  ist  unbedingt 
die  schwärzeste  Dahlie,  die  wir  bis  heute  besitzen. 
„Deutscher  Gartenkünstler''  wird  hoffentlich  ihrem  Namen 
Ehre  machen,  sie  ist  enorm  langstielig  und  trägt  weit  über 
die  Pflanze  hinweg-  ihre  orangefarbenen,  goldbronze  er- 
hellten Blüten  in  charakteristisch  gedrehter,  schöner  Form. 
Bemerkenswert  ist  ferner  „Hanna  Drawiel" ,  reinweiss,  weil 
sie  bei  einer  ziemlich  grossen  Blüte  das  Edelste  in  Form 
besitzt,  was  wir  wohl  bis  heute  haben,  dazu  einen  sehr 
langen  Stiel ;  sie  ist  leider  nicht  sehr  früh  in  der  Ent- 
faltung ihrer  Blüten.  Da  aber  noch  sämtliche  weisse 
Edel-Dahlien  irgend  einen  Mangel  besitzen,  will  mir  trotz 
ihres  späten  Blühens  „Hanna  Drawiel",  sehr  wertvoll  er- 
scheinen. Unser  grösster  deutscher  Dahlien-Züchter  nannte 
diese  Züchtung,  als  er  sie  an  der  Pflanze  blühen  sah, 
das   Ideal  einer  weissen  Edel-Dahlie. 

Die  nach  der  deutschen  Rheinsage  benannten  Züch- 
tungen bringen  in  „Gernot"  eine  sehr  fein  gedrehte  und 
vollkommene,  leicht  nach  einwärts  gebogene,  rosafarbene 
Züchtung,  welche  viel  bewundert  wurde.  Fast  chrysan- 
themumartig wäre  „Günther",  ein  helles  Orange  auf  gol- 
digem Grunde,  zu  bezeichnen  und  die  noch  ungetauften 
Heidenkinder  der  Nibelungen-Sage  lassen  für  die  kommen- 
den  Jahre  noch   manches   Gute   erwarten, 

Besondere  Erwähnung  verdient  die  Jungfernzüch- 
tung einer  Erfurter  Firma  mit  ihrem  schönen  Namen 
„Die  Fee",  Trotz  ihrer  bedeutenden  Grösse  ist  die  Blüte 
bei  starkem  Stiel  stets  von  edler  und  strahligster  Form, 
besitzt  eine  ideale  Haltung  und  silbern-rosalilae  Blüten- 
Färbung. 

Ich  kann  meine  Ausführungen  nicht  beschliessen,  ohne 
der  Genugthuung  Ausdruck  gegeben  zu  haben,  dass  in 
der  Masse  genommen,  die  englischen  Züchtungen  der 
letzten  Jahre  an  Qualität  gegen  die  deutschen  Neuheiten 
kaum  halb  herangereicht  haben,  und  dass  die  deutschen 
Züchtungen  auch  in  der  Gunst  des  Publikums  hoch  an- 
geschrieben stehen,  hat  uns  die  Schönheits-Konkurrenz 
auf  der  Erfurter  Gartenbau-Ausstellung  schlagend  be- 
wiesen. 


Topfpflanzen. 


Margarethen-Nelken.  Obwohl  die  Margarethen-Nelke,  welche 
in  ihrer  Schönheit  den  Topfnelken  fast  gleich  kommt,  für 
Schnittblumenzüchter  eine  äusserst  wertvolle  Pflanze  ist,  haben 
viele  diese  Kultur  gänzlich  aufgegeben,  da  sie  keine  Erfolge 
erzielen  konnten,  ohne  jedoch  für  diese  Misserfolge  einen  Grund 
zu  finden.  In  der  Hauptsache  wird  schuld  sein,  dass  die  Pflanzen 
in  eine  womöglich  feuchte,  recht  geschützte  Lage  des  Gartens 
gepflanzt  wurden,  was  durchaus  falsch  ist.  Die  Margaretli.  n- 
Nelke  .will  den  freiesten  und  zugigsten  Platz  im  Garten  haben. 
Man  mache  den  Versuch,  und  der  Erfolg  wird  nicht  ausbleiben. 
Ich  habe  auf  sandigem  Lehm  vorzügliche  Resultate  erzielt, 
es  kommt  aber,  wie  gesagt,  weniger  auf  die  Bodenart  an,  als 
gerade  auf  eine  recht  freie  Lage,  sodass  der  Wind  die  Pflanzen 
tüchtig  zausen  kann. 


64 


Die  Gartenwelt. 


VII,  6 


Der  Samen,  welcher  im  zeitigen  Frühjahr  ausgesäet  werden 
muss,  liefert  einen  sehr  grossen  Teil  gefüllt  blühender  Pflanzen, 
die  bis  zum  Eintritt  des  Frostes  einen  reichen  Flor  liefern. 
Schlägt,  man  (wie  mitunter  bei  Chrysanthemum)  Stangen  um 
ein  Beet  und  belegt  diese  mit  übrigen  Frühbeetfenstern  und 
schützt  nach  den  Seiten  durch  etwas  Leinwand  oder  Stroh- 
decken, so  werden  sich  die  Blumen  trotz  der  Fröste  noch  lange 
Zeit   halten   und   reichen  Ertrag   geben. 

M.   Diedler,  Stadtgärtner,   Gr.-Glogau. 


Musa  Basjoo.  In  Heft  i  des  laufenden  Jahrganges  brachten  wir 
einen  Artikel  unseres  Mitarbeiters  Herrn  F.  Rehnelt  mit  Abbildung 
einer  im  botanischen  Garten  zu  Giessen  im  Freien  überwinterten  Musa 
Basjoo    Sieb,    et    Zu.cc.     Auch    schon    früher    im    Jahrgang   II,    1898, 


Musa  Basjoo,  in  einem   Kalthause  des  botanischen  Gartens  zu  Heidelberg  ausgepflanzt. 
Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt." 


Seite  211  und  212  boten  wir  Beschreibung  und  vortreffliche  Abbildung 
dieser  herrlichen  Musa.  An  diesem  Orte  wurde  bereits  darauf  hin- 
gewiesen, dass  Musa  Basjoo  härter  als  irgend  eine  andere  Art  sei. 
Wir  weisen  heute  unsere  Leser  erneut  auf  Musa  Basjoo  und  auf  ihren 
Wert  als  Blattpflanze  tropischen  Charakters  für  Parks  und  zur  Aus- 
schmückung grosser,  herrschafdicher  Kalthäuser  und  kalter,  bezw.  tem- 
perierter Wintergärten  hin.  Die  beistehende  Abbildung  zeigt  ein  wahres 
Prachtstück  dieser  Musa  aus  dem  botanischen  Garten  zu  Heidelberg. 
Sie  hat  sich  dort,  in  einem  grossen  Kalthause  frei  ausgepflanzt,  zu  statt- 
licher Grösse  und  Üppigkeit  entwickelt.  Wir  verdanken  diese  schöne: 
Aufnahme  unserem  Freunde  Massias  in  Heidelberg.  Auf  der  diesjährigen 
Jahresversammlung  der  deutschen  Dendrologischen  Gesellschaft  zu 
Hannover,  Bericht  in  No,  50,  Seite  597  des  VI.  Jahrganges,  machte 
der  Direktor  des  Heidelberger  botanischen   Gattens,   Herr  Hofrat  Prof. 

Dr.  Ptitzer,  auf  Musa 
Basjoo  aufmerksam  unter 
Hinweis  auf  das  abgebil- 
dete Exemplar  und  teilte 
mit,  dass  er  Versuche 
machen  würde,  diese  3Iusa 
•im  Freien  zu  überwintern. 
Es  war  Herrn  Hofrat 
Ptitzer  nicht  bekannt,  dass 
solche  Versuche  bereits 
mehrfach  in  Deutschland 
erfolgreich  durchgeführt 
sind,  so  im  botanischen 
Garten  zu  Giessen,  wo- 
rüber wir  in  No.  1  lau- 
fenden Jahrganges ,  wie 
bereits  erwähnt,  einen 
illustrierten  Artikel  brach- 
ten ,    und  im  Parke  einer 

Frankfurter  Blumen- 
ireundin,  welche  sich  diese 
Musa  nach  der  ersten  Be- 
schreibung in  der  Garten- 
welt im  Frühjahre  1898 
anschaffte.  M.   H. 

Nochmals  Musa  Basjoo 
Im  Anschluss  an  den  inter- 
essanten Artikel  des  Gar- 
teninspektors F.  Rehnelt 
in  No.  1  dieser  Zeitschrift 
möchte  ich  erwähnen,  dass 
das  Überwintern  einer 
Musajaponica  im  Freien 
nichts  Neues  ist.  Herr  Hof- 
gärtner Rosenberg  über- 
wintert schon  seit  längeren 
Jahren  imKgl.Marlygarten, 
Potsdam,  ein  ganz  ansehn- 
liches Exemplar.  Betref- 
fende Musa  wird  auf  fol- 
gende Weise  gut  durch  den 
Winter  gebracht.  Sobald 
der  erste  starke  Frost  vor- 
über ist,  wird  um  die 
Pflanze  ein  Bretterver- 
schlag angebracht.  Bei 
zunehmender  Kälte  wird 
der  Kasten  mit  einer  dicken 
Laubdecke  versehen ,  die 
jedem  Frost  das  Ein- 
dringen verhindern  mu»s, 
namentlich  muss  unten  auf 
den  Wurzeln  das  Laub 
stark  aufgetragen  werden. 
Franz  Köhler,  Haie  bei 
Liverpool    (England). 


IV1,  6 


Die    Gartenwelt. 


65 


Gärtnerische  Reiseskizzen. 
Etwas  vom  Zschopauthale. 

Von  F.  Pollmer,  Stadtgärtner  in  Grossenhain  i.  S. 

(Hierzu  sieben  Abbildungen.) 

Motto:  Natur  Natur,   wie  ist  die   Spur, 
die  du  lins  zeigst,   so  schön, 

Z,ur  Reisezeit   schnürt   mancher   Naturfreund,    mancher 
Landschaftsgärtner  sein  Bündel,  natürlich  so  eng  wie  möglich, 
um    recht    wenig    Ge- 
päck   mit   sich  zu  tra- 
gen und  wenn  er  sich 
ein  dauerndes  Anden- 
ken    an     seine     Fahrt 
schauen    will,    so    wird 
die     photographische 
Kamera  seine  gute  Be- 
gleiterin      sein.        Die 

Reisezwecke  sind 
meist  verschiedener 
Art ;  der  eine  be- 
sichtigt Städte  mit 
Promenaden-  und  Park- 
anlagen, ein  anderer 
Baum-  und  Rosen- 
schulen, Gewächshaus- 
und    Freilandkulturen, 


Waldheim  im  Zschopauthale. 
Vom  Verfasser  für  die   „Gartenwelt"   photogr.  aufgenommen. 


aufgehen,  wenn  der  Landschaftsgärtner,  zwar  auch  erfreut 
und  durch  die  herrliche  Schöpfung  angeregt,  mit  Kennerblick 
sieht  und  herausfühlt,  dass  sich  an  dem  Bilde  noch  Ver- 
schönerungen anbringen  Hessen,  in  Form  und  Farbe,  in  der 
Linie,  durch  Verteilung  von  Licht  und  Schatten. 

Wenn  wir  nun  auf  unseren  Studienreisen  alles  was 
wir  an  zerstreuten  Zufälligkeiten  finden,  zu  einem  planvollen 
Ganzen  in  uns  zurechtlegen ,  so  werden  wir  durch  Anwen- 
dung unseres  Naturverständnisses  bei  Ausführung  unserer 
landschaftlichen   Anlagen  immer  das   Richtige  treffen. 

Das  ästhetische  Na- 
turverständnis, sowie 
die  unumstössliche  Ge- 
setzmässigkeit dessel- 
ben sind  Lehrmeister 
und  Schiedsrichter  zu- 
gleich, bei  allen  den 
verschiedensten  Anfor- 
derungen die  an  uns 
gestellt  werden  bei 
unsern  Schöpfungen. 
Es  sei  mir  gestattet  auf 
ein  nur  wenig  bekanntes 
fast  verborgenes  para- 
diesisches Stückchen 
Erde  hinzuweisen,  für 
jeden  Gartenkünstler 
und  die  es  werden 
wollen      von      hervor- 


Naturfreunde  und  Na- 
turkenner  endlich   durchstreifen  Thüringen,    den  Harz,    die  ragendem,  hinreissendem,  wissenschaftlichem   Werte.    Dieses 
Rheingegend,     das     Riesen-     und     Isergebirge,    Tirol,     die  Fleckchen  ist  das  untere  Zschopauthal,  welches  seinen  Anfang 
Schweiz  u.  s.  w.  um  so  recht  nach    Herzenslust  in  ,, Natur"  hinter    dem     Städtchen    Waldheim    nimmt    und 


schwelgen  zu  können. 
Das  Königreich 
Sachsen  ist  ebenfalls 
mit  seiner  sächsischen 
Schweiz  ein  allbekann- 
tes und  beliebtes  Rei- 
seziel für  In-  und  Aus- 
länder. Wer  kennt 
nicht    das     herrliche, 

unvergleichliche 
Fleckchen  Erde,  die 
Bastei,  hoch  über  dem 
Elbefluss,  den  Brand, 
das  Prebischthor,  den 
Kuhstall  u.  s.  w.? 
Wahrlich,      es      sind 

Wunderwerke     der 
Schöpfung.    Es  unter- 
liegt     aber      keinem 
Zweifel,  dass  der  ge- 
übte, wirkliche  Land- 
schaftsgärtner,      welcher    seine      Schöpfungen     auf     Motive 
der  Natur  begründet,    die  Naturszenerien  von  einer  anderen 
Seite  betrachtet  und  betrachten  muss,   als    der  gewöhnliche 
Naturfreund.      Letzterer  kann  schon  in  Freude  und  Wonne 


Zschopauthal  und  Dörfchen   Heiligenborn  von  einer  Eisenbahnbrücke  überspannt. 
Vom  Verfasser  für  die  „Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen. 


mit  dem 
Städtchen  Mittweida 
zum  Abschluss  kommt. 
Auf  folgende  Weise 
ist  die  Tour  am  be- 
quemsten zu  machen: 
Vom  Bahnhofe  Wald- 
heim gehen  wir  auf 
einer  ziemlich  steil 
abfallenden  Strasse 
hinab  über  die  Zscho- 
paubrücke  nach  der 
im  Thale  liegenden 
freundlichen  Stadt 
Waldheim,  Abbildung 
obenstehend,  besich- 
tigen das  neuerbaute 
schlossartige  Rathaus 
und  stärken  uns  im 
vortrefflichen  Ratskel- 
ler zu  unserer  nun  be- 
ginnenden, fünfstündi- 
gen Fusstour.  In  südöstlicher  Richtung  wandern  wir,  nachdem 
die  Stadt  hinter  uns  liegt,  auf  bequemen  Wegen  durch  hübsche 
Anlagen,  deren  Haltung  jedoch  manches  zu  wünschen  übrig 
lässt,  nach  dem  Wachtturm,  einem  Bauwerk  und  Aussichtspunkt 


66 


Die    Garten  weit. 


VII,   6 


Das  im  Jahre   1400  erbaute  Schloss   Kriebstein. 
Vom  Verfasser  für  die   „Gartenwelt"  photogr.   aufgenommen. 


zienrat  Niethammer  vorüber.  Prächtige  Villen  mit  sehönen  Garten- 
anlagen schmücken  das  enge  Thal,  die  hohen  Schornsteine  und  Fabrik- 
gebäude, die  man  ja  in  idealer  Beziehung  entbehren  könnte,  wirken 
aber  nicht  gerade  unschön.  Rings  um  uns  hohe  bewaldete  Berge; 
links  erblicken  wir  über  den  Baumwipfeln  die  Türme  des  Schlosses 
Ehrenberg,  rechts  vor  uns  hoch  oben  auf  einem  schroffen  Felsen  thront 
das  von  Dietrich  von  Beerwalde  um  das  Jahr  1400  erbaute  Schloss 
Kriebstein,   Abbildung  nebenstehend. 

Bevor  wir  den  Berg  hinaufmarschieren,  um  den  Gasthof 
zu  Kriebstein  zu  erreichen,  gehen  wir  noch  einmal  auf  das  rechte 
Ufer  durch  die  überbaute  alte  Holzbrücke,  um  den  rauschenden 
Wasserfall,  Abbildung  untenstehend,  sowie  das  Schloss  von  der 
südöstlichen  Seite  zu  besichtigen.  Nachdem  dies  geschehen,  steigen 
wir  den  Schlossberg  hinauf,  um  uns  in  dem  freundlich  gelegenen 
Gasthofe  zu  Kriebstein  zu  erholen.  In  dem  hinter  dem  Gasthofe 
gelegenen  Konzertgarten  erblicken  wir  aus  der  Vogelperspektive  tief 
unter  unsern  Füssen  den  im  Schatten  der  Bäume,  von  den  be- 
waldeten Bergen  eng  zusammengedrückten,  rauschenden  Zschopau- 
fluss,  ein  landschaftliches  Bild  von  unvergleichlicher  Schönheit, 
Abbildung  Seite  67.  Leider  ist  der  Kriebsteiner  Wald  dem  Publikum 
nicht  mehr  zugänglich,  sondern  zu  begehen  verboten;  rüpelhafte 
Buben,  welche  allerlei  Unfug  getrieben  haben,  tragen  die  Schuld 
daran,  dass  der  harmlose  fröhliche  Forscher  mit  dem  Schuldigen 
leiden  muss.  Darum  ist  ein  halbstündiger,  aber  sehr  interessanter 
Umweg  .durch  die  Fluren  bis  zum  Dorfe  Höfgen  unvermeidlich, 
jedes  Kind  bringt  uns  wieder  von  dort  auf  den  rechten  Weg  hin- 
unter an  die  Zschopau. 


zur  Erinnerung  an  1870/71.  Will  man  aber 
eine  vollkommene  Aussicht  gemessen,  so  ist 
man  gezwungen,  den  Turm  zu  besteigen,  da 
fast  alle  Aussichten  von  der  Ballustrade  aus 
verwachsen  sind.  Der  Wärter  erklärte  mir  auf 
meine  tadelnde  Bemerkung ,  man  Hesse  die 
Bäume  deshalb  nach  Belieben  sich  ausbreiten, 
damit  Schatten  hergestellt  werde.  —  Da  wir 
nun  von  hier  aus  wenig  sehen,  so  steigen  wir 
noch  etwa  30 — 40  Meter  höher,  nach  dem 
Restaurant  „Goldene  Höhe".  Wahrhaftig  eine 
goldene  Höhe,  welcher  wonnevolle  Blick  in 
westlicher  Richtung!  Tief  unter  uns  zieht  sich 
der  Silberfaden  der  rauschenden  Zschopau  dahin. 
Wir  sehen  das  freundliche  Dörfchen  Heiligen- 
born, wo  eine  eiserne  Eisenbahnbrücke  nicht  nur 
das  Dörfchen,  sondern  wie  die  Abbildung  Seite 
65  zeigt,  auch  ein  ziemlich  breites  Thal 
überspannt.  Im  Hintergrunde  zeigt  sich  der 
Viadukt  der  Chemnitz  -  Riesaer  Eisenbahn, 
Leider  wirkte  das  ziemlich  in  Nebel  gehüllte 
Thal  bei  der  Fassung  der  Aufnahme  sehr 
ungünstig,  so  dass  das  Bild  undeutlich  wurde. 

Wir  verabschieden  uns  von  der  Goldenen  Höhe  ungern, 
daher  sagen  wir  auf  Wiedersehen,  steigen  hinab  auf  die 
musterhafte  Strasse  und  wandeln  auf  dem  rechten  Zschopau- 
ufer  dicht  am  Flusse  entlang  nach  Kriebethal.  Hier  gehen 
wir  über  die  Brücke  und  gelangen  auf  das  linke  Zschopau- 
ufer,  an  den  berühmten  Papierfabriken  des  Herrn  Kommer- 


"Wasserfall  bei  Kriebstein. 
Vom  Verfasser  für  die  ,, Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen. 

Der  Zschopaufluss  hat  einen  ganz  besonderen  Reiz; 
wer  seinen  Lauf  unterhalb  Höfgen  zum  erstenmal  erblickt, 
nachdem  man  eine  Waldpartie  von  etwa  1 5  Minuten  Weg 
zurückgelegt  hat  und  plötzlich  vor  dem  rauschenden  Flusse 
steht,  der  ist  von  dem  Eindruck  überrascht.  Bald  ist  er 
von   bewaldeten    Bergen    eng    zusammengepresst,    bald    er- 


VII,  6 


Die  Garten  weit. 


67 


weitert  er  sich  seeartig  und  dreht  sich  in 
malerischen  Kurven  zwischen  kleinen  Inseln  hin- 
durch, wie  es  die  untenstehenden  Abbildungen 
veranschaulichen.  Die  Frische  der  Vegetation 
an  den  malerischen  Ufern,  die  herrliche  Wald- 
luft,  sowie  die  reizenden  landschaftlichen 
Bilder,  welche  in  unserem  Gesichtskreise  liegen, 
die  bald  deutlich  wahrnehmbar,  bald  halb  ver- 
deckt sich  uns  darstellen,  lassen  uns  auf  dem 
nicht  immer  besten  Wege  nicht  ermüden. 
Auf  Schritt  und  Tritt  ein  neues  fröhliches  Bild. 
In  der  untersten  Abbildung  sehen  wir  den  Fluss 
etwas  vom  Walde  zurücktreten,  eine  Insel  bil- 
dend, am  Ufer  blühende  Wiesen.  Schroffe  zer- 
klüftete Granitfelsen,  wovon  riesige  abgetrennte 
Stücken  bis  in  das  Flussbett  getrieben  sind, 
verursachen  das  Rauschen  des  Wassers.  Mur- 
melnde Bäche,  kleine  plätschernde  Wasser- 
fälle  stürzen  aus   dem   tiefen   Dunkel   der  Berg- 


Zschopaufluss  unterhalb  Höfgen,  seeartig  erweitert. 
Vom  Verfasser  für  die  „Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen. 

wälder     herab,     lehrreiche     Motive     für    jeden 
Landschaftsgärtner  abgebend. 

In  dieser  beschriebenen  Art  zieht  sich 
das  untere  Zschopauthal  fort  bis  oberhalb  der 
Lauenheimer  Mühle,  gleichzeitig  ein  gutes 
Restaurant.  Hier  kann  man  sich  übersetzen 
lassen,  um  auf  einem  interessanten  Waldwege,  an 
der  Ruine  eines  Raübritterschlosses  vorüber, 
nach  Ringethal  zu  gelangen.  Dort  stehen  an 
der  Kirche  noch  die  alten  Linden  auf  dem 
amphietheaterartig  angelegten  Kirchplatze  wo 
im  Februar  1524  Dr.  Martin  Luther  das 
Evangelium  gepredigt  hat.  Wie  anfangs  erwähnt, 
ist  die  Tour  in  gut  fünf  Stunden  zurückgelegt, 
mit  geistiger  Zufriedenheit  wird  man  in  Mitt- 
weida  einkehren.  Es  ist  aber  dringend  zu  raten, 
sich  nicht  zu  übereilen,  sonst  geht  der  wahre 
Wert,  welchen  eine  solche  Tour  haben  soll, 
zweifellos    verloren.      Die     friedliche    Ruhe    der 


Zschopaufluss  von   einer  Höhe  bei  Kriebstein  aus  gesehen. 
Vom  Verfasser  für  die  ,, Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen. 

erhabenen  Schöpfungsfrische  ruft  uns  auf  Schritt 
und   Tritt   zu: 

Stehe  still  mein  Freund,  ruhe  aus  mein 
Wandrer  und  höre  mit  aufmerksamer  Begeiste- 
rung die  Stimme,  die  zu  Dir  redet:  Gross  sind 
die  Werke  des  Herrn,  wer  ihrer  achtet,  hat 
eitel   Lust  daran. 


Mannigfaltiges. 


Naturdenkmäler-  Den  Bestrebungen  zur  Er- 
haltung der  Naturdenkmäler  wird  in  neuerer  Zeit 
staatlicherseits     besondere     Aufmerksamkeit    gewid- 


Zschopaufluss,  sich  in  malerischen  Kurven  zwischen  kleinen  Inseln  hindttrchwindend, 
Vom  Verfasser  für  die  „Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen. 


68 


Die    Garten  weit. 


VII,   6 


met.  Die  Bezeichnung  „Naturdenkmäler"  hat  sich  jetzt  ja 
allgemein  für  solche  Erscheinungen  der  ursprünglichen 
Natur  eingebürgert,  wie  Landschaften,  Bodengestaltungen, 
Pflanzen  und  Tiere,  die  in  wissenschaftlicher  oder  ästhe- 
tischer Hinsicht  bemerkenswert  sind.  Die  Herstellung  forstbotani- 
scher Merkbücher,  nach  dem  Vorgange  Westpreussens,  ist  in 
nahezu  allen  Provinzen  gesichert  und  auch  in  anderen  Bundes- 
staaten bereits  in  Angriff  genommen.  Von  Fachgelehrten  sind 
Gutachten  über  Massnahmen  zum  Schutz  von  Naturdenkmälern 
einzelner  Gebiete  eingefordert  und  seit  längerer  Zeit  wird,  wie 
die  Tagespresse  meldete,  auf  Veranlassung  des  preussi- 
schen  Kultusministeriums  eine  umfassende  Denkschrift  mit  Ab- 
bildungen, Plänen  und  Karten  ausgeführt,  welche  nicht  nur  die 
Bedeutung  der  Naturdenkmäler  und  deren  Gefährdung  durch  die 
verschiedenen  Zweige  der  Kultur  an  Beispielen  erläutern,  sondern 
auch  die  in  Preussen  und  anderen  Ländern  zum  Schutze  der- 
selben bereits  vorhandenen  und  weiter  erforderlichen  Mass- 
nahmen erörtern  soll.  Nach  Vollendung  des  Werkes,  welches 
in  einiger  Zeit  zu  erwarten  steht,  werden  weitere  Schritte  zur 
Förderung   der   Angelegenheit    erwogen   werden    können. 

Inzwischen  hat  die  preussische  Staatsforstverwaltung  in  einem 
besonderen  Falle  die  Mittel  bewilligt,  um  durch  Ankauf  eines 
dem  Königlichen  Forste  in  Neulinum  (Westpreussen)  benachbarten 
Geländes  einen  urwüchsigen  Bestand  der  nordischen  Zwergbirke, 
ein  hervorragendes  Denkmal  der  Natur,  zu  schützen.  Ist  es 
erfreulich,  dass  die  Staatsregierung,  wie  aus  dem  Mitgeteilten 
hervorgeht,  bemüht  ist,  den  Bestrebungen  zum  Schutze  der 
heimischen  Natur  fördernd  die  Wege  zu  ebenen,  so  steht  nicht 
minder  zu  hoffen,  dass  dieselben  auch  bei  Komniunalverbänden 
und  Privaten  dasjenige  Verständnis  finden  werden,  als  erforder- 
lich ist,  um  auf  diesem  wichtigen  Kulturgebiete  erfreuliche  Er- 
gebnisse   zu    erzielen.  A.  W. 

Ein  neues  Regenzeichen.  Ein  ziemlich  sicheres  Zeichen 
für  Regenfall  ist  das  Auftreten  der  sogenannten  Wogenwolken, 
d.  h.  weisser,  paralleler  Wolkenstreifen.  Fliessen  nämlich  ver- 
schiedene warme  und  verschiedene  feuchte  Luftströme  über- 
einander weg,  so  bilden  sich  Luftwellen,  die  beiden  Luftschich- 
ten vermischen  sich,  und  zwar  besonders  an  denjenigen  Stellen, 
wo  die  Wellenberge  des  wärmeren  (also  leichteren)  Luftstromes 
in  den  kälteren  eindringen.  Dabei  tritt  natürlich  Abkühlung 
und  Verdichtung  des  Wasserdampfes  ein  und  aus  diesem  Grunde 
werden  diese  Stellen,  ähnlich  wie  der  Schaum  bei  den  Meeres- 
wogen, als  parallele  Wolkenstreifen  sichtbar,  die  man  Wogen- 
wolken nennt.  Diese  Wogenwolken  hat  Dr.  E.  Kassner  in 
Berlin  zum  Gegenstande  seiner  Untersuchungen  gemacht,  deren 
Ergebnisse  er  in  einem  der  letzten  Hefte  der  von  Prof.  R.  Ass- 
mann herausgegebenen  meteorologischen  Monatsschrift  „Das 
Wetter"  mitteilt.  Aus  seinen  Untersuchungen  hat  Dr.  Kassner 
u.  a.  gefunden,  dass  auf  eine  Beobachtung  von  Wogenwolken 
in  den  folgenden  24 — 48  Stunden  stets  Regen  folgt.  Die  Wahr- 
scheinlichkeit, mit  welcher  der  Niederschlag  nach  dem  Auftreten 
von  Wogenwolken  folgt,  ist  überraschend  gross;  sie  beträgt 
nämlich  für  die  nächsten  24  Stunden  65  <y0,  jm  Frühjahr  sogar 
70  0/0  und  steigt  für  die  nächsten  48  Stunden  auf  74  und  7S  0/0 ; 
demnach  ist  in  der  Beobachtung  von  Wogcnwolken  für  jeder- 
mann ein  fast  untrügliches  Anzeichen  für  den  Eintritt  schlechten 
Wetters   gegeben.  A.  W. 

Fragen  und  Antworten. 

Beantwortung  der  Frage  No.  215.  Welcher  künstliche 
Dünger  eignet  sich  für  Gemüse-  und  Baumschulartikel  in  leichtem 
Sandboden  mit  etwas  Lehmgehalt? 

—  Auf  sandigem  Lehmboden  verwendet  man  zum  Anbau 
von  Gemüse  von  künstlichen  Düngemitteln  am  besten  Kali  in 
Gestalt  von  Kainit  (enthält  ca.  12%  Kali),  Phosphorsäure  in 
Form  von  Thomasschlacke  (enthält  ca.  14 — iS  °/„)  Phosphor- 
säure und  ev.  etwas  Chilisalpeter  an.  Ich  empfehle  pro  Mor- 
gen  =  V4  ha  5  Zentner  Kainit,  2  Zentner  Thomasschlacke  und 


25  Kilo  Chili-Salpeter.  Bei  Anbau  von  Kohl  kann  man  die 
Kaligabe  mit  Erfolg  auf  8  Zentner  pro  Morgen  erhöhen,  da 
Kohl  diejenige  Pflanze  ist,  die  von  allen  am  meisten  Kali  braucht. 
Bei  Erbsen  und  Bohnen  zum  Reifwerden  reduziere  man  die 
Kaligabe  auf  2  Zentner  pro  Morgen.  Ist  der  Boden  kalkarm, 
so  darf  eine  Düngung  mit  Kalk  nicht  versäumt  werden. ,  Ich 
empfehle  pro  Morgen  15  Zentner  Ätzkalk  oder  30  Zentner 
hochprozentigen  Mergel.  Es  ist  stets  zu  bedenken,  dass  1 
Zentner  Kainit  dem  Boden  1  Zentner  Kalk  entzieht  resp.  den- 
selben bindet,  durch  1  Zentner  Thomasmehl  werden  dem  Boden 
hingegen  0,50  Zentner  Kalk  zugeführt.  —  Oben  gesagtes  be- 
zieht sich  auch  bei  Anpflanzung  von  Baumschulartikeln.  Bei 
Anlage  von  Obstplantagen  vermengt  man  die  aus  den  Löchern 
geworfene  Erde  mit  etwas  Kompost,  ca.  2  Kilo  Kainit,  1  Kilo 
Thomasmehl   und   21/,, — 3    Kilo    Mergel. 

Fr.  Reisel,    Burg    Sittensen. 

—  Von  der  physiologisch  feststehenden  Thatsache  aus- 
gehend, dass  die  Pflanzen  nicht  von  einem  einzelnen  Nährstoffe, 
sondern  von  einer  aus  solchen  zusammengesetzten  Nahrung 
leben,  wird  man  bei  Verwendung  eines  Kunstdüngers,  der  ge- 
wöhnlich einseitig  ist,  d.  h.  nur  einzelne  Nährstoffe  enthält, 
nur  dann  einen  vollen  Erfolg  erzielen,  wenn  der  Boden  die 
übrigen,  nicht  verabfolgten  notwendigen  Nährsalze  im  erforder- 
lichen Masse  enthält,  was  jedoch  bei  einem  leichten,  gewöhnlich 
sehr  armen  Sandboden,  um  den  es  sich  hier  handelt,  nicht  anzu- 
nehmen ist.  Gerade  die  in  der  Praxis  noch  so  vielfach  ver- ' 
breitete,  ganz  falsche  Ansicht,  ein  einzelner  Kunst- 
dünger liefere,  von  den  jetzt  käuflichen,  direkt  gebrauchs- 
fertig zusammengestellten  Pflanzennährsalzen  abgesehen,  der 
Pflanze  alle  erforderlichen  Nährstoffe,  ist  nicht  selten  die  Ur- 
sache für  völlige  Misserfolge  und  abfällige  Urteile  über  Kunst- 
dünger. Durch  die  Bereicherung  des  Bodens,  ganz  ungeachtet 
seines  stofflichen  Gehaltes,  an  einzelnen  Nährsalzen  wird  nur 
das  Gleichgewicht  in  der  Ernährung  der  Pflanzen  völlig  gestört, 
was  unabwendbar  zu  Erkrankungen  der  Pflanzen  und  zu  Miss- 
erfolgen   führen   muss. 

Will  man  wirkliche  Erfolge  erzielen,  so  gebe  man  eine 
Volldüngung,  d.  h.  die  drei  Hauptnährstoffe,  Stickstoff, 
Phosphorsäure  und  Kali  in  dem  für  die  einzelnen  Kul- 
turen erforderlichen  Grade.  In  erster  Linie  kommt  für  den 
leichten  Boden  der  Stallmist  in  Betracht,  der  nicht  allein 
alle  für  die  Pflanzen  erforderlichen  Nährstoffe  enthält,  sondern 
dem  Boden  auch  eine  für  ein  üppiges  Gedeihen  der  Kulturen 
äusserst  günstige  physikalische  Beschaffenheit  verleiht.  Durch 
seinen  reichen  Gehalt  an  organischer  Substanz  wird  die  Feuch- 
tigkeit wie  von  einem  Schwämme  aufgesogen  und  festgehalten, 
mit  andern  Worten,  das  Erdreich  hält  sich  länger  feucht,  ein  für 
Kulturen  in  lockeren  Böden  nicht  zu  unterschätzender  Faktor. 
Durch  die  bei  seiner  Zersetzung  entstehende  Wärme  wird  die 
Bodentemperatur  erhöht,  wie  auch  die  bei  seiner  Auflösung 
sich  bildende  Kohlensäure  auf  die  Mineralien  des  Bodens  lösend 
wirkt  und  dieselben  damit  für  die  Pflanzenernährung  nutzbar 
macht.  Für  den  leichten  Boden  würde  sich  der  schwerer  zersetz- 
liche  Kuhdung  am  besten  eignen,  in  welchem  er  2 — 3  Jahre 
gleichmässig  wirkt.  Die  unterzubringenden  Mengen  werden  sich 
natürlich  ganz  nach  den  Ansprüchen  der  einzelnen  Kulturpflanzen 
richten  müssen,  die  in  ihren  Anforderungen  bekanntlich  äusserst 
verschieden    sind. 

Da  nun  aber  der  Stallmist  erfahrungsgemäss  reicher  an  Stick- 
stoff als  an  Phosphorsäure  und  Kali  ist,  die  drei  genannten 
Hauptnährstoffe  aber  von  den  Kulturpflanzen  in  etwa  gleich 
grossen  Mengen  verlangt  werden,  wird  man  rationell  zur  Er- 
gänzung die  Kunstdünger  verwenden.  Am  zweckmässigsten  und 
billigsten  wird  man  die  fehlende  Phosphorsäure  durch  Tho- 
masphosphatmehl, das  Kali  durch  Kainit  ergänzen. 
Diese  beiden  nur  langsam  sich  lösenden  Salze  werden  am  besten 
bereits  im  Herbst  gleichmässig  ausgestreut,  jährlich  pro  qm  je 
50 — 60  g  und  flach  untergraben.  Ebenso  unentbehrlich  ist  jedoch 
Kalk  im  Boden,  da  derselbe  nicht  nur  ein  unbedingt  not- 
wendiges  Nährsalz   ist,   sondern   auch   den   Boden   ganz  wesent- 


VII,  6 


Die    Gartenwelt. 


6» 


lieh  physikalisch  verbessert,  besonders  auf  die  Mineralien  lösend 
wirkt  und  sie  der  Pflanze  nutzbar  macht.  Dessenungeachtet, 
dass  schon  mit  dem  Thomasphosphatmehi  ein  gewisser  Teil 
Kalk  dem  kalkarmen  Sandboden  einverleibt  wird,  sollten  alle  drei 
Jahre  etwa  ioo — 150  g.  frisch  abgelöschter  Kalk  pro  qm  ausge- 
streut und  leicht  untergegraben  werden.  Doch  sei  darauf  hinge- 
wiesen, dass  bei  einer  Düngung  mit  Stallmist  derselbe  nicht  mit 
Thomasphosphatmehl  oder  Kalk  überstreut  werden  darf,  da  der 
Kalk  sofort  den  im  Mist  enthaltenen  wertvollen  Stickstoff  frei 
macht,  der  dann  als  flüchtiges  Ammoniak  nutzlos  in  die  Luft 
entweicht.  Der  Stalldung  ist  vielmehr  getrennt  von  diesen 
Salzen  unterzubringen,  indem  man  die  zuerst  ausgestreuten  Salze 
leicht  einhackt  und  dann  den  Mist  verteilt,  um  schliesslich  alles 
unterzugraben.  Auch  mit  tonigem  Mergel  lässt  sich  leichter 
Sandboden  vorteilhaft  behandeln,  indem  er  dadurch  nicht  nur 
an  Kalk  bereichert  wird,  sondern  damit  gleichzeitig  seine  wasser- 
haltende Kraft  wesentlich  gesteigert  werden  kann.  Sollte 
diese  oder  jene  Kultur  trotz  der  Stallmistdüngung  eine 
schwache  Entwicklung  zeigen,  so  kann  man  dieselbe  noch 
durch  eine  Kopfdüngung  mit  Chilisalpeter  fördern,  von 
dem  man  10 — 20  g  pro  qm  giebt.  Da  der  letztere  aber 
sehr  leicht  löslich  ist  und  vom  Boden  nicht  festgehalten  wird, 
gräbt  man  ihn  nicht  unter,  sondern  hackt  ihn  höchstens  leicht 
ein,  auch  sollte  er  erst  während  der  vollen  Vegetation  verab- 
reicht werden,  wenn  er  nicht  durch  das  in  die  Tiefe  sickernde 
Wasser  an  den  ruhenden  Wurzeln  nutzlos  vorübergeführt  werden 
soll.  Grosse  Vorsicht  ist  in  Baumschulkultur  mit  Chilisalpeter 
geboten,  da  er  sehr  mastige,  aber  wenig  widerstandsfähige  Triebe 
erzeugt,  die  leicht  von  Frost  leiden. 

Wilh.  Geucke,   Gartenbaulehrer  in  Reutlingen. 

Beantwortung  der  Frage  No.  216.      Wie  sind  Engerlinge  zu 

vertilgen  ? 

Um  Engerlinge  mit  Erfolg  zu  bekämpfen,  giebt  es  nur 
ein  sicheres  Mittel.  Man  geht  zur  Flugzeit  der  Maikäfer  Mor- 
gens frühzeitig  in  den  Garten,  schüttelt  die  Bäume  tüchtig  und 
sammelt  die  heruntergefallenen  Maikäfer.  Man  verbrennt  diese 
oder  giebt  sie  den  Hühnern.  Engerlinge  sind  Larven  des  Mai- 
käfers und  durch  Ausrottung  der  Maikäfer  vereitelt  man  deren 
Entstehung. 

Man  soll  auch  den  Maulwürfen  nicht  allzu- 
sehr nachstellen,  denn  diese  sind  die  eifrig- 
sten   Vertilger   der   Engerlinge. 

Wo  viel  Engerlinge  sind,  sind  auch  viel  Maulwürfe.  In 
hiesiger  Gegend,  wo  man  wenig  Maikäfer  sieht,  schreibt  man 
dem  Kunstdünger,  der  hier  in  Massen  gebraucht  wird,  die 
Wirkung  zu,  die  Engerlinge  zu  töten,  vornehmlich  dem  Chili- 
salpeter. Fr.  Reisel,    Burg  Sittensen. 

Beantwortung  der  Frage  No.  217.  Auf  welche  Weise  ver- 
mehrt  man  am  vorteilhaftesten   Picea  pungens  argentea? 

Die  durch  Samen  gezogenen  haben  zu  wenig  Farbe.  Wenn 
durch  Veredelung  zu  vermehren,  bitte  ich  anzugeben,  auf  welche 
Weise,  bei  wieviel  Wärme  und  zu  welcher  Jahreszeit  dies  zu 
geschehen   hat. 

Picea  pungens  argentea  wird  am  besten  durch  Veredlung  auf 
Picea   excelsa  (Fichte,   Rottanne)   oder  auf  Picea  alba,   vermehrt. 

Als  Unterlagen  wählt  man  2 — 3jährige  Sämlinge,  welche  in 
Töpfen  gut  eingewurzelt  sein  müssen;  sie  werden  für  die  im 
Spätsommer  vorzunehmende  Veredlung  im  Frühjahre  umge- 
topft. 

Kopftriebe  mit  quirlförmiger  Zweigstellung  liefern  die  schön- 
sten Pflanzen,  jedoch  erhält  man  auch  von  gut  entwickelten 
Seitentrieben  noch  schöne  Pflanzen,  nur  sollte  man  es  unter- 
lassen, von  jungen,  noch  nicht  völlig  charakterisierten  Exem- 
plaren Edelreiser  zu  entnehmen,  weil  aus  solchen  Trieben  nie- 
mals normale  Pflanzen  erzogen  werden  können.  Leider  wird 
in  dieser  Beziehung  besonders  bei  der  Vermehrung  von  Neu- 
heiten  sehr  viel  gesündigt. 

Die  beste  Zeit  zum  Veredeln  ist  nach  Eintritt  der  richtigen 
Holzreife,    also   im   Spätsommer,   im    Herbst   und  im  Januar  bis 


Februar  vor  Beginn  der  Vegetation  und  ist  für  Picea  das. 
seitliche  Einspitzen  die  beste  Veredlungsmethode.  Es 
wird  hierbei  das  Edelreis  wie  zum  Spaltpfropfen  zugeschnitten 
und  in  einen,  am  besten  auf  den  Wurzelhals  ausgeführten,  ent- 
sprechenden Längsschnitt  so  eingeschoben,  dass  sich  die  R111- 
denteile  möglichst  decken.  Das  Verbinden  geschieht  mit  Woll- 
oder Baumwollfäden  in  weitläufigen  Windungen,  wobei  darauf 
zu  achten  ist,  dass  der  untere  Teil  des  Reises  freibleibt,  weil 
sich  dort  leicht  Kallus  bildet,  welcher  das  sichere  Anwachsen  des 
Edelreises  nicht  fördert.  Verstrichen  wird  nicht,  da  ja  die  Ver- 
edlungen geschlossen  gehalten  werden.  Um  das  Edelreis  vor  dem 
Abknicken  oder  Verschieben  zu  schützen,  heftet  man  es  am 
oberen  Teile  leicht  an  den  Wildling  an.  Die  Veredlungen  werden 
in  geschlossene  Kästen  oder  unter  Glasglocken  gestellt,  oder 
auch  mit  den  Edelreisern  nach  oben  umgelegt;  durch  Spritzen 
ist  für  gleichmässige  Luftfeuchtigkeit  zu  sorgen  und  bei  Sonnen- 
schein zu  schattieren,  die  Töpfe  werden  gleichmässig  feucht  ge- 
halten; Wassertropfen,  welche  sich  an  den  Fenstern  oder  Glas- 
glocken bilden,  werden  thunlichst  abgewischt,  um  übermässige 
Feuchtigkeit    abzuhalten. 

Bei  Herbstvermehrung  ist  künstliche  Wärme  nicht  erfor- 
derlich, aber  auch  bei  der  Veredlung  im  Januar-Februar  gebe 
man    nur   massige   Wärme. 

Nach  erfolgter  Verheilung  werden  die  Verbände  gelockert, 
die  Pflanzen  durch  allmähliges  Lüften  abgehärtet  und  sobald 
es  die  Witterung  erlaubt,  auf  gut  hergerichtete  Beete  aus- 
gepflanzt. 

Die  Unterlagen  werden  hierbei  nur  etwas  gekürzt  und  dies 
im  Laufe  des  Sommers  wiederholt,  worauf  dann  bei  guter  Ent- 
wickelung  des  Edeltriebes  im  folgenden  Jahre  die  Wildtriebe 
über  der  Veredlung  mit  einem  glatten  Schnitt  ganz  entfernt 
werden.  Eipper,  Obergärtner,    Schloss   Marbach 

—  Als  Unterlage  zur  Veredlung  von  Picea  pungens  argentea 
eignet  sich  naturgemäss  vor  allem  die  Stammform,  sowie  die 
näheren  Verwandten,  wie  Picea  alba.  Die  Unterlagen  müssen 
entsprechend  stark  und  in  Töpfen  gut  durchgewurzelt  sein. 
Von  Januar  an  bringt  man  sie  in  ein  temperiertes  Haus,  wo  sie 
bald  zu  treiben  beginnen.  Dann  ist  der  richtige  Zeitpunkt 
zum  Veredeln  gekommen.  Die  Unterlagen  werden  ab- 
geschnitten und  die  Edelreiser  entweder  in  die  Rinde 
oder  in  den  Spalt  veredelt.  Hierzu  entnimmt  man  von  Pflan- 
zen im  Freien  sogenannte  Quirltriebe  d.  h.  solche,  die  neben  dem 
Mittelauge  mehrere  Seitenaugen  haben,  streift  die  unteren 
Nadeln  ab  und  schneidet  das  Reis  entsprechend  zu.  Von  der 
Verdickung  an  der  Basis  muss  möglichst  viel  am  Reis  belassen 
werden.  Auch  muss  das  Messer  öfter  von  dem  anhaftenden 
Harze  gereinigt  werden,  damit  es  seine  Schärfe  behält.  Nach- 
dem die  Veredlungen  mit  einem  Baumwollfaden  verbunden  sind, 
stellt  man  sie  in  ein  Warm-  oder  Vermehrungshaus,  wo  sie 
gleichmässig  feucht  gehalten  werden.  Baumwachs  ist  nicht  nötig. 
Sobald  die  Edelaugen  durchtreiben,  wird  der  Verband  entfernt. 
Nach  einigen  Tagen  bringt  man  die  Veredlungen  wieder  ins  tem- 
perierte Haus  oder  noch  besser  auf  einen  abgetriebenen  Kasten, 
wo  sie  allmählig  abgehärtet  werden.  Man  kann  auch  im 
Sommer  im  Mistbeet  veredeln.  Das  Veredeln  selbst  kann  auf 
mannigfaltige  Art  geschehen  und  ich  rate  dem  Fragesteller, 
Gelegenheit    zu    suchen,    sich    selbiges    zeigen    zu    lassen. 

Fr.  Cremer,  Schlossgärtner,    Schloss    Hugenpoet. 

Beantwortung  der  Frage  No.  218.  In  einem  Doppelkasten 
sind  Aspidistra  teils  ausgepflanzt,  teils  stehen  dieselben  in  Töpfen. 
Sie  treiben  ganz  schön,  haben  aber  anstatt  des  saftigen  Dun- 
kelgrüns eine  mehr  gelblichgrüne  Farbe  angenommen.  Was 
trägt  die  Schuld  daran?  Wie  kann  man  auf  die  Grünfärbung 
einwirken  ? 

Soviel  aus  der  gestellten  Frage  ersichtlich  ist,  dürfte  der 
Grund  der  Gelbblätterigkeitbei  Aspidistra  in  der  mangel- 
haften Ernährung  der  Pflanzen  zu  suchen  sein;  ich  möchte  daher 
dem  Herrn  Fragesteller  raten,  seinen  Aspidistra  wöchentlich 
zweimal  einen  Dungguss  zu  geben.     Dieser  kann  entweder  aus 


70 


Die  Gartenwelt. 


VII,  6 


Abortdünger,    aufgelöstem    Kuhdünger    oder    auch    aus     Horn- 
späne-Wasser  bestehen,  doch  ist  bei  letzterem  Vorsicht  zu  beo- 
bachten,   damit    die    Lösung    nicht    zu    stark    genommen    wird. 
Eipper,     Obergärtner,    Schloss    Marbach. 

—  Da  Äspidistra  harte,  viel  Feuchtigkeit  liebende  Pflanzen 
sind;  passiert  es  leicht,  dass  nach  dem  Auspflanzen  resp.  Um- 
pflanzen zu  viel  gegossen  wird,  wodurch  die  Erde  versauert. 
In  diesem  Falle  erreichen  die  neuen  Blätter  die  normale  Grösse, 
zeigen  aber  eine  krankhafte  gelbe  Farbe.  Die  Wurzeln  sind 
dann  meist  angefault.  Es  ist  dann  das  einzige  Mittel,  die 
Erde  zu  erneuern  und  die  Äspidistra  frisch  einzupflanzen.  Die 
erste  Zeit  soll  man  mehr  durch  Spritzen  eine  gesunde  Wurzel- 
bildung anregen.  Gelbe  Blätter  können  jedoch  auch  durch 
starken  Temperaturwechsel  entstehen,  wenn  der  Kasten  des 
Nachts  zu  stark  abkühlt  und  am  Tage  bei  Sonnenschein  zu  heiss 
wird.  Als  harmloses,- auf  -die  Blattfärbung  günstig  einwirkendes 
Mittel   empfehle   ich   das   Giessen   mit   Russwasser. 

Friedrich  Cremer,     Schlossgärtner,    Schloss    Hugenpoet. 

—  Wenn  die  Äspidistra  im  übrigen  eine  kräftige  Ent- 
wicklung zeigen,  dürfte  die  unschöne  gelbgrüne  Farbe  der 
Blätter  auf  eine  zu  starke  Einwirkung  der  Sonnenstrahlen  zu- 
rückzuführen sein.  Zu  den  wenigen  Ansprüchen,  welche  die 
Äspidistra  bei  ihrer  Kultur  stellt,  gehört  eine  gute  Beschattung, 
während  ihre  Blätter  direkt  von  der  Sonne  getroffen,  sehr 
bald  die  mattgrüne,  ins  Gelbe  spielende  Färbung  annehmen. 

Lässt  dagegen  die  ganze  Entwicklung  der  Pflanzen  zu  wün- 
schen übrig,  so  kann  die  Verfärbung  auch  auf  einer  Versauerung 
des  Kulturbodens  und  der  dadurch  bedingten  Wurzelfäule  oder 
auch  auf  Nahrungsmangel  beruhen.  Im  ersteren  Falle  wäre  dann 
sofortiges  Verpflanzen  in  guten  Boden,  eine  Anregung  der 
Wurzelthätigkeit  durch  warmen  Fuss  und  sehr  vorsichtiges 
Giessen  erforderlich;  im  letzteren  Falle  würden  dagegen-  einige 
Güsse  mit  verdünnter  Kuhjauche  genügen,  um  kräftige  Pflanzen 
mit   schön  dunkelgrünen   Blättern   zu  erzielen. 

Wilh.  Geucke,  Gartenbaulehrer   in   Reutlingen. 

Beantwortung  der  Frage  No.  219.  Mi  beabsichtige,  ca.  2000 
Stück  20 — 25  jährige  Linden,  Kastanien,  Eichen  und  Ahorn  zu  ver- 
pflanzen. Bisher  habe  ich  mich  mit  grossen  Schwierigkeiten,  aber 
doch  guten  Erfolgen  ohne  Pflanzwagen  beholfen,  möchte  mich 
aber  nunmehr  eines  solchen  bedienen.  Ich  bitte  deshalb,  mir 
an  dieser  Stelle  mitzuteilen,  wo  derartige  Verpflanzwagen  in 
Gebrauch  sind  oder  welches  System  sich  bei  diesem  oder  jenem 
Fachmanne  in  der  Praxis  bewahrt  hat  und  wie  hoch  sich  die  An- 
schaffungskosten für  einen  solchen  Verpflanzwagen,  mit  dem 
man  100—150  Zentner  schwere  Ballen  bewältigen  kann,  stellen. 
Mir  kommt  es  vor  allem  auf  eine  praktische  Hebevorrichtung  an. 

Den  Herrn  Fragesteller  mache  ich  in  erster  Linie  auf  die 
Firma  L.  Scheib,  Kaiserslautern,  Fabrik  für  Baumverpflanz- 
maschinen  und  Kübeltransportwagen  aufmerksam.  Diese  Fabrik 
liefert  eine  Maschine  mit  4  Rädern,  zweispännig  mit  Kutscher- 
bock, ferner  einer  Umlegevorrichtung  zum  Umlegen  des  zu 
transportierenden  Baumes  behufs  Passierung  von  niedrighängen- 
den  Telephon-  und  Telegraphendrähten,  niedrigen  Thorbögen, 
Portalen,  niederen  Baumalleen  etc.  und  einem  Erdballen  von 
135 — 145  cm.  Die  Hebevorrichtung  ist  am  Wagen  angebrai  ht. 
Der  Preis  dieser  Verpflanzmaschine  beträgt  M.  1400. — .  Wahr- 
scheinlich werden  von  diesem  Geschäfte  auf  Wunsch  auch  noch 
stärkere  Maschinen  gebaut.  Die  Firma  William  Barron  &  Son, 
Landschaftsgärtnrr.  Baumschulenbesitzer  etc.,  Elvaston  Nurseries, 
Borrowash,  Derby.  England,  welche  viele  Garten-Anlagen  und 
Parks  ausgeführt  hat,  verpflanzt  mit  ihren  vierrädrigen  Ma- 
schinen Bäume  43  engl.  Fuss  (14  m)  hoch,  4S  Fuss  (15,7  m) 
Kronendurchmesser,  50 — 72  Fuss  (16.4—23.6  111)  hoch  und  trans- 
portiert sie  aufrechtstehend  mehrere  engl.  Meilen  weit.  Die 
Hebevorrichtung  ist  auch  hier  am  Wagen  (Maschine)  angebracht. 

Die  Firma  W.  Barron  &  Son  lieferte  Verpflanzmaschinen 
nach  Deutschland  zum  Preise  von 

V.    1940. —  Tragfähigkeit  8  tons  =  8000  kg. 
M.   1660. —  „  6  tons  =  6000  kg. 

M.   14O0. —  ,.  4  tons  =  4000  kg.  etc. 


Verpflanzwagen, zum  Verpflanzen  grosser  Bäume  ohne  Ballen 
sind  jetzt  wohl  bei  jeder  •  städtischen  Gartenverwaltung  vorhan- 
den, aber  Verpflanzmaschinen  zum  Verpflanzen  mit  Ballen  wer- 
den  wohl  nur  wenige  zu  finden  sein. 

Hinderlich,  Kgl.  gepr.  Obergärtner,  Breslau. 

Beantwortung  der  Frage  No.  220.  Wie  haben  sich  Papierfenster 
für  Mistbeetkultur  in  der  Praxis  bewährt  und  ist  es  im  besonderen 
ratsam,  sich  derselben  zum  Bedecken  von  Rosen  und  Crysanthemum 
in  Kästen  im  Frühjahr  oder   Herbst  zu  bedienen  ? 

Das  i.  JV  1901  bezogene  Fensterpapier  aus  Frankfurt  a.  M. 
hat  sich  gut  gehalten  und  seinen  Zweck  vollkommen  erfüllt 
und  kann  ich  dasselbe  bestens  empfehlen. 

H.   Delker,   Handelsgärtner,   Detmold. 

Für  einzelne  Kulturen  lassen  sich  Papierfenster  an  Stelle 
von  Glasfenstem  verwenden,  namentlich  für  Gemüse  und 
Sommerblumenaussaaten.-  Die  einfachste  Herstellung  ist  fol- 
gende :  Fensterrahmen  von  der  Grösse  eines  Mistbeetfensters, 
in  der  Mitte  -|-  förmig  mit  Leisten  versehen,  werden  mit  starkem 
Packpapier  bespannt,  worauf  dann  das  Papier  mit  Oel  gestrichen 
wird.  Wolkenbruchartigem  Regen,  Hagel  und  Sturm  sind  solche 
Fenster   nicht   gewachsen.  M.  H. 

Die  Verwendung  von  Papierfenstern,  wenn  sie  ausschliesslich  zur 
Kultur  von  Pflanzen  dienen  sollen,  ist  nicht  ratsam,  namentlich  dann 
nicht,  wenn  Russ  dieselben  dunkel  gemacht  hat;  dagegen  sind  sie  zum 
Schattieren  der  Saatbeete  bis  zum  Aufgehen  der  Samen  und  zum  Schutz 
gegen  leichte  Fröste  im  Frühling  und  Herbst  recht  von  Nutzen.  Wo 
ein  sicherer  Schutz  gegen  Regen  schnell  geschaffen  werden  soll,  sind 
sie  wegen  ihrer  leichten  Handhabung  auch  gut  zu  gebrauchen.  Sie  er- 
fordern aber  bei  Windstössen  viel  Vorsicht,  da  sie  leicht  fortgeweht 
werden.  Aber  einige  Dutzend  solcher  Fenster  in  einer  Gärtnerei  helfen 
in  vielen  Fällen  aus  .manc.her  Verlegenheit;  so  werden  sie  hauptsächlich 
zum  Bedecken  frisch  eingetopfter  Pflanzen,  wie  Goldlack,  Levkoyen, 
Reseden,  Petunien  etc.,  auf  erhöhte  Latten  gelegt.  Man  lässt  sie  in 
derselben  Grösse  wie  die  Glasfenster  machen  und  gebraucht  sie  überall 
da,  wo  man,  wie  beim  Pikieren,  für  kurze  Zeit  des  Schutzes  gegen 
Luft  und  Sonne  bedarf.  Jacob  Sturm,  Handelsgärtner,   Erfurt. 

Beantwortung  der  Frage  No.  221.  Welcher  Rebenschnitt 
ist  der  beste  für  die  Weintreiberei,  der  Zapfenschnitt,  auch 
„Thomery"-Schnitt  genannt,  oder  der  Wechselschnitt  auf  einer 
Pflanze?  Die  Pflanzweite  der  Stöcke  beträgt  1  m,  das  Alter 
derselben    2  Jahre. 

Im  allgemeinen  wird  in  unseren  grössten  Wrintreibereien 
mit  Recht  der  Schnittmethode  von  Thomery  der  Vorzug  ge- 
geben, trotzdem  wird  aber  das  Urteil,  welche  der  beiden  er- 
wähnten Methoden  die  beste  sei,  je  nach  den  Faktoren,  mit 
denen  man  rechnen  muss,  verschieden  ausfallen.  Rebstüi  kr. 
welche  nach  dem  Zapfenschnitt  von  Thomery  behandelt  sind, 
gereichen  mit  ihrer  schönen,  regelmässigen  Form  nicht  nur 
dem  Treibhaus  zur  besonderen  Zierde,  sondern  liefern  auch 
sehr  grosse  Trauben  von  erstklassiger  Qualität.  Die  nach  Kecht 
geschnittenen  Reben  fallen  dagegen  weniger  durch  regelmässige 
Form  auf,  liefern  aber  gewöhnlich  eine  grössere  Ernte  und 
kommen  auch  etwas  früher  in  Ertrag,  wie  auch  der  Kechtsche 
Schnitt  mit  Vorliebe  in  der  sogenannten  kalten  Treiberei,  d.  h. 
Treiberei  ohne  Heizung  in  Anwendung  ist.  Je  nach  den  Verhält- 
nissen wird  daher  der  eine  diesen  Schnitt,  der  andere  jenen  mit 
gleichem  Recht  als  den  besten  bezeichnen.  Bei  einer  Pflanzweite 
von  I  !m,  um  die  es  sich  in  obigem  Falle  handelt,  sind  aber  ganz 
unstreitig  die  zweijährigen  Reben  als  senkrechte  Cordons  auf- 
zuziehen und  der  Zapfenschnitt  von  Thomery  auf  sie  anzu- 
wenden, weil  die  Anlage,  sofern  sie  dem  Kecht'schen  Wechsel- 
schnitt unterworfen  wird,  zu  dicht  werden  müsste  und  sich  in- 
folgedessen mit  ihren  schwachen,  minderwertigen  Erträgen  11  ii  In 
-rentieren   würde. 

Wilhelm   Geucke,  Gartenbaulehrer  in  Reutlingen. 

Beantwortung  der  Frage  No.  222.  Wodurch  entsteht  bei 
sonst    gesunden   Cyclamen    Knollenfäule? 

Nach  meinen  Beobachtungen  sind  für  die  Knollenfäule  der 
Cyclamen    verschiedene   Kulturfehler   verantwortlich   zu   mächen. 


VII,  6 


Die    Garten  weit. 


71 


Auffallend  stark  zeigt  sich  das  Übel,  sobald  die  Pflanzen  längere 
Zeit  in  gespannter,  sehr  warmer  und  feuchter  Luft  gehalten 
werden,  was  zu  einer  Erweichung  und  völligen  Verweichlichung 
der  Knollen  führt,  die  dann  ebenso  leicht  zur  Fäulnis  neigen 
wie  die  Knollen,  welche  infolge  überreicher  Ernährung  zu  weiche, 
schwammige  Gewebe  besitzen.  Temperaturschwankungen,  de- 
ssen mit  wenig  abgestandenem  kalten  Wasser  verursachen  dann 
leicht  Saftstockungen,  die  ihrerseits  Erkrankung  und  Zersetzung 
derartig  wenig  widerstandsfähiger  Knollen  zur  Folge  haben, 
eine  Erfahrung,  die  auch  darin  ihre  Bestätigung  findet,  dass 
gerade  recht  üppige  Pflanzen  am  häufigsten  von  Knollenfäule 
heimgesucht  werden.  Ebenso  gefährlich  sind  für  die  Cyclamen,' 
wie  überhaupt  für  alle  Pflanzen  Dunggüsse  bald  nach  dem  Ver- 
pflanzen, weil  dasselbe,  auch  mit  grösster  Vorsicht  ausgeführt, 
doch  stets  für-  die  Pflanze  eine  Störung  bedeutet,  in  der  sie 
geschwächt,  stärkere  Stoffzufuhren  oder  auch  reichliche  Wasser- 
gaben nicht  verträgt.  Nicht  selten  veranlassen  aber  auch  lokale 
Verletzungen  der  Knollen,  welche  ihnen  gewöhnlich  bei  nach- 
lässigem Verpflanzen  oder  bei  ungeschickter,  unvorsichtiger 
Lockerung  der  oberen  Bodenschichten  der  Kulturgefässe  mit 
scharfen  Hölzchen  durch  Abbrechen  mehrerer  junger  Wurzeln 
an  der  Knollenbasis  beigebracht  werden,  die  Knollenfäule.  An 
den  so  entstandenen  Wunden  siedeln  sich  die  verschiedensten 
Fäulniserreger  an,  welche,  durch  die  Bodenfeuchtigkeit  und 
Wärme  der  Kulturräume  äusserst  begünstigt,  sehr  bald  Fäul- 
nisherde schaffen,  die  gewöhnlich  in  Kürze  sich  über  die  ganze 
Knolle  unaufhaltsam  ausdehnen  und  ■  sie  schliesslich  vernichten. 
Wilh.  Geucke,   Gartenbaulehrer  in  Reutlingen. 

—  Die  Frage  bezüglich  der  Knollenfäule  bei  unseren  Cy- 
clamen  ist  eine  immer  wiederkehrende,  und  auch  ich  habe  schon 
des  öfteren  dieselbe  zu  beantworten  und  unter  Bekannten  die 
verschiedensten    Meinungen    zu    hören    Gelegenheit    gehabt. 

Unser  Alpenveilchen  ist  bei  sachgemässer  Behandlung  eine 
freudig  wachsende  und  verhältnismässig  leicht  zu  kultivierende 
Pflanze;    dennoch    hat    es    seine    Eigenheiten. 

Die  Knollenfäule  macht  sich  meist  zu  einer  Zeit  geltend, 
wenn  die  Cyclamen  sozusagen  fertig  sind,  wenn  man  sie  als 
fertige,    schöne    Pflanzen   zum   Verkauf   bringen    will. 

Die  Erscheinung  tritt  leider  oft  so  plötzlich  auf,  oder  besser 
gesagt,  die  Pflanzen,  deren  Knollen  „angehen",  verändern  ihr 
Äusseres  so  schnell,  dass  man  auf  irgend  einen  andern  mecha- 
nischen Einfluss  zu  schliessen  geneigt  ist.  Die  Blätter  und 
Knospen  hängen  schlaff  über'  den  Topfrand  oder  werden  doch 
auffallend  gelb;  man  schliesst  meist  auf  Trockenheit  und  giesst 
noch  obendrein,  was  das  Absterben  natürlich  nur  befördert. 
Der  Grund  des  Entstehens  dieser  Krankheit  ist  meist  in  ver- 
schiedenen Ursachen  zu  suchen,  die  in  der  Regel  auf  kleine 
Fehler  in  der  Kultur,  sowie  Behandlung  überhaupt,  zurückzu- 
führen sind.  Zu  tiefes  Pflanzen,  ein  zu  starkes  Düngen,  wieder- 
holtes Giessen  ins  Herz  der  Pflanze  (besonders  wenn  darauf- 
folgend anhaltendes,  trübes  Wetter  eintritt),  häufiges  Austrock- 
nenlassen mit  nachfolgendem  starken  Giessen  —  dieses  sind 
alles  Fehlgriffe,  welche  sich  leicht  in  einer  solchen  Weise  rächen. 

Kalter  Nebel  und  trübe  Tage,  mit  denen  wir  diesen  Sep- 
tember vorlieb  nehmen  mussten,  sind  sehr  geeignet  zur  Erzeu- 
gung der  Knollenfäule.  Man  sei  genügend  vorsichtig  zu  solcher 
Zeit  mit  dem  Giessen,  wähle  die  Mittagszeit,  giesse  nur  wirklich 
trockne  Töpfe  und  giesse  nicht  ins  Herz.  Beim  letzten  Ver- 
pflanzen setze  man  die  Knolle  eher  zu  hoch  als  zu  tief.  Etwas 
höher  Pflanzen  hat  um  diese  Zeit  und  kurz  vor  der  Blütezeit 
eher   Vor-  wie   Nachteile. 

Empfehlen  möchte  ich  noch,  der  Erdmischung  besonders 
beim  letzten  Verpflanzen  genügend  Sand  und  ev.  etwas  Holz- 
kohle   zuzusetzen.  H.   Beuss,  Düsseldorf. 

Beantwortung  der  Frage  223.  Giebt  es  ein  neueres  Werk, 
welches  die  rationelle  Obst-  und  Gemüseverwertung  praktisch 
und   wissenschaftlich   behandelt  ? 

Gute,  empfehlenswerte  Bücher  über  Obst-  und  Gemüse- 
verwertung  sind   folgende : 


„Die  Obstverwertung  unserer  Tage"  von  Öko- 
nomierat R.  Göthe.  2.  vermehrte  und  verbesserte  Auflage  (131 
Abbildungen),  Preis  3,50  M.  Verlag  von  Bechtold  &  Co.,  Wies- 
baden; Das  Dörrbüchlein.  Anleitung  zum  Trocknen  von 
Obst  und  Gemüse,  von  R.  Mertens  —  neu  bearbeitet  von  E.  Junge, 
5.  Aufl.  (16  Abbildungen),  Preis  M.   I.— 

Obsteinkochbüchlein  von  R.  Mertens  —  neu  be- 
arbeitet von  E.  Junge.  5.  Aufl.  (58  Abbildungen),  1,60  M. 
(Im  Verlag  von  Bechtold  &  Co.,  Wiesbaden.) 

H.   Beuss,  Düsseldorf. 

Bevorstehende  Ausstellungen. 

Chrysanthemum-Ausstellung  in  Liegnitz.  Als  im  November  1892 
die  erste  schlesische  Chrysanthemum  -Ausstellung  in  Liegnitz  stattfand, 
hatte  die  Chrysanthemumblume  noch  nicht  siegreichen  Einzug  in  das 
Gebiet  der  Blumenbindekunst  Schlesiens  gehalten,  sondern  man  be- 
trachtete damals  das  Chrysantltemum  unter  dem  Namen  „Totenaster" 
als  das  Aschenputtel  der  Schnittblumen.  Heute  hat  das  Chrysanthemum 
nicht  nur  als  Modeblume,  sondern  bei  den  Blumenfreunden  als  eine 
Lieblingsblume  das  Feld  behauptet.  Die  grossen  Blumenläden  wie  die 
kleinsten  Kranzbindereien  können  jetzt  im  Oktober,  November  und 
Dezember  die  Chrysanthemumblume  nicht  mehr  entbehren.  Bei  der 
Chrysanthemum- Ausstellung  im  Jahre  1892  wurden  in  Liegnitz  die 
englischen  Riesenblumen  wegen  ihrer  Grösse,  Form  und  Farben- 
pracht angestaunt,  heute  sind  die  damaligen  Sorten  fast  sämtlich  durch 
bedeutend  hervorragendere  Züchtungen  überholt  worden.  Neben  deutschen 
Züchtern  sind  es  vor  allem  französische,  welche  ganz  ausserordentlich 
Schönes  und  Neues  in  Chrysanthemen  auf  den  Markt  brachten.  So  ist 
die  Sonnenblume  Japans  in  herrlicher  Schönheit,  wie  manches  andere 
Erzeugnis  dieses  aufblühenden  Landes,  auch  in  Deutschland  heimisch 
geworden.  In  Schlesien  und  besonders  in  Liegnitz  befassen  sich  mehrere 
Gärtnereien  mit  der  Spezialkultur  der  Chrysanthemumblumen.  Zur  Er- 
innerung an  die  erste  schlesische,  so  wohlgelungene  Chrysanthemum- 
Ausstellung  1892  in  Liegnitz  und  um  den  Fortschritt  der  Chrysanthemum- 
kultur daselbst  zu  zeigen,  veranstaltet  die  Stadtgärtnerei  in  Liegnitz  auf 
Veranlassung  der  städtischen  Promenaden-Deputation  vom  29.  November 
bis  2.  Dezember  d.  J.  in  den  Räumen  des  städtischen  Schiesshauses  eine 
Chrysanthemum-Schau.  Obwohl  die  diesjährigen  Chrysanthemumkulturen 
durch  eine  unvermutete,  strenge  September-Frostnacht  vielfach  mehr 
oder  weniger  gelitten  haben,  wird  die  Chrysanthemum-Schau  in  Liegnitz 
trotzdem  einen  farbenprächtigen  Anblick  gewähren.  —  Der  Ertrag  der 
Schau  soll  der  Kasse  des  Liegnitzer  Promenaden- Verschönerungs- Vereins 
zugeführt  werden. 


Tagesgeschichte. 


Aus  den  Vogesen.  Der  Alpengarten  auf  dem  Elsässer  Belchen, 
dessen  Einrichtung  in  das  Jahr  1894  zurückreicht,  gedeiht  vorzüglich. 
Der  Versuch,  Pflanzen  der  Schweizer  Berge  auf  diesem  Gipfel  der 
Vogesen  zu  akklimatisieren ,  ist  vollkommen  gelungen.  Im  Anfang  be- 
gnügte man  sich  damit,  auf  dem  Gipfel  des  Belchen  einige  schon  ent- 
wickelte Pflanzen,  die  man  für  kräftig  genug  hielt,  das  Klima  in  dieser 
Höhe  zu  ertragen,  anzupflanzen.  Leider  zerstörten  die  hier  weidenden 
Herden  häufig  viele  Pflanzen.  Deshalb  richtete  man  ein  Gebiet  von 
4  Ar  als  Garten  ein  und  schloss  es  an  einer  Seite  mit  einem  hohen 
Gitter  aus  sehr  dicht  gesetzten  und  fest  verbundenen  Tannen  und  an 
der  anderen  Seite  mit  einer  Mauer  aus  lockeren  Steinen,  sodass  auch 
Schutz  vor  dem  heftigen  Wind,  der  ständig  auf  der  Höhe  weht,  ge- 
währt war.  Ausserdem  schützen  einige  Bäume  innerhalb  der  Einrich- 
tung  die  Pflanzen   während  des  Sommers  gegen  die  Sonnenglut. 

Berlin.  Die  Landschaftsgärtner  Berlins  und  der  Vororte  nahmen 
am  23.  Oktober  einen  neuen  Lohntarif  an,  welcher  den  gewerbetrei- 
benden Landschaftsgärtnern  Berlins  und  der  Vororte  zur  Annahme 
unterbreitet  wird.  Die  Hauptpunkte  des  Tarifs  sind :  Mindeststunden- 
lohn  50  Pf.  bei  zehnstündiger  täglicher  Arbeitszeit  von  6  Uhr  morgens  bis 
6  Uhr  abends;  bei  Überstunden  und  Sonntagsarbeit  15  Pf.  Zuschlag 
die    Stunde,    Fahrgeldvergütimg    von    dem   Piatze    aus,    von    dem    die 


72 


Die  Gartenwelt. 


VII,  6 


Arbeitsparole  ausgegeben  wird,  Schutzvorrichtungen  gegen  die  WitteruDgs- 
verhältnisse. 

—  Verschiedene  Vorortbehörden  befassen  sich  mit  der  Frage 
der  Anlage  von  Schulgärten.  Die  Vororte  sind  im  allgemeinen 
in  dieser  Beziehung  besser  daran  als  Berlin,  weil  ihnen  geeignete  Plätze 
an  den  Schulgrundstücken  leichter  zur  Verfügung  stehen,  als  der  Stadt. 
Angeregt  worden  ist  die  Schaffung  von  Schulgärten  in  den  Vororten 
durch  die  Lehrervereine.  Die  Gemeindebehörden  zu  Reinickendorf 
haben  zum  Beispiel  beschlossen,  ihre  sämtlichen  Gemeindeschulen  mit 
Schulgärten  zu  versehen. 

—  Für  den  projektierten  Westpark  hat  die  Gemeindeverwaltung 
Wilmersdorf  einen  neuen  Bebauungsplan  ausarbeiten  lassen,  wonach  das 
ganze  Seegelände  als  „Platzland"  festgelegt  wird.  Es  sollen  Ufer- 
strassen angelegt  und  die  ganze  Umgebung  des  Sees  bis  an  die  Schöne- 
berger Grenze  hin  in  einen  Park  umgewandelt  werden.  Zu  gleicher 
Zeit  hat  der  Kaiser  den  neuen  Bebauungsplan  für  das  Westgelände 
Schünebergs  genehmigt,  der  ebenfalls  einen  grossen  Park  enthält. 

—  Der  unlängst  enthüllte  Rolandsbrunnen  wird  eine  gärt- 
nerische Umrahmung  von  2  m  Breite  erhalten.  Vielleicht  gewinnt  da- 
durch das  Denkmal  an  Reiz.  Zur  Zeit  macht  es  einen  höchst  mono- 
tonen Eindruck. 

—  Der  Umtausch  von  Versicherungsmarken  gegen  Marken  anderer 
Lohnklassen  war  bisher  nicht  zugelassen.  Da  jedoch  Fälle  eintreten 
können,  in  denen  infolge  von  Änderung  in  den  Lohnzahlungen  u.  s.  w. 
Marken,  die  nicht  selten  in  grösseren  Mengen  gekauft  werden,  für  den 
Besitzer  unverwendbar  werden,  soll,  wie  postoffiziös  mitgeteilt  wird, 
ein  derartiger  Umtausch  von  Beitragsmarken  für  die  Invalidenversiche- 
rung gestattet  werden  unter  folgenden  Bedingungen  :  Die  Marken,  deren 
Umtausch  gewünscht  wird,  müssen  unbeschädigt  sein.  Es  findet  nur 
ein  Umtausch  gegen  andere  Marken  statt.  Der  etwaige  höhere  Wert 
muss  vom  Empfänger  bar  zugezahlt  werden.  Eine  Barzahlung  aus  der 
Postkasse  ist  ausgeschlossen.  Jede  Postanstalt  hat  nur  die  Marken 
derjenigen  Versicherungsanstalt  zum  Umtausch  anzunehmen,  deren 
Marken  sie  verkauft.  Der  Umtausch  von  verdorbenen  oder  unbrauch- 
bar gewordenen  Versicherungsmarken  bleibt,  wie  bisher,  den  Ver- 
sicherungsanstalten vorbehalten. 

—  Für  die  Umwandlung  des  Grunewalds  in  einen  „Volkspark" 
sind  jetzt  die  ersten  Vorarbeiten  zum  Abschluss  gekommen.  Wie  man 
weiss,  hatte  der  Kaiser  den  Tiergartendirektor  Geitner  mit  der  Auf- 
gabe betraut,  einen  Gesamtplan  herzustellen.  Das  ist  geschehen, 
und  kürzlich  wurde  Herr  Geitner  vom  Kaiser  im  Neuen 
Palais  nochmals  in  der  Angelegenheit  empfangen.  Der  Tiergarten- 
direktor legte  die  im  Massstab  von  i  :  5000  gehaltenen  Pläne  vor. 
Seine  Aufgabe  ist  damit  im  wesentlichen  beendet.  Die  Sache  wird 
jetzt  weiter  vorwärts  gehen  und  andere  Instanzen  beschäftigen. 

—  Ein  grosser  künstlicher  See  wird  auf  der  zur  Auf- 
teilung bestimmten  Dahlemer  Feldmark  südwestlich  vom  neuen 
Botanischen  Garten  angelegt.  Der  See  erhält,  wie  die  kirnst  - 
lii  her  Seen  im  Grunewalde,  hügelige  Ufer,  die  mit  Rasen  und 
Feldsteinen  bedeckt  sind.  Gegenüber  dem  See  wird  ein  Park 
angelegt 

Köln.  Die  Kölner  Gartenbaugesellschaft  Hess  sich  kürzlich 
die  im  Frühjahr  an  Kinder  unserer  Volksschulen  verteilten  Blu- 
men und  Pflanzen  zur  Prüfung  vorführen.  300  Kinder,  die  die 
besten  Ergebnisse  erzielt  hatten,  erhielten  Prämien  in  Gestalt 
von  dauerhaften  Winterpflanzen.  Verschiedene  Kölner  Gärt- 
nereibesitzer hatten  eine  Anzahl  dieser  Pflanzen  geschenkt,  die 
übrigen  wurden  auf  Kosten  der  Gesellschaft  beschafft.  Kinder, 
die  zum  zweiten  Male  prämiiert  wurden,  erhielten  überdies  ein 
künstlerisch  ausgeführtes  Diplom.  Allen  Kindern  wurden  die 
von  ihnen  gepflegten  Pflanzen  als  ihr  Eigentum  zurückgegeben. 

A.  W. 
Luxemburg.  Hier  wird  geplant,  eine  baumbepflanzte  Pracht- 
strasse geradlinig  über  das  Gelände  des  ehemaligen  Forts 
Bourbon  bis  zum  Bahnhofsplat/  zu  führen.  Das  wird  den  Anfang 
bilden  zum  vollständigen  Ausbau  des  ganzen  Bourbonplateaus, 
bei  dem  gärtnerische  Anlagen  nicht  zu  kurz  kommen  werden. 
Der  auf  dem  Gelände  der  alten  Festungswerke  angelegte  Stadt- 
park ist  ein  reizvolles  Werk  des  Pariser  Gartenarchitekten  Andre 


und  bildet  einen  Hauptschmuck  der  Stadt.  Im  Auftrage  der 
Regierung  hat  der  genannte  Gartenkünstler  gegenwärtig  einen 
vielbesprochenen  Plan  entworfen  für  die  landschaftliche  Aus- 
gestaltung  des   Petrusthaies   und   eines   Teiles   des   Alzettethales. 

A.  W. 

München.  Zu  Ehrenmitgliedern  der  Bayerischen  Gartenbau- 
gesellschaft wurden  die  Herren  Oberhof marschall  Exz.  Graf 
v.  Seinsheim  und  Geh.  Hof  rat  v.  Borscht  wegen  ihrer  Verdienste 
um    Hebung   der    Gartenkunst    in   München   ernannt. 

Stettin.  Die  erste  Strafkammer  des  hiesigen  Landgerichts  ver- 
urteilte den  62  Jahre  alten,  schon  vorbestraften  Gärtner  Hermann  Ebert 
wegen  Diebstahls  von  Pflanzen  aus  den  öffentlichen  Anlagen  zu  vier 
Monaten  Gefängnis. 

Wetter.  Man  plant  die  Anlage  eines  Stadtparkes  auf  dem 
sogen,  „alten  Stamm",  einem  Bergrücken  oberhalb  des  Harkort- 
denkmals. Kommerzienrat  Forster,  hier,  steht  bereits  seit  längerer 
Zeit  mit  den  Besitzern  der  dort  belegenen  Waldungen  in  Unter- 
handlung; er  beabsichtigt  den  dort  angekauften  Wald  dann  ver- 
schönern zu  lassen  und  der  Gemeinde  zu  übergeben.  Hoffentlich 
wird  diese  Verschönerung  durch  einen  tüchtigen  Fachmann  vor- 
genommen. J.  K. 


Verkehrswesen. 


Die  Kaiserliche  Oberpostdirektion  in  Berlin  erlässt  eine  Bekannt- 
machung, nach  welcher  jeder  Landbriefträger  und  Posthilfsteileninhaber 
ein  Annahmebuch  zu  führen  hat,  das  zur  Eintragung  der  angenommenen 
Postanweisungen,  Wertsendungen  etc.  dient.  Den  Auflieferern  steht  es 
frei,  die  Eintragungen  in  das  Annahmebuch  des  Landbriefträgers  oder 
der  Posthilfstelle  selbst  zu  bewirken.  Bei  Eintragungen  des  Gegenstandes 
durch  den  Landbriefträger  oder  den  Posthilfstelleninhaber  ist  der  Auf- 
lieferer befugt,  sich  von  der  erfolgten  Buchung  zu  überzeugen. 

Wir  machen  unsere  Leser  auf  diese  wichtige  Verordnung 
aufmerksam  besonders  deshalb,  weil  die  Haftpflicht  der  Postverwaltung 
mit  der  durch  die  Eintragung  in  das  Annahmebuch  nachweisbaren 
Übergabe  der  Sendungen  an  den  Landbriefträger  beginnt,  das  Eintragen 
in  das  Annahmebuch  mithin  von  entscheidender  Bedeutung  ist.  Man 
mache  also  zur  Sicherstellung  immer  von  der  erwähnten  Einrichtung 
Gebrauch. 

Der  Posteinlieferungsschein  wird  erst  bei  der  Ablieferung  der  Sen- 
dung an  die  Postanstalt  ausgefertigt.  Der  Landbriefträger  ist  verpflichtet, 
denselben    auf   dem    nächsten    Bestellgange    dem  Absender  abzuliefern. 


Personal-Nachrichten. 


Stämmler,   F.,  Königl.  Gartenbaudirektor  und  städt.  Parkinspektor 
in  Liegnitz  wurde  dortselbst  zum  städt.  Parkdirektor  ernannt. 


Briefkasten  der  Redaktion. 

Max  F.,  Klein- Windhoek  (Deutsch-Südwestafrika).  Zur  Beant- 
wortung Ihrer  Frage  kann  ich  Ihnen  nur  mitteilen,  dass  die  Methoden 
zur  Bestimmung  des  GerbsU  ffgehaltes  von  Pflanzen  oder  Pflanzenteilen 
sehr  kompliziert  und  für  den  Laien  nicht  ausführbar  sind.  Die  ein- 
fachste, aber  auch  unsicherste  Methode  ist  die  der  speeifischen  Gewichts- 
bestimmung eines  Extraktes  der  Pflanze.  Da  aber  in  den  Pflanzen 
ausser  Gerbstoff  auch  andere  Körper,  wie  Zucker,  Salze  etc.  vorkommen, 
ist  diese  Methode  nicht  besonders  zuverlässig  und  erfordert  für  jede 
gerbstoffführende  Pflanzenart  besondere  Korrektionstabellen.  Immer- 
hin können  Sie  aus  dem  Buche  „Einfache  Methode  zur  Bewertung  von 
Gerbmaterialien"  von  Prof.  v.  Schroeder    vielleicht  manches  lernen. 

Dr.   K.,   Chemiker. 


Verantwortl.  Redakteur:    Max  Hesdörffer,  Berlin.  —  Verlag  vod  Richard  Carl  Schmidt  &  Co.,    Leipzig.  —  Druck  von  C.  Grumbach  in  Leipzig. 


Illustriertes  Wochenblatt  für  den  gesamten  Gartenbau. 


Jahrgang  VII. 


15.   November  1902. 


No.  7. 


Nachdruck  und  Nachbildung  aus  dem  Inhalt  dieser  Zeitschrift  -wird  strafrechtlich  verfolgt. 


Palmen. 


Das  neue  Palmenhaus  im  Stadtpark  zu  Mainz. 

Von  Ferd.  Tutenberg,  Mainz. 

(Hierzu  eine  Abbildung.) 

J\m  Freitag,  den  1 7.  Oktober  wurde,  wie  die  „Garten- 
weit"  bereits  meldete,  das  Palmenhaus  durch  Herrn. Ober- 
bürgermeister Dr.  Gassner  feierlich  eröffnet  und  dem  Publikum 
übergeben.  Dasselbe  ist  hervorgegangen  aus  dem  Neubau  der 
dem  Restaurationsgarten  sich  anschliessenden  Unterstandshalle. 

Dank  der  hoch- 
herzigen Stiftung 
eines  verstorbenen 
Mainzer  Bürgers, 
dem  Entgegenkom- 
men der  Stadtver- 
waltung und  dem 
Opfersinn  des  rüh- 
rigen Mainzer  Ver- 
schönerungsverein 
ist  dieses,  nun 
schon  etliche  Jahre 
sich  in  der  Schwebe 
befindende  Projekt 
seiner  endgiltigen 
Vollendung  ent- 
gegen gegangen. 
Es    bietet     ausser 

einer    würdigen 
Unterkunft  für  das 
reichhaltige  städti- 
sche    Pflanzenma- 
terial,     durch    die 

geschmackvolle 
und  künstlerische 
Anordnung  des- 
selben seitens  des 
städtischen  Gar- 
tendirektors Herrn 
W.  Schröder  dem 
Mainzer   Publikum 

Die  Gartenwelt. 


und  den  Mainz  besuchenden  Fremden  auch  im  Winter 
einen  reizenden,   anregenden  Aufenthalt. 

Das  Haus  steht  nun  und  die  verfügbaren  Mittel,  ca. 
30  000  Mk.,  sind  auch  aufgebraucht,  während  jährlich  2000 
Mk.  für  Unterhaltung,  Heizung  etc.  der  Stadtgärtnerei 
zur  Verfügung  stehen. 

Der  ganze  Bau  bedeckt  ca.  450  qm  Fläche,  die  Länge 
beträgt  ca.  39  m,  die  Tiefe  rund  I0V2  m.  während  nach 
Norden    ein    kleiner    Anbau,    die    Abteilung    für    Wasser- 


Blick  in  das  neue  Palmenhaus  im  Stadtpark  zu  Mainz. 
Originataufnahme  für  die  „Gartenwelt". 


74 


Die  Garten  weit. 


VII,  7 


pflanzen  rund  50  qm  umfasst.  Der  Vorderbau  ist  in  3  Ab- 
teilungen eingeteilt,  2  kleinere  und  die  mittlere  grössere. 
Erstere  beiden  Abteilungen  sind  je  100  qm  gross  und  der 
östliche  Teil  davon  als  Kalthausraum,  der  westliche  als 
Restaurationsraum  geschmackvoll  hergerichtet.  Beide 
Räume,  7  m  hoch,  sind  mit  Wellblechdächern  bedeckt, 
jedoch  nach  innen  mit  gepressten  Korkplatten  benagelt  und 
ausserdem  verputzt,  sodass  die  innere  Decke  im  lichten 
Weiss    erscheint.     Die    Seitenpartien    sind    verglast. 

Den  mittleren  Bau  krönt  ein  Kuppelbau,  welcher  aus 
den  jetzt  häufig  verwendeten  Glassteinen  gemauert  ist. 
denn  die  Fugen  dieser  Steine  greifen  ineinander  und 
werden  durch  Cement  verbunden  und  befestigt.  Wie  sich 
dieses  Dach  bewährt,  lässt  sich  heute  noch  nicht  fest- 
stellen. Die  Kuppel  erreicht  vom  Erdboden  gemessen  eine 
Höhe  von  11  m  und  ist  in  ihrem  Gipfelpunkt  mit  einem 
Lüftungsapparat  versehen,  welcher  von  unten  gehandhabt 
werden    kann. 

Der  Wasserpflanzenraum,  wie  überhaupt  der  ganze 
Bau,  sind  in  Eisenkonstruktion  hergestellt  resp.  ergänzt. 
Leider  musste  man  Ersparnisse  halber  von  der  kostspie- 
ligen Warmwasserheizung  absehen  und  sich  mit  einer 
Heissluftheizung  (System  Käuffer  &  Cie.,  Mainz)  zufrieden- 
geben und  werden  die  an  verschiedenen  Stellen  angebrach- 
ten Verdampfbassins  wohl  manchem   Mangel  abhelfen. 

Dieses  sind  die  wichtigsten  Mitteilungen,  welche  ich 
meinen  nachfolgenden  Notizen  vorausschicken  muss  und 
bitte  ich  den  frdl.  Leser,  mich  auf  meiner  Wanderung  in 
das    Innere   des    Hauses   zu    begleiten. 

Wir  betreten  das  Haus  durch  die  Kalthausabteilung,  da 
der  Haupteingang  während  der  Wintermonate  in  Er- 
mangelung eines  Vorbaues  geschlossen  bleibt,  um  den 
unmittelbaren  kalten  Luftzug  aus  dem  mittleren  Palmen- 
abteil fern  zu  halten.  (Bemerken  muss  ich  noch,  dass 
dieser  Haupteingang  künstlerisch  in  Eisenarbeit  verziert 
über  der  Thür  das  Mainzer  Stadtwappen  trägt).  Beim  Ein- 
tritt fällt  unser  Blick  zuerst  auf  ein  reichhaltiges  und 
artenreiches  Kakteen-  und  Sukkulentensortiment,  wel- 
ches auf  Stellagen,  mit  Naturholz-  und  Korkrinde  ausge- 
stattet, zu  zwei  wirkungsvollen  Gruppen  arrangiert  ist  und 
allmählich  dem  Dekorationsmaterial  der  Stadtgärtnerei, 
mächtigen  Lorbeeren,  in  Kugel-  und  Pyramidenform,  Evo- 
nymus,  Kirschlorbeeren,  Aralia  Sieboldi,  Myrthen  und 
diversen  Kalthauspalmen,  Platz  macht.  Die  Mitte  wird 
durch  einen  Phoenix  eanariensis,  umgeben  von  diversen 
Blattpflanzen,  blühenden  Heliotropiums  und  Fuchsien  wir- 
kungsvoll  ausgefüllt. 

Unsere  Wanderung  führt  uns  nun  in  den  Mittelraum, 
welcher  durch  eine  Glaswand  und  ebensolche  Thür  von 
dem  kalten  Raum  getrennt  ist.  Völlig  überrascht  haftet 
unser  Blick  einige  Minuten  auf  dem  lieblichen  Gesamt- 
bilde, welches  sich  uns  jetzt  darbietet.  Ein  herrlicher  Durch- 
blick bis  rum  hinten  anschliessenden  Restaurant  gestattet 
uns  den  Raum  des  Hauses  zu  durchmessen,  welcher  Blick 
nur  durch  die  feinen  Wasserstrahlen  des  melodisch  plät- 
schernden in  der  Mitte  angebrachten  Springbrunnens  unter- 
brochen    wird.      Ein     frischgrüner    Rasen,     aus    verschie- 


denen Selaginellen-Arten  hergestellt,  giebt  dieser  Lichtung 
Leben  und  Ton,  wie  der  Rasen  dem  Garten.  Hier  und 
da  Felsen  wie  natürlich  angebracht,  täuschend  mit  Moos 
belegt  und  von  diversen  Famen  und  Gräsern  umgeben 
und  so  das  Ganze  angenehm  unterbrechend.  Begrenzt 
wird  diese  grünende  Lichtung  durch  buntblättrige  Dra- 
caenen  (Cordylinen),  Blattbegonien,  Ophiopogon  etc.  etc. 
und  lockeren,  allmählich  ansteigenden,  den  oberen 
Teil  des  Hauses  ausfüllenden  Arrangements  der  herr- 
lichsten Palmen.  Mächtige  Livistonenwedel  wiegen  sich 
im  Luftzug  hin  und  her,  hier  saftgrüne  Kentienwedel,  dort 
Arcca,  Chamaedorea  und  Cocos  in  gut  kultivierten  Exem- 
plaren. WTir  umgehen  auf  einem  1.20  cm  breiten  mit 
Kies  bestreuten  Wege  den  inneren  ovalen  Teil  und  können 
so  im  Sinne  des  Wortes  unter  Palmen  wandeln,  deren 
WTedel  an  manchen  Stellen  lauschig  den  Weg,  ohne 
jedoch  zu  stören,  überragen.  Rhapis  und  Pandanus  utilis 
unterbrechen  das  Blättergewirr,  wie  dieses  auch  vorzüglich 
den  breiten  massigen  Blättern  der  Musa  Ensete  gelingt. 
Hoch  oben  in  der  Luft  wiegen  sich  Asparagus  Spren- 
geri  in  grossen  Ampeln  hin  und  her,  meterlange  Ranken 
graziös  herniederhängen  lassend,  während  an  anderen 
Stellen  verschiedene  Hängefarne  das  ganze  Bild  immer  ab- 
wechselungsreicher  gestalten. 

Die  zu  beiden  Seiten  des  Hauses  angebrachten  deko- 
rativen Gruppen  vervollständigen  dieses  landschaftliche 
Bild  im  vollen  Masse,  sodass  man  sich  nur  ungern  diesem 
anschaulichen  Bilde  entreisst,  um  seine  Schritte  dem 
Abteil  für  Wasserpflanzen  (hauptsächlich  Nymphaeaceen) 
zuzuwenden. 

Zur  Zeit  ist  das  eingerichtete  direkt  über  dem  Heiz- 
raum liegende  Bassin  zugedeckt  und  mit  einer  Auslese 
der  herrlichsten  Warmhauspflanzen  bestanden,  herrliche 
Cocos  flexuosa,  Pohjpodium,  einige  noch  im  leuchtenden 
Farbenspiel  sich  befindliche  Kaladiensorten  und  diverse 
Gräser,  CordijUne  in  allen  Nuancen  füllen  den  mittleren 
Teil  aus,  während  die  Seitenstellagen  zur  Belehrung  des 
Publikums  und  der  Schuljugend  botanisch  wichtige  Pflan- 
zenschätze aufweisen.  So  u.  A.  ein  Sortiment  von  ca.  200 
Kolonial-  und  medizinisch  wichtige  Pflanzen,  wovon  be- 
sonders erwähnt  sei :  Coffea  arabica  (Kaffeebaum)  in 
grossen  und  kleinen  Pflanzen,  Saccharum  officinarv/m  L. 
(Zuckerrohr)  Pogöstemon-Pafchouli  Pellet  (Patschoulipflanze) 
als  Parfümerie  wertvoll,  Qryza  sativa  L.  (Reis),  Piper 
nigrum  (schwarzer  Pfeffer),  als  wie  auch  der  Flaschen- 
baum. Anona  L.  und  dergleichen  viele  interessante  und 
wichtige  Pflanzen,  die  alle  aufzuzählen,  an  dieser 
Stelle  wohl  zu  weit  führen  würde.  Dass  auch  die  vom 
Publikum  so  gern  bewunderte  Mimosa  pudica  (Sinn- 
pflanze) nicht  fehlt,  brauche  ich  wohl  nicht  erst  zu  er- 
wähnen. An  dem  oberen  Eisenwerk  erblicken  wir  trotz 
der  kurzen  Zeit  der  Einräumungsarbeiten  ein  Blättergewirr 
von  Warmhaus  Aristolochien,  Dioscorea  discolor,  Qieroden- 
dron  Balfouri,  Cissus  discolor  etc.,  während  Mepeiilhrs 
ihre  eigenartigen  Kannen  gleichenden  Blattauswüchse 
zwischen  den  hängend  angebrachten  Orchideen  hervor- 
lugen  lassen.    Jedoch  dieses  für  heute.    Obgleich   sich   in 


VII,   7 


Die  Gartenwelt. 


75 


uns  der  Fachmann  und  Kenner  regt,  müssen  wir  doch 
diese  illustre  Versammlung  von  Vertretern  fremder  Zonen 
für  heute  verlassen,  um  auch  unseren  trockenen  Gaumen 
in  dem,  neben  dem  mittleren  Palmenraum  liegenden  Restau- 
rant wieder  bei  einem  oder  mehreren  Gläsern  vom  Besten 
anzufeuchten.  Noch  einmal  lassen  wir  unsern  Blick  von 
hier  aus  über  den  Palmenhain  schweifen.  Unwillkürlich 
kommt  uns  dabei  der  Gedanke  und  mit  diesem  schon  die 
Bewunderung  und  die  Frage,  wie  es  nur  möglich  sei,  aus 
diesem  so  knapp  bemessenen  Raum  ein  solch  paradie- 
sisches Stückchen  Erde  zu  schaffen.  Welche  Schwierig- 
keiten sind  hier  überwunden,  um  trotz  aller  Kunst  im 
Rahmen  des  Natürlichen 
zu  bleiben?  Wir  lesen  auch 
diesen  Gedanken  auf  vie- 
len Gesichtern  der  Besucher 
des  Hauses  und  können 
dem  genialen  Schöpfer  des 
Arrangements  mit  ungeteil- 
ten Gefühlen  die  Versiche- 
rung geben,  dass  er  der 
Devise  gemäss  zu  Werke 
gegangen  ist,   die  da  lautet: 

Wenn  Kunst  sich  in  Na- 
tur verwandelt 
Dann     hat     Natur     mit 
Kunst  gehandelt. 


Topfpflanzen. 


Gruppen-Pelargonie  ,, Dekorateur' 
Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt 


Empfehlenswerte  ältere 
und    neuere    Gruppen- 
Pelargonien. 

Von    Berthold  Trenkner, 

Obergärtner  der  Firma 
Sattler    &  Bethge,    Aktiengesell- 
schaft,  Quedlinburg  a.   Harz. 
(Hierzu  zwei  Abbildungen.) 

iT.insichtlich  ihrer  Ver- 
wendung hat  man  bei  den 
Pelargonien  zwei  grosse 
Gruppen    zu    unterscheiden 

und  zwar  Sorten,  welche  sich  zum  Auspflanzen,  also  für  das 
freie  Land  eignen  und  Sorten  für  Topfkultur.  Es  sind  in  den 
letzten  Jahren  unzählige  neue  Sorten  Pelargonien  auf  dem 
Markt  erschienen  und  als  Gruppenpelargonien  angeboten 
worden,  aber  nur  ganz  wenige  haben  sich  in  der  Praxis 
bewährt.  Wenn  sie  auch  in  der  Färbung,  Grösse  der 
Blumen  und  Dolden  alte  Sorten  übertrafen,  so  hielten  sie 
den  Unbilden  der  Witterung  im  Freien  nicht  Stand  und 
mussten  als  Gruppenpelargonien  wieder  gestrichen  werden. 
Aus  diesem  Grunde  ist  auch  unter  den  gefüllten  Sorten 
nicht  eine,  die  wirklich  den  Anspruch  auf  eine  Gruppen- 
pelargonie machen  kann,  da  die  gefüllten  Sorten  bei  Regen- 


wetter zu  sehr  leiden,   und   es  sehr  lange  dauert,  ehe  solch' 
eine  verregnete  Gruppe  sich  wieder  erholt. 

Dagegen  haben  wir  unter  den  halbgefüllten  einige 
prächtige  Gruppensorten,  vor  allem  die  bekannte  lachsfarbene 
„Beaitte  Poitevine",  eine  Gruppen-  wie  auch  Marktsorte 
allerersten  Ranges.  Diese  Sorte  wird  in  Berlin  nebst 
..Meteor"  zu  Hunderttausenden  kultiviert.  So  schön  ,,Beaute 
Poitevine"  auch  ist,  so  möchte  ich,  —  verzeihen  die  Herren 
in  Berlin  gütigst,  dass  ich  als  „Provinzler"  wage,  ihnen 
etwas  zu  raten  —  den  Berlinern  Handelsgärtnern  empfehlen, 
ein  etwas  grösseres  Sortiment  zu  führen,  da  ich  persönlich 
aus  dem  Munde  des  Publikums  vernommen  habe,  dass  man 

sich  an  der  lachsrosa  Farbe 
satt  gesehen   habe. 

Als  eine  in  jeder  Hin- 
sicht schöne  halbgefüllte 
Sorte  empfehle  ich  „Ghistav 
Etriidh",  sehr  grossblumig, 
von  schönem  Wuchs.  Fer- 
ner die  nebenstehend  abge- 
bildete Neuheit  „Dekora- 
teur" mit  einer  enorm 
grossen  scharlachroten  Blu- 
me. Eine  ganz  auffallende 
Färbung,  gleichfalls  halbge- 
füllt, ungemein  reichblüh- 
end. Die  Sorte  wird  in  Kürze 
beim  grossen  Publikum  eben- 
so beliebt  und  bekannt  wie 
„Meteor"  werden. 

Ferner  giebt  es  in  dem 
Sortimente  der  Zwergpelar- 
gonien einige  sehr  brauch- 
bare Gruppensorten,  die 
auch  ganz  besonders  zur 
Grabbepflanzung  geeignet 
sind.  „Triomphe  des  Par- 
terres" mit  scharlachroter, 
halbgefüllter  Blume,  sehr 
reichblühend,  ist  ganz  beson- 
ders empfehlenswert.  Ihr 
Wuchs  ist  niedrig,  ganz  ge- 
drungen, ohne  verkrüppelt 
zu  erscheinen.  Gegen  Re- 
gen ist  sie  ganz  unempfindlich.  Leider  ist  diese  Sorte 
noch  zu  wenig  bekannt,  obgleich  sie  schon  einige  Jahre 
im  Handel  ist. 

Bekannter  und  auch  in  jeder  Hinsicht  empfehlens- 
wert ist  „Erzherzog  Rudolf',  feurig  karmoisin,  halbgefülli, 
von  gleichfalls  gedrungenem  Bau  und  ungemeiner  Reich- 
blütigkeit. 

Unter  den  einfachblühenden  Pelargonien  haben  wir 
eine  überaus  reiche  Auswahl  von  Sorten,  die  sich  zur 
Gruppenbepflanzung  eignen,  in  allen  Farbenschattierungen. 
Die  letzten  Jahre  haben  uns  einige  ganz  besonders  schöne 
und    brauchbare    Neuheiten    gebracht,    die    aber    leider    zu 


76 


Die    Gartenwelt. 


VII,   7 


Gruppen-Pelargonie  „Sattler  &  Bethge". 
Originalaufnahme  für  die  ,, Gartenwelt". 

wenig  beachtet  worden  sind,  da  fast  jeder  Handelsgärtner 
auf  „Meteor"  als  beste  Sorte  schwört.  Die  Sorte  „Meteor" 
zeigt  so  recht,  was  geschickte  Reklame  und  ein  gut  ge- 
wählter Name  vermag,  um  eine  Sorte  populär  zu  machen. 
Die  alte  Sorte  „Paul  Crampel",  welche  bekanntlich  iden- 
tisch mit  „Meteor"  ist,  war  fast  unbekannt,  und  erst  unter 
dem  Namen  „Meteor"  wurde  sie  in  kurzer  Zeit  allgemein 
bekannt  und  beliebt.  Sie  ist  ohne  Frage  sehr  gut,  aber 
wir  haben  Sorten,  die  ihr  in  Farbe  gleichkommen,  sie  im 
Wuchs  und  Blütenreichtum  noch  übertreffen.  Die  alten 
guten  Gruppensorten  wie  „Henri/  Jacoby",  dunkelsamtblut- 
rot,  „Königin  Olga  von  Württemberg",  rosa  mit  weiss, 
sind  ja  so  bekannt,  dass  sie  ohne  weiteres  übergangen 
werden  können.  Sehr  gute,  ältere  weisse  Sorten  sind  „Sir 
Percival",  nicht  sehr  grossblumig,  dagegen  sehr  reich- 
blühend und  unempfindlich,  „Zlatarog",  reinweiss,  gross- 
blumig, von  schöner  Form,  sehr  zu  empfehlen.  Von  den 
neueren  Sorten  hat  sich  als  Gruppenpelargonie  „Dr.  Nansen", 
reinweiss,  grossblumig,  niedrig  bleibend,  sehr  bewährt. 

Zwei  rote  Sorten,  die  „Meteor"  in  Farbenpracht  völlig 
gleichstehen,  im  Wuchs  und  Reichblütigkeit  „Meteor"  aber 
übertreffen,  sind  „Feuer",  leuchtend  dunkelrot  und  „Berrick?', 
glühend  dunkelscharlach.  Besonders  die  letzte  Farbe  wirkte 
in  Gruppen  ganz  grossartig.  Beide  Sorten  haben  im  Gegen- 
satz   zu    „Meteor"    einen    niedrigen,     dabei    doch    üppigen 


Wuchs  und  zeigen  eine  erstaunliche  Blühwilligkeit.  Eine 
sehr  ansprechende  Farbe  zeigt  die  Sorte  ,,  West  Brigliton 
Gern"  feurig  Scharlach,  mit  ganz  hellem  Holz,  ungemein 
reichblühend  und    von  niedrigem  Wuchs. 

Von  rosa,  bzw.  fleischfarbigen  Sorten  sind  ausser 
„Königin  Olga",  vorzügliche  Gruppensorten:  „Gebr.  Teiipel" 
magenta  karminrosa  mit  weissen  Flecken,  sehr  grossblumig, 
„General  Wolseleg",  klares  rosenrot,  ,,Mdm.  Geduldig", 
fleischfarben,  „Mrs.  D'Ombrain",  zartrosa,  in  lachsfarben 
übergehend,  sehr  grossblumig.  Diese  letzte  Sorte  empfehle 
ich  ganz  besonders,  wegen  der  ansprechenden  Farbe  und 
der  riesigen  Blütendolden.  Eine  ganz  aparte  Färbung  zeigt 
die  schon  ältere  Sorte  „Mrs.  Poirier",  leuchtend  dunkel- 
violettrosa,  Bei  gedrungenem  Wüchse  und  ungemeiner  Reich- 
blütigkeit ist  sie  besonders  unempfindlich  gegen  Regen.  Von 
allen  Neuheiten,,  die  in  den  letzten  Jahren  in  den  Handel 
gebracht  worden  sind,  zeichnet  sich  die  Bornemannsche 
Züchtung  „Sattler  &  Bethge",  durch  ihre  wundervolle  Fär- 
bung, Grösse  der  einzelnen  Blüten,  sowie  der  gesamten 
Blumendolde  ganz  besonders  aus.  Die  Farbe,  sie  ist  schwer 
zu  beschreiben,  ist  ein  leuchtendes  zinnoberscharlach  mit 
weissem  Auge.  Trotz  des  grellen  leuchtenden  Rotes  ist  die 
Farbe  nicht  aufdringlich,  da  das  Rot  durch  das  weisse  Auge 
gemildert  wird.  Die  Pflanze  bleibt  niedrig,  entwickelt  un- 
unterbrochen die  auf  strammen  Stielen  stehenden  riesigen 
Blütendolden  und  prangte  selbst  im  letzten  regnerischen 
Sommer  im  vollen  Blütenschmuck.  Ich  hätte  die'  Sorte  an 
Stelle  des  Herrn  Bornemann  „Ideal"  genannt,  denn  sie  ist 
das  „Ideal"  einer  Gruppenpelargonie.  Unter  den  silber- 
bunten Pelargonien  sind  die  Sorten  „W.  Langguth,"  feurig- 
karminscharlach,  gefüllte  Blume  und  „Deutscher  Sieger", 
dunkelblutrot  zu  Gruppenbepflanzungen  sehr  empfehlenswert. 
Wenn  auch  die  gefüllten  Blumen  bei  Regenwetter  leiden, 
so  wirkt  ein  mit  diesen  Sorten  bepflanztes  Beet  trotzdem 
durch  die  schöne  weissbunte  Blattfärbung.  Einzig  ist  da- 
gegen die  Schönheit  einer  solchen  Gruppe  bei  guter  Witte- 
rung,  wenn  Blumen   und    Blattschmuck   vereint  wirken. 

Zum  Schluss  gebe  ich  gern  zu,  dass  es  ausser  den  von 
mir  genannten  Sorten,  noch  manche  giebt,  die  gleich  em- 
pfehlenswert sind,  bessere  jedoch  keinesfalls.  In  unserm 
Geschäft  wird  jede  Sorte  auf  ihre  Brauchbarkeit  nach  jeder 
Richtung  hin  auf  das  Sorgfältigste  geprüft  und  Neuheiten 
in  die  Sortimente  nur  dann  eingereiht,  wenn  sie  thatsäch- 
lich  eine  Verbesserung  einer  älteren  Sorte  sind. 


Landschaftsgärtnerei. 


Bilder  aus  der  Gebirgslandschaft. 

Von  Willy  Lange,  Dietharz  b.  Gotha. 

8.  Gesteinstrümmer. 

(Hierzu   zwei  Abbildungen.) 

VJcsteinstrümmer  sollen  oft  vorstellen,  was  ein  be- 
scheidener Sinn  „Felspartien"  nennt.  Da  werden  Bö- 
schungen,   Abhänge,    Rabatten    am    Wohnhause,    Teich- 


vir. 


Die    Gartenwelt. 


77 


ränder,  Springbrunnen- 
becken mit  Steinen  be- 
legt, bespickt  und  gar 
die  Wege  mit  mög- 
lichst wildem  Gestein 
eingefasst.  Die  Dar- 
stellung von  Gesteins- 
trümmern erfordert  ganz 
besonderen  „Takt1',  ein 
feines  Gefühl  für  das 
Richtige  im  einzelnen 
und  ganzen.  Dieser 
Takt  kann  wiederum 
nur  auf  der  Grundlage 
eingehender  Kenntnisse 
durch  eigene  Beobach- 
tung alles  Naturge- 
schehens in  Wirkung 
und  Ursache  erlangt 
werden. 

Fragen  wir  z.  B.: 
„Wie  entsteht  ein  Pfad 
in  der  Natur?"  so  er- 
halten wir  zur  Ant- 
wort: ,, Durch  häufiges 
Begehen  einer  Strecke 
von  Menschen  und 
Tieren  (Wildfährten)". 
Soweit  die  Pflanzen  und 
das  Erdreich  weich  ge- 
nug sind,  werden  sie 
niedergetreten,  so  dass 
sich  eine  sanfte  Mulde 
bildet.  Daherist  eine  Er- 
höhung der  Gartenwege 
unnatürlich;  sie  sollten 
mindestens  flach  sein, 
oder  so  wenig  gewölbt 
dass  es  unmerklich  ist. 
Die    natürlichen   Wege 

sind  nicht  breiter  als  sich  durch  das  Begehen  von  selbst  ergiebt. 
So  sind  die  Ränder  schmaler  Wege  parallel,  was  im 
Garten,  der  dort  herrschenden  Ordnung  wegen  mit  Recht 
vorbildlich  auch  für  breitere  Wege  geworden  ist.  Grössere 
Hindernisse  werden  fast  unbewusst  umgangen  und  zwar 
in  sanftem  Bogen,  da  unser  Auge  uns  fortwährend  führt 
und  rechtzeitig  auf  die  Hindernisse  aufmerksam  macht. 
Dadurch  entsteht  ein  fortgesetzter  Richtungswechsel  im 
einzelnen,  während  das  aus  Erfahrung  bekannte  Ziel  die 
Hauptrichtung  vorzeichnet.  Wir  brauchen  also  keine 
ästhetischen  Betrachtungen  über  Schönheitslinien,  um  zu 
beweisen,  dass  die  natürlichen  Wege  der  Menschen  — 
,, krumm"  sind.  Der  gerade  Weg  ist  stets  künstlich,  ge- 
messen, gewollt,  nicht  natürlich,  unbewusst  begangen.  Ein 
Weg  soll,  seinem  „inneren  Wesen"  nach,  unaufdringlich 
sein.  In  der  Natur  ist  es  unterhaltender,  ihn  zu  suchen. 
oder    ihn    sich    selbst    zu    bahnen,    als    stets    ausgetretene 


Kalktrümmer  am  Abhang. 
Vom  Verfasser  für  die  „Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen. 


Pfade  zu  wandeln. 
Das  bekannte  Wort 
über  die  Wege  als 
„stumme  Führer"  im 
Garten  sollte  mit  grös- 
serer Betonung  des 
Stummen ,  d.  h.  Un- 
aufdringlichen verstan- 
denwerden.  Jede  Wege- 
einfassung, welche  wohl 
gar  ein  Schmuck  des 
Gartens  sein  soll,  ist 
im  stilvollen  Naturgar- 
ten ein  Fehler.  Hierzu 
gehören  auch  die  Ein- 
fassungen, das  Hervor- 
heben der  Wegekreu- 
zungen mit  Felsstücken. 
Wo  praktische  Anfor- 
derungen Steingrenzen 
nötig  machen,  sollte 
man  sie  als  notwendiges 
Übel  betrachten  und 
nie  über  die  Erde  des 
benachbarten  Rasens 
hervorstehen    lassen. 

Doch  nun  zu  jenem 
Abhang  im  Garten,  auf 
dem  Steine  recht  hoch 
und  „effektvoll" .  aufge- 
stellt sind!  Die  Natur 
sucht  keine  Effekte : 
Sie  schafft  und  über- 
lässt  die  Wirkung  uns; 
ihr  gilt    es   gleich,    ob 

vieles  ungesehen 
bleibt.*)  Unser  obi- 
ges Bild  sucht  wie- 
derzugeben, wie  die 
Natur  ihre  Steine  der 
Abhänge  niederrollen 
Der     gewöhnliche 


eigenen  Schwere  folgend,  am 
lässt  —  sie  stellt  sie  nicht  auf. 
Gang  bei  der  Ausführung  steinbesäeter  Abhänge  lässt 
uns  erst  den  Boden  bereiten,  dann  die  Steine  sparsam  auf- 
stellen, endlich  die  Bepflanzung  vornehmen.  Dabei  wird 
jedem  Stein  und  jeder  Pflanze  ihr  bestimmter  Platz  zuge- 
wiesen. Wie  wäre  es  nun,  wenn  wir  nach  oberflächlicher 
Bodenbereitung  einmal  zuerst  pflanzten  ?  Vor  allem  ge- 
hören dazu  geeignete  Gehölze;  einseitige  Nadelhölzer,  in 
schönen  Bogen  ausladende  Sträucher.  Buschbäume,  sowie 
im  unteren  Teile  knieförmig  gebogene  Stämme,  sehen  an 
Abhängen  gleich  nach  der  Pflanzung  wie  dort  gewachsen 
aus.  Denn  jede  Pflanze  strebt  in  der  Jugend  aus  dem 
Schatten  der  Böschung  heraus  nach  dem  Lichte:  sie 
wächst    also    anfangs    nicht    senkrecht    zur    horizontalen, 


*)  Vergl.  „Gartenwelt",  Jahrg.  VI,  Seite   301    ff. 


78 


Die  Gart  enwel  t. 


VII. 


sondern  senkrecht  zur  Böschungsebene.  Erst  wenn 
der  Böschungsschatten  keinen  Einfluss  mehr  hat,  richtet 
sich  das  junge  Stämmchen  senkrecht  zur  horizon- 
talen auf.  So  entsteht  in  der  Natur  das  Knie  der  Stämme, 
oft  allerdings  auch  durch  Verletzungen,  Druck  durch 
Steine.  Diese  Beobachtung  ergiebt,  dass  jedes  Gehölz  an 
Abhängen  so  gepflanzt  werden  muss,  dass  das  Überge- 
wicht seiner  Masse  dem  Abhänge  zu  entfliehen  scheint. 
Man  kann  hiernach  nie  im  Zweifel  darüber  sein,  dass  z.  B. 
Knieholzkiefern,  liegende  Wachholderarten  mit  ihren 
äussersten  Spitzen  nach  dem  Fusse  des  Abhanges  hin 
gerichtet  sein  müssen,  nicht  umgekehrt,  wie  man  es  oft 
sieht.  Eigentliche  Kletterpflanzen  werden  dagegen  immer 
so  zu  pflanzen  sein,  dass  ihre  Zweige  nach  der  Krone  des 
Abhanges  zielen;  die  meisten  Kriechpflanzen,  mit  Aus- 
nahme eigentlicher,  Hängepflanzen,  streben  ebenfalls  nach 
oben.  Ist  nun  die  Pflanzung  dicht  und  naturgemäss  voll- 
endet, so  bringt  man  die  Steine  zwischen  sie.  Nicht 
stehend,  sondern  auf  ihrem  Schwerpunkt  ruhend ;  nicht 
einzeln  regelmässig  verteilt,  sondern  in  Fülle,  zum  Teil 
übereinander  liegend,  kleine  Spalten  und  Hohlräume  bil- 
dend. Fehlen  die  Steine  für  verschwenderische  Fülle,  so 
ist  es  richtiger,  durch  wenige  Steine  den  Anschein  eines 
felsigen  Untergrundes  zu  erwecken,  der  an  einzelnen  Stellen 
zu  Tage  tritt;  praktisch  gesprochen,  sie  fast  bis  zu  ihrem 
oberen  Rande  in  die  Böschung  einzugraben.  So  lassen 
sich  einzelne  Steine  zu  stattlichem,  gewachsenem  und  natür- 
lich anstehendem  Felsengrund  vereinigen.  Die  Bepflan- 
zung  wurzelt  dann  nicht  in  den  Spalten  der  Trümmer, 
wie  oben  angedeutet,  sondern  auf  der,  den  Felsboden 
bedeckenden  Humusschicht,  also  neben  und  um  den  Fels- 
komplexen, deren  Ränder  mit  Kriech-  und  Kletterpflanzen 


Granittrümmer  am   Abhang. 
Vom  Verfasser  für  die  ,, Gartenwelt"  photogr.   aufgenommen. 


bedeckt  werden.  Letzteres  erhöht  die  scheinbare  Grösse 
der  Felsen,  ihre  Begrenzung  gegen  den  Boden  hin  un- 
bestimmt   lassend. 

Dies  ist  die  einfachste,  billigste,  dankbarste  Felsen- 
bildung für  den  Garten,  weil  sie  mit  geringen  Mitteln 
Richtiges,  Naturwahres  erreichen  lässt.  Freilich  müssen 
Auge  und  Sinn  so  weit  gebildet  sein,  das  Effektvolle  in 
der  einfachen  Naturwahrheit  zu  finden  und  diese  höher 
zu  schätzen,  als  einige  frei  aufgestellte,  protzig  sich  auf- 
drängende Steine.  Würde  man  über  die  Darstellung  von 
Grundfelsen  an  Abhängen  hinausgehen  wollen,  so  müsste 
der  kürzlich  besprochene  Charakter  der  Felswände  vor- 
bildlich   sein. 

Aufgestellte  Steine  finden  wir  an  Wegen,  welche  an 
jähen  Abhängen  —  diese  brauchen  nicht  tief  zu  sein, 
um  einer  Sicherung  vor  Absturz  zu  bedürfen  —  ent- 
lang führen.  Oft  sind  diese  Steine  weiss  angestrichen, 
um  in.  der  Nacht  zu  warnen.  Unter  ähnlichen  Umständen 
würde  ich  mir  im  grösseren  Garten  ein  solches  Motiv 
zur  Anwendung  hochgestellter  Steine  selbst  mit  dem 
weissen  Anstrich  nicht  entgehen  lassen,  um  so  mehr,  als 
sie  Gelegenheit  zur  Berankung  mit  mannigfachen,  halb- 
hohen Kletterpflanzen  geben.  Späteren  Ausführungen  vor- 
greifend sei  dies  nur  erwähnt  als  ein  Beispiel,  wie  statt 
falsch  nachgebildeter  Naturschöpfungen,  richtig  begrün- 
dete Menschenwerke  das  Gleiche  erreichen  —  ohne  eben 
wie  jene  widersinnig  zu  sein. 

Si  duo  —  Mensch  und  Natur  —  faciunt  idem,  non 
est  idem,  womit  gesagt  sein  soll :  Dass  oft  viele  Wege 
zu  einem  vorgesteckten  Ziel  führen,  dass  man  aber  nur  den 
richtigen   aufsuchen    muss. 

Ein    paar   Worte    noch    zu    unseren    Bildern : 

Das  erste,  Seite  78, 
zeigt  Kalksteintrümmer, 
weissgrau ,  scharfkantig, 
in  sonniger  Lage,  fast 
gar  nicht  mit  Moos  und 
Flechten  bewachsen.  Die 
Vegetation  ist  dürftig, 
aus  kleinen  Pflanzen  be- 
stehend; magere  Sträu- 
cher suchen  in  tiefen 
Spalten  mühsam  nach 
Nahrung.  Im  Garten 
haben  wir  also  in  der 
kümmerlichen  Bepflan- 
zung  ein  Mittel  den  Ein- 
druck unserer  Gestein- 
schöpfung als  solche  zu 
erhöhen. 

Anders  wirken  die 
Felstrümmer  im  Schatten 
der  humusliebenden  Bu- 
chen des  zweiten  Bildes, 
hierneben.  Hier  liegen 
die  Steine  (Granit)  gehäu  ft 
übereinander,  die  Flech- 


VII. 


Die  Gartenwell. 


79 


ten  sind  schon  den  Moosen  gewichen,  welche  die  Steine 
dicht  überziehend  vereinigen.  Der  tiefe  Schatten  lässt 
nur  Pflanzen  des  Waldesdunkels  (Farne,  Epheu)  auf- 
kommen; hier  fehlen  die  freudig  grünenden,  isolepis- 
artig  hängenden  Grasbüschel  des  sonnigen  Kalktrümmer- 
bildes. 

Für  die  Steine  muss  im  Garten  möglichst  eine  Ursache 
geschaffen  werden.  Die  natürlichste  ergiebt  sich,  wenn 
wir  oberhalb  der  Trümmer  grössere  Felsbildungen  der 
gleichen  Art  erstehen  lassen  können,  von  welchen  jene  als 
abgewittert  zu  denken  sind.  Lässt  man  oberhalb  des  Ge- 
steinstrümmergebietes im  Garten  wenigstens  Grundfelsen 
hervorsehen,  so  genügt  auch  dieses.  Verteilen  sich  die 
Trümmer  über  das  ganze  Gebiet  und  namentlich  in  der 
Natur  der  Umgebung  des  Gartens,  so  brauchen  wir  keine 
besondere  Begründung.  Im  Gebirge  sind  ja  alle  Thalab- 
hänge mit  Steinen  bedeckt  als  Folge  früherer  Umwäl- 
zungen, Zerklüftungen,  Gletschermoränen  und  Wildbäche. 
Die  „erratischen  Blöcke"  gehören  nicht  in  die  Betrachtung 
der   Gebirgsgärten   und   werden   uns   später   beschäftigen. 


liehen  Baume.  Der  mich  führende  Obergärtner,  Herr 
A.  C.  Bartlett,  war  so  freundlich,  mir  eine  Photographie 
zu  überlassen  und  mir  näheres  über  diese  höchst  eigen-  " 
tümliche  Pflanze  mitzuteilen.  Die  nach  dieser  Photo- 
graphie angefertigte  untenstehende  Abbildung  zeigt  nur 
einen  dieser  kugeligen  Fruchtzapfen,  da  die  übrigen  durch 
Zweige  verdeckt  sind,  aber  die  männlichen  Kätzchen  sind 
in  Menge  deutlich  erkennbar.  Der  Baum  ist  fast  20  m 
hoch  und  gehört  zu  den  grössten  in  England,  da  die 
über  20  m  hohe  Arauearia  imbricata  zu  Dropmore  (bisher 
die  grösste  in  England)  in  diesem  Jahre  leider  infolge  einer 
vermutlichen  Wurzelbeschädigung  zu  gründe  gegangen  ist. 
Im  Jahre  1834  hatte  der  frühere  Besitzer  Sir  William 
Molesworth  den  Baum  als  kleines  Pflänzchen  für  den 
anständigen  Preis  von  500  Mark  gekauft  und  zwar  aus 
dem  Geschäfte  Knight  &  Perry  (jetzt  J.  Veitch  &  Son). 
Der  Baum  wurde  in  der  Gegenwart  vieler  hoher  Herr- 
schaften feierlichst  gepflanzt  und  hat  sich  prächtig  ent- 
wickelt. Nie  zuvor  aber  hatten  sich  auch  weibliche  Blüten 
gezeigt,  und  wie  ich  erfahre,  hat  sich  auch  dies  Phänomen 


Koniferen. 


Eine  merkwürdige  Arauearia  imbricata. 

Von  F.  W.  Meyer,    Landschaftsgärtner,    Exeter,   England. 
(Hierzu   eine  Abbildung), 

V  or  einiger  Zeit  beschrieb  ich  in  der  „Garten- 
welt" unter  dem  Titel:  „Aus  englischen  Gärten" 
eine  Reihe  verschiedener  Anlagen  in  kleinem  sowohl 
wie  in  grösserem  Massstabe.  Es  waren  in  dem 
letzten  Artikel  (vgl.  „Gartenwelt"  VI,  Seite  85)  über 
dieses  Thema  auch  3  Abbildungen  aus  dem  Garten 
zu  Pencarrow  bei  Bodmin,  dessen  Besitzerin,  Frau 
Ford  (Schwester  des  verstorbenen  Sir  William  Mo- 
lesworth), mir  freundlichst  gestattete,  Photographien 
für  die  „Gartenwelt"  aufzunehmen. 

Die  hieik>  abgebildete  Arauearia  befindet  sich 
in  demselben  schönen  Garten  und  zwar  ganz  in  der 
Nähe  der  in  dem  oben  erwähnten  Artikel  abgebil- 
deten Felsenpartie. 

Arauearia  imbricata  ist  in  England  sehr  ver- 
breitet und  auch  in  Deutschland  in  geschützten 
Gegenden  winterhart.  Eine  Beschreibung  ist  also 
überflüssig.  Sowohl  männliche  als  weibliche  Bäume, 
die  keimungsfähigen  Samen  tragen,  kommen  hier 
sehr  häufig  vor.  Dass  aber  sowohl  männliche 
Blüten  als  weibliche  Zapfen  auf  ein  und  demselben 
Baume  auftreten,  ist  eine  Erscheinung  von  so  ausser- 
ordentlicher Seltenheit,  däss  ich  nicht  umhin 
kann,  den  geneigten  Lesern  der  Gartenwelt  die- 
sen Fall  vorzuführen.  Bei  meinen  oben  er- 
wähnten Besuche  zu  Pencarrow  gewahrte  ich 
mit  Erstaunen  die  grossen  kugeligen  Frucht- 
zapfen und  männlichen  Blütenwalzen  auf  diesem  statt- 


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Eine  merkwürdige  Arauearia  imbricata. 
Vom  Verfasser  für  die  „Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen. 


80 


Die    Gartenwelt. 


VII,   7 


nicht  zum  zweiten  Male  eingestellt.  Herr  Bartlett  teilt  mir 
mit,  dass  die  auf  der  Abbildung  sichtbare  Frucht  vor- 
züglichen Samen  geliefert  hat.  Etwa  50  Meter  entfernt 
steht  eine  weibliche  Araucaria  imbricata  mit  über  40 
Fruchtzapfen,  welche  jedoch  nur  wenig  fruchtbaren  Samen 
enthalten,  vermutlich  weil  der  nächste  Baum  mit  männ- 
lichen  Blüten  mindestens   40   m  weit   entfernt  ist. 

Es  würde  interessant  sein,  zu  erfahren,  ob  diese  eigen- 
tümliche Erscheinung  bei  Araucaria  imbricata  auch  in 
Deutschland    vorgekommen    ist. 


Gemüsebau. 


Das  Aufbewahren  der  Endivien  im  Winter. 

Von  Hermann  Stahl,  Handelsgärtner,   Ostseebad  Misdroy. 

W  er  hat  sich  nicht  hin  und  wieder  mit  der  Überwinterung 
von  Endivien  befasst  ?  Einerlei  nun,  ob  dies  im  grossen  oder 
kleinen  Massstabe  geschehen  ist,  zumeist  wird  man  zu  der  Über- 
zeugung gekommen  sein,  dass  die  angewandte  Methode  der  Auf- 
bewahrung unvollkommen  war.  Während  meines  langjährigen 
Aufenthaltes  in  Rheinhessen  und  während  meiner  Thätigkeit 
in  mehreren  bedeutenden  Handelsgärtnereien  dortiger  Gegend, 
war  mir  nun  Gelegenheit  geboten,  die  vorteilhaftesten  Über- 
winterungsmethoden für  Endivien  kennen  zu  lernen.  Was  es 
aber  heisst,  bis  in  den  März  hinein  mit  frischen  Endivien  ver- 
sehen zu  sein  wird  der  Handel  treibende  Gemüsegärtner  wohl 
zu  würdigen  wissen. 

Es  wird  von  vielen  Seiten  behauptet,  dass  die  Endivien 
in  Sand  eingeschlagen  werden  müssen.  Dies  ist  zwar  vorteil- 
haft, aber  doch  nicht  unbedingt  nötig.  In  Rheinhessen  giebt 
es  keinen  Sand,  sondern  fast  überall  Lehmboden.  Das  Geheimnis 
einer  vorteilhaften  Überwinterung  der  Endivien  liegt  tiefer  und 
zwar  muss  schon  der  zur  Anzucht  verwendete  Samen  unter 
bestimmten  Verhältnissen  erzogen  worden  sein.  Wer  sich  also 
mit  der  Endivienkultur  und  Überwinterung  befassen  will,  der 
ziehe  möglichst  seinen  Samen  selbst;  denn  ich  bin  zu  der  Über- 
zeugung gekommen,  dass  diejenigen  Endivien,  welche  aus  Samen 
gezogen  wurden,  der  von  Pflanzen  stammt,  welche  in  günstigen 
Lagen  oder  auf  Sandboden  gestanden  haben,  sich  in  Lehm- 
boden schlecht  überwintern  lassen.  Will  man  seinen  Samen 
selbst  ziehen,  so  ist  die  Kultur  der  Endivie  eine  zweijährige. 
Man  muss  daher  im  Herbst  eine  Anzahl  Pflanzen,  etwa  io 
bis  15  Stück,  welche  schönen  kompakten  Wuchs  zeigen,  vor- 
sichtig ausheben  und  in  passende  Töpfe  pflanzen.  Darin  werden 
diese  Samenpflanzen  in  einem  Kalthause  überwintert.  Im  Früh- 
jahre ausgepflanzt,  blühen  diese  Pflanzen  dann  und  bringen 
Samen.  Ende  Juli  säet  man  den  im  Vorjahre  gewonnenen 
Samen  aus.  Im  August  werden  die  jungen  Sämlinge  auf  ein 
abgeerntetes  Frühkartoffelbeet  oder  dergl.  in  Reihen  mit  hin- 
reichendem Abstand  gepflanzt.  Das  Land  darf  nur  schwach  ge- 
düngt sein,  damit  die  Pflanzen  nicht  zu  mastig  werden,  denn 
solche  üppige  Pflanzen  eignen  sich  gar  nicht  zum  Überwintern, 
weil  sie  sehr  leicht  faulen.  Das  Wachstum  der  zum  Einwintern 
bestimmten  Endivien  muss  vielmehr  ein  langsames  sein.  Die 
Pflanzen  brauchen  nicht  auszuwachsen,  sondern  müssen  vor 
allem  gedrungen  im  Wuchs  sein.  Im  Oktober,  sobald  Fröste 
die  Pflanzen  zu  zerstören  drohen,  nimmt  man  dieselben  samt 
der  Wurzel  heraus  und  sortiert  sie  nach  der  Grösse.  Die  Wur- 
zeln dürfen  aber  nicht  abgestochen  werden,  da  sie  sonst  den 
ersten  Anlass  zur  Fäulnis  geben.  Die  Erde  wird  aus  den  Wurzeln 
herausgeschüttelt  und  die  Pflanzen  mit  den  Wurzeln  nach  oben 
und  nicht  zu  dicht  üi  eine  vorher  bereitete,  flache  Grube  von 
etwa  einem  Spatenstich  Tiefe,  4 — 5  m  Breite  und  beliebiger 
Länge  in  Reihen  eingeschlagen.    Zwischen  den  Reihen  muss  ein 


Abstand  von  etwa  10  cm  sein.  Faule  Blätter  werden  entfernt. 
Beim  Einschlagen  kommen  erst  die  kleinen,  dann  die  mittel- 
grossen und  zuletzt  die  grossen  Pflanzen  an  die  Reihe,  damit 
die  letzteren  zuerst  verbraucht  werden,  da  sie  am  leichtesten 
faulen.  Den  Einschlag  bedeckt  man  dann  etwa  handhoch  mit 
Erde.  Tritt  starker  Frost  ein,  so  wird  die  Erde  noch  mit  Laub 
bedeckt,  jedoch  nur  so  dick,  dass  der  Frost  nicht  zu  den  Pflanzen 
dringen  kann.  Die  Pflanzen  müssen  immerhin  noch  ausdünsten 
können. 

Bei  milder  Witterung  wird  sofort  die  Laubdecke  entfernt. 
Zum  Einschlagplatz  wähle  man  eine  freiliegende,  ebene  Stelle. 
Der  Platz  darf  keinesfalls  tiefer  liegen  als  das  umgebene  Erd- 
reich,  da  sich  sonst  das  ganze  Wasser  dahin  ziehen  würde. 

Bei  in  Mistbeeten  kultivierten  Endivien  ist  das  Verfahren 
insofern  einfacher,  als  man  nur  die  Pflanzen  mit  trockenem  Laube 
hinreichend  überdeckt.  Sie  halten  sich  so,  vorausgesetzt,  dass 
das  Laub  trocken  bleibt,  1 — 2  Monate  frisch.  Von  allen  Sorten 
Endivien  ist  nur  der  grüne,  breitblättrige  „Escariol"  geeignet, 
während    die   krausen    Sorten    viel    zu    empfindlich   sind. 


Schlingpflanzen. 

Seltene  ständige  und  holzige  Schlinger. 

Von   W.   Vögler-Scherf,  Mühlhausen  i.  Th. 

/\  us  dem  reichen  Sortiment  der  ausdauernden  Schling- 
und  Kletterpflanzen  seien  im  Nachstehenden  nur  einige  er- 
wähnt, die  einesteils  ihrer  iierenden  Belaubung  wegen, 
andernteils  ihrer  Blüten  wegen  verdienten,  öfter  in  unse- 
ren Gärten  angepflanzt  zu  werden.  Jeder  Gartenfreund 
und  -liebhaber  wird  es  gewiss  nur  angenehm  empfinden, 
wenn  sein  Hausgärtchen  oder  die  Familienlaube  in  ihrem 
Äusseren  in  jedem  Sommer  ein  anderes  Bild  zeigt  und  so- 
mit einen  Wechsel  in  das  Einerlei  des  Gartens,  der  doch 
zumeist  so  verbleibt,  wie  er  einmal  geschaffen  worden 
ist,  bringt.  Dazu  bieten  neben  den  einjährigen  Schling- 
pflanzen die  Stauden  das  geeignetste,  weil  wohlfeile  Mate- 
rial.    Als  empfehlenswert  seien  nachfolgende  genannt : 

In  Boussitujaultia  basselloid/s  haben  wir  einen  äusserst 
raschwachsenden,  in  kurzer  Zeit  grössere  Flächen  über- 
ziehenden Vertreter,  nebenbei  bemerkt  eine  der  wenigen 
linkswindenden  Pflanzen.  Die  Wurzel  bildet  fleischige, 
mit  dickflüssigem  Safte  versehene  Knollen ;  4n  nicht  allzu 
strengen  Wintern  hält  dieser  Schlinger  gut  im  Freien 
ohne  Decke  aus.  Sicherer  ist  es  jedoch,  im  Herbste, 
wenn  das  Laub  und  die  Stengelteile  abgefroren  sind,  den 
Wurzelstock  auszugraben  und  frostfrei  und  trocken  zu 
überwintern.  Die  herzförmigen,  dunkelgrünen,  fleischigen 
Blätter  sind  am  Rande  leicht  gewellt.  Die  kleinen,  weissen 
Blüten  erscheinen  in  etwa  10  cm  langen  Trauben  von 
Ende  August  an  und  halten  bis  zum  Eintritt  der  Fröste 
aus. 

Apios  tuberosa  besitzt  ebenso  wie  die  vorige  einen 
knolligen  Erdstamm.  Im  zeitigen  Frühjahr  in  Töpfe  ge- 
legt, hat  man  Anfang  Mai  schon  belaubte  Pflanzen  zum 
Auspflanzen.  Die  im  Juli  erscheinenden  rotbraunen  Blü- 
ten der  amerikanischen  Erdbirne  stehen  in  kleinen,  ge- 
drungenen Trauben  und  haben  einen  schwachen  Duft, 
jedoch  werden  sie  meist  vollständig  von  den  unpaarig 
gefiederten,   dunkelgrünen    Blättern   verdeckt.      Besondere 


VII,  7 


Die  Gartenwelt. 


81 


Pflege  fordert  Apios  tuberosa  nicht,  wird  aber  sehr  leicht 
zu  üppig,  da  die  Knollen  sich  sehr  rasch  vermehren  und 
den   'Winter   ohne   Schaden   überdauern. 

Die  Yamswurzel,  Dioscprea  Batatas,  erreicht  eine 
Höhe  von  3 — 4  m  und  ist  gleichfalls  vollständig  winterhart. 
Der  flaschenförmige,  dickfleischige  Erdstamm  erreicht  oft 
die  Länge  von  50  cm  und  eine  Breite  von  30  cm  und  ist 
wie  derjenige  von  Apios  tuberosa,  der  Erdbirne,  geniess- 
bar.  Ausser  Dioscorea  Batatas  findet  man  hie  und  da 
noch  Dioscorea  viUosa  und  japonica  angepflanzt.  Blu- 
men habe  ich  bisher  an  keiner  der  drei  Arten  gesehen. 
Man  vermisst  sie  nicht,  denn  die  Pflanzen  sind  schon 
durch  ihr  glänzend-grünes  Laub  ein  Schmuck  für  die 
Gärten. 

Der  seltensten  eine  ist  Hablitzia  tamnoides.  Die  3 — 4  m 
Höhe  erreichenden,  dünnen  Stengel  sind  mit  ganzran- 
digen,  herzförmigen  Blättern  reich  besetzt,  von  denen  sich 
im  August,  September  die  hellgrünen  Blüten,  welche,  in 
Trugdöldchen  stehend,  ca.  10  cm  lange  Blütenrispen  bil- 
den, vorteilhaft  abheben.  Besonders  wertvoll  ist  Hablitzia 
tamnoides  dadurch,  dass  sie  selbst  im  tiefen  Schatten  sich 
vollständig  entwickelt.  Die  einfachste  Vermehrung  ist  die 
durch  Grundsprossen  im  Mai  oder  Ende  August. 

Die  so  dankbaren  Blüher  Lathyrus  rotundifolius,  der 
2 — 3  m  hoch  wird,  und  Lathyrus  latifolius,  der  1,5 — 2  m 
Höhe  erreicht,  findet  man  sehr  selten,  und  doch  verdienen 
diese  beiden  öfter  verwendet  zu  werden.  Von  beiden  findet 
man  sowohl  weisse  als  auch  verschiedene  rote  Spielarten 
in  den  Kulturen.  Lathyrus  grandiflorus  und  LatK.  hetero- 
phyllus  werden  auch  als  hochnnkende  Arten  angeführt, 
doch  sind  sie  mir  nicht  näher  bekannt. 

Die  folgende  kleine  Auswahl  von  kletternden  Gesträu- 
chen bietet  zwar  auch  nur  längst  bekannte,  oder  besser 
gesagt,  längst  wieder  vergessene  Arten,  die  zum  mindesten 
ebenso  dankbar  sind  und  doch  weit  schöner  wirken  als 
Ampelopsis  und  Aristolochia.    So   bildet    z.   B. 

Actinidia  Kolomikta,  wo  sie  sich  ungestört  ausbreiten 
kann,  den  wirkungsvollsten  aller  Schlinger,  der  nicht 
allein  seiner  ansehnlichen  weissen  Blüten  halber  ins  Auge 
fällt,  sondern  dessen  Hauptschmuck  in  den  Blättern  be- 
steht, die,  bei  älteren  Pflanzen  mehr  als  bei  jüngeren, 
an  den  Spitzen  der  Triebe  vom  reinsten  Weiss  bis  ins 
dunkelste  Karmin  schimmern,  während  die  älteren  Blätter 
von  glänzend  dunkelgrüner  Farbe  sind.  Junge  Pflanzen 
bedürfen  in  den  ersten  Jahren  eines  leichten  Winter- 
schutzes.     Höhe    ca.    4   m. 

Actinidia  polygama  mit  grüner  Belaubung  wird  6  m 
hoch,  hat  weisse  Blüten  und  geniessbare  Früchte.  Diese 
Art  ist  für  Säulen   besonders   wertvoll. 

Ein  rasch  wachsender  Kletterstrauch  ist  auch  Akebia 
quinata,  deren  Blütezeit  in  die  Monate  April  und  Mai 
fällt.  Die  dünnen  Zweige  sind  mit  immergrünen,  zier- 
lichen Blättern  leicht  bekleidet.  Die  Blumen  erscheinen 
in  den  Blattwinkeln  und  sind  von  dunkelvioletter  Farbe 
und    zart    duftend. 

Von  hervorragender  Schönheit  sind  auch  die  Bigno- 
nien. 


Bignonia  radicans  erreicht  eine  Höhe  von  12 — 15  m 
und  bringt  im  Juli  grosse  Mengen  leuchtend  orangefar- 
bener Blumen.  Ausser  der  Stammform  sind  eine  Anzahl 
Spielarten  mit  scharlachroten,  purpurroten  und  gelben 
Blumen  im  Handel.  Zu  ihrer  vollkommenen  Entwicke- 
lung  bedarf  sie  jedoch  eines  geschützten  Standortes  in 
südlicher  oder  südwestlicher  Lage.  B.  radicans  ist  ebenso 
schnell   wachsend  und   deckt   ebenso   gut  als   Ampelopsis. 

Bignonia  capreolata  wird  zumeist  als  Kalthauspflanze 
kultiviert,  hält  jedoch  in  geschützten  Lagen  im  Freien 
unter  Decke  aus  und  wird  4 — 5  m  hoch.  Die  gelborange- 
farbigen  Blumen    erscheinen    im    Juni — Juli. 

Zur  Bekleidung  von  Lauben  und  Laubengängen  eignet 
sich  vorzüglich  Jasminwm  off-icinale,  der  eigentlich  nicht 
windet,  sondern  geheftet  werden  muss.  Er  erreicht  2 
bis  3  m  Höhe.  Die  angenehm  duftenden,  kleinen,  weissen 
Blüten  entwickeln  sich  je  nach  dem  Standorte  und  der 
Lage  vom  Juni  a.b  bis  zum  Spätherbst.  Jasmin  verlangt 
warme  Lage  und  im   Winter  eine  leichte  Deckung. 

Der  bekannte  Frühlingsblüher  Forsythia  suspenso 
ist  gleich  dem  vorstehend  beschriebenen  ein  rasch 
wachsender  und  beliebter  Zierstrauch,  der  sich  zur  Be- 
kleidung von  Wänden  und  Spalieren  vorzüglich  eignet. 
Er  erreicht  selten  mehr  als  3  m  Höhe,  ist  aber  als  dankbar 
und   schön   zu   empfehlen. 

Dass  Lonicera  Caprifolium,  grata  und  Pcriclymenum 
hierher  zu  zählen  sind,  ist  allgemein  bekannt  und  kann 
ich  es  mir  versagen,  hier  näher  darauf  einzugehen. 

Zur  Bekleidung  von  Säulen,  Bäumen  oder  Pfeilern 
an  Ruinen  eignet  sich  Periploca  graeca  im  besonderen. 
Leider  ist  dieselbe  bei  uns  nicht  ganz  winterhart  und  er- 
fordert eine  gute  Deckung.  Die  an  den  Seitenästchen 
erscheinenden  aussen  hellgrünen,  innen  bräunlichen  Blu- 
men öffnen  sich  im  August  und  sind  angenehm  duftend. 

Ein  wertvoller  neuer  Schlingstrauch  ist  Polygonum 
baldschuanicum,  der  4 — 5  m  lange  Ranken  bildet.  Seine 
Belaubung  ist  dunkelgrün.  Die  herzförmig  zugespitzten 
Blätter  werden  bis  14  cm  lang.  Die  an  den  Enden  der 
Hauptsprossen  befindlichen,  traubigrispig  gestellten  Blüten- 
stände erreichen  eine  Länge  von  30 — 50  cm.  Polygonum 
baldschuanicum  fordert  eine  vollsonnige  Lage  und  lockeren, 
frischgedüngten  Boden.  Die  Blütezeit  beginnt  im  August 
und  der  Flor  der  zart  rosaen  Blumen  dauert  bis  zum 
Eintritt  der  Fröste.  Infolge  seines  schnellen  Wachstums 
und  der  ansehnlichen  Blätter  eignet  sich  dieses  Polygonum 
besonders  zur  Bekleidung  von  Lauben. 

Wenngleich  Glycine  (Wistaria)  sinensis  nicht  überall 
winterhart  ist,  so  ist  sie  doch  empfehlenswert,  da  sie  sich 
im  besonderen  zur  Bekleidung  von  hohen  Objekten  eig- 
net. Sie  erreicht  15 — 20  m  Höhe,  ein  Umstand  der  sie 
besonders  wertvoll  macht.  Die  prächtigen  hellblauen  Blü- 
tentrauben erscheinen  zugleich  mit  den  jungen  Trieben 
von  Mai  bis  Mitte  Juni.  Bei  der  weissen  Abart  sind  die 
Trauben  rein  weis  und  gedrängter  als  bei  der  Stammart. 

Glycine  sin.  floribunda,  Blumen  purpurviolett  mit 
weiss,    hat    ungemein    lange    Blütentrauben,    scheint    abe 


82 


Die    Gartenwelt. 


VII,   7 


die  empfindlichste  von  allen  zu  sein,  da  ich  grössere  Exem- 
plare derselben  in  Deutschland  noch  nicht  gefunden  habe. 
Eine  Höhe  von  8—10  m  erreicht  Glycine,  frutescens, 
die  ihren  Flor  von  Juni  an  entfaltet.  Die  Blätter  sowohl, 
als  auch  die  Blumenrispen  sind  kürzer  als  die  von  Gly- 
cine sin.,  dafür  ist  aber  der,  bei  der  soeben  genannten 
schwach  angedeutete  Duft  kräftiger  ausgeprägt,  was  diese 
Art  im   besonderen   wertvoll    macht. 


Farne. 


Die  Lycopodiaceen,  speziell  Lycopodium  und 
Selaginella. 

Vod   Direktor  K.   Hein,   Gartenbauinstitut,  "Weinheim,   Baden. 

D  ie  schlechthin  zu  der  Familie  der  Lycopodiaceen 
gehörigen  Gattungen  zeigen  in  Bezug  auf  das  Aussehen 
ihrer  vegetativen  Organe  und  in  ihrem  Habitus  eine  so 
grosse  Verschiedenheit,  dass  man  versucht  werden  könnte, 
sie  ganz  verschiedenen  Familien  zuzuteilen.*)  Die  ein- 
zelnen Gattungen  heissen  1.  Phyllgglossum,  2.  Lycopodium, 
3.  Psilotum,  4.  Selaginella  und  5.  Isoetes.  Die  erste,  dritte 
und  fünfte  Gattung  sind  weniger  verbreitet  und  bekannt, 
wir  finden  sie  nur  in  botanischen  Gärten.  Die  bekann- 
testen sind  Lycopodium  und  Selaginella. 

Die  Gattung  Isoetes  umfasst  etwa  63  bekannte  Arten. 
Die  Spezies  I.  lacustris  ist  eine  einheimische,  aber  seltene 
Wasserpflanze  mit  einem  einfachen  kugeligen  Stengel  und 
langen,  drehrunden  Blättern.  Die  Psilotum  sind  Bewohner 
der  Tropen  mit  eckigem,  dichotomisch  verzweigtem  Stengel, 
welcher  mit  kleinen  schuppenartigen  Blättchen  besetzt  ist. 
Phylloglossum  ist  in  Australien  und  Neuseeland  heimisch 
und  eine  kleine,  rosettenartige   Pflanze. 

Die  Gattungen  Lycopodium  und  Selaginella  zählten  die 
Botaniker  früher  unter  dem  Namen  Lycopodium  zusammen, 
man  trennte  jedoch  neuerdings  Selaginella  davon  ab  und 
zwar  mit  Recht.  Man  wird  unter  keinen  Umständen  eine 
Selaginella  als  Lycopodium  bezeichnen  können  und  umge- 
kehrt, wenn  man  sich  genau  ihre  Kennzeichen  klar  ge- 
macht hat.  Wir  wollen  nun  versuchen,  beide  Gattungen 
so  deutlich  wie  möglich  zu  betrachten,  wenigstens  was 
ihren  Habitus  anbetrifft;  auf  nähere  Beschreibung  und 
Kl,] riegung  der  inneren  Bestandteile,  der  Zellen,  Gefäss- 
bündel,  der  Holz-  und  Bastteile  wollen  wir  uns  hier  nicht 
näher   einlassen,    da   dies    für   den    Berufsgärtner   von   ge- 


*)  Anmerkung  der  Redaktion.  Dies  geschieht  auch  nach  den 
neuesten  Forschungen,  welche  in  Engler  Prantl,  Natürlii  he  Pflan- 
zenfamilien, niedergelegt  sind.  Dir  4.  Klasse  der  2.  l'nti  rab- 
tcilung  Pteridophyta  der  III.  Abteilung  Embryophyta  asiphono- 
gama  hat  hiernach  folgende  Familien:  Lycopodiaeeae  mit  den 
Gattungen  Phylloglosswn  und  I/ycopoäium;  Psilotaceae  mit  den 
Gattungen  Tmesipteris  und  Psilotum;  Selaginellaceas  mit  der  ein 
zigen  artenreichen  Gattung  Selaginella ;  Isoetaceae  mit  der  ein- 
zigen Gattung  Isoetes;  ausserdem  vier,  hier  belanglose  Familien 
mit    meist   fossilen   Vertretern. 


ringerer  Bedeutung  ist;  dies  ist  Sache  der  Physiologen. 
Die  geschlechtliche  Vermehrung  der  Lycopodiaceen  aus 
Sporen  und  Prothallien  ist  jedoch  so  charakteristisch  für 
die  einzelnen  Gattungen  und  so  wunderbar,  dass  dieselbe 
von  Interesse  für  uns  ist  und  deshalb  nicht  unerwähnt 
bleiben  darf. 

Zunächst  wollen  wir  mit  der  Beschreibung  der  uns 
bekanntesten  Gattung  der  Lycopodiaceen,  mit  Selaginella, 
beginnen.  Bis  jetzt  konnte  man  den  Namen  Lycopodium 
noch  nicht  aus  dem  Sprachgebrauch  der  Gärtner  ver- 
bannen, obgleich  er  für  die  in  unseren  Gewächshäusern 
kultivierten  Arten  ganz  und  gar  unrichtig  ist.  Wir  haben 
in  den  Gewächshäusern  keine  Lycopodien  sondern  nur 
Selaginellen  teils  baumartig,  teils  strauchartig,  teils  moos- 
artig, bald  kletternd,  bald  kriechend. 

Die  Blätter  der  Selaginellen  sind  immer  nur  wenige 
Millimeter  lang,  eirund  bis  lanzettlich  und  von  verschie- 
dener Grösse.  Die  seitenständigen  Blätter  sind  grösser 
und  fast  horizontal  abstehend,  die  obere  und  untere  Reihe 
sind  kleinere  Blätter  und  schuppenartig  dem  Stengel  auf- 
liegend, sodass  sich  also  bei  Selaginella  eine  vollständig 
4  zeilige  Blattstellung  ergiebt.  Wie  alle  Cryptogamen,  so 
vermehren  sich  auch  die  Selaginellen  aus  Sporen.  Dies  ist 
ein  ganz  feiner  Staub,  der  bekanntlich  bei  den  Farn- 
kräutern teils  am  Rande  der  Blattfiedern,  teils  in  Streifen 
und  teils  auf  Häufchen  an  der  Blattunterfläche  sitzt.  Bei 
allen  Lycopodiaceen  sind  diese  Sporen  in  kleine  Kapseln 
eingeschlossen,  die  man  Sporangien  nennt,  und  sitzen  diese 
in  den  Blattachseln.  Der  Form  nach  sind  dieselben  glatt, 
länglichrund  und  springen  zur  Reifezeit  in  zwei  Klap- 
pen auf.  Bei  manchen  Spezies  stehen  diese  Sporangien 
in  einer  besonderen  Fruchtähre  vereinigt  und  zwar  eben- 
falls in  den  Blattachseln  der  hier  spiralig  stehenden 
schuppenartigen  Blätter.  Bei  anderen  Species  jedoch 
sitzen  die  Sporangien  in  den  Achseln  der  Stengelblätter. 

Bei  den  Selaginellen  hat  man  zweierlei  Arten  von  Spo- 
ren gefunden,  und  zwar  die  Makrosporen  und  Mikrosporen, 
und  demzufolge  unterscheidet  man  auch  Makro-  und 
Mikrosporangien.  Ein  Makrosporangium  enthält  stets  dri  i 
bis  vier  Makrosporen,  ein  Mikrosporangium  aber  unend- 
lich viele  staubfeine  Mikrosporen.  Auf  der  einen  Seite 
des  Stengels  sitzen  in  den  Blattachseln  nur  Makrospo- 
rangien,  auf  der  anderen  nur  Mikrosporangien.  Die  Makro- 
sporen sind  die  weiblichen  Organe,  die  Mikrosporen  aber 
die  männlichen.  Zur  Zeit  der  Reife  und  nach  dem  Aus- 
fallen der  Sporen  bildet  sich  aus  der  Makrospore  ein 
Prothallium,  indem  sich  die  einzelnen  Sporenzellen  zu  einer 
Gewebeschicht  ausbilden.  Das  Prothallium  ist  uns  auch 
bekannt  bei  den  Farnen.  Nach  dem  Ausfallen  der  Sporen 
derselben  bildet  sich  aus  jeder  Samenspore  ein  kleines, 
flaches,  wurzelloses,  hellgrünes  Zellgewebe,  aus  dem  sich 
nach  einiger  Zeit  die  junge  Pflanze  entwickelt.  Bei  den 
Selaginellen  ist  das  Ähnliche  der  Fall,  nur  müssen  zur  weite- 
ren Entwickelung  die  Mikrosporen  noch  mithelfen,  indem 
sich  aus  ihnen  fadenförmige  Gebilde  entwickeln,  soge- 
nannte Schwärmfäden  oder  Spermatozoiden,  die  auf  das 
weibliche  Prothallium  der  Makrospore  gelangen  und   hiej 


VII,   7 


Die    Gartenwelt. 


83 


die  Befruchtung  der  Eizelle  und  das  Entstehen  der  jungen 
Pflanze  bewirken. 

Was  die  Kultur  der  Selaginellen  betrifft,  so  ist  dieselbe 
einem  jeden  Gärtner  wohl  bekannt.  Die  Selaginellen  sind 
gewissermassen  das  Unkraut  unserer  Warmhäuser.  Sie 
bilden  an  der  der  Erde  zugekehrten  Seite  reichlich  Luft- 
wurzeln und  es  wachsen  die  einzelnen  abgerissenen  Zweige 
überall  leicht  weiter.  Die  Selaginellen  verlangen  eine 
warme,  dunstige  Atmosphäre  und  gleichmässige  Feuchtig- 
keit. Als  schönste  Arten  sind  zu  nennen :  Selaginella  apoda, 
eaesia,  caesia  arborea,  denticulata,  denticulata  varie- 
gata,  emelliana,  setosa,  Walichii,  pubeseens,  formosa,  fili- 
cina   u.    a.    m. 

Was  nun  das  Aussehen  der  Lycopodien  anbelangt,  so 
ist  vor  allem  charakteristisch  der  Stand  ihrer  Blätter  und 
die  Form  derselben.  Bei  einzelnen  Spezies  sind  die  Blätter 
sehr  verschieden,  bald  länger,  bald  kürzer,  bald  breiter, 
bald  schmäler,  immer  aber  sind  sie  nicht  gestielt  und 
mit  schmaler  Basis  sitzend.  Sie  sind  rund  um  den  Sten- 
gel anscheinend  regellos  verteilt  und  liegen  demselben 
bald  auf  bis  auf  die  abstehende  Spitze,  bald  stehen  sie 
ganz  ab.  Die  Blätter  sind  von  geringer  Breite  und  haben 
nur  einen   Mittelnerv. 

Der  Habitus  der  Lycopodien  ist  teils  aufrecht  wach- 
send und  aufrechte  Verzweigung  bildend,  wie  bei  Lycopo- 
dium Selago,  phlcgmaria  und  ulicina,  sehr  häufig  aber  auch 
kriechend;  dann  liegen  die  Hauptäste  und  kräftigen  Zweige 
auf  der  Erde  auf  und  treiben  hie  und  da  Wurzeln  nach 
unten.  Nur  die  die  Fruchtähre  tragenden  Gabeläste  wach- 
sen aufwärts. 

Die  Vermehrung  der  Lycopodien  geschieht  nur  aus 
Makrosporen,  wenigstens  hat  man  bis  heute  noch  keine 
Mikrospuren  gefunden.  Die  Sporangien  sitzen  ebenfalls 
in  den  Blattachseln  der  Fruchtähre.  Das  sich  aus  der 
Makrospore  bildende  Prothallium  ist  also  einhäusig  (mo- 
noecisch)  und  bedarf  nicht  der  befruchtenden  Mikrospore 
oder  der  daraus  entstehenden  Spcrmatozoide.  Ausserdem 
vermehren  sich  die  Lycopodien  noch  durch  Brutknöllchen, 
die  sich  in  den  Blattachseln  bilden.  Sie  fallen  zur  Erde 
und  es  entstehen  daraus  selbständige  Pflanzen. 

Nochmals  also  kurz  die  Unterschiede  zwischen  Lyco- 
podium und  Selaginella  zusammengestellt,  so  ergiebt  sich: 
Selaginella  hat  meistens  zweierlei  Blätter,  grosse  und  kleine 
und  zwar  vierzeilig  geordnet ;  die  grossen  links  und  rechts, 
die  kleinen  oben  und  unten  am  Stengel.  Bei  Lycopodium 
sind  die  Blätter  gleich  gross  und  rund  um  den  Stengel 
verteilt.  Bei  Selaginella  sitzen  die  Sporangien  oder  Sporen- 
kapseln in  den  Blattachseln  und  zwar  auf  der  einen  Seite 
des  Stengels  Makrosporangien,  auf  der  anderen  Mikro- 
sporangien.  Bei  Lycopodium  stehen  dieselben  aber  in 
einer  besonderen  Fruchtähre  und  diese  enthält  nur  Makro- 
sporangien. Selaginella  sind  meist  ausländische,  tro- 
pische Pflanzen,  die  man  bei  uns  nur  in  Warmhäusern 
ziehen  kann;  Lycopodium  aber  wachsen  in  unseren  Wäl- 
dern wild. 


Obstbau. 


Die    Obstbaumpflanzungen    auf   dem  Gebiete  der 

Grossberzoglichen  Landes-Irrenanstalt  Sachsenberg 

bei  Schwerin  i.  Mecklbg. 

Von  Joh.  Resinger,  Obstgärtner  der  Grossherzoglichen  Irrenanstalt 
Sachsenberg. 

In  neuerer  Zeit  wird  zwar  fast  überall  grössere  Sorgfalt 
auf  das  Pflanzen  der  Obstbäume  verwendet  als  ehedem,  aber 
die  weitere  Behandlung  derselben  ist,  insbesondere  bei  manchen 
Privaten,  mangelhaft,  ja  mitunter  eine  ganz  verkehrte,  wovon 
man  sich  leider  noch  täglich  überzeugen  kann.  Sehr  viel  wird 
auch  in  der  Bearbeitung  des  Bodens  unter  den  Bäumen  gefehlt, 
zumal  hinsichtlich  der  richtigen  Düngung,  obgleich  die  grösseren 
Ausgaben  hierfür  durch  frühere  und  reichere  Ernten  vollauf 
gedeckt  werden.  Dass  bei  sorgfältiger  Behandlung  der  Bäume, 
bei  guter  Bodenbearbeitung  und  zweckmässiger  Düngung  schon 
in  verhältnismässig  kurzer  Zeit  schöne,  grosse,  tragfähige  Kronen 
sich  erziehen  lassen,  auch  wenn  die  Bodenverhaltnisse  durch- 
aus nicht  günstig  zu  nennen  sind,  dafür  liefern  die  Obstanlagen 
der  Grosshtrzoglichen  Landes-Irrenanstalt  einen  Beweis.  Es  be- 
finden sich  zur  Zeit  auf  dem  Anstaltsgebiete  1150  tragbare,  hoch- 
stämmige Obstbäume  im  Alter  von  20 — 70  Jahren;  meist  sind 
es  Apfelbäume,  etwa  ein  Drittel  Birnen  und  über  200  Sauer- 
kirschen. Unter  den  alten  Bäumen  befinden  sich  nur  wenige 
gute  Sorten,  einige  „Prinzenäpfel",  „gelber  Richard",  „Graven- 
steiner",  „Roter  Eiserapfel"  und  einige  Reinetten,  sowie  „Dami- 
ger Kantapfel" .  Dasselbe  gilt  auch  von  den  Birnen,  unter  denen 
einige  „Graue  Herbstbutterbirnen" ,  „Diels-Butterbirnen"  und  Ber- 
gamotten   vertreten   sind. 

Mit  den  Neupflanzungen  wurde  im  Herbst  1894  begonnen.  Es 
wurden  gepflanzt  Hochstämme  von  „Goldreinette  v.  Blenheim", 
„Harberts-Reinette" ,  „Gelber-Richard" ,  „Charlamowsky" ,  „Gelber 
Bellefleur"  und  „Langtons  Sondersgleichen".  Halbstämme  :  „Danzi- 
ger  Kantapfel",  „Harberts-Reinette" ,  „Kanada-Reinette"  und  „Clu- 
dius-Herbstapfel".  Pflaumen  und  Zwetschen:  „Königin  Viktoria", 
..Italienische"  und  Hauszwetsche.  Birnen:  „Hannoversche  Ja- 
kobsbirne", „Gute-Louise  v.  Avranches",  „Herzogin  v.  Angouleme", 
„Amanlis-Butterbirne"  und  „Liegels-Winterbutterbime".  Letztere 
musste  wegen  der  stark  auftretenden  Schorf-  und  Brandkrankhei- 
ten wieder  umgepfropft  werden.  Bis  zum  Herbst  1897  wurden  ca. 
500  hoch-  und  halbhochstämmige  Obstbäume  angepflanzt,  von  de- 
nen schon  viele  zu  stattlichen  Bäumen  herangewachsen  sind  und 
ihre  Pflege  mit  schönen  Früchten  belohnen.  Der  erste  Zwergobst- 
garten wurde  im  Herbst  1894  angelegt.  Es  wurden  gepflanzt 
23  Stück  Apfelpyramiden,  40  Stück  Birnpyramiden,  60  Apfel- 
cordons  und  50  Birncordons,  zusammen  173  Stück.  Diese  Bäume 
wurden,  trotz  der  oft  gehörten  Behauptung,  dass  aus  südlicher 
gelegenen  Gegenden  kommende  im  Norden  nicht  gedeihen, 
von  N.  Gaucher,  Stuttgart,  bezogen.  Die  Bäume  sind  schön  ge- 
wachsen und  tragen  herrliche  Früchte.  Im  Frühjahr  1896  wurde 
auch  mit  der  -Anlage  einer  Zwergobstbaumschule  begonnen  und 
1700  Zwerg  obstunterlagen  gepflanzt.  Diese  wurden  im  selben 
Jahre  okuliert  und  darauf  in  verschiedenen  Formen  nach  der 
bewährten  Gaucher'schen  Methode  gezogen,  hauptsächlich  in 
Pyramiden,  Palmetten  und  wagerechten  Cordons.  Von  diesen 
selbstgezogenen  wurden  im  Frühjahr  1898  200  Stück  zur  Anlage 
eines  neuen  Zwergobstgartens  verwendet.  Die  Baumschulen  der 
Anstalt  wurden  von  Jahr  zu  Jahr  vergrössert,  so  dass  jetzt 
ein  Bestand  von  4700  Obstbäumen  in  verschiedenen  Grössen 
vorhanden  ist,  wovon  eine  grosse  Zahl  Hoch-  und  Halbhoch- 
stämme. Nur  den  hiesigen  Bodenverhältnissen  entsprechende  Sor- 
ten wurden  angepflanzt,  hauptsächlich  „Gravensteiner" ,  „Gelber 
Richard",  verschiedene  Reinetten,  sowie  einige  der  besten  vom 
Deutschen  Pomologen-Verein  empfohlenen  Birnen,  Kirschen  und 
Pflaumen.  Einige  gut  empfohlene  neuere  Sorten  wurden  probe- 
weise   angepflanzt   und   lieferten   zum   Teil   schöne    Früchte   bei 


84 


Die  Garten  weit. 


VII,    7 


früher  Tragbarkeit.  Auch  von  „Weisser  Wintercalvill"  wurden 
drei  Pyramiden  und  vier  wagerechte  Cordons  versuchsweise  an- 
gepflanzt, welche  im  vergangenen  Jahr  schon  recht  schöne 
fleckenlose  Früchte  brachten.  Die  Bäume  wurden  dreimal  wah- 
rend der  Wachstumsperiode  mit  Kupferkalkbrühe  bespritzt,  im 
Frühjahr  mit  Thomasmehl  und  Kainit  gedüngt  und  im  Sommer 
öfters   mit  Wasser  und  Jauche  begossen. 

Im  Herbst  1899  wurde  der  dritte  Zwergobstgarten  ange- 
legt, der  einen  Flächenraum  von  etwa  7000  qm  hat.  Es  wurden 
angepflanzt  96  Birnpyramiden,  94  Apfelpyramiden,  40  Apfel- 
kordons, 85  Birnkordons,  31  Johannisbeerhochstämme  und  20 
Stachelbeer-Hochstämme,  40  Birnspaliere,  zusammen  406  Stück. 
Die  Bäume  wurden  ausschliesslich  der  hiesigen  Baumschule 
entnommen.  Im  Herbst  1900  wurden  wieder  eine  grössere  An- 
zahl „Gravensteiner",  „Brinzenapfel" ,  „Schöner  v.  Boskoop",  „Win- 
ter-Goldparmäme",  „Baumans-Beinette"  und  „Gelber  Bellefleur" 
angepflanzt.  Insgesamt  umfasst  der  jetzige  Bestand  an  tragbaren 
Obstbäumen  4700  Stück.  Auch  Beerenobst  wurde  in  verschie- 
denen Sorten  gezogen,  das  nebst  Erdbeeren  als  Zwischen- 
pflanzungen  in   den    Obstgärten   seinen   Platz    erhielt. 


Nachruf. 


Ulrich  von  Saint-Panl-lllaire  f. 

Am  ZI.  Oktober  d.  J.  verschied  auf  seinem  schönen  Landsitze  in 
Fischbach  im  Riesengebirge  Herr  v.  St.  Paul  im  70.  Lebensjahre. 
Diese  Trauerbotschaft  hat  weite  Kreise  tief  bewegt,  zumal  aber  seine 
zahlreichen  Freunde  und  wiederum  vor  allem  die  Dendrologen,  die 
ihn  vor  kurzem  noch  in  Hannover  rüstig  und  frisch  präsidieren  und 
alle   Exkursionen  wie  der  Jüngsten  einer  mitmachen  sahen. 

Ja,  er  ist  von  uns  geschieden,  der  Mann,  welcher  als  begeisterter  Freund, 
Kenner,  Pflanzer  und  Pfleger  von  Bäumen  so  viel  geleistet,  so  viele 
für  die  schöne,  gemeinnützige  Sache  begeistert  hat. 

Man  muss  ihn  in  seinem  Besitztum  gesehen  haben,  wo  er  Freun- 
den seine  Lieblinge  vorführte,  alle  die  Seltenheiten  an  Bäumen, 
Sträuchern,  Stauden,  die  er  alle  eingehend  studierte  und  jeder  Pflanze 
den  ihr  zusagenden  Platz  anwies.  So  ergab  sich  dann  wie  von  selbst 
ein  interessantes  Feld,  wo  dem  Beschauer  auf  Schritt  und  Tritt  Schönes, 
Neues,  Überraschendes  entgegentrat.  —  Vom  F'rühjahr  bis  in  den 
Herbst  ein  blühender  Garten,  reich  an  Seltenheiten;  Wiesen  und  Ge- 
büschränder bevölkert  mit  schönen  Kindern  fremder  Zonen  neben  den 
schönen  einheimischen   Pflanzen,  die  darüber  nicht  vergessen   wurden. 

Der  Verstorbene  hatte  ein  ganz  besonderes  Geschick,  seltene  und 
kritische  Pflanzen  richtig  anzubringen  und  der  Natur  abzulauschen,  wie  sie 
behandelt  sein  wollten;  darum  sahen  wir  bei  ihm  auch  so  reiche  Samm- 
lungen, um  die  ihn  manche  beneideten  und  die  wissenschaftlichen 
Gärten  zur  grössten   Zierde  gereicht  hätten. 

Es  war  ein  wahres  Idyll,  sein  Heim ;  eine  reizende,  griinumrankte 
Villa  im  immerblühenden  Garten  eines  schönen  Gebiigsthals,  von  hohen 
Bergen  als  herrlichem   Hintergrund  umsäumt. 

Von  Aufzählungen  vi,n  Pflanzen  müssen  wir  hier  ganz  absehen, 
wir  erinnern  nur  an  die  unendliche  Mühe  und  Ausdauer,  die  der  Ver- 
storbene verwandte,  um  ausländische  wertvolle  Laub-  und  Nadelhölzer, 
sei  es  zum  Schmuck  unserer  Gärten,  sei  es  zum  Nutzen  für  unsere 
Waldungen,  in  wertvollem  Saat-  oder  Pflanzgut  zu  beschaffen  und  zu 
verbreiten. 

Alle  unsere  dendrologischen  Freunde  haben  das  während  der  langen 
Jahre  seiner  Thätigkeit  mit  erlebt,  und  Schreiber  dieses,  welcher  das  Glück 
hatte,  über  15  Jahre  Mitarbeiter  des  teueren  Dahingeschiedenen  zu  sein, 
weiss  am  besten,  was  er  geleistet  und  wie  unendlich  viel  wir  ihm  zu 
danken   haben ! 

Ulrich    von    St.   Paul    wurde    am    14.    April    1833   in   Berlin  als 

Sohn    des  Obersten    von    St.    Paul  geboren,    welcher   in  der  schleswig- 

holsteinschen    Armee   diente   und    vor  Fiiedericia    den  Heldentod  fand. 

Unser   v.    St.  Paul    trat    in    die    preussische  Marine   ein,    der  er 

25  Jahre  als  Seeoffizier  diente,  und  in  der  er  als  Korvetten-Kapitän  und 


Hofmarschall  des  verstorbenen  Admirals  Prinzen  Adalbert  von  Preussen 
thätig  war.  Auf  seinen  Reisen  lernte  er  auch  die  Tropen  kennen,  zumal 
in  Afrika  und  Südamerika  und  so  viele  schöne  Gegenden  und 
herrliche  Besitzungen  im  Auslande.  Bei  längerem  oder  kürzerem 
Aufenthalt  fand  er  Gelegenheit,  grossartige  Eindrücke  in  sich  aufzu- 
nehmen und  der  Natur  so  vieles  Schöne  abzulauschen,  was  er  später  im 
eigenen  Heim  verwerten  konnte, 

Dass  es  einem  Manne  wie  unserem  v.  St.  Paul  unmöglich  war 
sich  in  die  Mauern  einer  Stadt  einzusperren,  nachdem  er  so  lange 
Jahre  auf  dem  Meere  gelebt  und  die  grossartigen  Naturschönheiten 
genossen,   wird  wohl  niemand  wunder  nehmen. 

Seine  eigenen  Werte  lauten:  „Nachdem  ich  aufs  Trockene  gesetzt 
war  —  bin  ich  in  den  Wald  und  Garten  gegangen  und  bin  Gärtner  und 
Baumpflanzer  geworden."  — 

Ja,  das  ist  er  geworden  und  gewesen  bis  an  sein  Ende,  uns  allen 
zum  Vorbilde.  Als  die  Koniferen  kenner  und  Züchter 
zusammentraten,  war  er  sofort  bei  der  Hand,  die  Sache  zu  fördern  und 
zu  unterstützen  und  als  aus  diesen  bescheidenen  Anfängen  die 
deutsche  dendrologischeGesellschaft  herauswuchs ,  trat 
er,  auf  Wunsch  aller  Beteiligten,  an  die  Spitze  und  hat  als  ihr  treuester 
Freund,  Berater  und  Förderer  die  Sache  so  zu  führen  verstanden,  dass 
heute  über  500  Mitglieder  in  allen  Richtungen  der  Windrose  ihr  an- 
gehören und  rüstig  für  sie  arbeiten. 

Zunehmende  Schwerhörigkeit  ist  ihm  in  den  letzten  Jahren  im  Um- 
gang oft  lästig  gefallen,  aber  sonst  hat  er  die  Last  des  Alters  nicht 
empfunden;  er  blieb  sich  immer  gleich,  war  stets  der  gleich  liebens- 
würdige Mensch  und  freundliche,  hilfsbereite  Mann,  für  Jedermann  zu- 
gänglich,  gleich  gütig  gegen  alle. 

Im  vergangenem  Winter  suchte  er  Erholung  am  schönen  sonnigen 
Gardasee  und  wie  entzückt  berichtete  er  über  die  Schönheiten,  die  er 
in  vollen   Zügen  genoss. 

Wer  hätte  geahnt,  dass  die  so  schöne  und  lehrreiche  Jahresver- 
sammlung in  diesem  Jahre  in  Hannover  die  letzte  sein  sollte,  in  der  er 
den  Vorsitz  führte ! 

Kurz  nach  seiner  Rückkehr  nach  Fischbach  erkrankte  er  an  Rippen- 
fellentzündung und  die  Hoffnung,  dass  die  kräftige  Natur  diesen  schweren 
Aufall  siegreich  bekämpfen  würde,  erfüllte  sich  leider  nicht.  Er  ent- 
schlummerte sanft  in  seinem  schönen  Heim  und  wurde  aus  seinen  Lieb- 
lingen hinausgetragen,  um  in  Berlin  zur  letzten  Ruhe  gebettet  zu 
werden. 

Trauernd  stehen  alle  Baumfreunde  mit  uns  am  Grabe  dieses  uns 
so  teueren  Ehrenmannes,  alle  werden  ihm  ein  treues  Gedenken  be- 
wahren, und  unauslöschlich  wird  immer  der  Name  v.  St.  Paul  in  die 
Geschichte  der  Dendrologie  eingetragen  bleiben.  L.   Beissner. 


Personal-Nachrichten. 

Brahe,  Fritz,  ehemaliger  Dresdener,  hat  sich  in  Mannheim, 
Lameystrasse   171,  als  Landschaftsgärtner  niedergelassen. 

Keebach  und  Reinecke,  Obergärtner  zu  Sigmaringen,  wurde  das 
rumänische  goldene  Ehrenzeichen  für  treue  Dienste  verliehen. 

Reissig,  Bela,  bisher  in  Reutlingen  thätig,  übernahm  die  gärt- 
nerische Leitung  des  Erholungsheims  „Monte  Verita"  in  Ascona,  Kanton 
Tessin  (Süd-Schweiz). 

Schmidt,  Ernst,  früherer  Inhaber  der  Firma  Haage  &  Schmidt 
in  Erfurt,  starb  auf  seiner  Villa  in  Kötzschenbroda-  bei  Dresden  am 
3.  November.  Nach  einem  langen  Leben  regster  Thätigkeit  in  Erfurt 
beschäftigte  der  Verstorbene  sich  in  seihen  letzten  Jahren  nur  noch 
mit  einem  vorzüglich  gepflegten  Obstgarten  und  pomologischen  Tages- 
fragen. Die  Kgl.  Gartenbaugesellschaft  F'lora  schätzte  besonders  seine 
weitgehende  Pflanzen-  und  Geschäftskenntnis  und  nahm  seine  Arbeits- 
kraft in  den  verschiedenen  Ausschüssen  gern  und  oft  in  Anspruch.  In 
Dresden  bewahrt  man  ihm  dauernd  ein  dankbares  Andenken. 

Sussmann,  Rudolf,  ehemaliger  Diesdener,  hat  sich  in  Hirsch- 
feld i.  Schi. ,  Warmbrunnerstrasse  12  a,  als  Landschaftsgärtner  und 
Garteningenieur  niedergelassen. 


Veranlwortl.  Redakteur:    Max  Hesdörffer,  Berlin.  —  Verlag  von  Richard  Carl  Schmidt  &  Co..    Leipzig.   —  Druck  von  C.  Grumbach  in  Leipzig. 


Illustriertes    Wochenblatt   für    den    gesamten    Gartenbau. 


Jahrgang  VII. 


22.  November  1902. 


No.  8 


Nachdruck  und  Nachbildung  aus  dem  Inhalt  dieser  Zeitschrift  wird  strafrechtlich   verfolgt. 


Dahlien. 


Ahrensburgef  Edeldahlien-Neuheiten. 

Von  W.  Moritz,  Handelsgärtner,  Ahrensburg. 
(Hierxu  eine  Abbildung.) 

Als  sicli  hier  endlich  die  Stürme  des  diesjährigen 
Sommers  ausgetobt  hatten  und  die  Herbstsonne  freundlich 
und  mild  herniederlächelte,  durchwandelte  ich,  wie  schon 
so  oft,  den   „Ahrensburger   botanischen   Garten",    womit 


nach  der  Mitte  zu  die  weissen  Blumenblätter  mit  Rosa 
umsäumt  oder  umrandet  sind. 

„Loxin"  wird  nur  etwa  meterhoch  und  zeichnet 
sich  besonders  durch  die  schöne  Haltung  der  in  reicher 
Fülle  erscheinenden  Blumen  aus.  Die  Farbe  derselben 
ist  Karminrosa  mit  Schattierungen  von  Chamois  und 
Lachsorange. 

Weiter  notierte  ich  mir  noch  die  Neuheiten  „Carmen 


dt 


| 


ich     die    Gärtnerei  insbesondere    die    interessanten      Sylva"-;    welche    ebenso     hoch    wie    die    vorhergehende 

Stauden-Gefilde  —  der  Firma  Nonne  u.  Hoepker 
meine,  und  gelangte  dabei  bald,  meinem  „Kismet" 
zufolge,  zwischen  die  Dahlien-Felder,  wo  alles 
in  herrlichster  Entwickelung  prangte. 

Nicht  zum  Wenigsten  die  hierneben  ab- 
gebildeten Neuheiten,  von  welchen  ich  von  jeder 
Sorte  schon  einen  Vorrat  von  ca.  60  Stück  ent- 
wickelter Pflanzen  zählte.  Dieselben  mussten 
wohl  jedem  Dahlien -Freund  gefallen,  den 
Kennern  aber  fast  noch  wertvoller  erscheinen. 

Denn  in  diesem  so  kritischen  Dahlien- 
jahr, wo  vielerorts,  jedenfalls  durch  die  un- 
günstigen Witterungseinflüsse,  manche  Neu- 
heiten -  Sorten  uns  wahrhaft  sezessionistische 
Gebilde  vorgaukelten,  waren  diese  jüngsten 
Neuheiten  in  solch  überraschend  schöner 
Flor-Entwickelung  zu  finden,  dass  dies  gewiss 
als  ein  „gutes  Zeichen"  anzusehen  ist,  dafür. 
dass  dieselben  sich  in  günstigeren  Jahren  erst 
recht  als  charakteristische  Edel-Dahlien  zeigen 
werden.  Für  Gartenschmuck-Zwecke  wie  für 
die  Binderei  sind  beide  Sorten  gleich  wertvoll, 
im  besonderen  aber  könnte  man  noch  dem 
beifügen,  dass  „Victor  v.  Scheffel"  für  die  letz- 
teren Zwecke  und  „Lenatt."  für  die  ersteren 
sehr  gefragt  sein  wird. 

„Victor  v.  Scheffel"  blüht  sehr  reich  und 
wird  circa  115  cm  hoch.  Die  Blumen  sind 
mittelgross,  schön  geformt  und  stehen  auf 
langen    Stielen    frei     über    dem    Laubwerk;     die 

Färbung    ist    ein    zartes    Eosa,    nach     der    Mitte  Dahlia  _Victor  v  Scheffel.,      und  ,Lenau- 

zu    in    Weiss    übergehend     und    zwar    so,     dass  (2  Blumen  links).  (2  Blumen  rechts). 

Die  Gartenwelt.     VIII.  (Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt".)  47 


fe 


86 


Die  Gartenwelt. 


VII.  8 


wird.  Die  Blumen  sind  von  grossem,  lockerem  „Gloriosa"- 
Bau  und  erscheinen  zahlreich  auf  langen  Stielen.  Die 
Blütenfarbe  ist  ein  hübsches,  sanftes  Violettrosa. 

„Heinrich  Heine"  wird  1  m  hoch  und  bringt  viele 
Blumen,  welche  mittelgross  sind  und  sich  gefällig  tragen. 
Die  Färbung  ist  eine  Art  Purpurkarmin  mit  weissen 
Spitzen,  also  eine  zweifarbige  konstante  Sorte;  sie  ist 
reichblühend. 

„Hans  Sachs",  Höhe  1  m,  mit  dunkelbraunen, 
karmindurchleuchteten  Blumen  von  guter  Form,  auf  langen 
starken  Stielen  stehend.  Selbstverständlich  ist  auch  diese 
Sorte  sehr  reichblühend,  sonst  hätte  ich  dieselbe  nicht 
mit  notiert,  da  man  jetzt  schon  in  „Dahlien-  alles  was 
irgendwie  in  einer  Hinsicht  nicht  auffällt  ganz  von  selbst 
übersieht,  bezw.  aus  naheliegenden  Gründen  übersehen 
muss. 


„Britannia",  eine  herrliche  Kaktusdahlie  für 
Bindezwecke.*) 


z, 


Von  Paul  Berthold,  Bandeisgärtner,  Zwickau. 
(Hierxu  cinr  Abbildung.) 


Zunächst  möchte  ich  dem  Herausgeber  der  „Gartenwelt" 
Dank  sagen  für  die  durch  Veranstaltung  des  Preisausschreibens 
gegebene  Anregung,  Erfahrungen  und  Kenntnisse  im  Berufe 
auszutauschen.  Es  ist  meines  Erachtens  sehr  wertvoll,  wenn 
auch  diejenigen  Fachgenossen  ihre  Erfahrungen  in  einer 
ernsten  Fachzeitschrift  wie  die  „< "lartenwolt"  veröffentlichen, 
welche  nur  über  Kulturen  bescheidenen  Umfanges  verfügen, 
die  sie  vielleicht  mit  den  denkbar  einfachsten  Hilfsmitteln 
betreihen.  Wie  manche  scheuen  sich  nur  deshalb  ihre  Er- 
fahrungen zum  besten  zu  geben,  weil  es  ihnen  schwer  fällt, 
ihre  Gedanken  in  Worte  zu  kleiden  oder  weil  sie  zu  be- 
scheiden sind,  ihren  Erfahrungen  (leltung  zu  verschaffen. 
Hier  glaube  ich,  setzt  das  Preisausschreiben  zur  rechten  Zeit 
ein,  indem  'es  manchen  anspornt  zur  Mitarbeit  zum  Wohle 
des  ganzen  Berufes. 

Nach  dieser  Einleitung,  welche  mir  gestattet  sei,  will 
ich  zur  umstehenden  Abbildung  meiner  Dahlien  „Britannia" 
einige  Erläuterungen  geben.  Schon  seit  mehreren  Jahren 
mache  ich  die  Beobachtung,  dass  im  Erblühen  und  Nicht- 
erblühen  von  Dahlien  schirr  unberechenbare  Zufälligkeiten 
obwalten.  So  blühten  die  Seite  87  abgebildeten  „Britannia" 
bereits  im  Juli  in  grosser  Oeppigkeit,  während  dies  in  anderen 
.fahren  keineswegs  der  Fall  war.  Ob  die  ihnen  widerfahrene 
Behandlung  ausschlaggebend  dabei  war,  lasse  ich  dahingestellt 
sein.  Nachstehend  aber  einige  Angaben  wie  ich  versuche 
mich  durch  rationelle  Behandlung vm  <  1. -n  ..Launen  der  Natur" 
unabhängig  zu   machen. 


*)  A.  merkung  der  Redaktion.  Eine  der  Einsendungen 
zum  Preisaus  breibeu,.  welche  wir  für  dir  Zeitschrift  erworben  haben. 
Wir  hoffen,  dass  die  Worte,  welche  der  Verfasser  dieser  Arbeit  in 
seiner  Einleitung  sagt,  von  unseren  Freunden  beachtet  werden.  Wir 
sind  Herrn  Berthold  dankbar,  dass  er  seine  Kollegen  indirekt  auf- 
fordert, ihre  Erfahrungen  uns  mitzuteilen.  Wir  wollen  keine  stilistischen 
Meisterwerke  sehen;  wir  wollen  Winke  und  Vorschlage  aus  der  Praxis, 
sei  es  des  Handelsgärtners,  des  botanischen  oder  Privatgärtners  u.  s.  w., 
zur  Kenntnis  weiterer  Kreise,  namentlich  auch  der  jungen,  vorwärts- 
strebenden  Gärtner  bringen.  Deshalb  ist  uns  auch  der  bescheidenste 
Beitrag  willkommen,  wenn  er  nur  einen  guten  „Kern"  hat. 


„Britannia"  bildet  etwa  1  m  hohe,  lockere  Büsche.  Auf 
starken,  straffen  Stielen  erheben  sich  die  edelgeformten  Blumen 
frei  über  dem  Laube.  Die  Farbe,  ein  feines  Lachsrosa,  ist 
herrlich  und  macht  die  Blume  zu  einem  ausgezeichneten 
Werkstoff  der  feinen  Binderei.  Auch  die  Belaubung  der 
Sorte  ist  tadellos,  die  Blätter  sind  derb  und  glänzend.  Jeder, 
der  die  abgebildeten  Pflanzen  in  Blüte  sah,  war  entzückt  von 
dem  herrlichen  Anblick.  Schon  im  Herbst  bestimme  ich  ein 
Stück  Land,  auf  welches  dann  im  Frühjahr  die  Dahlienknollen 
gepflanzt  werden.  Das  Land  wird  weder  im  Herbst  noch 
später  im  Frühjahr  gegraben.  Es  bleibt  unbearbeitet  liegen, 
an  und  für  sich  eine  wesentliche  Ersparnis  an  Zeit  und  Geld. 
Ende  April  werden  dann  die  Knollen,  welche  nicht  zu  alt 
und  gross  sein  dürfen  —  grosse  werden  entsprechend  geteilt  — 
gepflanzt.  Die  Erde  wird  da,  wo  eine  Knolle  gelegt  werden 
soll,  kurz  vorher  etwa  2  Spatenstiche  tief  aufgelockert. 
..Straff'  wie  ihr  Wuchs  ist,  ist  auch  die  Behandlung,  welche 
ich  „Britannia"  zu  teil  werden  lasse.  Deshalb  wird  auch 
der  Boden  nur  wenig  gelockert,  die  Pflanzen  nur  in  50  cm 
Abstand  gepflanzt,  da  sie  bei  dieser  Behandlung  nicht  zu 
üppig  wachsen  und  keine  so  leicht  abbrechenden  Seitentriebe 
machen.  Schwerer,  etwas  feuchter  Lehmboden  sagt  ihr  am 
meisten  zu.  Sind  die  Triebe  unter  diesen  schwierigen  Ver- 
hältnissen etwa  Handhoch  geworden,  so  helfe  ich  2  bis  3  mal 
durch  einen  Dunggnss  nach,  der  dann  eben  nur  der  Blüten- 
fülle zu  gute  kommt,  da  die  Pflanze  ja  von  vornherein  nur 
kräftige,  gedrungene  Triebe  gemacht  hat.  Würde  aber 
..llriliiniiiii-  in  lockerem,  leichtem  Boden  stehen,  wo  sie  leicht 
anwächst,  so  würde  sie  zwar  üppig  ins  Kraut  schiessen, 
aber  nur  kleine,  uns.-brme  Blumen  hervorbringen,  selbst  wenn 
rebeiflüssiges  ausges dnutten  wird,  was  übrigens  nur  eine 
unnötige  Schwächung  der  Pflanze  bedeutet.  In  diesem  Sommer 
liess  ich  ihr  insofern  eine  ganz  besondere  Behandlung  zu  teil 
werden,  als  ich  Pflanze  für  Pflanze  wiederholt  durchdringend 
begoss.  Man  sollte  meinen,  das  wäre  bei  dem  regenreichen 
Siimmei  überflüssig  gewesen.  Im  Gegenteil:  es  hat  zwar 
sehr  <>ft  geregnet,  aber  nie  durchdringend,  sodass  wohl  das 
Laub  und  die  Luft  stets  feucht  waren,  aber  nicht  die  Wurzeln. 
Durch  das  Giessen  hatten  die  Pflanzen  auch  von  unten  hin- 
reichende  .Feuchtigkeit  und  kühleren  Standort.  Sie  lohnten 
mir  diese  Behandlung  durch  einen  überreichen  Flor  der  voll- 
kommensten, prächtigsten  Blumen.  So  wie  ich  die  „Britannia" 
behandle,  kultiviere  ich  noch  einige  andere  von  mir  bevorzugte 
Sorten  und  erziele  immer  ein  gutes  Ergebnis. 


Gehölze. 


Heber  das  Pflanzen  der  Weidenstecklinge. 

Von  Grams-Schönsee. 

J-st  man.  zum  Entschluss  gekommen,  eine  Weidenkultur 
anzulegen  und  hat  man  die  richtige  Sortenauswahl  getroffen, 
so  muss  möglichst  frühzeitig  die  Bestellung  der  Stecklinge 
bei  einem  als  zuverlässig  bekannten  Weidenbauer  bewirkt 
werden,  denn  schon  im  Spätherbst  werden  die  Weiden  ge- 
schnitten und  auch  bald,  wenn  sie  nicht  zu  Stecklingen  ab- 
gesetzt werden,  an  den  Korbmacher  oder  Weidenhändler 
verkauft,  da  das  lange  Stehen  für  den  Produzenten  wegen 
des    Gewichtsverlustes    durch    Austrocknen    durchaus    keinen 


VII,  8 


Die  Gartenwelt. 


87 


Vorteil  hat.  Im  Winter  ist  meistens  mit  den  Arbeitern  auch 
genügend  Zeit  zum  Sortieren,  denn  nicht  alle  geernteten 
Weiden  können  als  Stecklinge  verwendet  werden. 

Vorteilhaft  ist  es,  wenn  man  schon  im  Januar  oder 
Februar  das  Stecklingsmaterial  bezieht,  denn  in  Wintern,  wie 
der  vorige,  kann  schon  im  Februar  mit  dem  Stecken 
begonnen  werden,  während  man  in  Jahren,  in  denen  die 
Vegetation  weniger  weit  vorgeschritten  ist,  auch  noch  anfangs 
Mai  das  Stecken  ohne  Nachteil  besorgen  kann.  Die  zu  Steck- 
lingen bestimmten  Weiden  kann  man  in  grösserer  Menge  nur 
ungeschnitten  in  Blinden,  die  je  1000  Stecklinge  liefern, 
transportieren.  Kommen  die  Weiden  noch  einige  Zeit  vor 
der  Verwendung  an,  so  werden  sie  mit  den  Stammenden  in 
die  Erde  gegraben  oder,  falls  die  Sonnr  schärfer  scheint,  in 
flaches  Wasser  gestellt.  Eine  langweilige  und  unangenehme 
Arbeit  war  früher  das  Schneiden  der  Stecklinge  zur  nötigen 
Länge  von  25 — 35  cm,  das  übrigens  nur  an  dorn  Tage  er- 
folgen sollte,  an  dem  dieselben  gepflanzt  werden  sollen. 
Mit  der  von  mir  konstruierten   Schneidemaschine*)    lässl    sich 


resp.  auf  den  schon  bepflanzten;  dabei  ist  wieder  zu  beachten, 
dass  die  Stammenden  alle  nach  einer  Richtung  liegen.  Nach- 
dem der  Draht  festgespannt  ist.  kann  mit  dein  Stecken  be- 
gonnen werden. 

Das  Pflanzgeschäft  ist  eine  geeignete  Arbeit,  auch  für 
weniger  starke  Arbeitskräfte.  Frauen  und  in  freien  Stunden 
Schulkinder  können  diese  leichte  Arbeit  ohne  Gefahr  der 
Deberanstrengung  sehr  gut  verrichten,  zumal  das  Bücken 
letzteren  nicht  so  schwer  fällt  wie  Erwachsenen.  Ist  der 
Boden  gut  rigolt,  nicht  bei  Frost,  so  dringen  die  Stecklinge 
meistens  leicht  in  den  Boden  ein.  Es  ist  darauf  zu  achten, 
dass  die  Stecklinge  senkrecht  und  vor  allen  Dingen  mit  dem 
Stammende  Dach  unten  gesteckt  werden.  Kommt  das  Zopf- 
ende aus  Versehen  oder  Nachlässigkeit  der  Arbeiter  nach 
oben,  se  kann  man  mit  Bestimmtheit  darauf  rechnen,  dass 
derartig  falsch  gepflanzte  Stecklinge  unbedingt  eingehen; 
keimen  sie  auch  anfänglich,  so  vertrocknen  die  Keime  doch 
später.  Zu  beachten  ist  auch,  dass  sämtliche  Arbeiter  die 
Stecklinge    nur    an    die    eine    Seite    der  Schnur  stecken,    um 


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Dahlia  „Britannia"  als  Schnittblume. 

In  der  Haudelsgärtnerei  von  Paul  Bcrthold,  Zwickau,  für  die  „Gartenwelt"  photographisch  aufgenommen. 


diese  Arbeit  in  kürzester  Zeit  ausführen.  Man  pflanzt  die 
Stecklinge  an  einer  Schnur,  die  von  10  zu  10  Centimeter 
mit  einem  Knoten  versehen  ist.  Bei  feuchter  Witterung 
werden  die  Knoten  jedoch  bald  schwer  erkenntlich,  wodurch 
schnelle  Arbeit  zur  Unmöglichkeit  wird.  Es  ist  deshalb 
vorteilhafter,  in  den  genannten  Abständen  rote  Wollfädchen 
in  die  Schnur  einzuknüpfen.  Eine  Schnur  allein  wird  bei 
starkem  Winddruck  bei  kupiertem  Boden  leicht  von  der 
geraden  Richtung  abgelenkt,  wodurch  die  Reihen  schief 
werden  können.  Die  Schnur  an  einem  Eisendraht  in  nicht 
zu  weiten  Abständen  zu  befestigen,  wodurch  sich  ein  festes 
Anspannen  ermöglichen  lässt,  halte  ich  fürs  praktischste. 
Die  Stecklingsbündel  legt  man,  um  den  rigolten  Boden  nicht 
wieder  fest  zu  treten,  hinter  die  Schnur  auf  unrigolten  Acker 

*)  Siehe  auch  Artikel  S.  305,  Jahrg.  VI  dieser  Zeitschrift. 


gerade  Reihen  zu  erzielen.  Das  Pflanzgeschäft  geht  schneller, 
wenn  man  die  Stecklinge  nicht  ganz  in  die  Erde  steckt, 
sondern  wenn  die  Person,  welche  das  Pflanzgeschäft  be- 
aufsichtigt, durch  Entlanggehen  auf  den  Reihen  die  Steck- 
linge in  die  Erde  tritt  und  sie  mit  einem  Stabe  bis  etwa 
2  cm  unter  die  Erdoberfläche  drückt,  wodurch  ein  Austrocknen 
der  Stecklinge  verhindert  wird.  Jede  weitere  Reihe  wird  von 
der  vorigen  30  cm  weiter  gesteckt.  Ist  der  Boden  trotz 
Rigolens  und  Eggens  doch  fest,  was  auf  lehmigem  Boden  der 
Fall  sein  könnte,  so  muss  für  jeden  Steckling  mit  einer 
eisernen  Nadel  ein  Loch  vorgebohrt  werden.  Es  ist 
aber  auch  unbedingt  nötig,  dass  die  Erde  um  den  Steckling 
festgetreten  wird,  damit  dieser  nicht  lose,  in  dem  durch  die 
Nadel  hergestellten  Loche,  steckt.  Sollte  es  besonders  auf 
leichtem,  unebenem  Boden  vorkommen,  dass  die  Stecklinge 
durch  heftigen  Wind  blossgelegt  werden,  so  ist  es  unbedingt 


88 


Die  Gartenwelt. 


VII.  8 


nötig-,  dass  dieselben  immer  wieder  angehäufelt  oder  tiefer 
eingedrückt  werden.  Sind  die  Stecklinge  aber  erst  bewurzelt, 
so  ist  jedes  Eingreifen  dem  Wachstum  sehr  schädlich. 


Der  TronJpetenbauiu  (Oatalpa  bignonioides)  und 
seine  Verwandten. 

Von  Camillo  Karl  Schneider,  Wien: 
(Hierin  eine  Abbildung.) 

Im  Trompetenbaum,  der  Bignonia  catalpa  Linne's 
haben  wir  eine  ziemlich  alte  Kulturpflanze  vor 
uns.  Catesby  brachte  sie  vor  fast  200  Jahren  (1728)  aus 
ihrer  Heimat  vom  Ohio  und  Missisippi  in  den  südlichen 
Vereinigten  Staaten  nach  England,  wo  der  schöne  Baum 


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Wienern  ein  alter  Bekannter  ist,  da  fast  jede  kleine  An- 
lage ein  hübsches  Bäumchen  birgt.  Er  wird  im  nicht 
blühenden  und  im  blattlosen  Zustande  sehr  oft  mit  seiner 
Kollegin,  der  Pauloivnia  tomentosa  oder  imperialis,  ver- 
wechselt, welche  sich  aber  durch  die  an  jungen  Zweigen 
meist  zu  drei  im  Quirl  gestellten  Blätter  mit  weniger 
ausgesprochen  herzförmigem  Grunde  von  der  Bignonia 
unterscheidet.  Die  Paulownien-Blätter  entbehren  der  für 
die  Catalpen  '  charakteristischen  Drüsenflecke  in  den 
untersten  Nervenwinkeln  der  Unterseiten,  an  jungen 
Pflanzen  sind  sieauch  etwas  grösser,  obwohl  beim  Trompeten- 
baum an  üppigen  Schossen  auch  Blätter  bis  30  cm  Durch- 
messer auftreten.  Alte  fruchttragende  Bäume  unterscheiden 
sicli  schon  im  Winter  von  weitem  dadurch,  dass  bei  den 
Catalpen    die    Früchte    lang    herabhängen,    wogegen    die 

Kapseln  der 
Paulownien  verein- 
zelt an  den  auf- 
rechten Blütenrispen 
stehen,die  sich  bereits 
im  Herbst  neu  bilden. 

Heuer  blühten, 
nebenbei  bemerkt, 
die  Paulownien  hier 
sehr  kärglich,  da  der 
Spätfrost  die  ent- 
wickelten Knospen 
zumeist  zum  Ab- 
fallen brachte,  wie 
denn  Paulownia  an 
Winterhärte  noch 
gegen  Cbignonioid.es 
zurücksteht.  Dass 
letztere  vielfach  als 
i  'atalpa  syringae- 
foliageht,  ist  bekannt. 


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Catalpa  bignonioides. 
Vom  Verfasser  für  <lie  „Gartenwelt"  photographisch  aufgenommen 

bald  viele  Liebhaber  fand.  In  Deutschland  ist  seiner 
Anpflanzung  durch  das  teilweise  zu  rauhe  Klima  eine 
bestimmte  Grenze  gezogen.  Bei  alledem  bergen  alier  die 
Anlagen  in  Süddeutschland  und  nicht  zuletzt  in  Oester- 
reich  prächtige  Exemplare.  Eines  der  schönsten,  welches 
ich  bisher  sah,  steht  im  Wiener  Rathausparke.  Es  blühte 
im  Juni  so  wundervoll,  dass  ich  mich  beeilte,  es  für  die 
Gartenwelt  im  obenstehenden  Bilde  festzuhalten.  Wie 
die  Leser  sehen,  steh!  der  Baum  unmittelbar  am  Rathaus 
and  wurde  im  Schmucke  seiner  zahllosen  Blüten  von 
aller  Welt  angestaunt,  trotzdem  der  Trompetenbaum  den 


In  neuerer  Zeit 
rühmt  man  die  Vor- 
züge von  C.  speciosa, 

die  einem  etwas 
nördlich     liegenden 
Gebiet  der  Vereinig- 
ten     Staaten       ent- 
stammt und   deshalb 
härter      sein      soll. 
Was   ich    bis   jetzt    davon    sah,    waren    junge,    äusserst 
wüchsige   Pflanzen,  die  mehr  nach  einer  kräftigen  bigno- 
nioides als  nach  einer   neuen  Art   aussahen.     Einer   der 
Hauptunterschiede  soll  sein,   dass   die  Blätter   geruchlos 
sind,    d.  h.  beim  Keiben   nicht   so  unangenehm   riechen, 
wie  beim  alten  Trompetenbaum.    Ich  finde,  es  giebt  auch 
bei  diesem  solche,  die  kaum  riechen  und  ganz  ohne  Geruch 
sind   die  Blätter  der  von  mir  gesehenen  speciosa -'Pflanzen 
nie  gewesen.    Die  Dreilappigkeit  haben  hier  und  da  beide 
gemeinschaftlich  und  die  Blüten,   die  mir  allerdings  von 
speciosa  nur  spärlich  zu  Gesicht  kamen,  sind  ohne  ausge- 


VII.  8 


Die  Gartenwelt. 


s9 


sprochene  Unterschiede.  Es  wäre  mir  interessant  zu  er- 
fahren, ob  und  wo  bereits  ältere  Bäume  der  speciosa  in 
Deutschland  sich  befinden.  Vielleicht  äussert  sich  ein 
Kenner  in  der  Gartenwelt  über  seine  Erfahrungen  damit. 

Weniger  in  ihrer  Blatttracht,  als  vor  allem  in  den 
Blüten  weichen  von  biynonioides  und  speciosa  zwei  ost- 
asiatische Arten  ab,  die  uns  das  Reich  der  Mitte  und 
Japan  beschert  haben.  Es  sind  C.  ovata  Don.  (C.  Kaempferi 
S.  et  Z.),  auch  als  Bat/yei  und  kimalayensis  in  den 
Gärten  gehend,  und  die  echte  C.  Bunyei  C.  A.  Meyer 
(C.  syrinyaefolia  Bunge,  nicht  Sims).  Beide  Arten  be- 
sitzen bedeutend  kleinere  hellgelbe  Blüten,  deren  rot- 
braune Tüpfelung  und  orange  Strichelung  im  übrigen 
den  neuweltlichen  Arten  sehr  analog  ist.  C.  ovata  gilt 
für  etwas  härter,  weshalb  ihre  Anpflanzung  in  rauheren 
Lagen  anzuraten  ist,  wo  biynonioides  nicht  aufkommt. 
An  Schönheit  ist  jedoch  die  alte  Art  den  beiden  Asiaten 
übeidegeu  und  eine  Blütenpracht,  wie  auf  unserem  Bilde, 
wird  keine  derselben  jemals  spenden  können.  Die  echte 
C.  Bungei,  die  bei  uns  kaum  über  3  m  hoch  wird,  ist 
noch  sehr  selten.  Ich  sah  unter  diesem  Namen  stets 
ovata,  die  sich  von  biynonioides  in  den  Blättern  nicht 
auffällig  unterscheidet.  Das  Hauptmerkmal  bilden  die 
zahlreichen  Drüsenflecke  in  den  Nervenwinkeln  der 
Blattunterseite,  die  im  übrigen  viel  kürzer  behaart  ist. 
Der  Rand  ist  ebenso,  zuweilen  buchtig  gezähnt,  besonders 
bei  Blättern  an  Stocktrieben. 

Bei  der  echten  C.  Bunyei  sind  die  Blätter  zuweilen 
sogar  seicht  füuflappig,  sie  besitzen  nur  in  den  untersten 
Nervenwinkeln  rückseitig  Drüsenflecke  (nach  Dippel 
sollen  sie  ganz  drüsenlos  sein,  was  ich  nicht  beobachtete). 
Die  einzelnen  Blüten  sind  etwas  grösser  und  haben  ge- 
zähnte Kelchlippen.  Im  allgemeinen  stehen  sich  auch 
diese  beiden  asiatischen  Arten  sehr  nahe,  wenngleich, 
wie  aus  den  Angaben  hervorgeht,  doch  grössere  Unter- 
schiede obwalten  als  zwischen  den  Nordamerikanern. 


Strassenbäume. 

Von    J.    Keim,    Mainz. 
(Hierzu  eine  Abbildung.) 

,,Auf  welche  bequeme  und  praktische  Art  ist  den 
Wurzeln  der  Bäume  in  gepflasterten  oder  asphaltierten 
Strassen  Feuchtigkeit  und  Luft  zuzuführen?" 

Ueber  dieses  Thema  ist  schon  viel  gesprochen  und 
geschrieben  worden.  Dass  Mittel  und  Wege  gesucht 
werden  müssen,  diese  beiden  Faktoren  den  Bäumen  in 
den  mit  modernem  Strassenbelag  versehenen  Strassen  zu- 
zuführen, ist  anerkannt  notwendig,  wollen  wir  in  Zukunft 
überhaupt  noch  etwas  Grün  zwischen  den  Häuserreihen 
sehen.  Man  hat  nun  schon  in  manchen  Städten  ver- 
suchsweise einen  schmalen  Streifen  Erde  zwischen  Fahr- 
damm und  Fusssteig,  wo  in  der  Regel  Bäume  stehen, 
unbedeckt  liegen  lassen.  Doch  wurde  in  verhältnismässig 
kurzer  Zeit  der  Boden  so  fest  getreten,  dass  das  Ein- 
dringen von  Wasser  oder  Luft   fast   so    gut   wie    ausge- 


schlossen war.  Anders  würde  es  sich  allerdings  verhalten, 
wenn  es  die  Breite  der  Strasse  und  die  Mittel  erlaubten, 
einen  eingefriedigten  Rasenstreifeu  anzulegen  und  zu 
unterhalten  (Strasse  Unter  den  Linden  in  Berlin.  Red.). 
Dieses  dürfte  jedoch  in  den  seltensten  Fällen  und  nur 
in  sog.  Prunk-  oder  Luxusstrassen  möglich  sein,  von 
denen  die  meisten  Städte  jedoch  nur  eine  sehr  beschränkte 
Zahl  aufzuweisen  haben.  Sehr  einfach  und  billig  sind  ja 
auch  die  zum  Teil  eingeführten  Einläufer  in  der  Trottoir- 
kante,  mit  oder  ohne  Schlammeimer  und  Gitter.  Aber 
auch  diese  kamen  über  die  versuchsweise  Anwendung, 
der  leichten  Verschlammung  und  Versandung  wegen, 
nicht  hinaus.  Aelmlich  verhält  es  sich  mit  dem  Sink- 
kasteusystem. 

In  No.  5  der  „Gartenkunst1-  las  ich  nun  einen 
Artikel,  nach  dessen  Verfahren  scheinbar  alle  Hindernisse 
und  Bedenken  überwunden  sind.   Ich  schreibe  scheinbar; 


isenrost  für  Strassenbäume. 


denn  bei  aller  Kostspieligkeit  und  Kompliziertheit  möchte 
ich  auch  hier  den  praktischen  Erfolg  in  Zweifel  ziehen. 
Ich  habe  vielmehr  die  Erfahrung  gemacht,  dass  bei  Thon- 
und  Gussröhren,  durch  welche  ab  und  zu  etwas  Wasser  ge- 
leitet wurde  und  bei  welchen  die  Verdichtung  an  den  Muffen 
etwas  Not  gelitten  hatte,  dünne,  noch  nicht  strohhalradieke 
Baumwürzelchen  durchgedrungen  sind  und  in  den  Röhren 
ein  derart  dichtes  Polster  bildeten,  dass  kaum  noch  ein 
Tropfen  Wasser  hindurchzudringen  vermochte.  Die 
Rohre  mussten  ausgegraben  werden  und  es  bedurfte  eines 
erheblichen  Kraftaufgebots,  diesen  Wulst  hindurchzutreiben. 
Man  musste  staunen,  wie  ein  Würzelchen  von  der  an- 
gegebenen Stärke  im  Zeitraum  von  einem  Jahr  sich  so 
verzweigen  und  festsetzen  konnte.  Etwas  Erde  oder 
Sand  wird  das  Wasser  immer  mitführen,  auch  wenn  es 
anscheinend  rein  in  das  Rohr  kommt,  wie  es  hier  der 
Fall  war,  und  dieses  genügt,  um  den  angeführten  Zustand 
herbeizuführen.  In  höchstens  zwei  Jahren  wären  also 
bei  dem  vorgeschlagenen  System  durch  die  meisten  Abzugs- 
löcher Wurzeln  eingedrungen,  obwohl  schon  eine,  im 
oberen  Rohr  eingedrungen,  genügt,  die  ganze  Bewässerungs- 
anlage illusorisch  zu  machen.  Und  es  bleibt  nicht  aus. 
da  sich  die  Wurzeln  natürlich  an  den  feuchten  Stellen 
besonders  stark  ausbreiten. 

Ich  glaube  deshalb,  so  lange  nichts  Besseres  gefunden 
ist,  sollte  man  bei  dem  einfachen  Eisenrost,  Abbildi 
welcher    um    den   Baum    in  Höhe    des  Fusssteiges 
wird,   bleiben.     Er   ist   einfach   und    wohlfei!   um!    erfüllt 
seinen  Zweck  vollständig,  wenn  er  richtig  ang(  bracht 


90 


Die  Gartenwelt. 


VII.  8 


Der  Baum  muss  natürlich  so  gepflanzt  weiden,  dass  zwischen 
Eisenstäben  und  Erdoberfläche(Baumscheibe)  ein  Zwischen- 
raum von  mindestens  5  cm  bleibt.  Der  Kost  muss 
zweiteilig  sein,  damit  er  leicht  zu  handhaben  ist.  Damit 
die  Erde  nicht  verkrustet  und  alle  Feuchtigkeit  besser 
eindringen  kann,  ist  es  nötig,  eine  Schicht  Kies,  Torfmull 
oder  feine  Schlacke  darüber  zu  bringen.  Von  Zeit  zu 
Zeit  muss  dann  diese  Schicht  etwas  gelockert  und  ge- 
reinigt werden.  Die  letztere  Arbeit  kann  ohne  grossen 
Zeitaufwand  eventuell  von  den  Strassenkehreru  besorgt 
werden.  Es  könnte  vielleicht  der  Einwand  gemacht 
werden,  dass  das  Wasser  bei  älteren  Bäumen  nicht  an 
die  äusseren  Wurzeln  (Saugwurzeln)  gelangt.  Dem  ist 
aber  zu  entgegnen,    dass  das  Wasser,  da  willig   von    der 


Topfpflanzen. 


Einige  empfehlenswerte  Salvia  splendens-Sorten. 

Von  Heinrich  Hartmann,  Obergärtner,  Stuttgart. 

LJ  nter  unseren  schönblühenden  Florblumen  nimmt  wohl 
die  Salvia  splendens  einen  bevorzugten  Platz  ein.  Die  Fort- 
schritte, die  man  in  den  letzten  Jahren  in  der  Erzielung 
prächtiger  Sorten  gemacht  hat,  sind  geradezu  erstaunlieh. 
Die  meiner  Ansicht  nach  vier  besten  Sorten,  welche  im  Laufe 
der  letzten  fünf  Jahre  durch  zielbewusste  Kreuzung  der  bis 
dahin  bekannten  besten  Sorten  entstanden  sind,  möchte  ich 
nachstehend  anführen. 


S.  spl.  „Ruhm  v.  Stuttgart 


Cvcas  revoluta  mit  2  Blutenstand 


Nach  einer  Aufnahme  aus  dem  botanischen  Garten  in  Tühin 

gelockerten  Erde  aufgenommen  und  durch  das  Tiefer- 
liegen der  Baumscheibe  auch  in  beliebigem  Masse  gegeben 
werden  kann,  sich  unbedingt  unter  dem  Strassenbelag 
verteilen  muss.  Natürlich  darf  der  Kost  nicht  gar  zu 
klein  sein.  Das  Einleiten  des  Regenwassers  von  den 
Dächern  nach  der  Baumscheibe  könnte  in  einzelnen 
Fällen  in  Erwägung  gezogen  werden.  •  Ein  öfteres  Be- 
sprengen der  Baumkrone  und  des  asphaltierten  Fuss- 
steiges  kommt  dem  Baume  doppelt  zu  gute,  da  das  ab- 
fliessende  Wasser  unter  dem  Koste  aufgesogen  wird. 
Halbkreisförmig  ist  jedenfalls  die  gefälligste  Form  für 
diese  Baumfussgitter  und  könnten  die  Anschaffuugskosten 
durch  einheitliche  Einführung  erbeblich  verringert  werden. 


hat  dicke,  lange  Blütenrispen 
vom  feurigsten  Blutrot  und 
wird  circa  1  m  hoch.  Sie 
fängt  erst  Ende  August  an  zu 
blühen  und  blüht  dann  un- 
ermüdlich bis  der  Frost  sie 
zerstört. 

S.  spl.    „Freudenfeuer" 

stammt  ab  von  S.  spl., 
„Ruhm  v.  Stuttgart"  und 
besitzt  auch  deren  vor- 
treffliche Eigenschaften,  hat 
aber  den  Vorzug,  dass  sie 
viel  früher  als  diese  anfängt 
zu  blühen.  Die  Farbe  ist 
feuriges  Blutrot. 

S.  spl.  „Rudolf  Pfitxer" 
bleibt  im  Gegensatz  zur 
vorigen  niedrig  und  ge- 
drungen. Die  Farbe  der 
Blumen  ist  scharlachrot.  Sie 
blüht  den  ganzen  Sommer 
über  unermüdlich,  bis  sie 
vom  Frost  zerstört .  wird. 
„Rudolf  Pfitxer1'  ist  sehr  zu 
empfehlen. 

S.   spl.    „Triumph"    ist 

die  frühblühendste  aller  Sal- 
vien-Sorten,  eine  Neuheit  von 
1902,  welche  bei  zeitiger 
Aussaat  schon  Mitte  bis  Ende  Juni  zu  blühen  anfängt.  Diese  Sorte 
stammt  ab  von  S.  spl.  „Freudenfeuer".  Die  Farbe  der  Blumen 
ist  ein  weithin  leuchtendes,  reines  Scharlachrot.  In  Gruppen 
gepflanzt  ist  „Triumph"  mit  ihren  gieichmässig  über  der  Be- 
laubung erscheinenden,  prächtigen  Rispen  von  wirklich  im- 
posanter Wirkung  und  leuchtet  einem  gleich  einem  Flammen- 
meer entgegen.  Sehr  zu  empfehlen.  Alle  vier  sind  Züchtungen 
von   Wilhelm  Pfitzer,  Stuttgart. 

Die  Vermehrung  der  Salvia  splendens- Sorten  geschieht 
aus  Samen  und  Stecklingen.  Beim  Auspflanzen  auf  Beete  ins 
Freie  verlangen  sie  einen  kräftigen,  gut  gedüngten  Boden. 
Beim  Auspflanzen  achte  man  darauf,  dass  die  Pflanzen  in 
genügende  Abstände  von  einander  kommen,  damit  sie  sielt 
gut  entwickeln  können. 


für  die  „Gartenwelt"  gefertigt. 


VII,  8 


Die  Gartenwelt. 


91 


Cycas  revoluta  in  Blüte.  So  schön  eine  Cycasbliite  ist,  so 
ist  dieselbe  eben  doch  für  das  nächstjährige  Aussehen  der  Pflanze 
von  Schaden,  da  das  Exemplar  meist  ein  Jahr  ruhig  mit  seinen 
alten,  dann  eben  auch  nicht  mehr  schönen  Wedeln  bestehen  bleibt. 
Als  das  erstemal  statt  der  circa  35  Stück  1,35 — 1,40  m  langen 
Triebe  diese  ., Feuerkugel"  von  einem  Blütenstande  hervorbrach,  da  hatte 
man  seine  Freude  daran  und  von  damals  stammt  auch  die  Aufnahme 


Fruchtzweig  von 
Ficus  stipulata. 


Vom  Verfasset  l'ür  die 
.Gartenwelt"  gezeichnet. 


des  nebenstehenden  Bildes.  Gegenwältig,  nach  kaum  3 — 4- 
jähriger  Pause,  betrachtet  man  dagegen  das  Neuerscheinen 
einer  Blüte  mit  sehr  gemischten  (iefühlen.  Was  den  Blüten- 
stand selbst  betrifft,  so  wird  derselbe  durch  eine  Menge  zuerst 
wie  planlos  umher  stehender  und  halb  liegender  —  um  dem 
vom  "Winde  herbeigeführten  Blütenstaub  überall  ungehinderten 
Beitritt  zu  gewähren  —  Fruchtblätter  von  meist  12 — 18  cm 
Länge  und  8 — 10  ein  Breite  gebildet.  Dieselben  erinnern  in 
der  Form  etwas  an  die  Blätter  von  Alnus  glidinosa  laciniala 
und  sind  mit  einem  sehr  dichten,  gelbweissen  Filz  bedeckt, 
durch  welchen  die  wundervolle  Orangefarbe  des  Blattes 
selbst  hervorleuchtet.  Die  meist  gekrümmten  Blattspitzen 
endigen  in  scharfe  Stacheln.  Am  unteren  Teil  der  inneren 
Fruchtblätter  findet  sich  rechts  und  links  je  ein  Stein- 
samen, welcher,  ebenfalls  mit  Filz  überzogen,  an  eine  3  cm 
grosse,  beiderseits  flachgedrückte  Aprikose  erinnert.  Da  die 
Cycadeen  diözisch  sind,  so  haben  wir  es  also  hier  mit  einer 
weiblichen  Pflanze  zu  thun,  und  weil  kein  männliches 
Exemplar  vorhanden  war  —  die  männliche  Blüte  erscheint 
in  Form  eines  kolbigen  Zapfens,  —  so  fand  auch  keine  Be- 
fruchtung statt  und  die  Samen  sind  natürlich  nicht  keimfähig. 
Ist  die  Zeit  der  Blüte  vorbei,  so  bildet  sich  der  Samen  aus 
und  es  schliessen  sich  sämmtliche  Fruchtblätter  zu  einem  an 
einen  Zirbelkiefer-Zapfen  erinnerndes  Gebilde  von  etwa  35  cm 
Höhe  und  ebensolchem  Durchmesser  zusammen ,  ein  Ge- 
bilde, das  in  dieser  Form  imposant  ist.  Später  welken  die 
einzelnen  Blätter,  d.  h.  werden  schlaff  und  fallen  ab,  wenn 
nicht  schon  vorher  die  Hand  des  Gärtners  dieselben  ent- 
fernt hat.  Nach  der  Blüte  ist  es  vorteilhaft  durch  Holz- 
kohlenstaub und  eine  Glasscheibe  das  Herz  der  Pflanze  vor 
Nässe  zu  bewahren.  Die  Wassergaben  werden  gemässigt  und 
erst  wenn  die  Pflanze  wieder  einen  , .Schopf"  bildet,  werden 
reichliche  Gaben  warmen  Wassers  mit  Dung  vermischt  gegeben. 
E.  Schelle,  Universitätsgärtner,  Tübingen. 

Ficus  stipulata  mit  Früchten.  Wer  als  Gärtner  zum  ersten 
Male  die  Pracht  südländischer  Gärten  schaut,  wird  immer  erstaunt 
sein  über  die  Ueppigkeit,  welche  dort  unsere  allbekannte  Ficus 


stipulata  entfaltet,  und  oft  bemerkte  ich.  dass  Bekannte  sie  hier 
nicht  wiederzuerkennen  vermochten.  Der  Klimmer  steigt  hier  in  die 
Wipfel  der  höchsten  Bäume,  wenn  man  ihn  nicht  bei  Zeiten  daran 
hindert,  er  umspinnt  gleich  unserem  Epheu  altes  Gemäuer  mit 
dunklem  Grün  und  bedeckt  mit  seinem  dichten  Gezweig  weite  Wand- 
flächen. Ist  er  stark  genug,  um  Früchte  zu  bringen,  so  verändert 
er  ganz  ähnlich  wie  der  Epheu  sein  Laub.  Die  Blätter  werden  dann 
lederartig  dick  und  viel  grösser.  Die  Ranken,  die  sonst  so  dünn 
sind,  dass  sie  bekanntlich  wie  Medcola  Verwendung  finden,  wachsen 
zu  aufrechten  holzigen  Zweigen  aus.  Diese  tragen  alsdann  Früchte, 
welche  die  Grösse  einer  geniessbaren  Feige  erreichen,  von  der  Form, 
wie  sie  aus  der  Zeichnung  ersichtlich  ist.  Sie  sind  dunkelgrün, 
violett  an  der  Sonnenseite  und  von  bitterem  Geschmack.  —  Bei  uns 
in  den  Gewächshäusern  sind  fruchttragende  Ficus  stipulata  eine 
Seltenheit.  In  Warmhäusern,  wo  man  sie  meist  zur  Bekleidung  der 
Giebel-  und  Seitenwände  benutzt,  kommt  sie  wohl  überhaupt  nicht 
zur  Fruchtbarkeit;  viel  eher  noch  in  Kalthäusern.  Ein  Zeichen, 
dass  sie  sich  daselbst  wohler  fühlt.  So  setzt  eine  etwa  40  Jahre 
alte  Wandbekleidung  im  Kalthaiise  des  hiesigen  botanischen  Gartens 
seit  einer  Reihe  von  Jahren  Fruchttriebe  an,  die  aber  wegen  Raum- 
mangel jeden  Herbst  gekürzt  werden  müssen. 

F.  Rehnelt,  Grossh.  Garteniiispektor,  Giessen. 

Tradescanlia     iridescens     Ldl.       Tradeseantia    iridescens, 

Abbildung  untenstehend,  ist  eine  seltene  mexikanische  Spezies 
mit  knolligem  Wurzelstock,  aufrechten,  steifen  Trieben  und 
schönen,  purpurroten,  grossen  Blumen.  Sie  blüht  .  von  Ende 
Mai  bis  in  den  Oktober  ohne  Unterbrechung  und  gereicht  dadurch  jeder 
Pflanzensammlung  zur  besonderen  Zierde.  Ende  Oktober  zieht  sie  ein 
und  wird  dann  trocken  und  frostfrei  durchwintert.  Wenn  der  neue  Trieb 
im  März  sieh  bemerkbar  macht,  verpflanze  man  in  Laub-  und  Mist- 
beeterde und  stellt  sie  später  mit  den  anderen  Gewächshauspflanzen  im 


Tradeseantia  iridescens. 

Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 


92 


Die  Gartenwelt. 


VII,  8 


Freien  auf  und  zwar  so  sonnig  wie  nur  möglich.  Sie  ist  eine  Pflanze  für 
den  Liebhaber,  denn  sie  beansprucht  kein  Liebt  im  Winter,  wird  nie  zu 
gross,  blüht  immerwährend  (wie  bei  den  meisten  Commelinaceen 
schliessen  die  Blüten  sich  nachmittags)  und  äusserst  dankbar.  Sie 
fällt  jedem  Pflanzenfreunde  als  etwas  Besonderes  auf. 

F.  Rehnelt,  Grossh.  Garteninspektor,  Giessen. 


Aus  deutschen  Handelsgärtnereien. 
Aus  einer  Bandeisgärtnerei  Mecklenburgs. 

Von  0.  Jacobs,  Weitendorf. 

VTärtnereien  mit  Grossbetrieb,  wie  sie  in  Erfurt.  Quedlinburg 
and  anderen  Orten  unseres  deutschen  Vaterlandes  bestehen, 
worin  täglich  hunderte  von  Menschen  Beschäftigung  finden, 
wird  man  in  Mecklenburg  vergeblich  suchen.  Dagegen  be- 
stehen aber  in  den  meisten  Städten  und  grösseren  Dörfern 
viele  Handelsgärtnereien  bescheidenen  Urnfangs,  welche  2 — 10, 
auch  wohl  20   und   mehr  Arbeiter  halten. 

Einer  Einladung  des  Herrn  E.  Eggert  zu  Grevesmühlen 
folgend,  besichtigte  ich  anfangs  September  daselbst  seine' 
gärtnerischen  Kulturen.  Grevesmühlen,  ein  freundliches  Land- 
städtchen, liegt  etwa  2  Stunden  von  der  Ostseeküste  entfernl 
und  besitzt  ausgedehnte  Feldmarken  von  gutem  Mittelboden 
und  leichtem  Sandboden.  Da  Grevesinühlen  nur  klein  ist 
und  ausserdem  noch  über  10  weitere  Gärtnereien  am  Orte 
bestellen,  so  ist  der  ganze  Betiieb  bei  E.  Eggert  auf  Versand 
eingerichtet 

Was  mir  zunächst  auffiel,    war  ein  aus  Mistl tfenstern 

leicht  erbautes  Glashaus,  das  vollständig  mit  .1/-//,,./,/  bepflanzt 
war.  Die  Schlinger  rankten  an  senkrechten  Fäden  lustig 
empor  und  hatten  eine  recht  gesunde  Farbe.  Bis  Eintritt  des 
Winters  sind  die  Ranken  als  läehnittgrün  versandt  und  können 

dann     die   Fenster    wieder    im    nächsten    Jahre    zu    Frühl ten 

benutzt  werden.  In  einem  geräumigen  Hause  waren  Farne, 
teils  junge  Anzucht,  teils  grosse  Exemplare  zum  Schnitt; 
auffallend  schön  waren  einige  grosse  Töpfe  von  Adiantum 
acutum.  Calla  werden  in  mehreren  Seiten  in  Mengen  zum 
Blumenschnitt  gezogen.  Der  erste  Satz  war  bereits  im  Triebe 
und  zeigte  teilweise  Blumen  und  Knospen.  Die  alte  Calla 
aethiopica  wollte  mir  als  Ziinmerpflanze  wegen  der  langen 
Blattstiele  nie  recht  gefallen,  aber  „Perle  von  Stuttgart"  sah 
ich  hier  in  niedrigen,  gedrungenen  Pflanzen  von  15  cm  Höhe; 
diese  lässt  man  sehen  als  gute  Zimmerpflanze  gelten. 

Als  weitere  Pflanze  zum  Blumenschnitt  wird  die  Freesia 
refraeta  alba  in  grossen  Massen  gezogen.  Zur  Anzucht  ver- 
wendet man  jedoch  keine  Zwiebeln,  da  Herr  Eggert  die  Er- 
fahrung   gemacht    hat,    äass    diese    recht    undankbar    blühen, 

s lern  die  Freesien  werden  aus  Samen  gezogen.     Tausende 

von  Pflanzen  standen  reihenweise  in  Holzkästen  in  üppiger 
Kultur  im  Freien.  Später  kommen  diese'  Kästen  ins  Haus 
und  bringen  hier  im  Februar  und  März  ihre  weissen,  wohl- 
riechenden Blüten,  welche  flotten  Absatz  linden. 

Etwa  10  Minuten  vom  Geschäft  entfernt  liegt  an  der 
Friedrich-Franz-Bahn,  in  der  Richtung  nach  Lübeck,  eine 
grössere  Fläche  welche  feldmässig  angebaut  ist.  Der  in 
vorzüglicher  Kultur  sich  befindende  Sandboden  ist  zum  grossen 
Teile  für  Maiblumenzucht  eingerichtet,  und  seilen  die  ge- 
wonnenen Blühkeime  guten  Absatz  linden,  da  sie  von  vor- 
züglicher Qualität  sind  und  beim  Treiben  ein  schönes  Resultat 
ergeben.    Zum   Putzen  und  Verpacken  der  Keime  ist  au!  dem 


Felde  ein  grosser,  geräumiger  Schuppen  errichtet.  Ein 
anderes  Feld  war  mit  Rhabarber  bepflanzt.  Ich  musste 
staunen  über  die  äusserst  kräftigen  Stauden  und  dicken  Stiele, 
die  hier  doch  nur  durch  Anwendung  grosser  Dungmengen 
gewonnen  werden  können.  Es  war  die  Sorte  „Queen  Victoria". 
Das  ganze  Feld  soll  im  nächsten  Frühlinge  getrieben  werden. 

Eine  grössere  Fläche  war  mit  Spargel  angelegt.  Kräftiges, 
gesundes  Kraut  liess  auf  eine  gute  nächstjährige  Ernte  hoffen. 
Ein  weiteres  Quartier  enthielt  viele  Hunderttausende  junger 
Spargelpflanzen  in  verschiedenen  Sorten,  die  als  einjährige 
Pflanzen  zum  Versand  kommen.  ■  Von  den  Veilchen  war 
„Kronprinzessin"  schon  in  reicher  Blüte  und  zeigte  tief  blaue 
Farbe,  andere  Sorten  brachten  die  ersten  Knospen.  Recht 
üppig  standen  auch  die  Erdbeerpflanzungen  und  ein  grösseres 
Quartier  mit  Fliedersämlingen. 

Das  grösste  Interesse  erweckten  jedoch  bei  mir  die  in 
Vollblüte  stehenden  Edeldahlien.  Vor  Jahren,  als  die  Edel- 
ilahlien  Moileblumi'u  wurden,  hatte  ich  auch  einige  Sorten  in 
meinem  Garten;  aber  sie  bereiteten  mir  wenig  Freude,  weil 
die  meisten  Blumen  im  grünen  Laube  versteckt  sassen,  schnitt 
man  sie  ab  zum  Strausse,  so  waren  sie  in  wenig  Stunden 
\ciwelkt.  Der  letzte  Uebelstand  wird  auch  wohl  noch  jetzt 
in  gewissem  .Masse,  bestehen,  doch  das  Versfecktblühen  ist  bei 
sehr  vielen  neuen  Sorten  gänzlich  gehoben.  Und  welcher 
Farbenreichtum,    welche    Blütenfülle   bei    diesen  Modeblumen! 

Beim  Durchsehen  der  langen  Koilien  notierte  ich  die- 
jenigen Sorten,  welche  reichblühend  waren  und  schöngeformte 
Blüten  auf  straffen  Stielen  über  dem  Laube  trugen.  Es  sind 
dies;  „Oreens  White",  reinweiss,  „Lodestone",  rötlich  aprikosen- 
gelb, „Rakete",  scharlachrot,  „Otinde",  rein  centifobenrosaj 
„Geiselher"3  rubinrot,  „Magnificent",  rosiglachsfarben,  „Mm 
.1.  ./.  Crowe",  reingelb,  „Sonnenstrahlen",  gelb  mit  weissen 
Spitzen,  „The  Cxar",  dunkelsamtig,  „Ilohrii-.olknt",  bernstein- 
farben, ..Muri)  Service",  rosaheliotrop  mit  gelb,  „Britawnia") 
zartlachsrosa,  „Stella",  blendend  karmesinrot,  „Night",  fast 
schwarz,  „Meteor11,  leuchtendrot.  „Keynes  White",  weiss, 
„Sirahlenkrom  ",  goldigscharlach,  nGeo  Marlow",  dunkelnielgelb. 
Die  Neuheiten  von  1902,  welche  ebenfalls  angepflanzt  waren, 
befanden  sich  teilweise  noch  im  Hockstände  mit  der  Blüte. 
Als  schön  uiu.-s  „Graf  Waldersee",  anemonenrosa,  bezeichnet 
werden.  Die  Sorte  „Geiselher1'  neigt  hier  auffallen«!  zu  hell- 
farbigen   Sportbildungen.     Neben    Edel-Dahlien    fanden    sich 

noch  P pon-Dahlien  und  einfache  Edel-Dahlien  in  beschränkter 

Zahl:  sie  können  keinen  Vergleich  mit  ihren  stolzen  Schwestern 
vertragen. 

Ein  drittes  Stück  Land,  aus  gutem  Boden  bestehend, 
liegt  der  Stadt  näher  und  dient  vorzugsweise  der  Kultur  von 
Schnittstaudeii. 

Chrysanthemum  maximum  standen  in  Vollblüte,  während 
das  im  Spätherbst  blühende  Chrysanthemum  uliginosum  erst 
kleine  Knospen  hatte.  Die  Blüten  der  letzten  Art  haben  eine 
grüne  Scheibe  und  überstehen  Nachtfröste  ohne  Schaden. 
•Von  Funkien  und  Iris  germanica  waren  grössere  Sortimente 
vorhanden.  Eine  rehvweisse,  in  langen  Rispen  reichblühende 
.Schnittstaude,  die  mir  bisher  unbekannt  war,  stand  eben  in 
Blüte;  sie  führt  den  etwas  langen  Namen:  Draeocephalum 
virginianum  album  (Synonym  Physostegia  virginüma  alba\ 
ist  aber  wirklich  hübsch  und  kann  empfohlen  werden.  Ebenso 
war  ein  hübscher  Vorrat  von  Anthericum  und  der  weiss- 
gefüllten  Staudenranunkel  da.  Es  würde  zu  weit  führen, 
wenn  ich  alle  vorhandenen  Stauden  liier  aufführen  wollte, 
ich     will    nur    muh    erwähnen,     dass    auch     Blumenzwiebeln. 


VII,  8 


Die  Gar ten weit. 


besonders  Narzissen  und  Schneeglöckchen,  zum  Schnitt  an- 
gepflanzt waren.  Ein  letztes  Quartier  enthiell  hochstämmige 
Kosen  mit  starken  einjährigen  Kronen. 

Soviel  ist  gewiss,  dass  für  den  Gartenfreund  zu  jeder 
Zeit  in  dieser  Gärtnerei  etwas  Sehenswürdiges  da  ist  und  er 
an  Herrn  E.  Eggert  einen  freundlichen  Führer  und  willigen 
Erklärer  findet.  Aus  diesem  Grunde  sei  ein  Besuch  daselbst 
dem  Fachmanne  und  Liebhaber  empfohlen. 


Farne. 


Scolopendrium  officinarum  var.  daedalum.  Zu  den  schönsten 
Grottenpflanzen  gehören  in  erster  Linie  wohl  die  Farm'.  Ihre  viel- 
gestalteten Formen    und   verschiedenartig   geformten    Wedel    bringen 

zwischen  hübschen,  farbenprächtigen  Blutenpflanzen  in  das  BiM  ein 
dem  Auge  wohlthuendes  Leben.  Neben  den  grossen,  losen  "Wedeln 
des  Königsfarns  lugen  die  kleinen,  eigentümlich  gerippten  Wedel  des 
Blechnum  unter  einer  schönen  blauen  Campanula  hervor.  Hier 
sucht  sieh  das  feine,  Adiantum-ähnlicho  Polypodium  robertianum 
zwischen  den  halb  von  Linaria  Oymbalaria  überwucherten  Grotten- 
steinen seine  Nahrung,  während  das  steife  Scolopendrium  seine 
zungen förmigen  Wedel  sternförmig  an  einem  Tuffsteine  ausbreitet. 
Das  Scolopendrium  ist  wohl  der  beliebteste  und  ausdauerndste  unter 
unseren  Grottenfarnen.  Es  bildet  mit  seinen  Abarten  ein.'  besondere 
Gruppe  unter  allen  anderen  Farnen.  Unter  den  bekannten  irten 
ist  die  auf  unserer  untenstehenden  Abbildung  dargestellte  Varietät 
daedalum  wohl  die  schönste  und  interessanteste,  aber  aui  b  die  am 
wenigsten  verbreitete.  Es  ähnelt  in  seinen  Formen  'lein  tropischen 
Farn  Platyaerium.  Schon  fast  an  der  Basis  teilt  sich  der  Stiel,  i  he 
der  wirkliche  Wedel  anfängt,  desseu  Bänder  zerrisseil  and  gekräuselt 
sind.      Man    stösst    bei  dieser  Abart  nicht    auf    d£  in    der 

Haltimg,  das  der  Mutterart  eigen  ist.    Die   Heimal   dieser  „Hii^sch- 
zunge'1  ist  das   südliche  Deutschland   und   die  Schweiz,   wo   sie   ver- 
einzelt vorkommt.     Erst    vor   einigen  Jahren    wurde    sie    von    einem 
Herrn  Lehrer  Wehrhahn.    Hannover,  der 
im  Wesergebirge  botanisierte,  am  Ith  in 
einem     einzigen    Exemplar    aufgefunden, 
von    dem    die    hier    abgebildeten    Wedel 
herstammen. 

R.  Wehrhahn,  Gärtner,  Bückeburg. 


auch  Aufaug    April,    können    die  Veredlungen    aufs    freie  Land 
pflanzt  werden.     Ech    habe    beobachtet,    dass   auf   diese  Weise   ver- 
edelte  Unterlagen   noch   sicherer   weitergedeihen,    als   Frühjahrs  Ver- 
edlungen, und  man  spar!  sich   im   Frühjahr  vir]   Arbeit. 

J.  Loch,  Obergärtner,  Klosterlaussnitz  i.  Th. 
— ■  Vom  rationellen  Standpunkte  aus  kann  ich  mich 
meinen  bisherigen  Erfahrungen  nicht  für  Haudveredlungen  von  Kern 
und  Steinobsf  in  grösseren  Posten  erwärmen,  da  gewöhnlich  die 
Nachteile  des  Verfahrens  grösser  sind,  als  die  erhofften  Vorteile. 
Man  glaub!  gewöhnlich  damit  -inen  Vorsprung  von  einem  Jahr  in 
der  Lnzucht  zu  gewinnen,  was  aber  kaum  unter  den  günstigsten 
Vegetatiönsbedingungen  eintreffen  mag.  Besonders  schlecht  fällt 
das  Resultat  aus,  wenn  der  mit  den  Veredlungen  besetzte  Boden 
leicht  und  trecken  oder  das  Frühjahr  mit  dem  Vorsommer  ein 
regenarmes,  sehr  sonniges,  heisses  ist.  Ein  solcher  Schlag  wird  dann, 
infolge  der  äusserst  ungünstigen  Wachstumsbedingungen,  lückenhaft 
und  sehr  ungleich,  was  auch  die  Mehrzahl  der  Baumschulbesitzer 
veranlasst  hat.  die  Handveredlung  von  Obstbäumen  in  grösseren 
Posten  al-   '  ii  kdienlich  aufzugeben.     Selbst  im  zweiten  Jahre 

kränkeln   nicht     elten   noch   Haudveredlungen,   und   werden  dann  von 
den  im   Freien  wahrend    des  Frühjahres   und  Sommers   ausgeführten 

Veredlungen   In  nur  bezüglich  ihrer  Entwicklung  eingeholt,  sondern 

häufig  noch  übertroffen,  und  ist  der  vermeintliche  Vorsprung  nichts 
als  ein  unerfüllter  Wunsch  geblieben.  Unter  solchen  Umständen 
verliert  selbst  der  unleugbare  Vorteil,  dass  die  Haudveredlungen  bei 
schlechtem  Wetter  bequem  gemacht  werden  können,  seinen  Weit 
für  die  Praxis,  zumal  ich  bei  ungünstiger  Witterung  auch  stets 
anderweitige,  besser  lohnende  Arbeiten  ausfindig  machen  lassen, 
l'nter  günstigen  Bodenverhältnissen  mag  die  Veredlung  von  Äpfeln 
auf  ihre  Unterlagen  in  kleineren  Mengen,  eine  gute  Bewurzlung  der 
etzt,  sieh  noch  einigeraassen  rentieren,  wahrend 
ich  Handveredlungen  von  Birnen  und  Steinobst  nicht  im  mindesten 
als   rat  i'iehiien   kann. 

Wilh.  Geucke,  Gartenbaulehrer  in   Reutlingen. 

Beantwortung  der   Frage    No.  225.      Wie  düngt    mau   im 
allgemeinen  mit  schwefelsaurem  Ammoniak  und   im   besonderen  Ge- 


Fragen  und  Antworten. 

Beantwortung  der  Frage  No.  224. 

Hat  jemand  Erfahrungen  mit  Doucin, 
Paradiesapfel  und  Quitte,  sowie  mit 
St.  Julien  als  Unterlage  für  Hausverede- 
lung im  Winter  gemacht? 

Haus-  bezw.  Handveredelungen  im 
Winter  zu  machen,  ist  sehr  lohnend.  Ich 
habe  darin  gute  Erfahrungen  gemacht,  und 
zwar  sowohl  mit  Paradies,  als  auch  mit 
Doucin,  Quitte,  Bim-  und  Apfelwild- 
lingen.  Sämtliche  Unterlagen,  soviel  man 
deren  braucht,  wrerden  im  November  aus 
dem  Lande  gehoben  und  in  einem  frost- 
freien Baum  (Keller,  Stall  oder  Kasten) 
eingeschlagen.  Im  Januar  und  Februar 
werden  diese  nach  Bedarf  aus  den  Einschlag- 
räumen geholt  und  veredelt,  wobei  man 
sämtliche  Veredelungsarten  anwenden  kann. 

Hat  man  eine  Anzahl  von  Wildlingeu 
veredelt,  so  werden  diese  abermals  an  einer 
frostfreien  Stelle  eingeschlagen.    Im  März. 


Scolopendrium  officinarum  var.  daedalum. 

Vom  Verfasser  für  die  „Gartenwell"  photographisch  aufgenommen. 


94 


Die  Gartenwelt. 


VII.  8 


müse,  Obstbäume  und  Beerenobststräucher  mit  diesem  Salze?  In 
welchen  Gaben  giebt  man  das  Salz  pro  qm?  Ist  Chilisalpeter  dem 
genannten  Düngemittel  vorzuziehen? 

—  Obgleich  der  Wert  der  künstliehen  oder  sogenannten  Handels- 
dünger ein  allgemein  anerkannter  ist,  kann  man  nicht  behaupten, 
dass  sich  dieselben  im  Gartenbau  einer  allgemeinen  Verwendung  er- 
freuten. Im  besonderen  nehmen  die  kleinen  und  mittleren  Haudels- 
gärtnereien  noch  immer  eine  teils  ablehnende,  teils  abwartende 
Stellung  ein,  was  seine  Ursache  meines  Dafürhaltens  darin  hat,  dass 
man  sich  über  die  Nährstoffbedürfnisse  der  Pflanzen  im  Unklaren 
befindet,  während  andererseits  der  Preis  der  Handelsdünger  für  viele 
ausschlaggebend  ist.  Unter  den,  bei  der  Pflanzenernährung  in 
Betracht  kommenden  Stoffen  spielt  der  Stickstoff  eine  Hauptrolle. 
Durch  die  Düngung  mit  Stall-  und  Latrinendung  allein  wird  aber 
einer  Abnahme  der  Stoffe  im  Boden  nicht  Einhalt  gethan,  was  sich 
in  der  vielfach  erhobenen  Klage,  dass  auf  dem  Grundstück  die  Er- 
träge von  Jahr  zu  Jahr  nachlassen,  nur  zu  deutlich  zeigt.  Um  dem 
abzuhelfen,  ist  man  genötigt,  da  der  Gärtner  nicht  wie  der  Landwirt 
seine  Flächen  auf  längere  Zeit  brach  liegen  lassen  kann,  zu  künst- 
lichen Düngemitteln  zu  greifen  und  eine  wohlgeordnete  AVechsel- 
wirtschaft  einzuführen. 

Bei  der  intensiven  Ausnutzung  des  Bodens  iu  Gärtnereien  ist 
diese  Nachhilfe  um  so  eher  am  Platze,  da  der  Gärtner  sehr  oft  in 
einer  Kulturperiode  dasselbe  Stück  Land  2  bis  3  mal  zu  bestellen 
gezwungen  ist. 

Es  ist  nun  aber  bekannte  Thatsache,  dass  der  Stickstoff  kräftige 
Ausbildung  von  Laub  und  Holz  bewirkt  und  somit  für  den  Aufbau 
einer  der  Hauptfaktoren  ist,  wobei  ich  jedoch  gleich  bemerke,  dass 
mit  einer  Stickstoffdüngimg  allein  selten  gedient  ist,  da  zum  Aufbau 
ausser  diesem  auch  Phosphorsäure,  Kali  und  Kalk  in  der  Hauptsache, 
neben  einer  Anzahl  anderer  Stoffe,  welche  in  den  meisten  Fällen  in 
genügender  Menge  im  Boden  vorhanden  sind,  gebraucht  werden. 
Da  nun  aber  der  Herr  Fragesteller  im  besonderen  über  die  An- 
wendung des  schwefelsauren  Ammoniaks  Auskunft  wünscht,  sei  hier 
gleich  im  voraus  bemerkt,  dass  die  Wirkung  und  rationelle  Aus- 
nutzung der  den  Pflanzen  gebotenen  Stickstoffnahrung  nur  dann  er- 
folgen kann,  wenn  sich  der  Boden  auch  sonst  im  allgemeinen  im 
besten  Zustande  befindet,  da  es  eine  Eigenart  des  Stickstoffes  ist, 
dass  er,  falls  es  dem  Boden  an  Humus  fehlt,  der  den  Stickstoff  ab- 
sorbiert, unverbraucht  in  den  Untergrund  versickert.  Sollte  es  dem 
Boden  auch  an  Phosphorsäure  mangeln,  so  wird,  falls  dieselbe  nicht 
geboten  wird,  die  Wirkung  des  Stickstoffes  gleichfalls  eine  unvoll- 
kommene sein. 

Der  Stickstoff  wird  uns  in  verschiedenen  Formen  als  Dünge- 
mittel geboten  nnd  sind  die  zwei  im  Wasser  am  leichtesten  löslichen 
Stickstoffverbindungen  das  schwefelsaure  Ammoniak  und  der  Chili- 
^alpeter. 

Angestellte  Versuche  haben  ergeben,  dass  das  schwefelsaure 
Ammoniak  in  höherem  Grade  vom  Boden  absorbiert  wird,  als  der 
Chilisalpeter,  eine  Thatsache,  die  zu  Gunsten  der  Amraoniakvenveudung 
spricht.  Soll  aber  das  absorbierte  schwefelsaure  Ammoniak  voll  zur 
AVirkung  kommen .  so  muss  genügend  Kalk  im  Boden  ■  vorhanden 
sein,  denn  Ammoniak  ist  eine  Verbindung  des  Wasserstoffes  mit 
dem  Stickstoff  und  muss,  wenn  es  von  den  Pflanzen  aufgenommen 
werden  soll,  im  Boden  eine  Umwandlung  in  eine  salpetersaure  Ver- 
bindung erfahren.  Diese  Umwandlung  beginnt  bei  genügendem 
Kalkgehalte  des  Bodens  sofort,  und  tritt  die  bei  Chilisalpeter  so 
auffällige  und  rasche,  sichtbare  Wirkung  auch  bei  einer  Ammoniak- 
düngung in  der  gleichen  kurzen  Zeit  ein,  ausserdem  hält  aber  die 
Wirkung  des  Ammoniaks  bedeutend  länger  an,  da  das  Salz,  wie  schon 
oben  erwähnt,  besser  vom  Boden  absorbiert  wird,  was  sehr  für  die 
Verwendung  des  Ammoniaks  spricht. 

Aus  der  Frage  geht  nun  hervor,  dass  der  Herr  Fragesteller 
in  der  Hauptsache  Gemüse  und  Obstbäume  düngen  will.  Da  nun 
aber  bei  keinem  anderen  Betriebe  die  Ausnutzung  des  Bodens  eine 
derartig  intensive  ist,  so  muss,  wie  bereits  einmal  angedeutet,  die 
Düngung  des  Bodens  mit  Stallmist,  Grubendung  und  Jauche  eine 
M'i'liliche  sein.     Bei  einem  rationell  betriebenen  Gemüsebau  rechnet 


man  eine  Düngung  von  100  bis  125  dz  (Doppelzentner)  pro  ha,  die 
alle  vier  Jahre  zu  wiederholen  und  der  in  den  verschiedenen  Wechsel- 
quartieren mit  Kompost,  Jauche  und  den  nachfolgend  angeführten 
Quantitäten  künstlicher  Düngemittel  nachzuhelfen  ist,  für  ausreichend. 
Bemerkt  sei  hier  noch,  dass  für  sandige,  trockene  Bodenarten  sich 
Rinder-,  Schweine-  und  Abortdung,  sowie  Gänsemist,  wo  derselbe  in 
grösseren  Quantitäten  zu  haben  ist,  mehr  eignen,  als  die  nach- 
verzeichneten, die  für  feuchte  Lehm-  und  Thonböden  besser  zu  ver- 
wenden sind.  Es  sind  dies  Pferde-,  Schaf-,  Hühner-  und  Tauben- 
dung, sowie  gut  eingestreuter  Abortdünger. 

Beabsichtigt  nun  der  Herr  Fragesteller  mit  Ammoniak  zu 
düngen,  so  ist  er,  falls  eine  normale  Entwicklung  erwünscht  und 
nicht  bloss  der  Holztrieb  angeregt  werden  soll,  genötigt,  ausser  einer 
Stickstoffdüngung  auch  Phosphorsäure,  Kali,  und  wenn  es  dem  Boden 
au  Kalk  mangeln  sollte,  auch  diesen  zu  geben.  Die  Angaben  für 
den  jährlichen  Bedarf  an  einzelnen  Nährstoffen  sind  von  den  ver- 
schiedenen Versuchsstationen  resp.  deren  Leitern  recht  schwankend 
angegeben  und  liegen  den  hier  angeführten  Angaben  Resultate,  zu  denen 
Herr  Dr.  Steglich-Dresden  gelangt  ist,  zu  Grunde.  Nach  diesen  An- 
gaben erfordert  ein  Baum  pro  qm  beschatteter  Bodenfläche  17  g 
Stickstoff,  5  g  Phosphorsäure.  22  g  Kali  und  40  g  Kalk.  Da  der 
Einkauf  von  Handelsdünger  nach  dem  garantierten  Prozentgehalt  der 
einzelnen  Nährstoffe  erfolgt,  wird  es  nicht  schwer  fallen,  das  Quantum 
der  einzelnen  Kunstdungarten  zu  bestimmen,  welche  erforderlich 
sind.  Da  mir  die  Resultate,  welche  mit  einer  im  Sinne  der  vor- 
stehenden Zeilen  ausgeführten  Düngung  erzielt  worden  sind,  schon 
seit  langem  bekannt  sind,  empfehle  ich  dem  Herrn  Fragesteller,  seine 
Bäume  auf  diese  Weise  zu  behandeln. 

Ist  der  Boden,  auf  dem  Gemüse  gebaut  werden  soll,  in  der 
oben  angegebenen  Weise  mit  Stallduug  verseheu,  so  erfordern  die 
verschiedenen  Gemüsearten  eine  ganz  verschiedene  Kunstdüngergabe. 

Die  Kohlarten,  welche  wohl  die  ärgsten  Stickstoffverzehrer 
sind,  werden  mit  Erfolg  auf  folgende  Weise  gedüngt:  25  g  Ammoniak, 
25  g  Chlornatrium  und  20  g  Doppelsuperphosphat  oder  mit  15  g 
salpetersaurem  Kali  und  25  g  phosphorsaurem  Kali  pro  qm  Boden- 
fläehe.  Eine  dritte  Zusammenstellung  ist  folgende:  pro  ar  giebt  man 
2,5  kg  schwefelsaures  Ammoniak,  4,5  kg  Thomasschlackenmehl  auf- 
geschlossen, 1,8  kg  Chlorkalium.  Die  Düngemittel  werden  8 — 14  Tage 
vor  dem  Bestellen  untergebracht.  Den  Bedarf  au  Kalk  giebt  man 
bereits  im  Herbst  beim  Stürzen  des  Landes  in  den  Boden  und 
rechnet  15 — 20  kg  pro  ar  =  100  qm. 

Für  Salate  verwendet  man  pro  qm  10  g  Ammoniak  und  15  g 
phosphorsaures  Kali.  Während  der  Wacbstumsperiode  noch  1 — 2  mal 
10  g  Chilisalpeter  oder  pro  ar  2,0  kg  Ammoniak,  2,5  kg  Super- 
phosphat  und  1'  kg  Chlorkalium. 

Für  Gurken,  sowie  Wurzelgemüse  rechnet  man  für  den  qm 
30  g  Superphosphat,  20  g  Chlorkalium  und  15  g  Ammoniak  oder  pro 
ar  6  kg  Thomasmehl,  2  kg  Chlorkalium  und  2  kg  Ammoniak,  voraus- 
gesetzt, dass  Salate  allein  auf  einem  Quartier  gepflanzt  werden.  Bei 
Zwischenkulturen  erfordern  dieselben  keine  besondere  Düngung. 

Für  Spargelpflanzungen  sind  10  g  phosphorsaures  Kali,  20  g 
schwefelsaures  Ammoniak  und  15  g  Chlorkalium  oder  3,0  kg  Ammoniak, 
3,5  kg  Thomasmehl  und  7,5  kg  Rosnallit  pro  ar  zu  verwenden. 

Da  bekanntermassen  Erbsen  und  Bohnen  durch  das  Zusammen- 
leben mit  Bodenbakterien  in  den  Stand  gesetzt,  sind,  den  freien  Stick- 
stoff der  Luft  aufzunehmen,  erfordern  dieselben  eine  Stallmistdüngung 
ebensowenig  wie  die  Zufuhr  von  anderem  Stickstoff;  man  giebt  den- 
selben daher  pro  ar  6  kg  Thomasmehl  und  3  kg  Chlorkalium.  Die 
von  einigen  empfohlene  geringe  Stickstoffmenge  (2 — 3  kg  pro  ar) 
halte  ich  bei  sonstiger  allgemeiner  kräftiger  Düngung  für  überflüssig, 
da  die  Ernte-Resultate  nur  geringe  Differenzen  aufweisen. 

Bemerkt  sei  noch,  dass  man  Chilisalpeter  und  schwefelsaures 
Ammoniak  nicht  mit  Thomasschlackenmehl  mischen  soll,  da  die 
chemische  Beschaffenheit  des  Thomasmehles  den  in  den  beiden  erst- 
genannten enthaltenen  leichtlöslichen  Stickstoff  in  schwer  lösliche 
Verbindungen  überführt. 

Die  Unterbringung  der  Düngemittel  geschieht,  wie  bei  einzelnen 
schon  angeführt,  8 — 14  Tage  vor  dem  Bestellen  des  Landes  mit  der 
Pflanzung    oder   Aussaat  und    empfiehlt   es  sich,    bei  allen  Gemüse- 


VII.  8 


Die  Gartenwelt. 


95 


arten  denselben  im  Laufe  der  Kulturdauer  mehrere  Male  kräftige 
Dunggüsse  von  Jauche  oder  aufgelösten  stickstoffhaltigen  Dungstoffen 
zuzuführen,  desgleichen  sei  darauf  aufmerksam  gemacht,  dass  alle 
Düngemittel  erst  dann  zur  vollständigen  Wirkung  kommen,  wenn  es 
dem  Boden  nicht  an  dem  erforderlichen  Kalkgehalt  fehlt. 

W.  Vogler  -Scherf,  Mühlhausen  i.  Th. 

—  Der  erste  Teil  der  Frage  —  wie  düngt  man  im  allgemeinen 
mit  schwefelsaurem  Ammoniak?  —  ist  wohl  kurz  dahin  zu  beant- 
worten: Indem  man  dieses  „Salz"  ausstreut  und  leicht,  ohne  Be- 
schädigung der  Wurzeln  unterarbeitet.  Und  dies  sowohl  beim  Obst 
als  auch  beim  Beerenobst  und  Gemüse,  d.  h.  wenn  man  überhaupt 
der  Jahreszeit  entsprechend  schwefelsaures  Ammoniak  anwendet. 
Beim  Obstbaum  wird  man  meist,  und  das  besonders  in  schwerem 
Boden,  schwefelsaures  Ammoniak  (im  Herbst)  anwenden,  in  leichtem 
Boden  und  im  Frühjahr  Chilisalpeter.  Im  allgemeinen  gelangt  der 
Chilisalpeter  jedoch  mehr  bei  den  Gemüsen,  woselbst  eine  schnelle 
Wirkung  möglich,  zur  Anwendung.  Beide  sind  ja  bekanntlich  ein- 
seitig wirkende  Stickstoffdünger,  und  ich  rate  zu  deren  wiederholter 
Anwendung  nur  dann,  wenn  der  Fragesteller  seinen  Boden  genau 
kennt  und  die  Kulturen  absolut  vom  Stickstoff  abhängig  sind,  dass 
ihnen  die  übrigen  also  zur  Genüge  geboten  sind.  Laut  „Gesetz  des 
Minimums"  richtet  sich  die  Pflanze  ja  in  ihrem  Wachstum  nach 
demjenigen  Nährstoffe,  welcher  ihr  im  geringsten  Masse  geboten  ist. 

Nach  neueren  Versuchen  verlangt  nun  der  Obstbaum  gerade 
bedeutend  mehr  Stickstoff,  als  man  seither  annahm  (ca.  das  Doppelte 
des  Verbrauchs  an  Phosphorsäure). 

Empfehlenswert  für  den  Obstbaum  ist  immerhin  das  „Kali- 
Ammoniak-Superphosphat",  ein  ausgezeichneter  Dünger  (auch  für 
Beerenobst),  welcher  die  drei  wichtigsten  Pf lanzennähi  Stoffe  in  bester 
Mischung  aufweist.  Für  junge  Obstbäume  ist  auch  eine  Blutdüngung 
sehr  vorteilhaft,  muss  aber  10 — 12  fach  verdünnt  sein.  Bei  Neu- 
pflanzungen (Dungunterbringung  in  den  Baumgruppeo  resp.  Mischung 
unter  die  Erde)  verwende  man  mehr  schwerer  lösliche  Dünger,  wie: 
Thomasmehl,  Blutmehl,  Knochenmehl  etc. 

Schwefelsaures  Ammoniak  nehme  man  also  zur  Obstbaum-  und 
Beerenobstdüngung  und  Chilisalpeter  für  Gemüse  im  Frühjahr 
(Blattgewächse!),  bei  Wintergemüse  auch  Ammoniaksalz.  Diese  ver- 
schiedenartige Verwendung  ist  schon  daraus  erklärlich,  dass  der 
sofort  wirkende  Chilisalpeter  (Salpetersäure)  beim  Obstbaum  nicht 
zur  Geltung  kommt,  weil  die  Zeit  zwischen  Aufnahme  und  Ver- 
wendung gegenüber  den  krautartigen  Gewächsen  eine  recht  grosse  ist. 

Betreffs  des  zu  verabreichenden  Quantums  dieser  Dünger  kann 
man  genaue  Angaben  nicht,  gut  machen;  es  richtet  sich  dieses  nach 
den  jeweiligen  Verhältnissen,  Beschaffenheit  des  Bodens,  des  Baumes  etc. 
selbst.  Ein  älterer  durch  reiches  Tragen  erschöpfter  Baum  wird 
mehr  nötig  haben,  als  ein  junger.  Als  durchschnittliche  Gabe  darf 
das  Unterbringen  von  50 — 80  g  schwefelsaurem  Ammoniak  oder  bis 
100  g  Chilisalpeter  pro  qm  gelten. 

Bei  Gemüsen  wird  man,  je  nach  Zartheit  und  Dauer  der  Aus- 
bildung, entsprechend  von  diesem  hohen  Mass  abweichen:  vor  allen 
Dingen  aber  nehme  man  Regenwetter  wahr,  oder  giesse  nach  dem 
Düngerstreuen,  da  dieser  Kunstdünger  auf  die  Blätter  eine  ätzende 
Wirkung  (bes.  bei  sonnigem  Wetter)  ausübt. 

Heinrich  Beuss,  Düsseldorf. 


Zeit-  und  Streitfragen. 


Ausstellungsmedaillen.  Ein  Drittel  der  Gesamteinnahmen 
verschlangen  in  Hannover  die  Medaillen  und  Ehrenpreise,  während 
in  Erfurt  kein  Pfennig  dafür  geopfert  zu  werden  brauchte.  Welches 
ist  nun  das  bessere  System'? 

In  der  Fachwelt  hat  nachgerade  die  Prämiierung  sehr  an  Wert 
verloren,  und  die  Fachzeitschriften  erwähnen  sie  kaum.  Wenn  da- 
rum in  einer  Gartenstadt  wie  Erfurt  eine  für  Gärtner  fast  aus- 
schliesslich bestimmte  Ausstellung  auf  jegliche  Preisrichterei  verzichtet, 
so  verdient  das  als  zweckmässig  anerkannt  zu  werden. 


Anders  die  Ausstellungen,  die  auch  mit  der  Kaufkraft  des 
Publikums  rechnen  müssen.  Hier  gilt  es  durch  die  sachverständige 
Bewertung  der  beschränkten  Urteilsfähigkeit  beizustehen;  und  da  ist 
die  Medaille  an  ihrem  Platze. 

Der  reiche  Medaillensegen  solcher  Ausstellungen  wird  bestehen 
bleiben.  Ihn  wesentlich  einzuschränken  geht  nicht  an,  weil  die  zahl- 
reichen Programmnummern  einer  vielseitigen  Ausstellung  sämtlich 
für  sich  dotiert  sein  wollen.  Wohl  aber  Hesse  sich  die  in  Metall 
anzulegende  Summe  bedeutend  verringern 

In  Hannover  erhielt  beispielweise  eine  Binderei-Firma  ( Gerstenberg- 
Hannover)  ausser  zwei  wertvollen  Ehrenpreisen  17  erste  Preise. 
17  zweite,  1  dritten  (und  drei  Diplome)  und  bekommt  nun  die 
geprägten,  gleichartigen  Metallstücke  sämtlich  ausgeliefert.  Und  just 
so  geht  es  mit  vielen  anderen  Ausstellern.  Nun  hat  das  Komitee  als 
Vorschlag  für  künftige  Veranstaltungen  in  seine  Protokolle  den  Leit- 
satz aufzunehmen  beschlossen,  dass,  falls  einem  Aussteller  mehrere 
gleichartige  Auszeichnungen  zuteil  werden,  dieselben  nur  einmal  in 
Metall  zu  vergeben  sind,  während  für  die  übrigen  nur  die  Besitz- 
zeugnisse ausgefertigt  werden  sollen. 

Der  Ausgezeichnete  ist  damit  der  Aufbewahrung  einer  Menge 
toten  Metalles  überhoben  und  die  Kassenverhältnisse  der  Ausstellung 
bessern  sich.     Das  System  der  Prämiierung  aber  bleibt  unangetastet. 

K.  Krone,  Hannover. 


Tagesgeschichte. 


Aachen.  Der  dritte  Obstmarkt  des  Rheinischen  Bauern  Vereins, 
der  Anfang  im  Oktober  im  hiesigen  Kaiserhof  stattfand,  war.  trotzdem 
die  diesjährige  Obsternte  in  der  Rheinprovinz  recht  mittelmässig  aus- 
gefallen ist,  sehr  reich  beschickt.  Der  Erfolg  war,  was  den  Verkauf 
anbetrifft,  ein  ganz  ausgezeichneter,  was  wohl  zumeist  darauf  zurück- 
zuführen ist,  dass  Hunderte  von  Körben  direkt  fertig  zum  Verkauf 
bereit  standen.  Am  vierten  (letzten)  Markttage  war  die  ganze  vor- 
handene Obstmenge  ausverkauft,  obgleich  ziemlich  hohe  Preise  ge- 
fordert wurden.  Es  dürfte  interessieren,  zu  erfahren,  wieviel  die 
einzelnen  Obstsorten  eingebracht  haben.  Die  erste  Stelle  nahm  der 
„Weisse  Wintercalvill"  ein,  der  60  M.  pro  50  kg  einbrachte.  Es 
folgen  die  „Ananas-Reinette"  mit  40 — 45  M.,  „Königliche  Kurzstiel" 
mit  30 — 40  M.,  „Schöner  von  Boskoop"  mit  20—25  M.,  „Winter- 
Goldparmüne"  mit  20 — 25  M.,  „Gratensteiner"  mit  18 — 25  M., 
„Sternreinette'-  mit  18 — 20  M.,  „Kanada  Reinette"  und  „Kasseler 
Reinette"  mit  15 — 20  M.,  „Baumanns  Reinette"  mit  15—20  M. 
Für  die  verschiedenen  Kochäpfelsorten  wurden  durchschnittlich 
10 — 15  M.  per  50  kg  bezahlt  Von  den  Birnen  erzielten  die  höchsten 
Preise  die  „Winter-Dechantsbirne",  die  es  auf  25 — 30  M.  brachte. 
Ihr  nahe  kam  „Diels  Butterbirne"  mit  20—26  M.,  dann  „Herzogin 
von  Angotdeme"  mit  20—25  M.,  „Oute  Luise  von  Avranchcs"  mit 
20— 25  M., ., Köstliche  ron  Chameu"  mit  15— 20  M..  „Gellerts  Butter- 
birne" und  „Napoleons  Butterbirne"  mit  15—18  M.,  „Forellenbime" 
mit  12 — 18  M.  Die  „Gute  Graue"  und  andere  Bergamotten  brachten 
12—15  M.  und  endlich  Kochbirnen  10—12  M.  Zu  erwähnen  ist 
schliesslich  noch,  dass  auch  Kraut  und  Gelee  sehr  begehrt  waren. 
Reines  Apfelkraut  z.  B.  wurde  mit  40—50  Pfg.  bezahlt,  Gelee  von 
Johannisbeeren  mit  1—1,20  M.  A.  W. 

Berlin.  Die  städtischen  Parkgärtner  haben  an  ihre  vorgesetzt'1 
Behörde  eine  Eingabe  gerichtet,  in  welcher  für  Gärtner  ein  Lohn  von 
4.50  M.  bis  6.50  M.,  für  Arbeiter  von  3,50  M.  auf  4.50  M.  steigend, 
sowie  33  1/3  %  Aufschlag  für  Überstunden  u.  a.  verlangt  wird. 

Bonn.  Der  Vorstand  des  Verschönerungsvereins  für  das  Siebeu- 
gebirge  beschloss  die  nach  Ittenbach  zu  gelegene  grosse  Schutthalde 
am  Oelberge,  sowie  mehrere  andere  in  jüngster  Zeit  an  den  Verein 
übergegangene  grössere  Grundstücke,  insbesondere  am  Nonnen- 
stranberg,  aufzuforsten.  Desgleichen  genehmigte  er  einen  Vertrag, 
wonach  der  Verein  die  Instandsetzung  und  Unterhaltung  der  fiskalischen 
Wegeanlagen  und  Baumpflanzungen  auf  dem  Drachenfels  übernimmt. 

A.  W, 


96 


Die  Gartenwelt. 


VII,  8 


Breslau.  Wie  der  hiesige  „Gen.-Anz."  berichtet,  fühlen  sich 
die  Breslauer  Gartentünstler  und  Landscbaftsgärtner  seit  längerer 
Zeit  durch  die  Ueberuahme  von  Privatarbeiten  seitens  der  städtischen 
gärtnerischen  Beamten  geschädigt  und  haben  daher,  bisher  erfolglos, 
Eingaben  an  den  Magistrat  gerichtet,  in  denen  eine  Aenderuug  des 
bisherigen  Verfahrens  erbeten  wird,  nach  welchem  diesen  Beamten 
die  Ueberuahme  ausserordentlicher  Auftrage  durch  die  leitende 
Kommunalbehörde  gestattet  werden  kann.  Wir  wollen  liier  nicht 
untersuchen,  inwieweit  die  Behauptungen  der  hiesigen  Interessenten, 
dass  sie  durch  die  Konkurrenz  städtischer  gärtnerische)  Beamten  in 
erheblichem  Masse  wirtschaftlich  benachteiligt  werden,  den  That- 
sachen  entsprechen,  müssen  aber  betonen,  dass  wir  die  Oebernahme 
von  Privatarbeiten  durch  städtische  Beamte,  die  leicht  zu  Misshellig- 
keiten führen  kann,  grundsätzlich  Dicht  billigen.  Wir  sind  stets  für 
eine  ausreichende  Gehaltsbemessung  für  die  städt  Beamten  ein 
getreten,  halten  es  jedoch  auch  für  recht  und  billig,  dass  die  Beamten 
sich  einzig  und  allein  dem  städtischen  Dienst  widmen.  Viele  Städte- 
verwaltungen haben  auch  bereits  in  den  Anstellungsurkunde] 
unbedingte  Verbot  der  Privatarbeiten  ausge  prochen  eine  Massnahme, 
die  wir  für  vollkommen  gerechtfertigt  balten.  Die  Breslauer  Garten 
künstler  und  Landschaftsgärtner  wollen  sich  mit  dem  ablehnenden 
Bescheide  des  Magistrats  nicht  zufrieden  geben.  Hdrl. 

Düsseldorf.  Im  Anschluss  an  die  Mitteilungen  des  Herrn 
Stadtgartendirektors  Grube,    Aachen,    in    Nb.  5.    rügten  wir  es,    dass 

eine  Ausstellung  wie  die  Düsseldorfer  den  Ausstellern  uur  die  Dipl 

nicht  aber   die   Medaillen    aushändige.     In    der    letzten    Sitzui 
Arbeitsausschusses  wurde  nun  festgestellt,   dass  der  Qebei  chu      dei 
Ausstellung  wahrscheinlich  eine  Million  Mark  betragen  wird,     li 
dieses  günstigen  Ki-gclniix.es  -eilen  nun.  wie  sieh  das  überhaupt  ge- 
bührt, den  Ausstellern  auch  die  Medaillen  werden. 

Erfurt.    Die  verflossene  Gartenbauausstellung  schloss  mit 
Defizit  von  15000  Mk.     Die  Gesamteinnahmen  stellten  sich  auf  rund 
44500  ML.   wovon   auf   Einnahmen    aus   Eintrittsgeldern  38000  Mk. 
entfallen,  während  sich  die  übrige  Summe  au    dem  Verkauf  von  Po 
karten,  Katalogen,    abgaben  von  Hier  etc.  zusammensetzt.     Dil 
gaben  stellen  sich  auf  rund  "■'. >:JO0  Mk.    Hiervon  entfällt  der  Hauptteil 
auf  Kauten  und  Anlagen,  nämlich  zusammen    17000  Mk.     Es  wurden 
950  Dauerkarten  ä  3   Mk,  und  1800  Dauerkarten  ü   1,50  Mk.  veraus- 
gabt.     Die    Zahl    der    einzeln    zahlenden     Besucher    stellte    sich    auf 
rund  52000.     Das  entstandene  Defizit  trägt  dei  Gartenbauverein. 

Frankfurt  a.  M.  Die  Kosten  dei  Erdarbeiten  Eüi  die 
gärtnerische  Anlage  des  Elohenzollernplatzes  sind  ani  20000  M.  ver- 
anschlagt. Nach  Ansieht  der  Stadtgärtnerei  ist  es  für  die 
massige  Ausführung  die  er  Erdbewegung  durchaus  vorteilhaft  und 
last  unentbehrlich,  die  arbeiten  in  Regie  zu  bewirken;  e  isl  hierzu 
die  Beschaffung  von  Arbeitsgeleiseu  und  Karren  notwendig,  die  auch 
künftig  zur  Ausführung  ähnlicher  Arbeiten  im  Dienstbereich  der 
Btadtgärtnerei  sehr  nützliche  Verwendung  linden  können  und  sich 
durch  die  unmittelbar  erzielte  Ersparnis  an  Arbeitslöhnen  sein-  bald 
ganz  bezahlt  machen  werden. 

Die  Stadl  ba1  von  dem  Bankier  L.  A.  Halm  zehn  Hektar  Land 
hinter  den  Klärbecken  für  287000  M,  zui  Vergrö  erung  det  An- 
lagen gekauft.  Da    Tel  rain  lii  gf  in  Schwanheimer  Gemarl 

Godesberg.  Die  kürzlich  gebrachte  Notiz  betr.  Erweiterung 
des  hiesigen  Kurparkes  entspricht  meld  ganz  der  Wirklichkeit 
Zwar  hatte  die  Gemeinde  vor  längerer  Zeil  die  il  ich*  die  Kur- 
anlagen zu  vergrößern,  doch  Hess  man  den  Plan  Eallen,  da  die  Ke- 
ung  dazu  verweigerte,  [ufolgede  m  wird  der 
Kurpark  im  alten  Zustand  verbleiben  A.  W. 

Görlitz,   [n der Stadtverordnetensitzunj  wurdedervon 

■  blagene  Ankauf  de    den    Geissler'schen    Erben 

1  '    Promenade  gelegenen,   mehr  als   :  Moi  en  i Istäcks 

beschlo  len.    Her  Kaufpreis  betrag!  300000  Mari  tfark    ollen 

dem    I  Fond     der    Sparkae  e    und    250000    Mark 

:;l  .   Prozent  Zin  i  n    and   '  ,   Prozent   Tilgung   ais   Hypothi  i.   den  Be- 
ständen    der  Sparka  k    entnommen   werden.     Es   wird    beabsichtigt 
orläufig    lii    Villa  i  a  vermii  ten    en,..,,  gro  äen  Teil  de    Grund  tücks 
zur  Erweiterung  der  Parkanlagen  zu  verwerten  und  das  übri 

Verant* I  laki i        u  , 


zu  reservieren.  Interessant  ist,  dass  vor  etwa  Jahresfrist  der  von 
den  Geissler'schen  Erben  verlangte  Kaufpreis  noch  550000  Mark  betrug. 

Köln.  Die  hiesige  ,, Flora"  beabsichtigt  im  nächsten  Herbst 
wiederum  eine  Chrysanthemum-  und  Winterblumenschau  zu  ver- 
anstalten in  der  Art  der  so  wohl  gelungenen  Ausstellung  vom  ver- 
gangenen Jahre.  A.  W. 

Plauen.  Ein  hochherziger  Freund  der  Kinder  hat  dem 
Direktor  der  mittleren  Volksschule  zur  Verteilung  an  die  Kinder  der 
ehe ien  Klassen  gegen  3000  Blumenzwiebeln  zur  Verfügung  gestellt. 
Dieses  nachahmenswerte  Verfahren  ist  sehr  geeignet  in  den  Kindern 
die  Lieb.'  zur  Pflanzenwelt  zu  erwecken.  Die  bisher  für  solche 
Zwecke  noch  wenig  verwendeten  Blumenzwiebeln  sind  recht  geeignet, 
weil  die  Empfänger  an  denselben  den  Werdegang  in  der  Natur  in  be- 
schleunigtem Tempo  und  recht  augenscheinlich  beobachten  können.  G.S. 

Quedlinburg.  Für  nächstes  Jahr  trägt  man  sich  bereits  seit 
längerer  Zeit  mit  dem  Gedanken,  hierselbst  eine  Gartenbau-Ausstellung 
abzuhalten.  Im  „Verein  der  Gartenfreunde",  von  dem  diese  An- 
regung  hauptsächlich  ausging,  ist  man  jedoch  bei  der  jüngst  am 
ti.  ds.  abgehaltenen  Monatssitzung  noch  zu  keinem  endgiltigen  Be- 
schlüsse gekoi n.    Bei  einer  Beratung  über  Gartenbau-Ausstellungen 

im  allgemeinen  und  über  die  hier  geplante  ( mrtenbau- Ausstellung  im 
besonderen  ergab  es  sieh,  dass  die  Meinungen  darüber  noch  geteilt 
waren,  welche]  Lri  die  Ausstellung  sein  solle,  d.  h.  ob  eine  Lokal- 
oder  eine  Provinzial-Ausstellung  sich  für  hiesige  Verhältnisse  eignen 
würde  Vor  allem   wurde    darauf    aufmerksam    gemacht,    dass  zu 

einer  Ausstellung,  solle  sie  als  wohlgelungen  abschliessen,  Geld, 
Geld  und  nochmals  Geld  gehöre.  —  Ohne  klüftigen  Garantiefouds 
sei  also  an  das  Zustandekommen  einer  grösseren  Ausstellung  nicht 
zu  denken,  und  nur  eine  l.-kal- Ausstellung  zu  veranstalten,  habe 
nicht  viel  Wert.  —  Da  nun  aber  die  wohlhabenden  Bürger  der  Stadt 
durch  Zeichnungen  für  den  Garantiefonds  des  im  nächsten  Sommer 
hier  stattfindenden  Sängerfestes  stark  in  Anspruch  genommen  seien, 
se  wäre  es  fraglich,  ob  zur  Zeichnung  des  i  harantiefonds  für  eine 
Gartenbau  Misstellung  sich  noch  genügende  Beteiligung  finden  würde. 
-  Die  Sache  wurde  aus  diesem  Grunde  einstweilen  bis  zur  nächsten 
Sitzung  vertagt,  und  berichtete  nachher  noch  ein  Mitglied  über  die 
im  Oktober  in  Magdeburg  abgehaltene  Provinzial-  Obst  -Ausstellung 
wo,  wie  bekannt,  beim  Verkauf  von  Obst  so  aussergewöhnlich  hohe 
I 'reise  erzielt  waren,  u.  a.  19  Stück  Weisse  Wintercalvill  zu 
ß0  Mark  ihren  Kaufer  fanden.  Xach  des  Berichterstatters  Urteil 
seien  e  au  [i  11.  1 1 1  -siMiir  Früchte*)  gewissen,  und  bemühte  er  sich 
noch  in  seinen  weiteren  Ausfiihruiigr.il  darauf  hinzuweisen,  wie 
lehnend  der  Obstbau  sei,  wenn  er  nach  richtigen  Grundsätzen  be- 
trieben würde  und  man  die  Amerikaner  sich  als  Lehrmeister  dienen 
lasse.  •  M    G. 

Verden.  Die  Stadt  hat  zur  Vergrösserung  <les  Bürgerparkes 
ein  Stück   l.and   für   10275   M.  augekauft. 

Würzburg,  infolge  der  Erweiterung  des  Friedhofes  wird  die 
Stadtgärtoerei  nach  dem  Mönchberg  verlegt.  Daselbst  ist  sehen 
mit  den  Vorarbeiten    begonnen    worden,    wofür   bereits    000Q   Mark 

hin  ilhgt   sind. 


Personal -Nachrichten. 


Albrecht,  Rentier,  früher  laugjähriger  ObergärtnerderDohrnsohen 

Besitzung  zu  linkender!',    starb  am   31.   Oktober  an   den   Felgen    eines 

Unglücksfalles. 

Hartl,  Oskar   Karl,    Rentier,  früher  Handelsgärtner,  starb  am 
31.   Okt.   nach   jahrelangem   Leiden   im    Alter  von   51   Jahren. 

Engelke,  F.,  Handelsgärt'ner,   feierte  am  3.  Nov.  sein  25 jähr. 

i  i'e-.,  haftsjubilnum. 


diese  i9Stück  Weisser  WinterealviU  anbetrifft,  so  ist  mau 
darüber  in  Fachkreisen  bekanntlich  doch  anderer  Meinung,  ob  der 
geforderte  und  wie  man  sagt,  von  einem  Liebhaber  auch  gezahlte 
Preis  gerechtfertigt  war.     Viele  Besucher  der  Ausstellung  behaupten, 

diese   Aepfel  keineswegs  um  so  vieles  besser  als  andere,  sondern 
ii   mittlerer  Grösse    waren,    und     ei    die   Verpackung  das  kost- 
I  arste   daran   ge\>  d.  v. 


"  "' ''  ■  l;",ln'         v"''     "■  Richard  Carl  Schmidt  &  Co     Leipzig        Druck;  Anhalt.  Buohdr,  Gutenberg,  e.O.m.  I..H,  Dessau. 


Illustriertes   Wochenblatt   für   den   gesamten    Gartenbau. 


Jahrgang  VII. 


29.  November  1902. 


No.  9 


Nachdruck  und  Nachbildung  aus  dem  Inhalt  dieser  Zeitschrift  wird  strafrechtlich   verfolgt. 


Stauden. 


Ur 


Campanula  pyramidalis. 

Von  W.  C.  Klenert  in  Schonbrunn. 
(Hierzu  eine  Abbildung.) 


1  nter  den  zahlreichen  Arten  der  Campanula,  welche  bald 
als  reizende  Topf-  oder  Gruppenpflanzen,  bald  als  Vasen-, 
Ampel-  und  Fensterschmuck  unser  Auge  erfreuen,  hebt  sieh 
besonders  aus  dem  Kreise  ihrer  Verwandten  Campanula 
pyramidalis  hervor.  Mit  den  oft  mehr  als  meterlangen, 
blendend  weissen,  zartblauen,  auch  dunkelblauen,  dicht- 
gedrängten Blütenständen  erregt  die  Pflanze  wegen  ihrer 
Schönheit  allgemeine  Bewunderung. 

Ihr  natürliches  Vorkommen  erstreckt  sich  über 
die  Länder  des  Mittelmeeres,  von  wo  aus  die  Pflanze  in 
die  nördlichen  Gärten  ge- 
langte und  in  diesen  schon 
im  vorigen  Jahrhundert 
Gegenstand  der  Pflege  war. 
In  den  heutigen  Gärten  sieht  . 
man  sie  selten.  Nur  dort, 
wo  man  ihren  Wert  zu 
schätzen  weiss,  scheut  man 
weder  den  Platz  noch  die 
Mühe,  um  sich  alljährig  der 
herrlichen  Blüten  zu  er- 
freuen. Die  Ursache  der 
geringen  Beachtung  mag 
einerseits  in  der  nur  wenige 
Wochen  andauernden  Blüte- 
zeit liegen ,  andererseits 
mögen  ungenügende  oder 
gar  Misserfolge  von  weiterer 
Kultur  abgehalten  haben.  In 
beiden  Fällen  lassen  sich  je- 
doch Einwendungen  machen, 
denn  die  Blütezeit  kann 
man  leicht  auf  zwei  Monate 
ausdehnen,  und  was  die 
Kultur  betrifft,  so  bedarf 
diese  nur  eine  entsprechende 

Aufmerksamkeit  neben 
Vermeidung       jeder      Ver- 
weichlichung. 

Die  Gartenwelt.    VII. 


Die  Kultur  ist  zwei-  oder  dreijährig.  Folgende  Schilderung 
bezieht  sich  auf  letztere,  weil  diese  entschieden  schönere 
Resultate  ergiebt.  Die  Aussaat  erfolgt  am  besten  mit  selbst- 
geerntetem  Samen  Ende  Juli  bis  Anfang  August  in  flache 
Schalen  oder  Kästen.  Die  Sämlinge  werden  nach  einmaligem 
Pikieren  in  kleine  Töpfe  mit  Benutzung  einer  etwas  grob- 
sandigen Mischung  von  guter  Mistbeet-  und  Rasenerde,  welcher 
man  geringe  Mengen  alten  Mauerschuttes  beimengt,  gepflanzt 
und  in  einem  kalten,  sonnigen  Mistbeetkasten  luftig  auf- 
gestellt. Zur  Überwinterung  eignet  sich  ein  möglichst  trocken 
stellendes,  deckbares  Mistbeet,  wo  auch  die  jungen  Pflanzen 
vor  Tropfenfall  und  Grundnässe  gesichert  sind.  Beide  Übel 
haben  die  sehr  lästige  Stammfäule  zur  Folge,  weshalb  auch 
reichliches  Lüften  und    wiederholtes  Reinigen   von   faulenden 


Campanula  Pyramidalis. 

OriginaUufnahme  für  die  „Gartenwelt" 


98 


Die  Gartenwelt. 


vn,  9 


Blättern  während  des  Winters  nicht  unterlassen  werden  darf. 
Mit  erwachender  Vegetation  im  Frühjahr  werden  die  Gampa- 
nula  auf  ein  gut  gelockertes,  nicht  fett  gedüngtes  Gartenbeet 
in  40  cm  Entfernung  in  den  Grund  gepflanzt,  wo  sie  während 
des  Sommers  ausser  der  üblichen  Bodenpflege,  Lockerung 
und  Reinhalten,  bei  zeitweiligem  Begiessen,  keine  weitere 
Pflege  erfordern. 

Die  im  Hochsommer  erscheinenden  Blüten  können  zwar 
verwendet  werden,  besser  aber  ist  es  zur  kräftigeren  Ent- 
wicklung fürs  nächste  Jahr,  diese  zu  unterdrücken.  Mitte  bis 
Ende  September  hebt  man  mit  Schonung  der  Wurzel  die 
Stöcke  aus  und  pflanzt  sie  bei  Verwendung  bereits  genannter 
Erde  in  entsprechend  grosse,  mit  gutem  Wasserabzuge  ver- 
sehene Töpfe.  Tüchtig  angegossen,  werden  die  eingetopften 
Pflanzen  in  ein  kaltes  Mistbeet  eingeräumt,  einige  Tage  ge- 
schlossen gehalten  und  in  den  darauf  folgenden  Wintermonaten 
wie  im  Vorjahre  behandelt.  Sobald  im  Frühjahr  keine  starken 
Fröste  mehr  zu  befürchten  sind,  werden  die  nun  im  dritten 
Vegetationsjahre  stehenden  Campanida  auf  einem  freien, 
sonnigen  Standort  aufgestellt  und  hier  nach  Bedarf  nochmals 
verpflanzt.  Während  dieser  Zeit  erfordern  sie  mehr  Wasser, 
weshalb  ein  öfteres  Durchsehen  notwendig  wird,  ebenso  be- 
kommt ein  zeitweiliger  Dungguss  mit  stark  verdünntem  Abort- 
dünger den  durchwurzelten  Pflanzen  recht  wohl.  Man  ver- 
hüte das  allzustarke  Austrocknen  des  Wurzelballens  bis  zum 
Welken  der  Blätter,  denn  solche  Pflanzen  worden  nach  dem 
Bewässern  sehr  leicht  stammfaul  und  sind  dann  rettungslos 
verloren.  Die  zu  späteren  Blütenschäften  aufschiessenden 
Triebe  können  zur  Heranzucht  buschiger  Pflanzen  alle  belassen 
werden.  Will  man  aber  bis 
manneshohe  Blütenstände,  die 
einzig  in  ihrer  Entfaltung  sind, 
erzielen,  dann  unterdrückt  man 
beizeiten  alle  schwächlichen 
Triebe  bis  auf  zwei  oder  drei. 
Die  dazu  geeigneten  Pflanzen 
wird  der  Züchter  selbst  bald 
erkennen. 

Vor  Beginn  der  Blüten- 
entfaltung, im  Juli,  stellt  man 
die  nun  fertigen  Pflanzen  in 
eine  etwas  schattige  Lage,  wo 
es  auch  in  der  Hand  des 
Züchters  liegt,  durch  mein'  oder 
weniger  Licht  und  kühle  Stellung 
die  Blütenentfaltung  zu  be- 
schleunigen oder  zu  verzögern. 

Bei  der  anfangs  erwähnten 
zweijährigen  Kultur  erfolgt  die 
Aussaat  schon  im  zeitigen  Früh- 
jahr im  halbwarmen  Kasten. 
Die  Sämlinge  kommen  nach  er- 
folgtem Pikieren  gleich  in  den 
freien  Grund,  aus  welchem  sie 
im  Herbst  ausgehoben  und  ein- 
getopft  werden.  Im  übrigen 
ändert  sich  das  Kulturverfahren 
nicht. 

Das  Ueberwintern  im  freien 
Lande  ist  nur  in  milden 
Lagen  unter  trockener  Reissig- 
bedeckung   anzuraten.      Unsere  Asclepias 

Originalaufnahme  für 


wechselvollen,  oft  in  das  beginnende  Frühjahr  übergreifenden 
Winter  sagen  diesen  Campanula  in  den  seltensten  Fällen  zu. 
Zum  Schluss   noch   einige  Worte  über  die  Verwendung. 

Die  schlank  aufstrebenden,  in  Form  und  Farbe  kräftig 
wirkenden  Blütenstände  liefern  ein  wertvolles  Material  zur 
Ausschmückung  von  Schauhäusern,  Pavillons  und  Theatern, 
wo  sie,  zu  Wechseldekorationen  verwendet,  in  der  Wirkung 
kaum  von  einer  anderen  Pflanze  übertroffen  werden.  Wahr- 
haft grossartigen  Effekt  erzielt  man  mit  ihnen  bei  Altar- 
dekorationen. Wie  geschaffen  schmiegen  sich  die  schlanken 
Blütenformen  harmonisch  an  den  in  allen  seinen  Teilen 
scheinbar  nach  aufwärts  strebenden  Altar,  ausserdem  leuchten 
wie  im  magischen  Zauber  die  blendend  weissen  oder  zart- 
blauen Blumen  aus  dem  Halbdunkel  des  Raumes  hervor. 
Endlich  finden  die  abgeschnittenen  Blütenstände  gute  Ver- 
wendung als  Vasenschmuck  und  die  einzelnen,  nicht  selten 
bis  4  cm  im  Durchmesser  fassenden  Blumen  bieten  für  Tafel- 
dekoration als  auch  für  anderweitige  Bindekunst  ein  sehr 
gutes  Material. 

Beigefügte  Abbildung  zeigt  eine  Gruppe  zweijährig 
kultivierter  Pflanzen  im  grossen  Palmenhause  des  k.  und  k. 
Hofgartens  zu  Schönbrunn.  Im  Hintergrunde  wiegen  sich 
die  breiten  Wedel  zweier  prächtiger  Bakmtium  antareticum 
und  aus  dem  Teppich  von  Selaginclla  denticulata  erheben 
sich  neben  anderen  Pflanzen  die  starken  Blutendolden  von 
Hortensien,  überragt  von  Campanida  pyramidalis.  Schliesslich 
sei  hier  noch  eine  Varietät  der  besprochenen  Art  erwähnt, 
welche  von  einem  Herrn  Wythes  gezüchtet  und  von  Veitch  k  Son 
verbreitet  wurde.     Es  ist  dies   ( 'amp.  pyr.  compada. 

Die  Aufnahme  des  Bildes 
besorgte  Kollege  Wolny  in  seiner 
gewohnten  und  präzisen  Weise, 
weshalb  an  dieser  Stelle  für 
die  Bemühung  freundlicher 
Dank  ein  Plätzchen  finden  soll. 


synaca. 

die  „Gartenwelt". 


Asclepias  syriaca  (Cornuti). 

Eine  Staude  mit  robustem,  aber 
sehr  gefälligem  Wuchs  ist  die  oben 
genannte  Asclepias  oder  Schwalben- 
wurz. Vollständig  winterhart,  bietet 
die  Pflanze  im  Juli  mit  ihren  rosa- 
farbenen, angenehm  duftenden 
Blutendolden  deu  Bienen  einen 
reich  gedeckten  Tisch.  Dabei  nimmt 
diese  Staude  mit  joder  etwas  nahr- 
haften Erde  vorh'eb  und  es  wird 
sie  niemand,  der  sie  einmal  an- 
gepflanzt hat,  wieder  missen  wollen. 
J.  Keim,  Mainz. 
Gerardia  hybrida  hört. 
Ocrnrdia,  mit  Pentasfemon  nahe 
verwandt,  ist  eine  vorwiegend 
amerikanische  Gattung,  die  nach 
der  neueren  Nomenklatur  etwa 
40  Arten  zählt.  In  der  Garten- 
kultur  sind  die  wenigsten  bekannt, 
einesteils,  weil  sie  an  Schönheit 
ihrer  Blüten  von  anderen  Pflanzen 
ersetzt  werden  können,  andererseits 
aber  auch  wohl  wegen  der  zum  Teil 
schwierigen  Kultur;  denn  mehrere 
Arten  wachsen  gleich  unseren 
^felampyrum  und    Rinanthus  als 


VII,  9 


Die  Gartenwelt. 


99 


Halbschmarotzer  nur  in  geschlossener  Pflanzendecke.  Eine 
Art,  Oerardia  tenuifolia  aus  Nordamerika  hat  man  nun  be- 
nutzt zur  Kreuzung  mit  dem  schmalblättrigen  Pentastemon. 
Diesen  Pentastemon  bekommt  man  unter  den  allerverschiedensten 
Namen  immer  wieder  aus  italienischen  und  spanischen  botanischen 
Gärten;  leider  hält  er  bei  uns  im  Freien  selten  aus,  so  dass  er 
einem  daher  nach  kurzer  Zeit  stets  wieder  ausgeht.  Sein  richtiger 
Name  ist  P.  campanulatus  W.,  seine  Heimat  Mexiko.  Man  erhält 
ihn  aber  häufiger  als  roseiis,  pulckellus,  angustifolius,  elegans, 
atropurpureus,  Knnthii,  auch  als  Richardsoni  usw.,  es  ist  aber 
immer  ein  und  dasselbe.  Der  aus  dieser  Kreuzung  hervor- 
gegangene hübsche  Bastard  wurde  1899  von  Haage  &  Schmidt 
in  den  Handel  gegeben  und  bewährt  sich  ausgezeichnet.  Für 
kleine  Blumenbeetchen  im  Rasen  ist  die  Pflanze  reizend;  sie 
wird  nicht  zu  hoch,  etwa  40 — 50  cm.  Mitte  Februar — März 
ausgesäet,  blüht  sie  von  Ende  Juni  bis  zum  Herbst  mit  helllila 
und  rosa  Blumen,  die  kleiner  aber  weit  zahlreicher  sind,  als  bei 
den  meisten  Pentastemon.  Ebenso  wie  Pentastemon  gentianoides 
kann  man  sie  auch  leicht  aus  Stecklingen  vermehren,  die  man 
kalt  durchwintert.  Die  Aufzucht  aus  Samen  ist  jedoch  so  leicht 
und  lohnend,  dass  man  erstere  Vermehrungsart  nur  wählen  sollte, 
wenn  es  sich  darum  handelt,  besonders  schöne  reine  Farben 
zu  erhalten.  Auf  unserni  Bilde,  das  die  Pflanze  in  voller  Blüte 
zeigt,  dominiert  im  Hintergrunde,  mehr  als  beabsichtigt  war,  ein 
Phormium  tenax.  "Wenn  es  erlaubt  ist,  über  diese  alte,  äusserst 
harte,  als  Neuseeländer  Flachs  bekannte  Zierpflanze  noch  etwas 
zu  sagen,  so  sei  hinzugefügt:  Phormium  sollte  man  stets  über 
Sommer  auspflanzen,  wenn  man  die  Arbeit  des  Eintopfens 
nicht  scheut.  Sie  ertragen  die  Sonnenglut  besser  und  man  be- 
kommt kolossale  Büsche,  die  als  Einzelpflanzen  sieh  sehr  vorteil- 
haft ausnehmen. 

F.  Rehnelt,  Grossh.  Garteninspektor,  Giessen. 


Neue  Pflanzen. 


Gerardia  hybrida. 

Im  botan.  Garten  zu  Giessen  für  die  „Gartenwelt"  photographisch  aufgenommen. 


Nochmals  Smetanasche  Begonien.  In  No.  5  der  Garten- 
welt, Seite  51,  fragt  Herr  Max  Löbner  von  Wädensweil  zum  Schluss 
seines  Artikels  über  die  Smetanaschen  Begonien  an:  „In  welche 
Klasse  soll  man  die  Smetanaschen  Züchtungen  einreihen?"  Nun,  — 
ich  meine,  dass  dies  sehr  einfach  ist. 

Da  ich  die  prächtigen  Smetanaschen  Züchtungen  oft  genug 
gesehen  und  auch  ihrer  neuen  und  herrlichen  Blattzeichnung  wegen 
immer  bewundert  habe,  so  darf  ich  mir  wohl  erlauben,  meine  An- 
sicht darüber  hier  zur  Geltung  zu  bringen.  Mein  einstiger  Lehrer 
und  Berater  in  der  Blattbegonienzucht,  der  verehrte,  leider  zu  früh 
verstorbene  Herr  Barton  in  Bregenz,  bei  welchem  ja  auch  Freund 
Smetana  seine  Kenntnisse  gesammelt  hat,  belehrte  mich  auf  eine 
Anfrage  über  die  verschiedenen  Blattbegonienklassen  folgendermassen : 
1.  Äex-Begonien  sind  alle  niedrigbleibenden  Sorten  mit  ganzrandigem 
Blatt,  gleichviel  welche  Blattzeichnung  dieselben  aufweisen.  2.  Bex 
discolor  Hybriden  sind  alle  Sorten,  welche  ganzrandiges,  also  Rex- 
Blatt,  dabei  aber  den  hochgehenden  Wuchs  der  R.  diseolor  geerbt 
haben.  3.  Rex  diadema -Hybriden  sind  nun  alle  Sorten  mit  ge- 
zacktem und  mehr  oder  weniger  geschlitztem  Blatt,  ganz  gleich,  ob 
dieselben  ganz  niedrig  bleiben,  wie  die  Äer-Begonien,  oder  ob  sie 
höher  werden.  Als  Beispiel  führe  ich  für  letztere  Gattung  zwei 
frühere,  auch  sehr  schöne  Züchtungen  des  Herrn  Smetana  an,  die 
Sollen  „Marie  Smetana"  und  „Komet",  Beide  Sorten  haben  ein 
tiefgezacktes  Blatt.  Die  Sorte  „Komet"  wird  mittelhoch  und  hat 
schon  etwas  von  dem  hohen  Wuchs  der  Stammform  R.  diadema  ge- 
erbt. „Marie  Smetana"  bleibt  ganz  niedrig  im  Wuchs,  hat  also 
nur  von  der  diadema  das  gezackte  Blatt,  während  der  Wuchs  Rex- 
begonienartig  ist. 


Als  beste,  härteste  und  hochgehendste  Sorte  seiner  Rex  discolor 
XRex  diadema  Kreuzungen  lobte  mir  Herr  Barton  stets  die  Sorte 
„Carl  Roxineck".  Diese  Sorte,  welche  zwar  noch  mehr  Rex-ahn- 
liches  Blatt  und  nur  geringe  Einschnitte  hat,  benutzte  ich  nun  s.  Z. 
zu  Kreuzungen  mit  der  noch  höher  werdenden  Rex  diade?na-Sta.mm- 
sorte.  Der  hohe  "Wuchs  war  bei  beiden  Eltern  vorhanden,  und  es 
handelte  sich  also  nur  darum,  eine  mehr  der  diadema  ähnliche 
Blattform  und  verschiedene  Blattzeichnuogen  hervorzubringen,  was 
ich  ja  auch,  wenigstens  teilweise,  erreicht  habe.  So  stammt  ja  z.B. 
auch  die  in  Herrn  Löbners  Artikel  als  prächtige  Rex  diadema  an- 
geführte Sorte  „Kathi  Stadel",  welche  Herr  Smetana  s.  Z.  als  Vater- 
pflanze für  seine  Züchtungsversucbe"  benutzte,  schon  von  der  ersten 
Ausgabe  meiner  Neuzüchtungen. 

Nach  vorhergesagtem  können  also,  dies  wird  wohl  jedem  Fachmann 
klar  sein,  die  Smetanaschen  Züchtungen  keine  Klasse  für  sich  bilden, 
sondern  seine  Sorten  mit  ganzrandigem  Blatt,  weil  niedrigbleibend, 
dürfen,  was  das  schöne  Kolorit  anlangt,  nur  als  eine  grossartige 
Verbesserung  der  bisherigen  Neubronnerschen  buntfarbigen  Rex- 
Sorten  angesehen  werden,  wohingegen  seine  rotblättrigen,  niedrigen 
Sorten  mit  gezacktem -Blatt  einfach  wunderbar  schön  gefärbt 
d iadima-Sy briden  vorstellen. 

Wenn   ich  dies   hier   aufführte,   so  dürfen  die  verehrten  Leser 
dieser  Zeitschrift  davon  überzeugt  sein,   dass  mich  weder  Hass  noch 
Mis:-gunst  zu  dieser  Aussprache  veranlassten,  sondern  nur  einzig  und 
allein  die  öffentliche  Anfrage  des  Herrn  Löbner.     Die  Si 
Züchtungen,  wenigstens  die  Mehrzahl  davon,  werden  ihren  Wer;. 
Handelspflanzen  behaupten,  das  ist  sicher,  und  wir  wollen  nur  wünscl 
dass  es  Herrn  Smetana  bald  gelingen  möge,  auch  hochwachsende  Sorten  in 


100 


Die  Gartenwelt. 


VII.  9 


diesen  schönen  Farben  zu  züchten,  wozu  er  allem  Anschein  nach  die 
meiste  Aussicht  hat. 

Wie  nun  aber  Herr  Löbner  am  Schlüsse  seines  Artikels  sagen 
kann:  „die  gezackten  Blatter  könnten  an  Rex  rfiscofor-Abstammung 
erinnern",  ist  mir  unbegreiflich  und  dürfte  diese  Ansiebt  wohl  auch 
nur  auf  einen  Irrtum  zurückzuführen  sein.  Da  er  selbst  vorher,  auf 
Seite  50,  bei  Beschreibung  des  Blattes  der  Sorte  „Bregenx"  folgender- 
massen  richtig  schreibt:  „Es  erinnert  mich  an  die  wunderschöne, 
harte  Neubronnersche  Sorte  „Fräulein  von  Zingler"  und  ist,  wie  bei 
dieser,  blasig  aufgetrieben  aber  am  Bande  durch  den  Einfluss  von 
Rex  Diadema-Blut  kräftig  gezähnt  und  gezackt1'.  Auch  kommt  mir 
die  Benennung  ,,eäladiumblättrige  Rex  Begonien"  sehr  spassjg  vor. 
Nächstens  giebt  es  vielleicht  auch  „rexblältrige  Galadium"  —  oder 
„rexblättrige  Ricinus"? 

Begonien  mit  Ricinus-ähitiichem  Blatt  haben  wir  ja  schon  längst, 
ohnedass  es  Jemand  eingefallen  wäre,  eine  RicinusblättrigeKIasse  zu  bilden. 

Uebrigens  kenne  ich  Herrn  Smetana  als  einen  sehr  bescheidenen 
Mann  und  ich  bin  überzeugt,  dass  ihm  selbst  mit  der  Benennung 
Smetanasche  Rasse  genügend  gedient  ist. 

Oskar  Schmeiss,  Gartenverwalter,  Lindau  i.  B. 


Topfpflanzen. 
Leonotis  Leonurus  R.  Br. 

Von  Karl  Rade,  Staatsobergärtner  in  Budapesl 
(Hierzu  rim   Abbildung.) 

tjs  ist  wirklich  sonderbar,  dass  so  manche  herrliche 
Pflanze,  wie  z.  B.  unsere  unten  abgebildete  Leonotis 
Leonurus  in  den  Kulturen  fast  vollständig  unbekannt  ist.  Ich 
habe  mir  Mühe  gegeben,  um  in  der  Fachlitteratur  darüber 
etwas  Wissenswertes  zu  finden,  doch  fand  ich  sie  nirgends 
ausführlich  beschrieben;  nur  Index  kowensis  sagt;  dass 
ihre  Heimat  „Südafrika''  sei  und  die  Pflanze  zur  Familie 
der  Labiaten  gehöre.  Ferner  sagt  „Glaser",  Botan. 
Wörterbuch,  dass 
Leonotis  richtiger 
Leontotis,  Löwen- 
ohr, heissen  soll 
und  dass  diese  mit 
Pklomis  Leonotis 
Pers.  identisch  ist.*) 

Meines  Wissens 
habe  ich  den  Namen 
Leonotis  Leonurus 
noch  nie  in  einem 
deutschen  Pflan- 
zen -  Preisverzeich- 
nis gelesen  und 
doch  ist  dieselbe 
eine    Pflanze,     die 

den  höchsten 
Effect  macht,    den 

überhaupt  eine 
blühende     Pflanze 


*)  Anmerkung  der 
Redaktion.  In  Engler- 
Prantl,  Nat.  Pflanzen- 
familien IV.  Teil,  III  a 
Abteilung,  Seite  246 
erwähnt. 


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Leonotis  Leonurus. 
Originalaufnaliiii.    für  die  „Gartenwelt" 


erzielen  kann.  Ich  habe  in  der  hiesigen  kgl.  Gartenbau- 
Lehranstalt  ausser  allerhand  Gruppen  auch  zwei  kleine 
Gruppen  dieser  Leonotis  ausgepflanzt  und  davon  auch 
eine  kleine  Zahl  in  Töpfen  stehen;  alle  stehen  von  Ende 
August  ab  in  voller  Blüte  und  nötigen  jedem  Beschauer 
Bewunderung  ab. 

Der  allbekannte  Pflanzenreisende  E.  Bohnhof-Berlin, 
der  dieselbe  schon  vergangenen  Herbst  hier  blühen  sah, 
war  davon  ganz,  entzückt,  zugleich  aber  auch  verblüfft 
darüber,  dass  er  auf  seinen  weiten  Keisen  durch  viele 
Länder  und  diverse  Weltteile  diese  Pflanze  in  ihrer 
Blütenpraeht  nie  gesehen  habe. 

Bei  meinem  zufälligen  Zusammentreffen  mit  Freund 
Knlilmannslelmer-Berlin  bei  der  Firma  Lemoine  in 
Nancy  in  diesem  Sommer  meinte  Herr  Lemoine,  als  wir 
auf  Leonotis  zu  sprechen  kamen,  dass  diese  Pflanze  in 
Frankreich  wild  wächst.  Doch  —  wie  es  mir  dann 
nachträglich  einfiel  ■ —  mag  Herr  Lemoine  wahrscheinlich 
Li  mi ii ms  Cardiaea  L.,  eine  in  Mitteleuropa  wild- 
wachsende Labiate,  gemeint  haben. 

Leonotis  Leonurus  muss,  wie  die  meisten  süd- 
afrikanischen Pflanzen,  im  Kalthaus  bei  5 — 7°  C  über- 
wintert werden,  während  welcher  Zeit  sie  nur  massige 
Feuchtigkeit  liebt  Ihre  Vermehrung  gelingt  sehr  leicht 
aus  krautartigen  Stecklingen,  welche  sich  binnen  10 — 14 
Tagen  bewurzeln.  Da  dieselbe,  gleich  Chrysanthemum, 
Salvia  splendens  etc.,  eine  schnellwachsende  Pflanze  ist, 
verlangt  sie  auch  eine  kräftige,  nahrhafte  Erde  und  ein 
öfteres  Verpflanzen  in  weitere  Töpfe,  nach  der 
Durchwurzelung    öfteren    Dungguss.      Eine    Hauptsache 

ist  es,  die  jungen 
Pflanzen  so  früh  als 
möglich  an  Luft  und 
Sonne  zu  gewöhnen, 
damit  man  kurze 
und  stämmigeWare 
erhält.  Man  kann 
dieselben  auchMitte 
Mai  sofort  ins  Freie 
pflanzen  oder  die- 
selben als  Topf- 
pflanzen weiter  kul- 
tivieren, um  sie  zur 
Zeit  der  Blüte  ent- 
weder auf  denMarkt 
oder  auf  Gruppen 
zu  bringen. 

Ihr  Habitus  und 
Wuchs  entspricht 
ungefähr  dem  der 
Salvia  splendens 
und  die  Farbe  der 
Blüten  ist  orange- 
gelb mit  dichter 
duukelorangeroter 
Behaarung.        Die 


VII.  9 


Die  Gartenwelt. 


101 


Blumen  sind  zu  20 — 40  quirlständig  am  Blütenstiel  in 
5—8  Etagen  angeordnet,  sodass  ein  Blütenstiel  Ins  350 
einzelner  Blumen  trägt.  Diese  Blütenfülle  lässt  vom 
grünen  Laubwerk  sehr  wenig  erblicken.  Im  Gegensatz 
zum  Winter  verbraucht  Leonotis  Leonurus  im  Sommer 
sehr  viel  "Wasser  und  scheint  dieselbe  in  voller  Sonne 
am  besten  zu  gedeihen.  (Topfexemplare  in  warmer  Gegend 
bleiben  im  Halbschatten  bis  zur  Blüte.) 

Gegen  Wind  scheint  sie  nicht  empfindlich  zu  sein, 
denn  sie  steht  hier  auf  windigem  Platz  ohne  dabei  zu 
leiden,  wie  das  ja  auch  die  Photographie  erkennen  lässt; 
schade,  dass  auf  letzterer  die  Farbenwirkung  nicht  zur 
Geltung  kommt. 


Wie  und  warum  es  möglich  ist,  dass 
Leonurus  nicht  allgemein  verbreitet,  bleibt 
wundern. 


Leonotis 

zu     vor- 


Da 


Buntblättrige  Gruppen-Pelargonien. 

Von  C.  Cursius,  Öbergäftner,  Leipziger  Palmengarten. 


'ass  unsere  buntblättrigen  Pelargonien  im  allgemeinen 
zur  Bepflanzung  von  Gruppen  so  sehr  wenig  benutzt  werden, 
trotzdem  gerade  sie  in  Bezug  auf  Schönheit  und  Dauerhaftigkeit 
ein  sehr  schätzbares  Material  bilden, 
ist  sehr  befremdend.  Schwierige  An- 
zucht kann  der  Grund  wohl  kaum  sein. 
denn  sie  sind,  ebenso  wie  alle  anderen 
Pelargonien,  sehr  anspruchslos,  aus- 
genommen bei  Überwinterung,  während 
welcher  sie  für  etwas  mehr  Wärme 
sehr  dankbar  sind.  —  Der  Grund 
scheint  m.  E.  darin  zu  liegen,  dass 
meistens  ungeeignete  Sorten  für  Gruppen- 
bepflanzung  ausgewählt  werden,  wo- 
durch Misserfolge  leicht  entstellen 
können.  Deshalb  möchte  ich  in  nach- 
stehendem die  geeignetsten  Sorten  fürs 
Freie  feststellen. 

Der  Hauptwert  dieser  Pelargonien 
liegt  ja  in  der  herrlichen  Blaufärbung, 
die  besonders  auf  Blumenparterres  eine 
fürs  Auge  wohlthuende  Abwechslung 
bietet  und  durch  gar  nichts  anderes 
zu  ersetzen  ist. 

Als  die  beiden  besten  Sorten,  die 
neben  ihren  silberweisslmnten  Blättern 
auch  in  Bezug  auf  die  Blüte  sehr  dank- 
bar sind,  dürften  wohl  „Mrs.  Parker" 
und  „Wüh.  Langguth"  gelten.  Das 
Blatt  der  letzteren  ist  einen  Schein 
dunkler;  die  Blüten  sind  bei  beiden 
gefüllt,  „Mrs.  Parker'-  zart  rosa,  „Wüh. 
Langguth"  kräftiges  leuchtendes  Bosa. 
Trotzdem  beide  gute  Blüher  sind,  be- 
sitzt ..Willi.  Langguth"  doch  den 
Vorzug,  reicher  und  länger  zu  blühen, 
ihr  gebülu't  somit  ein  erster  Platz  im 
Sortiment. 

Als  nächste  Sorte  verdient  „Golden 
Juwel"  mit  ihren  herrlichen  goldgelben 


Fourcroya  Bedinghausen i 

Originalaufnahme  für  die  ..Gartenwelt" 


Blättern  mit  hellbrauner  Zone  genannt  zu  werden.  Die 
Blüten  derselben  sind  einfach,  von  blasser  rosa  Farbe  und 
unscheinbar;  die  Blattfärbung  wirkt  desto  mehr,  so  dass  man  auf 
die  Blüten  verzichten  kann  und  sie  am  besten  schon  als  Knospe 
auskneift. 

„Ernpress  of  India"  wirkt  ebenfalls  grossartig.  Das  Blatt 
ist  vierfarbig:  in  der  Mitte  grün,  weiss  gerandet,  mit  sammten- 
dunkelbrauner,  rot  gefleckter  Zone.  Die  unscheinbaren  Blumen 
sind  lebhaft  rosa  und  einfach. 

Die  alte  Sorte  „Mädchen  aus  ehr  Fremde"  bleibt  gut, 
die  Blätter  sind  silberweiss  und  grün,  heller  als  diejenigen 
von  „Mrs.  Parker".  Sie  blüht  scharlachrot  einfach  tmd  ziemlich 
reichlich. 

„Happy  Thought"  („Glücklicher  Gedanke")  wird  wohl 
vielfach  verkannt.  Sie  wächst  etwas  hoch,  lässt  sich  aber  im 
Schnitt  halten.  Die  Blattfärbung  ist  grünlich- weiss;  die  Blätter 
selbst  sind  etwas  gekräuselt.  Die  Blüte  ist  braun-violett, 
einfach.  Die  Sorte  wirkt  weniger  durch  das  Blatt  bez.  durch 
dessen  Färbung  als  durch  die  ganz  fabelhafte  andauernde 
Blühwilligkeit.  Trotzdem  die  Blüten  klein  sind,  wirken  die- 
selben doch  in  der  Masse  grossartig,  sodass  die  Sorte  ent- 
schieden Beibehaltung  im  Sortiment  verdient. 

„Deutscher  Sieger'  ist  schön,  aber  leider  insofern  schlecht 
zur  Pflanzung  zu  gebrauchen,  als  sie  im  Wachstum  zu  spärlich 
und  im  Blätterwerk  verkrüppelt  ist;  ausserdem  leiden  die 
Blütendolden,  da  die  Blumen  gefüllt 
sind,  bei  anhaltendem  Regenwetter 
derart,  dass  sie  recht  schlecht  aussehen. 
Auch  die  Vermehrung  der  Sorte  ist 
infolge  des  krüppelhaften  Wuchses  recht 
schwierig;  man  muss  sie  förmlich 
treiben  um  Stecklinge  zu  bekommen. 
Das  Blatt  ist  weissgrün,  gekräuselt. 

„Mrs.  Mapping"  hat  silberbuntes 
Blatt,  heller  als  bei  „Mädchen  aus 
der  Fremde",  von  welcher  sie  im  Blatt 
schwer  zu  unterscheiden  ist.  Die 
Blume  ist  jedoch  weiss  mit  rotem 
Auge,  und  im  Wüchse  bleibt  sie  auch 
etwas  niedriger  als  „Mädchen  aus 
der  Fremde1'.  Auch  „Sophie  Duma- 
resque"  ist  fürs  Freie  sehr  zu  em- 
pfehlen und  in  Bezug  auf  Blatt- 
färbung eine  der  prächtigsten;  das 
Blatt  ist  grün  mit  goldgelbem  Band 
und  hat  eine  braune  Zone  mit  roten 
Flecken.  Die  Blüte  ist  unscheinbar. 
„Peter  Grive"  ist  ebenfalls  sein  gut 
zu  gebrauchen,  hat  dieselbe  Färbung 
wie  vorige  Sorte,  nur  in  allen  Nuancen 
blasser. 

Als  Sorte  mit  ganz  dunkler  Zone 
wäre  noch  „Zulu"  zu  nennen,  welche 
recht  gut  zu  gebrauchen  ist.  Das 
Blatt  ist  gelb  mit  schwarzbrauner  Zone. 
Die  Blüte  ist  unscheinbar  rosa,  wie 
diejenige  von  „Golden  Juwel",  von 
der  sie  auch  abzustammen  scheint, 
da  sie  mitunter  ganz  in  diese  Stamm- 
form zurückfällt.  Die  ganz  alte  „Mine. 
Sallereir'  mit  weissgrünem  Blatt  verdient 
wegen  ihrer   guten   Verwendbarkeit  zu 


102 


Die  Gartenwelt. 


VII,  9 


Einfassungen  noch  erwähnt  zu  werden.  Mit  Ausnahme  dieser 
sind  sämtliche  Sorten  ebenso  gut  zum  Topf  verkauf  zu  ge- 
brauchen, ich  betrachte  sie  als  einen  guten,  Geld  bringenden 
Marktartikel  —  doch  nur  Angebot  bringt  Käufer. 


Fourcroya  Bedinghauseni  C.  Koch.  Es  ist  eine  längst 
bekannte  Pflanze,  diese  Fourcroya  (auch  Furcroya  und  Furcraea 
genannt  —  nach  dem  französischen  Chemiker  Fourcroy),  die  den 
alten  Gärtnern  besser  als  Roexlia  regia  bekannt  war,  und  doch  ist 
dieselbe  meist  nur  noch  in  alten  Herrschaftsgärten  zu  finden,  denn 
die  Neuzeit  befasst  sich  nicht  allzugern  mit  den  langsam  wachsenden 
Pflanzen. 

Was  die  heutigen  Mitteilungen  über  diese  hübsche  Pflanze 
unserer  Kalthäuser  betrifft,  so  bildete  die  interessante  Art  ihrer 
vegetativen  Vermehrung  den  Anlass  hierzu. 

Vergangenes  Jahr  (1901)  entsprang  der  meiner  Schätzung  nach 
etwa  25  jährigen  Pflanze  aus  dem  Herzen  ein  ca.  2  m  hoher  Blüten- 
schaft, an  dem  sich  bald  die  graziös  nach  abwärts  hängenden  Blüten- 
rispen bildeten,  die  sich  mitgrünlich-weissgelben,  aussen  rötlich-weissen, 
ziemlich  grossen  Blüten  bedeckten.  Eine  Befruchtung  fand  nicht 
statt,  weil  kein  zweites  Exemplar  in  Blüte  war  und  Selbstbefrachtung 
ausgeschlossen  schien.  Statt  dessen  bildeten  sich  aber  im  Laufe  des 
Sommers  und  Herbstes  überall  dort,  wo  eine  Blütenbildung  statt- 
gefunden hatte,  junge  Pflänzchen,  oft  auch  zwei,  sich  gegenüber- 
stehende, manchmal  selbst  3  und  4,  ja  an  einzelnen,  besonders  dem 
Blütenschaft  nahestehenden  Teilen  bis  zu  7  Exemplare.  Es  wurden 
zuerst  kleine  Bülbchen  gebildet,  ähnlich  wie  bei  Agare  riripura. 
bald  aber  zeigten  sich  die  grau-grünen,  weichen,  stachellosen, 
charakteristischen  Blättchen.  Im  Laufe  des  Winters  sehr  langsam, 
dann  aber  in  der  jüngsten  Zeit  wieder  raschwachsend,  sind  einzelne 
Exemplare  mit  oft  mehr  als  20  cm  langen  Blättern  versehen.  Einige 
abgenommene  Pflänzchen  auf  die  Erde  des  Topfes  gelegt,  bildeten 
sofort  Wurzeln  und  wachsen  kräftig  heran. 

Wie  lange  die  sonst  blätterlose  Pflanze  ihre  Sprösslinge  er- 
nährt bezw.  wie  lange  dieselben  dort  oben  aushalten  werden,  erregt 
natürlich  sehr  das  Interesse  hiefür. 

E.  Schelle,  Universitätsgärtner,  Tübingen. 


Rosen. 


Theehybrid-Rose  „Madame  Ednräe  Motz". 

Von  J.  Keim,  Mainz. 
(Hierzu  2  Abbildungen.) 

„JTvosenneuheit!  Was  wird  das  wieder  sein?'1  Wie  oft 
hört  man  diese  Worte,  von  einem  zweifelnden  Kopfschütteln 
oder  Achselzucken  begleitet,  aussprechen.  Und  nicht  immer 
mit  Unrecht  hegt  man  Zweifel  an  den  Vorzügen,  welche  einer 
Neuzüchtung  mit  auf  den  Weg  gegeben  werden.  Sie  sind 
manchmal  sehr  gering,  diese  Vorzüge,  und  man  hat  bei  An- 
schaffung dann  sehr  häufig  nur  einen  Namen  mein-  im  Ver- 
zeichnis und  eine  Hoffnung  weniger,  wenn  es  einem  nicht 
gerade  um  die  Sortenzahl  zu  tlmn  ist.  Doch  wo  Nieten  sind, 
da  sind  auch  Treffer.  Und  ein  solcher  Treffer  unter  den 
in  den  letzten  Jahren  dem  Handel  übergebenen  Rosenneuheiten, 
ist  zweifellos  „Madame  Edmie  Metz".  Reichblütigkeit,  Halt- 
barkeit und  angenehmer  Duft  der  Blumen,  schöner  Bau 
Mm  Blume  und  Pflanze  und  ein  carminrosa  Farbentnn 
der  gutgetragenen  Blüten  sind  ihre  Vorzüge.  Die  etwas  blau- 
umernden  Blattei'  sind  derb,  lederartig,  was  dieselben  jedenfalls 
sehr  widerstandsfähig  macht,  denn  es  war  noch  nicht  eine  Spur 
von  Rost  oder  Mehltau  an   ihnen  zu  linden.     Dieses  alles  ist 


nach  Ausspruch  vieler  Fachleute,  darunter  auch  Spezialisten  auf 
dem  Gebiete  der  Rosenzucht,  harmonisch  bei  „Madame  Edmie 
Metz"  vereinigt.  Ununterbrochen  war  der  Flor  von  den 
Seite  103  abgebildeten  Beeten  den  ganzen  Sommer  und  immer 
wieder  richtete  sich  das  Auge  des  Beschauers  auf  diese  Blumen- 
fülle.  Die  beigefügten  Aufnahmen  machte  ich  am  8.  Sept.  d.  J., 
wo  noch  unzählige  Knospen  vorhanden  waren.  Das  Beet 
wurde  im  Mai  1900  mit  sehr  schwachen,  mit  3 — 4  Augen 
versehenen  Wurzelhalsveredlungen  bepflanzt.  Dieselben  wurden 
damals  als  noch  neue  Rose  von  Soupert  &  Notting  in  Luxemburg 
bezogen  und  haben  nach  obengesagtem  alle  Erwartungen, 
welche  man  an  eine  Neuheit  stellen  kann,  nicht  nur  erfüllt, 
sondern  übertroffen.  Die  Eltern  von  dieser  Rose  sind:  „Madame 
Caroline  Testout"  X  „Ferdinand  Jamin".  Bis  jetzt  habe 
ich  diese  Rose  noch  nirgends  angetroffen,  ausgenommen  bei 
Herrn  Fr.  A.  Kreis,  Nieder- Walluf,  welcher  ein  grosses  Quantum 
veredelt  hat. 


Landschaftsgärtnerei. 


Die  Anlage  von  Wasser-Läufen  und  Teichen  in  der 
Landschaftsgärtnerei. 

Von  Hugo  Seebohm,  Hamburg. 

jyi.it  Recht  wird  heute  die  Gartenkunst  den  übrigen 
schönen  Künsten  als  ihnen  ebenbürtig  beigezählt. 

Die  Nachahmung  der  Natur,  aus  der  die  Kunst  auf  jedem 
Gebiete  schöpft,  findet  gerade  auf  diesem  die  dankbarste  Auf- 
gabe und  den  freiesten  Spielraum.  Der  Ausgleich,  den  das 
hastende  Arbeitsleben  unserer  Zeit  erfordert,  wird  uns  am 
unmittelbarsten  von  der  Natur  selbst  geboten.  Das  Verweilen 
in  einer  schönen  Landschaft  ist  uns  als  reinster  erhebender 
Genuss  ein  Bedürfnis.  Die  Aufgabe  des  Landschaftsgärtners 
ist  es  nun,  uns  diesen  Genuss,  da  wo  die  Natur  ihn  nicht 
bietet,  z.  B.  inmitten  eines  kahlen  Stadtbildes,  durch  seine 
Kunst  zu  schaffen.  Dem  abwechslungsreichen  Vorbilde  der 
Natur  folgend,  muss  er  jedes  Gebiet  zu  einer  reizvoUen  Land- 
schaft umgestalten  können.  Die  moderne  Gartentechnik  bietet 
die  reichsten  Mittel,  solchen  Ansprüchen  zu  genügen. 

Die  Bodengestaltung,  die  dem  landschaftlichen  Bilde  den 
Grundzug  gibt,  ahmen  wir  in  jeder  Variation  nach.  Durch 
naturgemässe  Anpflanzungen  ersetzen  wir  che  jeweilige  Vegetation 
und  erzielen  damit  die  verschiedenartigsten  Farbenwirkungen. 
Würden  die  nötigen  Lichtbahnen  unserem  Bild  aber  nur  durch 
Rasenflächen  gegeben,  so  könnte  dieses  dennoch  monoton  er- 
scheinen. Hier  greifen  wir  mit  der  Anlage  von  Gewässern 
ein,  und  nun  erst  ist  unsere  Kunstschöpfung  vollkommen. 

Dem  verschiedenartigen  Charakter  der  Gewässer  Rechnung 
tragend,  teilen  wir  diese  in  der  Hauptsache  in  fliessende  und 
stehende  ein  und  bringen  beide  Arten  je  nach  der  Beschaffen- 
heit und  Grösse  des  zu  bearbeitenden  Terrains  in  unseren 
Anlagen  zur  Geltung.  Demnach  ist  die  Verwendung  von  Ge- 
wässern im  Landschaftsbild  eine  möglichst  vielseitig  auszu- 
nutzende Aufgabe  des  Gärtners. 

Wir  besprechen  liier  zuerst  fliessende  Gewässer:  Die 
Form  der  Erdoberfläche,  welche,  wie  schon  erwähnt,  einen 
wichtigen  Faktor  in  der  malerischen  Gestaltung  einer  Land- 
schaft bildet,  ist  ursprünglich  zum  grossen  Teil  durch  Wasser- 
strömung entstanden.  Andererseits  sind  fliessende  Gewässer 
sowohl  in  der  Uferbildung  wie  in  ihrem  Lauf  von  der  vor- 
handenen   Bodenform    abhängig.     Beide    Thatsachen    hat    der 


VII,  9 


Die  Gartenwelt. 


103 


Künstler  in  seiner  Nachbildung 
der  Natur  bei  der  Anlage  von 
Wasserläufen  zu  berücksich- 
tigen. 

Zu  solchen  Anlagen  bieten 
sich  zwei  Möglichkeiten.  Ent- 
weder lässt  sich  ein  von  der 
Natur  gebotenes  Wasser  in  die 
von  uns  gewünschten  Bahnen 
leiten,  oder  wir  stellen  eine 
Wasserbildung  durch  Pump- 
werke und  Röhrenleitung,  zu- 
weilen durch  Verwendung  von 
Grund-  oder  Quellwasser,  auf 
künstlichem  Wege  her. 

Von  den  zur  Anlage  der 
Gewässer  nötigen  technischen 
Mitteln  und  deren  Anwendung 
wird  später  die  Rede  sein. 
Wir  gehen  zunächst  auf  die 
uns  von  der  Natur  gegebenen 
Fingerzeige  ein  und  besprechen 
diese. 

Aus  atmosphärischen  Nie- 
derschlägen entstanden,  tritt  die 

Quelle  sowohl  in  der  Ebene  wie  im  Hügelland,  vornehmlich 
in  gebirgiger  Gegend  auf.  Hier  sprudelt  sie  aus  Felsklüften 
hervor  und  eignet  sich  in  solcher  Form  am  besten  zur  Nach- 
ahmung. Gärten  werden  durch  Grottenbildungen  und  Park- 
anlagen durch  gebirgsähnliche  Felsgruppen  geschmückt.  Wie 
in  der  Natur  lassen  wir  eine  Quelle  aus  den  vorhandenen 
Steingebilden  hervortreten. 


Theehybrid-Rose  „Mdme.  Edmee  Metz- 

Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 


Theehybrid-Rose  „Mdme.  Edmee  Metz". 

Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt''. 


Ein  hübscher  Effekt  wird  erzielt,  wenn  das  hinaufge- 
trieben'' Wasser  an  möglichst  hochgelegener  Stelle  der  ge- 
gebenen Felsbildimg,  die  mit  allerlei  Moosarten  bekleidet  ist, 
hervortritt.  Bei  geringem  Spielraum  führen  wir  die  Quelle, 
die  in  diesem  Fall  von  nur  massiger  Stärke  sein  darf,  über 
scharfkantige,  unregelmässige  Steine  abwärts  und  lassen  sie 
nach    kurzem    Lauf    im    Boden    versickern.        Der    Abfluss 

mündet  in  die  Rohrleitung, 
durch  welche  wir  die  Quelle 
speisen.  Es  wird  dadurch 
ein  Rundlauf  bewirkt,  der 
des  verhältnismässig  ge- 
ringen Wasserkonsums  halber 
praktisch  ist.  In  imposanter 
Umgebung  empfiehlt  es  sich 
zuweilen,  aus  einer  so  ge- 
wonnenen Quelle  einen 
Wasserfall  zu  bilden,  der  je 
nach  der  Höhe  seines  Gefälles 
in  verschiedenen  Absätzen 
über  die  schroff  und  eckig 
zu  fügende  Felswand  hinab- 
stürzt. Durch  geschickte  An- 
pflanzung verein  zeiter  Fichten 
und  Kiefern  lassen  wir  hie 
und  da  einen  Schatten  auf 
die  Wasserfläche  fallen,  um 
deren  etwa  zu  grelle  Licht- 
wirkung abzuschwächen. 
Moos  und  Gestein  darf 
häufig  durch  das  Wasser  hin- 
durchschimmern, da  auf  diese 
Weise  schöne  Farbeneffekte 
entstehen. 

Aus  derherabgestür 

Wassermasse,    die    sich 
nächst  in  einer  muklenartigen 


104 


Die  Gartenwelt. 


VII,  9 


Bodenvertiefung  anzusammeln  hat,  können  wir  gegebenen  Falls. 
d.  h.  wenn  unser  Gebiet  einen  gebirgsartigon  Charakter  trägt, 
den  Gebirgsbach  entstehen  lassen.  Zum  Vorbild  dienen  uns 
verschiedene  Formen  solcher  Wasserläufe. 

Die  Voraussetzungen,  die  die  Anbringung  eines  rauhen 
Gebirgs-  oder  Gletscherbaches  begründen  müssten,  sind  dem 
Garten k ün stier  in  seinen  Anlagen  wohl  niemals  geboten.  Trotz- 
dem ein  solcher  Lauf,  der  sich  gewaltsam  seinen  Weg  bahnt, 
durch  sein  wechselvolles  Gebahren  die  Landschaft  ganz  eigen- 
artig belebt,  lassen  wir  ihn  in  der  Nachbildung   ausser    acht. 

Für  unseren  Zweck  halten  wir  uns  an  ein  anderes  Vor- 
bild, den  sogenannten  Sturzbach.  Dieser  hat  bei  seinem  Eintritt 
in  das  Thal  den  wilden  Charakter  bereits  abgestreift  und 
fliesst  im  allgemeinen  in  der  ihm  von  der  Bodengestaltnng 
aufgedrängten  Bahn  dahin.  Schafft  sein  Gefälle  sich  dennoch 
streckenweise  den  selbstgewollten  Weg,  so  lässt  sich  dies  in 
der  Imitation  durch  plötzliche  Abänderung  seiner  Laufrichtung 
wiedergeben.  Solchen  Bach  können  wir  daher  beliebig  je  nach 
der  uns  gebotenen  Erdbewegung  anlegen.  Seiner  Natur  ent- 
sprechend, geben  wir  dem  Laufe  häutig  zickzackartige  Wendungen, 
die  wir  durch  felsige  Erhöhungen  regelloser  Uferformen  ver- 
ursachen. Durch  Austiefungen  des  Bachbettes  und  durch 
Steinlagerungen,  die  kleine  Wasserstauungen  herbeiführen, 
lassen  wir  den  Lauf  bald  jäh  hinabstürzen,  bald  sich  zerteilen. 
Solcher  Varianten  gibt  es  viele,  die  hier  nicht  einzeln  erwähnt 
werden  können.  Das  Bett  des  Gebirgsbaches  ist  ganz  flach 
zu  halten.  Steingeröll  schimmert  stetig  durch  das  Wasser, 
und  gelegentlich  heben  sich  rauhe  Steinformen  über  die  Wasser- 
fläche hinaus.  Niederes  Gestrüpp,  Famarten  und  alpine 
Pflanzen,  die  den  Lauf  des  Baches  begleiten,  vervollständigen 
das  heitere  Bild. 

Leichter  und  deshalb  häufiger  anwendbar  ist  die  Nach- 
ahmung des  Baches  der  Thalelieno.  Dieser  Bach  ist  von  der 
Erdbewegung  völlig  abhängig;  wir  können  ihn  deshalb  in 
gänzlich  flachem  ebenso  wie  in  hügeligem  Gebiet  verweilen. 
Sein  munteres  Wesen  bringen  wir  durch  die  anmutigsten 
Wendungen,  die  wir  dem  Laufe  geben,  zum  Ausdruck.  Dabei 
dürfen  wir  nicht  aus  dem  Auge  lassen,  dass  diese,  sobald  sie 
nicht  aus  der  Bodengestalt  resultieren,  durch  künstliche  Hinder- 
nisse begründet  sein  müssen.  Bemooste  Steintrümmer  oder 
Baumstümpfe  können  zur  Hemmung  des  Laufes  dienen,  der 
auch  durch  Abänderungen  der  im  allgemeinen  gleichlaufenden 
Uferbildung  zu  beleben  ist.  Die  Einmündung  einer  Regen- 
schlucht  oder  eines  zweiten  Baches  bedingt  ■/..  B.  eine  Er- 
weiterung der  Uferlinien  oder  einen  eigenartigen  Einschnitt 
in  dieselben. 

Bietet  unser  Terrain  als  Ruhepunkt  für  das  Auge  eine 
besonders  weite- Rasenfläche,  so  bilden  wir  an  solcher  Stelle 
durch  einen  weiteren  Zufluss  eine  allmählich  teichartig  werdende 
Erweiterung  des  Bachbettes,  die  im  Verhältnis  zur  Breite  des- 
selben stehen  muss.  Hier  können  wir  auch  eine  kleine  Insel- 
bildung anlegen,  deren  Form  der  Lauf  des  Baches  vorschreibt. 
Bei  Inselbildungen  ist  hauptsächlich  zu  beobachten,  dass  sie 
gegen  die  Strömung  hin  hoch  und  schmal,  zuweilen  spitzig 
gebaut  sind,    während    sie  stromabwärts    breiter    werden  und 

allfallen. 

Die  Charakterisierung  des  Baches  der  Thalebene  vollenden 
wir  durch  Anbringung  der  einschlägigen  Vegetation,  die  wieder 
ihrer  Reichhaltigkeit  halber  Anlass  zur  Belebung  des  Land- 
schaftsbildes  gibt. 


Für  die  nachbildende  Kunst  kommt  der  Fluss  nur  in 
beschränktem  Mass  in  Betracht.  Seinem  eigentlichen  AVesen 
nach  können  wir  ihn  des  Raumes  und  der  grossen  Wasser- 
massen halber  nicht  gut  nachahmen.  Es  ist  dies  nur  insoweit 
möglich,  als  wir  bei  breiter  Anlage  eines  Wasserlaufes  diesem 
ein  flussartiges  Gepräge  geben  können.  Wir  halten  einen 
derartigen  Lauf  im  ganzen  ruhiger  als  den  des  Baches.  Ge- 
legentlich stauen  wir  ihn  durch  felsverkleidete,  in  Cement 
gelegte  Mauern  oder  Steinanhäufungen  und  bilden  einen 
Wasserfall. 

Die  Anlage  von  Inseln,  die  naturentsprechend  am  häufigsten 
in  der  Nähe  der  Ufer  stattzufinden  hat,  sowie  der  des  Ver- 
kehrs halber  sich  nötig  machende  Brückenbau  dienen  zu  weiteren 
Unterbrechungen  des  Wasserlaufes. 

Unter  den  fliessenden  Gewässern  ist  nur  noch  der  Graben 
zu  erwähnen.  Zur  Entwässerung  sumpfigen  oder  zur  Be- 
fruchtung allzu  trockenen  Bodens  ist  er  uns  ein  unentbehr- 
liches Mittel.  In  unseren  Anlagen  ist  der  Graben,  wenn 
die  zufällige  Lage  es  gestattet,  gelegentlich  zum  Bachlauf  zu 
erweitern. 

Wir  wenden  uns  nun  zu  den  stehenden  Gewässern,  den 
See-  und  Teichbildungen. 

Die  Anlage  eines  stehenden  Gewässers  kann  zuweilen 
vi  mi  Landschaftsgärtner  praktisch  verwertet  werden.  Die 
Ausgrabung  grosser  Erdmassen,  wie  eine  seeartige  Wasser- 
bildung sie  nötig  macht,  gewährt  einerseits  Mittel  zur  Boden- 
gestaltung, andererseits  lässt  sich  eine  sumpfige  Gegend  auf 
solche  Weise  entwässern.  Der  hohe  ästhetische  Wert  der 
Seebildung  in  der  Landschaft  ist  auf  die  verschiedenste  Art 
für  die    grössere  Kunstschöpfung    des  Gärtners    auszunutzen. 

Im  entsprechenden  Verhältnis  zur  Umgebung  stehend, 
ist  in  erster  Linie  die  Lichtfläche  der  Wasserbildung  das 
Mittel  zur  Belebung  des  Landschaftsbildes.  Dazu  kommt  die 
Spiegelung  der  Umgebung  in  der  Wasserfläche,  die  sowohl 
durch  eine  möglichst  vielgestaltige  Uferbildung,  wie  durch  die 
Bepflanzung  der  Ufer  hervorgerufen  werden  kann. 

Die  Natur  gibt  uns  zwei  Vorbilder,  beständige  und  un- 
beständige Seen;  nur  die  erstere  Art  kommt  für  die  Nach- 
bildung in  Betracht.  Diese  zeigt  uns  zwei  Formen,  den  See 
der  Niederung  und  den  Gebirgssee. 

Wie  bei  den  fliessenden  Gewässern  kommt  auch  hier  die 
Wasserbildung  der  Ebene  in  der  Imitation  am  häufigsten  zur 
Ausführung.  Solcher  See  ist  in  der  tiefsten  Lage  des  ge- 
gebenen Terrains  anzubringen.  Die  Ufer  sind  durch  milde 
Bewegung  der  Linien  und  nicht  zu  hohe,  abfallende  Formen 
zu  kennzeichnen,  auch  durch  einmündende  Zuflüsse  zu  variieren. 

Der  Spiegelung  ballier  ist  die  Bepflanzung  des  umgebenden 
Geländes  stets  im  Auge  zu  behalten.  Dunkle  Baumgruppen 
haben  mit  hellen,  hohe  mit  niederem  Gesträuch  abzuwechseln. 
Eschen  und  Weiden  lassen  ihre  herabhängenden  Zweige  die 
Wasserfläche  streifen.  Der  See  der  Ebene  neigt  zu  Insel- 
bildungen, die  sowohl  durch  ihre  Uferformen  wie  durch  ihre 
Bepflanzung  neue  Spiegelbilder  in  der  Seefläche  erzeugen. 

Der  Gebirgssee  ist  wohl  von  höchster  malerischer  Wirkung 
in  der  Landschaft,  jedoch  nur  selten  und  bedingungsweise 
nachzubilden.  Von  Felsen  oder  undurchlässigen  Erdmassen 
fest  umschlossen,  findet  er  sich  in  jeder  Höhenlage,  sogar  in 
beträchtlicher  Höhe  über  dem  Meeresspiegel.  Nur  in  bewegtem 
Terrain  können  wir  die  Nachahmung  des  Gebirgssees  vor- 
nehmen. Den  Uferlinien  ist  durch  das  Eingreifen  der  um- 
gebenden   Felswände    eine    vielfach    geradlinige,    oft    schroffe 


VII,   9 


Die  Gartenwelt. 


105 


Ecken  bildende  Form  vorgeschrieben.     Die    Bepflanzung   darf 
nur  in  Gebirgsgehölzen  bestehen. 

Durch  Einmünden  von  Quellen  und  Bächen  führen  wir 
scheinbar,  wie  es  in  der  Natur  thatsächlich  geschieht,  dem 
See  das  Wasser  zu.  Haben  wir  Gelegenheit,  mehrere  kleine 
Seebildungen  in  möglichst  verschiedenen  Höhenlagen  unseres 
Terrains  anzubringen,  so  sind  diese  untereinander  durch  einen 
Gebirgslauf  zu  verbinden.  Der  eigenartige  Reiz  eines  solchen 
wirkt  so  mit  dem  des  Gebirgssees  zusammen.  Wie  mannig- 
fach das  Landschaftsbild  auf  solche  Weise  zu  gestalten  ist, 
wird  sich  der  Leser  leicht  vorstellen. 

Handelt  es  sich  um  die  Anbringung  stehender  Gewässer 
in  Gartenanlagen,  so  haben  wir  noch  die  kleinste  seeartige 
Wasserbildung,  Teich  oder  Weiher  genannt,  zur  Verfügung. 
Die  Ufer  des  Teiches  sind  in  gemässigten  Formen  zu  halten. 
Ihre  Bepflanzung  ruft,  wenn  sie  geschickt  angebracht  ist,  sanfte 
Spiegelungen  in  der  Wasserfläche  hervor.  Selbst  durch  den 
kleinsten  Weiher  lässt  sich  die  Gartenanlage  freundlich  aus- 
gestalten. Es  bleibt  auch  gegebenenfalls  die  Möglichkeit,  den 
Teich  zur  Fischzucht  zu  verwerten. 

Die  Aufgabe  des  Gartenkünstlers,  bei  Anlage  von  Ge- 
wässern in  erster  Linie  das  unerschöpfliche  Vorbild  der  Natur 
zu  beachten,  ist  angedeutet.  Es  folgen  nun  die  nötigen  An- 
gaben zur  praktischen  Ausübung  dieser  Aufgabe. 

Die  erste  Bedingung  zur  Anlage  jeden  Gewässers  ist  die 
Aufnahme  genauen  Nivellements  des  für  dieselbe  in  Betracht 
kommenden  Gebietes.  Aus  der  Höhenmessung  ergibt  sich 
sowohl  die  Uferbewegung  eines  stehenden  Gewässers,  wie  die 
dem  Bach  oder  Flusslauf  zu  gebende  Linie.  Die  vorhandene 
Neigungsrichtung  des  Bodens  ist  für  den  Wasserlauf  im  all- 
gemeinen bestimmend.  Die  Zuflussstelle  des  Laufes  ist  in 
höherer  Lage  des  Terrains  als  der  Abfluss  anzubringen. 

Verschiedenheiten  in  der  Höhenlage  des  Bachbettes  sind 
durch  Ausgrabungen  wiederzugeben.  Die  Wassertiefe  darf 
bei  einem  Bach,  je  nach  seinem  Charakter,  20 — 40  cm,  bei 
einem  flussartigen  Lauf  00 — 70  cm  betragen.  Nicht  mehr, 
weil  der  Bach  sonst  an  Durchsichtigkeit  verlieren  würde  und 
unnütz  hohe  Uferbildung  die  Wasserfläche  aus  der  Entfernung 
verdeckt. 

Bei  durchlässigem,  sandigem  Boden  muss  das  Bett  des 
Wasserlaufes  mit  Thon  oder  Cementmörtel  ausgelegt  werden, 
während  ein  bindiger,  lehmiger  Untergrund  dies  unnötig  macht. 

Die  Speisung  der  Gewässer  ist  schon  erwähnt  worden. 
Wo  ein  Grundwasserstand  vorhanden  ist.  muss  die  Tiefe  der 
zu?  Wasseranlage  nötigen  Ausgrabung  nach  diesem  gerichtet 
werden.  Speisen  wir  dagegen  einen  See  oder  Teich  durch 
ein  zufliessendes  Gewässer,  so  stellt  die  dem  Wasserbett  zu 
gelende  Tiefe  in  unserm  Belieben.  Als  geringste  Tiefe  für  einen 
Teich  ist  1  m,  als  grösste  für  eine  Seebildung  1,30  m  festzusetzen. 

Während  das  Wasser  durch  zu  grosse  Tiefe  an  seiner 
Lichtwirkung  im  Landschaftsbild  verliert,  fördert  ein  zu  flach 
gehaltenes  Gewässer,  da  es  rasch  von  der  Sonne  durchwärmt 
ist,  die  trübende  Algenbildung.  Beide  Mängel  sind  zu  vermeiden. 

Bei  der  Nivellierung  des  Terrains,  die  der  Anlage  des 
Gewässers  vorangeht,  ist  in  hügeligem  Gebiet  eine  Sondere 
aufnähme  des  für  die  Wasserausgrabung  bestimmten  Geländes 
erforderlich.  Die  gewonnenen  Horizontalen  sind  in  den  all- 
gemeinen Lageplan  einzuzeichnen.  Auf  diese  Weise  gelangen 
wir  zu  der  nötigen  Übersicht  des  Gebietes,  aus  der  wir  die 
Lage  der  Seebildung,  sowie  die  passende  Gestalt  der  Wasser- 
fläche herzustellen  haben.  Aus  der  Profllzeichnung  ergibt  sich 
die  Berechnung  der  auszuschachtenden  Erdmasse.     Das  Ver- 


fahren der  Höhenmessung  und  die  Berechnung  von  Erdmassen 
nach  Profilen  hier  eingehend  zu  besprechen,  würde  zu  weit 
führen.  Auf  die  Verwendung  des  durch  Ausgrabung  ge- 
wonnenen Bodens  ist  bereits  hingewiesen  worden. 

Alle  Wasserarbeiten  werden  am  besten  in  den  warmen 
Monaten  (April  bis  September)  vorgenommen.  Nur  sumpfiges 
oder  überschwemmtes  Terrain  lässt  sich  leichter  in  kälterer 
Jahreszeit,  wenn  die  Bodenoberfläche  gefroren  ist,  bearbeiten. 
Bei  Grundwasserstand  beginnt  man  bei  der  Austiefung  der 
gegebenen  Fläche  an  der  Stelle,  wo  dem  vorhandenen  Wasser 
am  besten  ein  Abfluss  zu  schaffen  ist.  Nur  bei  grossen  Aus- 
grabungen ist  es  der  Zeit  und  Kostenersparnis  halber  ratsam, 
diese  von  verschiedenen  Seiten  zugleich  in  Angriff  zu  nehmen. 
Die  Ausgrabung  geht  je  nach  der  Zahl  der  Arbeitskräfte 
tage-  und  stückweise  weiter.  Erschwert  ist  sie  durch  das 
fortwährende  Wegschaffen  des  zuströmenden  Wassers.  Ist  ein 
Fluss  oder  Graben  in  der  Nähe,  so  genügt  zuweilen  die  Ab- 
leitung des  Wassers  dahin  durch  eine  Holzrinne.  In  anderen 
Fällen  geschieht  dies  durch  Pumpwerk.  Bei  dem  weiteren 
Ausgiaben  des  Wasserbettes  ist,  wenn  der  Wasserstand  ge- 
ring, der  Zufluss  entweder  durch  eine  Spundwand  oder  durch 
einen  seiner  Stärke  nach  dem  Wasserdruck  angepassten  Damm 
zurückzuhalten.  Bei  Bewältigung  grösserer  Wassermengen 
stehen  uns  Maschinen  zur  Verfügung,  die  sowolü  Spundwände 
wie  Dammanlagen  überflüssig  machen. 

Sobald  der  See  ohne  Zuhilfenahme  von  Grund-  oder 
Quellwasser  durch  künstlichen  Zufluss  gespeist  werden  muss, 
ist  die  Befestigung  des  Wasserbettes  nötig.  Es  gibt  dazu 
versclüedene  Mittel.  Fest  durchgearbeiteter  Thon  oder  Cement- 
mörtel bilden  einen  guten  Untergrund.  Wenn  es  kostenhalber 
angeht,  legt  man  das  Wasserbett  auch  durch  Mauersteine,  die 
mit  Cement  verputzt  werden,  aus. 

Am  billigsten  herzustellen,  aber  nur  für  kleine  Wasser- 
becken zu  empfehlen,  ist  das  Auslegen  des  Bettes  mit  doppelter 
Dachpappe.  Die  Fugen  werden  mit  Asphalt  verstrichen.  Ein 
Mangel  bei  diesem  Verfahren  ist,  dass  jede  im  Laufe  der  Zeit 
eintretende  Beschädigung  der  Pappe  nur  durch  Ablassen  des 
Wassers  repariert  werden  kann. 

Ist  eine  Senkung  des  Bodens  zu  befürchten,  so  ist  die 
Befestigung  des  Wasserbeckens  nach  Monier  zu  empfehlen. 
Zunächst  wird  eine  10 — 15  cm  tiefe  Betonschicht  gelegt  und 
darüber  ein  Eisennetz  ausgehreitet.  Es  sind  hierzu  Rund- 
eisen von  10  mm  Stärke  zu  verwenden,  die  in  einem  Abstand 
von  25  cm  zu  einander  zu  halten  sind.  Die  Kreuzungsstellen 
werden  mit  Draht  Überbunden.  Über  das  Eisennetz  wird  eine 
etwa  7— 8  cm  starke  mit  Kalk  und  Sand  vermischte  Cement- 
schicht  gelegt.  Beim  Trocknen  ist  die  Fläche  häufig  durch 
Einsprengen  wieder  zu  befeuchten,  um  das  Rissigwerden  der- 
sel hon  zu  vermeiden. 

Da  die  künstliche  Wasseranlage  in  ihren  Einzelheiten  stets 
von  örtlichen  Verhältnissen  abhängig  bleibt,  so  hat  sie  hier 
nur  skizzenhaft  behandelt  werden  können. 


Zwiebel-  und  Knollengewächse. 


Das  „Steckenbleiben"  der  Schneeglöckchenzwiebeln. 

Von  Wilhelm  Mütze,  Obergärtner,  Dahlem  b.  Berlin. 
(Hicrxti  chic  Abbildung.) 

In  den  letzten  Jahren  wurden  mir  öfter  Schneeglöckchen- 
zwiebeln  gezeigt,    die,    gerade    im    Begriff    zwei    Blattspitzen 


106 


Die  Gartenwelt. 


VII,  9 


aus  dem  Boden  zu  schieben,  plötzlich  abgestorben  waren. 
Einige  Schneeglöckchen  waren  auch  bis  zur  Blüte  gekommen, 
doch  auch  dann  noch  machte  sich  die  Krankheitserscheinung 
in  den  meisten  Fällen  bemerkbar  und  die  Pflanzen  gingen  zu 
Grunde.  —  Aus  solchen  kranken  Schneeglöckchen  konnte 
man  immer  nur  einen  Pilz  ziehen  —  es  war  dies  die  überall 
verbreitete  Botrytis  cinerea.  Auch  dann  noch,  als  der  Pilz, 
der  die  Pflanzen  mit  Bestimmtheit  zum  Absterben  brachte, 
als  Botrytis  erkannt  war,  lag  es  nahe  anzunehmen,  es  sei 
etwa  die,  namentlich  in  England  bekannte  Botrytis  galart- 
thina,  doch  bestätigte  sich  diese  Annahme  nicht,  immer  nur 
war  es  die  typische  cinerea. 

Sonderbar  erschien 
es  jedoch,  dass  die 
Botrytis  nur  Galanthus 
befiel.  Ich  sah  in  ein 
und     demselben     Kastei) 

Galanthus,    Museari, 
Friiitlnriii.      <  'hionodoxa, 
Triteleia  ,Narcissus  .Orocits 
u.    a.     stehen     und    alle 

Galanthus-  Exemplare 
waren  gleichmässig  durch 
Botrytis  zerstört,  wäh- 
rend alle  anderen  Zwiebel- 
gewächse gesund  waren. 
Nur  einmal  fand  ich 
'  'hionodoxa  Lücüiae, 
welche  neben  solchen 
erkrankten  Schneeglöck- 
chen stand ,  ebenfalls 
in  der  .charakteristischen 
Weise  durch  die  Botrytis 
zerstört,  aber  auch  da 
nur  eine  einzelne  Pflanze 
neben  vielen  gesunden. 

Fast  immer  fand  icli  die 
Pflanzen  so  behandi  ill .  i  las  - 
man  Verzärtelung  als  Grund  der  Erkrankung  annehmen  musste. 
Galanthus  nivalis  trotzt  nicht  nur  aller  Kälte,  nein  er  ver- 
langt dieselbe  sogar,  wie  er  ja  auch  allen  Versuchen,  ihn  zu 
treiben,  beharrlich  Widerstand  leistet.  Es  ist  ein  Unding, 
Schneeglöckchen  im  geschlossenen  Baum  zu  überwintern,  der 
obendrein  nocli  einen  Dungumsatz  und  eine  Laubdecke  erhält. 
man  muss  eben  nicht  alle  Zwiebelgewächse  gleich  behandeln. 
Das  einzige  Mittel  gegen  dieses,  mancherorts  verheerend  auf- 
tretende Übel  ist  also  ein  natürlicher  Standort  der  Pflanze. 
Zugluft,  kalte  Witterung  ist  gegen  Botrytis  dm /(«(-Befall  ein 
gutes  Gegenmittel.  Wer  also  seine  Schneeglöckchen  ungedeckt 
im  Freien  überwintert,  wird  kaum  zu  klagen  haben.  —  Wie  ich 
schon  früher  erwähnte,  verträgt  sogar  der  Leider  so  sehr 
wenig  verbreitete,  vom  Oktober  bis  Januar  blühende  Galanthus 
corcyrensis  (Corcyra  oder  Corfu)  unsere  Winterkälte.  Galanthus 
Fosteri  und  Klivcsi  habe  ich  öfter  im  kleinen  Kalthaus  über- 
wintert und  Anfang  Februar  in  Blüte  gehabt  (Fosteri  etwas 
später  als  Elwesi);  sie  wollen  dann  aber,  so  sonderbar  es 
scheinen  mag,  ziemlich  trocken  gehalten  werden. 

Wer  also  Galanthus  im  Kasten  überwintert  und  sie 
sterben  in  der  angegebenen  und  aus  der  beigefügten  Zeichnung 
ersichtlichen  Weise  ab,  der  nehme  ruhig  die  Fenster  ab,  oder 
lüfte  doch  so  oft  und  soviel  es  geht.  Frisch  gepflanzte, 
d.  h.  rechtzeitig  gepflanzte  Schneeglöckchen  sollten  auch  lieber 


keinen  Schutz  durch  Dung  oder  Laub  erhalten,  erstens  ist 
es  ganz  nutzlos  und  zweitens  noch  schädlich  obendrein,  denn, 
abgesehen  von  dem  Botrytis-BelaR,  werden  sie  meist  zu  spät 
aufgedeckt,  vergeilen  und  bringen  krüppelige  Blüten. 


Das  Steckenbleiben  der  Schnee- 
glöckchen. 

Vom  Verfasser  für  die  „Garteuwelt" 
gezeichnet. 


Aus  den  Vereinen. 

Verein  zur  Beförderung  des  Gartenbaues.  Oktobersitzung 
im  Saale  der  landwirtschaftlichen  Hochschule.  Das  Hinscheiden 
zweier,  um  den  Gartenbau  hochverdienter  Männer,  des  Kommerzien- 
rates  Spindler  und  des  Hofmarschalls  von  Saint  Paul  -  Illaire,  wurde 
von  dem  Vorsitzenden  mit  einem  kurzen  Rückblick  auf  das  Leben 
derselben  mit  dem  Ausdrucke  aufrichtigen  Bedauerns  der  Versammhing 
bekannt  gegeben. 

Von  den  ausgestellten  Pflanzen  interessierten  mich  vor  allem 
die  Chrysanthemen,  die  ja  nunmehr  das  Feld  beherrschen.  Neues 
brachten  die  Herren  Georg  Bornemann,  Blankenburg,  und  Heinrich 
Kohhnannslehner,  Britz.  Herr  Bornemann  hat,  wie  es  den  Anschein 
bat,  mit  der  Sorte  „Mite  Lucie  Duncan"  eine  gute  Erwerbung 
gemacht.  Die  Sorte  repräsentierte  sich  bei  der  Beleuchtung  durch 
Bogenlampen  als  eine  reinweisse,  mittelgrosse,  schöngebaute  Blume, 
deren  Petalen  einwärts  gekrallt  waren.  Das  Weiss  war  ohne  jede 
Tiu Innig.  Dies  der  Augenscheinbefund.  Sports  von  der  Sorte 
„Mr.  Gustav  Orunerwald",  welche  der  genannte  gleichfalls  ein- 
geschickt hatte,  verdienen  keine  besondere  Erwähnung,  da  es  eben 
Farbensports  sind,  die  bekanntlich  oft  ein  Kometendasein  führen; 
sie  tauchen  auf  und  verschwinden.  Dasselbe  gilt  von  einem  Sport 
von  „Solcil  d'Oetobre",  den  Herr  Albert  Herzberg  in  Charlotten  bürg 
der  Versammlung  vorstellte.  Er  ist  in  der  Farbe  dunkler  als  die 
Stammsorte,  von  satter  Goldbronze  und  hat  nach  dem  Aussteller  den 
Vorzug,  dass  er  seinen  Farbenton  behält,  selbst  wenn  die  Pflanze 
durch  Wärmerstellen  zur  eiligen  Entfaltung  ihrer  Blüten  veranlasst 
wurden  sein  sollte.  In  diesem  Falle  soll  bei  „Soleil  d'Oetobre"  eine 
unangenehme  Verblassung  der  Blumen  eintreten.  Möge  Herr  Herz- 
berg diesen  Vorzug  recht  in  seinem  Interesse  wahrnehmen!  Was 
Herr  Kohlmaunslehner  brachte,  das  waren  Calvatsche  Riesenkinder 
von  Chrysanthemen,  so  dass  einem  der  Name  Wucherblume  unwill- 
kürlich ins  Gedächtnis  kam.  Diese  grossen  Blumen  haben  ihre  Daseins- 
berechtigung, nur  müssen  sie  in  die  rechten  Hände  kommen.  Jede 
solche  Blume  ist  ein  Meisterwerk  der  Schöpfung  und  muss  als  solches 
betrachtet  werden  können.  „In  der  Beschränkung  zeigt  sich  erst 
der  Meister"  wird  sich  derjenige  Gärtner  zurufen  müssen,  der  das 
Glück  hat,  solche  Blumen  ihrem  idealen  Zwecke  im  Dienste  der 
Menschheit  zuzuführen.  Wer  aus  Blumen,  wie  „Mine  Paolo  Radaetti", 
„Mr.  F.  S.  Wallice",  „Mme  Jides  Verne",  Massenartikel  macht,  stellt 
sich  ein  trauriges  Zeugnis  aus,  da  er  ein  Produzent  ohne  besseres 
Empfinden  ist. 

Dann  waren  noch  viele  Cyelamai  da,  die  verschiedenen  Aus- 
stellern gehörten.  Herr  Otto  Weber  in  Friedrichstelde,  Herr  Ober- 
gärtner Beuster  in  Biesdorf,  Herr  Fasbender,  Berlin,  Schönhauserallee, 
waren  die  Einsender.  Es  sind  Sämlinge  von  August,  September 
vorigen  Jahres,  alle  in  guter  Kultur  und  bereits  in  vollem  Flor. 
Eine  besondere  Kultlirleistung  repräsentierten  sie  nicht,  aber  sie  sind 
ein  schönes  Zeichen  fleissiger  Kultur  und  bedeuten  über  ein  Jahr 
von  Mühe  und  Arbeit.  Eine  Kulturleistung,  ohne  Rücksicht  auf  die 
Rentabilität,  ist  eine  zweijährige  Cyclamenpflanze,  d.  h.  eine  solche 
Pflanze  müsste,  wenn  wir  sie  heute  sehen,  bereits  im  Jahre  1900 
ausgesät  sein.  Es  ist  bekanntlich  nach  Beendigung  dos  ersten  Flores 
sehr  schwer,  die  Pflanzen  nach  der  nötigen  Ruhezeit  wieder  so  zu 
kultivieren,  dass  sie  sich  als  Prachtexemplare  zeigen.  Durch  fette 
Kultur  sind  in  einem  Jahre  Cyclamen  von  50  cm  Durchmesser 
zu  erziehen,  wie  dies  Julius  Kropff  in  Frankfurt  a.  M.  gelingt,  indem 
er,  so  erzählte  Herr  Bluth,  die  Pflanzen  in  Marmeladecimercheu 
pflanzt,  die  doch  gewissermassen  kleine  Kübelchen  sind.  Herr  Kropff 
soll  für  diese  Pflanzen  willige  Abnehmer  in  Süddeutschland  gefunden 
haben.     Doch   zur  Sache.     Herr  Landrat  von  Treskow  hatte  durch 


VII,  9 


Die  Gartenwelt. 


107 


seinen  Obergärtner  Wetzel  Lobelia  cardinalis,  welche  spät  kultiviert 
waren  und  daher  auch  spät  blühten,  vorführen  lassen.  Wer  in  Erfurt 
war,  hat  dort  auch  sehr  schöne  Sorten  gesehen.  Ob  diese  Lobelien 
einen  "Wert  für  den  Handelsgärtner  haben,  mag  hier  nicht  entschieden 
werden.  In  der  Versammlung  standen  zwei  entgegengesetzte  Ansichten 
sich  gegenüber.  Der  eine  sagte  —  die  Namen  nenne  ich  mit  Absicht 
nicht  — ,  dass  sie  als  Stauden  zu  wenig  Blumenstiele  bringen  und 
deshalb  den  Platz  nicht  einmal  bezahlt  machen,  den  sie  einnehmen, 
der  andere  sagte,  dass  ein  Handelsgärtner  in  Zossen  — ■  ich  kenne 
ihn  auch  als  fleissigen  Gärtner  —  damit  guten  Gewinn  erzielt  habe. 
Er  hat  sie  nämlich  nur  so  nebenbei  unter  anderen  Schnittblumen, 
Rosen  etc.,  stehen  und  nimmt  von  ihnen,  was  sie  gutwillig  geben. 
Verkaufen  muss  er  sie  auch  können,  sonst  würde  er  sich  wohl  nicht 
damit  befassen. 

Nun  zum  Obste.  Da  war  Herr  Obergärtner  Mehde  mit  einer 
Kollektion  Obst,  das  auf  den  Rieselfeldern  gediehen  war  und  so  recht 
die  Umwertung  aller  Werte  dem  Beschauer  vor  Augen  führte.  Was 
kein  Chemiker  zustande  bringt,  die  Natur  vollendet  es  in  ihren  Lebe- 
wesen. Herr  Mende  hat  diese  kleine  Obstschau  zur  Ermunterung 
aufgestellt,  nicht  zur  Ermunterung  zum  Essen,  denn  es  waren  ja 
Seh  au  fruchte,  sondern  zur  Ermunterung,  gleichfalls  Obstbäume  zu 
pflanzen,  so  man  einen  Garten  hat.  Leider  verbietet  es  der  Raum 
bei  diesem  Thema  länger  zu  verweilen.  Als  Liebhaber  hatte  Herr 
F.  B.  Körner  in  Rixdorf  sich  mit  Obst  vor  das  Forum  gewagt.  Herr 
Körner  nahm  Veranlassung  einen  Apfel  lobend  zu  erwähnen,  den  er 
vor  Jahren  als  „Sehtoedenapfel"  aus  Holland  bezogan  hat  und  der 
ihm  schöne,  lachend  gelbe,  wohlschmeckende  Früchte  alljährlich  in 
reicher  Fülle  beschert.  Wer  kennt  diesen  Apfel  noch  als  „Schiceden- 
apfel"?  Ganz  herrliche  „Schaufrüchte"  hatte  der  Obergärtner  des 
Herrn  Kommerzienrat  Schöller  in  Düren,  Herr  Kleemann,  nach  Berlin 
gesandt.  Herrn  Kleemann  an  dieser  Stelle  meinen  Dank  für  ein 
herrliches  Exemplar  von  ,,Peas(jooch  Oöldreinelte",  270  g  schwer 
und  30  cm  Umfang,  das  ich  mir  als  „Belegexemplar"  mit  nach 
Hause  nahm. 

Erwähnenswert  ist  noch  ein  Kasten  blühender  Maiblumen,  von 
Eiskeimen  stammend,  und  blühender  Flieder,  ebenfalls  durch  Kalt- 
lagerung zurückgehalten  und  jetzt  blühend,  vorgeführt  von  Herrn 
A.  Koschel,  Charlotten  bürg.  Der  Flieder  sah  besser  aus,  als  der 
Nupnausche  Flieder  in  Erfurt  auf  der  Ausstellung  und  scheint  zu 
beweisen,  dass  sich  Flieder  doch  mit  Erfolg  solange  zurückhalten 
lässt. 

Die  Firma  Otto  Meermann,  Berlin  N,  hatte  einen  eisernen 
Rillen-Stab-Zaun  zur  Ansicht  gestellt,  der  sich  für  manche  Zwecke 
als  praktisch  erweisen  dürfte.  Der  Kraft  des  Herrn  Stadtobergärtner 
Weiss  war  so  ein  Rillenstab  nicht  gewachsen,  er  bog  sich,  trotz  der 
Rillen,  bedenklich.  Ich  halte  den  Zaun  da  für  praktisch,  wo  es  gilt, 
eine  gefällig  aussehende  Einfriedigung  für  längere  Dauer  anzubringen, 
ohne  aussergewöhnliche  Unkosten,  wie  ihn  ein  gefälliger  Zaun  aas 
gutem  Material  verursacht,  zu  haben. 

Zum  Schluss  erwähne  ich  noch  das  eben  erschienene  Werk: 
Die  Technik  der  Gartenkunst.  Von  M.  Bertram.  Verlag  von  Wilhelm 
Ernst  &  Sohn,  Berlin  W.  Der  Autor  hat  das  Werk  dem  Verein  zum 
Geschenk  gemacht.  Schon  bei  flüchtiger  Durchsicht  gewinnt  man 
den  Eindruck,  dass  der  Verfasser  aus  dem  Borne  einer  reichen 
Praxis  geschöpft  hat.  Dieser  Vorzug  wird  sich  bald  herumsprechen 
und  dem  Werke  einen  grossen  Leserkreis  erschliessen.  Die  Ab- 
bildungen sind  vorzüglich.  Die  nächste  Vereinssitzung  findet  erst 
am  4.  Dezember  statt,  da  für  den  27.  November,  abends  6  Uhr  in 
der  kgl.  landwirtschaftlichen  Hochschule  eine  Trauerfeier  für  den  ver- 
storbenen Direktor  Lackner  vorgesehen  ist.     W.  Tscheuke,  Berlin. 


Bücherschau. 


Es  gehen  uns  in  letzter  Zeit  unaufgefordert  soviele  neue  Fach- 
werke zur  Rezension  zu,  dass  es  uns  unmöglich  ist,  diese  Bücher 
samt  und  sonders  zu  besprechen.  Wir  sehen  uns  deshalb  zu  folgender 
Erklärung  veranlasst : 


Wir  übernehmen  keinerlei  Garantie  für  die  Besprechung  und 
Zurücksendung  unaufgefordert  eingesandter  Bücher.  Wir  werden 
wohl  an  dieser  Stelle  Titel,  Preis  und  Auflage  der  betreffenden 
Werke  veröffentlichen,  aber  es  bleibt  unserem  freien  Ermessen 
vorbehalten,  das  eine  oder  das  andere  Werk  einer  Besprechung  zu 
unterziehen,  es  seinem  Werte  oder  Unwerte  entsprechend  näher  zu 
charakterisieren.  Die  Herren  Verleger,  welche  mit  dieser  Maasnahme 
nicht  einverstanden  sind,  mögen  von  einer  Zusendung  ihrer  Neuheiten 
entweder  ganz  absehen  oder  vor  Einsendung  derselben  erst  bei  uns 
anfragen,  ob  wir  eine  Besprechung  zusichern  können  oder  nicht: 
Auf  keinen  Fall  sind  wir  in  der  Lage,  eine  Rezension  für  ein 
bestimmtes  Heft  oder  für  eine  bestimmte  Zeit  zusichern  zu  können. 
„Die  Technik  der  Gartenkunst."  Ein  Leitfaden  für  Garten- 
künstler  und  zur  Benutzung  beim  Unterrichte  in  Gärtner- Lehr- 
anstalten, in  Ergänzung  zu  „G.  Meyers  Lehrbuch  der  schönen  Garten- 
kunst". Von  M.  Bertram,  kgl.  sächs.  Gartenbaudirektor  in  Dresden. 
Mit  160  Abbildungen  im  Text  und  32  Tafeln.  Berlin,  Verlag  von 
Wilhelm  Ernst  &  Sohn  1902.     Preis  in  Mappe  26  Mark. 

Titel  und  Autor  berechtigen  uns  zu  den  höchsten  Erwartungen, 
wenn  wir  an   die  Betrachtung   des  soeben   erschienenen   Foliowerkes 
herangehen.     Ein  flüchtiger  Ueberblick   lehrt  uns  zunächst,  dass  der 
Autor  in  richtiger  Erkenntnis   der  grossen  Schwierigkeit,  rein  tech- 
nische Verrichtungen  mit  Worten   zu  beschreiben  und  zu  lehren,  es 
versucht  hat,   in  reichem  Masse  durch  die   Anschauung   zu   wirken. 
In  der  That  rechtfertigt  die  von   der  Verlagsanstalt  bewilligte  vor- 
zügliche Ausstattung  mit  Abbildungen  und  zum  grossen  Teil  farbigen 
Plantafeln  durchaus  den  nicht  geringen  Preis  des  Werkes.    Dass  der 
Autor  seinen  Leitfaden    als  Ergänzung  zu  „G.  Meyers  Lehrbuch  der 
schönen  Gartenkunst"    bezeichnet,   hat  darin  seinen  Grund,   dass   er 
zuerst  vom  Verleger  jenes  Standardbuches  der  Gartenkunst  zu  einer 
Neubearbeitung    desselben     aufgefordert    wurde.      Wir    dürfen    es 
Bertrams  Bescheidenheit  hoch  anrechnen,  dass  er  trotz  seiner  sicher- 
lich vorhandenen  Kompetenz  als  berühmter,  ausübender  Gartenkünstler 
doch  von    diesem   verlockenden   Anerbieten   zurücktrat   und   nur  die 
Bearbeitung    eines    Ergänzungsbandes    unternahm.       Das    Bedürfnis 
nach  einer  solchen  Ergänzung  ist  allerdings  wohl  anzuerkennen.    Das 
Meyersche  Lehrbuch  giebt  ja  auch  einige  technische  Unterweisungen ; 
dieselben  müssen  aber  für  den  Unterricht  und  die  Selbstausbildimg 
unserer  jungen  Gartenkünstler   von  heute  als  nicht  ausreichend  be- 
zeichnet werden,   da  sie  zu  vieles  als  bekannt  voraussetzen.     Unser 
heutiges  Fachschulwesen  mit  dem  grossen  Zudrang  ganz  junger,  eben 
erst  aus  der  Lehre  entlassener  Gärtner  macht  ein  viel  ausführlicheres 
Eingehen  auf  die  einfachsten  technischen  Hilfsmittel  und  Verrichtungen 
notwendig,    da  man    unmöglich    alles    in  praxi   vor-    und    ausführen 
kann.    Die  theoretische  Besprechung  aller  dieser  Dinge  wird  zweifellos 
durch  dieses  Abbildungswerk  ausserordentlich  gefördert,   wie  uns  das 
z.  B.  die  vorzüglichen  Darstellungen  von  der  Ausführung  von  Boden- 
bewegungen in  stark  bewegtem  Terrain,   Seite  24  u.  f.,  zeigen.     Das 
Werk    erhebt    nicht  darauf  Anspruch,    das    heute    bald    unbegrenzte 
Gebiet  der  Thätigkeit  eines  Gartenkünstlers  völlig  zu  erschöpfen.    Es 
werden,  abgesehen  von  der  zeichnerischen  Darstellung  aller  Arbeiten, 
auf  das  eingehendste   nur  jene  Dinge  besprochen,   welche  bei  Neu- 
anlagen oder  grossen  Umänderungen   immer   das  meiste  Geld  kosten 
und  sehr  oft  Enttäuschungen,  wenn  nicht  grosse  Verluste  auf  Seiten 
des  Besitzers    oder   auch   des   ausführenden  Gartenkünstlers   hervor- 
rufen,    wie     Bodenbewegungen    und   Transportmittel,     Teichanlagen, 
Wassergewinnung    und    Wasserversorgung,     Baumbewässerung    und 
Gehölzpflanzungen.     Zum  Schluss  giebt  uns  Bertram  in  Tafel  27  bis 
32  mit  begleitendem  Texte   einen  sehr  schön   erdachten  Entwurf  für 
eine  günstigere  Erschliessung  der  Schönheiten  des  Marienthaies  bei 
Eisenach.     Dieser  Entwurf  ist  leider  bis  jetzt  noch  nicht  zur  Aus- 
führung gelangt.    Das  wunderschöne  Marienthal,  dessen  jetzige  Wege- 
führung allerdings  verbesserungsfähig   ist,   bietet   einen  vorzüglichen 
Gegenstand  für  den  Unterricht,  sowohl  in  der  zeichnerischen  Wieder- 
gabe derartig   bewegter  Terrains,    als    auch    in   der  Behandlung  des 
Wassers,   dessen  heutige  Form   von  Bertram   mit  Recht  als  vorzüg- 
liches   Studienobjekt    bezeichnet    wird.     Vorläufig   ist   der  Weg   ein 
Werk  der  Forstverwaltung  und  der  Bach  im  Naturzustande;  hoffen 
wir,    dass    die    zuständigen    Behörden    die    vorliegende   meisterhafte 


108 


Die  Gartenwelt. 


VII,  9 


Lösung  der  hier  drängenden  Fragen  recht  bald  zur  Ausführung 
bringen.  Es  mag  sonderbar  erscheinen,  dass  der  Verfasser  zur  Dar- 
stellung der  angedeuteten  Hauptteile  der  gärtnerischen  Technik  sich 
begnügt  hat  mit  der  ins  einzelne  gehenden  Besprechung  dreier  seiner 
eigenen  Anlagen.  Es  giebt  vielleicht  wohlwollende  Kollegen,  die  ihm 
daraus  einen  Vorwurf  machen  möchten;  der  Schreiber  dieses  erkennt 
aber  hierin  nur  einen  Vorzug  des  Werkes.  Zunächst  handelt  es  sich 
um  Anlagen,  bei  denen  der  ganze  z.  T.  recht  kostspielige  Apparat 
der  modernen  gartenkünstlerischen  Technik  zur  Anwendung  kam,  die 
es  also  ermöglichten,  das  Wissenswerte  im  Zusammenhange  zu 
zeigen  und  zu  lehren.  Andererseits  aber  gestattet  die  Heranziehung 
des  Planmaterials  vorhandener,  wirklich  ausgeführter  Anlagen  die  so 
ausserordentlich  wichtige  Vergleiehung  der  Zeichnungen  mit 
der  Ausführung  in  Natura.  Der  Schreiber  dieses  kann  diesen 
Vorteil  nicht  hoch  genug  anschlagen,  nachdem  es  ihm  im  vergangenen 
Sommer  gestattet  war,  die  Anlage  am  Pflugensberge  bei  Eisenach 
mit  dem  Plane  in  der  Hand  zu  studieren.  Wer  einst  auf  derWild- 
parker  Anstalt  einen  grossen  Teil  seiner  Zeit  auf  das  Kopieren  von 
Plänen,  die  von  Gust.  Meyer  herstammten,  verwendet  hat,  wird 
immer  bedauert  haben,  dass  zu  den  schön  gezeichneten  Plänen  immer 
die  Ortsbezeichnung  und  damit  che  Möglichkeit  fehlte,  die  Entwürfe 
mit  der  Ausführung  und  dem  späteren  Entwickluugszustande  zu  ver- 
gleichen. Von  besonderem  Interesse  werden  vielen  auch  die  Angaben 
und  Darstellungen  von  dem  im  Jahre  1891  im  Kgl.  Grossen  Garten 
in  Dresden  errichteten  Wasserwerke  sein;  dasselbe  hat  neben  der 
Versorgung  eines  weitverzweigten  Rohrsystems  noch  zwei  mächtige 
Fontänen  zu  speisen,  wozu  eine  eigentümliche  Kompressoren-Anlage 
die  Möglichkeit  giebt.  AVenn  nun  dem  Unterzeichneten  auch  manch 
kleiner  Seitenhieb  gegen  andersdenkende  Leute,  welchen  der  Autor 
besonders  seiner  Einleitung  eingeflochteu  hat,  vielleicht  überflüssig 
erscheint,  so  hält  derselbe  es  doch  für  angebracht,  die  übliche  Manier 
des  Hervorzerrens  kleinlich  aufgestöberter  Mängel  zu  unterdrücken 
gegenüber  der  Thatsache,  dass  wir  es  in  Bertrams  Buch  entschieden 
mit  einem  grossangelegten  Werke  von  hervorragendem  Lehrwerte  zu 
thun  haben.  Man  muss  der  Verlagsanstalt  Anerkennung  zollen  für 
die  ausgezeichnete,  äusserst  kostspielige  Ausstattung  dieses  Werkes, 
das  jedenfalls  durch  den  grossen  Reichtum  seiner,  in  einem  laugen 
arbeitsreichen  Leben  aus  der  Erfahrung  geschöpfter  Lehren  mit 
bestem  Rechte  den  jungen  Gartenkünstlern  warm  empfohlen 
werden  kann.  F.  Ledien. 


Tagesgeschichte. 


Personal-Nachrichten. 

Brehm  Wilh.  sen.,  ein  in  Karlsruhe  i.  B.  sehr  bekaunter  und 
geachteter  Handelsgärtner,  starb  am  6.  November  infolge  eines  Hirn- 
schlages im  Alter  von  fast  62  Jahren. 

Burkart,  A.,  Obergärtner  der  Kuranlagen  in  Homburg  v.  d.  H. 
im  Dienste  der  Firma  Gebr.  Siesmayer,  Frankfurt  a.  M.,  wurde  das 
Kreuz  des  Allgemeinen  Ehrenzeichens  verliehen. 

Lackner,  Carl,  König!  Gartcubaudirektor  und  erster  Direktor 
des  Vereins  zur  Förderung  des  Gartenbaues  in  Berlin,  geboren  am 
2.  Mai  1831  zu  Berlin,  verstarb  am  10.  d.  M.  im  72.  Lebensjahre 
an  nerzlähmung. . 

Der  Verstorbene  war  der  Sohn  eines  Handelsgärtners,  übernahm 
die  Gärtnerei  des  Vaters  und  verlegte  dieselbe  später  nach  Steglitz. 
Die  Flieder-  und  Orchideenkulturen  Lackners  waren  Jahrzehnte  hin- 
durch für  Berlin  vorbildlich.  Einige  Zeit  vor  seinem  Tode  zog  si< 
Lackner  ganz  vom  Geschäft  zurück  und  verkaufte  seine  gesamten 
Bestände.  Von  nun  an  widmete  sich  der  Verstorbene  ausschliesslich 
gemeinnützigen  Bestrebungen  und  der  Leitung  des  obengenannten 
Vereins,  dem  er  seit  dem  Tode  v.  Pommer-Esches  vorstand,  sowie 
des  Steglitzer  Gartenbauvereins,  dessen  Begründer  und  Vorsitzender 
er  war. 

Sussmann,  Rudolf,  hat  sich  nicht  in  Hirschfeld  i.  Schi,  als 
iAndschaftsgärtner  und  Garteningenieur  niedergelassen,  wie  dies  in 
No.  7  gemeldet  wurde,  sondern  in  Hirschberg  i.  Schi.,  Warm- 
brunnerstrasse  12  a. 


Berlin.  Die  Wuhlhaide  soll  als  Ersatz  der  Forstgebiete,  die 
am  oberen  Spreelauf  von  Seiten  des  Staates  zu  Gunsten  der  an- 
grenzenden Gemeinden  zur  baulichen  Ausnutzung  bestimmt  sind, 
nach  einem  ähnlichen  Plan,  wie  er  für  den  Grunewald  aufgestellt 
ist,  in  einen  Volkspark  umgewandelt  werden,  wodurch  dem  Erholungs- 
bedürfnis der  Bevölkerung  im  Osten  Genüge  geleistet  würde. 

Charlottenburg.  Die  Umwandlung  eines  Teils  der  Jungfern- 
haide  in  einen  Stadtpark  hat  der  Magistrat  von  Charlottenburg  ins 
Auge  gefasst,  um  der  Gefahr  vorzubeugen,  dass  der  Fiskus  Teile  der 
J  ungfernhaide  zu  Bebauungszwecken  abgiebt,  wie  dies  neuerdings  im 
Norden  bei  Schönholz  und  im  Osten  bei  Oberschöneweide  mit  fis- 
kalischen Waldflächeu  in  die  Wege  geleitet  ist.  Der  Magistrat  ist 
nun  entschlossen  —  und  er  folgt  hiermit  einer  in  der  Stadtverordneten- 
versammlung bereits  gegebenen  Anregung  —  das  in  Frage  kommende 
Waldgebiet  durch  Kauf  an  die  Stadt  zu  bringen,  um  dasselbe  alsdann 
zum  Stadtpark  herzurichten.  Der  Magistrat  will  —  die  Zustimmung 
der  Stadtverordneten- Versammlung  vorausgesetzt  —  an  die  Regierung 
mit  der  Offerte  herantreten,  800  Morgen  von  der  Jungfernhaide  zum 
Preise  von  400  Mk.  pro  Morgen  zu  erwerben.  Der  Kaufpreis  wäre 
derselbe,  den  Regierung  und  Stadt  für  das  Westender  forstfiskalische 
Terrain   bei   seiner   Abtretung  an   Charlottenburg  vereinbart   hatten. 

Halle.  Für  das  Gelände  am  Kaiserplatz  beabsichtigt  der  Be- 
sitzer, Maurermeister  Friedrich  Kuhnt,  die  Anlage  von  Anpflanzungen. 
Dem  Halleschen  Verschönerungs  -Verein  sind  1500  Mk.  zu  drei  Preisen 
für  die  besten  Pläne  überwiesen  worden,  die  in  einem  Airsschreiben 
demnächst  gefordert  werden. 

Hannover.  Die  Einebnung  des  Terrains  zum  Ausbau  des 
Friedhofes  in  Stöcken  wurde  als  Notstands-Arbeit  wieder  in  Angriff 
genommen.  Die  Erdmassen  geben  eine  Teiehanlage  von  zehn  Morgen 
Grösse  her.  26000  Kubikmeter  Erde  sind  im  verflossenen  Winter 
bewegt  worden.  Krone. 

Leipzig.  Wie  alljährlich,  so  veranstaltete  auch  dieses  Jahr 
die  Direktion  des  Leipziger  Palmengartens  eine  Chrysanthemwn- 
Ausstellung,  die  als  vierte  im  Reigen  der  verflossenen  am  9.  November 
eröffnet  wurde  und  für  die  Dauer  von  14  Tagen  bis  3  Wochen  dem 
Publikum  zugängig  ist.  Die  aus  ca.  600  Pflanzen  bestehende  Aus- 
stellung bietet  mit  ihren  ca.  2500  Schaublumen  einen  prachtvollen 
Anblick;  die  Ausbildung  der  einzelnen  Blumen  ist  in  anbetracht  des 
ungünstigen  Jahres  immer  noch  eine  recht  gute  zu  nennen.  Das 
Sortiment,  aus  über  100  Sorten  bestehend,  dürfte  jeden  Kenner  be- 
friedigen. Besonders  gut  entwickelt  sind  u.  a:  „Chatsworth",  .,Florenee 
Davis",  ,,Mrs.  Mease",  „Moris  Ed.  Andre'',  „New  Phoebits",  „Pres. 
Nanin",  „Mr.  L.  Reamy",  „Mad.  Gast.  Henry",  „Mrs.  C.  II.  Payruf', 
...M/s.  F.  Barter",  ..Mad.  Fereat",  „N.  C.  S.  Jubilee",  „Princesse 
Bassarnba  de  Brancovan",  ,.Mrs.  Barkley",  „Mnrie  Cnlvat",  „Mrs. 
T.  A.  CompUm",  ,,Modcslo"  und  viele  andere  mehr.  Der  Besuch 
des  Publikums  ist  ein  recht  reger.  C. 

Münster  i.  W.  Der  grösste  Teil  des  bisher  zu  militärischen 
Uebungen  benutzten  Neuplatzes,  welcher  41  Morgen  gross  ist,  wird 
in  den  Besitz  der  Stadt  übergehen  und  in  Gartenanlagen  umgeändert 
werden.  Denn  am  13.  d.  M.  genehmigten  die  Stadtverordneten  ein- 
stimmig einen  Vertrag  mit  dem  Domänenfiskus  über  die  Erwerbung 
dieses  Platzes.  Der  Überbürgermeister  erklärte,  er  sei  beauftragt, 
mitzuteilen,  dass  die  Stadt  bei  der  Umwandlung  des  Platzes  in  Park- 
anlagen durch  das  Wohlwollen  des  Kultusministers  ein  sehr  kostbares 
Brunnendenkmal  erhalten  werde.  Augenblicklieh  liege  ferner  ein 
Antrag  des  Domänenfiskus  vor,  dass  die  Stadt  auch  den  ganzen 
Schlossgarten  übernehmen  solle.  Ueber  diesen  Antrag  wurde  von 
den  Stadtverordneten  noch  nicht  beraten. 


Verantworti.  Kedaktenr:  Max  HesdürHer,  Berlin.  —  Verlag  v.  Richard  Carl  Schmidt  &  Co.,  Leipzig.  —  Druck:  Anhalt.  Buchdr.  Gutenberg,  e.G.  in.  b.H,  Dessau. 


Illustriertes   Wochenblatt   für   den   gesamten    Gartenbau. 


Jahrgang  VII. 


6.  Dezember  1902. 


No.  10 


Nachdruck  und  Nachbildung  aus  dem  Inhalt  dieser  Zeitschrift  wird  strafrechtlich   verfolgt. 


Topfpflanzen. 


Pflanzen  an  der  Korkwand. 

Von  Max  Büttner,  Solingen. 
(Hierzu  zicei  Abbildungen.) 

In  der  Gartenwelt  ist  schon  wiederholt  auf  die  Ver- 
wendung von  Zierkorkholz  zur  Dekoration  der  Gewächs- 
hauswände aufmerksam  gemacht  worden  und  mau  trifft 
auch  schon  häufig  derart  verkleidete  Wände  in  den  ver- 
schiedensten Gärtnereien  an.  Sehr  oft  sind  dieselben 
jedoch  nur  mangelhaft  und  in  den  meisten  Fällen  gar 
nicht  bepflanzt,  ja  hin  und  wieder  werden  sie  auch  nur 
vorübergehend  mit  Pflanzen  dekoriert. 

Die  nebenstehende 
Abbildung  und  die  Ab- 
bildung Seite  110  stellen 
nun  einen  Teil  der  süd- 
lichen Giebelwand  eines 
Warmhauses  dar,  an 
welcher  seit  Jahren  die 
verschiedensten  Pflanzen 
mit  bestem  Erfolge  kul- 
tiviert werden.  Einige 
kurze  Angaben  über  An- 
lage und  Pflege  dieser 
Wand  mögen  hier  folgen. 
Die  Korkrinde  habe 
ich,  da  jede  Holzunter- 
lage nur  zu  bald  morsch 
wird  und  dann  mit  der 
ganzen  Herrlichkeit  zur 
Erde  fällt,  direkt  mit 
vierzölligen  Nägeln  in 
den  Mauerfugen  befestigt 
und  nur  bei  den  not- 
wendigen Vorsprängen 
etwas  Draht,  meistens 
aber  einige  noch  längere 
Nägel  verwendet.  Alle 
Spalten  und  Hohlräume 
wurden  mit  Sumpfmoos 

Die  Gartenwelt.     VII. 


gehörig  ausgestopft.  Bei  der  Bepflanzung  wurde  ebenfalls, 
ausser  grober  Lauberde  und,  wenn  vorhanden,  einige  Hände 
voll  Tori,  reichlich  Sumpfmoos  verarbeitet.  Schliesslich 
wurde  noch  die  Erdoberfläche  um  jede  Pflanze  mit  Moos 
bedeckt.  Man  braucht  nun  durchaus  nicht  zu  glauben,  dass 
es  den  Pflanzen  hier  bald  an  Nahrung  mangeln  müsse, 
denn  dieselben  sind  hier  nicht  wie  bei  der  Topfkultur  auf 
einen  engbegrenzten  Raum  beschränkt,  sondern  ihre 
Wurzeln  suchen  sich  Nahrung  im  Korkholz,  an  der 
Mauer  und  besonders  in  dem  allenthalben  vorhandenen 
Sumpf moos.  Vorzuziehen  sind  immer  junge  Pflanzen 
mit   kleinen  Topfballen,   da   ja   auch    die    meist   kleinen 


Pflanzenkulturen  an  einer  Korkwand. 

Originalauihahme  für  die  „Garten-weit". 


10 


110 


Die  Gartenwelt. 


VII,  10 


Spalten  und  Oeffnungen  der  Vorsprünge  die  Verwendung 
grösserer  Pflanzen  erschweren. 

Fast  unbeschränkt  ist  die  Auswahl  derjenigen 
Pflanzen  des  betreffenden  Hauses,  die  sich  an  einer 
solchen  Wand  wohlfühlen  und  dieselbe  zu  einem  Schau- 
stück machen.  An  der  in  Rede  stehenden  finden  wir 
z.  B.  Begonia  Rex  in  verschiedenen  Sorten,  B.  scandens, 
B.  gogoensis  usw.,  Pandanns  Veitchii,  die  Wurzeln 
zwischen  Kork  und  Wand  weit  hinabsendend,  Kanthosoma 
Lindenii,  Agläorn  ma 
costata,  verschiedene 
Bromeliaceen,  einige 
bunte  Caladien,  Pe- 
peromia  argyraea, 
Ophiopogon  Jaburan 
usw.,  dazwischen  klet- 
tern verschiedene 
Tradeskantien,  Fotos 
argyraea  und  Philo- 
dendron  erubfscens 
empor.  Ein  Oissus 
discolor,  ebenfalls  an 
die  Wund  gepflanzt. 
fing  erst  Ende  August 
an  zu  wachsen  und 
wird  erst  Ende  Winter 

zurück  g' 'schnitten 
werden,  da  er  bis 
dahin  seine  Schönheit 
behält  und  so  üppig 
wächst,  dass  die  meis- 
ten Ranken  von  der 
Wand  abgeleitet  wer- 
den müssen.  Von 
Farnen  sind,  auf  den 
Abbildungen  deutlich 
erkennbar,  vertreten : 
Polypodium  aureum, 
P.  Reinwardtii,  das 
letztere  erst  im  letz- 
ten Frühjahr  mit  drei 
kleinen  Wedeln  hier 
angebracht.  Nephro- 
lepis  exedtata,  dessen 
Mutterpflanze  nicht 
mehr  vorhanden  ist, 
hat  sich  zwischen  Kork 
und  Wand  derart  aus- 
gebreitet, in  den  Rissen  überall  junge  Pflanzen  bildend,  dass 
ich  nur  von  Zeit  zu  Zeit  eine  Portion  herauszureissen  brauche, 
um  der  ganzen  Wand  wieder  einmal  ein  anderes  Bild  zu 
geben  und  damit  gleichzeitig  etwas  Abwechslung  hineinzu- 
bringen. Ferner  haben  sich  verschiedene  Pteris,  Adiantum 
und  andere  Farne  von  selbst  angesiedelt.  Als  Kuriosuni 
sei  noch  erwähnt,  dass  sich  oben  am  Firste  dieser 
Giebelwand  eine  Begonia  metallica  befindet,  die  sich 
infolge  'In-  dorl  herrschenden  höheren  Wärme  zu  einer 


Pflanzenkulturen  an 
Originalaufnahme  für 


tadellos  belaubten,  breiten  und  ca.  1  Meter  langen 
Ampelpflanze  ausgebildet  hat,  die  aber  erklärlicherweise 
niemals  blüht 

Einen  Meter  über  dem  Fussboden  ist,  mehr  zur 
Maskierung  eines  Heizrohres,  eine  schmale  Tablette  an- 
gebracht, die  ebenfalls  mit  Korkholz  verkleidet  und  mit 
dem  zierlichen  Panicum  variegatum  behangen  ist. 
Verschiedene  Farne  in  Töpfen  haben  hier  Platz  gefunden, 
zwischen     welchen     zur     Abwechslung     einige     andere 

Pflanzen,  wie  die  auf 
den  Abbildungen  er- 
sichtliche Dracaena 
goldieana  und  D.  san- 
deriana  gestellt  wer- 
den. Die  Maranta 
kerchoveana  hingegen 
hat  ihren  Platz  seit 
ca.  5  Jahren  an  der 
Wand  und  keine  Topf- 
pflanze in  demselben 
Hause  kommt  ihr  an 
Schönheit  gleich.  Das- 
selbe lässt  sich  von 
dem  danebenstehen- 
den Polypodium  au- 
reum  sagen. 

Was  die  Behand- 
lungunserer  die  Wand 
schmückenden  Pflan- 
zen betrifft,  so  besteht 
dieselbe  fast  aus- 
schliesslich im  Feucht- 
halten, zu  welchem 
Zwecke  ich  an  den 
Hahn  der  Wasserlei- 
tung ein  Stück  Gummi- 
schlauch befestigt  ha- 
be, vermittelst  dessen 
ich  nun  so  oft  als  nötig 
und  wenn  möglich  nur 
bei  höherer  Tempera- 
tur des  Hauses  die  gan- 
ze Wand  bewässere, 
dass  sie  trieft  und  das, 

aller  Theorie  zum 
Hohn,  mit  kaltem  Lei- 
tungswasser. Auf  diese 
Weise  bleiben  meine 
Pflanzen  von  Staub  und  Ungeziefer  rein  und  löhnen  diese 
geringe  Mühe  durch  gesundes  Aussehen  und  teilweise 
recht  üppiges  Wachstum.  Für  den  Kultivateur  ist  es  eine 
hohe  Befriedigung,  etwas  ohne  grosse  Zeitaufwendung  zu 
schaffen  und  zu  behandeln,  wovor  Fachleute  und  Laien 
bewundernd  stehen  bleiben,  und  zu  einer  ebensolchen 
Befriedigung  würde  es  auch  mir  gereichen,  wenn  ich 
hiermit  dem  einen  oder  andern  Fachgenossen  eine  kleine 
Anregung  gegeben  halte. 


einer  Korkwand. 
die  ..Gartenwelt''. 


VII,  10 


Die  Gartenwelt. 


111 


Piptiirus  argenteus  Wedd. 

Von   B.  Othmer,  Kgl.  Garteninspektor,  München. 
{Hierzu  eine  Abbildung.) 

xipturus  argenteus  zu  den  Urticaceen  gehörend,  bildet 
einen  kräftigen  Stamm,  welcher  straff  aufgerichtet,  bei  älteren 
Pflanzen  mehrfach  verzweigt  ist.  Im  ersten  Jahre,  wenn 
noch  etwas  weich,  ist  der  Stamm  grün,  mit  weissen  Pusteln 
dicht  besetzt,  wenn  älter,  wird  er  bräunlieh.  Die  Blätter 
werden  von  festen  kräftigen  Stielen  getragen,  welche  bei 
jungen  und  üppigen  Pflanzen  schön  weinrot  gefärbt  sind. 
Ihrem  Gefüge  nach  sind  die  Blätter  fest  und  rauh,  an  Ge- 
stalt sind  sie  verkehrt  eiförmig,  grob  gezähnt,  etwa  20  cm 
breit  und  mehr  als  30  cm  lang. 
Die  Farbe  ist  oberseits  ein  sattes 
Dunkelgrün  mit  silberiger  Strei- 
fung und  Marmorierung,  unterseits 
ein  Graugrün  mit  stark  hervor- 
tretenden rötlichen  Fiedernerven. 
Bei  jungen,  gut  belichteten  und 
wohlgenährten  Pflanzen  ist  die 
Blattfärbung  natürlich  ausdrucks- 
voller als  bei  älteren  Pflanzen. 
Im  jugendlichen  Zustande  sind 
die  Blätter  von  bald  abfallenden, 
schlank  zugespitzten,  dreieckigen 
Dickblättern  eingehüllt. 

Die  nach  einer  photographi- 
schen Aufnahme  gefertigte  neben- 
stehende Abbildung  zeigt  eine 
jüngere  Pflanze  und  macht  weitere 
Beschreibung  unnötig. 

Die  Piptiirus  sind  leicht  zu 
pflegende,  dankbare  Pflanzen. 
Aus  Stecklingen  wachsen  sie 
leicht  und  entwickeln  sich  wäh- 
rend des  Sommers  rasch  zu  sehr 
verwendbaren  Dekorationsstücken. 
Wenn  sie  noch  klein  und  ein- 
triebig sind,  passen  sie  gut  auf 
den  Blumentisch  des  Salons; 
wenn  grösser,  sind  sie  Schau- 
pflanzen für  das  temperierte 
Haus,  entweder  in  Gruppen  oder 
einzeln  stehend  auf  dem  Sela- 
yinella-Rasen.  Vielleicht  sind  sie 
auch  zu  verwenden  wie  Ferdi- 
nanda  eminens  Lag.  u.  a.  an 
warmer,  geschützter  Lage  im 
Freien.  Eine  nahrhafte,  lockere 
Erde,  häufigeres  Verpflanzen,  viel 

Dünger  und  Feuchtigkeit  sind  zu  ihrem  Gedeihen  notwendig. 
Im  Winter  verlangen  sie  eine  Wärme  von  12 — 16  °C.  und 
gelegentliches  Spritzen,  da  Blatt-  und  Wollläuse  sich  gerne 
an  ihnen  atifhalten. 


Hauptfarben  folgende  sehr  empfehlenswert:  „Fabiola",  rosa,  „Louis 
Bennoit",  rot,  und  „Boide  de  neige",  weiss.  Der  Blütenreichtuni  er- 
streckt sich  über  den  ganzen  Sommer  bis  tief  in  den  Herbst  hinein, 
weshalb  sie  zur  Gruppenpflanzung  sehr  zu  empfehlen  sind.  Ganz 
reizend  wirken  Lantanen  als  Hochstämme  frei  im  Rasen  gruppiert;  die 
diesem  Zwecke  dienenden  Stecklinge  müssen  jedoch  sehr  zeitig,  schon 
im  Januar,  gemacht  werden,  damit  sie  in  demselben  Jahre  die  ge- 
wünschte Höhe  erreichen.  Im  zweiten  Jahre  werden  sie  schon  recht 
blütenreiche  Kronen  haben.  Die  zur  Gruppenpflanzung  dienenden 
Stecklinge  werden,  zur  eigentlichen  Vermehrungszeit,  im  Februar- 
März,  gemacht  und  ganz  wie  alle  anderen  krautartigen  Pflanzen  be- 
handelt. Beim  Ueberwintern  ist  es,  um  einen  grösseren  Ausfall  zu 
vermeiden,  unbedingt  nötig,  die  Pflanzen  in  Vegetation  zu  halten, 
denn  in  dieser  Periode  sind  sie  sowohl  gegen  Trockenheit  als  auch 
gegen    zu   grosse   Nässe    sehr    empfindlich.      Eine  Temperatur   von 


LVo 


Lantana  hybrida.  Ohne  Zweifel  haben  unsere  Lantanen  in 
den  letzten  Jahren  durch  zielbewusste  Züchtung  an  blumisfechein 
Wert  bedeutend  gewonnen.  Insbesondere  gilt  dies  von  den  reinen 
Farben,  soweit  man  eben  von  solchen  sprechen  kann,  denn  ihren 
Namen  „Wandelröschen"  haben  sie  nicht  umsonst.  Als  recht  konstant 
in  der  Farbe  und  niedrig   bleibend   im  Wachstum  sind  in  den   drei 


Pipturus   argenteus. 

Verfasser  für  die  „Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen. 

10 — 12°  C.  können  sie  ganz  gut  vertragen.  Nach  dem  Einpflanzen 
der  bewurzelten  Stecklinge  ist  ein  sofortiges  Verbringen  auf  warmen 
Fuss  unbedingt  erforderlich.  Für  reichliche  Bewässerung  und  zeit- 
weiligen Dungguss  am  Standort  im  Sommer  sind  sie  durch  anhaltende 
Blüte  sehr  dankbar.  C.  Crusius,  Leipziger  Palmengarten. 

Schöne  neuholländische  Akazien.  Aeaeia  eordata  und 
paradoxa  (neuholläudische  Akazien)  sind  als  Marktpflanzen  und  für 
Dekoration  von  grossem  Werte.  Ihre  schönen  niedlichen  hellgelben 
Blüten  sitzen  in  grossen  Mengen  an  den  schwachen  Zweigen,  sodass 
sie  mit  ihrer  Pracht  das  Auge  des  Beschauers  sofort  auf  sich  lenken. 
Ihr  Wuchs  ist  gedrungen  und  niedrig.  Abgebildet  ist  A.  eordata 
im  Jahrg.  III,  S.  412  und  als  dankbarer,  weniger  bekannter  Winter- 


112 


Die  Gartenwelt. 


VII,  10 


blüher  wiid  inJabrg.TV, S.193A.paradoxa  hervorgehoben.  A.longifolia, 

abgebildet  und  beschrieben  Jahrg.  IV,  S.  375,  steht  an  Schönheit  und 
Pracht  den  vorherigen  gleich  und  bietet  als  Pyramide  und  Halbstamm 
einen  fesselnden  Anblick.  Fast  unzählige  hellgelbe  Bliitenrispchen 
erscheinen  aus  den  Blattwinkeln  an  den  langen,  leicht  gebauten 
Zweigen  und  so  ein  Bäumchen  sieht  wie  übersäet  aus.  A.  line- 
ata  ist  für  Vasendekoration  vortrefflich  zu  verwenden.  Auch 
für  Blumenhäuser  in  herrschaftlichen  Gärtnereien,  zu  De- 
korationen, in  grösseren  Gruppen  in  Wintergärten  und  Kalthäusern 
ist  A.  Ihieata  sehr  willkommen,  wo  sie  sich  als  kleinere  und  grössere 
Pflanze  zur  wirkungsvollen  Ausfüllung  von  Lücken  vortrefflich  eignet. 
Ebenso  sind  A.  lancifolia,  verticillata  usw.  empfehlenswert,  nur 
schade,  dass  diese  Pflanzen  nur  selten  in  Gärtnereien  anzutreffen 
sind.  Wer  diese  Akazien  im  Blütenschinuck  sieht,  ist  sicher- 
lich erbaut  von  denselben  und  wird  sich  rasch  dazu  ent- 
schliessen,  sie  anzuschaffen.  Die  Freude  darau  und  reichlicher 
Gewinn  wird  nicht  ausbleiben. 
Robert  Herrmann,  gräfl.  Thiele-Winklerscher  Schlossgärtner,  Moschen. 


Gemüsebau. 


Weisskraut  „Ruhm  von  Enkhuizen"  und  Rotkraut  „Zenith" 

sind  zwei  neue  Krautsorten,  welche  die  Firma  Sluis  &  Groot,  Spezial- 
kulturen  von  Kohlsamen,  Enkhuizen,  Holland,  in  diesem  Jahre  in  den 
Handel  bringt.  Der  erstere  soll  prachtvolle  kugelrunde,  grosse, 
gelblichgriine  Köpfe  bilden,  dabei  sehr  früh  sein  und  sich  besonders 
für  den  Markt  eignen,  da  die  Köpfe  sehr  fest  sind  und  wenig  Aussen- 
biätter  bilden.  Rotkraut  „Zenith"  hat  gleichfalls  wenig  Aussenblätter. 
festen,  feinrippigen  Kopf  und  eine  sehr  dunkelrote  Farbe.  Die 
Züchter,  deren  Kenommee  ja  bekannt  ist,  sprechen  den  Neuheiten 
eine  grosse  Zukunft  zu.  W.  T. 


Ausstellungsberichte. 


Von  der  Londoner  Chrysanthemum-Ausstellung 

vom  4. — 6.  November  1902. 


Es 


Von  W.  Dänhardt,  London. 


is  war  das  letzte  Mal,  dass  die  National  Chrysanthemum 
Society  ihre  Jahresausstellung  —  die  57.  —  in  dem 
„Royal  Aquarium"  genannten  Tingeltangel  abhalten  konnte. 
Der  wohlbekannte  Vergnügungstempel,  in  dem  Hunde-,  Katzen-, 
Blumen-  und  andere  Ausstellungen  in  bunter  Folge  wechselten, 
geht  wieder  mal  in  andre,  diesmal  in  frommere  Hände  über. 
Wo  bisher  das  leichte  Völkehen  der  Sängerinnen  und  Seil- 
tänzer herummimte,  werden  in  Zukunft  geistliche  Weisen 
der  Anhänger  Wesleys  ertönen  —  ein  echtes  Weltstadtbild.  — 
Für  Blnmenausstellungen  bedeutet  dieser  Wechsel  einen 
Gewinn.  Allerdings  lag  das  „Aquarium"  sehr  günstig  im 
Innern  der  Stadt  und  fast  an  der  Untergrundbahn.  Aber 
das  bedeutet  wenig  gegen  die  schlechte  Beleuchtung  — 
Tages-  und  künstliches  Licht  stritten  sieh  oft  um  die  Herr- 
schaft —  und  den  langweiligen  Firlefanz,  den  man  mit 
anzuhören  gezwungen  war.  In  Zukunft  wird  man  wohl 
hinaus  nach  dem  Krvstallpalast  fahren  müssen,  bis  die 
geplante  Halle  der  Königlichen  Gartenbaugesellschaft  fertig 
sein  wird.     Jetzt  ist  erst  der  Entwurf  genehmigt. 

Die  Ausstellung  war  gut  beschickt,  besonders  auch  von 
Herrschaftsgärtnern.  Die  Aufstellung  und  Anordnung  I"  I 
nichts  Bervorragendes. Zweckmässig,  althergebracht, Feuerungen 
abhold,  wie  sich  das  im  ganzen  englischen  Leben  wieder- 
spiegelt.      Die    gezeigten    Blumen    waren    meist    vorzüglich, 


rein  in  der  Farbe,  vollendet  in  der  Form.  Besonders  gilt 
das  von  den  ein wärtsgebogenen  Sorten,  von  denen  die 
Namen  der  schönsten  folgen. 

Da  ist  vor  allem  die  prächtige  „Duchess  of  Fi  ff'',  eine 
sehr  grosse,  wenn  flicht  die  grösste  weisse  Blume  dieser 
Klasse.  Kleiner  und  dichter  ist  „Mrs.  J.  Judsons",  reinweiss, 
aber  unerreicht  in  der  Form.  „Emprcss  of  India"  kommt 
ihr  sehr  nahe,  ohne  sie  jedoch  ganz  zu  erreichen.  Unter 
den  hellrosa  Tönen  ist  die  lockere  „Lady  Isabel"  die  auf- 
fallendste, obgleich  hin  und  wieder  einige  Blumen  flattrig 
waren.  Eine  der  herrlichsten  Chrysanthemen  von  ausser- 
ordentlich zarter,  duftiger,  hellgelblicher  Färbung  ist  „Topaxe 
Orientale",  eine  wundervolle,  vollendete  Sorte.  Die  beste  der 
gelben  ist  „Charles  Gurtis",  sattes,  kräftiges  Gelb,  längliche 
Blumenblattspitzen.  „  General  Symons"  ist  dunkler,  schon 
etwas  bräunlich  und  lockerer.  Die  hellste  der  kupferfarbenen 
Schönheiten  ist  „Mad.  G.  Bruanl",  gross,  kugelig,  geschlossen, 
die  dunkelste  ,, Baron  Hirsch",  noch  geschlossener,  mit  gelb- 
lichen Spitzen,  bis  die  zweifarbigen  in  „Gldbe  d,or" 
ihren  schönsten  Vertreter  finden.  Hierhergehört  eine  grosse 
Anzahl  Sorten,  die  gekennzeichnet  sind  durch  innen  braun- 
rote bis  kupferfarbene,  aussen  strohgelbe  bis  bronzefarbene 
Blumenblätter,  von  denen  aber  keine  besser  ist  als„6r7o6fi  d'or". 
Die  violetten  Farben  sind  nicht  so  reich  an  guten  Sorten. 
Die  bemerkenswertesten  sind  „Boberl  Datfield",  Blumenblätter 
aussen  etwas  heUer,  „Nellie  Southam",  gross,  einfarbig, 
violett,  und  die  dunklere  „Miss  Vio/rt  Foster".  Natürlich 
fehlte  auch  die  unvermeidliche  grüne  „Mail.  Edm.  Boger'1 
nicht,  zum  Glück  war  sie  selten. 

Unter  den  japanischen  Sorten  nahmen  die  Godfreyschen 

Neuheiten  und  Einführungen  der  letzten  beiden  Jahre  fast  in 
allen  Einsendungen  die  ersten  Plätze  ein.  Godfrey  in  Exmouth 
ist  einer  der  erfolgreichsten  englischen  Chrysanthemum- 
Züchter,  dem  die  hiesigen  Sammlungen  viele  ihrer  besten, 
besonders  dunklen  2  farbigen  Neuheiten  verdanken.  Von 
seinen  vorjährigen  Züchtungen  waren  ausgestellt:  „Bessie 
Godfrey",  eine  rein  kanariengelbe,  edelgeformte  Blume,  keine 
der  grössten  Sorten,  aber  eine  der  schönsten.  „Godfreys 
Pride"  ist  .dafür  um  so  riesiger.  Es  wurden  Blumen  von 
23 — 24  cm  (9l/2 — 10  Zoll)  gezeigt.  Farbe  karmoisinrot  mit 
hellerer  Unterseite.  Eine  der  grössten  Sorten.  Prächtig  ist 
auch  ,,  Godfreys  King",  zimmtfarben  mit  heller,  goldiger 
Unterseite;  äusserst  wirkungsvoll.  Aehnlich  ist  seine  ältere 
Züchtung  „Mafeking  Hero",  eine  Biesenblume  mit  etwas 
weniger  lebhafter  Färbung.  Von  den  letztjährigen  Godfreyschen 
Neuheiten  sind  ausserdem  noch  die  auffallendsten :  ,,  Godfreys 
Masterpiece",  kupferrot  und  gelb,  gross,  schön  geformt, 
,,Ex))i<nit]t  i  'rimson" ,  herrliche  Form,  karmoisinrot  mit  hellerer 
Unterseite,  „Edward  VII."  sehr  grosse,  lockere  Blume  von 
eigenartiger  Farbe.  Die  Blumenblätter  sind  innen  hellfleisch- 
farben, aussen  strohgelb  und  an  den  Spitzen  geteilt,  ähnlich 
der  bekannten  Dahlie  „Progenüor".  Weniger  schön  war 
das  Gegenstück  hierzu:  „Quem.  Alexandra".  Die  hellorange- 
farbenen Blumen  waren  zu  locker  und  flattrig.  Der  Züchter 
ist  allerdings  andrer  Ansicht.  Er  vergleicht  ihre  Farbe  mit 
dem  Farbenspiel  eines  Sonnenuntergangs,  das  man  auch 
schwer  beschreiben  könne.  Ueber  die  Form  schweigt  er, 
Besser  ist  „Sensation",  eine  tiefgoldgelbe  Riesensorte.  Das 
sind  die  bemerkenswertesten  der  letzten  Godfreyschen  Neu- 
heiten. 

Aus  der   grossen  Masse  der   übrigen   japanischen  Sorten 
nur   noch   einige   der   besten.      „Vicar   of  Lealherhead",    ein 


„Die  Gartenwelt' 

JAHRGANG  VII. 


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Hervorragende  Oydonia  japonica- Sorten. 

1.  albo  rosea  Späth;     2.  cardinalis   Späth;     3.  Baltzi  Späth; 
4.  Simoni  Hort. 


VII,  10 


Die  Gartenwelt. 


113 


Sämling  der  bekannten  „Med.  Chrnqf.  Wohlgeformte,  lang- 
blättrige, goldgelbe,  sehr  grosse  Blume.  Eine  prachtvolle 
Sorte  von  gleicher,  äusserst  reiner,  lebhafter  Farbe  ist  die 
neue  „Star  of  Africa",  eine  feine  Nadelform  von  vorzüglicher 
Wirkung.  Unter  den  weissen  Sorten  fielen  besonders  auf: 
..liulli/  Glide",  reinweiss,  sehr  gross,  etwas  breitblättrig  und 
die  bekannten  Ausstellungssorten  „Mrs.  •/.  <".  Nevüle",  locker, 
mit  gespaltenen  Blumenblattspitzen  und  „Miss  Alice  Byron". 
Die  bronzefarbenen  Sorten  sind  mit  den  Godfreyschen 
Züchtungen  fast  ganz  erschöpft.  Erwähnenswert  sind  noch 
„George  Lawrence-',  eine  breitblättrige,  zweifarbige  Riesen- 
blume und  die  schmalblättrige,  oft  fadenförmige  „Sir  Wm. 
Acland"  mit  hängenden  Blumenblättern.  Die  übrigen  Farben 
boten  nichts  Hervorragendes. 

Neuheiten  und  Sämlinge  waren  wenige  ausgestellt. 
„Mr.  E.  A.  Peak",  eine  prachtvolle,  reinweisse,  einwärts- 
gebogene Sorte,  verdient  Verbreitung,  noch  mehr  die  wunder- 
volle, tiefgelbe  „Mrs.  J.  Seward",  eine  ideale  Sorte  in  Farbe 
und  Form.  Sie  sollte  mit  der  eingangs  angeführten,  spitz- 
blättrigeren  „Charles  Gwrtis"  und  der  nadeiförmigen  „Star 
of  Africa-  in  keiner  Sammlung  fehlen,  die  auf  der  Höhe 
der  Zeit  stehen  will.  Eine  goldene  Preismünze  erhielt  die 
nächstjährige  Neuheit  „Lord  Bbpetoun",  dunkelbraunrot, 
unterseits  bronzefarben.  Auch  von  den  behaarten  Ausartungen, 
wie  „Hairy  Wonder",  Mrs.  Dr.  Ward"  u.  a.,  waren  wieder 
Sämlinge  erschienen. 

In  einem  Nebensaale  wurde  eine  Sammlung  der 
grössten  Blumen  gezeigt,  meist  ältere,  bekannte  Ausstellungs- 
sorten. Das  waren  schon  keine  Blumen  mehr,  sondern  riesige, 
lebende  Farbenklexe.  Aber  bewundert  wurden  diese  Ergeb- 
nisse einer  zweifelhaften  Geschmacksrichtung.  Hier  die 
Namen  der  grössten  und  häufigsten:  „Madame  Garnot", 
„Mrs.  J.  Lewis",  „Madame  Gustave  Henry",  „Miss  A.  Byron", 
..Mrs.  H.  Werks-.  „Princesse  Alice  de  Monaco",  weiss:  „Mr. 
L.  Reamy-,  „Mrs.  A.  K.  Knii/Id.  eine  goldgelbe  Neuheit,  riesig, 
aber  mit  wild  durcheinander  geworfenen  Blumenblättern: 
,,6r.  J.  Warren",  „he  Grand  Dragon",  ,.-/.  II.  üpton",  „Mrs. 
Mease",  „Sensation",  gelb,  „AustraUa",  „3Irs.  Barkley",  rötlich- 
violett,  „Ediriu  Mu/i/neux",  „TU.  R.  Church",  „Godfreys 
Pride-,  dunkelbraun  mit  bronze,  ,Mons.  C.  de  Liehe,  eigen- 
artig aprikosenfarbig  und  strohgelb  und  endlieh  „Mr.  A.  Barn  /(■■. 
unrein  gelblich  und  schmutzighellrot. 

Die  übrigen  Klassen:  einfache  und-  Pompon-Chry- 
santhemen  verschwanden  ganz  in  der  Masse  der  japanischen 
und  einwärtsgebogenen  Sorten.  Unter  den  pomponblütigen 
nur  2  der  schönsten:  „Prince  d' Orange',  eine  mittelgrosse 
(im  Vergleich  zu  den  übrigen  dieser  Klasse),  feste,  orange- 
farbene Kugel  mit  goldgespitzten  Blumenblättern  und  „Eiste 
■Dordon",   kugelrund,    rosa    —    2    reizende   Blumenköpfchen. 

Ausser  Chrysanthemen  waren  noch  andere  Winterblüher 
vertreten:  Nelken,  Veilchen,  Maiblumen,  sehr  viele  Lilien, 
ein  Haupthandelsartikel  für  den  Weihnachtsmarkt,  Spiraea 
japonica,  Begonia  hybr.  „Gloire  de  Lorraine"  und  die 
bedeutend  geringere  „Turnford  Hallu.  Auch  englisches  Obst 
war  in  gut  gefärbten,  aber  kleinen  Stücken  vorhanden.  Ebenso 
Trauben  —  „Gros  Colmanu,  „Black  Alicante",  blau,  „Museal 
of  Alexandria"  gelb  —  und  Gemüse  von  bekannter  Güte. 
Darüber  ein  andermal. 


Gehölze. 


Hervorragende  Cydonia  japonica-Sorten. 

Von  L.  A.  Muth,  Baumschulenweg  b.  Berlin. 
{Hierzu  die  Farbentafel.) 

J_Jie  Cydonien  gehören  unstreitig  ;su  den  schönsten 
Blütensträuchern  unserer  Gärten.  Mit  Freuden  sehen 
wir,  wie  sie  im  zeitigen  Frühling  ihre  zahlreichen,  grossen, 
farbenprächtigen  Blumen  entfalten. 

Von  der  alten,  rotblühenden  Cydonia  japonica  sind 
in  den  letzten  Jahren  eine  Menge  herrlicher  Spielarten 
entstanden,  welche  die  Stammform  an  Blütenreichtum, 
Grösse,  Bau  und  Farbenspiel  der  einzelnen  Blumen  weit 
übertreffen.  Um  den  Lesern  die  Verbesserung  dieses 
Strauches  vorzuführen,  hat  der  Herausgeber  die  Farben- 
tafel  anteiligen  lassen. 

In  dem  Arboretum  des  Herrn  Oekonoraierat  L.  Späth 
wurden  die  schönsten  Varietäten  ausgesucht  und  für  die 
„Gartenwelt"  gemalt.  Es  war  nicht  leicht  unter  den 
vielen  schönen  Sorten,  die  dort  angepflanzt  sind,  die 
schönsten  auszuwählen.  Frl.  Beckmann  hat  diesen 
schönen  Strauss  geschickt  zusammengestellt  und  mit 
bekannter  Sicherheit  die  Farben  und  Formen  der  Blüten 
auf  dem  Originalbilde  festgehalten,  so  dass  wir  sie  heute 
in  wohlgelungener  Farbeutafel  zeigen  können. 

Links  oben  ragt  aus  dem  Strausse  (1)  Cydonia 
japonica  albo-rosea  Späth  hervor,  mit  grossen 
weissen,  heller  oder  dunkler  gescheckten  Blüten.  Diese 
Varietät  bildet  mittelhohe,  dichte  Büsche,  deren  aufrechte 
Zweige  überreich  mit  Blumen  besetzt  sind.  Rechts 
finden  wir  (2)  Cydonia  japonica  cardinalis  Späth  mit 
ihren  feurigroten  Blüten,  welche  gleichzeitig  mit  den 
Blättern  erscheinen  und  den  gedrungen  wachsenden 
Strauch  in  einen  wahren  Feuerbusch  verwandeln.  In 
der  Mitte  sehen  wir  (3)  Cydonia  japonica  Baltxi  Späth 
in  ihrer  ganzen  Schönheit.  Sie  ist  die  Königin  unter 
den  Cydonien.  Die  Blüten  zeichnen  sich  durch  ihre 
vollendete  Form  und  die  lebhaft  rosenrote  Farbe  unter 
allen  .  Varietäten  aus.  Ihr  Blumenreichtum  ist  über- 
raschend; bis  in  die  oberen  Spitzen  der  sparrigen 
Zweige  finden  wir  die  Blütenbüschel.  Der  Strauch 
wächst  kräftig  und  erreicht  mittlere  Höhe. 

Den  Schluss  bildet  (4)  Cydonia  japonica  Simoni 
Hr/.,  eine  überaus  niedliche  Spielart,  mit  dunkel- 
scharlachroten, oft  halbgefüllten  Blüten.  Ihr  Wuchs  ist 
schwach;  sie  bleibt  ein  kleines,  fast  kriechendes  Pflänzchen 
und  dürfte,  auf -Hochstämme  veredelt,  sich  zu  zierlichen 
Krouenbäumchen  entwickeln. 

Die  beste  Verwendung  im  Garten  ist  die  Einzel- 
stellung in  genügender  Entfernung  von  verschieden 
blühenden  Varietäten  oder  mit  anderen  Blütensträuchern. 
Auch  zu  niedrigen  Hecken,  geschlossenen  Gruppen  und 
Randpflanzuugen  grösserer  Gehölzpartien  können  die 
Cydonien  mit  gutem  Erfolge  verwendet  werden. 


114 


Die  Gartenwelt. 


VII,  10 


Sie  lieben  freie,  sonnige  Lage,  kräftigen  Boden  und 
vertragen  das  Beschneiden  recht  gut. 

Durch  ihre  glänzende,  dunkelgrüne,  gesunde  Be- 
laubung, lang  anhaltenden  Blätterschmuck  und  die  gelben 
Früchte  im  .Herbst  ist  die  Cydonie  für  alle  Jahreszeiten 
eine  Zierde  unserer  Anlagen. 


z, 


Monis  nigra  L. 


/u  der  sehr  zutreffenden  kurzen  Schilderung  des  schwarzen 
Maulbeerbaums  (Monis  nigra  L.)  im  Artikel  „Maulheergewächse"  in 
Nr.  51  der  „Gartenwelt"  1902  mögen  einige  weitere  Bemerkungen  über 
diesen  schönen  Baum  erlaubt  sein.  Derselbe  verdient,  wie  Verfasser 
betreffenden  Artikels  sehr  richtig  sagt,  auf  jeden  Fall  den  Vorzug 
vor  allen  seinen  Verwandten,  ist  aber  trotz  seiner  schönen  gn iss- 
blätterigen, gesättigt  dunkelgrünen  Belaubung,  in  welcher  er  einer 
grossblätterigen  Ulme  nicht  unähnlich  sieht  und  welche  lange  im 
Herbst  grün  bleibt,  eine  wohl  nur  seltene  Erscheinung  in  unserer 
Baumwelt.  Schreiber  dieses  begegnete  demselben  nur  ein  einziges 
Mal  und  zwar  in  einer  alten  Anlage  eines  "Weinbergsgrundstückes 
auf  dem  schönen  Höhenzuge  des  Eibgeländes  um  Dresden,  woselbst 
zwei  ältere  prächtige  Exemplare  standen.  Der  strenge  Winter  \"ii 
1870 — 71,  welcher  in  dieser  Gegend  32 — 35°  C.  Kälte  brachte  und 
in  der  Pflanzenwelt  arg  aufräumte,  welcher  den  Spalierwein  unter 
Reissig-  und  guter  Schneedecke  bis  in  die  Erde  hinein  erfrieren  liess, 
der  die  massenhaften  Pfirsichbäume  in  den  Weinbergen  der  Hügel- 
kette des  rechten  Eibufers  vollständig  vernichtete,  so  dass  deren  zarter 
Blütenschleier  im  Frühling  1870  diese  Gegend  zum  letzten  Male  ge- 
schmückt hat  —  dieser  strenge  Winter  vermochte  den  schwarzen 
Maulbeerbäumen  nichts  anzuhaben ;  sie  trotzten  seiner  alles  erstarren 
machenden  Umarmung.  Das  kann  wohl  als  deutlicher  Bewreis  dafür 
gelten,  dass  M.  nigra  auch  noch  in  Mittel-  bis  Norddentschlaad 
winterhart  ist.  Die  schwarzen  Früchte  der  Bäume  wurden  alljährlich 
nach  einem  Hotel  verkauft,  pro  Teller,  also  wenige  Hände  voll,  für 
0,75  Mk.,  dort  sehr  gern  genommen  und  von  den  Tischgästen  als 
äusserst  seltenes  und  eigenartiges  Dessert  ebenso  gern  genossen. 
Man  hätte  von  den  beiden  Bäumen  eine  Zeit  lang  täglich  etwa 
20  solche  Teller  voll  Früchte  sammeln  können,  aber  es  fehlte  an  der 
Persönlichkeit  hierzu.  Sonst  werden  die  Früchte  der  schwarzen 
Maulbeere  zum  Weinfärben  benutzt.  Irgend  welche  Haltbarkeit  be- 
sitzen die  Früchte  aber  durchaus  nicht  und  irgend  eine  andere  Ver- 
wendung ausser  sofortigem  Geniessen  ist  ausgeschlossen;  sie  sind 
ausserordentlich  weich  und  schlagen  sofort  um.  Das  Abnehmen  der- 
selben hat  sehr  vorsichtig  zu  geschehen,  weil  sie  bei  der  leisesten 
Berührung  abfallen.  Dieses  leichten  Abfallens  der  Früchte  und  ihres 
Rotfärbens  wegen,  weil  sie  durch  das  Auffallen  sofort  zerfliessen, 
empfiehlt  es  sich  auch  nicht,  Gartenmöbel,  welche  man  mit  Tisch- 
wäsche belegt,  unter  die  Bäume  zu  stellen,  weil  diese  Wäsche  sehr 
bald  arg  zugerichtet  erscheint,  doch  aber  nur  während  der  Zeit  des 
Früehteabfallens.  Abgesehen  aber  von  diesem  einen  und  zu  ver- 
meidenden Umstände  ist  der  schwarze  Maulbeerbaum,  wie  gesagt, 
der  weitaus  schö'nste  seiner  Verwandten  und  verdient  als  schöner 
Zier-  und  Solitairbaum  mindestens  dieselbe  Beachtung  wie  andere 
und  minder  schöne  Bäume.  G.  S. 


Die  Hainbuche  und  ihre  Abarten. 

Von   Paul    Jurass,    Baumschulenweg   bei   Berlin. 

lJie  Hainbuche,  auch  Hornbaum  genannt,  führt  im  Volksmunde 
den  Namen  Weissbuche,  in  der  Botanik  den  Namen  Carpinus  und 
ist  uns  als  ein  Baum,  der  im  Schatten  gedeiht  und  sich  gut  für 
Unterholzpflanzungen  und  Hecken- Anlagen  eignet,  hinlänglich  bekannt. 


Nur  seine  Abarten,  von  denen  manche  einen  hohen  Zierwert  besitzen, 
sind  zum  Teil  noch  wenig  verbreitet,  weshalb  ich  mir  gestatte  in 
nachstehenden  Zeilen  Arten  und  Abarten  der  Hainbuche,  deren  Eigen- 
schaften und  Verwendung  einer  näheren  Betrachtung  zu  unterziehen. 

Ich  beginne  zunächst  mit  der  Stammform,  der  gewöhnlichen 
Hainbuche,  Carpinus  Betulus  L.  Der  Baum  wird  bei  uns  10 — 20  m 
hoch,  hat  glatte,  weisse,  oft  stark  mit  Moos  besetzte  Rinde.  Durch 
die  schöne  dunkelgrüne  Belaubung  und  das  leichte  Ueberhängen  der 
Zweigspitzen  ist  diese  Art,  auf  Rasenflächen  gepflanzt,  sehr  zierend. 
"Will  man  schöne  Solitairpyramiden  erziehen,  so  muss  man  durch 
Anbinden  und  öfteres  Beschneiden  stets  nachhelfen.  Der  Baum  ist 
in  jeder  Form  vollkommen  winterhart,  die  Vermehrung  geschieht 
durch  Samen,  während  die  verschiedenen  Abarten  durch  Pfropfen  im 
Frühjahr  auf  die  Stammart,  Carpinus  Betulus,  weiter  vermehrt  werden. 
Eine  Hainbuchenhecke  bleibt  stets  sauber  und  schön,  artet  auch  nie 
aus,  so  dass  man  die  Sträucher  sehr  gern  zu  dichten  Laubengängen 
verwendet.  Das  Laub  hält  sich  lange  an  den  Zweigen  und  bietet  im 
Spätherbst  noch  geeigneten  Schutz  gegen  die  Unbilden  der  Witterung. 
C.  Betulns  Carpinixxa  K.  Koch.  Die  Karpinizza  Weissbuche  ist 
eine  schöne  aufrechtwachsende  Form  von  C.  Betulus  mit  grosser 
dunkelgrüner  Belaubung.  Der  Strauch  bildet  fast  ohne  jeden  Schnitt 
gut  geformte  Solitairpyramiden  und  ist  zur  Einzelstellung  auf  Basen- 
partieen  wie  auch  zur  Gruppenpflanzung  gut  zu  verwenden.  C.  Be- 
tulus columnaris  Sjiäth,  eine  Neuheit  der  Späthschen  Baumschule, 
ist  eine  vollständig  zwergig  wachsende,  stumpfpyramidale  Form.  Die 
einjährigen  Triebe  verzweigen  sich  zu  einem  dichten  Busch,  so  dass 
die  Pflanze  vollkommen  geschlossen  und  kompakt  aussieht.  Der 
Wuchs  ist  ziemlich  langsam  und  wird  die  Pflanze  in  unserem  Klima 
nur  l'/j — 2  m  hoch.  Die  Belaubung  ist  etwas  grösser  als  die  der 
gewöhnlichen  Carpinus.  Der  Strauch  kommt  nur,  auf  freiem  Standort 
gepflanzt,  als  Einzelpflanze  zur  vollen  Geltung.  C.  Betulus  fastigiata 
Hrt.  Eine  locker-pyramidal  und  ziemlich  starkwachsende  Form  von 
C.  Betulus,  Sie  bildet  schöne,  grosse  Pyramiden  bis  zu  10  m  Höhe. 
Die  Belaubung  ist  etwas  hellgrün,  ähnlich  derjenigen  der  gewöhn- 
lichen Hainbuche.  Zur  Einzelpflanzung  auf  Rasenflächen  und  für 
grössere  Gehölzgruppen  gut  zu  verwenden. 

C.  Betulus  fol.  marmoratis  nova.  Hrt.  gilt  als  die  schönste,  bis 
jetzt  bekannte,  buntblättrige  Carpinus,  welche  vor  einigen  Jahren 
aus  Holland  bei  uns  neu  eingeführt  wurde.  Die  weiss-marmorierten 
und  punktierten  Blätter  nehmen  sich  gut  aus  und  sind  in  der  Färbung 
recht  beständig.  Die  Zweige  sind  etwas  überhängend.  Beim  Aus- 
treiben haben  die  jungen  Blätter  einen  leichten  rosa  Schein,  was  der 
Pflanze  im  Frühling  ein  elegantes  Aussehen  verleiht.  Als  Solitair- 
baum zur  Einzelstellung  wegen  der  Blattfärbung  und  des  eleganten 
Wuchses  besonders  empfehlenswert.  Im  Wuchs  ist  die  Sorte  schwächer 
als  C.  Betulus,  doch  verzweigt  sich  dieselbe  dicht,  so  dass  die  Pflanze 
ein  volles  Aussehen  erhält. 

C.  Betulus  fol.  punetatis  Hrt.  ist  gleichfalls  eine  weissbuntblättrige 
Form  von  Carpinus  Betulus,  von  ziemlich  aufrechtem  Wüchse.  Die 
gelb  und  weissbunte  Färbung  tritt  hier  weniger  hervor,  deshalb  ist 
der  Zierwert  auch  ein  geringer;  in  der  vorher  genannten  Abart  be- 
sitzen wir  eine  weit  schönere  Carpinus,  die  in  ihren  sonstigen  Eigen- 
schaften kaum  erreichbar  ist. 

C.  Betulus  fol.  purpureis  Hrt.,  die  purpurrötliche  Weissbuche, 
ist  durch  die  bräunlichroton  Austriebe  der  jungen  Blätter  recht 
wirkungsvoll.  Die  Belaubung  ist  ziemlich  gross,  die  Zweige  sind 
leicht  überhängend.  Im  Spätsommer  färben  sich  die  Blätter  mehr 
dunkelgrün.  Zur  Verwendung  als  Solitairpyramiden  zur  Einzelpflanzung, 
wie  auch  in  Gehölzgruppen  sehr  gut  geeignet.  Ein  leichtes  Zurück- 
schneiden alljährlich  im  Frühjahr  trägt  viel  dazu  bei,  die  braunrote 
Färbung  der  jungen  Blätter  besser  hervortreten  zu  lassen. 

C.  Betulus  pendula  Hrt.,  die  Trauer- Weissbuche,  ist  ein  Baum 
mit  elegant  überhängenden,  fast  trauernden  Zweigen,  der  infolge  des 
weniger  steifen  Herunterhängens  der  Zweige  als  Hochstamm  einen 
sehr  respektablen  Trauerbaum  abgiebt.  Die  Belaubung  ist  grösser 
als  bei  G.  Betulus  von  auffallend  dunkelgrüner  Färbung.  Zur  Einzel- 
pflanzung sowohl  in  Pyramidenform,  wie  auch  hochstämmig  veredelt, 
von  bedeutendem  Zierwert. 


VII,  10 


Die  Gartenwelt. 


115 


Carpinus  caroli- 
niana  Walt.,  die  ameri- 
kanische Hainbuche,  bil- 
det mehr  einen  Strauch 
als  einen  Baum  und  ist 
durch  die  wunderschöne 
Herbstfärbung  von  ganz 
besonderem  Zierwert. 
Die  Blätter  färben  sich 
im  Herbst  braunrot  im 
schönsten  Bronzeton  mit 
teilweise  durchleuchten- 
dem Gelb  und  ist  daher 
diese  Art  in  grösseren 
Gehölzgruppen  stets  vor- 
teilhaft zu  verwenden. 

Carpinus  orien- 
talis  MM.  ist  eine  Hain- 
buche, die  zwar  aus  dem 
Süden  stammt,  jedoch 
bei  uns  in  Norddeutsch- 
land winterhart  ist.  Der 
Strauch  wird  etwa  2 — 3  m 
hoch,  verzweigt  sich 
dicht  und  hat  einen  leicht 
überhängenden  AVuchs, 
so  dass  derselbe  hoch- 
stämmig veredelt  als 
schöner,  zierlicher  Trau- 
erbaum passende  Ver- 
wendung finden  kann. 
Die  Blätter  erscheinen 
sehr  zahlreich,  sind 
ziemlich  klein  und  geben 
dem  Baume  eine  mehr 
interessante  wie  schöne 
Form. 

Carpinus  japonica  ist  neuerdings  erst  aus  Japan  bei  uns  ein- 
geführt und  im  allgemeinen  noch  wenig  verbreitet.  Durch  die  be- 
sonders grosse,  hellgrüne  Belaubung  sehr  zierend.  Sowohl  zur 
Einzelpflanzung  als  auch  für  Gehölzgruppen  geeignet. 

Carpinus  cordaia  BL,  ebenfalls  in  Japan  heimisch,  ist  durch  die 
länglich  herzförmigen,  hellgrün  gefärbten  Blätter  sehr  zierend,  jedoch 
noch  wenig  verbreitet  und  selten.  Der  Strauch  wird  ca.  2  m  hoch, 
eignet  sich  besonders  für  Gruppenpflanzung;  die  Vermehrung  ge- 
schieht durch  Kopulation  im  Frühjahr  im  Freien  oder  durch  Hand- 
veredlung im  Winter  im  Gewächshaus. 

Sämtliche  Hainbuchen  gedeihen  am  besten  in  einem  kräftigen 
Boden  in  nicht  zu  nasser  Lage ;  sie  vertragen  das  Beschneiden  sehr 
gut,  so  dass  sich  aus  Hainbuchenhecken  durch  Schneiden  die  ver- 
schiedenartigsten Formen  leicht  herstellen  lassen.  So  sah  ich  z.  B. 
in  den  prachtvollen  Gärten  in  Godesberg  a.  Rhein  und  in  Langen- 
schwalbach  bei  "Wiesbaden  wunderschön  geschnittene  Carpinus  in 
allen  erdenklichen  Figuren  und  Formen.  Sämtliche  Spielarten  werden 
durch  Pfropfen  und  Kopulieren  auf  Carpinus  Betidus  weiter  vermehrt. 


Seltene  Gehölze  im  Wiener  Rathausparke.    Im  folgenden 

gebe  ich  eine  kurze  Liste  der  interessantesten  Laubgehölzarten,  welche 
wir  in  der  genannten  Anlage  in  schönen  Exemplaren  beobachten 
können.  Acer  californicum  K.  Koch.,  viel  schöner  als  der  verwaudte 
Acer  Negundo;  A.  Morispessidamim  L.,  in  Norddeutschland  selten, 
hier  häufig  angepflanzt;  A.  penyisylvanieum  L.  (A.  striatum  Dur.), 
ausgezeichnet  durch  die  wundervoll  gestreiften  Zweige;  schöner  Baum 
mit  veränderlichen  Blättern;  Acer  dasyearpum  Ehrl*,  (saccharinum 
L.j  zwar  häufig,  aber  nie  zu  häufig,  weil  alte  Bäume  von  hoher 
Schönheit  sind;    A.  tataricum  im  Anfange  der   Fruchtzeit  mit  den 


Begonia  Bavaria  (Text  Seite  L16). 

In  der  Handelsgärtnerei  von  Sattler  &  Bethge,  A.-G.,  Quedlinburg,  für  die  „Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen. 

roten  Fruehtsträussen  prächtig;  Ailanthus  glandulosa  Desf.  wird 
hier  bald  so  gemein  sein  wie  die  Rosskastanie;  Alnus  glutinosa  vor. 
quercifolia;  Aralia  spinosa  L.  blühte  im  August-Septembei  sehr 
reich;  Broussonetia  papyrifera  Vent,  besprach  ich  bereits  im  VI. 
Jahrgang,  Seite  b'01;  Catalpa  biynonioides  Walt.,  Abbildung,  Seite  88; 
Cercis  süiquastrum  L.;  Cydonia  japonica ;  Gleditschia  caspica  Desf.; 
Qymnoeladus  canadensis  Lam.  mit  mächtigen,  dreifach  gefiederten 
Blättern,  charakteristisch  durch  die  bis  zu  den  Zweigspitzen  rauhe  Borke ; 
Hibiscus  syriacus  L.,  hier  im  August-September  den  Hauptflor  der 
Anlagen  bildend;  Jasminum  nudiflorum  Ldl.  blüht  schon  zeitig  im 
März,  wobei  es  leider  meist  unter  dem  Frost  leidet;  Juglans  reyia 
rar.  laciniala,  ein  hübsches  baumartiges  Exemplar;  Koclrcuteria  pani- 
eidata  Laxm  ,  in  allen  Wiener  Anlagen  häufig  und  zum  Teil  sehr 
reich  blühend;  Liriodendron  tulipifera  L.,  einer  der  schönsten  Bäume; 
Maclura  (Joxylon)  aurantiaca  Nutt.  (besprochen  Jahrgang  VI.  Seite 
603);  Magnolia  stellata  Max.,  schöner  Frühblüher,  leider  nicht  hart 
genug;  Paulownia  tomentosa  K.  Kch.;  Pterocarya  fraxinifolia 
Spach.;  Quercus  Ccrris  L.;  Robinia  Pseudacaeia  rar.  pyramidalis. 
eigenartig;  R.  glutinosa  Si»/s  (viscosa  Vent.),  später  blühend,  als 
die  gemeine  Robinie;  Sophora  japonica  L.,  in  diesem  Jahre  weniger 
reich,  als  im  Vorjahre  blühend;  Syringa  Josikaea  Jacq.,  eine 
schöne  Art,  welche  weiteste  Verbreitung  verdient;  Tamarix  gallica 
L.  u.  letrandra  Pall.  —  In  anderen  hiesigen  Anlagen  beobachtete 
ich  bisher  von  selteneren  Sachen  vor  allem  noch:  Baccharis 
halimifolia  L.,  Blüten  zwar  stets  unscheinbar  gelbgrün,  aber  wegen  der 
späten  Blütezeit  (Ende  September  bis  November)  wertvoll;  Panax  *i 
flamm  Rupr.;  PaliUrus  austrat is  Gaertn.:  Indigofera  dosua  A". 
Koch.;  Amorpha  fruticosa  L.;  Pliellodendron  amurensc  l 
Xanthoceras  sorbifolia  Bge.,  zur  Blütezeit  ebenso  schön  als  eige- 
Cladrastis  tinetoria  Raf.;  Vitcx  agnus  castus  L.  und  im 
sowie  eine  Anzahl,  auf  die  ich  bei  späterer  Gelegenheit  noch  zu 
sprechen  kommen  werde.  C.  K,  S. 


116 


Die  Gartenwelt. 


VII,  10 


Zwiebel-  und  Knollengewächse. 


Begonia  „Bavaria".  Im  letzten  kalten  und  nassen  Sommer 
boten  im  allgemeinen  die  verschiedenen  ausgepflanzten  Begonien- 
arten gerade  kein  erfreuliches  Bild.  Selbst  die  Semperflorens-hegotden 
„wollten  nicht  so  recht",  wie  man  zu  sagen  pflegt.  Eine  rühmliche 
Ausnahme  von  den  knollentragenden  Begonien  machte  die  Sorte 
„Bavaria".  Wo  ihre  Schwestern  in  diesem  Jahre  nur  einzelne, 
halbverkümmerte  Blumen  brachten,  stand  sie  üppig  da  und  war  geradezu 
überschüttet  mit  wohlausgebildeten  Blüten.  Leider  ist  diese  herrliehe 
Sorte  noch  sehr  wenig  verbreitet,  obgleich  sie  schon  viele  Jahre  im 
Handel  ist.  Der  Hauptgrund,  der  die  allgemeine  Verbreitung  hemmte, 
ist  in  der  Ueberwinterung  der  Knollen  zu  suchen,  die.  wenn  unrichtig 
ausgeführt,  unter  Umständen  grossen  Verlust  mit  sich  bringt.  Ein 
grober  Fehler,  der  meistens  bei  der  Ueberwinterung  gemacht  wird. 
ist,  dass  man  die  „Bavaria" -'Knoten  wie  die  anderer  Begonien 
trocken  überwintert,  wodurch  grosse  Ausfälle  entstehen.  Werden  die 
Knollen  in  massig  feuchtem  Turfmull,  an  einem  nicht  zu  warmen 
Platz,  z.  B.  unter  einer  tropffreien  Stellage  des  temperierten  Hauses 
aufbewahrt,  so  ist  der  Ausfall  gleich  Null.  Also  im  Gegensatz  zu 
allen  anderen  Begonienknollen,  die  bekanntlich  warm  und  trocken 
aufbewahrt  werden  wollen,  überwintert  man  ,,Bavaria"  massig  warm 
und  feucht.  Ein  zweiter  Grund,  dass  diese  Sorte  noch  so  wenig 
verbreitet  ist,  ist  die  langsame  Vermehrung.  „Ba/arin"  kann  nur,  da 
sie  absolut  keinen  Samen  bringt,  durch  Teilung  der  Knollen  und  durch 
Stecklinge  vermehrt  werden.  Beides  gelingt  verhältnismässig  sein' 
leicht  und  ich  setze  es  als  bekannt  voraus.  Die  Seite  115  abgebildete 
Pflanze  wurde  einer  Gruppe  unseres  Blumengartens  entnommen  und 
zum  Zwecke  der  photographiscben  Aufnahme  eingetopft.  Die  leuchtend 
karminrosa  Blumen,  die  sich  frei  über  das  friscbgrüne  Laub  er- 
heben, erscheinen  in  solcher  Fülle,  dass  von  dem  Laube  fast  nichts 
zu  sehen  ist.  Die  Pflanze  mit  den  Blüten  wird  etwa  10 — 12  cm 
hoch  und  ist  dieserhalb  zu  Einfassungen  und  Teppichbeeten  vorzüglich 
geeignet,  insbesondere  da  eine  ähnliche  Farbe  in  den  uns  für  solchen 
Zweck  zur  Verfügung  stehenden  Pflanzen  fehlt.  Die  Blüte  beginnt 
im  Mai  und  dauert  ununterbrochen  bis  in  den  Derbst  hinein.  Audi 
zur  Topfpflanze  dürfte  die  „Bavaria"  sich  sehr  gut  eignen,  da  sie 
sich  in  Töpfen  gleich  gut  wie  im  Lande  entwickelt. 

B.  Trenkner, 
Obergärtner  der  Firma  Sattler  &  Betbge,  A.  <!.,  Quedlinburg. 


Rosen. 


Gi 


Winterhärte  Strauehrosen. 

Von  St.  Olbrich,  Zürich  V. 


rross  ist  die  Zahl  derjenigen  Roseuarten  und 
Varietäten,  welche  nach  und  nach  in  unsere  Kulturen 
Eingang  gefunden  haben :  es  ist  wohl  gewiss  für  jede 
Geschmacksrichtung  und  für  jede  Verwendungsart  ge- 
sorgt. Mit  Zunahme  der  Sortenzahl  ist  auch  deren  Ver- 
feinerung fortgeschritten  und  die  Schwierigkeit  des 
Überdauerns  unserer  launischen  Winter  erheblich  ge- 
wachsen, so  dass  wir  mit  dir  Zeit  dahin  gekommen  sind, 
dass  eine  ganze  Anzahl  sehr  schöner  linsen  nur  noch 
als  Gewächshaus-  oder  Topfpflanzen  gehalten  werden 
können,  weil  sie  in  vielen  Gegenden  nicht  mehr  den 
Winter  überdauern,  trotz  aller  angewandten  Vorsicht 
beim  Zudecken,  [m  Frühjahr  sind  diese  Rosen  entweder 
erfroren  oder  verfault.  —  Wenn  auch  dio  Kultur  der 
Rosen    unter    Glas    für     Schnittzwecke    ihre    volle    Be- 


rechtigung hat  und  dorthin  auch  die  zärtlichen  Sorten 
gehören,  so  dient  diese  Methode  doch  nur  einzelnen 
Interessen.  Die  grosse  Masse  der  Blumenfreunde  hat 
ein  Anrecht  darauf  zu  wünschen,  dass  die  Lieblingsblume 
der  Allgemeinheit,  die  Rose,  nicht  ganz  ihrem  ursprüng- 
lichen Zwecke,  der  Ausschmückung  unserer  Gärten  im 
Freien  zu  dienen,  entzogen  wird.  Wir  müssen  uns  dabei 
wieder  mehr  der  Natürlichkeit  nähern  und  das  können  wir, 
wenn  wir  den  Winterhärten  Strauchrosen  mehr  Beachtung 
entgegenbringen. 

In  der  Zeit  als  die  Rosen  sich  in  unseren  Gärten 
einzubürgern  begannen,  welcher  Zeitpunkt  zwar  schon 
lange  hinter  uns  liegt,  und  auch  noch  im  Anfange  des 
vorigen  Jahrhunderts  kannte  man  nichts  von  einer 
Deckung  derselben  im  Winter.  Man  kannte  nur  die 
vollständig  winterharten  Sorten  der  Rosa  gallica  und  der 
Centifolien-Klasse,  welche,  obwohl  nur  einmal  blühend, 
die  Gärten  in  zahlreichen  Varietäten  bevölkerten,  worüber 
uns  die  Kataloge  grosser  Firmen,  welche  vor  60  bis 
100  Jahren  erschienen  sind,  genügend  Aufschluss  geben. 

Die  Einführung  der  mehrmals  blühenden  Bosa 
indica  und  R.  bourbonica  veranlasste  die  Züchtung  der 
öfters  blühenden  Rosen,  mit  welchen  wir  heute  auf  dem 
höchsten  Punkte  angekommen  sind,  sodass  der  Mensch 
berechtigt  ist,  lieber  mehr  zu  dem  Alten  zurückzukehren, 
oder  doch  mit  diesen  Sorten  widerstandsfähigere 
Varietäten  zu  züchten,  die  auch  mehrmals  blühen.  Lassen 
wir  die  zarten,  empfindlichen  Varietäten  den  klimatisch 
günstig  gelegenen  Ländern  und  den  Kultivateuren 
unter  Glas. 

Wie  auf  vielen  Gebieten  des  menschlichen  Lebens, 
z.  B.  der  Kunst,  der  Architektur,  der  Mode  u.  s.  w.,  so 
kommen  wir  auch  auf  dem  Gebiete  der  l'flanzenzucht 
nacli  einer  bestimmten  Zeit  auf  das  schon  Dagewesene 
zurück  und  Ben  Akiba  behält  Recht.  Sehen  wir  das  nicht 
bei  den  Dahlien,  Astern  und  anderen  Florblumen,  dass 
die  alten  einfach  blühenden  Formen  mehr  bevorzugt 
werden?  Auch  bei  den  Rosen  tritt  langsam  eine  kleine 
Wandlung  ein.  Die  Anfangs  unter  dem  unglücklich 
gewählten  Sammelnamen  „botanische  Wildrosen"  ver- 
breiteten winterharten  Strauchrosen  Hessen  nur  ein 
wildes  Gesträuch  vermuten,  welches  höchstens  als  Unter- 
lage für  edle  Rosen  zu  dienen  habe.  Als  dann  aber 
einsichtige  Männer  sie  in  Kultur  nahmen,  den  ver- 
schiedenen Verwendungszwecken  anpassten  und  das 
Minderwertige  vom  Guten  trennten,  wuchsen  auch  die 
Anhänger  dieser  Richtung. 

Besitzen  wir  doch  jetzt  schon  eine  grosse  Anzahl 
wirklich  prächtiger  ausdauernder  Rosensorten,  welche 
sogar  mehrmals  blühend,  den  besten  unserer  bekannten 
Remontantrosen  zur  Seite  gestellt  werden  müssen,  sogar 
sie  übertreffen,  wie  z.  B.  die  grossartige  rugosa-Sorte 
„Conrad  Ferdinand  Meyer",  ferner  „Gottfried  Keller"  und 
„Thusnelda",  welche  wie  eine  Thoehybride  sehr  früh 
mit  dein  Blühen  beginnen  und  fast  ununterbrochen  bis 
zum  Herbst  darin  fortfahren. 


VII,  10 


Die  Gartenvvelt 


11? 


Auch  unter  den  nur  einmal  blühenden,  ausdauernden 
Kosen  ist  eine  grossartige  Reichhaltigkeit  in  der  Be- 
laabung,  im  Wuchs,  in  der  Farbe  und  Form  der  Blüte, 
in  der  Bestachelung  und  in  der  Blütezeit  selbst,  sodass 
man  von  Mitte  Mai  bis  in  den  Herbst  hinein  Blumen 
sehen  kann.  Sie  blühen  eben  nicht  alle  auf  einmal, 
sondern  je  nach  den  zahlreichen  Klassen,  welchen  sie 
angehören,  zu  verschiedenen  Zeiten  und  deshalb  ver- 
längert sich  die,  wenn  auch  nur  einmalige  Blütezeit, 
sehr.  Anfang  Mai,  wenn  unsere  Thee-  und  Remontant- 
rosen  an  ein  Blühen  noch  gar  nicht  denken,  be- 
ginnen schon  die  Abkömmlinge  der  Rosa  spinosissima 
L.  (pimpindlifolia)  zu  blühen,  während  Rosa  setigera 
Mickx.,  R.foliosa  Nutt.,  Carolina  L.,  B.  cinnamomea  L. 
zu  blühen  anfangen,  wenn  bei  den  ersteren  schon  die 
zahlreichen  grossen  Früchte  bereits  die  schwarzbraune 
Farbe  angenommen  haben. 

Nicht  nur  die  grossen  Unterschiede  in  der  Form 
und  Farbe  der  Blüten  wie  der  Blatter  bieten  uns 
Monate  lang  eine  Überraschung,  sondern  auch  die  bei 
den  meisten  Sorten  in  sehr  grosser  Zahl  erscheinenden, 
verschiedenartig  geformten,  leuchtend  roten  Früchte 
erfreuen  uns  von  September  an  von  neuem  und  bleiben 
noch  lauge  bis  nach  dem  Laubabfall  an  den  Zweigen. 
Manche  etwas  sehr  langweilig  wirkende  Gehölzgruppe 
konnte  durch  Verwendung  der  richtigen  Sorten  der 
winterharten  Strauchrosen  vielmehr  belebt  und  effekt- 
voller gemacht  werden. 

Als  grosser  Liebhaber  der  winterharten  Rosensorten 
und  Förderer  derselben  durch  Wort  und  Schrift  habe 
ich  es  unternommen,  in  dieser  geschätzten  Zeitschrift  die 
meiner  Erfahrung  nach  empfehlenswertesten  Arten  und 
Sorten  der  winterharten  Strauchroseu  aufzuführen  und 
einige  davon  durch  Original  Abbildungen  den  zahlreichen 
Lesern  vorzuführen,  um  den  Blütenreichtum,  den  Wuchs 
und  die  Mannigfaltigkeit  dieser  Strauchrosen  gebührend 
vor  Augen  zu  führen. 

Ich  will  dazu  beitragen,  dass  die  Zahl  der  Anhänger 
für  diese  Rosen  grösser  werde  und  dass  wir  mehr  und 
mehr  in  unseren  Gartenanlagen  jene  kraftstrotzenden, 
vollbelaubten  Rosenbüsche  einführen,  die  nicht  nach 
jedem  Winter  als  Ruinen  einstiger  Herrlichkeit  ein 
schwächliches  Dasein  fristen,  oder  wie  es  bei  sehr  vielen 
Theerosen  der  Fall  ist,  ganz  eingegangen  sind. 

Auch  sind  diese  winterharten  Rosen  selbstverständlich 
bedeutend  widerstandsfähiger  gegen  pflanzliche  und 
tierische  Parasiten,  als  die  feineren  Varietäten,  die  bei 
jedem  Witterungswechsel  entweder  Schimmel  oder  Rost 
oder  andere  Blattkrankheiten  bekommen.  Ich  bemerke 
ferner  ausdrücklich,  dass  meine  Arbeit  nicht  etwa  eine 
Zusammenstellung  aus  Büchern  und  Katalogen,  wie  es 
ja  heute  bei  Pflanzenbeschreibungen  vielfach  beobachtet 
werden  kann,  ist.  Es  beruht  vielmehr  alles  auf  eigener 
Anschauung    und    jahrelanger   Beobachtung. 

Bei  der  Zusammenstellung  der  Arten  und  Sorten 
bin    ich    von     dem     Gesichtspunkte     ausgegangen,     nur 


diejenigen  aufzuführen,  die  sich  durch  irgend  eine 
gute  Eigenschaft  bemerkbar  und  kulrurwürdig  für  unsere 
Gärten  gezeigt  haben.  Alle  diejenigen,  welche  nur  rein 
botanisches  Interesse  haben  oder  sich  zu  sehr  ähnlich 
sind,  habe  ich  fortgelassen,  damit  nicht  ein  unnötiger 
Ballast  in  unsere  Kulturen  eingeschleppt  wird  und 
Gleichartiges  die  Sortimente  bereichert,  welches  nur  der 
Sortensammelwut  Vorschub  leistet,  jedoch  zu  weit  vom 
Ziele  ablenkt. 

Ich  bin  der  Meinung,  dass  man  es  mit  der  Zeit 
dahin  bringen  wird,  dass  wir  alle  die  Farben,  Formen 
und  Eigenschaften,  mit  Ausnahme  der  Zärtlichkeit,  unserer 
in  Kultur  befindlichen  remontierenden  Theerosen  und 
Theehybridrosen  auch  den  Winterhärten  Strauchrosen 
beibringen  werden.  Schöne  Anfänge  sind  schon  da  und 
die  Bestrebungen  hierfür  regen  sich  vielerorts.  Forst- 
meister Geschwind  sagte  einst  mit  Recht:  „Wir  müssen 
danach  trachten,  sogenannte  Nordlandsrosen  zu  züchten". 

Jahrzehnte  lag  dieses  Gebiet  brach  und  nur  die 
unter  der  südlichen  Sonne  des  Mittelmeeres  gezogenen 
Theerosen  beherrschten  das  Feld,  was  glücklicherweise 
anders  geworden  ist. 

Da  es  unzählige  Arten  Strauchrosen  giebt  und  da 
die  Gattung  Rosa  in  mehreren  Erdteilen  und  unter  sehr 
verschiedenen  klimatischen  Verhältnissen  zerstreut  vor- 
kommt, so  ist  es  auch  erklärlich,  und  ich  habe  es  auch 
schon  angedeutet,  dass  die  Wuchsverhältnisse  und  die 
Zeit  der  Blüte  sehr  verschiedene  sein  müssen,  ab- 
gesehen von  ihren  sonstigen  auffallenden  Unterschieden. 

Diese  für  den  Gärtner  wichtigen  Merkmale  spielen 
eben  bei  der  Anpflanzung  und  richtigen  Verwendung 
eine  sehr  grosse  Rolle,  weit  mehr  als  die  botanische 
Einteilung.  Es  ist  viel  wichtiger  zu  wissen,  ob  diese 
oder  jene  Sorte  klein  bleibt  oder  ob  sie  gross  wird, 
ob  sie  ausgebreiteten  oder  mehr  aufrechten  Wuchs 
hat,'  ob  sie  früh  oder  spät  blüht,  besonders  auffallende  oder 
unscheinbarere  Früchte  hat,  als  zu  wissen,  dass  sie 
zu  der  Sektion  Synstylae,  Styllosae  oder  Sericcae  gehört. 
Letzeres  ist  mehr  Privatliebhaberei  und  botanische  Wissen- 
schaft, die  zur  praktischen  Verwendung  der  Planzen  nichts 
beiträgt. 

Ich  nehme  daher  auf  die  Praxis  Rücksicht  und 
werde  die  Arten  und  Sorten  mit  übereinstimmenden 
Haupteigenschaften  bezw.  Wuchsverhältuissen  und  Blüte- 
zeit möglichst  zusammen  bringen. 

Es  dürften  da  in  Betracht  kommen: 

1.  Kleinbleibende  Strauchroseu  von  zierlichem  Wuchs, 
welche  bis  80  cm  Höhe  erreichen. 

2.  Strauchrosen,  welche  mittelhoch  werden,  buschig 
bleiben  und  selten  2  m  Höhe  erreichen  oder 
übersteigen. 

3.  Strauchrosen,  welche  hoch  und  breit  werden,  viel 
Platz  beanspruchen  und  3  m  Höhe  erreichen  können. 

4.  Strauchrosen,  welche  nur  als  Ranken-,  Trauer-  oder 
Säulenrosen  Arerweudung  finden  können,   weil  ihre 


118 


Die  Gartenwelt. 


VII.  10 


Zweige   zu  dünn   und  lang  sind   und    zum  Höhen- 
wachstum einer  Stütze  bedürfen. 
Früh  blühende. 
Besonders  spät  blühende. 
Mehrmals  blühende. 
Strauchrosen    mit    auffallem 
gefärbten  Früchten. 


rossen    oder  lebhaft 
(Fortsetzung  folgt) 


Orchideen. 


Coelogyne  dayana  Rchb.  f.     Coelogyne  dayana  Rchb.  /'.  ist 

eine  ausserordentlich   kulturwerte,    ausgesprochen   epiphytische    Art. 
Di^  nächste  Verwandte,  mit 
welcher  sie  oft  verwechselt 
wird,     ist    C.    massangeana 
Rrhb.  f. 

Die  Scheinknullen  der 
('.  dayana  sind  schlank 
spindelförmig;  sie  tragen 
langgestielte,  längliche,  zu- 
gespitzte, derbe  Blatter  von 
dunkelgrüner  Farbe.  Rei- 
chenbach sagt  von  ihnen, 
sie  seien  ähnlich  denen  lies 
Plantago  major.  Die  In- 
floreszenz ist  schlank  herab- 
hängend. Der  Spindel  seit- 
lich angeordnet  sind,  ab- 
wechselnd gestellt,  die  ge- 
stielten Blüten,  oft  mehr  als 
20  an  der  Zahl.  Die  Blüten- 
stiele,  etwa  l'/2  cm  lang, 
sind  vollständig  eingeschlos- 
sen in  derbe,  braune  Deck- 
blätter; diese  sind  also  eben 
so  lang  als  jene.  Bei  der 
nahe  verwandten  C.  massan- 
geana  stützen  die  Deckblätter 
nur  die  Blüten  und  sind 
nur  einhalb  oder  ein  Drittel 
so  lang  als  die  Blütenstiele. 
Die  Kelchblätter,  sowie  die 
paarigen  Blumenblätter  sind 
sehr  schmal,  zungenförmig. 
Bei  C.  massangeana  sind 
sie  wesentlich  breiter.  Die 
Lippe  ist  breit,  dreilappig. 
Die  Seitenlappen  derselben 
sind  schmal,  rechteckig;  auf- 
wärts der  Säule  zugerichtet. 
Der  Mittellappen  ist  nieren- 
förniig  ausgekerbt  und  ein 
wenig  gekräuselt.  Bei  der 
verwandten  C.  massangeana 
sind  die  Seitenlappen  halb- 
gerundet; der  Mittellappen 
ist  mehr  zugespitzt.  Bei 
beiden  Arten  sind  die  Blüten 
nur  halb  geöffnet,  ausgebrei- 
tet ist  der  Durchmesset  der- 
selben 4—5  cm.  Bei  C.  day- 
ana ist  die  Ueffnung  der 
Blüte  in  der  vorderen  Hälfte 
oben   eine  weitere,   da  die 


Seitenlappen    der  Lippe  nicht  so   sehr   der  Säule  genähert  sind,    wie 
bei   C.  massangeana. 

Bei  G.  dayana  ist  die  Grundfarbe  der  Blüte  ein  helles  Ockergelb 
mit  braunen  Streifen,  bei  C.  massangeana  ein  Gelbbraun  mit  dunkel- 
braunen Streifen.  Die  erstere  ist  also  heller.  Sechs  zierliche,  leistenartige 
Kämme  mit  weissen  Zahnchen  und  eine  Kräuselung  der  äusseren  Lippen- 
ränder zieren  beide  Spezies.   Die  Säule  ist  bei  beiden  kurz  und  schlank. 

Eingeführt  wurde  0.  dayana  durch  Veitch  in  Chelsea  etwa 
1SS5  von  Borneo.  Sie  blüht  zu  Beginn  des  Sommers.  Sie  liebt 
reichliche  Besonnung,  besonders  während  der  Ruheperiode.  Als 
Gefäss  wähle  man  flache  Schalen  oder  Körbe,  als  Pflanzstoff  Farn- 
wurzelerde und  Sumpfmoos  (Spliagnum) .  Die  Pflanze  ist  ein  starker 
Wachser.  Grosse,  vieltriebige  Exemplare  sind  prächtige  Er- 
scheinungen, natürlich  besonders  während  der  Blüte.  Soweit  meine 
Erfahrungen  reichen,  ist  C.  dayana  etwas  wärmebedürftiger,  aber 
auch  blühwilliger  als  C.  massangeana. 

B.  Othmer,  Kgl.  Garteninspektor,  München. 


Zeit- 
und  Streitfragen. 


Wie  man  angepumpt 
und 


betrogen  wird. 

Vom  Herausgeber. 


s,. 


Coelogyne  dayana. 
Im  Palmengarten  zu  Frankfurt  a.  lt.  für  die  „Gartenwelt"  photugr.  aufgenommen. 


?eite  213  des  vorigen 
Jahrganges  hat  Herr  C.  R. 
in  sehr  anschaulicher  Weise 
das  Gebahren  stellungsloser 
oder  besser  gesagt  arbeits- 
scheuer Gärtnergehilfen  ge- 
schildert und  solcher  Per- 
sonen, die  ohne  Gärtner  zu 
sein,  mit  fremden  Papieren 
versehen,  in  den  Gärtnereien 
angeblich  arbeitsuchend  vor- 
sprechen, um  ein  anständiges 
Zehrgeld  herauszulocken. 
Eine  grössere  Kalamität  als 
diese  angeblichen  oder  wirk- 
lichen Gärtnergehilfen  bilden 
aber  in  unserem  Berufe 
gereifte  Männer,  die  sich  in 
momentanerNotlage  befinden 
wollen  und  nun  bei  ihren 
ausgewählten  Opfern  vor- 
sprechen, um  ein  mögliehst 
grosses  Darlehn  auf  Nimmer- 
wiedersehn  zu  erlangen.  Von 
solchen  Leuten  bin  ich  im 
Laufe  der  Jahre  in  sehr 
gründlicher  Weise  gerupft 
worden,  und  es  war  mir 
niemals  vergönnt,  unter  ihnen 
auch  nur  einen  einzigen  Ehr- 
lichen zu  finden,  der  das  aus 
falschem  Mitleid  gegebene 
Darlehn  zurückerstattet 

hätte.  Ich  nehme  an,  dass  es 
wie  mir  auch  zahlreichen  an- 
deren Kollegen  ergangen  ist 
und  möchte  houte  zur  War- 
nung drei  Fälle  unter  vielen 
bekannt  geben, 


VII,  10 


Die  Gartenwelt. 


119 


Also  eines   schönen  Tages    —   die   hier  zu  charakterisierenden 
Leute  kommen  immer  an  schönen  Tagen  —  es   mag  vor  fünf  oder 
sechs  Jahren  gewesen  sein,  klingelte  es  an  der  Thür  meiner  Privat- 
wohnung.   Ich  war  gerade  von  der  Redaktion  nach  Hause  gekommen, 
öffnete,  und  hereinspazierte  ein  mir  unbekanntes  Ehepaar.    Der  Herr 
Gemahl,  der  den  Namen  eines  durch  sein  junges   und  zartes  Fleisch 
bekannten  Wiederkäuers  führt,  stellte  sich  als  mein  ehemaliger  Nach- 
folger in  der  Obergärtnerstelle   einer  westdeutschen  Handelsgärtnerei 
vor  und  klagte  mir,   dass   er  seine  Obergärtnerstelle  in  F.  a.  0.  ver- 
loren habe  und  nun  in  Berlin  mittellos  sei.     Ich  huldige  bereits  seit 
Jahren   dem    im    vorigen    Jahrgange   von   Herrn   C.  R.    vertretenen 
System,  solchen  Leuten  zunächst  eine  Arbeit   nachzuweisen,   und  so 
besorgte  ich  auch  Herrn  K.  bei  einem  Charlottenburger  Hausbesitzer 
die  Herrichtung  eines  kleinen  Vorgartens,  wofür  ihm,  so  weit  ich  mich 
entsinne,  fünfzig  Mark  gezahlt  wurden.    Das  genügte  aber  nicht,  und 
der  gute  Kollege,  nennen  wir  ihn  Y  ,  ich  wiederhole,   eine   mir  vor- 
dem völlig  unbekannte  Persönlichkeit,  sprach  erneut  bei  mir  vor  und 
heisse  Thränen  liefen  ihm  über  die  Backen,  als  er  mir  erzählte,  dass 
er  in    F.  i.  B.   eine   Obergärtnerstelle   erhalten   habe,   dieselbe    aber 
aus  Mangel  an  Geld  nicht  antreten  könne.     Er   habe   fünfzehn  Mark 
nötig,  die  ich  ihm  leihen  solle.     Statt   dieser  fünfzehu  Mark  gab  ich 
ihm   freiwillig  dreissig,   da   mit   fünfzehn   Mark   die  Reise   nicht   zu 
machen    war,    und   Herr   und   Frau  Y.,    welch'  letztere   vorläufig  in 
Berlin  blieb,   gaben  mir  die    ehrenwörtliche   Versicherung,   dass   sie 
mit  ihrem  ersten  Verdienst   die  dreissig  Mark    zurückzahlen  würden. 
Die  Annahme  des  angebotenen  Schuldscheines  lehnte  ich   ab,  da  ein 
Mann  sein  "Wort  hält,   der   Schuldschein   eines  Lumpen  aber   wertlos 
ist.    Also  die  Sache  V.  war  durch  meine  Gutmütigkeit  in  dio  richtigen 
Bahnen  geleitet  worden.  —  Als   ich   am   nächsten  Abend   nach   voll- 
brachtem Tagewerk   wieder   mein   gemütliches   Heim   erreicht   hatte, 
fand  ich  ein  Telegramm  aus  F.  a.  M.  vor,  Absender  war  der  geniale 
Pumper  Y.,  der  sich  anscheinend  im  schönen  Frankfurt  einen  gemüt- 
lichen Tag  gemacht  hatte,  anstatt  direkt  nach  F.  zu  reisen,  und  nun 
von  mir  per  Draht  ein  weiteres  Darlehn  von  zwanzig  Mark'  forderte. 
Das  ging  mir  denn  doch   über   die  Hutschnur.     Das  Telegramm   flog 
in  den  Ofen  und  ich  wartete   mit  Ruhe   der  Dinge,    die   da   kommen 
sollten.     Aber  es  kam  nichts,   trotzdem  Jahre  vergingen.     Da  spielte 
mir  der  Zufall  ein  kleines  gärtnerisches  Blättchen   in    die  Hände,   es 
führt  den  Titel  „Mitteilungen  des  Vereins  selbständiger  Handelsgärtner  . 
Badens",   aus   dem   ich   ersah,    dass  V.,   der   mich  mit  solch  grosser 
Virtuosität    angepumpt    hatte,    iu    F.   i.  B.    eine    wohl    eingerichtete 
Handelsgärtnerei  besitzt.     Bescheiden  wie  ich  bin.    erinnerte  ich  ihn 
nun  an  seine  Verpflichtung  mir  gegenüber,  sowie  an  sein  sogenanntes 
Ehrenwort  und   —   ein   ungehobelter   Brief    war   die  Antwort.     Dass 
mir  jetzt  die  Geduld  ausging   und    dass  ich   den  guten  Y.  verklagte, 
wird  mir  jeder  nachfühlen  können.     Selbstverständlich  habe  ich  den 
Prozess  gewonnen,   aber  von  meinem  Gelde  habe  ich  bis  heute  noch 
nichts  gesehen.     Der    Gerichtsvollzieher    wird    wohl    erst    in    Aktion 
treten  müssen,  dann   ist   aber   der   Pumper   Y.   jedenfalls   gar   nicht 
der  Besitzer  seiner  Gärtnerei,  sondern  seine  Frau,  eine  alte  Tante 
oder  ein  Vetter,  sodass  ich  noch  die  Kosten  des  gewonnenen  Prozesses 
zu  zahlen  habe. 

Es  war  wieder  an  einem  schönen  Tage.  Ich  befand  mich  in 
einem  eine  Bahnstunde  von  Berlin  belegenen,  durch  seine  für  den 
Berliner  Markt  arbeitenden  Gärtnereien  und  durch  seine  Baumschulen 
bekannten  Städtchen,  als  sich  auf  der  sonnigen  Landstrasse  ein  „Kollege" 
zu  mir  gesellte.  Ich  will  den  Namen  dieses  Mannes  hier  auch  nicht 
einmal  andeuten;  er  entstammt  einer  berühmten  alten  Gärtnerfamilie, 
die  auch  noch  heute  Vertreter  besitzt,  welche  zu  den  Zierden  unseres 
Berufes  gehören,  und  sein  längst  verstorbener  Vater  war  dermaleinst 
Garteninspektor  einer  unserer  Hansestädte.  Also  Herr  X.,  so  wollen 
wir  ihn  aus  Diskretion  nennen,  war  stellenlos.  Seine  Familie  befand 
sich  noch  in  Schlesien  oder  sonstwo  und  zwar  in  bitterem  Elende. 
Selbst  Kartoffeln,  Kaffee  und  Brot  sollen  nicht  mehr  vorhanden  ge- 
wesen sein.  Was  natürlicher,  als  dass  dieser  Mann  mein  Mitleid 
erregte.  Ich  verwandte  mich  zunächst  bei  einem  Handelsgärtner  des 
betreffenden  Ortes  für  ihn,  und  er  fand  dort  ein  vorläufiges  Unter- 
kommen mit  einem  Gehalte  von  dreissig  Mark  pro  Monat  bei  freier 
Station.   Herr  X.  nahm  auch  diese  Stelle,  pumpte  seinen  neuen  Chef 


ganz  gründlich  an,  bummelte  anstatt  zu  arbeiten  und  fand  noch  Zeit 
die  Obstbäume  des  gutmütigen  Arbeitgebers  vollständig  zu  plündern.  Nach 
wenigen  Tagen  sass  der  Mann  mit  dem  berühmten  Gärtnernanien. 
selbstverständlich  wieder  auf  der  Strasse,  und  nun  kam  er  zu  mir, 
der  ich  vom  Vorgefallenen  noch  nichts  wusste,  in  die  Redaktion  der 
„Gartenwelt",  wo  er  die  gewünschten  fünfzehn  Mark  erhielt.  Wenige 
Tage  später  pumpte  mich  der  Mann  abermals  um  zehn  Mark  an, 
wobei  mir  an  ihm  ein  penetranter  Alkoholgeruch  auffiel.  Seine 
Frechheit  trieb  X.  aber  auf  die  Spitze,  als  er  zum  dritten  Male  er- 
schien, um  einen  erneuten  Pump  bei  mir  anzulegen.  Diesmal  war 
der  Alkoholgenich  ein  ganz  verteufelter,  was  mich  veranlasste,  diesem 
Pumpgenie  mit  der  verhungernden  Familie  gehörig  den  Kopf  zu  waschen 
und  ihm  die  Thüre  zu  weisen,  durch  die  er  erst  nach  der  gegebenen 
Erklärung  verschwand,  mir  in  kürzester  Frist  das  geliehene  Geld 
zurückzahlen  zu  wollen.  Ich  lüftete  schleunigst  die  Redaktions- 
lokalitäten, um  den  abscheulichen  Geruch  herauszubringen  und 
warte  noch  heute,  seit  zwei —drei  Jahren,  auf  die  Rückzahlung  der  fünf- 
undzwanzig Mark  oder  richtiger  gesagt,  ich  habe  überhaupt  niemals 
darauf  gewartet,  da  ich  mir  von  vorn  herein  darüber  klar  war,  auch 
in  diesem  Falle  das  Opfer  eines  Gauners  geworden  zu  sein. 

Weil  alle  guten  Dinge  drei  sind,  möchte  ich  noch  einen  Fall 
zum  Besten  geben;  ich  könnte  noch  mit  dreissig  anderen  dienen.  — 
Ein  verheirateter  Gärtner,  der  nur  in  Berlin  gearbeitet  hatte  und 
keine  Zeugnisse  besass,  die  man  hätte  vorzeigen  können,  gelangte 
nach  monatelanger  Stellungslosigkeit  an  meine  Adresse.  Er  erklärte 
sich  bereit,  um  nur  Arbeit  zu  haben,  jede,  auch  die  untergeordnetste 
nicht  gärtnerische  Thätigkeit  zu  übernehmen.  Ich  war  damals  gerade 
beauftragt,  einem  Gartenbesitzer  einen  Gärtner  nachzuweisen  für  eine 
Stelle  mit  hundert  Mark  pro  Monat  bei  freier  Wohnung  und  Heizung. 
Diesen  Posten  besorgte  ich  dem  Stellen-  und  Zeugnislosen  und  er  befindet 
sich  noch  heute  in  derselben,  weil  dort  wenig  oder  gar  nichts  ver- 
langt wird.  Aber  zum  Antritt  der  Stellung  und  zum  Umzug  war  Geld 
nötig  und  bereitwillig  heb  ich  den  geforderten  nicht  geringen  Betrag. 
Es  sind  jetzt  vier  bis  fünf  Jahre  verflossen,  der  Mann  befindet  sich, 
wie  bereits  erwähnt,  noch  immer  in  dieser  ihm  von  mir  nach- 
gewiesenen Stellung  und  —  ich  habe  das  ihm  gewälirte  Darlehn  schon 
längst  in  den  Schornstein  geschrieben,  um  nicht  bis  an  mein  seliges 
Ende  vergeblich  auf  die  Rückzahlung  warten  zu  müssen. 

Derartige  Vorkommnisse,  die  ich  aus  meiner  eigenen  Praxis 
verzehnfachen  kann,  mahnen  Leuten  der  geschilderten  Art  gegenüber 
zur  grössten  Vorsicht.  Wenn  eine  wirklich  ehrenhafte  gärtnerische 
Persönlichkeit  in  momentane  Not  gerät,  werden  sich  auch  in  deren 
Bekanntenkreisen  hilfsbereite  Männer  finden.  Von  dieser  Voraus- 
setzung allein  aus  empfiehlt  es  sich.  Unbekannten  unter  keinen  Um- 
ständen ein  Darlehn  zu  geben;  ich  wenigstens  thue  es  nie  wieder! 
Zu  einem  kleineren  Geldgeschenk  solchen  Personen  gegenüber  kann 
ich  mich  noch  bereit  finden,  zu  einem  Darlehn  nie,  da  es  in  den 
meisten  Fällen  rettungslos  verloren  ist.  Ich  wenigstens  habe  noch 
niemals  von  solchen  Leuten  das  Geliehene  zurückerhalten  und  ziehe 
deshalb  lieber  ein  kleineres  Geschenk  einem  grösseren  Darlehn  vor, 
ich  kann  mich  dann  dem  Glauben  hingeben  einem  Würdigen  geholfen 
zu  haben,  während  ich  bei  Hingabe  eines  Darlehens  stets  die 
deprimierende  Erfahruug  machen  muss,  dass  ich  das  Opfer  eines 
Gauners  geworden  bin. 

Tagesgeschichte. 

Barcelona.  Einer  unserer  Mitarbeiter,  welcher  sich  in  der 
glücklichen  Lage  befindet,  das  schöne  Spanien  bereisen  zu  können, 
während  wir  hier  gründlich  frieren,  schreibt  uns,  dass  Barcelona,  die 
zweitgrösste  Stadt  Spaniens,  keinen  einzigen  Handelsgärtner  und 
keinen  Blumenladen  nach  unseren  Begriffen  besitzt.  Dabei  ist 
Barcelona  eine  bedeutende  Industrie-  und  Handelsstadt,  eine  der 
schönsten  Städte  Europas  überhaupt,  mit  500000  Einwohnern  und 
60*1000  weiteren  Einwohnern  in  den  Vororten.  Barcelona  ist  klimatisch 
sehr  bevorzugt  infolge  seiner  Lage  in  einer  von  hohen  Bergen  um- 
schlossenen weiten  Ebene.  Die  Stadt  mit  ihrer  Blumen  liebenden 
Bevölkerung  würde  ein  günstiges  Arbeitsfeld  für  deutsche  Gärtner 
bieten,    die   sich    allerdings    bemühen    müssten,    die    Landessprache 


120 


Die  Gartenwelt. 


VII.  10 


kennen  zu  lernen.  Zur  Gründung  einer  Existenz  würde  in  Barcelona 
ein  Kapital  von  40000  Mark  erforderlich  sein.  Der  ganze  Blumen- 
handel der  Stadt  spielt  sich  zur  Zeit  auf  den  Strassen  ab,  woselbst 
die  Händler  staffeiförmig  ihre  Tische  aufbauen.  Die  Blumen  stehen 
in  Blechgefässen  mit  frischem  Wasser  und  werden  so  feil  gehalten. 
Früh  morgens  bauen  diese  Händler  ihre  Verkaufsstäude  auf  und 
halten  bis  tief  in  die  Nacht  bei  denselben  aus.  Die  Hauptblumen  der 
gegenwärtigen  Saison  sind  rote  Nelken,  alte,  kleinblumige,  bei  uns 
längst  vergessene  Chrysanthemen,  kleine  italienische  Veilchen  und 
gute  Tuberosen,  ferner  rote  Gladiolen,  Bouvardia  Humboldti,  Salvia 
leueantha  und  splendens,  einige  gelbe  Rosen  und  Zweige  des  bunten 
Ligustrum  japonicum. 

Berlin.  Im  Korporationsausschuss  für  Handel  und  Industrie 
kam,  wie  uns  privatim  mitgeteilt  wird,  eine  Mitteilung  des  deutschen 
Handelstages  über  Besteuerung  des  Wanderlagerbetriebes  in  Preussen 
zum  Vortrag.  Es  wurde  dabei  auch  erwähnt,  dass  Auktionen  von 
lebenden  Pflanzen,  die  hier  oder  in  anderen  Orten  stattfänden,  als 
Wahderlager  betrachtet  würden  und  eine  entsprechende  Besteuerung 
dafür  vorgenommen  werden  sollte.  Hierin  wurde  von  mehreren  Seiten 
ein  Unrecht  gefunden  und  ein  dementsprechender  Bericht  resp. 
Eingabe  den  Lagern  empfohlen.  Der  Vorsitzende  des  Verbandes 
Berliner  Metall-Industrieller  holte  nun  hierzu  unsere  Ansicht  ein. 
"Wir  haben  sie  dahin  gegeben,  dass  wir  eine  Besteuerung  der  zur 
Verauktionierung  nach  Deutschland  gelangenden  ausländischen  Pflanzen 
für  sehr  angebracht  halten  und  glauben,  dass  die  deutschen  Gärtner 
mit  einer  solchen  Besteuerung  wohl  einverstanden  sein  können.  Die 
Pflanzenauktionen  werden  in  Deutschland  ausschliesslich  von 
unwissenden  Liebhabern  besucht,  die  daselbst,  allerdings  zu  Spott- 
preisen, durchaas  minderwertige  Ware  erstehen.  Abgesehen  davon, 
dass  die  zur  Verauktionierung  gelangenden  Pflanzen  ausnahmslos  mit 
groben  Fehlem  behaftet  sind,  werden  sie  auch  auf  der  Reise  infolge 
der  überaus  mangelhaften  oder  der  völlig  fehlenden  Verpackung 
derartig  ruiniert,  dass  an  ein  Weiterwachsen  meist  gar  nicht  zu 
denken  ist.  M.  H. 

—  Der  Berliner  Zentral-Friedhof  soll  nun  bestimmt  in 
Stahnsdorf  angelegt  werden.  Die  Anlage  steht  jetzt  definitiv  fest, 
obwohl  die  Auflassung  des  600  Morgen  grossen  Grundbesitzes  an  die 
Berliner  Stadtsynode  seitens  der  Stahnsdorfer  Terraingesellschaft 
noch  nicht  erfolgt  ist.  Es  handelt  sich  jedoch  hierbei  lediglich  um 
eine  Formalität,  die  in  Kürze  geregelt  wird.  Die  Synode  steht 
wegen  der  Pläne  für  die  Anlage  des  Zentral-Friedhofs  bereits  in 
Unterhandlung.  Die  Bauprojekte  indes  hängen  wiederum  wesentlich  von 
der  Gestaltung  der  Verkehrsmittel  ab.  Die  Anlage  einer  Zweigbahn  von 
Berlin  nach  dem  Kirchhofe  in  Stahnsdorf  ist  beabsichtigt,  ebenso 
die  Errichtung  einer  elektrischen  Strassenbahn  mit  bequemen  Ver- 
bindungen. Da  der  Weg  nach  dem  Kirchhof  ein  kolossal  weiter 
ist,  so  plant  man,  die  Leichen  von  Berlin  zur  Nachtzeit  mit  der 
elektrischen  Bahn  dem  Zentral-Friedhof  zuzuführen.  Erfahrungen, 
die  hiermit  in  Amerika  gemacht  worden  sind,  lassen  diese  Beförderungsart 
ratsam  erscheinen.  Nach  Feststellung  der  Bahnhöfe  und  Haltestellen 
werden  die  Entwässerung,  die  zu  errichtenden  Baulichkeiten  und  der 
gärtnerische  Schmuck  Gegenstand  der  Beratungen  sein. 

—  Anpflanzungen  auf  Bahngebiet  zum  Schutze  der  Vögel  sind 
neuerdings  durch  einen  Erlass  des  Ministers  der  öffentlichen  Arbeiten 
den  Eisenbahndirektionen  empfohlen  worden. 

Plauen  i.  V.  Der  hiesige  Stadtgemeinderat  genehmigte  in 
seiner  Sitzung  vom  9.  November,  dass  zur  Erlangung  von  Plänen  für  die 
Umgestaltuni;  dos  Kaiser  Wilhelm-Hains  und  der  Tenneragrundstücke 
zu  einem  Stadtparke  die  Preise  an  Stelle  der  am  10.  Februar  d.  .1.  festge- 
setzten 000.  400und250Mk.  mit  700, 500  und  üOOMk.  festgesetzt  werden. 

Personal-Nachrichten. 

Hauptmann,  Gutsgärtner  in  Gross-Kruschin,  feiert  mit  seiner 
Gattin  das  Fest  der  goldenen  Hochzeit.  Hauptmann  ist  82,  seine 
Gattin  78  Jahre  alt.  Trotz  seiner  schwachen  Kräfte  führt  der 
Jubilar  noch  heute  die  Leitung  der  ihm  unterstellten  Gärtnerei. 

Heidenreich,  Hugo,  Kgl.  Garteninspektor  am  Botanischen 
Garten  der  Universität  Münster  i.  W.,  wurde  der  Kgl.  Kronenorden 
vierter  Klasse  verliehen. 


Krupp,  Alfred,  Exzellenz  und  Wirklicher  Geheimer  Rat,  der 
bekannte  ,, Kanonenkönig"  in  Essen,  ist  am  22.  November  infolge 
eines  Schlaganfalles  im  Alter  von  49  Jahren  verschieden.  Die  näheren 
Umstände  werden  wohl  sämtlichen  Lesern  aus  den  Tageszeitungen 
bekannt  sein.  Es  sei  hier  nur  darauf  hingewiesen,  dass  der  Ver- 
storbene sich  nicht  nur  mit  naturwissenschaftlichen  Studien,  speziell 
mit  Tiefseeforschung,  beschäftigte,  sondern  auch  ein  begeisterter 
Fflanzenfreund  gewesen  ist,  der  für  diese  seine  Liebhaberei  ganz 
bedeutende  Aufwendungen  machte.  Für  jeden  seiner  gärtnerischen 
Beamten  war  Krupp  auf  die  „Gartenwelt''  abonniert,  welcher  er  noch 
wenige  Wochen  vor  seinem  Tode  sein  Wohlwollen  dadurch  bezeigte, 
dass  er  uns  die  Anfertigung  photographischer  Aufnahmen  in  der 
Gärtnerei  der  Villa  Hügel  gestattete.  Diese  Aufnahmen,  mit  einem 
Artikel  aus  der  Feder  des  Obergärtners  B.  Trenkner,  werden  wir  im 
Januar  oder  Februar  veröffentlichen. 

Olbrich,  Stephan,  als  hervorragender  Fachmann  weit  bekannt, 
verlässt  als  Baumschulen-Chef  die  Froebelschen  Baumschulen  in  Zürich 
nach  zwanzigjähriger  Thätigkeit. 

Pohland,  Georg,  Gärtner  und  Kirchenältester  in  Tornow  im 
Kreise  Krossen,  wurde  das  Allgemeine  Ehrenzeichen  verliehen. 

Siesmayer,  Karl  Friedr.  v.,  Hofgartendirektor  des  Taurischen 
Gartens  in  St.  Petersburg,  starb  dortselbst  im  Alter  von  82  Jahren, 
v.  Siesmayer,  ein  Bruder  des  am  22.  12.  00  verstorbenen  Gartenbau- 
direktors lleinr.  Siesmayer  in  Frankfurt  a.  M.,  war  wie  dieser  auch 
ein  Schüler  des  Stadtgärtners  Sebastian  Rinz  in  Frankfurt,  später 
war  er  jahrelang  in  leitender  Stellung  bei  van  Houtte  in  Gent  thätig, 
worauf  er  in  russische  Dienste  trat,  um  über  30  Jahre  lang  als 
Leiter  des  durch  seine  herrliehen  Palmen  berühmten  taurischen 
Gartens  zu  wirken. 

An  unsere  Mitarbeiter. 


Wir  ersuchen  hierdurch  unsere  Mitarbeiter  uns  umfangreichere 
Manuskripte,  welche  mehr  als  zwei  Druckseiten  beanspruchen  würden, 
nicht  einzusenden,  ohne  sich  vorher  brieflich  mit  uns  verständigt  zu 
haben.  Wir  haben  für  längere  Arbeiten  nur  selten  und  ausnahms- 
weise Verwendung  und  unser  Vorrat  an  solchen  ist  so  gross,  dass 
wir  für  absehbare  Zeit  auf  die  Annahme  umfangreicher  Artikel  ver- 
zichten müssen. 

Was  wir  brauchen,  das  sind  kurze  Abhandlungen  aus  der 
gärtnerischen  Praxis,  soweit  angängig  mit  guten  scharfen  Aufnahmen 
versehen.  Solche  Arbeiten  können  uns  ohne  vorherige  Anfrage  ein- 
geschickt werden.  Ferner  sind  uns  Mitteilungen  für  die  Rubriken 
Tagesgeschichte,  Rechtspflege,  Zeit-  und  Streitfragen,  Personal-Nach- 
richten, Aus  den  Vereinen  jederzeit  ganz  besonders  willkommen. 
Auch  die  Beiträge  für  diese  Rubriken  werden  honoriert. 

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Diejenigen  Mitarbeiter,  welche  sich  an  der  Beantwortung  der 
Gartenweltfragen  beteiligen,  ersuchen  wir  dringend,  bei  Antworten 
auf  verschiedene  Fragen  jede  Frage  auf  einen  besonderen  Bogen 
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etwas  weitläufig  geschrieben  sind,  so  wird  uns  die  Durchsicht  und 
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einer  Seite  genügend  Raum  unbeschrieben  bleiben  für  eventuelle 
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Unsere  Abonnenten,  welche  auf  chiffrierte  Stelleninserate 
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daktion in  Berlin,  wie  dies  in  letzter  Zeit  häufig  geschah,  zu 
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Leipzig,  Lindenstrasse  2.  zu  adressieren.  Wir  warnen  ferner  davor, 
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seitens  der  Inserenten  keinerlei  Gewähr  übernehmen  können. 


Verantwortl.  Redakteur:  Max  Hesdörffer,  Berlin.  —  Verlag  v.  Riohard  Carl  Schmidt  &  Co.,  Leipzig.  —  Druck:  Anhalt.  Buchdr.  Outenborg,  e.ß.m.  b.H,  Dessau. 


Illustriertes   Wochenblatt   für   den   gesamten   Gartenbau. 


Jahrgang  VII. 


13.  Dezember  1902. 


No.  11 


Nachdruck  und  Nachbildung  aus  dem  Inhalt  dieser  Zeitschrift  wird  strafrechtlich  verfolgt. 


Topfpflanzen. 


Pterospermum  acerifolium  Wight. 

Von    B.  Othmer,  Kgl.  Garteninspektor,  MüucheD. 
(Hierzu  eine  Abbildung.) 

Pterospermum  acerifolium  Wight,  aus  der  Familie  der 
Sterculiaceen,  ist  eine  in  der  Kultur  massig  rasch  wachsende, 
baumartige  Pflanze  mit  hartholzigem  Stamme.  Die  spiralig 
angeordneten  Blätter  sind  lederhart,  einfach,  ganz- 
randig,  handförmig  geteilt,  oberseits  dunkelgrün,  unterseits 
mit  weisslichem  Filze  bedeckt.  Im  jugendlichen  Zustande 
sind  Zweige  und  Blätter  mit  rostbraunen,  schuppigen  Stern- 
haaren bekleidet.  Die  Hauptnerven  teilen  sich  fingerig, 
reichen  bis  an  die  Spitzen  der  Blattausschnitte  oder 
gehen  darüber  ein  wenig  hinaus:  durch  Netzaderung  sind 
sie  mit  einander  verbunden.  Die  Blüten  sind  gross,  rein- 
weiss  und  wohlriechend.  In  Birma  und  den  Nachbar- 
ländern kommt  diese  Pflanze  als  hoher  Baum  häufiger 
vor,  in  Vorderindien  wird  er  seines  vorzüglichen  Holzes 
wegen  viel  kultiviert'. 

In  der  Topfkultur  gedeiht  er  gut  in  feuchtwarmer 
Luft  bei  einer  Temperatur  von  14  — 18°  C.  in  nahrhafter 
Komposterde  mit  mildem  Lehm  gemischt. 

Die  düstern,  massigen,  wohlgestalteten  Blätter  kon- 
trastieren wirkungsvoll  mit  heller  gefärbten  und  zier- 
licheren Pflanzen. 


Ursachen  und  Verhütung  von  Krankheiten  der 
Kübelpflanzen. 

Von  Bruno  Schwenke,  Obergehilfe,  Frankfurt  a.  M. 

Jahrelange  Kultur  und  Pflege  von  Kübelpflanzen  im 
hiesigen  Palmengarten  bei  aufmerksamer  Beobachtimg  aller 
Krankheitserscheinungen  liegen  den  nachstehenden  Zeilen 
zu  gründe.  Ich  bestätige  damit  zwar  nur  sehr  alte  Er- 
fahrungen, glaube  aber  doch,  dass  viele  Leser,  besonders 
jüngere  Gärtner,  die  gegebenen  Hinweise  gern  entgegen- 
nehmen werden.  Untersucht  man  eine  kranke  Kübel- 
pflanze, so  entdeckt  man  sehr  häufig  ein  Missverhältnis 
zwischen  Pflanze  und  Kübel;  entweder  ist  der  Kübel  im 
Verhältnis  zum  Wurzelvermögen  der  Pflanze  zu  gross  oder 
zu  klein.  Ferner  prüft  man  die  Erdmischung,  in  welcher 
die  Pflanzen  stehen,  oder  das  "Wasser,  welches  zum  Giessen 

Die  Gartenwelt.    VII. 


verwendet  wird.  Da  ein  tüchtiger  Gärtner  wissen  muss,  wie 
er  seine  Kübelpflanzen  zu  behandeln  hat,  ob  dieselben  leichte 
oder  schwere  Erde,  viel  oder  wenig  Wasser,  hohe  oder  niedere 
Temperatur,  trockene  oder  feuchte  Luft,  lange  oder  kurze  Buhe- 
periode bedürfen,  so  wird  er  leicht  die  Ursache  der  Er- 
krankung einer  Pflanze  finden  und  darnach  seine  Pflege  treffen. 


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Pterospermum  acerifolium. 

Vom  Verfasser  für  die  „Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen. 


11 


122 


Die  Gartenwelt. 


vn,  11 


Vor  allem  ist  bei  Kübelpflanzen,  gleichviel  welcher 
Gattung,  darauf  zu  achten,  dass  die  Kübel  im  Einklang  zu 
dem  Wurzelvermögen  der  Pflanzen  gewählt  werden,  d.  h.  dass 
dieselben  weder  zu  gross  noch  zu  klein  sind.  Sollte  man 
einmal  nicht  in  der  Lage  sein,  den  Pflanzen  die  passenden 
Kübel  zu  geben,  so  lässt  sich  bei  zu  grossen  Kübeln  durch 
richtige  Scherbenunterlage,  auf  welche  mit  Vorteil  eine  Schicht 
Flusssand  kommt,  Abhilfe  schaffen.  Hierdurch  wird  ein 
genügender  Wasserabzug  hergestellt,  der  das  Faulen  der 
Wurzeln  und  späteres  Erkranken  der  Pflanzen  verhindert. 

Sehr  oft  findet  man  Pflanzen  auch  in  zu  kleinen  Kübeln, 
so  dass  der  Kübel  vollständig  voll  von  Wurzeln  ist;  hier 
tritt  dann  Nahrungsmangel  ein  und  da  hilft  auch  das  Düngen 
nicht  mehr.  Durch  das  viele  Wasser,  welches  die  Pflanzen  in 
diesem  Falle  bedürfen,  bekommen  sie  im  Laufe  der  Zeit  ein 
kümmerliches  Aussehen,  krankhafte  Färbung  und  bleiben  auf- 
fallend im  Wachstum  zurück.  Man  soll  daher  mit  dem 
Umsetzen  der  Pflanzen  nicht  zu  lange  warten.  Meistens 
geschieht  es  aber  erst  dann,  wenn  der  Kübel  bereits  ganz 
verfault  ist  und  die  Wurzeln  den  ganzen  Kübel  durchsetzt 
haben.  Die  Pflanzen  leiden  aber  dadurch  mitunter  sehr, 
allerdings  nicht  alle  Arten.  Bei  vielen  müssen  beim  Ver- 
pflanzen die  Wurzeln   und  Ballen   zurückgeschnitten    werden. 

Alte  Kübel  sollte  man  nicht  weder  benutzen,  thut  man 
dies  doch,  so  müssen  dieselben  wenigstens  erst  gründlich 
gereinigt  werden.  Faule  Wurzeln  schneidet  man  mit  einem 
scharfen  Messer,  Schnittfläche  nach  unten,  glatt  ab  und 
bestreut  die  Wunden  mit  pulverisierter  Holzkohle.  Mit  einem 
spitzen  Holze  löst  man  sodann  die  Wurzeln  etwas,  befreit 
sie  von  der  dazwischen  befindlichen  alten  Erde  und  setzt  die 
Pflanze  dann  in  den  bereits  vorher  mit  guter  Scherbenunter- 
lage versehenen  neuen  Kübel;  den  Kübel  nehme  man  nur 
so  viel  grösser  als  den  alten,  als  etwa  seine  Wandstärke 
ausmacht.  Im  übrigen  richtet  sich  das  jedoch  auch  nach 
Grösse  und  Art  der  Pflanze.  Oefteres  Verpflanzen  der  Kübel- 
pflanzen ist  bei  Wurzelschonung  sehr  von  Vorteil,  aber  stets 
ist  für  guten  Wasserabzug  zu  sorgen,  hauptsächlich  bei 
grösseren  Kübeln.  Sehr  von  Vorteil  ist  es  für  die  Pflanzen, 
hauptsächlich  für  die  auf  einem  Platze  stehen  bleibenden, 
wenn  die  Kübel  auf  einer  Steinunterlage  ruhen,  damit  die 
Luft  unter  dem  Boden  hindurchziehen  und  denselben  aus- 
trocknen kann.  Unterlässt  man  das  Höherstellen,  so  bildet 
sich  unter  dem  Kübel  Fäulnis.  Im  günstigen  Falle  bleibt, 
zwar  die  Pflanze  gesund,  aber  der  Kübel  wird  schon  nach 
kurzer  Zeit  am  Boden  durchgefault  sein. 

Kranke  Pflanzen  findet  man  meistens  in  zu  grossen 
Kübeln  stehend,  oft  liegt  auch  die  Schidd  an  der  Verwendung 
von  zu  schwerer  Erde,'  welche  die  Feuchtigkeit  zu  lange 
hält  und  dann  stockende  Nässe  bildet,  die  schädigend  auf 
die  Wurzeln  wirkt. 

Auch  ein  unvorsichtiges  Begiessen  ist  oft  Ursache  der 
Krankheit.  Ehe  man  eine  Pflanze  giesst,  untersuche  man 
ja  sorgfältig,  ob  sie  das  Wasser  auch  braucht,  hauptsächlich 
bei  Pflanzen,  welche  schwere  Erde  haben.  Wie  viel  Gärtner 
verlassen  sich  auf  das  Fühlen  mit  der  Hand  oben  am  Ballen, 
und  unten  an  den  Abzugslöchern;  letztgenannte  sind  meistens 
immer  feucht,  und  oben  auf  dem  Ballen  wird  die  Erde, 
wenn  öfters  mit  Kuhdung  gegossen  wird,  trotz  Aufiockerns 
immer  schmierig  bleiben,  so  dass  das  Untersuchen  nicht 
zuverlässig  ist.  Natürlich  ist  zwischen  den  Pflanzen,  die 
den  Sommer  über  im  Freien  stehen  und  denen,  die  im 
Gewächshaus  stehen  bleiben,  ein  Unterschied  zu  machen. 


Ich  untersuche  selten  wegen  des  Giessens  eine  Pflanze. 
Ein  Gärtner  muss  wissen,  ob  die  Pflanzen  stark  dm-chwurzelt 
sind,  ob  sie  einen  kleinen  oder  grossen  Kübel  haben  und 
ob  der  Ballen  im  Einklang  zu  demselben  steht.  Er  muss 
ferner  wissen,  ob  die  Erde  schwer  oder  leicht,  fest  oder 
porös  ist,  ob  guter  Wasserabzug  vorhanden  ist  u.  dgl.  mehr. 
Er  muss  Bücksicht  nehmen  auf  das  Wetter,  denn  es  liegt 
auf  der  Hand,  dass  eine  Pflanze  bei  Sonnenschein  und  Wind 
weit  mehr  Wasser  braucht  als  an  trüben,  windstillen  oder 
gar  regnerischen  Tagen.  Es  lassen  sich  eben  über  das 
Giessen  und  ähnliche  gärtnerische  Verrichtungen  keine  festen 
Begeln  geben.  Gefühl  und  Erwägung  müssen  den  Ausschlag 
geben.  Bei  öfterem  Giessen  der  Pflanzen  muss  ein  Gärtner 
schon  sehen,  wie  das  Wasser  abzieht,  aber  darauf  wird  am 
wenigsten  geachtet  und  Gewicht  gelegt,  und  dadurch  kommen 
und  entstehen  die  Krankheiten  der  Pflanzen  und  das  Faulen 
der  Wurzeln.  Pflanzen,  welche  wurzelkrank  sind,  stelle  man 
nach  dem  Umpflanzen  auf  ein  warmes  Beet,  sollte  dieses, 
wie  bei  grossen  Kübelpflanzen,  nicht  möglich  sein,  so  macht 
man  um  die  Pflanzen  an  ihrem  Standort  bis  zur  Höhe  des 
Kübels  einen  Umschlag  von  Pferdedung  oder  Lohe,  wodurch 
Unterwärme  erzeugt  wird  und  die  Wurzeln  zu  neuer  Tätigkeit 
angeregt  werden.  Dieser  Umschlag  wird  so  oft  als  nötig 
erneuert  Zum  Schluss  bemerke  ich  noch,  dass  ich  mit  auf- 
gelöstem Kuhdung  Topf-  und  Kübelpflanzen  giesse  und  bis 
jetzt  die  besten  Erfolge  erzielt  habe. 


Solanum  Capsicastrum  Hendersoni. 

Von  Gustav  Besoke,  Erfurt 

W  enn  auch  als  Blütenpflanze  gänzlich  wertlos,  so  ist 
doch  Solanum  Capsicastrum  Hendersoni  zur  Reifezeit  seiner 
Früchte  eine  schätzenswerte  Marktpflanze,  die  dazu  berufen 
ist,  zwischen  Blatt-  und  Blütenpflanzen  eine  gern  gesehene 
Abwechselung  hervorzurufen. 

Obwohl  dieses  Solanum  vielen  Lesern  dieser  Zeitschrift 
bekannt  sein  wird,  möchte  ich  sein  Aussehen  durch  kurze 
Beschreibung  für  die  Nichtkenner  desselben  erläutern. 

Die  Pflanze  ist  mehrjährig  und  bildet  einen  50 — 60  cm 
hohen,  reich  verzweigten,  dichten  Busch.  Die  Blätter  sind 
dunkelgrün,  6—8  cm  lang,  länglich  und  ganzrandig. 

Wie  bereits  erwähnt,  ist  S.  Capsicastrum  Hendersoni 
als  Blütenpflanze  nicht  bedeutend.  Einen  dekorativen  Wert 
besitzt  es  nur,  wenn  es  mit  reifen  Früchten  besetzt  ist.  Die 
beerenartigen  Früchte  sind  vollständig  rund,  korallenrot  gefärbt 
und  erreichen  einen  Durchmesser  von  ungefähr  einem 
Zentimeter. 

Um  den  Fruchtansatz  zu  erhöhen,  empfiehlt  es  sich,  die 
Pflanzen  während  der  Blüte  mit  Fenstern  zu  belegen,  damit 
sie  vor  starkem  Regen  geschützt  sind,  doch  muss  die  Luft 
von  allen  Seiten  Zutritt  haben.  Stellagen,  die  mit  Fenstern 
belegt  werden  können,  sind  dazu  gut  geeignet. 

Die  Vermehrung  wird  am  besten  im  Februar  gemacht 
und  zwar  ist  dieselbe  durch  Stecklinge,  wie  auch  durch 
Samen  gleich  erfolgreich.  In  der  Kultur  geht  S.  Ckpsieasttom 
Hendersoni  mit  Heliotropium  etc.  zusammen  und  sei  nur 
noch  erwähnt,  dass  dasselbe  kräftige  und  nahrhafte  Erde, 
wie  auch  ab  und  zu  gereichte  Dunggüsse  liebt;  letztere  siml 


VII.  11 


Die  Gartenwelt. 


123 


besonders  im  fruchtenden 
Zustande  am  Platze.  Der 
Reifeprozess  der  Früchte 
beginnt  im  Oktober.  Die 
Püanzen  stehen  dann 
mehrere  Monate  in  ilirem 
auffallend  schönen  Frucht- 
behange.  Die  Verwendung 
derselben  ist  eine  viel- 
seitige. Da  wo  darauf 
gesehen  wird,  dass  die 
Kulturräume  immer  schön 
dekoriert  sind,  lassen  sich 
die  Pflanzen  vorteilhaft 
anbringen. 

Wenn  als  Markt- 
pflanzen zum  Verkauf  ge- 
stellt, werden  sich  stets 
Käufer  für  dieses  Solanum 
finden.  Ganz  besonders 
ist  S. ( üpsicastrumHender- 
soni  für  die  Binderei  zu 
ein] 'fehlen,  in  welcher  mit 
demselben  recht  aparte 
Wirkungen  zu  erzielen 
sind. 

Es  sieht  z.  B.  ein 
hoher  Henkelkorb,  gefüllt 
mit  fruchttragenden  Pflan- 
zen und  leicht  durchstellt 
mit  zierlichen ,  etwas 
hängenden  Farnen,  wie 
Onychium  japonicwn, 
I)nr>illi<i  disseeta  etc.,  der 
Henkel  garniert  mit  einer 
frischgrünen  Ranke  von 
Asparagus  plurnosus,  in 
welche  leicht  einige  hell- 
farbige Orchideenrispen 
eingeflochten  sind,  sehr 
vornehm  aus.  Auch  ein- 
zelne Fruchtzweige  lassen 
sich  zu  verschiedenen 
Arbeiten  verwenden. 


Gymnogramme  schizophylla. 

Vom  Verfasser  für  die  „Gartenwelt"  photogr.  aufgenommen. 


Farne. 


Die  schönsten  Farnpflanzen  des  Freilandes  und 

der  Glashäuser.*) 

3.   Gymnogramme  schizophylla  Bak. 

Von  Bernh.   Othmer,  tgl.  Garteninspektor,  München. 

(Hierzu  eine  Abbildung.) 

Unter  den  Farnen,  die  als  Ampelpflanzen  eine   schöne 
Verwendung  finden  können,  nimmt  die  Gymnogramme  sckixo- 


*)  Man  vergleiche  auch  „Gartenwelt",  Jahrgang  V,  Seite  29  ff. 
und  Jahrgang  VI,  Seite  457. 


phyÜa  syn.  Anogramme  schizophylla  Dids  wohl  den  ersten  Platz 
ein.    Es  giebt  unter  diesen  kaum  etwas  zarteres  und  eleganteres. 

Die  Wedel  sind  gebüsehelt,  leicht  überhängend,  bei 
guter  Kultur  etwa  40  cm  lang  und  12—14  cm  breit.  Die 
Spindel  der  Wedel  ist  glänzend  rötlichbraun,  von  ihr  hebt 
sich  recht  angenehm  das  lichte,  etwas  weisslich  silberne 
Grün  der  fein  zerteilten  Seitenfledern  ab.  Die  einzelnen 
Fiederteilchen  sind  gegabelt  oder  gespalten,  daher  die  Art- 
bezeichnung.  Die  mehlige  Wachsbestäubung  auf  der  Unter- 
seite der  Wedel,  eine  Eigentümlichkeit  der  meisten  Gymno- 
grammen,  ist  gelblichweiss  und  nur  spärlich  vorhanden. 

Die  Heimat   der   Pflanze   ist  auf   den   Bergen    Jamaicas 


124 


Die  Gartenwelt. 


VII,  11 


und  Cubas,  weshalb  bei  der  Kultur  eine  massig  warme,  mit 
Feuchtigkeit  geschwängerte  Luft  notwendig  ist.  Das  Bespritzen 
vertragen  die  Wedel  nicht,  sie  werden  davon  braunfleckig, 
wie  das  auch  durch  eventuelle  kalte  Niederschläge  geschieht. 
Die  Erdmischung  für  diese  epiphytische  Spezies  sei  locker 
und  gut  durchlässig,  am  besten  bestehend  aus  nahrhafter 
Lauberde,  gemischt  mit  Heideerde,  trockenem  Sphagnum  und 
Sand.  Das  Giessen  hat  mit  einiger  Vorsicht  zu  geschehen, 
denn  Wurzelfäule  tritt  leicht  ein.  Die  Vermehrung  geschieht 
durch  Aussaat  oder  durch  junge  Sprossen,  die  sich  an  den 
Spitzen  der  Wedel  bilden  und  schon  an  der  Mutterpflanze 
zu  ziemlicher  Grösse  sich  entwickeln.  Merkwürdigerweise 
gabelt  sich  gewöhnlich  die  Spindel  und  aus  dem  Winkel 
der  Gabelung  entspringt  die  Blattknospe.  Sporen  werden 
wenig  gebildet;  ihre  Aufzucht  erfordert  einige  Aufmerksamkeit 
und  Sorgfalt. 

Die  Pflanze,  etwa  um  1880  eingeführt  durch  Veitch, 
ist  eine  zarte  und  vornehme  Erscheinung,  die  nicht  fehlen 
sollte  in  einer  Sammlung  schöner  Pflanzen.  In  der  Mitte 
der  achtziger  Jahre  wurde  sie  allgemein  auch  in  verschiedenen 
llandelsgärtnereien  gezogen;  lange  hat  das  aber  nicht  gedauert, 
sie  ist  keine  Marktpflanze  wie  Adiantum  euneaiwm  oder 
Pteris  serrulata. 

Die  verschiedentlich  in  handelsgärtnerischen  Verzeichnissen 
erwähnte  rar.  gloriosa  ist  von  der  Stammform  nicht  unter- 
scheidbar;  jedes  gut  gepflegte,  üppige  Exemplar  könnte 
,. glorios"  genannt  werden. 

In  den  herrlichen  Pflanzen-Kulturen  im  Parke  zu 
Neumühlen  bei  Hamburg  entstand  eine  besonders  schöne 
und  gut  unterscheidbare  Form  „Etatsrätin  Donner"  benannt, 
breiter,  die  Fiedern  und  Fiedernabschnitte  entfernter  von  ein- 
ander, dabei  mehr  silberig  bestäubt  und  die  Spindel  des 
Wedels  noch  lebhafter  gefärbt.  —  Ich  sah  sie  im  Jahre  1891 
und  weiss  nicht,  ob  davon  noch  Abkömmlinge  existieren. 


Rosen. 


Winterhärte  Strauchrosen. 

Von  St.  Olbrich,  Zürich  V. 

(Fortsetzung.) 
(Hierzu  fünf  Abbildungen.) 

Ziu  den  kleinbleibenden,  zierlichen  Sorten, 
die  man  zur  Bepflanzung  von  Steinpartien  oder 
zur  Vorpflanzung  an  Gehölzgruppen  verwenden 
kann,  gehören  folgende: 

R.  amoena.  Die  Blätter  sind  graugrün,  runzlich, 
7  cm  lang;  die  Blumen  haben  6  cm  Durchmesser  und 
sind  von  weisslichrosa  Färbung. 

R.  cuspidata,  mit  hellgrünen,  schmalen  und  kleinen 
Blättern.  Die  schön  geformte  Blume  hat  5  cm  Durch- 
messer, ist  innen  weiss,  aussen  hellrosa  gefärbt. 

R.  clinqphylla,  von  ausgebreitetem  Wuchs,  mit  feinen 
glänzend  grünen  Blättchen.  Die  Blüten  stehen  zu, 
mehreren,  sind  halbgefüllt  und  milchweiss. 

R.  dahurica.  Blätter  schmal,  glänzend  hellgrün, 
10  cm  lang.  Blume  sehr  schön  geformt,  dunkel-karmin- 
rosa,  5  cm  Durchmesser;  dichter,  aufrechter  Wuchs. 


R.  Elymaitica  ist  eine  sehr  feinblätterige  und  fein- 
holzige, schwachwüchsige,  interessante  Rose  aus  Persien 
mit  bläulich-grüner  Belaubung. 

R.  Ecae.  Diese  früblüheude  Sorte  ist  der  7?.  pim- 
pinettifolia  ähnlich,  jedoch  noch  feinblätteriger  und  schwach- 
wüchsiger  als  diese.  Die  sehr  zahlreichen  Blumen  sind 
gelblich-weiss. 

R.  galUea  parviflora  (R.  burgundiea).  Ein  früh- 
blühender Zwergstrauch  von  geschlossenem  Wuchs,  mit 
dicht  stehenden,  kleinen,  graugrünen  Blättchen.  Blüten 
klein,  dicht  gefüllt,  hellrosa. 

R.  gallica  //.  j>/.  hat  grosse,  graugrüne,  runzliehe 
Blätter  und  grosse  10  cm  Durchmesser  haltende,  halb- 
gefüllte, rotviolette  Blüten. 

R.  humilis,  Blätter  hellgrün;  Holz  glänzend  grün, 
fast  stachellos;  Blüten  in  Büscheln,  li  cm  im  Durchmesser, 
hellrosa;  bat  sehr  lange,  spitzige  Kelchblätter. 

]!.  indica  sanguinea  und  indica  major.  Beide  Sorten 
stellen  den  echten  Typus  unserer  Theerosen  dar,  .sind 
aber  nur  für  geschützte  Lagen  zu  empfehlen.  Die  5  cm 
im  Durchmesser  haltenden  Blumen  sind  bei  ersterer 
blutrot,  bei  letzterer  hellrot. 

R.  lutea  Harrisoni.  Diese  Sorte  ist  in  allen  Teilen, 
nur  nicht  in  den  Blüten  kleiner  als  die  bekannte 
„Persian  Ycl/oie",  zu  der  sie  gehört.  Der  AVuchs  ist 
ausgebreitet.  Die  dichtgefüllten,  hellgelben  Blüten  er- 
scheinen schon  Anfang  Mai. 

R.  majalis.  Ein  dichter,  aufrecht  wachsender  Zwerg- 
strauch  mit  kleinen  Blättchen  and  dichtgefüllten,  hellrosa 
Blüten,  die  schon  Anfang  Mai  erscheinen. 

R.  pimpinellifolia  fl.  alba,  //.  rubra,  fl.  nitro  pleno 
und  //.  rubro  marmoratis  pleno.  Diese  vier  zierlichen 
Zwergsorten  der  am  frühesten  blühenden  Sektion  haben 
ausgebreiteten  Wuchs,  dichtstehende,  zierliche,  dunkel- 
grüne Belaubung  und  einen  ausserordentlichen  Blüten- 
reichtum. Die  einfach  blühenden  Sorten  bringen  grosse, 
schwarzbraune,  glänzende  Früchte.  Sie  verlangen  leichten 
und  trockenen  Boden. 

Strauchrosen,  welche  mittelhoch  werden, 
buschig  bleiben  und  selten  2  m  Höhe  erreichen 
oder  übersteigen: 

R.  Alberti  hat  hellgrüne,  glatte,  wenig  bestachelte 
Zweige,  graugrüne,  rundliche  Blätter  und  halbgefüllte, 
reinweisse  Blüten  von  8  cm  Durchmesser;  ist  sehr 
frühblühend. 

R.  collina  hat  grosse,  kräftige  Blätter,  deren  einzelne 
Fiederblättchen  gross,  fast  rund  und  dichtstehend  sind; 
Blüten  weiss,  hellrosa,  bis  7  cm  Durchmesser. 

R.  Carolina.  Die  Zweige  haben  rötliche  Rinde  und 
wenige,  kurze  Stacheln;  Blätter  bis  13  cm  lang,  glänzend 
grün.  Die  einzelnen  Fiederblättchen  sind  rundlich  scharf 
gezähnt.  Die  Blumen  erscheinen  erst  Ende  Juli  in 
Büscheln,  sind  rotviolett  und  5.  cm  Durchmesser  haltend. 
Die  Früchte  sind  kugelig,  glänzend  rot. 

R.  damascena.  Diese  sehr  alte,  varietätenreiche  Art 
hat  grosse,  wohlriechende,  schalenförmige,  gefüllte  Blüten, 


VII,  11 


Die  Gartenwelt. 


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welche  in  Büscheln  an  den  Spitzen  von  vorgeschobenen  Zweigen 
sitzen,  die  aus  dem  alten  Holze  entstehen.  Die  Blätter  sind  hell- 
grün,  runzlich,   der  Wuchs  ist  aufrecht. 

7?.  dawsoniana  ist  eine  dunkelbraun  berindete,  feinzweigige, 
mit  wenig  feinen  Stacheln  versehene  Art,  von  streng  aufrechtem 
Wuchs  und  enormer,  früh  eintretender  Blühbarkeit.  Die  Blumen 
erscheinen  massenhaft  in  Trauben,  sind  leuchtend  rosa  mit  vielen 
langen  Staubgefässen. 
Die  nebenstehende  Abbil 


Die  Früchte  sind  erbsengross  und  hellrot. 


Zweige  von  Rosa  muscosa  cristata. 

Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 


dung  zeigt  die  grosse  Blüh- 
barkeit. 

R.  Engelmanni.  Sie 
hat  das  Aussehen  einer 
R.  riKjosa;  die  Zweige  sind 
jedoch  ganz  stachellos  von 
braunroter  Rindenfarbe. 
Die  Blumen  haben  5 — 6  cm 
Durchmesser,  sind  dunkel- 
rot und  stehen  in  Büscheln. 
Die  dunkelgrünen  Blätter 
sind  bis  14  cm  lang. 

R.  Fendleri  hat  auf- 
rechten Wuchs,  rotbraune, 
.  feinbestachelte  Zweige, 
graugrüne,  uuterseits  bläu- 
liche, 10  cm  lange  Blätter. 
Durchmesser,  sind  weisslich- 
eine   Falte  nach  aussen,  was 


Kreuzungen 


Die  Blumen  erscheinen  sehr  früh,  haben  4  cm 

rosa    und  jedes  Blumenblatt  hat    in    der    Mitte 

die  Blüten  originell  erscheinen  lässt. 

R.  gallica  ist  die  Stammform  sehr  zahlreicher  Varietäten,  welche  durch 
mit   anderen    Arten   entstanden    sind,    die   in   früheren   Zeiten 

nur  allein  unsere  Gärten  be- 
völkerten. Die  echte  Stamm- 
form ist  sehr  interessant,  aber 
selten  geworden.  Der  Wuchs 
ist  aufrecht;  die  Zweige  sind 
hellgrün,  mit  feinen  Stacheln 
besetzt;  die  Blätter  dunkelgrün, 
runzlich.  Die  Blumen  haben 
eine  eigenartig  violettrote  Fär- 
bung, wovon  sich  die  gelben 
Staubfäden  sehr  gut  abheben. 
Keine  andere  Rose  besitzt 
diesen  bläulichen  Farben- 
ton und  nur  daraus  allein 
kann  einmal  die  erhoffte 
blaue  Rose  entstehen.  Alle 
zu  dieser  Klasse  gehörenden 
Sorten  haben  einen  stark  aus- 
geprägten Wohlgeruch  und  lange 


Rosa  dawsoniana  in  Säulenform. 

Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 


Zweige  von  Rosa  centifolia  muscosa. 
Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 


Blütendauer.     Die    hierher   ge- 
hörenden Sorten  sind  sehr  zahlreich  und  auch  von  grosser  Bedeutung 
für  uns,  z.  B. : 

R.  gallica  „Kaxanlik"  ist,  wie  die  Abbildung  auf  Seite  126  zeigt, 
eine  der  R.  damascena  ähnliche,  sehr  reichblühende,  gefüllte  Sorte 
von  grosser  Haltbarkeit  und  dunkelrosa  Färbung. 


126 


Die  Gartenwelt. 


VII,  11 


Rosa  centifolia  muscosa  und  Rosa  muscosa  cristata 
die  besten  von  allen  sind,  denn  sie  zeigen  den 
Charakter  einer  richtigen  Moosrose  am  ausge- 
prägtesten und  sind  daher  auch  für  die  Blurnen- 
binderei  im  Knospenzustande  sehr  gesucht.  Die 
elegante  Knospe  der  Rosa  centifolia  muscosa  mit 
ihren  langen,  moosigen  Kelchblättern  wird  von 
keiner  Sorte  übertroffen,  ebensowenig  die  vorhin 
erwähnte  massivere,  hahnenkammartige  Rosa  muscosa 
cristata.  Diese  Sorten  in  mehrmals  blühenden 
Pflanzen  zu  züchten,  wäre  eine  äusserst  dankbare 
Aufgabe.  Aber  leider  vererben  sich  die  moos- 
ähnlichen Drüsen  bei  Kreuzungen  nicht;  wenigstens 
bis  jetzt  noch  nicht,  denn  eine  Sorte,  die  schon 
zu  alt  und  dabei  beständig  geworden,  neigt  viel 
weniger  zur  Veränderung,  als  jüngere  Sorten. 

R.  leurdistana.  Diese  Art  ist  der  Rosa  Älberti 
ähnlich,  jedoch  später  blühend;  die  grossen  weissen 
Blumen    haben   nur  sieben  bis  acht  Blumenblätter. 

R.  lucida  ist  eine  dichtwachsende,  feinholzige 
Art  mit    bräunlicher,  glatter,   mit  einzelneu  feinen, 


Rosa  gallica  „Mme.  Plantier". 

Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 

R.  gallica  „Mme.  Plantier"  ist  eine  Sorte  mit  etwas  über- 
hängendem "Wuchs,  wie  die  obige  Abbildung  zeigt.  Die  Zweige 
und  Blätter  sind  hellgrün  und  stachellos.  Die  Bhunen  stehen 
in  Büscheln,  sind  gross,  gefüllt,  reinweiss  und  geben  ein  sehr 
gutes  Schnittmaterial. 

R.  gallica  „Belle  des  jardins",  violettpurpur  mit  weiss  gefleckt. 

„         „        „Georges   Vibert",  purpurviolett   mit  weiss  gestreift. 

„         „        „Ahne.  d'Hcbrag",  weiss  mit  rosa  gestreift. 

„         „        „Oeillet  flammet nd",  rotweiss  und  hellrot  gestreift. 

„         „       „Perle  des  panacMes",  weiss  mit  blassviolett  gestreift. 

„  „  „Tricolor  de  Flamire",  weiss,  rot,  purpur  und  violett 
gestreift. 

Zu  der  Rosa  gallica-Klasse  gehören  auch  alle  die  zahlreichen 
Zentifolienroseu,  Moosrosen   und  die  vielerlei  Hybridenrosen. 

Die  weissen  und  roten  echten  Zentifolienrosen  sind  noch  immer 
die  Besten  von  der  ganzen  Klasse,  was  Bau  und  "Wohlgeruch 
anbelangt,  dabei  sind  sie  sehr  dankbar  im  Blühen  und  die  Blumen 
sind  lange  haltbar. 

"Was  die  Moosroseu  betrifft,  so  ist  es  zu  bedauern,  dass  man 
es  noch  nicht  zu  einer  mehrmals  blühenden  Sorte  nach  Art  der 
Theehybriden  gebracht  hat.  Alles,  was  unter  dem  Namen  öfters 
blühende  Moosrosen  in  Katalogen  steht,  remontiert  in  "Wirklichkeit 
nicht,  oder  doch  nicht  so,  dass  es  überhaupt  der  Rede  wert  wäre.  Wir 
haben  daher  nur  mit  den  einmal  blühenden  Moosrosen  zu  rechnen, 
von  denen  entschieden  die  in  den  Abbildungen  Seite  125  dargestellten 


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Rosa  gallica  „Kazanlik". 

Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt" 


VII,  11 


Die  Gartenwelt. 


127 


langen  Stacheln  versehener  Kinde. 
Die  Blatter  sind  bis  13  cm  lang, 
glänzend  hellgrün  und  feinfiederig.  Die 
Blumen  stehen  in  Büscheln,  halten 
5 — 7  cm  im  Durchmesser,  sind  schön 
karminrosa  und  erscheinen  von  Anfang 
Juni  immer  fort  bis  Ende  August. 
Sie  ist  daher  sehr  gut  remontierend. 

R.  lutea  bicolor  ist  von  grossem 
Effekt  während  der  Blütezeit,  welche 
wohl  sehr  früh  beginnt,  aber  wenig 
anhaltend. ist.  Die  grossen,  einfachen 
Blumen  sind  auf  der  Unterseite  dotter- 
gelb und  im  Innern  kupferig  Schar- 
lach. Die  Sorte  R.  lutea  bicolor  atro- 
purpurea  ist  noch  in  allen  Teilen  um 
einige  Farbentöne  dunkler. 

R.  lutea  „Persian  Yelhw".  Diese 
allbekannte,  dichtgefüllte,  sehr  früh- 
und  einmalblühende,  dunkelgelbe  Rose 
ist,  wenn  auch  geruchlos,  doch  stets 
von  grossem  Effekt. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Schlingpflanzen. 


Ceropegia  Woodii  Schltr.  ist  eine 
Neuheit,  welche  in  der  Gartenwelt  bereits 
in  No.  12,  Jahrgang  V,  durch  Herrn  Besoke 

beschrieben  wurde.  Sie  verdient  die  ihr  gewordene  Empfehlung.  Vor 
allem  ist  sie  eine  wunderschöne  Ampel-  und  Hängepflanze.  Auf 
flachem  Grunde  breitet  sie  sich  sehr  aus  und  bildet  die  in  den 
Blattachseln  erscheinenden  Bulhilien  noch  zahlreicher  aus.  Bei  guter 
Drainage  und  genügend  Licht  gedeiht  die  Pflanze  mühelos.  In 
leichter  Erde  (wie  sie  Herr  Besoke  empfiehlt)  werden  die  Glieder 
etwas  lang,  doch  neigt  sie  dabei  mehr  zum  Blühen.  In  schwerem, 
lehmigem  Boden  sind  sie  kürzer  und  die  Blätter  grösser.  Fast  das 
ganze  Jahr  hindurch  ist  Ceropegia  Woodii  mit  laternenähuliehen, 
violetten  Blütchen  geziert.  Die  Frucht  ist  eine  etwa  8  cm  lange 
Balgkapsel,  die  zahlreiche,  mit  einem  Schopf  aus  Seidenhaaren  be- 
kleidete Samen  einschliesst.  Die  Vennehrung  erfolgt  aber  leichter 
durch  die  schon  erwähnten  Bulbillen  und  durch  Stecklinge. 

E.  Jahn,  Bot.  Garten,  Genua. 


Ceropegia  Woodii. 

Vom  Verfasser  für  die  „Gartenwelt"  photogr. 
aufgenommen. 


tau  z.  B.  auf  einem  Zinkdach    oder   anderer 
glatten   Fläche,    die  gleichmässig   feucht   er- 
scheint, zu  beobachten  ist;   auch  der  fein 
Nebel,  wie  man  ihn  mit  der  feinsten  Spritze 
nicht     erzeugen    kann,    macht    alles    gleich- 
massig  feucht.    Nach  Verdunsten  der  Feuchtig- 
keit  bleibt   nun    die    Färbung   als   Ueberzug, 
wenn  auch  noch  so  fein   oder  mindestens 
als    Randsaum    an  den  Blättern    zurück    und 
das  ist  eben  das  Unangenehme   bei  feineren 
Pflanzen     neben     der    unbestreitbaren    Vor- 
züglichkeit der  Bordelaiser  Brühe.     Zweitens 
war  die  Mischung,  wie  auch  in  den  „Glossen" 
gesagt   ist,    ganz   bedeutend   dünner   als    die 
Vorschrift  lautet,  nämlich  l°/0i  während  jene 
3%    angiebt,     eine    Auslassung    der    nötigen 
Vorsicht    also     nach    keiner    Richtung    vor- 
handen.    Von    einer   sogenannten   Cyclopen- 
mauer  endlich,  welche  keine  glatte,  abwasch- 
bare,   sondern    eine    möglichst    rauhe,   durch 
viele  in  den  ohnehin   porösen  Sandstein   eiu- 
gehauene      Vertiefungen     äusserst      unebene 
Fläche    bildet,  ist  das  Entfernen  der  zurück- 
bleibenden   blauweissen    Färbung    eine     un- 
gemein  schwierige    Arbeit,   auch   mit  Essig. 
Wohl  aber  hat  der  Herr  Verfasser  der  „Bei- 
fügung"   in  Nr.  50   mit   der  Erinnerung   an 
das    alte    Mittel,    den   gemahlenen  Schwefel, 
sehr    recht,    es    handelte    sich   aber    im    be- 
sprochenen Falle  um  einen  Versuch  mit  der 
Bordelaiser  Brühe    an    anderen   Pflanzen   als 
Obstbäume    und  Wein,  und   bei    diesen,    zu- 
mal   wenn     sie,     wie     Fuchsien,     Kosen    in 
Töpfen  etc.,  bald  Verwendung  finden  sollen, 
wird    der   Färbung  halber     die    Brühe    wohl 
besser  durch  ein  anderes  Mittel  ersetzt. 

G.  S. 


Stauden. 


Pflanzenkrankheiten. 


Noch  einige  Worte  zu  den  „Glossen"  zur  Bordelaiser 
Brühe  etc.  in  Nr.  47  und  50  des  VI.  Jahrganges  der  „Garten- 
welt". In  der  in  Nr.  50  enthaltenen  Ergänzung  zu  den  „Glossen"  etc. 
in  Nr.  47,  VI.  Jahrg.,  scheint  der  Herr  Verfasser  anzunehmen,  die  „Borde- 
laiser Brühe"  sei  im  besprochenen  Falle  mit  einer  gewöhnlichen 
Gartenspritze  und  in  zu  starker  Mischung  verteilt  worden,  was  das 
Zurückbleiben  der  blauweissen  Färbung  veranlasste.  Keines  von 
beiden.  Zunächst  hat  man  hierorts  keine  Gartenspritzen  in  Ver- 
wendung, der  Wasserleitung  wegen,  und  ausserdem  hätte  die  ge- 
wöhnlichste Vorsicht  die  Anwendung  einer  solchen  Spritze  vermeiden 
lassen.  Die  Verteilung  geschah  mit  der  feinsten  Gewächshausspritze, 
was  aber  ein  Zusammenf Hessen  der  äusserst  fein  verteilten  Flüssigkeit 
auf  glatten  Blättern  etc.  keinesfalls  ausschliesst,  wie  dies  bei  Morgen- 


Freilaiidprinielii  als  Sumpfpflanzen. 

Die  werden  es  zwar  schon  wissen,  dass  viele  unserer  schönsten 
Primeln  des  Freilandes  erst  so  recht  ihren  Keiz  entfalten,  wenn 
sie  als  Sumpfpflanzen  behandelt  werden,  aber  es  wird  doch  der  eine 
oder  der  andere  unter  Ihnen  sein,  der  es  noch  nicht  weiss  und  diesen 
gelten  meine  heutigen  Zeilen,  diese  mögen  sie  zur  Nachahmung  an- 
regen. Was  mich  besonders  veranlasst,  darüber  einige  Worte  zu 
verlieren,  ist  der  Umstand,  dass  ich  noch  nirgends,  auch  nicht  in 
den  Sumpfpflanzen  behandelnden  Büchern  oder  Sonderartikeln  Hin- 
weise fand,  Primeln  an  die  Ränder  von  Teichen  und  auf  sonst 
sumpfige  Plätze  zu  pflanzen  und  ich  auch  noch  nirgends  Primeln 
zu  Uferpflanzungen  verwendet  gefunden  habe.  Wenn  bei  mir  im 
Frühjahr  die  unschätzbare  Myosotis  Rehsteineri  die  Ufer  meines 
„Alpenteiches"  belebt,  dann  glühen  dicht  neben  ihr  in  grellstem 
Rosenrot  die  Primula  rosea  yrandiflora  —  hundertweise,  unweit 
davon  in  Massen  die  lila  P.  cashmirimta,  die  denticulata  und  ihre 
Form  alba,  die  P.  erosa  und  Verwandte  zwischen  gefüllten  Caltlia 
palustris  und  den  zarten  Röschen  des  gefüllten  Wiesenschaumkrautes, 
Cardamme  pratensis,  ein  Bild,  das  immer  allgemein  bewundert  wird 
und  auch  thatsächlich  in  seiner  Farbenpracht  glänzend  ist;  und 
kommen  Sie  wenige  Wochen  später,  dann  prangt  der  zweite  Primel- 
flor am  Teichufer:  Priiinda  japoniea  in  grossen  Gruppen,  v 
leuchtend  und  neben  den  Trollblumen,  Myosotis  palustris-Foimen 
u.  s.  w.  gleichfalls  köstlich  in  ihrer  Wirkung;  —  den  Reig  i 
schliesst   dann    von  Ende   Juli   an  bis   zum  Eintritt  des  Frostes  die 


128 


Die  Gartenwelt. 


VII,  11 


schlanke  P.  Poissoni  (Franchet).  —  Die  Entwicklung  und  Ueppigkeit 
derartig  gepflanzter  Primeln  ist  fabelhaft;  zuweilen  blühen  hier  Säm- 
linge schon  im  ersten  Jahre;  durch  Selbstaussaat  füllen  sich  bald 
etwaige  Lücken  am  Ufer  und  bald  zieht  sich  ein  blühender  Primel- 
kranz rund  um  den  Teich.  Für  sonnige  Teichufer  giebt  es  in  Park 
und  Garten  kaum  lieblichere  Bewohnen  wer  nun  gar  etwa  über 
grössere  feuchte  Komplexe  auf  seinem  Gelände  verfügt,  dem  empfehle 
ich  gleichfalls  warm  den  Anbau  dieser  immer  begehrten,  übrigens 
auch  als  Topfpflanzen  brauchbaren  Blüher.  Die  zierlichen  P.  farinosa, 
fromlosa,  irmolucrata  u.  s.  w.  lieben  gleichfalls  einen  Platz  am  Ufer. 
—  die  schöne  gelbe  P.  sikkimensis  Hebt  es  indessen  nicht,  direkt 
vom  Wasser  bespült  zu  werden.  —  Wo  keine  feuchten  Plätze  zur 
Verfügung  stehen,  gedeihen  die  genannten  Arten  bekanntlich  am 
besten  im  Halbschatten.  E.  W. 


Pflanzenkunde. 


Gehölze. 


Be 


Polygala  Chamaebuxus 


)ei  Gelegenheit  der  diesjährigen  Hauptversammlung  der 
„Deutschen  Dendrologischen  Gesellschaft"  in  Hannover  wurde  von 
Herrn  Garteninspektor  Beissner  u.  a.  auch  ein  Zweig  der  rotblühenden 
Polygala  Chamaebuxus-Form  vorgezeigt  und  auf  diese  hübsche  Pflanze 
aufmerksam  gemacht.  Wie  wenig  bekannt  und  geschätzt  dieses 
reizende  Zwerggehölz  ist,  konnte  man  bei  dieser  Gelegenheit  wahr- 
nehmen; hörte  ich  doch  sogar  einen  unweit  von  mir  sitzenden  Herrn 
im  Flüsterton  sich  äussern:  „Det  Ding  hat  doch  gar  keinen  Wert" 
—  recht  bezeichnend  für  die  heutige  Zeit.  Es  mag  zugegeben  werden, 
dass  dieses  Gewächs  nicht  den  welterschütternden,  Wert  einer  neuen 
Blaufichte  oder  Begonie  hat,  an  denen  sich  in  kürze  Tausende  ver- 
dienen lassen,  —  es  muss  aber  auch  andererseits  unangenehm  be- 
rühren, wenn  Leute,  die  sich  den  deutschen  ,,Dendrologen"  zuzählen, 
so  wenig  Sinn  für  ein  hübsches  Pflänzchen  haben,  dessen  Wert  vor- 
läufig nur  erst  ein  idealer  geblieben  ist.  Das  war  nicht  immer  so. 
Ich  greife  so  gern  nach  den  alten  und  ältesten  Jahrgängen  der 
„Gartenflora"  zurück,  um  mich  zu  erquicken  an  dem  Hauch  idealer 
Pflanzeuliebe  und  Blumenbegeisterung,  der  diese  vergilbten  Blätter 
durchweht;  da  hatte  auch  der  handeltreibende  Gärtner  noch  Sinn 
und  Verständnis  für  eine  hübsche  Pflanze  der  heimischen  oder 
benachbarten  Flora;  —  heute  hat  die  „Intelligenz",  der  kaufmännische 
Geschäftssinn,  gemüt-  und  liebevolles  Studium  der  Natur  vielfach 
unterdrückt,  man  hat  keine  Zeit  mehr  für  „Gefühlsduseleien"  und 
erblickt  in  seinen  Pflanzen  nur  Zahlen.  —  Wehe  dem,  der  so  „un- 
praktisch" ist,  auch  nebenher  aus  Neigung  und  Liebhaberei  zu  kultivieren, 
was  nichts  einbringt.  —  An  der  heimischen  Flora  gehen  die  meisten 
gleichgültig  vorüber,  ohne  zu  bedenken,  dass  sie  uns  schon  manchen 
Schatz  geliefert  hat.  Ein  solch  ungehobener  Schatz  ist  auch  unsere 
niedliche  Polygala  Chamaebuxus  mit  gelb  und  weissen,  etwa  1  cm 
im  Durchmesser  grossen  Blüten  und  noch  mehr  die  karminrote  Form 
der  südlichen  Voralpen,  die  auch  als  var.  rhodoptera  Bennet.  be- 
schrieben worden  ist.  Man  trifft  diesen  immergrünen,  buxartig  be- 
laubten Busch,  der  etwa  10 — 15  cm  Höhe  erreicht,  oft  mit  Erica 
herbacea  (carnea).  zusammen  an,  mit  der  er  auch  gleichzeitig  blüht. 
Und  was  das  für  ein  Leuchten  und  Prunken  ist,  wenn  er,  wie  z.  B. 
an  der  Mendel  bei  Bozen  oder  bei  Davos  u.  a.  0.  massenhaft  die 
Hänge  der  Berge  bedeckt;  da  muss  man  ihn  lieb  gewinnen  und  mit- 
nehmen. Bei  leichter  Beschattung  gedeiht  Polygala  Chamaebuxus 
in  etwas  kalkhaltiger  Laub-,  Wrald-  oder  Heideerde  sehr  gut  und 
blüht  alljährlich  reichlich.  Sie  lässt  sich  gut  stutzen  und  durch 
Stecklinge,  die  von  Juni  bis  zum  Herbst  gemacht  werden  können, 
leicht  und  massenhaft  vermehren,  während  Samenanzucht  langweilig 
ist.  AVer  sich  einmal  damit  befassen  würde,  sie  ähnlich  wie  Eriken 
heranzuziehen,  könnte  dabei  auch  materiellen  Gewinn  haben,  denn 
sie  ist  eine  reizende  Erscheinung  und  würde  auch  ihre  Liebhaber 
finden  und  hätte  längst  schon  einen  Platz  in  unseren  Gärten  ge- 
wonnen, wenn  man  sie  nur  kennen  würde  und  wenn  manche,  die 
Polygala    Chatmacburus    kennen,   dieselbe   nicht   missachten    würden. 

E.  Wocke-Uliva. 


International* 


Pflanzenzüchter- Konferenz 

New  York 


m 


In 


vom  30.  September  bis  2.  Oktober. 


Ln  den  ersten  Tagen  des  Monats  Oktober  fand  zu  New  York 
im  „Berkeley  Lyceum"  auf  Veranlassung  der  New  Yorker  Gartenbau- 
Gesellschaft  unter  dem  Titel  „International  Plant  Breeding  Conference" 
ein  erwähnenswerter  Kongress  statt.  Die  Liste  der  ungefähr  70  Teil- 
nehmer weist  die  Namen  vieler  in  Gärtner-  und  Botanikerkreisen  der 
alten  sowohl  als  auch  der  neuen  Welt  bestens  bekannter  Männer 
auf,  die  hauptsächlich  der  Züchtung  von  Pflanzenneuheiten  (breeding 
of  new  plants)  durch  Hybridisation  oder  andere  Verfahren  grosse 
Aufmerksamkeit  zuwenden.  Ein  reichhaltiges,  nahe  an  60  Nummern 
(Vorträge  und  zur  Diskussion  gestellte  Anträge)  aufweisendes  Programm 
lag  für  den  drei  Tage  währenden  Kongress  vor.  Bald  waren  es 
Themata,  die  den  Landwirt,  bald  solche  die  den  Gärtner,  und  unter 
ihnen  wieder  bald  den  Schnittblumen-,  Gemüse-  oder  Obstzüchter 
mehr  interessirten.  Für  uns  besonders  wichtig  waren  die  nachstehend 
näher  aufgeführten  Vorträge:  „Die  praktischen  Aussichten  betr.  die 
neuen  Entdeckungen  auf  dem  Gebiete  der  Vererbung"  durch  Professor 
W.  Bateson  von  der  Cambridge-Universität  in  England.  Nach  des 
Vortragenden  Ansicht  ist  man  heutzutage  soweit,  dass  der  Züchter 
unter  Beobachtung  der  bis  jetzt  bekannten  Thatsachen,  seine  Züchtungs- 
versuche nach  einer  von  ihm  gewollten  Richtung  zu  seinem  Vorteil 
ausnutzen  kann.  Der  bekannte  Pflanzenfreund  Max  Leichtlin  in 
Baden-Baden  hatte  eigens  für  diesen  Kongress  einige  seiner  Er- 
fahrungen und  Beobachtungen  niedergeschrieben,  welche  Arbeit  infolge 
der  Abwesenheit  des  Verfassers  vom  Schriftführer  des  Kongresses 
verlesen  wurde.  Leichtlin  behauptet  u.  a.  darin,  dass  es  nötig 
sei,  zur  Hybridisation  bestimmte  Pflanzen  zur  geeignetsten  Zeit  zu 
verwenden.  So  wäre  z.  B.  ein  verhältnismässig  warmer  Tag,  nach 
einem  Regen,  am  vorteilhaftesten  bei  6/i,>  aUer  Pflanzen.  Andere 
erfordern  eine  sehr  trockene  Atmosphäre,  gemäss  ihrem  natürlichen 
Standort.  Nie  sollte  eine  Befruchtung  vorgenommen  werden,  wenn 
der  Stempel  nicht  soweit  ausgebildet  sei,  was  bei  einiger  Praxis  bald 
zu  erkennen  ist,  usw.  —  Der  zu  verwendende  Staubpollen  muss 
mit  Hilfe  eines  Vergrösserungsglases  untersucht  werden  und  sollte 
weder  zu  frisch  noch  zu  überreif  sein.  Nach,  vorgenommener  Be- 
fruchtung ist  es  in  vielen  Fällen  ratsam,  ein  kleines  Trinkglas,  Flasche 
mit  weitem  Halse  oder  dergl.  über  die  befruchtete  Blüte  während 
der  ersten  paar  Tage  zu  stülpen,  damit  eine  etwas  höhere  Temperatur 
als  die  der  umgebenden  Luft  erzielt  wird.  In  brauchbarem  Zustande 
gesammelter  Pollen  kann  in  kleinen,  gut  verschlossenen  Glasgefässen 
mehrere  Tage  aufbewahrt  werden,  ohne  dass  er  die  Fähigkeit  verliert, 
ihn  zum  Befruchten  benutzen  zu  können.  Einige  Pflanzenfamilien 
sind  spärliche  Samenträger,  so  z.  B.  die  Caryophyllaceen,  denn  da 
ist  der  Pollen  lange  vorher  reif,  ehe  der  Stempel  sich  entwickelt 
hat.  In  der  Regel,  und  zwar  in  acht  Fällen  unter  zehn,  hat  die 
weibliche  Pflanze  grösseren  Einfluss  auf  die  Nachkommen,  sie  giebt 
nämlich  die  Farbe.  In  den  meisten  Fällen  wird  die  aus  der  Kreuzung 
hervorgegangene  Pflanze  grössere  Blumen  haben  als  beide  Eltern.*) 
Hybriden  sind  und  bleiben  unfruchtbar.  Ob  eine  Befruchtung  möglich 
ist  oder  nicht,  kann  ohne  grosse  Mühe  festgestellt  werden,  indem 
die  Pollenkörner  auf  ihre  Gestalt  hin  unter  dem  Mikroskop  betrachtet 
werden.  —  Gut  ist  es,  wenn  sie  einander  nahezu  gleichen,  während 
eine  Befruchtung  unmöglich  ist,  sobald  sie  in  der  Form  sehr  von 
einander  abweichen.  —  Während  einer  darauf  folgenden  Aussprache 
über  die  Lebensfähigkeit  der  Pollen  und  die  Möglichkeit,  sie  zu  ver- 
schicken, wurde  u.  a.  mitgeteilt,  dass  die  Pollen  von  Nelken  sich 
nicht  halten,  wenn  sie  in  Papier  eingeschlagen  werden,  wohingegen 
sie  in  einem  Glasgefäss  aufbewahrt,  eine  ziemlich  lange  Zeit  gebrauchs- 
fähig bleiben.    Auch  war  Pollen  von  mehreren  Anwesenden,  nachdem 


*)  Anmerkung  des  Uebersetzers:  Sollten  nicht  diese  grösseren 
Blumen  meistens  eine  Folge  der  besseren  Pflege  sein,  die  man  dem 
Kreuzuugsergebnisse  zuteil  werden  lässt? 


VII,  11 


Die  Gartenwelt. 


129 


sie  ihn  vollkommen  getrocknet  hatten,  in  Pappschachteln  auf  weite 
Entfernungen,  so  u.  a.  durch  Dr.  Morris,  nach  verschiedenen  Stationen 
in  Westindien  mit  Erfolg  verschickt  worden.  Die  vorher  an  der  Sonne 
getrockneten  Pollenkörner  wurden  zwischen  zwei  Blätter  Löschpapier 
gelegt  und  diese  in  ein  gewöhnliches  Pappschächtelchen  gethan.  —  Ueber 
die  Einteilung  der  Hybriden  gelangte  ein  Vortrag  von  J.  F.  Lynch, 
Kurator  des  botanischen  Gartens  zu  Cambridge  (England),  zur  Ver- 
lesung und  wurde  ein  aus  drei  der  Anwesenden  gebildeter  Ausschuss 
gewählt,  um  eine  grössere  Einheitlichkeit  in  der  Klassifikation  herbei- 
zuführen und  auch  das  Wort  Hybride  fest  zu  begrenzen,  desgleichen 
den  Ausdruck  ., Sport",  womit  in  Europa  vielfach  etwas  anderes  (aus 
dem  Trieb  einer  Pflanze  hervorgegangene  Spielart)  verstanden  würde 
als  in  Amerika,  wo  man  zwischen  Sports,  die  aus  dem  Samen  oder 
aus  Trieben  hervorgegangen  sind,  einen  Unterschied  macht.  --  Von 
dem  bekannten  kalifornischen  Obstneuheiten-Züchter  LutherBurbank 
gelangte  ein  Vortrag  zur  Verlesung  über  ,,Die  Grundsätze  bei  der 
Pflanzen-Züchtung".  Sodann  sprach  ein  Angestellte]-  des  Ackerbau- 
Departements  der  Vereinigten  Staaten  über  die  Züchtung  von  für 
Krankheiten  nicht  empfängliche  Varietäten,  nach  Versuchen,  die  mit 
Baumwolle,  Erbsen,  Melonen  usw.  gemacht  worden  sind.  Hierauf 
folgte  ein  Vortrag  von  Professor  Hays  aus  Minnesota  über  die  Züch- 
tung besonders  wertvoller  Qualitäten.  —  Dr.  S.  A.  Beach,  von  der 
Versuchsstation  des  Staates  New  York,  sprach  über  „Das  gegenseitige 
Verhältnis  zwischen  verschiedenen  Teilen  der  Pflanze,  bezügl.  ihrer 
Form,  Farbe  und  anderer  Charakter-Eigenschaften'-.  Es  wurden 
Beispiele  aufgeführt,  wo  diese  Wechselbeziehungen  sehr  scharf  aus- 
geprägt waren.  Bei  Trauben  lässt  die  Grösse  des  Blattes  oft  auf  die 
Grösse  der  Beeren  schliessen.  Die  Farbe  der  Himbeeren  Hess  sich 
vorhersagen  an  der  Farbe  des  Laubes  und  der  Triebe.  Aehulich 
verhält  es  sich  bei  Rosen,  wo  die  Farbe  der  Blumen  sich  vorher- 
sagen Hess.  Sogar  zwischen  Farbe  der  Wurzeln  und  Blumen  giebt 
es  Beziehungen  bei  den  Nelken.  Weissblühende  Sorten  haben  weiss- 
liche  Wurzeln,  gelbe  Varietäten  dagegen  gelbliche  und  die  roten 
Spielarten  haben  Wurzeln  von  roter  Farbe  u.  s.  f.  Dadurch,  dass 
Neuheiten-Züchter  diesen  scheinbaren  Nebensächlichkeiten  lnehr  Auf- 
merksamkeit zuwenden  würden,  könnten  sie  oft  viel  Zeit  und  Mühe 
sparen,  indem  sie  schon  lange  vorher  erkennen  würden,  ob  es  wert 
sei,  das  Ergebnis  ihrer  Kreuzung  weiter  zu  pflegen  oder  nicht.  — 
Auf  einen  Vortrag  über  „Verbesserungen  von  Hafersorten  durch 
Kreuzung"  folgte  eine  Aussprache  über  Züchtung  von  Schnittblumen, 
wie  Rosen,  Nelken,  Chrysanthemum,  Begonien  usw.  Unter  anderem 
wurde  auch  von  Nicholson-London  bemerkt,  dass  vielfach  angenommen 
würde,  die  ,,La  Fra>ice"-Rose  bringe  nie  Samen  hervor,  eine  Ansicht, 
der  verschiedene  Anwesende  widersprachen.  Der  mit  viel  Witz  ver- 
mischte Vortrag  des  Prof.  Bailey,  betitelt  „Kürbis-Potpourri", 
erregte  grosse  Heiterkeit,  und  hat  es  der  Vortragende  nach  acht- 
jährigen Versuchen  als  hoffnungslos  aufgegeben,  sich  weiter  mit 
Kreuzungsversuchen  in  dieser  Pflanzenfamilie  zu  befassen.  —  Mit 
grossem  Interesse  wurden  die  Ausführungen  des  Prof.  L.  C.  Corbett, 
vom  Bureau  für  Pflanzenindustrie  zu  Washington,  angehört,  der  über 
„Die  Vervollkommnung  der  Rosen  durch  Auswahl  des  Stecklingholzes" 
sprach  und  wurde  im  Anschluss  hieran  die  Frage  lebhaft  besprochen, 
ob  es  vorteilhafter  sei,  Holz  mit  Laubknospen  oder  solches  mit 
Blütenknospen  zu  verwenden.  —  Ueber  Gladiolen-Kreuzungen  sprach 
Dr.  van  Fleet,  wobei  gleichzeitig  eine  Vorführung  von  schönen 
Gladiolen-Blumen  mittels  Stereoptikons  stattfand.  Nach  Dr.  van  Fleets 
Behauptung  eignet  sich  besonders  Gladiolws  oppositiflorits  zur 
Hervorbringung  guter,  hellfarbiger  Ausstellungsblumen,  was  besonders 
von  Wert  sei,  da  im  allgemeinen  die  hellen  Farben  weniger  Lebens- 
kraft und  grössere  Neigung  zum  Degenerieren  zeigen  als  die  dunkel 
blühenden  Sorten.  Auch  andere  Anwesende  gaben  zu,  dass  es  ihr 
Bestreben  sei,  vor  allem  dauerhaftere,  heller  gefärbte  Sorten  zu 
züchten.  Gleichfalls  durch  Vorführung  von  Laterna  magica-Bihlern 
wirksam  unterstützte  Mitteilungen  des  Nelken-Spezialisten  C.  W.  Word 
aus  Queens  über  Nelken-Hybridisation  beschloss  die  lange  Reihe  der 
für  Fachleute  sowohl  wie  für  Männer  der  Wissenschaft  gleich  lehr- 
reichen Vorträge.  M.  G. 


Pflanzendüngung. 


De 


■Missjmn'e  beim  Düngen, 


'er  berühmte  Doktor  Eisenbart  hat  bekanutlich  einem  Manne, 
der  einen  hohlen  Zahn  hatte,  diesen  mit  dem  Pistol  herausgeschossen 
und  rühmte  sich  dann,  dass  dem  Manne  hierauf  so  wohl  geworden 
sei.  Unstreitig  war  die  Absicht  des  berühmten  Doktors,  dem  Manne 
zu  helfen,  eine  reine  und  gute;  aber  er  durfte  dabei  als  Fachmann 
durchaus  nicht  vergessen,  dass  der  Kopf  desselben  keine  Pistolen- 
schüsse vertragen  kann.  So  steht  zuweilen  der  Erfolg  eines  mit  den 
besten  Absichten  begonnenen  Unternehmens  im  schreiendsten  Gegen- 
satze zu  den  gehegten  Erwartungen.  Aehnlich  wie  dem  Dr.  Eisenbart  er- 
ging es  einem  Privatliebhaber  mit  seiner  guten  Absicht  bei  seinen 
Lieblingspflanzen.  Derselbe  besass  in  seinem  Vorgarten  ein  sehr  grosses 
Beet  von  Liliurn  testaceum  (isabellinum),  welches  alljährlich  zur  Zeit 
seiner  Blütenpracht  die  Passanten  der  Strasse  fesselte  und  thatsächlich 
zu  dieser  Zeit  ein  grossartiges  Schaustück  bildete,  wie  man  solche  bei 
der  allgemein  gewohnten  Bepflanzung  der  Gruppen  und  Beete  mit 
Florblumen  —  abgesehen  von  Vorgärten  allein  —  gewiss  nur  sehr 
selten  findet.  Solche  Privatliebhaber  besitzen  zuweilen  wirklich 
originelle  und  seltene  blumistische  Schönheiten.  Dieses  schöne  Beet 
war  denn  auch  der  Stolz  und  die  Freude  seines  Besitzeis  schon  lange 
Jahre  und  bei  einer  vorzunehmenden  Umlegung  der  Zwiebeln  be- 
schloss er,  denselben  etwas  ganz  besonderes  zugute  zu  thun.  Das 
Beet  wurde  bis  zur  nötigen  Tiefe  ausgehoben  und  nun  eine  derbe 
Schicht  alten  Taubendüngers  hineingepackt,  auf  denselben  eine  Schicht 
frische  Erde  gebracht,  hierauf  die  ganz  außergewöhnlich  starken 
Zwiebeln  gelegt  und  mit  Erde  entsprechend  bedeckt.  In  der  Technik 
hatte  der  Mann  also  seine  Sache  ganz  gut  gemacht  und  hatte  hierauf 
jenes  Gefühl,  welches  den  Menschen  nach  Vollbringen  einer  guten 
That  überkommt.  Der  Frühling  kam  und  mit  ihm  das  unwider- 
stehliche Sprossen  und  Treiben  in  der  Pflanzenwelt;  aber  was  in 
diesem  Frühjahr  die  Erdkruste  nicht  durchbrach,  waren  unseres 
Freundes  prächtige  Lilien.  Nach  vergeblichem  Hoffen  und  Harren 
weit  über  die  gewohnte  Zeit  hinaus  wurde  nachgesucht  und  siehe 
da  —  sämtliche  Zwiebeln  hatten  zwar  Wurzeln  und  Triebe  von  etwa 
halber  Fingerlange  gemacht,  waren  aber  in  diesem  Stadium  stehen 
gebheben,  denn  als  die  Wurzeln  den  Dünger  berührt  hatten,  war  es 
mit  ihnen  aus.  An  dieser  Stelle  waren  sie  allesamt  verfault.  Der 
Mann  war  um  sein  Prachtstück  gekommen  und  bezahlte  damit  das 
Vergessen  oder  Unterlassen  einer  Befragung  eines  erfahrenen  Fach- 
mannes bezüglich  des  Düngens  seiner  kostbaren  Zwiebeln.  Nicht 
eine  einzige  ist  ihm  zu  retten  gelungen.  Der  Mann  ist  Laie  und 
wenn  er  bei  sich  dachte,  „Mist  ist  Mist",  so  handelte  er  in  gutem 
Glauben  und  sein  arger  und  folgenschwerer  Missgriff  ist  ihm  deshalb 
wohl  zu  verzeihen. 

Aber  auch  Fachleute  machen  Missgriffe  und  am  Ende  ist 
auch  nicht  ein  Fachmann  ganz  darüber  hinaus.  Ein  junger 
Gärtner,  der  recht  grosse  Sellerieknollen  haben  wollte,  hatte  angeblich 
in  einem  Buche  gelesen,  dass  hierzu  Guano  das  beste  Mittel  sei  und 
ein  Quantum  desselben  von  einem  Esslöffel  voll  um  jede  Sellerie- 
staude, zur  Zeit  ihrer  Knollenbildung  auf  die  Erde  gestreut,  genüge, 
um  seine  löbliche  Absicht  zu  erreichen.  Er  machte  sich  an  die 
Arbeit.  Während  das  Kraut  jeder  einzelnen  Staude  zusammen- 
gehalten wurde,  streute  die  andere  Hand,  genau  nach  Vorschrift, 
einen  Esslöffel  voll  Guano  ringsum  auf  die  Erde.  Die  Wirkung  war 
eine  überaus  rasche  und  drastische.  Verdutzt  stand  der  junge  Mann 
am  nächsten  Morgen  vor  seinen  Selleriebeeteu,  verdutzt  und  wortlos 
ob  der  überaus  raschen  und  gründlichen,  aber  grausamen  Veränderung, 
welche  über  Nacht  mit  seinem  Sellerie  vorgegangen  war.  Derselbe 
war  ja  wie  durch  einen  Zauberschlag  vom  Erdboden  verschwunden, 
wenigstens  ganz  niedrig  geworden.  Das  Kraut  lag  ringsum  glatt  auf 
der  Erde,  nur  die  Herzblätter  ragten  aus  der  braun  gewordenen 
dunklen  Masse  hervor,  wie  etwa  die  Mastspitzen  eines  untergegangeneu 
Schiffes  aus  dem  Wasser.  —  Wie  jenen  Laien  sein  Missgriff  mit 
dem  Dünger  um  seine  schönen  Lilien  gebracht  hat,  so  hat  i 
seinen  Sellerie   zu   beklagen,  ebenfalls   eines   Missgriffes  wegen.     Iu 


130 


Die  Gartenwelt. 


VII,  11 


beiden  Fällen  wäre  eine  wiederholte  entsprechende  flüssige  Düngung 
an  Stelle  der  alle  Naturgesetze  ausser  acht  lassenden  Pistolenschüsse 
ratsam  und  angebracht  gewesen.  G.  S. 


Ausstellungsberichte. 


Die  Ausstellung  des  Vereins  Hamburger 
Chrysanthemum-Freunde  und  des  Gartenbau- Vereins 
für  Hamburg  und  Umgebung.  VomlS. — 23.November. 

Von  Heinrich  Kohlmannslehner,  Handelsgärtner  in  Britz-Berlin. 

X/ie  Ausstellungen  der  Deutschen  Dahlien-Gesellschaft, 
welche  die  Dahlie  als  Hauptblume,  aber  alle  anderen  Mode- 
blumen als  hinzugehörig  betrachtet,  sind  offenbar  den  Ham- 
burgern in  diesem  Jahre  vorbildlich  gewesen.  Das  mag  auch 
der  Grund  sein,  dass  sich  beide  Vereine  verbanden,  um  ge- 
meinsam eine  Bluinenausstellung  ins  Leben  zu  rufen,  welcher 
allerdings  nur  eine  örtliche  Bedeutung  zugesprochen  werden 
kann.  Wir  anderen  Grossstädter  würden  gerne  in  einer 
solchen  Veranstaltung  denen  in  Hamburg  nacheifern,  wenn 
—  die  Frage  eines  geeigneten  Lokales  nicht  überall  eine  so 
schwer  lösbare  wäre.  Denn,  dass  eine  immerwährende 
Propaganda  notwendig  ist,  die  Liebhaber  anzuregen  und  mit 
dem  Neuen  und  Guten  bekannt  zu  machen,  das  werden  mir 
selbst  die  verbissensten  Ausstellungsfeinde,  die  solches  eben 
nur  aus  Gründen  persönlichen  Unbefriedigtseins  geworden 
sind,  zugeben  müssen.  Nächst  den  freien  Künsten  giebt  es 
wolü  keinen  Beruf,  dem  Ausstellungsveranstaltungen  so  leicht 
gelingen  wie  dem  Gartenbau.  Und  schliesslich  hat  ja  jeder 
Mensch  für  Blumen  etwas  übrig,  weil  sie  ohne  Spezial- 
verständniss  gesehen,  bewundert  und  auch  verstanden  werden 
können. 

Also  eine  lokale  Ausstellung  war's  und  naturgemäss 
waren  auswärtige  Gärtner  dort  sehr  wenig  zu  finden.  Die 
Beteiligung  der  Hamburger  Handelsgärtner  war  massig  und 
wie  es  mir  schien,  haben  aus  irgend  welchen  Gründen  sich 
viele  Firmen  nicht  daran  beteiligt.  Ein  mir  erfindlicher 
Grund  läge  darin,  dass  der  Flor  der  Chrysanthemen  überall 
noch  zurück  war  und  andere  Blumen  knapp  und  begehrt 
waren,  wodurch  sich  ein  Ausstellen  von  selbst  verbot.  Im 
Durchschnitt  gab  es  nur  gute  Kulturleistungen,  wie  man 
das  von  Hamburg  gewolmt  ist.  Das  riesengrosse  Ausstellungs- 
gebäude, das  Velodrom,  über  dessen  architektonisch  rohe 
Gestaltung  man  denken  mag  wie  man  will,  ist  und  bleibt 
doch  der  beste  Ausstellungsraum,  den  wir,  für  Winter-Aus- 
stellungen wenigstens,  im  Deutschen  Reich  besitzen.  Bei 
normalem  Wetter  lässt  sich  der  Raum,  der  mit  Dampf- 
heizung ausgestattet  ist,  sehr  gut  warm  halten.  Die  damals 
ungewöhnlich  scharf  einsetzende  Kälte,  von  schneidendem 
Ostwind  begleitet,  machte  indessen  die  grössten  Anstrengungen, 
den  Raum  leidlich  wärm  zu  erhalten,  zu  nichte;  es  war 
und  blieb  kalt,  und  ein  steifer  lütjer  Grog  in  Zwischen- 
räumen genossen,  war  unumgänglich  nötig,  um  die  kaum 
über  dem  Gefrierpunkte  stehende  Velodromtemperatur  ertragen 
zu  können. 

Die  Dekorationsgruppen  der  grossen  Hamburger  Lieb- 
habergärten  sahen  heuer  wieder  genau  so  aus,  wie  in  den 
Vorjahren.  Sie  flankierten  die  beiden  Querseiten,  wohingegen 
die  Längsseiten  schlicht  mit  Tannenbäumen  etwas  armselig 
dekoriert    waren.      Neben    Eis-Maiblumen    zweier    Aussteller 


sahen  wir-  ferner  ausser  Eis-Flieder  und  frühgetriebenem 
Flieder  auch  Eis-Lilien,  und  zwar  L.  longiflorum.  Es  waren 
letztere  zumeist  einblütige  Pflanzen,  die  mir  bezüglich  der 
Rentabilität  dieser  Kultur  für  den  späten  Schnitt  gewisse 
Bedenken  aufkommen  Hessen.  Wir  sahen  weiter  Asparagus 
Sprengeri  in  Schaupflanzen,  Erica  gracilis,  die  infolge  des 
nasskalten  Sommers  die  feurige  Blütenfärbung'  vermissen 
Hessen,  sonst  aber  tadellos  waren,  verschiedentliche  Ein- 
sendungen in  ('ildamen,  die  sich  gegenseitig  an  Qualität  der 
Blumen  und  Pflanzen  nicht  viel  nachstanden.  Gärtnerisch 
auffallend  waren  wunderschöne  Remontant-Nelken  und  in 
ganz  hervorragenden  Leistungen  waren  hinsichtlich  der 
Pflanzen  und  auch  der  Qualität  der  Blüten  Primula  obconica 
ausgestellt.  Begonia  „Gloire  de  Lorraine" ,  meine  Lieblings- 
pflanze, führten  uns  drei  Aussteller  vor  und  zwar  waren 
zwei  der  Einsendungen  nicht  aus  Hamburg;  das  hinderte 
alier  nichts  an  der  Thatsache,  dass  diese  Pflanzen  die  schönsten 
waren.  Die  Pflanzen  des  einen  Hamburger  Ausstellers  in 
dieser  Konkurrenz  schienen  offenbar  zu  warm  getrieben  zu 
sein,  da  sie  zu  blass  aussahen.  Es  fiel  mir  daran  ferner 
auf,  dass  manche  Exemplare  besonders  kleinblättrig  waren. 
Und  weil  mir  ein  Hamburger  Freund  anvertraute,  dass  in 
Hamburg  bereits  an  6 — 7  Sports  dieser  Begonie  festgestellt 
seien,  komme  ich  zu  der  bangen  Vermutung,  dass  irgend 
ein  findiger  Neuheiten- Mensch  diese  demnächst  sichten  und 
in  den  Handel  bringen  wird. 

Sowohl  die  ebengenannte  Begonie,  als  auch  Prwn/ida 
nhi-iiiiirii  gehören  neben  Cyclamen  und  Chrysanthemum  un- 
streitig zu  unseren  besten  Spätherbstblumen,  und  wenn  wir 
auch  gerne  Frankreich  den  Ruhm  lassen  wollen,  das  Geburts- 
land von  Deg.  „Gloire  de  %,orraine"  zu  sein,  so  bleibt  es 
unbestritten,  dass  es  nur  deutschem  unermüdlichem  Fleisse 
zu  verdanken  ist,  dass  wir  die  P.  obconica  heute  in  solcher 
Vollkommenheit  besitzen.  Es  ist  schade,  dass  man  nie  Ge- 
legenheit hat,  die  vor  ungefähr  15  Jahren  eingeführte  Primula 
obconica  mit  den  Zuchtverbesserungen  unserer  heutigen  Kultur 
vergleichen  zu  können.  Man  nimmt  das  eben  als  selbstver- 
ständlich hin,  ohne  es  zumeist  zu  ahnen,  welch  ausser- 
ordentlicher Fleiss  dazu  gehört,  solche  Vollkommenheiten  zu 
erzielen. 

Die  von  zwei  Baumschulen  aus  der  Nähe  Hamburgs 
eingesandten  Koniferengruppen  halfen  über  die  Einförmigkeit 
der  Mittelbeete  der  Ausstellung  vorteilhaft  hinweg. 
Aspidistra,  die  bekannte  Handelspflanze,  sahen  wir  in 
melireren  Einsendungen,  schlank  im  Blatt,  so  wie  sie  der 
Handel  liebt.  Etwas  Apartes,  weil  es  in  Deutschland  ver- 
hältnissmässig  selten  gezogen  wird,  waren  reich  mit  Früchten 
besetzte  Citrus  und  jedem  Ausstellungsbesucher  fielen  weiterhin 
schöne  Pflanzen  von  Franciscca  calycina  auf.  Etwas  nicht 
minder  Auffälliges  muss  ich  noch  erwähnen:  Das  waren 
diverse  Blütenpflanzen,  die  ein  Handelsgärtner  als  seine 
Abonnementspflanzen  vorführte.  Die  Gruppenschilder  trugen 
den  Vermerk,  so  und  so  viel  Wochen  oder  Tage  in  den 
Zimmern  meiner  Blumenabonnenten  befindlich  gewesen.  Ob 
die  Idee,  Pflanzen  zu  verborgen,  d.  h.  für  ein  Dekorations- 
abonnement, eine  gute  ist,  wage  ich  nicht  zu  entscheiden. 
Die  Reklame  für  die  Pflanzen,  welche  die  Pflanzen-Verleih- 
anstalt machte,  liess  auf  Geschäftstüchtigkeit  schliessen.  Die 
etwas  frühgetriebenen  Myosotis  oblongata  perfecta  waren  in 
der  Blütenfärbung  ein  wenig  zu  hell.  Etwas  Originelles  und 
mehr  und  mehr  in  Mode  kommendes  war  ein  Winter-Teppich- 
beet aus  Semperviven  und  anderen  Winterhärten  Pflanzen  be- 


VII,  11 


Die  Gartenwelt. 


131 


stehend.  Falls  Landschaftsgärtner  mit  Liebhabern  zu  thun 
haben,  die  im  Ausgeben  nicht  kleinlich  sind,  sei  denselben 
die  Idee  und  Ausführung  solcher  Winterhärten  Teppichbeete 
warm  ans  Herz  gelegt.  Sehr  schöne  imd  langstielige  Rosen 
in  den  Sorten  „Kaiserin  Auguste  Viktoria",  „Mme  Caroline 
Testend"  und  „Maman  Cochet"  begegnen  uns  in  einer  Ein- 
sendung zum  Beweise  für  die  Schutzzollgegner,  dass  wir 
selbst  in  einem  ungünstigen  und  frostfrühen  Jahre  im 
November  noch  sehr  gute  Theerosen-Hybriden  ziehen  können 
—  wenns  nur  bezahlt  wird!  Neben  dem  schon  erwähnten 
Eis-Flieder  war  auch  früh  getriebener  JfoWy-Flieder  aus- 
gestellt. 

Und  nun  zu  dem  Neuen,  was  ja  jeder  auf  Ausstellungen 
gerne  sucht,  kommend,  führe  ich  eine  Farn-Neuzüchtung  des 
Herrn  Franz  Jank,  Wandsbek-Marienthal,  an,  die  der  Züchter 
Lomaria  macrophylla  in  einer  breitblättrigen  und  L. 
maerophylla  elegans  in  einer  etwas  schmalblättrigen  Varietät 
getauft  hat.  Soviel  ich  hörte,  ist  dieser  neue  Handels-Farn 
auch  vom  Verbände  der  Handelsgärtner  zwecks  Ausstellung 
eines  Wertzeugnisses  geprüft  worden,  und  die  ausgestellten 
Pflanzen,  über  welche  ich  eben  nur  urteilen  kann,  haben 
mir,  ohne  Uebertreibung  gesagt,  ausserordentlich  gut 
gefallen.  Dass  man  auch  Dielytra  speetabilis  als  Eisartikel, 
d.  h.  in  auf  Kühlräumen  übersommerten  Klumpen  in  jeder 
beliebigen  Jalireszeit  in  Blüte  haben  kann,  bewies  ein  Ham- 
burger Handelsgärtner,  und  als  ich  den  Aussteller  darauf 
aufmerksam  machte,  dass  die  Pflanzen  an  Ueppigkeit  gegen 
natürlich  getriebene  zurückständen,  belehrte  mich  dieser 
daliin,  dass  er  nur  schwache  Klumpen  zum  Einsommern 
zur  Verfügung  gehabt  hätte. 

Die  Hamburger  Bindekünstler,  nicht  viele  an  der  Zahl, 
waren  mit  wenigen,  dafür  aber  ganz  ausgewählten  Ein- 
sendungen, zum  Teil  wahren  Meisterwerken,  vertreten.  Eine 
hufeisenförmige  Tafel  war  ganz  in  Lila  und  Violett  gehalten. 
Neben  Cattleyen,  von  lichten  Oncidium-Rimken  unterbrochen, 
waren  nur  Blüten  von  Chrysanthemum  „N.  C.  S.  Jubilee" 
und  Primida  obeonica  kermesina  verwendet.  Eine  runde 
Tafel  weisser  und  grüner  Chrysanthemum  —  sowie  Mar- 
geritenblüten neben  anderem  Grün,  dabei  mit  weisslich  bunten 
Epheuranken  leicht  belegt  —  ich  glaube  es  waren  solche 
von  Hedera  madairensis  fol.  rar.  —  erzielte  eine  prächtige 
Wirkung.  Bei  einer  anderen  langen  Tafel  war  die  Haupt- 
blume Chrysanthemum  „Bayormant".  Sogar  eine  Jagdtafel 
war  vertreten  und  nur  in  bronze  und  braunen  Tönen  ge- 
halten, bei  welcher  Chrysanthemen  in  dieser  Färbung,  alles 
mögliche  Herbstlaub,  Waldbeeren  und  Tannengrün  Verwen- 
dung fanden.  Schön  waren  die  Farbwirkungen  dabei  nicht, 
ich  wurde  indessen  belehrt,  dass  unsere  Nimrode  durch  die 
Hasen-  und  Behfarbe  so  angekränkelt  seien,  dass  sie  anders- 
farbene  Blumen  und  Blätter  gar  nicht  mehr  schön  fänden. 
Die  hauptsächlichsten  Blüten  in  den  weiteren,  der  Trauer 
und  Freude  dienenden  Bindereien  bestanden  in 
Chrysanthemum  „Floreuce  Davis"  und  „Rayonnant-\  Man 
scheint  in  Hamburg  diese  beiden  Sorten  ganz  besonders  zu 
bevorzugen,  wovon  ich  mich  schon  seit  Jahren  überzeugen 
konnte.  Sonst  waren  Calla,  Eis-Lilien,  Eis-Maiblumen, 
Flieder,  überhaupt  deutsche  Blumen  mit  Vorliebe  verwendet, 
was  ich  mit  Genugthuung  hiermit  anerkenne.  Ein  Kranz  war 
sogar  aus  Primula  obeonim  hergestellt  und  mit  Orchideen- 
ranken garniert.  So  sehr  ich  eine  feine  Tafeldekoration  von 
Begonia  „Qloire  de  Lorraine"  auch  vermisste,  waren  doch 
einige    Tische     mit     diesen    Blüten     ausgestellt,       Wer    es 


bisher  hartnäckig  bestritt,  dass  diese  Begonie  auch  eine  ganz 
hervorragende  Schnittblume  sei,  der  möge  mir  seine  Meinung 
in  fünf  Jahren  wieder  sagen.  Ich  behaupte,  dass  als  feine 
Schnittblume  diese  Begonie  sogar  mit  Orchideenblüten  wirk- 
sam zu  konkurrieren  vermag. 

(Schluss  folgt  in  No.   13.) 


Erste  deutsche  Obstausstellung  in  Brunn  i.  Mähren. 

i\.m  18,  19.  und  20.  Oktober  veranstaltete  der  Landeskultuirat 
für  Deutsch-Mähren  in  den  Sälen  der  städtischen  Eedoute  iu  Brunn 
die  erste  deutsche  Obstausstellung.  Die  Leitung  und  Anordnung  der 
Ausstellung  war  Herrn  Landesobstbauinspektor  Nachtweh  in  Brunn 
übertragen,  welcher  dieser  Aufgabe  in  vollem  Masse  gerecht  geworden  ist. 

Im  grossen  Hauptsaal  waren  als  Hauptaussteller  vertreten:  die 
höhere  Obst-  und  Gartenbauschule  zu  Eisgrub  (Direktor  Lauche),  die 
Viktoria-Baumschule  des  Friedr.  Wanuieck  in  Schöllsckitz  bei  Brunn, 
der  Kufländer  Obstbauverein,  die  Obstverwertungs-Genossenscbaft 
„Thesthal",  der  Baubeamten-Verein  Bräun,  das  Deutsche  Pomologische 
Institut  Brunn,  sowie  verschiedene  Liebhaber  mit  kleineren,  aber 
schönen  Sortimenten.  Die  Gartenbauschule  Eisgrub  hatte  prächtige 
Früchte  des  mährischen  Normalsortiments  in  Quantitäten  von  ca. 
25  kg  ausgestellt,  jede  Sorte  pyramidenartig  aufgebaut  und  mit  einem 
lehrreichen  Etikette  versehen,  worauf  angegeben,  ob  für  landwirt- 
schaftlichen .  oder  gärtnerischen  Obstbau,  oder  nur  für  Hausgärten 
geeignet,   ferner  die  geeignetste  Lage  imd  die  passendste  Baumform. 

Die  Victoria-Baumschule  hatte  verschiedene  Sortimente  für 
bestimmte  Zwecke  ausgestellt. 

a)  Ein  Sortiment  zur  Strassenpflanzung  geeignet. 

b)  „  „         zum  landwirtschaftlichen  Massenbau. 

c)  „  „  zur  Anpflanzung  in  Hausgärten  als  Halbkoch- 
stamm  und  Pyramide. 

d)  Ein  Sortiment  zur  Anpflanzimg  als  Spalier,  wagerechte  imd 
senkrechte  Cordons,  16  Sorten  Aepfel  imd  10  Sorten  Birnen. 

e)  Ein  Sortmient  für  Liebhaber,  in  welchem  die  in  vorstehende 
Sortimente  noch  nicht  eingereihten  und  empfehlenswerten 
Sorten  untergebracht  waren. 

Ausserdem  stellte  diese  Firma  ein  Haselnuss-  und  ein  Pfirsich- 
sortiment  von  je  12  Sorten  aus,  sowie  auch  noch  verschiedene  im  Kühl- 
lagerhaus zu  Wien  aufbewahrte  Sommeräpfel  und  Sommerbirnen,  wie 
,,  Clapps-Liebling",  „Dr.  Jules  Ougol'-,  „  Williams  Christbirne",  „An- 
denken an  den  Kongress",  „Stuttgarter  Oeishirtei',  „Cluirlamowsky, 
„Böhm.  Rosenapfel",  „Virgin.  Rosenapfel''  etc.,  welche  noch  tadellos 
erhalten  waren  und  denen  man  die  vorgerückte  Jahreszeit  nicht  ansah. 

Der  Kufländer  Obstbauverein  hatte  das  dortige  Normalsortiment, 
teils  in  grösseren,  teils  in  kleineren  Quantitäten  ausgestellt,  ferner 
auch  versandfertiges  Obst.  Ebenso  war  in  dieser  Weise  die  Obst- 
baugenossenschaft  „Thesthal"  vertreten,  welche  auch  konserviertes 
Obst  zur  Schau  brachte. 

In  den  verschiedenen  Liebhabersortimenten  sah  man  benliche 
Früchte,  unter  anderen  von  „Weisser  Wintercalrill"  und  „Winter- 
Dechantsbirne",  die  allgemeine  Bewunderung  fanden.  Den  Mittel- 
punkt des  Saales,  eine  Pyramidenstellage,  hatte  das  Deutsche  Pomolog. 
Institut  Brunn  besetzt.  Leider  kamen  hier  die  Sorten,  da  alles  etwas 
eng  stand,  zu  wenig  zur  Geltung,  trotzdem  das  ausgestellte  Obst  sehr 
gut  war. 

Alle  Einzelheiten  noch  genauer  aufzuführen,  würde  den  Rahmen 
dieser  Zeitschrift  in  der  Ausstellungszeit  überschreiten.  Nur  soviel 
sei  noch  gesagt,  dass  die  Ausstellung  dem  Obstfreunde  genügend 
Gelegenheit  bot,  sich  über  die  Verwendung  dieser  oder  jener  Sorte 
zu  unterrichten.  Für  den  deutsch-mährischen  Obstbau,  der  biei 
auch  noch  in  manchen  Gegenden  Deutschlands  in  den  Kinderschuhen 
steckt,  wird  diese  erste  Ausstellung  gewiss  von  fördernder  Bedeutung 
für  die  Zukunft  sein.  H.  Grote,  Bri 


132 


Die  Gartenwelt. 


VII.  11 


Verkehrswesen. 


Die  japanische  Postverwaltung  hat  sich  vom  1.  Dezember 
d.  J.  ab  am  Postpaketdienst  des  "Weltpostvereins  beteiligt.  Infolge- 
dessen werden  die  Beförderungsgebühren  für  Postpakete  (Pakete 
bis  5  kg)  nach  Japan,  auf  allen  Leitwegen  ausser  über  England,  vom 
genannten  Tage  ab  um  20  Pfg.  für  jede  Sendung  ermässigt  werden. 
Ausserdem  ist  künftig  bei  Postpaketen  nach  Japan  Wertangabe 
und  Nachnahme  bis  800  Mk.,  sowie  das  Verlangen  der  Eilbestellung 
zulässig.     Nähere  Auskunft  erteilen  die  Postanstalten. 

Der  Absender  eines  Postauftrags  kann  nach  §  18  IV  der 
P.-O.  verlangen,  dass  der  Postauftrag  nach  einmaliger  vergeblicher 
Vorzeigung  oder  nach  dem  ersten  vergeblich  gebliebenen  Versuch  der 
Vorzeigung  an  ihn  zurückgesendet  oder  nach  einem  innerhalb  des 
Deutschen  Reiches  belegenen  Orte  weitergesendet  werde.  Auf  Grund 
dieser  Bestimmung  hatte  ein  Auftraggeber  durch  einen  Vermerk  auf 
der  Rückseite  des  Postauftragsformulars  vorgeschrieben,  dass  der 
Postauftrag  im  Nichtzahlungsfalle  sofort  an  einen  am  "Wohnorte  des 
Empfängers  befindlichen,  namentlich  bezeichneten  Rechtsanwalt  weiter- 
gegeben werden  sollte.  Dieses  Verlangen  war  von  der  Bestimmungs- 
postanstalt als  unzulässig  bezeichnet  worden  mit  der  Begründung, 
dass  nach  der  P.-O.  wohl  die  Weitersendung  eines  Postauftrags  nacli 
einem  innerhalb  des  Deutschen  Reiches  belegenen  Orte,  nicht  aber 
die  "Weitergabe  an  eine  andere  Person  am  ursprünglichen  Be- 
stimmungsorte gestattet  sei.  In  ihrer  Ansicht  hatte  sich  die  Post- 
anstalt dadurch  bestärkt  gefühlt,  dass  der  in  den  A.  B.  zu  §  22 
XVIII  der  früheren  P.-O.  enthaltene  Satz  „dem  Verlangen  des  Ab- 
senders auf  Weitergabe  des  Auftrags  an  einen  anderen  Empfänger 
ist  auch  in  dem  Falle  Folge  zu  leisten,  wenn  die  in  dem  Vermerk 
., Sofort  an  N.  in  N."  benannte  Person  am  ursprünglichen  Bestim- 
mungsort des  Auftrags  wohnt-  in  die  A.  B.  zu  §  IS  XVIII  der 
neuen  P.-O.  nicht  übergegangen  ist.  Diese  Erläuterung  ist  aber  nach 
der  postoffiziösen  ,,Verkehrs-Ztg."  nur  deshalb  weggelassen  worden, 
weil  sie  sich  aus  der  anderweiten  Fassung  des  Absatzes  VI  erübrigt 
hat.  Im  letzteren  war  nach  der  früheren  Fassung  die  Weitersendung 
nach  dem  Aufgabeorte  des  Postauftrags  ausgeschlossen.  Durch  die 
Erläuterung  sollte  vermieden  werden,  dass  diese  Beschränkung  auch 
auf  die  nach  dem  Orts-  oder  Landbestellbezirk  des  Aufgabeorts  ge- 
richteten Postaufträge  angewendet  würde.  Mit  dem  Wegfalle  der 
Beschränkung  konnte  auch  die  Erläuterung  wegfallen,  weil  die  An- 
ordnnng  der  Weitergabe  an  eine  andere  Person  im  Deutschen  Reiche, 
wie  sie  nach  Absatz  VI  gestattet  ist,  eine  am  ursprünglichen  Be- 
stimmungsorte des  Postauftrags  wohnende  Person  in  sich  schliesst 
Die  im  vorliegenden  Falle  zu  Tage  getretene  gegenteilige  Ansicht  ist 
nicht  gerechtfertigt,  zumal  die  Weitergabe  am  Orte  selbst  nicht  aus- 
drücklich verboten  ist  und  bei  den  Postauftragen  mit  dem  Vermerke 
,,Sofort  zum  Protest"  die  Regel  bildet. 


Tagesgeschichte. 

Berlin.  Für  die  öffentlichen  Parkanlagen  hat  der  Magistrat 
in  seiner  Sitzung  vom  22.  November  ausser  der  etatsmässigen  Summe 
von  845,900  Mk.-  noch  76,505  Mk.  als  Extraordinariuni  gefordert. 
Davon  entfallen  10000  Mk.  auf  den  bei  Treptow  belegenen  Plänter- 
wald,  durch  den  Fusswege  gelegt  werden  sollen  und  der  Spiel-  und 
Sitzplätze  erhalten  wird.  Zur  Schaffung  von  Schmuckstreifen  in  der 
Frankfurter  Allee  auf  ihrem  zwischen  Proskauer  Strasse  und 
Strasse  (57  belegenen  Teile  werden  8000  Mk.  gefordert,  und  die 
gh'iihe  Summe  wird  zu  dem  gleichen  Zwecke  für  den  Arnswalder 
Platz  verlangt.  Zur  weiteren  gärtnerischen  Ausgestaltung  des  Arkuna- 
Platzes,  der  zwei  Spielplätze  erhalten  soll,  sind  U000  Mk.  in  Ansatz 
gebracht,  und  endlich  sei  noch  erwähnt,  dass  zur  Herstellung  von 
Schutzgittern  für  die  Bäume  und  für  eiserne  Barrieren  je  9000  Mk. 
gebraucht  .werden. 

Hannover.  Vor  längerer  Zeit  ist  darüber  berichtet  worden, 
dass  die  Stadtverwaltung  an  zwei  Stelleu  den  Versuch  machen  will. 
das. Innere   von  Baublöcken   durch   die  Anlage   von  Squares    zu  ver- 


schönern. Es  soll  dies  geschehen  auf  den  städtischen  Grundstücken 
der  Grossen  Bult  und  bei  einem  Blocke  im  Listerfelde.  Indessen 
wird  die  Verwirklichung  des  schönen  Gedankens  vorläufig  noch  nicht 
erfolgen,  weil  von  den  Bauplätzen,  die  hierbei  in  Frage  kommen, 
noch  keine  verkauft  sind.  Erst  eine  Wiederbelebung  der  Baulust 
wird  diese  Projekte  zur  Ausführung  bringen. 

Hildesheim.  Der  hiesige  Regierungspräsident  soll,  wie  die 
Blätter  melden,  mit  der  Absicht  umgehen,  eine  Verordnung 
gegen  das  Schneiden  lebender  Hecken  für  die  Zeit  vom 
1.  März  bis  15.  August,  im  Interesse  des  Vogelschutzes,  zu  er- 
lassen. Der  hiesige  Gartenbauverein  hat  sich  dieser  Tage  mit  der 
Angelegenheit  beschäftigt.  Man  war  sich  einig  darüber,  dass  diese 
Verordnung  viel  zu  weit  gehen  würde.  K.  K. 

Köln  a.  Rh.  Die  Stadtverordneten-Versammlung  vom  27.  Nov. 
1902  bewilligte  nach  den  vorgelegten  Plänen  und  Kostenanschlägen 
des  Stadtobergärtners  Jung  für  den  weiteren  Ausbau  des  Stadtwaldes 
Gremberg  (Anlage  von  Fusswegen),  sowie  für  die  Herstellung  von 
Gartenanlagen  vor  dem  Lindenthor  (zwischen  Köln  und  dem  Vorort 
Lindenthal)  insgesamt  40000  Mark. 

Schöneberg  bei  Berlin.  Um  die  Errichtung  des  im  neuen  Be- 
bauungspläne für  das  Westgelände  Schönebergs  vorgesehenen  grossen 
Stadtparkes  zu  ermöglichen,  verhandeln  gegenwärtig  die  städtischen 
Behörden  mit  den  25  Besitzern  des  sumpfigen  Terrains,  das  früher 
vou  dem  schwarzen  Graben  durchzogen  wurde  und  zur  Bebauung 
ungeeignet  ist.  Die  Besitzer  haben  sich  in  der  Mehrzahl  bereit  er- 
klärt, ihre  Grundstücke  zu  einem  annehmbaren  Preise  an  die  Stadt 
aufzulassen,  während  einige,  und  unter  diesen  besonders  ein  fünf  zig- 
facher Millionär  G.  M.,  Summen  fordern,  die  die  Stadtverwaltung 
auf  keinen  Fall  acceptieren  kann. 

Tarragona.  In  ganz  Katalonien  steht  der  Gemüsebau  infolge 
vorzüglicher  Bewässerungsanlagen  auf  hoher  Stufe.  So  meldete  uns 
dieäer  Tage  unser  in  Spanien  reisender  Mitarbeiter.  Weiterhin  teilte 
er  uns  folgendes  mit:  „Die  Gemüsefelder  der  Umgebung  Barcelonas 
sind  musterhaft  eingeteilt,  ebenso  bewässert  und  stehen  in  guter 
Kultur.  Längs  der  ganzen  Küste  bis  Tarragona  sah  ich  ganz  aus- 
gezeichnete Kulturen  und  die  Märkte  der  Städte  sind  reich  beschickt 
mit  schmackhaftem  üemüse.  Auf  dem  hiesigen  Markt  sah  ich  drei 
bemerkenswerte  Sorten  Broccoli.  Der  eine  war  fast  so  rot  als  unser 
Rotkraut;  es  waren  harte,  runde,  feste  Köpfe  von  purpurroter  Farbe. 
Die  Sorte  heisst  dort  „Noeidad",  „Santa  Teresa"  u.  a.  Sie  wird 
frühe  reif  und  sie  verdiente  ihrer  Feinheit  wegen  auch  in  Deutsch- 
land Verbreitung.  Ferner  sah  ich  Wirsing,  eine  kleine  Sorte  eines 
Kopfkohls,  Pfefferfrüchte,  Tomaten,  Eierfrüchte.  Daneben  Spinat, 
Bete,  grüne  Erbsen  und  Blumenkohl.  Von  letzterem  kultiviert  man 
um  Barcelona -die  Sorten  „Sun  Vincent"  und  „Rens".  Beide  bilden 
Riesenköpfe  und  sind  früher  und  üppiger  als  die  von  Neapel. 

Bier  findet  sich  eine  Form  des  Arundo  Donax,  welche  von 
der  mir  bekannten  italienischen  abweicht.  Sie  ist  weniger  hoch,  das 
Laub  auffallend  dunkelgrün,  zweizeilig,  straff  aufrecht,  unten  aber 
zurückgeschlagen.  Das  verleiht  dem  Sumpfrohr  ein  besonders 
dekoratives  Aussehen.  Auch  die  Rispen  sind  straffer  und  düimer 
als  bei  der  italienischen  Form;  sie  verdiente  auch  in  Deutschland 
eingeführt  zu  weiden.  An  Strassenbäumen  fand  ich  wenig  Ab- 
wechselung vor:  Schöne  Platanen,  Robinien,  Melia  A.edarach  L., 
die  hier  immer  grün  bleibt,  hin  und  wieder  Ulmen  und  Pfefferbäume, 
Schmus  molle  L.  Statt  deren  sollte  man  aber  lieber  Certonia 
Siliqua  L.,  den  Johannisbrotbaum,  auch  Kerobie  genannt,  anpflanzen, 
der  hier  vortrefflich  gedeiht.  Er  würde  das  öde  Land,  wo  nur  Ros- 
marin und  Artemisien  gedeihen,    bald   in   einen  Garten  verwandeln". 


Personal-Nachrichten. 


Beuss,  Heinrich,  ehemaliger  (ieiseuheimer,  erhielt  die  Ober- 
gärtner-  und  Fachlehrerstelle  im  Hofgarten  zu  Schwetzingen  i.  Baden. 

Ruft,  August,  hat  die  Kunst-  und  Handelsgärtnerei  von 
M.  Eller  in  Dillingen  a.  Donau  käuflich  erworben. 


Verantwortl.  Redakteur:  Max  Hesdürffer,  Berlin.  —  Verlag  v.  Richard  Carl  Schmidt  fc  Co.,  Leipzig.  —  Druck:  Anhalt.  Buchdr.  Gutenberg,  e.G.ni.  D.H.,  Dessau. 


Illustriertes   Wochenblatt   für   den   gesamten   Gartenbau. 


Jahrgang  VII. 


20.  Dezember  1902. 


No.  12 


Nochdruck  und  Nachbildung  aus  dem  Inhalt  dieser  Zeitschrift  wird  strafrechtlich  verfolgt. 


Farne. 


Adiantum  farleyense. 

Von  Herrn.  A.  Sandhack,  Obergärtner,  Dugino,  Russland. 
(Hier xu  drei  Abbildungen.) 

öchon  lange  Jahre  zählt  dieser,  von  den  westindischen 
Inseln  stammende  schöne  Farn  zu  den  vornehmsten 
Warmhauspflanzen,  der  sowohl  in 
Privat-  als  auch  Handelsgärtnereien 
für  feine  Binderei  wie  Dekoration  ein 
gesuchtes,  elegantes  Material  liefert; 
und  dennoch  sieht  man  dies  pracht- 
volle Adiantum,  selbst  in  besseren 
Gärtnereien,  verhältnismässig  recht 
wenig,  was  wohl  hauptsächlich  darauf 
zurückzuführen  ist,  dass  die  Ver- 
mehrung des  A.  farleyense  nur  auf 
ungeschlechtlichem  Wege,  d.  h.  durch 
Teilung,  vor  sich  geht.  Das  Teilen 
geschieht  am  besten  im  Februar- 
März.  Für  geteilte  Pflänzchen  ver- 
wende ich  Rasenerde  mit  etwas  Heide- 
erde undreichlich  Sand  vermischt ;  beim 
späteren  Verpflanzen  dagegen  nehme 
ich  nur  Rasenerde  mit  etwas  Sand. 
Freilich  gedeiht  A.  farleyense  auch 
vorzüglich  in  anderen  lockeren,  fetten 
Erdarten,  jedoch  sind  in  solcher  Erde 
kultivierte  Pflanzen  weit  weniger 
widerstandsfähig  —  die  Wedel  werden 
nicht  so  haltbar  wie  bei  Kultur  in 
Rasenerde. 

Adiantum  farleyense  liebt  ein 
warmes  Haus;  besonders  im  Sommer 
sorge  man  für  einen  guten  Standort, 
wo  ein  zu  starkes  Sinken  der  Tem- 
peratur in  kalten  Nächten  durch 
Heizen  oder  Decken  verhindert 
werden  kann.  Gute  Ventilation  ist 
ein  Haupterfordernis,  jedoch  Zugluft 
zu  vermeiden. 

Gartenwelt.    VII. 


Bei  gutbewurzelten  Pflanzen  geize  man  nicht  mit 
Giessen,  besonders  im  Sommer;  auch  muss  für  feuchte 
Luft,  durch  Spritzen  der  Wände  und  Wege,  gesorgt 
werden;  dabei  ist  direktes  Spritzen  der  Pflanzen  zu  ver- 
meiden. Schatten  gebe  man  etwas  mehr  als  bei  andern 
Adiantum-  Arten. 


Adiantum  farleyense,  2%  jährige  Pflanze. 
Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 


12 


134 


Die  Gartenwelt. 


VII,  12 


Ein  besonderes  Haus  ist  für  A.  farleyense  nicht 
erforderlich,  ich  kultiviere  es  hier  in  einem  kleinen 
Sattelhause,  zusammen  mit  feineren  Palmen,  Dracaenen 
etc.  mit  sehr  gutem  Erfolg.  Die  untenstehende  Ab- 
bildung zeigt  ein  junges  Exemplar,  vor  ca.  7  Monaten 
geteilt. 

Die  Abbildung  der  Titelseite  zeigt  eine  Schanpflanze 
von  über  1  m  Durchmesser;  diese  Pflanze  stand  vor 
2y2  Jahren  als  kleines  Teilstück  im  3  zölligen  Topf! 

Die  dritte  Abbildung,  Seite  135,  stellt  endlich  eine 
Gruppe  von  10  mehr  oder  weniger  grossen  Adiantum 
farleyense  dar.  —  Die  drei  Abbildungen  wurden  vom 
Verfasser  in  der  fürstlich  Metscherskyschen  Gärtnerei  zu 
Dugino  (Kussland)  aufgenommen. 


Pflanzenkrankheiten. 


Adiantum  farleyense,  71/.,  Monate  alte  Pflanze. 

Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 


Betrachtungen  über  Entstehung  und  Verhütung  der 
Gelbsucht  unserer  Kulturpflanzen. 

Von  Wilh.  Geucke,  Gartenhaulehrer  in   Reutlingen. 

1/ie  Gelbsucht,  worunter  der  Praktiker  ganz  allgemein 
das  Vergilben  und  Verblassen  der  im  normalen  Zustande 
grünen  Pflanzenorgane  versteht,  ist  das  Anzeichen  einer 
so  grossen  Zahl  verschiedener  Krankheiten,  dass  es  wohl  zu 
Nutz  und  Frommen  unserer  Kulturen  der  Mühe  lohnt, 
besagte  Erscheinung  etwas  genauer  zu  erörtern.  Gerade 
wegen  der  grossen  Verschiedenartigkeit  der  Ursachen  sind 
aber  auch  keine  für  alle  Fälle  erfolgversprechenden  Mass- 
nahmen möglich,  vielmehr  kann  uns  nur 
die  sorgfältige  Untersuchung  eines  jeden 
einzelnen  Falles  Aufschluss  über  die 
Veranlassung  zur  Vergilbung  geben  und 
diese  oder  jene  Massregel  anempfehlen. 
Eine  Erscheinung,  die  gerade  in 
diesem  Jahre  vielerorts  in  auffallender 
Weise  auftrat  und  mir  auch  Veranlassung 
zur  Erörterung  meines  heutigen  Themas 
gab,  war  die  starke  Gelblaubigkeit  der 
auf  Quitte  veredelten  Birnbäume,  wäh- 
rend die  auf  Wildling  veredelten,  unter 
sonst  gleichen  Verhältnissen,  nur  ver- 
einzelt dieses  Krankheitssyrnptom  er- 
kennen Hessen.  Die  gesamten  Triebe 
und  Blätter,  oder  nur  das  Laub  ein- 
zelner Zweige  der  Quittenveredlungen 
waren  gleichmässig  bleich  oder  ausge- 
sprochen gelb  verfärbt  und  verrieten 
sofort  eine  Störung  der  normalen  Lebens- 
funktionen. 

Es  liegt  nun  sehr  nahe,  diese 
Erscheinung  für  eine  Ernährungsstörung 
zu  halten,  die  ja  thatsächlich  auch  sehr 
oft  im  Spiele  ist.  Da  aber  Gelb- 
sucht in  diesem  Jahre  sich  ebenso 
häufig  in  guten,  gehaltreichen  Böden 
zeigte ,  während  andererseits  die  auf 
den  tiefer  wurzelnden  Wildlingsunter- 
lagen stehenden  Birnbäume  grösstenteils 
schön  dunkelgrün  belaubt  waren,  so  muss 
die  ungünstige  Witterung  des  letzten 
Frühjahres  in  erster  Linie  für  die 
auffällige  Schädigung  verantwortlich 
gemacht  werden.  Infolge  der  milden, 
warmen  Witterung  von  März  bis  Endo 
April  war  die  Vegetation  der  Bäume, 
ganz  besonders  der  in  den  oberen,  leicht 
erwärmbaren  Bodenschichten  wurzeln- 
den Quittenunterlagen,  bereits  sehr 
stark  angeregt  und  konnte  der  plötz- 
lich Ende  April  hereinbrechende 
Witterungswechsel,  der  mehrere  Grad 
Kälte  brachte,  nicht  ohne  Schaden 
für    die    Bäume     vorübergehen.        Die 


VII,  12 


Die  Gartenwelt. 


135 


zarten,  stark  in  Saft  stehenden,  unter  der  Kinde  lagernden 
Kambialschichten  haben  bis  in  die  jüngeren  Gewebe  des 
Splintholzes  hinein  bedeutend  durch  Fröste  gelitten,  was  sich 
beim  Ablösen  der  Rinde  schon  dem  unbewaffneten  Auge  als 
leichte  Bräunung  der  betreffenden  Gewebe  offenbart,  während 
die  äussere,  widerstandsfälligere  Rinde  um1  in  schweren  Fällen 
augenfällige  Frostschäden  aufweist.  Unter  dem  Mikroskop 
konnte  ich  denn  auch  in  mehreren  Längs-  und  Querschnitten 
durch  den  Holzkörper  grosse  Gruppen  von  Zellen  strichweise 
samt  ihrem  Inhalt  abgetötet  und  gebräunt  finden.  Dass  aber 
derartige  schwere  Schädigungen  des  Holzkörpers  nicht  ohne 
Einfluss  auf  die  Gesamtentwicklung  der  betroffenen  Bäume 
sein  können  und  zu  mehrjährigem  Siechtum,  charakterisiert 
durch  schwache  Triebe  und  Gelblaubigkeit,  führen  müssen, 
ist   wohl  ohne  weiteres  einleuchtend. 


ein  bestehendes  Missverhältnis  zwischen  Quitte  und  Birne 
hindeutet.  Ebenso  darf  aber  .-  nicht  ausser  acht  gelassen 
werden,  dass  der  mit  seinen  Wurzeln  in  tiefere,  weniger 
leicht  erwärmbare  Bodenschichten  vorgedrungene  Wildling  zur 
Zeit  des  Witterungswechsels  noch  .nicht  so  stark  im  Safte 
war,  als  die  "flacher  wurzelnde  und  daher  leichter  erregbare 
Quittenunterlage.  Nur  eine  sachgemässe  Fflege,  besonders 
eine  gute  Ernährung  mit  Stickstoff,  Phosphaten,  Kali  und 
Kalk,  kann  der  Mehrzahl  der  betroffenen  Bäume  über  die 
schwere  Schädigung  vielleicht  hinweghelfen. 

Neben  ungünstiger  Witterung  muss  die  Ursache  der 
Gelbsucht  aber  ebenso  häufig  in  mangelhafter  physikalischer 
und  chemischer  Bodenbeschaffenheit  gesucht  werden.  Was 
die  physikalische  Beschaffenheit  des  Bodens  betrifft,  so  werden 
besonders   schwere,  nasse  und  kalte  Böden  den  Bäumen  ge- 


Adiantum  farleyense-Gruppe. 

Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 


Die  auffällige  Thatsache,  dass  che  Bäume  auf  Wildlings- 
unterlage  durchgängig  weniger  und  nur  in  selteneren  Fällen 
schwerer  gelitten  haben,  mag  seinen  Grund  zum  Teil  in  der 
grösseren  Widerstandsfähigkeit  haben,  welche  die  Birnensorten 
auf  ihrer  Stammform,  dem  Wildling,  erlangen.  Auf  Quitte 
veredelt,  entwickeln  sich  selbst  starkwüchsige  Edelsorteu 
augenfällig  schwächer,  ja  eine  ganze  Anzahl  von  Sorten,  wie 
„Blumenbachs  Butterbirne" ,  „Bosc's  Flaschenbirne",  „Andenken 
an  den  Kongress",  „Capiaumont",  „Clairgeaus  Butterbirne- , 
„Herzogin  von  Angoulime" ,  „Holzfarbige  Butterbirne" ,  „Runde 
Mundnetzbirne'',  „Williams  Christbirne"  und  andere,  nimmt 
überhaupt  nicht  die  Quittenunterlage  an  oder  ist  doch 
wenigstens  auf  ihr  nicht  von  Dauer,  was  unwiderleglich  auf 


fährlich.  Erfahrungsgemäss  reift  das  Holz  in  derartigen 
Böden  infolge  ihres  hohen  Wassergehaltes  nie  recht  aus.  Die 
Bäume  treiben  vielmehr,  besonders  bei  feuchtem,  regnerischem 
Herbstwetter,  bis  ihnen  ein  Frost  ein  plötzliches  Halt  ge- 
bietet und  das  schwammige,  unvollkommen  ausgereifte  Holz, 
was  übrigens  auch  durch  übermässige  Stickstoffdüngung  er- 
zeugt werden  kann,  leidet  selbst  unter  Kältegraden  an  sich 
milder  Winter,  welche  ein  festes,  widerstandsfähiges  Holz 
ohne  Schaden  übersteht.  Die  unausbleiblichen  Endergebnisse 
sind  dann  in  leichten  Fällen  Gewebehräunungen  des  Holzkörpers, 
in  schweren,  Frostplatten,  Brand  und  als  Begleiterscheinung 
stets  Gelblaubigkeit. 

Ebenso  häufig  leidet  aber  auch   in  zu  bündigen,   nassen 


136 


Die  Gartenwelt. 


VII.  12 


Böden  der  gesamte  Wurzelapparat  an  Sauerstoffmangel.  Der 
grösste  Teil  der  feinen  Hohlräume  solchen  Erdreiches  ist  be- 
sonders nach  schneereichen  Wintern  iuid  lange  anhaltenden 
Regenperraden  oder  infolge  übermässigen  Giessens  mit  Wasser 
erfüllt,  wodurch  die  für  die  Atmung  der  Wurzeln  unentbehr- 
liche Luft  durch  das  Wasser  verdrängt  und  auch  am  Zutritt 
gehindert  wird.  Da  nun  aber  der  Zutritt  des  Sauerstoffes 
zur  lebenden  Zelle  nicht  nur  unentbehrlich  ist  zur  Aufrecht- 
erhaltung der  molekularen  Lebensbewegungen,  sondern  auch 
gleichzeitig  zur  Verhütung  der  Bildung  schädlicher  Produkte 
des  Stoffwechsels,  müssen  die  der  Luft  beraubten  Wurzeln 
sehr  bald  an  Selbstvergiftung  erkranken  und  schliesslich  ali- 
sterben, was  sich  ebenfalls  in  Gelblaubigkeit  äussert.  Bei 
der  Auflösung  der  abgestorbenen  Wurzeln  bilden  sich  schliess- 
lich infolge  des  Sauerstoffmangels  in  grösserer  Menge  sogenannte 
Humussäuren,  die  sich  durch  ihren  eigentümlichen  sauren 
Geruch  sehr  bald  verraten.  Der  Praktiker  nennt  solchen  für 
Kulturen  unbrauchbaren  Boden  dann  mit  Recht  versäuert, 
ein  Übel,  welches  sich  bei  Freiland-  wie  Topfkultur  einstellt. 

In  allen  Fällen  von  Gelbsucht,  die  auf  ungünstige, 
physikalische  Bodenbeschaffenheit  zurückzuführen  sind,  können 
nur  durchgreifende  Bodenbearbeitungen  Abhilfe  scliaffen. 
Stagnierende  Nässe  ist  durch  eine  gute  Drainage  abzuleiten 
und  die  übermässige  Bündigkeit  ist  neben  wiederholter  gründ- 
licher Lockerung  des  Erdreiches  durch  Beimengung  von 
lockerndem  Material,  wie  Sand,  Asche,  ausgesiebtem  Bauschutt, 
grobem  Streutorf,  wie  überhaupt  Humus  aller  Art,  die  ganz 
wesentlich  zur  Durchlüftung  und  Entwässerung  beitragen, 
nach  Möglichkeit  zu  heben.  Über  sonstige  Begünstigung  der 
Holzreife,  sofern  es  sich  um  erkrankte  Baumbestände  handelt, 
machte  ich  in  meiner  Abhandlung  über  ,, Frostschäden  unserer 
Obstbäume",  Jahrg.  VI,  Seite  319  dieser  geschätzten  Fach- 
schrift, ausführliche  Angaben,  so  dass  ich  hier  wohl  mit 
diesem  Hinweis  über  diesen  Punkt  ohne  weitere  Erörterung 
hinweggehen  kann.  Eine  nicht  zu  unterschätzende  Rolle 
spielt  auch  in  solchen  Fällen  frisch  gelöschter  Kalk.  Der 
Kalk  ist  nicht  allein  ein  unentbehrlicher  Pflanzennährstoff, 
sondern  er  wirkt  auch  auf  grund  seiner  chemischen  Eigen- 
schaften lockernd  und  zersetzend  auf  schwere  Böden  ein. 
Er  wirkt  „aufschliessend",  d.  h.  er  führt  schwer  lösliche, 
mineralische  Substanzen  in  leichtlösliche  über,  macht  sie 
dadurch  den  Kulturpflanzen  nutzbar,  ernährt  damit  also  auch 
indirekt.  Gleichzeitig  verbindet  er  sich  mit  den  für  die 
Mehrzahl  der  Kulturpflanzen  höchst  schädlichen  Humussäuren, 
macht  sie  dadurch  ungefährlich  und  wirkt  somit  auch  ent- 
säuernd. Schweren,  bündigen  Bodenarten  kann  man  ganz 
unbeschadet  alle  4  Jahre  20 — 30  Doppelzentner  pro  ha  geben. 
Der  Kalk  wird  am  besten  im  Herbst  gleichmässig  ausgestreut  und 
in  den  Boden  gebracht,  für  leichte  Böden  genügt  das  halbe 
Quantum,  immer  vorausgesetzt,  dass  es  sich  nicht  um  die 
Kultur  kalkempfindlicher  Pflanzen  handelt. 

Mit  der  Erwähnung  der  Humussäuren  und  des  Kalkes 
sind  wir  bereits  zu  dem  chemischen  Gebiet  übergegangen. 
Enthält  ein  Kulturboden  grössere  Mengen  von  HumussäiU'en, 
oder  fehlt  ihm  das  erforderliche  Quantum  Kalk,  so  wird  sehr 
bald  Gelbsucht  an  den  Pflanzen  auftreten.  Da  nun  aber  der 
Kalk,  wie  bereits  erwähnt,  sehr  aufschliessend,  d.  h.  auf  die  mine- 
ralischen Substanzendes  Erdreiches  lösend  wirkt,  auch  den  Stick- 
stoffgehalt des  Bodens  stark  zur  Bildung  leicht  löslicher 
Salpetersalze  disponiert,  so  darf  auch  die  Zufuhr  von  Stick- 
stoff,  Kalisalzen  und  Phosphaten  nicht  versäumt  werden, 
wenn    nicht    sehr   bald  infolge    des  Kaikens    die  Kulturboden 


verarmen  und  die  Pflanzen  aus  Nahrungsmangel  vergilben 
sollen.  Mangel  an  Stickstoff  und  Kali  macht  sich  nämlich 
stets  durch  Gelbsucht  bemerkbar,  wie  aber  auch  Überdüngung 
und  die  dadurch  herbeigeführte  Erkrankung  bezw.  Abtötung 
der  Wurzeln  die  gleiche  Erscheinung  veranlasst.  Je  nach 
dem  Nährgehalt  der  Böden  und  je  nach  den  Bedürfnissen 
der  einzelnen  Kulturpflanzen  wird  also  auch  einer  sach- 
gemässen  Düngung  die  nötige  Aufmerksamkeit  zu  schenken 
sein.  Nicht  unerwähnt  darf  in  diesem  Abschnitt  der  wichtige 
Einfluss  der  Eisensalze  bleiben,  welchen  dieselben  auf  die 
Ei'grünnng  aller  Pflanzen  ausüben.  Da  lösliche  Eisensalze 
zur  Bildung  des  Blattgrüns  unentbehrlich  sind,  so  macht 
sich  Eisenmangel  im  Boden  stets  durch  Bleichsucht  (Chlorose) 
aller  sonst  grünen  Organe  bemerkbar.  Chlorose  lässt  sich 
in  zweifelhaften  Fällen  aber  leicht  durch  Bestreichen  einiger 
bleicher  Blätter  mit  einer  verdünnten  Lösung  eines  Eisen- 
salzes nachweisen.  Liegt  nun  wirklich  Bleichsucht  aus  Eisen- 
mangel  vor,  was  beiläufig  bemerkt  doch  nicht  zu  häufig  ist, 
weil  fast  alle  Böden  sehr  reich  an  Eisensalzen  sind,  so  tritt 
spätestens  in  einigen  Tagen  ein  starkes  Ergrünen  der  be- 
strichenen Blattstellen  ein.  Durch  leichtes  Überspritzen  der 
chlorotischen  Organe  mit  einer  verdünnten  Lösung  von 
phosphorsaurem  Eisenoxyd  ist  das  Übel  in  wenigen  Tagen 
gehoben,  doch  ist  gleichzeitig  der  Boden  an  genanntem  Eisen- 
salz zu  bereichern,  wenn  die  Ergrünung  von  Dauer  sein  soll. 
Eine  Gabe  von  80  — 100  g  dieses  Eisensalzes  pro  qm,  die 
untergegraben  wird,  nachdem  sie  gleichmässig  ausgestreut  ist, 
dürfte  gewöhnlich  genügen.  Auch  jedes  andere  lösliche,  un- 
schädliche Eisensalz  thut  die  gleichen  Dienste.  Vor  Aus- 
führung der  Bespritzung  ist  aber  die  Elisenlösung  durch 
Bestreichen  einiger  Blätter  auf  ihre  richtige  Stärke  zu  prüfen, 
da  zu  konzentrierte  Lösungen  die  Blätter  verbrennen  und 
dann  mehr  schaden  als  nützen.  Auch  eine  Düngung  des 
eisenarmen  Bodens  mit  Thomasphosphatmehl  wird  infolge  des 
Eisengehaltes  desselben  nicht  ganz  ohne  Wirkung  nach  dieser 
Richtung  hin  sein. 

Zur  leichteren  Orientierung,  ob  Wurzelerkrankungen  oder 
Ernährungsstörungen  beim  Auftreten  von  Gelbsucht  vorliegen, 
sei  darauf  hingewiesen,  dass  nach  den  bisherigen  Beobachtungen 
gewöhnlich  bei  Wurzelkrankheiten  das  Vergilben  von  den 
jüngsten  Triebspitzen  aus  allmählich  abwärts  geht,  während 
bei  Schwächezuständen  infolge  mangelhafter  Ernährung  das 
Gelbwerden  bei  den  älteren  Blättern  beginnt. 

Auch  infolge  zu  niedriger  Temperaturen  kann  die  Blatt- 
grünbildung völlig  unterbleiben  oder  doch  eine  sehr  mangel- 
hafte sein,  was  sich  nicht  selten  an  vielen  Frühjahrsblühern 
z.  B.  Tnlipa,  Galanthus  nivalis,  Crocus,  LeHcojum  vwninit. 
Ornithoijalii-m  pyramidale  und  vielen  anderen  beobachten  lässt. 
Die  jungen  aus  der  Erde  hervorbrechenden  Blätter  sind  nahe 
der  Spitze  auf  eine  mehr  oder  weniger  grosse  Strecke  gelb 
bis  weisslich  verfärbt,  wälirend  der  später  aus  dem  Boden 
sieh  hervorschiebende  Teil  der  Blätter  grün  zum  Vorschein 
kommt,  sofern  inzwischen  die  Temperatur  gestiegen  ist,  wie 
auch  dann  die  blassen  Spitzen  gewöhnlich  nachträglich 
ergrünen. 

Wie  nach  obiger  Beobachtung  erwiesenermassen  die 
Sonnenwärme  einen  grossen  Einfluss  auf  die  Erzeugung  von 
Chlorophyll  (Blattgrün)  ausübt,  ist  auch  der  Grad  der  Be- 
lichtung durch  die  Sonne  für  die  Pflanzen  durchaus  nicht 
gleichgültig  und  wird  ein  Zuviel  ebenso  wie  ein  Zuwenig 
nachteilig.  Eine,  jedem  Kultivateur  bekannte  Thatsache  ist 
es,  dass  z.  B.   die    Halbschatten    liebenden    Aspidisira  elaliur 


VII,  12 


Die  Gartenwelt. 


137 


und  Araucaria  excelsa,  die  Schatten  liebenden  Farnkräuter 
und  viele  andere  Kulturgewächsc  in  voller  Sonne  einen  un- 
schönen, gelben  bis  gelbgrünen  Ton  annehmen,  während 
wiederum  Triebe  von  Knollen  und  Zwiebeln  wie  auch  sonstige 
grüne  Organe  aus  dunkeln  oder  wenig  hellen  Räumen  eben- 
falls eine  weissliche  bis  gelbe  Färbung  zeigen;  im  ersteren 
Falle  wird  durch  die  zu  intensive  Sonnenbestrahlung  der 
grüne  Farbstoff  zersetzt,  im  letzeren  Falle  fehlt  bezw.  reicht 
die  Belichtung  zur  Erzeugung  des  Chlorophylls  nicht  hin. 
Hier  ninss  es  allein  der  Geschicklichkeit  des  Kultivateurs 
überlassen  bleiben,  den  für  die  einzelnen  Pflanzenarten  er- 
forderlichen Belichtungsgrad  zu  treffen. 

Dass  ferner  zahlreiche  tierische  und  pflanzliche  Schmarotzer 
infolge  ihrer  parasitären  Thätigkeit  Vergilbungen  veranlassen 
können,  ist  hinreichend  bekannt,  und  es  wird  gewöhnlich 
nicht  allzuschwer  fallen,  den  Urheber  zu  ermitteln  und  dann 
die  entsprechenden  Bekämpfungsmittel  in  Anwendung  zu 
bringen,  da  der  Schädling  entweder  selbst  am  Thatort  an- 
zutreffen ist,  oder  sich  durch  Häute,  Exkremente  etc.  verrät. 

Die  alljährlich  auftretende  gelbe  Herbstfärbung  der 
Blätter  laubabwerfender  Pflanzen,  sowie  die  Arten  und  Formen 
mit  gelten  Blattzeichnungen  sind  Erscheinungen,  die  nicht 
unter  dieses  Kapitel  gehören,  und  dürfte  hiermit  die  Mehr- 
zahl der  Fälle  von  gelten  Verfärbungen  ihre  Erörterung  ge- 
funden haben.  So  oft  sich  aber  eine  Vergilbung  bemerkbar 
macht,  suche  man  ungesäumt  die  Ursache  festzustellen  und 
sofort  die  nötigen  Gegenmassregeln  zu  treffen.  Die  grünen 
Farbkörner  sind  die  Werkstätten  der  Pflanzen,  in  denen  sieh 
der  Stoffwechsel  grösstenteils  abspielt,  in  denen  die  Baustoffe 
für  den  Pflanzenkörper  hergestellt  werden.  Eine  Pflanze  mit 
mangelhaftem  Blattgrün  muss  demnach  nicht  nur  in  ihrer 
Entwickelung  zurückbleiben,  sondern  geht  sclüiesslich  selbst 
in  nahrhaften  Böden  zu  grunde,  weil  sie  nicht  die  auf- 
genommenen Nährstoffe  verarbeiten  kann;  ganz  abgesehen 
davon,  dass  schon  die  Mehrzahl  der  Erkrankungen,  deren 
untrügliches  Symptom  die  Vergilbung  ist,  für  die  Pflanzen 
todbringend  wird,  sofern  nachlässigerweise  nicht  umgehend 
Abhilfe  geschafft  wird. 


Der  Blasenrost  der  Weymouthskiefer.*) 

iimerika  hat  uns  eine  ganze  Reihe  stattlicher  Nadelhölzer  ge- 
geben, zum  Teil  nicht  alleiD  wertvoll  für  den  Landschaftsgärtner, 
sondern  auch  für  den  Forstwirt.  Es  sind  viele,  die  uns  unentbehrlich 
geworden  sind  und  unter  diesen  eine  der  ersten  ist  Pinus  Strobus, 
die  Weymouthskiefer.  Um  so  bedauerlicher  ist  es  nun,  dass  dieser 
stattlichen  Kiefer  ein  Feind  entgegentritt,  der  schon  viele  vernichtet 
hat  und  wenn  menschliches  Wissen  und  Können  nicht  bald  energisch 
einschreitet,  unsere  Bestände  nicht  nur  sehr  reduzieren,  sondern 
mancherorts  die  Anzucht  der  Weymouthskiefer  ganz  in  Frage 
stellen  wird.  , 

Ende  April  und  im  Mai  bemerken  wir  an  der  Weymouthskiefer, 
zum  Teil  auch  an  den  Zweigen,  sehr  oft  an  jungen,  glatten  Stämmchen 
eine  Menge  Querrisse  und  Falten.  Die  kleinen  Risse  lassen  bald 
eine  kleine,  häutige,  weisse  Blase  zu  Tage  treten.  Nicht  lange  dauert 
es,  so  hängt  diese  kleine  häutige  Blase  ganz  heraus,  platzt  und  es 
stäubt  ein  Chromgelbes  Pulver  heraus.  Die  umgebenden  faltigen 
Stellen  der  Rinde  sind  auch  meist  mit  weissem  Harz  bedeckt.  Nach 
wenigen  "Wochen  ist  die  ganze  Sache  mehr  oder  weniger  verschwunden, 
die  vielen  kleinen,  weissen   „Blasen"  haben  sich  ihres  Inhaltes  ent- 


leert und  fallen  ab,  nur  die  rissige,  faltige  Rinde  deutet  noch  die 
kranke  Stelle  an.  Die  geschilderte  Erscheinung  ist  die  Aeudien- 
form  eines  Pilzes,  des  Blasenrostpilzes  der  Weymouthskiefer  (Peri- 
dermium  Strobi).  Das  aus  den  weissen  Blasen  austretende  Pulver 
sind  die  Aecidien  des  Pilzes,  welche  nun.  sofern  sie  auf  die  Blätter 
von  Ribes-Arten  gelangen,  sich  sehr  schnell  entwickeln  und  hier 
eine  Krankheitserscbeinung  hervorrufen,  die  man  schon  lange  unter  dem 
Namen  Oronartiwm  ribicolum  Dirtr.  kennt.  Es  bilden  sich  sehr  bald  auf 
der  Unterseite  der  Ä/Aes-Blätter,  namentlich  der  Blätter  von  Ribes 
nigrum  und  aureum,  aber  auch  der  anderen  Ribes-Arten  eine 
Menge  kleiner,  rötlicher  bis  grellgelber  Pünktchen,  die  meist  truppen- 
weise beisammen  stehen  und  sich  schnell  von  Blatt  zu  Blatt  verbreiten. 
Es  ist  dieser  Pilz  die  Uredoform  des  Weymouthskieferu-Blasenrostes. 

Gegen  Ende  des  Sommere  finden  wir  zwischen  den  gelben 
Punkten  winzige  schwatze,  die  sich  bei  näherer  Betrachtung  als 
kleine  haarähnliche  Erhebungen  zeigen  —  die  Teleuto-Form  des  in 
Frage  stehenden  Pilzes.  Die  Teleutosporen  haben  die  Aufgabe, 
wiederum  neue  Infektionen  an  Weymouthskiefern  hervorzurufen.  — 
Das  Mycel  des  Pilzes  überwintert  in  und  unter  der  Rinde  der 
Weymouthskiefer  und  verbreitet  sich  dort  und  in  den  angrenzenden 
Holzschichten,  es  lebt  dort  so  lange,  bis  es  den  betreffenden  Zweig 
oder  Stamm  gänzlich  zum  Absterben  gebracht  hat,  lässt  jedes  Jahr 
im  April  und  Mai  wieder  seine  gelben  Aecidien  austreten. 

Der  Gärtner  schenkt  der  ganzen  Sache  noch  nicht  die  Beach- 
tung, welche  sie  verdient,  ja  es  kommen  unzählige  Fälle  vor,  dass 
Baumschulen  solche  kranke  Weymouthskiefern,  nachdem  die  leuch- 
tenden, grellen  Aecidienblasen  verschwunden  sind,  ruhig  verkaufen. 
Eine  solche  Kiefer,  namentlich  wenn  sie  den  Pilz  am  Stamme  zeigt, 
ist  natürlich  wert-  und  zwecklos,  aber  sie  bildet  nebenbei  auch  noch 
eine  grosse  Gefahr,  denn  sie  verschleppt  den  Pilz.  Wo  sich  also 
blasenrostkranke  Weymouthskiefern  zeigen,  sollte  man  ganz  energisch 
vorgehen;  Pflanzen,  welche  den  Pilz  am  Stamme  zeigen,  gleich  gaDz, 
am  besten  vor  dem  Oeffnen  der  Blasen,  durch  Feuer  vernichten, 
kranke  Zweige  aber  weit  unter  der  erkrankten  Stelle  abschneiden 
und  verbrennen.  Ribes  (Johannis-  und  Stachelbeersträucher,  Ribes 
aureum,  nigrum,  sanguineum  etc.)  kultiviere  man  möglichst  nicht 
neben  Weymouthskiefernbeeten  und  erkrankte  i?('6cs-Pflanzen  ent- 
ferne man  möglichst  aus  der  Nähe  derselben. 

Aber  auch  der  Landschaftsgärtner,  dem  die  Instandhaltung  und 
Ueberwachung  von  Anlagen  anvertraut  ist,  wolle  ein  wachsames 
Auge  auf  diesen  gefährlichen  Pilz  haben  und  ihn  entfernen  oder 
dem  Besitzer  solch  kranker  Bäume  zu  deren  Entfernung  raten. 

Nur  ein  energisches  Vorgehen  kann  die  Weymouthskiefer  vor 
dem  Zurückgehen  in  unseren  Beständen  schützen  und  es  ist  nicht 
ausgeschlossen,  dass  die  Behörden  bei  weiterem  Umsichgreifen  die 
Sache  in  die  Hand  nehmen  und  scharfe  Verordnungen  erlassen 
werden.  In  Bayern  ist  schon  die  Einfuhr  junger  Weymouthskiefern 
untersagt. 

Die  Redaktion  ist  gerne  bereit,  in  Zwei  felsfällen  nach  einge- 
sandten Rindenstücken  oder  Ribes-Bläitem  die  Bestimmung  des 
Pilzes  vorzunehmen. 


Rosen. 


*)  Anmerkung  der  Redaktion:  Man  vergleiche  auch  den 
illustrierten  Artikel  von  Professor  Dr.  Paul  Sorauer  auf  Seite  61 
des  VI.  Jahrganges. 


Winterhärte  Strauchrosen. 

Von  St.  Olbrich,  Zürich  V. 

(Fortsetzung.) 
(Hierzu  acht  Abbildungen.) 

K.  Malyi  ist  eine  Zwergart  der  Rosa  alpina  mit 
stachellosen,  hellgrünen  Zweigen  und  feinen,  scharf  ge- 
sägten Blättern.  Die  dunkelroten  Blumen  sind  gross 
und  erscheinen  sehr  früh.  Die  leuchtend  roten  Früchte 
sind  sehr  dünn  und  lang.  Diese  Böse  eignet  sich  sehr 
zu  Vorpflanzungen. 


138 


Die  Gartenwelt. 


VII,  12 


R.  nufkana.  Diese  Art  hat  etwas  Aelmlichkeit  mit 
R.  multiflora  dawsoniana.  Die  Rinde  ist  aber  braun- 
rot, glatt,  ganz  stachellos.  Die  Blumen  sind  gross,  rosa 
und  stehen  in  grossen  Büscheln. 

R.  nitida  hat  niederen,  ausgebreiteten  Wuchs 
und   sehr  dichtstehende,    schmal  gefiederte,  dunkelgrüne 


Rosa  nitida. 

Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt" 


R.  p.  Stau  well  ist  der  vorhergehenden  Sorte 
gleich,  aber  die  Blumen  sind  hellrosa,  gross  und  dicht 
gefüllt.  Alle  Pimpinell- Rosen  sind  äusserst  dankbare, 
sehr  zu  empfehlende  Blütensträucher.  Auch  nach  der 
Blüte  sind  die  Pimpinell-Rosen  durch  ihr  dichtstehendes, 
zierliches  Laubwerk  noch  sehr  dekorativ. 

R.  phoenicea  ist  schon  interessant  durch  das  hell- 
grüne, gefaltete,  10  cm  lange,  schmal  zugespitzte  Blatt. 
Blühen  sah  ich  sie  noch  nicht 

R.  provineialis  ähnelt  im  Laub  und  der  Blüte 
ziemlich  der  Theehybride  „Gmss  an  Teplitz",  in  letzterer 
steckt  gewiss  viel  Blut  der  provineialis.  Die  Blätter 
sind  bis  13  cm  lang,  glänzend  dunkelgrün,  im  Jugend- 
zustande rötlich.  Die  Blumen  sind  dicht  gefüllt,  haben 
5  cm  im  Durchmesser  und  sind  dunkelkarminrot. 

R.  Pissardi.  Diese  interessante  Rose  blüht  von 
Juni  bis  in  den  Herbst  hinein.  Die  Blumen  stehen  in 
Büscheln,  sind  gross,  einfach  weiss,  mit  zwei  Reihen 
Blumenblättern  von  schöner  Schalenform.  Das  Laub  ist 
glänzend  grün. 

R.  Pryzewalski  ist  eine  cinnamomea- Art.  Die 
kleinen,  graugrünen  Blättchen  sind  8  cm  lang.  Die 
einjährigen  Zweige  sind  bläulich  grün,  mit  vielen  feinen, 
sehr  langen,  gerade  abstehenden  Stacheln  besetzt,  die 
anfangs  rötlich,  dann  aber  gelblich  sind.  Es  ist  eine 
interessante  Sorte,  welche  hier  noch  nicht  zur  Blüte  kam. 

R.  Rapini  gehört  zur  Sektion  lutea.  Die  Blumen 
sind  einfach,  dunkelgelb,  von  51/,  cm  Durchmesser, 
früherbl  übend. 


glänzende  Belaubung.  Die  grünlichen  Zweige  sind  mit  röt- 
lichen Stacheln  dicht  besetzt.  Die  grossen,  einfachen  Blumen 
sind  hellrosa,  die  zahlreich  ansetzenden  Früchte  rund  und  zinn- 
oberrot. Es  ist  im  ganzen  eine  interessante  Sorte.  Abbildung  oben 
zeigt  eine  blühende  Pflanze,  während  die  nebenstehende  Ab- 
bildung Zweige  einer  solchen  mit  Früchten  veranschaulicht. 

R,  nuttaliana.  Dies  ist  eine  in  allen  Teilen  grössere  cinna- 
moinea-Axt,  deren  Blätter  bis  15  cm  lang  und  10—11  cm 
breit,  die  einzelnen  Fiederblättchen  bis  G  cm  lang  und 
weit  von  einander  stehend  sind.  Die  rein  dunkelrosa 
Blumen  stehen  in  Büscheln,  halten  7—8  cm  im  Durchmesser 
und  haben  schmale  Blumenblätter,  die  sich  nicht  decken, 
ähnlich  wie  bei  Pyrethrum.  Die  Kelchblätter  sind  besonders 
lang  und  spitz.  Die  Blütezeit  tritt  sehr  spät  ein,  erst  Mitte  Juli, 
und  dauert  bis  Ende  August. 

Von  den  Varietäten  der  Rosa  pimpmellifolia,  welche  etwas 
höher  werden  als  die  Sorten  der  in  der  ersten  Kategorie  ge- 
nannten Rosen,  kommen  noch  in  betracht: 

R.  p.  fl.  albq  pleno,  Abbildung  Seite  139  oben,  ist  ungemein 
reich  mit  dichtgefüllten,  reinweissen  Blumen,  welche  an  kurzen 
Stielen  die  langen  Triebe  des  vergangenen  Jahres  dicht  be- 
decken, übersäet. 

R.  p.  „Vierge  de  Clery",  gleichfalls  effektvoll,  hat  einen 
etwas  überhängenden  Wuchs.  Die  grossen,  dicht  gefüllten, 
schalenförmigen  Blüten  sind  fast  weiss  und 
Abbildung  Seite  142  oben. 


7\^ 

6t§ 

^wflt"  J  '^BB      -               j 

lange     haltbar. 


Früchte  der  Rosa  nitida. 

Origiualaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 


VII,  12 


Die  Gartenwelt. 


139 


Rosa  pimpinellifolia  fl.  albo  pleno. 

Originalaufnahme  für  die  ..Gartenwelt". 

R.  RegeJii.  Die  einjährigen  Triebe  sind 
rötlich,  mit  vielen  feinen  Stacheln  besetzt. 
Die  Blätter  sind  grangrün,  feinfiederig. 
Blumen  einzelnstehend  reinweiss,  mit  schmalen 
Blumenblättern,  sodass  kein  voller  Kreis  entstellt. 

R.  rubrifolia  (R.  ferruginea) \  Abbildung 
nebenstehend,  ist  eine  in  allen  Teilen  auffallende 
Art;  die  rötliche  Belaubung  hat  einen  stahl- 
blauen Schimmer,  von  welcher  sich  die  leb- 
haft roten,  in  der  Mitte  weissliehen  Blumen 
sehr  abheben.  Die  zahlreichen  Früchte  sind 
elliptisch  und  lebhaft  rot. 

Es  folgt  nun  Rosa  rugosa  mit  ihren 
zahlreichen  Abarten,  welche  alle  äusserst 
dekorative  Ziersträucher  sind. 

Die  unübertroffenen,  vielseitigen  Eigen- 
schaften der  Rosa  rugosa  führten  natur- 
gemäss  zu  verschiedenen  Kreuzungen  mit 
anderen  Kosen,  um  das  schöne,  auffallend 
kräftige,  widerstandsfähige,  keinen  Krank- 
heiten unterworfene  Laubwerk,  die  absolute 
Winterhärte,  sowie  '  das  reichliche  Blühen 
und  die  zierenden  Früchte  mit  den  Farben 
und  Formen  anderer  Rosen  zu  vereinigen. 
Ich  muss  bekennen,  dass  wir  mit  der  Rosa 
rugosa  und  deren  Abarten  eine  grossartige 
Bereicherung  unserer  winterharten  Zier- 
sträucher erfahren  haben.  Es  ist  jedoch  sehr 
zu  wünschen,  dass  durch  die  fortgesetzten 
Kreuzungen    gerade    die    wertvollste    Eigen- 


schaft der  echten  Rosa  rugosa,  nämlich  das  schöne,  widerstands- 
fähige Blatt,  erhalten  bleibt,  denn  in  diesem  liegt  der  höchste  Wert. 

Der  Rosa  rugosa-Ty^ns  —  grosse  rote  Blumen  und  ruude 
grosse  Früchte  —  ist  wohl  jedermann  bekannt,  ebenso  die  Abart 
rugosa  fl.pl.  mit  gefüllten  karminroten  Blumen  und  /<'.  rugosa  fl. 
albo  mit  grossen,  einfachen,  weissen  Blumen. 

Es  kommeu    noch   folgende  Rosa  rugosa  -  Sorten   in  betracht: 

Die  Krone  aller  ist  die  Seite  140  abgebildete  Sorte  „Conrad 
Ferdinand  Meyer" .  deren  Blumen  reinrosa,  dicht  gefüllt,  von 
10 — 12  cm  im  Durchmesser  und  von  prächtigem  Wohlgeruch  sind. 
Die  Blumen  sind  mindestens  so  schön  als  die  der  Sorte  „La  France". 
Ihre  Blütezeit  beginnt  schon  Mitte  Mai  und  dauert  bis  in  den 
Herbst  hinein.  Die  Sorte  ist  aufrecht  wachsend,  starkwüchsig  und 
ist  als  die  höchstwachsende  Rosa  rugosa-Soiiß  zu  betrachten. 

Ferner  R.  r.  ..Belle  Poitevine",  gefüllt,  rosafarben;  ziemlich 
hochwachsend. 

1!.  r.  „Blanche  double  de  Coubert",  grosse,  gefüllte  rein  weisse 
Blume,  niedrig  bleibend. 

R.  r.  ealoearpa,  von  niedrigem,  ausgebreitetem  Wuchs  mit 
gefüllten,  rosa  Blumen. 

7»'.  r.  Germania,  von  mittelinässigem,  aufrechtem  Wuchs,  Blumen 
gefüllt  dunkel  violettrot. 

II.  r.  Helvetia,  ziemlich  hoch  werdend,  Blumen  gross,  einfach, 
weiss,  in  Büscheln. 

11.  r.  keteropkylla,  von  mittelmässigem  Wuchs,  die  Blätter 
sind  fein  geschlitzt.     Blume  einfach  weiss. 


Rosa  rubrifolia  frei  im  Rasen  ausgepflanzt. 

Originalaufnahme  für  die  „Gartenwelt". 


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Die  Gartenwelt. 


VII,   12 


B.  r.  ,.Mi»e  Georges  Bruant",  ziemlich  hoch  werdend. 
Blumen  halb  gefüllt,  reinweiss. 

B.  r.  „Mme  Ph.  Plantamour" ,  von  starkem,  auf- 
rechtem Wuchs.     Blumen  halb  gefüllt,  dunkelrot. 

B.  r.  „jSouvenir  de  Pierre  Leperdrieux" ,  von  niederem 
Wuchs.     Blumen  gefüllt,  hellrot. 

B.  r.  „Souvenir  de  Christopke  Cochei",  von  mittel- 
mässigem  Wuchs.    Blumen  sehr  gross  gefüllt,  lebhaft  rot. 

11.  r.  „Souvenir  de  Philemon  Coehet",  von  schwachem 
ausgebreitetem  Wuchs,  mit  grossen,  dicht  gefüllten  weissen, 
innen  rosa  gefärbten  Blumen. 

R.r.  „Thusnelda".  Es 
ist  dies  eine  Prachtsorte 
von  mässigem.aufrechtem 
Wuchs  und  enormer 
Blühbarkeit  den  ganzen 
Sommer  hindurch.  Die 
Blumen  sind  rosa-weiss 
und  ähneln  in  Grösse 
und  Form  der  pracht- 
vollen Theehybride 
.,  ViscountessFolkestone" . 

Nicht  nur,  dass  die 
Rosa  rugosa-Sovteu  früh- 
blühend  sind,  dehnt  sich 
auch  ihre  Blütezeit  auf 
den  ganzen  Sommer  aus. 
Die  grossen,roten  Früchte, 
welche  bei  den  meisten 
Surteii  sehr  zahlreich  er- 
scheinen, zieren  monate- 
lang die  Pflanzen. 

Zu  den  schönsten 
Sorten  von  mitt- 
lerem Wuchs  ge- 
hören ferner  noch: 

B.  sericea.  Es  ist 
eine  auffallende  Sorte 
durch  die  feinen  Fieder- 
blättchen, die  bis  10  cm 
lang  werden  und  dicht 
bei